Schon jetzt verlassen viele deutsche Optanten Po- I len, da sie den zwangsweisen Abschub nicht abwar- | ten wollen. Die polnischen Optanten in Deutschland I haben bereits den Befehl erhalten, Deutschland zu verlassen.
Turnen, Sport und Spiel.
Die Internationale Arbeiter- Olympiade in Frankfurt.
Der vierte Tag.
An Ergebnissen des gestrigen Kampftages sind nachzutragen.
Ringkämpfe: Bantamgewicht: Gehrrng- Deutschland: Federgewicht: Galin-Finnland:
Leichtgewicht (reguläre Klasse): Sarrkowsly-Finnland: Mittelgewicht (reguläre Klasse): Kokkmen- Finnland; Federgewicht (Altersklasse): Dohauer- Deutschland: Mittelgewicht lAltersklasse): Frer- berg-Lettland: Schwergewicht (Altersklasse): Wiß- mann-Deutschland.
Das Faustballspiel um die Olympia-Meisterschaft gewann die Tschechoslowakei gegen Deutschland mit 62:40.
In der Olympia-Meisterschaft im Handballspiel siegte Deutschland gegen die Schweiz mit 4:2.
Der fünfte Tag.
Die letzten, am 5. Kampftage der Olympiade ausgetragenen Wettkämpfe haben folgende Ergebnisse:
Turnen: Achtkampf für Turner: Rödel- Deutschland vor Rahnfeld-Deutschland und Burtt- Deutschland.
Zwölfkampf für Turner: Salomen- Finnland vor Mäli-Finnland und Lethinen- Finnland.
Achtkampf für Turnerinnen: Rcu- bauer-Oesterreich vor Benedix-Deutschland und Girke-Deutschland.
Zwölfkampf für Turnerinnen: Dick- Deutschland vor Pestova-Tschechoslowakei und Rebach-Deutschland.
Leichtathlet. Wettkämpfe: 4X100- Meier-Hürdenlauf: Erster Mattila-Finnland in 58 Sekunden vor Käüriänen- Finnland und Wels- Deutschland.
Kleine Olympiade-Stafette für Sportlerinnen (200, 50, 50, 100 Meter): Deutschland in 53.5 Sekunden vor Finnland und Deutschland (zweite Mannschaft).
4 0 0-M eter-Lauf für Sportler: Virta- Finnlant in 51.6 Sekunden vor Elo-Finnland und Houkki-Finnland.
Fu st k a l ls pi e l um die Olympiade- Meisterschaft: Sieger Deutschland (Sperke- Dresden, Dorn-Rürnberg, Kramer-Leipzig, Bogen-Leipzig, Raumann-Leipzig, Ehrlich-Leipzig, Schmidt l-Leipzig, Schmidt II-Leipzig, Reichel- Leipzig und Günther-Leipzig) gegen Finnland mit 2:0 (Halbzeit 0:0) Eckenverhältnis 9:5 für Deutschland.
5. C. 1900 bei Den Nationalen Wettkämpfen des D. s. N. Butzbach
Der B. f. R. Butzbach, schon seit Jahren eine Pflegestätte der Leichtathletik, bewies auch in diesem Jahre wieder sein Interesse an diesem schönen Sportzweig durch die Abhaltung seiner Rationalen Wettkämpfe am 25. und 26. Juli. Dieses Interesse wurde durch eine glänzende Besetzung mit noch glänzenderen Leistungen belohnt. Es waren die dominierenden Vereine aus Franlfurt (Borussia und Eintracht), Friedberg (D.f.B.), Wetzlar (F.E. 05) Weilburg, Siegen (Sportfreunde), Marburg (Athlettk- Sporw. und V. f. D.) in nur erster Besetzung erschienen. Der Gießener Sport-Club v .1900 hatte daher einen schweren Stand, kann aber mit dem Geleisteten zufrieden sein.
Samstags kam die Jugend, und zwar Jahrgang 11 und jünger, und Jahrg. 09/10, zu Wort. 73n ersterem Jahrgang brachte Otto (1900) die 50 Meter in 7,2 Sek. an sich. Dritter in dem- selben Lauf wurde Schütz (1900). Auch die 4x50-Meter-Staffeln in diesem Jahrgang behaupteten wieder das Feld und kamen an erster und zweiter Stelle vor V. f. R. Butzbach ein. In Weitsprung belegte Wachenschwan einen zweiten Platz. In der Jugendklasse 09/10 hatte der zur Zeit sehr gut in Form befindliche 1900er Lohnes in einem Vertreter der Frankfurter .Eintracht" einen scharfen Konkurrenten und
Fräulein Fob.
Roman von Anders Eje.
32. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Alles kehrt wieder," schließt er, „immer öfters erlebt man es, daß das Vergangene wiederkommt und spukt, — besonders in einem alten Schloß. Ich habe das Vergnügen, Sie auf Warminge zu begrüßen, Fräulein Dulcroft, aber ich muß eine ernste Frage an Sie stellen: <5te fürchten sich doch nicht vor Gespenstern?"
Gabby und Herr Kehler fühlten sich erleichtert, als dieser Gespensterlunch endlich vorüber war, Fob hätte aber gewünscht, so wenig angenehm es ihr auch gewesen wäre, noch endlos lange am Tische sitzen bleiben zu können. Denn sie wußte, was ihr nun bevorstand, und sie sah voraus, was Fellips jetzt sagen würde. Vielleicht was dies auch nicht allzuschwer.
Sowie er seinen Stuhl weggeschoben hatte, verbeugte er sich höflich von den Gästen und sagte:
„Sie nehmen es mir wohl nicht übel, meine Herrschaften, wenn ich jetzt einige Worte mit meiner Frau zu reden habe."
Dann wandte er sich zu Fob:
„Komm, wir gehen hinab in den Park."
Fob nickte stumm und folgte Herrn Fellips. der die Treppe hinabsprang und einer Gartenbank zueilte, wo man sicher war, nicht gehört zu werden, auch wenn die Stimmen einmal etwas lauter werden sollten.
„Hast du etwas dagegen, wenn wir uns dort ein wenig niedersetzen?"
Fob setzt sich, blaß und stumm. Sie versucht, ihre letzten Kräfte zu sammeln, um dem Unwetter zu begegnen, das jetzt vor der Türe stand. Herr Fellips hat die Maske des liebenswürdigen, unterhaltenden Raisonneurs gänzlich abgelegt.
„Was soll das hier heißen?" fragte er mit unterdrückter Wut in der Stimme.
„Was?"
„Ach, du verstehst mich sehr gut. Warum ist Fräulein Dulcroft hier?"
„Findest du dies so entsetzlich merkwürdig?" „Ja, das tue ich. Ihr Besuch ist nicht erwünscht, daß du es weiht,"
mußte sich über 100 Meter von ihm knapp geschlagen bekennen. Zeit des Ersten: 12,2 Sek. Dafür ging aber dann Lohnes im Hochsprung mit 1,45 Meter als Sieger hervor. Ganz erbitterte Kämpfe gab es in der letzten Jugendklasse. Die 4xl00-Meter-Staffel des S. C. 1900 mit Lohnes, Hopfenmüller, Dickel und Guyot wurde in 48,2 Sek. hinter „Eintracht" Frankfurt und D. f. R. Butzbach vor Sportfreunde Siegen guter Dritter. Lieber 1000 Meter war cruch wieder die Eintracht tonangebend. Bep- perling (1900) wurde in diesem Lauf in der ganz hervorragend zu nennenden Zeit von 2.48 Minuten hinter den beiden Frankfurtern Dritter. Zeit des Ersten: 2,43 Min. (I). Das Kugelstoßen für Anfänger sah den 1900er Birken stock mit 16,80 Meter (beidarmig) auf dem dritten Platz. In den offenen Wettbewerben hatte Seipp (1900) im Hochsprung bei 1,63 Meter keinen gefährlich werdenden Gegner mehr. Er wurde mit dieser Leistung verdienter Erster. Der Weitsprung glückte ihm diesmal nicht besonders gut, was auch auf die rasche Aufeinander- folgte der von ihm belegten Disziplinen zurückzu- fühven sein mag. Mit 6,06 Meter wurde er Dritter. Zum Schluß sei noch die gute Plazierung der Klubleute in der 4xl00-Mcter-Staffel her- vorgehoben. Mit Langloh, Wallenfels, Seipp und D a ch m a n n belegte man hinter „Borussia" Frankfurt, die zur Zeit mit zu den besten süddeutschen Viererstaffeln gehört, vor „Eintracht" Frankfurt und Sportfreunde Siegen in 45,7 Sek. den zweiten Platz.
Gauverbands - Wettschwimmen.
Eirfolqe des Turrrgaues Hessen.
< Im Schwimmbad am Arheilger Mühlchen zu Arheilgen fanden für den 1. und 2. Gauverband im 9. (Mittelrhein-) Kreis der D. T. die Gauverbandswettkämpfe im Schwimmen statt, die auch als Ausscheidung für das @ r e i 5 ro c 11 = schwimmen während des Kreisturnfestes in Gießen galten. Es wurde also bei der Veranstaltung, die äußerst spannend verlief, Vorarbeit für die Gießener Tage geleistet. Nur die Sieger im Gauverbcmd können an den Wettkämpfen in Tietz e n teilnehmen. Da sich daselbst aus den sechs Gau- oerbänden die Besten dem Starter stellen werden, verspricht das Gießener Wettschwimmen hochinteressante Kampfe.
Wie |Bart' der Wettbewerb in Arheilgen war, zeigen die eingegangenen Meldungen. Es lagen vor über 420 Meldungen zu Einzelkämpfen, fast 60 zu Slchfelkämpfen mit über 320 Teilnehmern von 23 Vereinen, darunter aus Frankfurt, Offenbach, Hancui, Darmstadt, Gießen. Die Kämpfe waren ein erneuter Beweis von dem gewaltigen Aufschwung des Schwimmens in der D. T.
Von Turnern und Turnerinnen unseres Gaues Hessen, der dem 1. Gauoerband des Kreises an- gehörl, wurden die folgenden Erfolge errungen, die zum Teil recht beachtenswert sind.
Turner:
Springen ^Mittelstufe): 1. Sieg W. Schäfer, Tv. Wetzlar, 90 Punkte: 4. Ed. Schröhr, Tgm. Friedberg, 85 P.
Streckentauchen (Mittelstufe): 1 .Kurt (9enh, Tgm. Friedberg, 34 Meter: 2. W. Schäfer, Tv. Wetzlar, 90 Punkte: 4. E. Schröter, Tgm. Fried- (Gau Kinzig), 30 Meter.
Mehrkampf (Mittelstufe): 1. Emil Geihmar, To. 18 4 6 Gießen, 901 P.; 2. W. Schäfer, To. Wetzlar, 88 P.: 4. Kurt Gerth, Tgm. Friedberg, 85) P
Bru st schwimmen, 100 Meter (Mittelstufe): 3. Christian Ziegler, Tv. 18 4 6 Gießen, 1:33,2; 4 Kurt Gerth, Tgm. Friedberg, 1:34,6.
Rückenschwimmen, 100 Meter (Mittel- (Mirtelstufe): 2. Will). Schäfer, Tgm. Friedberg, 1:36,4.
Freistilschwimmen, 100 Meter (Mittelstufe) : 1. E. Bareiter, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 1:37.
Hühschwimmen für Turnerjugend, 50 Meter: Fritz Neid, Tv. Wetzlar, 32,6 Sek.
Br u st schwimmen für Turnerjugend, 50 Meter: 1. Fritz Nold, Tv. Wetzlar, 39 Sek.
Turnerinnen:
Hauptspringen (Mittelstufe) 2. Marie Gauff, Tgm. Friedberg, 43 P.
B r u st s ch w i m m e n , 50 Meter (Mittelstufe): 2. Gustel Lindenstruth, T o. 18 4 6 Gießen, 54,6 Sek.
Run faßt Fob doch ein wenig Mut, und es gelingt ihr zum erstenmal, eine ordentliche Antwort zu geben.
„Es ist also entsetzlich merkwürdig, daß ich den Besuch meiner besten Freundin erhalte? Lind es ist nicht erwünscht! Hätte ich ihr also die Türe weisen sollen, als sie nach unerhörter Mühe mich endlich aufgefunden hat?"
„Das klingt ja alles entzückend unschuldig und harmlos. Aber du glaubst Wohl nicht, daß ich so naiv bin, das Komplott nicht zu sehen, das die Damen jetzt schmieden wollen. Ich weiß mehr als du ahnst. Lind du weißt, daß es gefährlich sein kann, mich zu reizen. Soll ich so unzart sein und dich nochmals daran- erinnern, was für ein Dokument sich in meinem Besitz befindet "
„Du hast mir an unserem Hochzeitstag versprochen, es mir zurückzugeben. Erinnerst du dich nicht?"
„Gewiß. Aber genug davon, es war klug von mir, es vorläufig zu behalten. Ich habe keine Lust, die Macht aus meinen Händen gleiten zu lassen."
Vor dem Auftritt, der nun loszubrechen drohte, gewann Fellips seine gewohnte Beherrschung zurück. Er ging einige Schritte dem Schloß zu und rief eine Kammerjungfer.
„Lili, komm herunter. Der gnädigen Frau ist nicht wohl — — —“
Zur selben Zeit spielte sich in einem anderen Teil des Parkes ein kleines Genrebild weitaus leichteren Charakters ab. Sobald Fob auf Befehl ihres Mannes verschwunden war, ergab sich für Herrn Keyler von selbst die Gelegenheit, sich für die Blamage auf der Hotelavenue zu revanchieren. Es gelang ihm, Gabby zu einem kleinen Spaziergang im Park zu bewegen, und er sorgte dafür, daß sie in ganz entgegengesetzter Richtung gingen, als wohin Herr Fellips und seine Frau in nervöser Eile verschwunden waren.
Herr Kehler vermied alle Umschweife:
„ Fräulein Dulcroft, Sie haben droben beim Lunch einige Volltreffer auf mich abgefeuert. Zugegeben, daß sie teilweise wohlverdient waren. Aber andererseits war es doch ein recht billigen Sieg: tm Schuhe des Herrn Fellips."
Schach-Erke.
Bearbeitet von W. O r b a ch.
Alle für die Redaktton bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers".
Problem Nr. 22. Don W. "Done. (Palamede 1846.) Schwarz: a b c d e f g h
8
7
6
5
4 3 2
1
8
6
5
3
2
h
a
Weiß:
Matt in drei Zügen.
Partie Nr. 14.
Gespielt in der Sten Runde zu Breslau, am 22. Juli 1925.
Indisch.
Weiß, Grünfeld Schwarz: Bogoljudow
1. d2 —d4 1. Sg8-f6
2. c2-c4 2. e7-e6
3. Sgl - f3 3. Lf8-b4+
Diese Variante stammt von Bogoljudow und gibt eine befriedigende Verteidigung, Weiß mutz entweder den Läufer vorstellen, dann erleichtert der Abtausch die Verteidigung oder der Springer auf C 3, dann bildet nach Abtausch der Doppelbauer auf der OLinie eine Schwäche, oder den Textzug machen, mit welchem er seine Entwicklung erschwert.
4. Sbl-d2
4. 0-0
5. a2-a3
5. Lb4-e7
6. e2-e3
6. d7-d5
7. Lfl-d3
7. Sb8-d7
8. 0-0
8. c7 —c5
9. Ddl-e2
9. c5xd4
10. e3Xd4
10. b7-b6
11. c4xd5
Es kam in Frage b2 zu ziehen um mit dem Dauer zurückschlagen, wenn Schwarz zur Oeffnung seiner Damenläuferdiagonale a X c spielen sollte. Weih würde dabei auf d 4 und c4 zwar „hängende Dauern" aber gute An- grifssavssichten behalten. Der erfolgte Zug ermöglicht dem Schwarzen ein Spiel auf den Dauern d 4 — allerdings bezieht Weih auf e 5 eine starke Springerstellung.
11 11. Sf6xd5
12. Sd2 — c4 12. Lc8-b7
13. Lei — d2 13. Ta8-c8
14. Sc4-e5 14. Le7-f6
15. De2 — e4
Damit gerät Weiß auf eine schiefe Ebene. Er glaubte nun eine Schwächung der feindliche« Königstellung zu erzwingen, welche es ihm ermöglicht, auf direkten Königsangriff zu spielen. Diese Beurteilung der Stellung erweist sich al- falsche: richtig war 15. Tel mit ruhigem Post* ttonsdruck.
15 15. g7 —g6
16. De4-g4 16. Sd5-e7
Ein ausgezeichneter Derlei digvngszug,
Schwarz droht mit L x e5.
17. dxe, Lxf3! nebst Sxe5 zu gewinnen.
17. Ld3-e4 17. Lb7-a6
18. Dg4-f4
Diese Kombination wird vom Gegner schlagend widerlegt. Aber Weiß hatte keinen guten
Zug mehr.
18 18. LföxeS
19. d4xe5 19. f7-f5!
20. Df4-h6. Schlägt Weiß en passant, so folgt TXfö und gewinnt.
20 20. Tf8-e8
Auf fXe oder Lxfl würde Sg5 folgen.
21. Ld2-g5. Weiß hat keine brauchbare Fortsetzung mehr.
21 21. f6Xe5r --
22. Sg5-f6 22. Se7-f5ü
Dadurch wird der Angriff vollständig abgeschlagen und Schwarz gewinnt zwei Figuren. 23. Dh6-g5 23. Sd7xt6
24. d5xf6 24. e4xf3
25. Tfl-dl 25. Sf5-d4
Weih gibt auf.
Lösung des Problems Ar. 21. Don Adolf Anderffen.
1. Tel, Kd4: 2. e4, fe: en pass. 3. Tdl matt
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch.
Das Nationalgericht.
Fünf Mitglieder der Familie Knorke landeten nach zweistündiger Wanderung in der Osteria und feuchteten das Tischtuch mit dem Schweiße ihres Angesichts, in dem sie ihr Brot zu essen gedachten.
„Kinder," stöhnte Herr Knorke und begann den fünften steifen Kragen des heißen Tages zu wechseln, „Kinder, — wat jäb ich jetzt for eene Berliner Weiße mit Schuß!"
Herr Knorke sagte nicht, was er zu geben gedachte. Erstens, weil der jetzt ebenfalls am Knor- keschen Tisch stehende feiste Wirt verständnislos die Achseln zuckte, zweitens weil ihn Frau Knorke durchbohrend ansah.
„Aujust," monierte sie, „du hast feen StiljefühL Jleich wirst du noch 'ne Bockwurst verlangen! Aber wo wir eenmal in Italien sind, müssen wo uns doch nach den Sitten des Landes richten." Frau Knorke sah sich triumphierend um. Sie fühlte, daß sie das sehr schön gesagt hatte. Und fuhr fort: „Un mit bet Essen is bet ooch so. Een stilvoller Mensch ißt in Italien eben bloß italienische Ierichte, sojenannte Nationaljerichte!"
„Meineswejen!" widersprach Herr Knorke nicht. „Bestell mal eens!"
Worauf sich Frau Knorke überlegen an den Wirt wandte: „Also, denn bringen Se mal fünf Portionen italienischen Salat!"
Bru st schwimmen für Turnerinnenjugend, 50 Meter: 1. Gretel Scheer, Tv. Wetzlar, 44,2 Sek.
1. Springen für Turnerinnen-Ju- g e n d: 1. Gretel Scheer, Tv. Wetzlar, 47 Punkte.
Bei dem starken Wettbewerb der großen Vereine vom Main und Rhein sind das schöne Erfolge der meist noch jungen Schwimmabteilungen des Gaues Hessen. Möge der Erfolg ein Ansporn sein zu weiterem fleißigen Heben, möge er aber auch mit dazu beitragen, daß sich die Erkenntnis immer mehr durchringt, daß zu einem vollkommen burdmebilbeten Körper auch bas „Turnen im Wasser" gehört. Es barf mit Bestimtheit angenommen werden, daß die genannten Sieger und Siegerinnen im Gau- Dcrbnnb auch bei dem. Kreisschwimmen in Gießen den Hessengau würdig vertreten werden.
„Ich hätte Ihnen dasselbe gesagt, und wenn hundert andere Leute dabei gewesen wären."
„Meinetwegen, — aber wollen Sie mir jetzt 200 Meter des Weges für ein kleines Plaidoyer gewähren? Gelingt es mir auch nicht im mindesten, mir Absolution zu verschaffen, so dürfen Sie mich unterbrechen, und ich will dann als der Sünder dastehen, dem nicht verziehen werden kann."
„Bewilligt."
„Gestatten Sie mir also, vor allem etwas festzustellen, wogegen Sie nicht protestieren sotten, bevor ich zum eigentlichen Thema komme. Ein Mann braucht deswegen, weil er eine ihm unbekannte Dame auf der Straße anspricht, noch gar kein Lümmel und gewöhnlicher Mädchenjäger zu sein.
Lächeln Sie nur, Fräulein Dulcroft, — so ironisch Sie wollen, aber unterbrechen Sie mich nicht. Ja, es gibt mindestens zehn verschiedene Llmstände, unter denen es für einen Mann nicht nur entschuldbar, sondern geradezu gestattet ist, sich einer jungen Dame auf die Weise zu nähern, wie — Sie erinnern sich ja. Lassen Sie mich ein paar Beispiele anführen. Rehmen Sie an, ein Mann steht plötzlich Auge in Auge vor einer grau, die für ihn den idealen Frauentyp vorstellt, den er immer gesucht, aber niemals gefunden hat, — sucht man eine Frau, so kommt sie ja nie, es geschieht immer nur dann, wenn man es am wenigsten erwartet' — nun also, er trifft diese grau, sott er dann nur aus Furcht vor den konventionellen Gesehen den Zufall un- benüht lassen? Wo die Wahrscheinlichkeit, daß er ihr in korrekter Weise in irgendeinem Salon vorgestettt würde, gleich null ist. Dies ist ein Beispiel. Ein anderes, — jeder Mensch kann Augenblicke haben, in denen er gewissermaßen seiner Sinne beraubt ist. Ein Mann kann plötzlich besonders in dem kalten feindseligen Gewirr einer Grohstadtstraße, von dem Gefühl einer Wurzellosigkeit ergriffen werden, er sehnt sich nach der wärmenden Anwesenheit einer Frau, die an seiner Seite geht, die seinen Worten lauscht, die ihm in die Augen blickt und einer heimatlosen Seele die Illusion des Verständnisses und der Teilnahme schenkt Wie gesagt.
Amtsgericht Gießen.
* Gießen, 24. Juli. Eine in einem benachbarten Dorfe wohnende Frau Sch. behauptete, der Briefträger habe mehrmals Postsachen, die an sie gerichtet gewesen seien, falsch bestellt, so daß sie dieselben nur mit Verspätung ober überhaupt nicht erhalten habe. Anfangs März warf nun der Postbote versehentlich einen für die Frau Sch. bestimmten Brief in den Briefkasten der mit ihr in dem gleichen Haufe wohnenden Frau A. Als diese den Brief in dem Kasten bemerkte, hotte sie ihn alsbald heraus und legte ihn vor die Türe der Frau Sch., die auch gleich darauf erschien und chn an sich nahm. Frau Sch. behauptete nun dem Briefträger gegenüber, Frau A., mit der sie nun schon seit
ich könnte noch ungefähr acht Beispiele anführen. Sott ich fortsetzen?"
„Sehen Sie sich um, dann können Sie sich selbst ausrechnen, ob Sie fortsehen sotten."
Herr Keyler sah sich um, wußte aber nicht, wozu.
„Ich könnte Sie ja jetzt nach 200 Meten schweigen heißen, wenn ich Ihr Verbrechen al8 Sünde gegen den heiligen Geist betrachtet hätte.
„Ich verstehe nicht."
„Sehen Sie nicht, daß wir mindestens schon 300 Meter weit gegangen sind. Sie haben meine Verzeihung, Herr Keyler!"
„Ihr Edelmut entzückt mich, Fräulein Dul- roft."
„Liederschätzen Sie nur nicht meine Güte! Sagen Sie nun, welchen Ihrer mildernden LIm- stünde sott ich denn auf Sie anwenden?"
„Daß Sie das Herz haben können, mich so, zu quälen, wo ich doch schon Absolution bekommen habe. Wett! Ich teilt Ihnen doch antworten: also jenen, der Ihnen am besten beijagt, mit der Einschränkung, daß ich äußerst selten sinnesverwirrte Augenblicke habe. Lind jetzt ist aber die Sache erledigt und die Absolution endgültig?"
„Das ist sie. Meine Hand darauf. Aber denken Sie daran, daß mein Edelmut sich auf keinerlei Absolution für künftige Sünden erstreckt!"
XII.
Minen.
Linter Herrn Fettips Füßen breitete sich die große, flimmernde Meeresbucht, ein ständig wechselndes Spiel von taufend verschiedenen Tönen, vom tiefen Liltramarinblau und durchsichtigen Kobalt bis zum glitzernden Zitronengelb der Sonnenreflexe. Der Horizont schien näher als sonst zu sein, weit hinten standen die Inseln in greifbarer, beinahe harter Klarheit.
Der Leser weiß sofort, daß eine Landschaft nur an einem frühen, kühlen und klaren Spätsommermorgen ein solches Aussehen annimmt. Weih er es nicht, so war er noch nie an einem! solchen Morgen früh genug draußen.
(Fortsetzung folgt)
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