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kann, dürfte von Genf her wohl alles daran gesetzt werden, den bulgarisch-griechischen Sturm im Wasseralase zu beschwichtigen.

Es ist überhaupt stilwidrig, Balkankriege zu be­ginnen, wenn der November naht. So etwas schickt sich nur im Frühjahr, wenn auf den Rho- dopen der Schnee schmilzt, wenn die wildroman­tische Kresnaschlucht sich mit betäubendem Flieder- dufl füllt und im Tal von Kasonlik die ersten Rosenknospen sprießen, wenn den Mazedonier das Heimweh packt und Dolch und Revolver im Gurt der Komitatschi lockerer sitzen als beim Niedergang des Jahres.

Oberheffen.

'. Landkreis Gießen.

£ Wicfcck. 27. Ott. 3m Gegensatz zu frü­heren Gemeinderatswahlen, bei denen stets nur 2 Wahlvorschläge Vorlagen, sind für die nächsten Wahlen 3 Vorschläge eingereicht iporbcn. da die Kommuniste n mit einer eigenen Liste Vorgehen. Die Liste des Bürg er - vereins weist neben 2 Gewerbetreibenden 13 Landwirte auf, die Spitzenkandidaten sind: 1. Heinrich Werner III., Landwirt, 2. Karl Scherer, Schlossermeister. 3. Heinrich Küm­mel III., Schreinermeister, 4. Karl Lang, Land­wirt, 5. Heinrich Rodenhausen, Landwirt. Die Liste der Sozialdemokratischen Partei nennt folgende Bewerber an der Spitze: 1. Karl Benner. Gewcrtschastsbeamter, 2. Karl Bremer, Buchdrucker, 3. August Schmidt, Schlossermeister, 4. Heinrich Stein, Maurer, 5. Heinrich Laudon, Dreher. An der Spitze des kommuni ft ischen Wahlvorschlags stehen: 1. Karl Hildebrand. Schlosser, 2. Wilhelm Erb. Bahnarbeiter, 3. Friedrich Deibel III.. Weißbindermeister, 4. 3osef Schöffmann, Bahnarbeiter, 5. Emil Schnabel, Steinhauer. Bon einem eigentlichen Wahlkampf war bei frü­heren Wahlen kaum etwas zu merken, ob's dies­mal so ruhig bleibt, erscheint angesichts der drei Wahlvorschläge fraglich. In die Freude über die in diesem Jähre reichlich ausgefallene Kar­toffelernte scheint ein bitterer Wermutstropfen zu fallen. Allenthalben hört man Klagen über (ehr stark auftretende Fäulnis. In besonderem Maße ist hieran die bevorzugte S^eisekartoffel In­dustrie beteiligt. Hier hat die Fäulnis schon be­sorgniserregende Verheerungen angcrichtet. In we­niger starker Weise leiden die ,.Blaue Odenwälder" und die widerstandsfähigeren roten Sorten. Wenige Wochen nach der Ernte muh bereits begonnen wer­den, die Kartoffeloorräte durchzulesen, um sie vor völligem Verderb zu retten. Da die Kar­toffelernte in diesem Jahre unter günstigen Voraus­setzungen, bei trockenem, warmem Wetter vorge- nommen werden konnte, scheinen die vorhergehen­den starken Regenfälle die sehr ungünstige Wirkung hervorgerufen zu haben. Diejenigen, die ihren Kar- tvffelbedarf von auswärts bezogen haben, sind in diesem Falle besser daran, da sie von dieser stark auftretenden Fäulnis noch nichts feststellen konnten. Vermehrte Viehhaltung wird wohl das Richtigste sein, um auf diese Weise zu retten, was zu retten ist.

==.= Watzenborn-Steinberg. 21. Oft. Für die kommende Gemeinderats­wahl sind in unserer Gemeinde drei Wahl­vorschläge eingereicht. Es liegen vor eine bürgerliche und eine Mittelstandsliste, die sich aus Landwirten, Arbeitern und Gewerbetreiben­den zusammensetzen, ferner eine Liste der Sozial­demokratischen Partei,

s. Trohe, 27. Oft. Zu der jüngsten Bun­desfahrt des Lahnhöhenbundes (Vereinigung der Wander- und Mandolinen­vereine in hiesiger Gegend) nach dem Schiffen­berg hatten sich rund 100 Mitglieder und Freunde eingefunbcn. Spaziergänger aus Gießen und der Umgegend drängten sich auch noch in den großen Saal, der bis auf den letzten Platz beseht war. Aach herzlichen Begrühungsworten des Vorsitzenden wurden mehrere Musikstücke gemeinsam unter der Leitung des Bundesspiel­leiters Pfeiffer-Wieseck zum Vortrag ge­bracht. Dazwischen spielten die einzelnen Orts­gruppen Märsche und Konzertstücke. Alle fan­den wohlverdienten Beifall. Aufsehen erregten die Darbietungen einer Kindergruppe aus Wieseck, die von vorzüglicher Schulung zeugten. Um 5 Uhr schloß der Vorsitzende die außer­ordentlich schön verlaufene Tagung und gab der Hoffnung Ausdrück, daß sie dazu beitragen möge, das Band der Gemeinschaft immer noch fester zu schlingen. Der Verein ..W andervogel" aus Steinbach erklärte seinen Beitritt.

: Beuern, 27. Oft. Roch nicht gelöst ist bis heute in unserem Dorf das Problem des Denkmals für unsere im Weltkrieg gefallenen Krieger. Den schwierigsten Punkt, der zu überwinden ist, bildet die P l a h- frage. Wir haben in unserem Dorfe den Künst­ler. unseren Bildhauer Wilhelm Arnold, welcher der Schöpfer des Gießener Denkmals für die Angehör gen des 116. Infanterie-Regi­ments und noch vieler anderer schöner Ehrenmale ist. Wir haben ferner den prachtvollen Lung- stein oder Blasenbasalt, aus den hiesigen Stein- brüchen. der in den letzten 3af>ren schon oft zu Kriegerdenkmälern Verwendung gefunden hat. so z. B. bei den Denkmälern in Ermenrod und Ils­dorf im Kreise Alsfeld, Trais-Münzeitberg, Kr. Friedberg, Beltershain, Geilshausen, Ronnenroth, Rieder-Bessingen und Steinbach im Kreise Gießen. Auch dieGeldfrage spielt in unserer Gemeinde nicht die große Rolle wie in anderen Gemeinden, da infolge unseres Waldreichtums die Gemeinde gut gestellt ist. Es wäre auch die Denkmalsangelegenheit bei uns schon längst ge­regelt, wenn nicht die Platzfrage einiges Kopfzerbrechen machte. Unfer Friedhof, der recht ungünstig gelegen ist, kann als Platz für ein Kriegerdenkmal kaum in Frage kommen. In letzter Zeit werden nun drei Plätze genannt, über die vielleicht diskutiert werden könnte. Der eine Plan ist der, den Kirchplatz neben dem Treppenaufgang zur Kirche zu verwenden, oder die Turmwand selbst als Denkmalsstetle zu benutzen. Gedacht ist dabei an ein Relief im altertümlichen, unter Denk­malschutz stehenden Kirchturme. Ein anderer Vor­schlag läuft darauf hinaus, d'e .Dreispitze" an der Straßenteilung nach Climbach, bzw. Geils­hausen mit dem Denkmal zu schmücken. Der schönste und idealste Gedanke ist, das alte Schul­haus, jetzt als Rathaus benutzt, abzureißen und an dieser Stelle ein geeignetes Ehrenzeichen er­stehen zu lassen. Wahrscheinlich wird aber der letzte Plan fallen müssen, denn im alten Schul­haus befinden sich noch zwei Wohnungen. die in der gegenwärtigen wohnungsarmen Zeit nicht abgebaut werden dürfen, ohne daß für Ersatz gesorgt wird. Um nun nicht mehr hinter anderen

Gemeinden zurückzustehen, hat der Gemeinde- r a t beschlossen, an einem der nächsten Sonntage mit unserem Bildhauer Arnold die oben- genannten Plätze einer Einsicht zu unterziehen, damit endlich an die Ausführung des Denkmals herangegangen werden kann. Rach allem, was wir bis jetzt von unserem Künstler Amold ge­sehen haben, dürfen wir hoffen, daß er seiner Heimatgemeinde Beuern zu einem besonders fernen Chrenrnahl verhelfen wird. Am Sonn­tagabend sprach in der hiesigen Kirche der Gene­ralsekretär des evangelischen Bundes. Pfarrer Haupt von Gießen, über das Thema: Evan­gelische, seid auf der Wacht! Eine große Ge­meinde lauschte den markigen Worten des Red­ners, der es meisterhaft verstand, die Zuhörer zu fesseln. Rachdem man sich durch eine Vorwahl auf eine Einheitsliste zur Gemeinderatswahl festgelegt hatte, wurde am Samstagabend, 10 Minuten vor o e m Schlußtermin, eine zweite, bis dahin geheimgehaltene Liste eingereicht, die als Spitzenkandidaten den Ramen des Landwirts und Steinbruchsbesihers Karl Damm trägt. Da­durch wird nun unser Dorf von einem Wahl­kampf nicht verschont bleiben.

:: Bersrod, 27. Oft. Infolge des an­haltenden Regenwetters der letzten Wochen glei­chen die W iefen an der «M ichelba ch" an der Deuerner Straße einem See. Die Wiesen drohen völlig zu verderben, wenn nicht bald Ab­hilfe geschaffen wird, indem tiefe Grüben an­gelegt werden, damit das Wasser abziehen kann. Row heute sitzt dort mitten im Wasser G r u m - m e t, das natürlich verdorben ist und nicht ab­gefahren werden kann. Einige Wiesen konnten sogar wegen des Wassers überhaupt nicht gemäht werden. Da in diesen an und für sich schon feuchten Wiesen im vorigen Jahr etliche Monate Wasser gestanden hat, so sind die Gräser sauer und für das Vieh fast nicht ver­wendbar. An der Kreisstrahe 'Beuern, in der Gemarkung Beuern, ist man gegenwärtig mit dem Sehen junger 0 bstbäume beschäftigt. Rachdem diese Straße in den Besitz des Kreises übergegangen ist, darf die Gemeinde nur noch ihre ans früheren Jahren stammenden Bäume abernten. Geht nun ein Gemeindebaum ein, so wird die Rachpflanzung eines jungen Baumes durch den Kreis vorgenommen, welcher dann auch die Ernte versteigert.

I! Beltershain. 27. Oft. Beigeordneter Reitz ist göstern in fein Amt eingeführt worden. Das bis jetzt innegehabte Gemeinde- amt hat er niedergelegt. Für die bevor­stehende Gemeinderatswahl wurde nur eine Liste ausgestellt.

Grünberg, 27. Okt. Bürgermeister Iöckel ist als Standesbeamter und als Ortsgerichtsvorsteher verpflichtet wor­den. Die ilebergabe der Amtsgeschäfte ist bereits erfolgt. Zur bevorstehenden Gemeinde- r a t s w a h l sind vier Listen eingereicht. Die 5 ersten Kandidaten von jeder Liste sind: Bauernbund: Aug. Frank. K. Böß, Leonh. Großhaus. K. Iöckel I. und K. Trinkaus. Mit­telstandsvereinigung: Oberstudiendirek- tor Angelberger, L. Zinher II., Gg. I. Hans, Hch. Schmidt II. und Gustav Hch. Roth. Volks­list e: E. Dchellhaas. K. Rühl. H. K. Weber, Ph. Schcnnber und E. Buß. Liste Gerech­tigkeit: Hch. Schmidt IV., Ph. Müller II.. K. Wiegand. Wilh. Schmidt und Karl Dörr.

t Grünberg, 27. Oft. In der Gemar­kung Grünberg, nach Stangenrod zu, werden gegenwärtig Schürfungen nach Braun­eisenstein vorgenommen. Ungefähr 19 Schächte sind bereits angelegt, die je eine Tiefe von 30 bis 45 Meter haben. Der Brauneisenstein wurde überall in ziemlich guter Qualität angetroffen und auch die Lager mit einer ziemlichen Stärke festgestellt. Die Ausdehnung des Lagers in der Breite kann jedoch nur als gering bezeichnet werden, und da die Steine in beträchtlicher Tiefe liegen, wird kaum ein lohnen­der Abbau in Betracht kommen. Aehnlich roi£ im Vorjahr scheint auch in diesem Jahr die junge Saat durch Schneckenfraß heimgssucht zu werden. Viele leere Stellen zeigen die Verheerungen dieser Schädlinge.

L i ch. 27. Oft. Der Aufmarsch der Parteien zur R e u w a h l des SradtvorstanLes ist nunmehr erfolgt. Vier W a h l Vorschlags­listen wurden eingereicht, die durchweg nach beruflichen Ständen gegliedert sind Je eine Lifte bringen die vereinigten Arbeiter, der Bauernbund (Landwirte), die Beamten und endlich der kaufmännische und ge­werbliche Mittelstand. Es wird vielfach bedauert, daß eine derartige Zersplitterung ein­getreten ist. Angesehene Männer unserer Stadl, denen an dem allgemeinen Wohl gelegen ist, haben sich ernstlich bemüht, eine einheitliche Liste auhufleHen, in der jede Richtung die ihr nach vorhergegangenen Wahlen zukommenden Sitze er­halten sollte. Aber das rühmliche Beginnen schei­terte. Hoffentlich hört die Spaltung auf. wenn die gewählten Herren am runden Tisch zusammen- sihen. Don den bisherigen Stadtvorstanüsmit- gliedern kandidieren drei nicht mehr, den übrigen neun sind auf den Wahlvorschlägen bevorzugte Plätze eingeräumt, so daß mit ihrer Wieder­wahl mit einiger Bestimmtheit gerechnet werden kann. Um die drei übrigen Sitze wird wohl ein harter Kampf entbrennen. Es kandidieren an hervorragender Stelle: Beamtenliste: Ludwig Erb. Rektor. Jakob Schmidt, Kriegsbeschädigter, Heinrich Wilhelm Schä­fer. Posthilfsschaffner. Ludwig Häuser, Stadtrechner. Iohs. Wahl, Oberbahnhofsv. i. R. Vereinigte Arbeiter: Konrad Schöne, Schuhmacher, Ioh. Ad. Schone III., Schreiner. Karl Kd. T r c ch s l e r, Straßenwart, Heinrich Walz, Schlosser, Leopold Alles, Schreiner. Landwirte: Ludwig Wolf II.. Landwirt, Ludwig Fischer, Landwirt, Heiirrich M ä r l e, Landwirt, Ehristian Eise, Landwirt, Christian Heller II., Landwirt. Handel-, Ge­werbe- und Mittelstandsliste: Fried­rich Wagner, Prolurist, Christian Fey, Bauunternehmer, Ludwig Heller, Metzger- meister und Gastwirt, Heinrich Heller IV., Drauereibesitzer, Hch. Jakob Menges, Schrei­nermeister. Der unter der Leitung von Bürger­meister Völker stehende Verein für Volks­bildung veranstaltete am Montagabend seinen ersten Vortragsabend für das begonnene Winterhalbjahr, der fehr gut besucht war. Als Vor- tragsftoff war das Thema gewähltAus dem Mär- chenland Indien". Die Lehrer Meckel und Füß - l e v zeigten etwa 100 Lichtbilder aus diesem Lande, die in anschaulicher Weise das indische Land, seine Urwälder und Prachtbauten, seine Bewohner, seine Religion, seine Sitten und Gebräuche den Zuschau­ern vor Augen führten. Die zu den Bildern ge­gebenen Erläuterungen waren mustergültig, so daß

den Veranstaltern mit reichem Beifall gedankt wurde. Nach Mitteilung des Vorsitzenden sind weitere Lichtbildervorträge geplant, außerdem Rezitationsabende und ein Theaterabend des Bühnenvolksbundes Gie­ßen, für den der 29. November vorgesehen ist. Es soll das TrauerspielMaria Magdalena" von Heb­bel gegeben werden.

"ri. L i ch, 27. Ott Im überfüllten Ge­meindesaal sprach am Sonntag Missionar Laut von der Baseler Mission, der 11 Jahre lang m China tätig war, dort die ganze Kriegszeit verlebte und nach dem Weltkrieg im Jahre 1921 auf Befehl der alliierten Mächte ausgewiefen wurde. Er begleitete seine lebendigen Schilde­rungen von Land und Leuten in China und der Arbeit der Mission mit prächtigen, zum großen Teil farbigen Lichtbildern. Der hiesige Po - (aunendjot wirkte bei der Veranstaltung mit. Beim Ausgang wurden freiwillige Gaben für die Mission gesammelt, die den Betrag von 16 Mk. ergaben. Am Bormittag hielt Missionar Laut eine ^M i s s i o n s p r e b i g t im benachbar­ten Rieder-Bessingen. Auch dort wurde eine Kollekte für die Heidenmission gesammelt, die 20,50 Mk. ergab.

Lich, 27. Okt. Die Arbeiten an un­serer Turnhalle gehen ihrer Vollendung entgegen. Ein wirklich stattlicher Dau, auf den der Turnverein und die ganze Gemeinde stolz sein dürfen, ist erstanden. Am 8. Rovember^ er­folgt die feierliche Einweihung. Auswärtige Tur­ner haben ihre Mitwirkung an dem geplanten Festabend zugcfagt.

l. H u u g e n, 27. Oft Rach den aufregenden Wahlkämpfen bei den Bürgermeister- und Beigeordnekenwahlen ist es baut ber Einsicht ber besonnenen Einwohner unserer Gemeinbe gclun» geen, für bic Gemeinberatswahl eine Einigungsliste zustande zu bringen, die die verschiedenen Berufsarten: Landwirtschaft, Ar­beiterschaft, Gewerbe und Handel, sowie das Beamtentum in gleicher Weise berücksichtigt, so daß ber künftige Gemeinderat aus je 3 Ver­tretern dieser vier Stände zusammengesetzt sein wird. Möge diese erfreuliche Einigung eine gute Vorbedeutung für die ersprießliche Tätigkeit des künftigen Gemeinderats sein, dem nur 4 bis­herige Mitglieder angehören werden. Näch­sten Montag findet hier der bekannte, nament­lich aus der Umgegend gut besuchte Aller- heiligen markt statt, an bem erfreulicher­weise, nach langer Unterbrechung, infolge Er­löschens der Maul- .und Klauenseuche, auch wie­der S ch w e i n e m a r k t abgehalten werden darf.

> Holzheim, 27. Olt. Für die bevor» stehende Gemeinberatswahl sind drei Wahlvorschläge eingegangen. Man hatte nur mit zweien gerechnet, Die letzten Tage haben aber nod) eine Aenderung gebracht. Bei der Arbeiterpartei machte bic Aufstellung ber Kandidaten reine besonderen Schwierigkeiten. An­ders war es im Bauernbund. Rach lan­gem Hin und Her tonnte doch nicht bic anfangs geplante Einheitlichkeit zustande kommen. Be­dauernswert ist, daß sich bic Partei in zwei Lager gespalten hat, von benen jebes mit eigener Liste vorgeht. Die eine Liste enthält im wesentlichen bie Ramen ber seitherigen Ge- meinberatsmitglieber, wahrenb bie anbere nur neue Ramen aufweist. Bisher war ber Bauern- bunb mit 9. bie Arbeiterpartei mit 3 Sitzen vertreten. Die neue Wahl wird wohl feine bedeutende Aenderung in 'Dieser Zusammensetzung bringen.

Kreis Ariedberg.

<£ Bad-Nauheim, 27. Qkt. Die 1 0 Wahl- vorschläge für die Stadtverordneten- mahl, von denen wir sprachen, sind mit den von uns genannten Spitzenkandidaten sämtlich einge- rcicht worden. Nur bic letzte stunde vor Ablauf des Einreichungstermins brachte noch eine lieber= rafchung. In Der Zentrum spartet kam es in einer Mitgliederversammlung in der Kandidaten- frage nicht ,ju einer Eini g'u n g. Die mehr rechts stehenden Parteimitglieder beharrten darauf, daß Konditoreibesitzer Franz Müller Spitzen­kandidat werde, während die dem Reichsbanner nahestehenden Kreise der Partei, dis besonders noch­mals zu der besagten Versammlung eingeladen hatten, für den seitherigen Stadtverordneten Bau­unternehmer I. V. Hofmann den ersten Platz forderten, eo ist es gekommen, daß zwei Zen- t r u m s l i ft e n eingereicht wurden und un­sere Stadt es insgesamt auf 11 Wah 1 Vor­schläge gebracht hat. Der eine Wohlvorfchlag hat dos KennwortZentrum", (Spitzenkandidat F. Müllers, der andere geht unter dem Kennwort Katho11ke n" (Spitzenkandidat I. B. Hoftnann). Es fei aber bstant. daß wohl weniger politische Gegensätze der tiefere Grund zur Spaltung gewesen sind. In erster Linie dürften rem persönliche Fragen die Ursache der Trennung jein. Die Speditions­firma Meier hatte in voriger Woche sich zwei neue Pferde zugelegt, zunächst auf Probe. Sie entstammten der Scharmühle bei Rendel. Als das eine ber Tiers auf dem Hofe dem Tierarzt zur Untersuchung vorgeführt wurde, bot ihm das ge­öffnete Hoftor Gelegenheit, die Sehnsucht nach der allen Heimat zu stillen. 3n rasendem Galapp eilte es nach Friedberg zu, nahm seinen Weg über die Kaiserstraße nach Nieder- und Ober-Wöllstadt, von wo es aber durch ihm entgegentretenbe Leuts auf den Abweg nach Rodheim gedrängt wurde. Alle Bemühungen m den durcheilten Orten, den Durch­gänger zu stellen, blieben erfolglos. Am nächsten Morgen wurde die Schutzpolizei Aufgeboten. Erft als sie ihre Streifen als nutzlos aufgegeben, kam von Wehrheim im Taunus die Nachricht, daß das Pferd, nachdem es 6 Stunden unterwegs gewesen, in der vorhergehenden Nacht eingefangen worden war.

Schwalheim, 27. Oft. Für die Ge­rn e i n b e r a t s w a h l liegen drei Wahl» Vorschläge vor, bic eingereicht sind von den Kommunisten, Sozialdemokraten und Dom Bauernbund. Die Sozialdemokraten, die stärkste Partei im Orte, rechnen auf bic Tlntorstützung ber Demokraten, zumal der neue Beigeordnete, Lehrer Ohl. der Vertrauensmann der Dsmo- kratischen Partei, kürzlich auch mit Hilfe ber Arbeiterschaft gewählt worden ist.

X Ober-Mor l e n, 26. Ott. Zur gestrigen Rotiz über bie Bürgermeisterwahl teilen wir noch ergänzend mit, daß dem seitherigen Bürgermeister G c i b e l nur noch 49 Stimmen an der absoluten Majorität fchüen. Die ge­nauen Stimmenzahlen sind bie folgenden: Bürgermeister Geibel 613, Anton (Sbuarb Schmidt 463, An ton Th. Mörschel 247, ungültig 11. Von 1481 Wahlberechtigten haben allo 1334 von ihrem Wahlrecht Gebrauch ge­macht, das sind gut 90 Prozent. Am 8. Rovembcr (8 Tage vor Den Gemeinderatswahlen) findet Stichwahl und damit zum vierten Mal

in diesem Jahre Bürger m ei st erwähl statt. Für die Gemeinberatswahl sind fünf Wahlvorschläge eingereicht worben. Mehr Ein­mütigkeit herrscht in unserer Rachbargemeinde Rieber-Mörlen, beren Einwohnerschaft sich ebenfalls fast ausschließlich zum katholischen Glauben bekennt. Dort sind infolge beträchtlicher Bevölkerungszunahme in den letzten Jahren dies­mal zum erstenmal 12 Gemeinderätc zu wählen. Man hat sich, um den Wahlkampf zu vermeiden, auf eine Lifte geeinigt, die allen Parteien und Derufsgruppen gerecht wird. In ähnlicher Weise, wie es in Beuern im Kreise Gießen geschehen, sind durch eine D o r w a h l aus einer größeren Menge vorgeschlagener Kan­didaten die zwölf mit der höchsten Stimmen­zahl für den gemeinsamen. Wahtvorschlag be­stimmt worden.

Kreis Büdingen.

6 Ridda, 27. Okt. In der jüngsten Ge- meinderatssitzung wurden folgende Be­schlüsse gefaßt: Das Brauereigebäude des von der Stadt erworbenen ehemaligen Kraft - schen Anwesens soll zu 4 Wohnungen, und zwar eine 5-Zimmerwohnung. zwei 3-Zimmer- wohnungen und eine 2-Zimmerwohnung. um­gebaut werden. Gegen bie Stellung ber Felsgruppen in Flur XVI^ Rr. 491 ufw. der Gemarkung Ridba unter Denkmal­schutz hat der Gemeinderat keine Bedenken. Es wird aber Werk darauf gelegt, bah nicht bic ganzen Parzellen, sondern nur die Teile, in denen sich die Felsgruppen befinden, unter Denkmal­schutz gestellt werden. Der Bismarck st ein auf der Beunde soll hergestellt werden. Ein Einzelfall gibt dem Gemeinderat Veranlaffung. zu beschließen, daß die Bestimmungen für die Benutzung der städtischen Wasserleitung vom Jahre 1896, wonach die Kosten der Zu­leitung von dem Eigentümer selbst zu tragen sind, wahrend die Zuleitung nach ihrer Fertig­stellung in das Eigentum der Stadt übergeht und von dieser dauernd unterhalten wird, für alle neue Wasserleitmrgsanschlüsfe in Anwendung zu kommen haben.

A Ridda. 27. Okt. Don einem Plötz- lichen Tod wurde heute früh der Viehhändler Moses Katz von hier ereilt. Als er sich um 1 >5 Tlhr am hiesigen Bahnhof in den Zug be­geben und zum .Kalten Markte" nach Orten­berg fahren wollte, wurde der 59 Jahre alte, kräftig und gesund ausfehende Mann auf dem Bahnsteig Plötzlich von einem Herzschlag be­troffen und war sofort tot Der Verstorbene wor­ein rühriger Geschäftsmann und auf allen größe­ren Diehmärktcn in Oberhefsen und über dessen Grenzen hinaus mit Viehtransporten anzutreffen.

)( Ortenberg, 26. Okt. Zum Kalten Markt, der sich eines sehr starken Besuchs zu erfreuen hotte, waren noch amtlicher Zählung be­reits am Sonntagabend allein in Ortenberg über 500 Pferde und Fohlen eingestellt, dazu kamen heute morgen die zahlreichen Pferde, die in den Nachbargemeinden untergebracht waren, so daß schließlich 800 bis 1000 Pferde noch aller­geringster Schätzung zum Verkauf standen. Allge­mein fiel die Güte des Pferdematerials auf. Der Handel entwickelte sich infolge der allgemeinen Geld­knappheit nur sehr langsam, die Preise waren wesentlich niedriger als im vorigen Jahre. Gute Durchschnittstiere im Alter von 23 Jahren kamen ouf 500800 Mk., je nach Raffe, Alter und Güte, 6jährige tadellose Pferde 10001500 Mk., erst­klassige Dollblut-Luxuspferde 20003000 Mk. In­folge des riesigen Angebots schienen die Preise im Verlauf des Tages noch zu fallen. Das anhaltende schöne Wetter übte seine Anziehungskraft aus, so daß der Nachmittag eine riesige Menschenmenge auf dem Festplatz faß und der Platz sich als zu klein erwies. Dis große Zahl der Schaubuden so­wie die Mannigfaltigkeit der Darbietungen konnten jeden Geschmack befriedigen.

Usenborn, 27. Okt. In dankenswerter Weife trägt die Reichspoft den Derkehrswünschen des flachen Landes durch Einrichtung von A u t o p o st l i n i e n Rechnung. So wird z. F. eine Autopostlinic BüdingenMerken- r r i tz geplant. Dabei scheinen aber die Gemeinden Usenborn. Gelnhaar, Bergheim unbe- rück'ichiigt zu bleiben. Es märe zu wünschen, daß sich die maßgebenden Behörden, insbesondere die Bürgermeistereien und Gemeinderätc, Kreisamt und Post und die sonst in Betracht kommenden Persönlichkeiten der Sache einmal annähmen. Die Vinte könnte wohl so eingerichtet werden, daß auch die arbeitende Bevölkerung, die heute in aller Frühe und am spaten Abend oft weite Wege nach der Arbeitsstätte zurückzulegen hat, Vorteile von diesem Verkehrsmittel hätte.

Kreis Schotten.

s^s L a u b a ch, 27. Oft. Zu der bevorstehenden Gemeinderatswahl sind nicht weniger als sieben Wahlvorschläge eingereicht wor­den. Dies die Listen: 1. Andre. Forstrat, Birnbaum, Kammerdirektor, Pitz, Landwirts 2. Hartmann Braun, Landwirt (Landbund): 3. Friedrich Diehl. Metzgerineister (.Arbeite mit Fleiß"). Diese drei Listen find vereinigt: 4. Otto Schm idt, Architekt (Gewerbetreibende): 5.Aug. Ent melius , Kaufmann (Geschäftsleute); 6.W.l- Helm Friedrich Wagner. Landwirt. Friedrich Rudolf Stotz I.. Landwirt; 7. Gundling. Fabrikarbeiter (Arbeiter). Eine wesenllich ver­änderte Zusammensetzung wird der neue Ge- meinderat kaum zeigen.

Eichelsdorf, 27. Okt. Unter starker Beteiligung der beiden zum Kirchspiel gehörenden Gemeinden wurde am Sonntag das Ernte- d a n k f e st in der hiesigen Gemeinde gefeiert. In einem Erntedankfestspiel gedachten die Konfirmanden in finniger Weise des Schöpfers und feiner Gaben und legten mit entsprechenden Worten Früchte und Blumen des Herbstes am Altäre nieder. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß es un­bedingt notwendig ist, Möglichkeiten zu schaffen, die verhältnismäßig kleine Kirche gründliöi durchlüften zu können, damit es nicht immer wieder vorkommt, daß Kirchenbesucher in der dumpfen, kaum erneuerten Luft mit Ohmnachtsan- fällen zu kämpfen haben.

lg. Gedern, 27. Oft. Hier verstarb infolge eines Herzschlages der in weiten Kreisen bekannte Alterssenior der hiesigen israelitischen Gemeinde, Benedikt Voehl. Er erreichte das Alter von 84 Jahren, und war bis in die letzten Tage noch verhältnismäßig rüstig. 2ln Stelle der bis vor kurzem an ber hiesigen Privai-Hofkaplaneischule tätigen Leh­rerin Frl. Goltz, bie eine Stelle an ber stabt! fchen Mittelschule in Pollnow (Pommern) an- trat, tritt bemnächst Studienassessor Betz ans Gießen (seither tätig an ber dortigen Ober* rcalschule) in den Lehrkörper dieser Anstalt e<n.