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ftför ^kelfetnenft" mtttdlt, ein amtliches For- Eiar hergestellt. das dem Anmeldercden bei ven Amtsgerichten unentgelllich verabfolgt wird. Die Ausgabe ist nicht auf di« Amtsgerichte be­schrankt. vielmehr ist der Rachdruck jedermann gestattet

Die G ic he n« r Herbstmesse hatte gestern trotz des regnerischen Wellers und des aufgeweichten Bodens auf Oswaldsgarten einen guten Besuch aufzuweisen. Namentlich in den Abendstunden war der Zuspruch der Schau- und Deranüaungslustigen recht stark. Der Schlager der Messe ist diesmal die grohe Achterbahn, die sich denn auch der flam besonderen Gunst der Besucher zu erfreuen hatte. Daneben konnte man aber ebenfalls regen Deiuch zahlreicher anderer Unternehmungen beobachten.

* Verbesserung der Postverbin - düng nach Südamerika. Vom Oft ober an wird zur Beförderung der Vriefposr nach Süd­amerika (Brasilien. Argentinien. Paraguay. Uru- Qual) und Chile» auher den bisherigen Leitwegen auch wieder der Weg über Liffabon benutzt wer­den Die Neuerung bedeutet eine wesentliche Ver- teffetunfl der Pottverbindungen nach Brasilien. Chil: und den 2a Plata-Staaten. Die Leitüber­sicht für Bncfsendungen nach außereuropäischen Ländern wird künftig hierüber besondere Angaben enthalten.

Auftrieb auf dem Frankfurter Schlachtviehmarkt. 4782 Schweine.

Buntes Allerlei,

(besinnt ober gesonnen?

In feinen Römischen Charakteren schreibt der flla|fifd)e Philologe Birt S. 26: der Senat war immer noch altmodisch gesonnen. Auch Dr. v. Gagern Unter gekrönten Häuptern" S. 40, läßt eine königliche Hoheit gnädig gesonnen sein. Beiden Zeugnissen für die falsche Form ist als drittes das von Avenarius (Kunstwort 1904 5.617) hinzuzu­fügen, der von monarchisch Gesonnenen sprach, gar nicht zu reden von Gaudys spartanisch geson- neuen Schülern und alliiert gesonnenen Alum­nen (W. 5. II s., Seite 131 Exzellenz sind gnädig gesonnen), denen in demselben Werk (Seite 95) ein dem Hause treu Gesinnter gegenübersteht. Die richtige Belehrung bietet Burte, Wiltfeber S. 72 mit dem Ausspruch: Also habe ich gesonnen und derart bin ich gesinnt. Gesinnt bezieht sich auf die Gesin­nung, Stimmung oder Denkweise: bei Luther finden wir: fleischlich, christlich, irdisch gesinnt. Es gehört nicht als Mittelwort zu fintien, wovonich bin ge­sonnen" eine Absicht ausdrückt, sondern zu dem Hauptwort Sinn wie gewillt au Wille, gesittet zu Sitte, gelaunt zu Laune, gestiefelt und gespornt zu Stiesel und Sporn u.a.m. Goethe gebraucht ge­sinnt auch in der Bedeutung seinen Sinn worauf gerichtet hebend, entschlosten (etwas zu tun), z. B. im Wild. Meister 4, 9 er sei nicht gesinnt, ihm nachzugeben. Dafür trat schon bei Schiller gesonnen ein, im Don Carlos 3, 10 sagte der König: Ich bin nicht gesonnen, in meiner Diener Schuld zu stehen: Fiesko hat (4, 13) einen Strick gedreht, womit er den Dieb der Republik aufzuhängen gesonnen ist. Dieser jetzt allgemein gewordene Gebrauch des Mittelworts gesonnen ist aber auf den Begriff der Jbfidjt, des Willens zu beschränken und nicht auch noch auf die Gesinnung und Denkweise auszudehnen. Man kann nur gut ober wohl, friedlich, freundlich.

feierlich, schlecht ober döse gesinnt sein, ebenso katholisch, liberal, radikal usw. Vielleicht hat zum Ucbergrciicn des Mittelwortes gesonnen in das Ge­biet des vom Hauptwort Sinn abgeleiteten gesinnt auch das .zum Cigenfchaitswort gewordene Mittel- wort besonnen beigetragen, das die noch im 18>Jahr hundert gebräuchliche ichwache Form besinnt oöllin verdrängte Rur in süddeutscher Mundart findet sich noch ur.btfmnl: solch unb'smnt Schwätzen, em un besinnte» Stückel bei Anzengruber. Sternfteinbof (1. 42; 4b) neben unb'sonnen (Anzengruber 4,53).

Die Spinne als Industriearbeiter.

3n einer Fabrik für Messinstrumente in Hoboken bei Neuyork sind 200 Spinnen damit beschäftigt, die für manche Messinstrumente erforderlichen fei­nen Fäden zu spinnen. Für dielen Zweck wurden früher Menschcnhaare und äuherst fein ausgewogener Platindraht verwendet, doch sollen dicebczüglichc Untersuchungen den einwandfreien Beweis erbracht haben, das Spinnenseide ungleich bessere Dienste leistet. Dah Arbeitsverfahren spielt sich in folgender Weise ab: Die Spinnen werden von Arbeiterinnen auf ihre Handteller gesetzt und durch vorsichtiges Klopfen veranlaht, sich von der Hand in die Diese hinabzulassen. Die Spmne erzeugt zu diesem Zweck einen Faden, den sie. während sie am freien Ende hängt, an der Hand befestigt, bevor sie den Boden erreicht, befestigen die Mädchen den Faden an einem Spulrad und wickeln ihn durch vorsichtige Drehung des NadeS langsam auf. Dadurch wird die Spinne, die sich ständig bemüht, den Boden zu erreichen, immer wieder ein Stückchen in die Höhe gezogen und so genötigt, den Spinnprozeh andauernd fortzusetzen Auf diesem Wege kann man von einer einzigen Spinne Fäden von mehreren hundert Meter Länge erhalten. Die Spinnen werden auher der .Arbeitszeit" in einem groben Käsig verwahrt und mit Stubenfliegen gefüttert.

Plätze im Paradies zu verkaufen.

Sine hebräische Zeitung, die in Jerusalem er­scheint, der®oar Hayem", berichtet von einem ebenso schlauen wie gelungenen Geschäft, mit dem ein Muselmann namens Abul Said sich ein riesi­ge- Vermögen erworben hat. Sr kam nämlich auf den Gedanken, seinen Glaubensgenossen Plätze im Paradies zu verkaufen, besten Herrlichkeiten der Prophet ia so verführerisch geschildert hat.®r er­zählte," so schreib! daS Blatt, »daß der Prophet ihm im Traum erschienen sei und ihm gesagt habe, er möge sich nach der heiligen Stadt begeben, wo er in der Nähe seines Grabes den genauen Plan des Paradieses stnden werde. Aus Grund dieses Planes könne er die Plätze an die Gläubigen ver­kaufen, die sich im Jenseits einen besonders gün­stigen Ort sichern wollten. Der Preis der Plätze hängt natürlich von ihrer Lage ab, und es gibt solche in jeder Preislage. Zahlreich sind die Kunden von Abul Said, und er hat mit diesen himmlichen Terrains mehr Geld verdient als der gröhte der irdischen Grundstücksspekulanten. Gin reicher Anhänger des Propheten kaufte ihm, als er fein letztes Stündlein herannahen fühlte, einen be­sonders schönen Platz für die Summe von 250000 Dollar ab. Die Erben wollten sich diese Minderung der Hinterlastenschaft nicht gefallen lasten und Der- klagten den klugen Paradiesverkäufer vor den Ge­richten, die ihn gefangen setzten. Die Verhandlung ergab, dah er denselben Platz mehrere Male verkaufte. Mit den Gewinnen aus dem Handel hatte er einen ganzen Häuserbezirk angekauft und

sich einen prächtigen, reichbesetzten Harem zügel egt Augenscheinlich glaubte et mehr an bas Paradies Mohammeds - auf dieser Erde. Ader eS fand sich unter den Zeugen keiner, der ibn belastet hätte. Sie waren im Gegenteil sehr zufrieden, und eine Witwe erzählte unter Tränen, dah ihr ihr verstor- bcner Mann im Traum erschienen sei und ihr er­zählt habe, wie glücklich er über den Kauf sei. So musitc Abul Satd unbestraft entlassen werden. Er seht seinen Handel in aller Anhe fort, denn die Mohammedaner sind davon überzeugt, dah dieses Geschäft rechtmähig und segensreich ist."

Die schöpferischen Anlagen der süddeutschen Stämme.

Zu her Frage, welche Verschiedenheiten sich bet den schöpferischen Anlagen der süddeutschen Stäm­me zeigen, hat der Tübinger Phvsiologe Basler einen interessanten Beitrag geliefert. Dah die Bayern eine austallende Begabung für Thealcr- spiel zeigen, ist bekannt, ein groher Prozentsatz aller Schauspieler sind Bayern, und es ist kein Zufall, dah sich dort das BolkSschauspiel zu hoher Blüte entwickelt bat, wie die PassionSspiele in Oberammergau immer wieder beweisen Aber auch in der Malerei und Plastik zeichnen die Badern sich aus. Basler hat sich nun besonders mit der schöpferischen Anlage der Württemberger beschäftigt und Dabei ein ganz anderes Bild ge­wonnen Aus Württemberg stammt kaum ein Schauspieler, und es sind auch nur wenig Maler und Bildhauer bekannt geworden Dafür übertrifft diese» Land die meisten andern deutschen Länder auf einem anderen Gebiete bei weitem. Kein an­derer süddeutscher Stamm besitzt soviel Dichter. Diese allgemeine Erfahrung hat Basler durch sta­tistische Unterlagen bestätigt. Aus der Kunstge- schichte von Ianitscheck schrieb er alle in Bayern, Württemberg und Baden geborenen Maler heraus, die wenigstens so bedeutend erschienen, dah minde­stens eins ihrer Bilder wiedergegeben wurde. Die Tabelle, die sich dabei ergab, zeigt in der Tat sehr deutlich, wie auherordentlich unter den Malern die Bayern überwiegen. In derselben Weise machte Basler aus einer Literaturgeschichte eine Ausstellung aller Schriftsteller, von denen ein Porträt gegeben wurde. Bei der tabellarischen Darstellung zeigte sich diesmal, dah Bayern und Württemberg ihre Rollen vertauscht hatten, während Baden in beiden Ta­bellen keine Rolle spielt. - B.

Büchertisch.

Bei dem durch seine zahlreichen medizini­schen Werke, namentlich auf dem Gebiete der Psy­chologie und Psychiatrie rühmlichst bekannten Münchener Verlag 3. F. Bergmann erschien als Heft 119 derGrenzfragen des Nerven- und Seelenlebens" eine interessante psychologische Studie der Persönlichleit Rousseaus aus der Feder Dr. Adolf Heidenhains (3. 3.Rousseau, Persönlichkeit, Philosophie und Psy- ch o s e). Der Verfasser gibt eine eingehende und fesselnde Darstellung der psychischen Entwicklung Rousseaus von den Kinderjahren an an Hand der nur geringen authentischen zeitgenössischen Be­richte, vor allem aber, besonders für die späteren Jahre, auf Grund eines gründlichen Studiums feiner Werke. 515

Marie Giers. Lat di nich um- fmieten, Roman aus der Franzosenzeit und den Befreiungskriegen. lVerlag Max Sehfert,

Dresden-R 15.) Die betonte Schriftstellerin gibt hier ein Spiegelbklb jener gewaltigen Zeit vor Hunden 3abren. in der zum erstenmal die deutsche 3ugend sich als Hüter deutscher Sb re zu fühlen beginnt. DaS Bach ist ein kraftvolle'. Ansporn für unser heutiges Geschlecht, eine ernste Mahnung jur Einkehr und Besinnung auf bk Pflichten gegenüber dem Vaterland. 242

Son denTO i 11 i (u n g e n des sehr r übrigen rührigen Wetzlarer Geschichtsve > eins, die der beste Henner Wetzlarer Geschichte Professor Dr. H. Gloel im Selbstverlag de Vereins herausgibt, liegt das Neunte Heft vor. Der Herausgeber selbst berichtet über die alten Wetzlarer Grabsteine und Epitaphien in räumlicher und chro nologischer Gliederung. C. Metz gibt eine einleudi tenbe Darstellung der prähistorischen Niederlasiung aus der Plank bei Wetzlar. Aus der Drangsalszei! de» 30jährigen Kriege» erzählt Oberpfarrer Himmel reich in Braunfels interessante Einzelheiten. Einen wertvollen Beitrag für Volkskunde liefert H. Neu­haus mit drei Sagen au» dem Streife Wctzlai A. Schönwerk in Düren steuerte ausschlusireiche Aul sätze über die Burg in Wetzlar und dieSpilburg" bei. Fünf Briese des bekannten Nechtsgelehrtei, F. 5T. v. Savigny über Wetzlar gibt Prof. Dr. Stoll Kassel bekannt. Lieber die Lichtensteiner im Ulmsiü schreibt Dr. St. Stuhl, Gießen. Eine Fortführung der Wetzlarer Chronik bis 192-5 und der Jahre: bericht über die Vereinstätigkeit schließt das gui ausgestattete. vielseitige Heft ab. 510

-- Witte: Sommersonnentage in Japan und China (Verlag von Dandenbroct fit Rupprecht in Göttingen). Als Missionsdirektor ist der Verfasser im Fernen Osten lange Zeit tätig ge wesen. Mit feinstem Verständnis lind roarmem Nachempfinden hat er die fremden Kulturen auf sich wirken lassen, ist ihnen nachgegangen, hat mit hellem Blick das Ringen der alten Tradition mit den übermächtigen Lebensformen des Westens beobachtet und gibt außerordentlich interessante Schilberungen von seinen an Erlebnissen überreichen Wander führten. Gute Illustrationen in großer Zahl tmtei stützen das geschriebene Wort. 32*

AlS neueste Erscheinung der bcfannte-i Reclamschen Universalbibliothek «Verlag Ph. Ne clam jr. in Leipzig) liegen vor: H Stehr Der Schinbelmacher und 'Ad Kodsch Gaukler deS Leben- 351 352

Deuts cherHumor auS fünf Jahr­hunderten ist von W. Srängev mit viel Geschmack und Verständnis in zwei gewichtigen Bändeir zusammcngetragen. von Grimmelshaufen an biS auf unsere Zeit. Der einzige, ivahre Humor, der Humor des Herzens durchzieht hievt Buch, nicht platter Witz, banale Zoten, die beute sich oft anspruchsvoll als Humor ausgeben. Dm zückende Holzschnitte und Zeichnungen zeitgenössi­scher Meister illustrieren daS vom Verlag R.Pip . & Co. in München in anheimelnd archaisierender Art ausgestattete Werk. 208

Zvbelt i y: Die Fürstin Witwe (GngelhornS Rachs.. Stuttgart), ein flott geschrie bener UnterhaltungSroman aus einer lanqlmn versinkenden Welt. 1140

K. P. Hasse, Markgraf von Mvn locivla: Die italienischeRenaissance (2. Ausl . KrönerS Taschenausgabe. Verlag Alfred ftröner in Leipzig). Gine ausgezeichnete, durch ihren klaren Ausbau auch für ungeschulte Lese geeignete Einführung in daS philosophische und künstlerische Werk der Renaissance. 282

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