Ausgabe 
29.5.1925
 
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Nr. 124 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzelger ,ur woenwi«.

dieiiag, 29. Mai 1925

Tschi rschky.

weiter zu erörtern.

11 n g a r i f d) e Kom-

herb und lieblich

MONDAMIH-FEINKOST-PUDDIHG

Musik, während reise Leistungen ausblieben. Die Wiener Schule versagte. Neben einer etn- fallSarmen Gehirmnusii gab eS eine aus abrup-

mit echtem MokkAgeschmack dank Verwendung fein­ster Kaffeebohnen, kein Extrakt Versuchen Sie den Mondamin-Mokka-Pudding und servieren Sie ihn mit guter Vollmilch oder Schlagsahne. Vertangen Sie aber stets:

ponisten gefielen hingegen durch knappe, präg­nante Ausdruckskunst und eine infolge homo­phoner Schreibart erreichte Monumentalität. Auch die böhmischen Komponisten kamen noch zu Gehör Ein Deutschböhme strebt nach Durch- seelung der Musik, ohne sein Ziel erreicht zu haben, und ein französischer Döhme hat beinahe eine Spvrtmusik geschrieben. Englische Musik fiel infolge ihrer Eintönigkeit ab. während Franzosen und Italiener wiederum in Farbensreudigkcit schwelgen und dabei tief er cd Empfinden nicht beiseite lassen. Vielfach über­schreiten diese Werke das Gcbvt der Tonalität, was beinahe schon als unproblematisch empfun­den wird, weil sich dieser Vorgang zwanglos vollzieht und folgerichtig erscheint. DaS Ver­weilen auf noch unbekanntem Doden verhindert daS Eni stehen von Gipfelpunkten innerhalb dieser neuen Musik, die als Norm die Poliphone gesetzt hat, nachdem die beherrschende Harmonik ihr: Hebermacht eingebüßt hat. Meist ertönte sind daher nicht eher zu erwarten, als nicht daS Gleichgewicht durch gemeinsame, übernnstimmende Anschauungen wieder hergestellt ist.

Vom Provinzialausschuh.

Der Provinzialausschuß für die Provinz Oberhessen verhandelte und entschied in seiner jüngsten öffentlichen Sitzung über folgende Streit­punkte:

Errichtung einer T urbi n e nan l a g e durch die Johannes Dörr W w e. auf der Dammes- mühle bei Arnshain: hier: Berufung der Witwe Dörr gegen das Urteil deS Kreisaus- schusseS deS Kreises AlSseld vom 29. Dezember 1924. Die Johann Dörr Wwe. hat bei dein KreiSamt AlSseld um die Genehmigung zur Ein­richtung einer Turbine in ihrem Mühlenwerk an Stelle eines brsher benutzten Wasserrades beantragt. Während die Pläne und die Beschrei­bung der Anlage offen lagen, hat der Wiesen­besitzer Johann Konrad Pfeffer in ArnShain, der mit einer groben Wiese an den TriebwerkS- kanal anstöht. Einspruch erhoben, weil er be­fürchtet, dah durch die Höherstauung deS Wassers im Triebkanol seine Wiese versumpfen werde, und weil auberdem die Tränkestelle für fein Vieh vermutlich in Wegfall kommen solle. Der ober­halb deS Mühlwehrs gelegene Müller Heinrich Papst hat Einspruch erhoben, weil er sich da­durch beschwert fühlte, daß durch die Höher­stauung des Wassers der Abfluß in dem Unter- wasserkonal seiner Triebwerksanlage gehemmt werde. Der Kreisausschuß des Krerses Alsfeld

Die Versuche, Bierteltonmusik einzu­führen, müssen als gescheitert angesehen werden. Die deutliche Erkennbarkeit von Dierteltönen und die dadurch erreichte Ausdehnung deS TonshstemS ist nicht zu bestreiten, doch fehlt noch der große Wegweiser, der mit einem Kunstwerk von Nang den ersten Schritt in dos Neuland tut.

Die tschechische Oper besitzt alS bedeu­tendstes Merkmal die A b k e h r vomWaaner- Smetana Stil und wird vielleicht berufen sein, einen neuen Opernstil entwickeln zu helfen. Die Abwandlung eines Motivs in verschiedener Gestalt und die weite Ausspinnung von Themen wird gemieden, statt dessen versucht eine knappe Tonsprache durch kurze, charakteristische Motive die Handlung nicht zu unterstreichen und unter­malen, sondern psychologisch zu vertiefen und musikalisch-symbolisch zu gestalten. Die moderne Ausdruckskunst ist hierzu ein überaus geeignetes Mittel. Bei der Wiedergabe sämtlicher Orchester- Werke hat sich die tschechische Orchestervercini- gung der Philharmonie als ungemein befähigt erwiesen, ihre neuzeitlichen Kompositionen in mustergiltiger Weile aufzuführen. wie es ein weniger einfühlungsfähiges Orchester niemals er­reichen könnte. Die verschiedenen Dirigenten schufen mit diesem Orchester Glanzleistungen.

Dr. H.Sch.

I aegenüberftänben. In England fei die Armee eine jozu sagen künstliche, neben der Nation stehende Institution, während bei uns da» Heer einen in­tegrierenden Bestandteil des Volkes jelLft bilde. Herr Haldane, der mit deutschen Verhältnissen genau vertraut ist, hatte volles Verständnis für diesen grundlegenden Unterschied im Heerwesen der bet- den Staa'en. Jur England spiele die Marine eine ähnliche Rolle im Volksbewußtsein wie bei uns das Heer, und er sei überzeugt, daß er und das Ka­binett bei feinen Landsleuten sehr bald jede Popu­larität einbüßen wurde, wenn etwa mit einer wirk­lichen Reduktion der Flotte vorqegangen werden sollte. Fast die ganze englische Presse' sei fonfer- vativ und gegen jede Einschränkung der Wehr­kraft: hiermit mäste auch die liberale Partei red)- nen, in deren Reihen übrigens die Stimmung für Abrüstung ebenfalls im Abflauen begriffen fei.

Er meinte, es werde im Haag vor allem darauf anfommen zu vermeiden, daß Deutschland etwa den anderen dort vertretenen Staaten gegenüber isoliert werde, und er werde dies Sir Edward Grey gegen­über noch besonders hervorheben. Ich konnte dem nur beipilichlen und empfahl äußerste Vor- ficht bei Behandlung dieses Gegenstandes. Dir könnten uns im Haag auf irgendeine Abstim­mung, diese Frage betreffend, niemals einlasten, und ich müffe darauf bestehen, daß das Wort disarmame«:" in irgendeiner etwa zu fastenden Resolution überhaupt nicht vorkoinme. Wenn Eng- land oorfchlüge irgendeinen unverbindlichen Wunsch auf Erhaltung des Friedens und daraus folgende zukünftige Möglichkeiten für Verlangsamung des Tempos in den Kriegsrüstungen, so könnten wir darüber vielleicht reden Ter Gedanke, den Seine Majestät der Kaiser dem König Eduard gegenüber angeregt habe, daß Deutschland und England sich vor dem Zusammentritt der Konferenz über diese Materie einigen sollten, leuchtete Mr. Haldane sehr ein, um so mehr als er der Besorgnis Ausdruck gab, daß, wenn wir nicht vorher zusammcngingen, jedenfalls Amerika sich, wie er guten Grund habe anzunehmen, des Stoffes bemächtigen und wohl mit zu weit gehenden Forderungen hervortreten würde. Herr Haldane kam schließlich nochmals dar­auf zurück, daß Seine Majestät der Kaiser und Deutschland versichert sein können, daß England weder im Haag noch sonstwo jemals seine Zustim­mung zu einer Maßnahme geben werde, die Deutsch­land isolieren oder in Gegensatz zu anderen Mäch­ten setzen könnte. Ties beziehe sich auch auf die Idee eines cnglisch-französisch-russischen Dreibundes, den er schon nach der geographischen Lage Deutschlands als für uns inakzeptabel betrachte.

Ich habe Gelegenheit genommen die vor­stehende Aufzeichnung Seiner Majestät dem Kaiser zur allerhöchsten Kenntnis zu unterbreiten, aller- höchstwelcher sich mit den darin entwickelten Ge­sichtspunkten einverstanden zu erklären geruhten. Ew. werden hiernach in der Lage sein, mit den britischen Staatsmännern die Fragen betreffend das Verhältnis zu Frankreich und die englisch-deutsche Stellungnahme auf der Haager Konferenz vorsichtig

ten Klängen zusammenhanglos zurechtgezimmerte Orchestermusik au hören, die nur als Verirrung bezeichnet werben kann.

Deutschland und die Haager Friedenskonferenz.

Winnen, und das erfordert Zeit und Hebung. Darunr kann man dem Wunsche von Herrn Möllendvrff durchaus beipflichten. dah sich recht viele berufene Loysetzer in ihrem Schassen dem Dicrteltonsystem zuwenden mögen: denn gerade am fertigen Kunstwerk wird daS Ohr gebildet, und damit ist die Voraussetzung 5um aktiven Erleben gegeben. Von der Möglichkeit, mit Dierteltönen zu schaffen, zeugten die Komposi­tionen des Vortragenden: gerade m ihrer Kürze zeigten He. daß mit den Dierteltönen neue Mög­lichkeiten für die Lharakterisierung von Stim­mungen gegeben sind.

Der Autor bittet uns noch um die kurze Mitteilung, daß er seinen »Vortrag am bichro- matischen Harmonium", von mehreren privaten Vorführungen in Berlin 1916 abgesehen, viermal 1917 in Wien und je einmal in Berlin. Köln, Bielefeld. Düsseldorf. Kassel, Leipzig und Frank­furt a. M. gehalten hat und daß sein Büchlein Musik mit Dierteltönen", ebenlo wie seine,Fünf kleinen Stücke für das bichromatische Harmonium" (op.26) im Jahre 1917 bei Leucka rt in Leipzig erschienen sind.in

Prager Mufikfest.

Inmitten zahlreicher, musikalischer Deranstal- tungen waren zwei Orchester-Konzerte und die Ausführung einer tlch«hiichen Oper bemerkens­wert. Allerdings überwog die erperimentelle

Musik mit Vierteltönen.

Vortrag 5t3illi Atölleudorff in der (Siebener Hochfchukgescllschast.

Herr Willy M ö l l e n d 0 r s f bot in seinem ««führenden Vortrag dal. waS er in fernem Büchlein lM usik mit Dierteltönen", Ceipyg 1917) niedergelegl hat. ES galt ihm be- lonbers. d'

Dierteltönen in der Praris klarzulegen und den Hörer von dem Eindruck der Vierteltöne zu lkberzeugen Dazu bot er zunächst die Diertelton- kkala an sich dar, dann die Auswirkung der 2%ertcltone in der Harmonie, besonders berührte w bei Gebiet der Modulatton.

Da zeigte sich, daß die Harmonie durch die Merteltöne an Ausdruckskraft gewinnen kann, oorausgefetzl. daß unsere Ohren imstande sind, stch für diese'Harmoniefolgen ein- und umzustellen, ww beim Musikerleben kommt es nicht nur auf b«« an, waS dem Ohr daraeboten wird, sondern w« * vorn Ohr bzw. der Psyche verarbeitet wird: «est dann wird man von einer persönlichen Wir- h^ng der Musik reden können. BiS jetzt wird es manchem so ergangen fein, daß für ihn die Sertcltonmufif nur akustisches Phänomen blieb, chee nicht »um psychischen Erlebnis wurde. Dahin lührt ein schwieriger Weg. denn eS gilt Ton- oorstellungen neu auszubcmen und neu zu ge­

bet Kaiser Wilhelm II.

London und Berlin die Marmefragen, sowett sie rein technischer Natur seien, wie z. B. Sontre- banbe u. a zwischen uns und England schon letzt zur Diskussion zu stellen.

Der König sowohl wie Sir Charles Hardinge 1 nb Sir Frank Lascelles, mit welchen letzteren beiden ich die Frage ebenfalls im E i n 0 e r - ständnis mit Seiner Majestät eingehend er­örterte, nahmen den Gedanken einer vorhergehen- den Verständigung mit uns bereitwilligst auf. Sie I igten, auch englifcherseits feien derartige Er- Tagungen im Lause der letzten Monate bereits ge­pflogen worden, und man Hobe fidj be­reits mit der Absicht getragen, an uns hcranzutreten. Eie würden meine An­regung sofort in bas Kabinett nach London weiter­geben und hofften, auch dort sicher vollem Ver- ständnis dafür zu begegnen. Es wäre gut, so bald wie möglich in die Prüfung dieser Frage einzu- treten.

So weit meine Besprechung mit dem König und den englischen Staatsmännern über diese Frage.

Ich bemerke hier, daß es mir bei obiger An­regung vor allem daraus angekommen ist, zur Basis für irgend eine Verhandlung direkt mit England zu gelangen, wo­durch nach und nach intimere Beziehungen zut­schen uns sich entwickeln könnten Ob in concreto au einem praktischen Resultat zu gelangen sein wird, steht dabei in zweiter Linie. Ich habe Gewicht darauf gelegt, den rein technischen Charakter dieser eientueUen Verhandlungen, im Gegensatz zu poli­tischen Fragen, zu betonen.

Aus meinen weiteren Unterredungen mit dem König und Hardinge will ich noch hervarheben, daß ich ihnen wiederholt und ima'-brücklich ausein- anderaefetzl habe, daß Deutschland an dem vor sechs Jahren feftgelegien und publizierten Flotten- gesetze festhalten müsse Deutschland baue aber seine Flotte nicht in aggressiver Tendenz gegen den einen ober den anderen Staat, sondern würde seine Seemacht nur nach den Bedürfnissen des eigenen Interesses zum Schutz seiner Interessen einrichten. Ob England gut tue und in der Lage sei, auf die Dauer den sogenannten Two-Power- Standard aufrechtzuerhalten, erscheine mir bei dem fortdauernden Wachsen aller übrigen Flotten der Welt zweifelhaft.

Mit Sir Lascelles hatte ich Gelegenheit über die Haager Konferenz zu sprechen, deren Nichrtu- ftanbefommen er auch auf das fcbnlidjfte erhoffte. Wir tarnen überein, daß sie eine Quelle gefähr­lichster Art für trübungen und Reibungen wer­ben könne. Ich erklärte ihm, baß meine Instruk­tionen für meine Ministkr biefelben geblieben seien wie für die erste Konferenz: ,Jm Falle des Auftauchens der Abrüftungsfrage in irgendeiner Form unterbleibe die Teilnahme Deutschlands. Da ich sowohl wie mein Volk es niemals dulden wür­den, uns von Fremden irgendwelche Vorschriften über unsere Militärischen und Maritimen Verhält- niste machen zu lassen. Sir Frank erwiderte mir: »I perfeetly understand, and quite agree with you, that is qui'te out of the question, and impossible. 1t is exaetly the same with us.e

Wilhelm I. R.

Der Staatsfefretdr des Auswärtigen Amtes von Tschirfchky an den Botschafter in London Grafen von Metternich.

Privatbrief. Konzept.

Berlin, den 4. September 1906.

(abgegangen am 5. September)

.... Das Gespräch kam bann auf bie Haa­ger Friedenskonferenz. Herr Haldanc sagte, er habe soeben lange mit Seiner Majestät dem Kaiser über diesen Gegenstand gesprochen und 00m Kaiser gehört, daß Deutschland feine Beteiligung daran verfugen müsste falls die Abrüftungsfrage dort zur Diskussion gestellt werden^ solle. Er wisse, daß auch König Eduard hierüber ähnlich denke, und er finde den Standpunkt unseres aUergnäbigften Kai- fers durchaus berechtigt. Wie erörterten im Zu- fammenhang hiermit des längeren das durchaus verschiedene Verhältnis, in dem die Armee in Eng- land und die unserige den jeroeiligen Nationen

Eduards VII. Besuch

Als stärkster Beweis für den Kriegswillen der deutschsn Regierung ist stets die Haltung der deut­schen Vertreter auf den Haager Friedenskonferen­zen. besonders aber auf der zweiten angeiehen raerben. hick habe allein bas deutsche Verhalten verhindert, daß der Gedanke des Schied-gerichtes imb einer allgemeinen Abrüstung nicht zur Ausfüh­rung kam. Der 23. Band der Großen Aktenpubli- fahon des Auswärtigen Amtes, rer die Zweite Haager Fciebenskonferenz in ausführlicher Weise b «handel l, zeugt davon, daß bet der Stellungnahme k»r übrigen europäischen '.Regierungen oftmals nicht io sehr der Wille zum Frieden, sondern poli­tische Absichten ausschlaggebend waren. Jeden- fnlls wird die so oft gerühmte englische Stellungnahme ta em etwas zweifelhaftes Licht gerückt, wie auch die beiden hier veroffentttchten, dem 23. Bande entnommenen Aktenstücke eigen. Das erste, eine Aufzeichnung Wilhelms II. die gesperrt gkdruck- tn Stellen sind eigenhändige Zusätze des Kaisers liefert dvn Beweis dafür, rote ablehnend König Eduard VII. selbst und ein Mann wie der eng- Mdk? Botschafter in Berlin, Sir Frank Castel­le», dem Fliedensgedanken gegenüberstanden, (jber andererseits auch ;aie sehr es dem deutschen Kaiser um einen friedlichen Ausgleich zu tun war: das zweite Aktenstück läßt erkennen, daß der eng- Irfdy Kriegsminister Haldane für die deutsche Stellungnahme volles Verständnis hatte und die Zwangslage, in der sich das Deutsche Reich durch feine nach Osten und Westen ungedeckten Grenzen befand, vollkommen einsah. Wenn Sir Edward rw) trotz des Vorschlages der deutschen Regierung vor der Konferenz über die im Haag zu behan­delnden Fragen eine Verständigung zwischen Teutfdtlanb und England zu erreichen, dieses a b lehnte und es zu den Verhandlungen auf der Knafernz lonunen ließ, so geht man in der An- nähme wohl nicht seht, daß er durch die Isolierung, in kf Deutschland dabei geraten mußte, eine Peekßon auf die deutsche 'Regierung ausüben »Ute, die sich in politischen Zugeständnissen Dsustchlanr^ ausroirfen sollte. Deshalb ist die Zweid, Haager F. iebenifonfirens nicht so sehr ein cthdw» für den Kriegswillen Deiitschlanbs und die W'**eiwliibe der andern als für die politische Ijosiarung. in die die Mittelmächte im Verlaufe her letzten vier Jahre pefomen waren.

Hufiddjrung Kaiser Wilhelms II., 1- 3- m .7riehrichetzos.

Reinschrift.

Friedrichehvf, den 15. August 1906.

Honig Edunard'i brachte heute das Gespräch auch auf die bevorstehende Haager Konferenz, und |w«r xu meinem grüßten Erstaunen in schärfsten Ausdrucken der Mißbilligung üoer diesen ganzen H u mbu g" Die sogenannte Friedenskonferenz, meinte der König, fei nicht nur unnütz, da sich im G^nstsall doch niemand an deren Beschlüsse halten wurde, sondern geradezu gefährlich. Wenn eine größere Zahl von Mächten, die ihrer Natur nach gaaz Verschiedene Interessen zu verfolgen hätten, fMroungcn würben, unter dem Drucke der Deffent- Ukpkeit und unter dem schädlichen Einflüsse der Pivalitäten verschiedener Gruppen unter ihnen, fidj über vitale Interessen in einer bestimmten Zeit zu eiligen, so könnten da nur leicht weitere Reibungen entstehen. Ich pflichtete Seiner Majestät hierin voll­kommen bei und betonte, es sei auch meine volle lieber,zeugung. daß die Konferenz besser gänzlich unterbliebe. Weint aber doch schon der Zusammen- tritt einer Konferenz im Haag nicht mehr zu tun- gehen sei, so scheine mir es praktisch und im Inter- esse des fiiedlichen Verlaufes der Verhandlungen I gelegen, wenn Deutschland und England sich über einige Hauptfragen möglichst vorher verständigten. Zu diesen gehörten meiner Ansicht nach vor allem bie maritimen. Denn England und Deutsch- liad mit einem festveraoredeten Programm ge­rade in diesen Fragen vor die Konferenz träten, feien diese so gut wie vorher angenommen. Ich schlüge daher vor, entweder durch schriftlichen Ver- lehr oder durch Enstendung von Erperten nach

*1 König Eduard VII. weilte am 15.16. Au- »uft 1906 zu Desucst bei Kaiser Wilhelm II. in Gchloß Friedrichshof im Taunus.

hat am 29. Dezember 1924 zu Recht erkannt: .Die Genehmigung zur Eirbauung e.ncr Tur­bine an der Dammesmuhl: iriro der Gesuch­stellerin unter folgenden Bedingungen erteilt: 1 Zwischen dem Grenzstein und der Brücke ist die Trockenmauer so zu führen, daß die Tränke- ielle deS I. E. Pfeffer erhallen bleib: 2. Lieber üe auS dem Plane ersichtliche seitherige Stau- >öhe bars nicht gestaut werden. Etwaige Aii- prüche deS Reklamanten Pfeffer, welche auS dem Umbau für seine Wiese entstehen Bunten, bleiben Vorbehalten. 3. Es bleibt Vorbehalten, etwa zur Sicherstellung d?s Stella man:.'n Psesser erforderliche Maßnahmen i 1 Form weiterer Be­dingungen aufzuerlegen. Die Aeklomation de« Heinrich Papst in Nuhlk rchen wird als ur.be- gründct zurückgewiesen ' Gegen d.eleL Erkenntnis Provinzialausschuß mit dem Antrag, die Er­laubnis zum Einbau der Turbine an Stelle des bisher betriebenen Wasserrades bedingungs­los zu erteilen für den Fall, daß eine Genehmi- gungöpslicht überhaupt besteht. Der Provinziai- ausschuß hat nad) Vernehmung von Zeugen und Anhörung des Sachverständ'.gen Baural Stein­bach in Gießen zu Necht erkannt .Der Be- rusung wird unter teilweiser Aufhebung deS Urteilt des Kreisausschutte.' des Kreises ÄlSfeld die Genehmigung unter folgenden Bediilgungen erteilt wird: 1. Zwischen dem Grenzstein und der Drücke ist die Trockemnauer so zu führen, daß die Tränkestelle deS I. S. Pfeffer erhalten bleibt. 2. der Erlaß weiterer B.dingungen zur Sicherstellung der Anlag?.i bleibt für den Fall Vorbehalten, daß der Dc-trieb der Berufungsklä- acrin die Ausnahme weiterer Bedingungen er­forderlich macht."

Klage des DezirkSfürsorgever- bandS Gießen-Stadt gegen den B c - zirksf ürsor gever band deS KrciseS Alsfeld auf Erstattung von UntcrftübungS- auf Wendungen für Karl Papenhof s aus Hattingen an der Ruhr. - Der auf der Wanderschaft be­findliche Kesselflicker Karl Papenhofs nahm am 29. Oktober 1924 auf der Bürgermeisterei Als­feld die öffentliche Fürsorge in Anspruch und erhielt eine llnterstühung von 2 Htt alS Reise- geld. Er will der Düraermcist-erei angegeben . haben, daß er krank fei. Am gleichen Tage reiste er noch unter Derwendungdss Reisegeldes nach Gießen und nahm beim Wohlfahrtsamt Gießen sofort die öffentliche Fürsorge weiter in An­spruch. um sich heilen zu lassen. Er mußte zur Hebung seiner Krankheit in die laniversitäts- Hautklinik in Gießen eingewiasem werden und konnte erst am 13. Dezent der 1924 zur Sntlalsung konnnen. Der Kläger vertt'itt den Standpunkt, dah der Beklagte den Hilfsbedürftigen aus dem Fürsorgebeairk AlSfeld in den Fürsorgebezirk des Klägers, ohne daß die Hilssbedürftigkeit behoben war. abgeschoben hat. Dcr Beklagte bestreitet die Abschiebung. Der Provinziala»cSschuß erkannte zu Recht, daß der Klage staltzuaeben ist, und ver­urteilte den Beklagten, an den Kläger den Betrag von 140.07 Mk. zu bezahlen, sowie die Kosten des Dersahrens zu tragen.

Besoldung der Gemeinbebeamten in Grüningen: hier: Berufung der Gemeinde Grüningen gegen das Urteil des KreisausschusseS deS Kreises Gießen vom 20. November 1924. Da zwischen den Gemeindebeamten in Grüningen und der Gemeinde Grüningen eine gütliche Rege­lung wegen der Besoldung nicht zustande kam, wurde auf Antrag des KreiSdirektorS des Kreises Gießen der Kreisausschuß im Derwaltungss'reit- versahren mit der Angelegenheit besaßt. Der Kreisausschuß verurteilte die Gemeinde, vom 1. April 1924 an an Vergütung zu bezahlen: 1. dem Gemeinderechner 125,25 Rm. monatlich; 2. dem Polizeidiener 55,66 Rm. monatlich: 3. dem Feldschühen 121 Rm. monatlich: 4. dem Fasel- Wärter und Rohrmeister 100,50 Rm. monatlich: 5. der Gemeindekrankenschwester 69 Rm. monat­lich. Mit den Kosten des Versahrens wurde die Gemeinde belastet. Der Kreisausschuß erkannte ferner zu Recht, daß vom 1. Dezember 1923 an für die Berechnung der Bezüge deä Gemeinde­rechners eine Beschäftigungszeit von 36 Stunden wöchentlich zugrunde zu legen ist. Gegen dieses Urteil verfolgte die Gemeinde Berufung an den ProvinzialauSschuß mit dem Antrag, die Besol­dungen für daS Rj. 1924 wie folgt festzusehen 1. für den Gemeinderechner auf 72,50 Rm monat­lich: 2. für den Polizeidiener auf 47,24 Rm. mo­natlich: 3. für den Feldschühen auf 95,16 Rm.