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eifer sich entwickeln kann. Die Begründer von Kendrew erwarten, daß binnen 3 Jahren die 117 000 ocres, wovon 17 000 durch den soeben fertiggestellten Damm berieselt werden können, gründlich bearbeitet sein werden.

Die Metamorphose des Bolschewismus.

Don Otto C v r b a ch.

Gewisse Tiere, besonders geflügelte Insekten, haben noch in ihrer postembrhonalen Entwicklung eine so starke Umgestaltung durchzumachen, daß sich ihr Körper vorübergehend in einen Gewebs­brei auflösen muh. Die alte Organisation wird eingeschmolzen, um als Material zur Bildung völlig neuer Organe zu dienen. Man kann eine Revolution, wie die bolschewistische, die mit einer alten Staatsordnung wirklich aufräumt, nach Analogie einer solchen Metamorphose auffassen. Rur unter völliger Absonderung von der Außen­welt, unter Aussetzung normaler Funktionen, im Zustande fast völliger Auflösung des ursprüng­lichen Körperbaues kann sich das Wunder der Verwandlung einer Raupe in einen Schmetter­ling vollziehen. Richt jeder Schmetterling ist ein Wunder an Schönheit, aber kein moderner Mensch wird leugnen, daß das^ alte Zarenreich eine Raupe von erschreckender Häßlichkeit war, so daß nicht viel Optimismus dazu gehört, zu er­warten, daß aus seinem Gewebsbrei innerhalb der auch nichts weniger als ästhetisch reizvollen bolschewistischen Puppe schließlich ein Organismus mit gefälligeren Formen hervorgehen werde. Auf jeden Fall aber ist es Zeit, aufzuhüren, sich immer aufs neue zu wiederholen, was der Bol­schewismus an vandalistischer Zerstörung ge­leistet habe, um mit gespannter Aufmerksamkeit zu verfolgen, was für ein neuartiger Organis­mus aus dem Gewebsbrei des alten Regimes nun wirklich zu entstehen begonnen hat.

Siner unbefangenen Betrachtung enthüllt sich dabei deutlich, wie wenig dieser neue Organis­mus den ursprünglichen Absichten seiner kommu­nistischen Geburtshelfer gerecht zu werden ver- lpricht. Die russische Ratur scheint sich vielmehr des kommunistischen Programms der- Bolsche­wisten als einer List zu bedienen, um die Außen­welt abzufchrecken und desto unabhängiger eigen e Wege in der Durchführung individualistischer Wirtschaftsprinzipien gehen zu können. Was im alten Zarenreiche an moderner Wirtschaft ent­standen war, hatte sich nicht recht akklimatisieren können. Es war zu sehr das Erzeugnis west- euT-oväischer verlchte erter Kolonialvolitik, als daß sich der starke 1.lnabhänqigkeitsinstinkt des russi­schen DolkeS damit abfinden mochte. Gerade des­halb aber braucht der Radikalismus, womit es dem Bolschewismus zunächst verstattet war, alles zu zerstören, was auf russischer Erde an kapita­listischer Wirtschaft entstanden war, noch nicht zu bedeuten, daß sich unter bolschewistischer Herr­schaft ein Saltomortake aus einer mittelailterlich- patriarchalischen in eine ideale sozialistische Wirt- schaftsversassung vollziehen könne. Wer sich durch bloße Worte nicht irre machen läßt, wird viel­mehr durch den bisherigen Verlauf der bolsche­wistischen Metamorphose an den Prozeß erinnert, durch den sich in Westeuropa einst aus dem Merkantilismus der wirtschaftliche Liberalismus, dastaiffer faire, laisfer Passer" herausschälte. Auch die Merkantisiten warenStaatskapita­listen". die im privaten Unternehmungsgeist das böse Prinzip sahen, dem sie nur unfreiwillig Konzessionen machten, ohne dadurch verhindern zu können, ihm schließlich völlig das Feld räumen zu müssen.

Wie dem auch sei. jedenfalls lehren die jüngsten Vorgänge in Sowjetrußland, daß die Bolschewisten nur dann hoffen können, das Heft in der Hand zu behalten, wenn sie dem privaten Unternehmungsgeist im Rahmen ihresStaats­kapitalismus" noch viel mehr freien Spielraum gewähren, als eS bisher der Fall war. Man hat sich im vorigen Jahre umsonst bemüht, diesen durch die kräftigste und nachdrücklichste Bevor­zugung des Genossenschaftswesens zu erdrosseln. Als private Händler und Gewerbetreibende immer höher besteuert wurden, als die staatlichen Fabriken sich weigerten, an private Geschäfts­leute Ware abzugeben und diese im günstigsten Falle mit dem fürlieb nehmen mußten, was übrig blieb, nachdem die Kooperativen den Rahm abgeschöpft hatten, von denen nicht, wie von ihnen bare Bezahlung verlangt, denen vielmehr auf langfristige Kredite geliefert wurde da ichien das Ende desRep" gekommen. Rachdem dieser Kreuzzug gegen 200 000 Opfer gefordert hatte, konnten die Kooperativen ungehindert ver- suchen, die Warenverteilung zu monopolisieren. Es zeigte sich aber, daß sie dieser Aufgabe nicht gewachsen waren. So langfristig die Kredite waren, die ihnen bewilligt wurden, einmal mußte der Zeitpunkt eintreten, wo die aufgelaufenen Rechnungen bezahlt werden mußten, und nun ergab sich, daß sehr viele Kooperative ihre Kräfte überschätzt und viel mehr Kredit in Anspruch genommen hatten, wie sie verantworten konnten. Die Staatstruste, die selbst unter chronischem Kapitalmangel schwer zu leiden hatten, erklärten, außerstande zu fein, zahlungsunfähige Koopera­tive über Wasser zu halten. Die allgemeine Stockung, die dadurch im Wirtschaftsleben Ruß­lands hervorgerusen wurde, hatte zur Folge, daß die Sowjetregierung das Steuer wiederum in der Richtung der neuen ökonomischen Politik umwars. Seit März dieses Jahres sind eine ganze Anzahl Dekrete in Kraft getreten, die bestimmt und geeignet find, den privaten Handel neu zu be­leben und auch dem Handwerk wieder auf die Füße zu helfen. Gleichzeitig hat man auch den strebsamen Bauern von allen Fesseln befreit, die seine Initiative noch lähmten. Er kann wieder fremde Arbeitskräfte beschäftigen, ohne als ..Kulak" , gebrandmarkt zu werden und dabei Schliche wie die einer Scheinehe mit einer Magd oder derAdoption" eines Knechtes anwenden zu müssen. Er kann auch Land zupachten, am fein Besitztum feinen Betriebsmitteln anzupassen.

Ganz anders wie im Jahre 1921, wo ein rapider Verfall der landwirtschaftlichen und indu­striellen Produktivkräfte den tiebergang vom Kriegskommunismus zur neuen ökonomischen Po­litik notwendig machte, handelt eS sich bei den neuesten wirtschaftspolitischen Maßnahmen um Bemühungen, eine W a ch s t um skr i se zu überwinden. Die Wiederausbaukräfte find so er­starkt, daß sie die Fesseln zu sprengen vermögen, in die sie engherzige staatssozialistische Prin­zipien schlugen. Den Kooperativen fehlt es an Kapital und anderen Hilfskräften, um die wach­sende Produktion der Staotsindustrien zu ver­teilen. Das erheischte weitgehende Zugeständnisse

Jur Förderung in

des!

W

Heffen

ohnungsbaues

(Don unserer Darmstädter Redaktion.)

In Hessen ist mit beschränkten staatlichen Mitteln verhältnismäßig viel zur Förderung des Wohnungsbaues geschehen. Diese Erfolge sind zum Teil dem Umstand zuzuschreiben, daß die Baustoffe für die Mehrzahl der Bauten bereits in der Inflationszeit beschafft worden waren. Zur Förderung des Wohnungsbaues im Jahre 1924 hatte die hessische Regierung aus dem Ertrag der staatlichen Sondersteuer vom be­bauten Grundbesitz-, insgesamt 2 230 000 Mk. ein­schließlich eines vorlagsweise gewährten Betrages von '450 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Im Verhältnis zu dem gesamten Reinaufkommen der Sondersteuer von 11,3 Millionen Mark beträgt der auf den Wohnungsbau im Jahre 1924 ent­fallene Anteil an der Steuer rund 16 bzw. 19 v. H. Mit Hilfe dieser staatlichen Mittel konnten im Jahre

1924 runb 2500 Wohnungen

durch Hingabe von Baudarlehen gefördert wer­den. Reben diesen staatlichen Darlehen hatten sich die Gemeinden mindestens mit dem gleichen, zumeist aber mit einem höheren Dac- lehensbetrage an der Förderung des Wohnungs­baues beteiligt.

Von diesem Monat ab können nun neue Geldmittel bereitgestellt werden, die aus einet Erhöhung der Sondersteuer für den bebauten

Grundbesitz

gewonnen werden. Die vor furxem erschienene Denkschrift der hessischen Regierung über Wohnungsnot und Wohnungsneubau in Hessen erklärt hierzu:

Die veränderten wirtschaftlichen Derhältnisse und die auf dem Baumarkt zutage getretenen Er­scheinungen ließen frühzeitig erkennen, daß für das Baujahr 1925 mit einem höheren Darlehens­betrag gerechnet und demgemäß auch ein größerer Betrag aus dem Aufkommen der Sondersteuer bereitgestellt werden müsse. Der Ausschlagssatz der Sondersteuer für das Jahr 1924 von 60 Pfg. vom Hundert des Gebäudewertes soll in dieser Höhe bis 1. August d. 2s. bestehen bleiben. Von dem genannten Zeitpunkt ab ist eine Erhöhung des Ausschlagsahes von 60 Pfg. auf 80 Pfg. vorgesehen, was eine Steuermehreinnahme von voraussichtlich 2 512 000 Mk. bringen wird, so daß unter Aufrechnung von 1780 000 Mk. aus dem Steueraufkommen von 1924 ein Gesamt­betrag von 4 292 000 Mk. für den Wohnungsbau im Jahre 1925 aufgewendet werden kann. Mit Hilfe dieser Mittel würden unter Annahme eines Darlehensbetrages von durchschnittlich 3000 Mk. je Wohnung runb 1430 Wohnungen und von durchschnittlich 2500 Mk. je Wohnung runb 1700 gefördert werben können, was gegenüber einem jährlichen Bedarf von wenigstens 3000 Wohnun­gen außerordentlich gering erscheint."

In den folgenden Ausführungen bespricht die amtliche Denkschrift die jetzt in Kraft getretenen Dedin gungen für b ie Gewährung von Baudarlehen, die im wesentlichen mit denen des Vorjahres übereinstimmen. Die Rotwendig- feit der tinterstühung des Wohnungsbaues aus öffentlichen Mitteln wird durch die nachstehenden Bemerkungen bargetan:

Es fehlt an dem notwendigen Baukapttal und an der Möglichkeit, Darlehen zu erträgllchem Zinsfuß zu erhalten. Langfristige Hypotheken­darlehen fehlen noch vollständig. Der Zinsfuß für kurzfristige Darlehen beträgt zur Zeit 11 v. H., mithin das zwei- bis zweieinhalbfache gegenüber der Friedenszeit. Da die Bau­kosten heute fast bas Zweifache der Frie­de n S z e i t betragen, so muß man als rentier* liche Miete für die 1925 zu erstellenden Bauten wenigstens die

dreifache FrtebeaSmiete

an den privaten Handel. Einzelne Industrien, besonders der Metallbranche, gerieten pllrtzlich aus einem Zustande chronischer Verkaufsschwierig­keiten in einen solchen, wo sie die Menge der einlauf enden Aufträge nicht zu bewältigen ver­mochten. Das brachte für die Sowjetregierung den Zwang mit sich, das Handwerk zu begünsti­gen, um es wirksam für die Produktion heran- zuziehen. Das Verlangen, die tieberschüsse der landwirtschaftlichen Erzeugung zu steigern und den Großbauern kaufkräftiger für den Absatz industrieller Erzeugnisse zu machen, bedingte eine veränderte Agrarpolitik. Hand in Hand mit diesen Reformen geht die Tendenz, dem aus­ländischen Kapital in der Konzessionspolitik weit- gehendst entgegenzukommen. Das hängt damit zu­sammen, daß die Hebung der industriellen Pro­duktion eine starke Rachfrage nach den Erzeug­nissen der russischen Montanindustrie hervorrief, ohne daß es möglich war, deren Entwicklung damit Schritt halten zu lassen.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, so sind die Verhällnisse, die die jüngsten wirtschaftlichen Maßnahmen der Sowjetregierung notwendig machten, so dauerhafter Ratur, daß man mit einer endgültigen Reu Orientierung rechnen kann. Vorläufig kann sich freilich die Sowjet­regierung bei ihren kaum ganz freiwilligen Zu- geftänbntifen an das individualistische Prinzip damit trösten, daß sie es verstanden hat, die Kontrolle über die Großindustrie, die Banken und den gesamten Außenhandel zu behaupten.

Der DarmstädterMord ausgeklärt

Die Kriminalpolizei in Darm­stadt teilt mit: Durch die eingehenden Ermitte- lungen der hiesigen Kriminalpolizei ist festge­stellt worden, daß der Mord in Darmstadt begangen worden ist.

Als Täter kommt zweifellos der Student Josef M e o u, geboren am 31. März 1899 zu Bensheim a. d. D., zuletzt wohnhaft in Darm­stadt, Aucestratze 18, parterre, in Betracht.

Die Tat wurde in der Wohnung deS M e o n in der Olacht vom Donnerstag auf Frei­tag voriger Woche (20./21. August 1925) aus­geführt.

Meon konnte die Tat ungestört in seiner Wohnung begehen, da die Wohnungsinhaberin sich seit langer Zeit infolge eines Leibens im StadtkrantenhauS befindet und er deshalb die Wohnung allein inne hatte.

Der Mörder ist seit Montag, den 24. Aug. 1925, nachmittags, von Darmstadt flüchtig. Er hat vornehmes Auftreten, ist etwa 1,80 Meter groß, bartlos, schlank, trägt blondeS, dorn ge­scheiteltes Haar und Kneifer. Bekleidet war er

annehmcn. Eine solche Miete ist für die Masse der Wohnungsbedürstigen nicht tragbar. Infolge­dessen ist auch die Errichtung von Wohnungs­bauten auf rein wirtschaftlicherG runb- lage unb ohne Unterstützung aus öffent­lichen Mitteln in bem bringcnbft erforderlichen Umfange vollständig ausgeschlosse n."

Zu ber vielumstrittenen Frage bet

Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft nimmt die Denkschrift wie folgt Stellung:

Immer noch wirb bic Forderung auf Be­seitigung der Wohnungszwangswirtschaft mit dem Hinweis erhoben, baß sich bei freier Wirtschaft die Bautätigkeit rascher entwickeln werde und die Wohnungsnot rascher überwinden lasse. Es wird dabei übersehen, baß bei Aufhebung der bestehen­den Vorschriften über Mietpreisbildung, Mieter­schutz und Wohnungsmangel die Miete sofort stark st eigen würde, weil das Wohnungs­angebot für die Unterbringung der Wohnungs­bedürftigen viel zu gering ist. Die finanziell Leistungsfähigen würben ben Uebergang ertragen können, während die Leistungsschwachen dem schlimmsten Wohnungselend ausgesetzt wären. Die erhoffte Belebung berBautätigkeit wirb aber auch bei Aufhebung ber Zwangswirt­schaft aus den schon angeführten Gründen schwer­lich eintreten. Die Einführung ber freien Miete würbe nur für einzelne Kreise von Vorteil fein. Der weitaus größte Teil ber Bevölkerung müßte schwer darunter leiden. Es ist selbstverständlich, daß die

Zwangswirtschaft im Wohnungswesen nicht verewigt

werden darf, vielmehr muß auch hier das Ziel die Einführung freier Wirtschaft bleiben. Dies hat aber zur Voraussetzung, daß Angebot unb Rachfrage sich ungefähr ausgleichen. Solange aber die große Spannung zwischen Angebot und Rachfrage besteht und die Schwierigkeiten bei ber Beschaffung von billigem Baugeld anhalten, fehlen die notwendigen Voraussetzungen zur Ein­führung ber freien Wirtschaft im Wohnungs­wesen und zur Entfaltung ber privaten Bau­tätigkeit. Eine Lockerung der Zwangs­wirtschaft wird von ber Gestaltung des Bau­marktes unb von ber Entwicklung der wirtschaft­lichen unb politischen Lage abhängen unb nur in engster Anlehnung hieran erfolgen können."

Die Denkschrift gibt zwar zu, daß die Wohnungszwangswirtschaft nicht verewigt werden darf, aber man kann aus ihr doch eine gewisse Reigung, das Wohnungswesen möglichst lange behördlich zu bevormunden, herauslesen. Eine so­fortige Aufhebung ber Wohnungszwangswirt­schaft, wie sie die Denkschrift als eine Annahme hinstellt, um bann gegen sie anzukämpfen, wirb in Hessen niemand wollen und auch in Kreisen der Hausbesitzer ist man darüber klar, daß sie nie eintreten würde. Was dieser unter Aushe­bung der Zwangswirtschaft verstehen, ist doch in erster Linie die Erhöhung ber Mieten auf ben Friebensstand. An eine sofortige Aufhebung ber Bestimmungen, die zum Schutze ber Mieter erlassen sind, benft ebenfalls niemand, so daß die Erklärungen der Denkschrift über die Folgen der Aushebung des Mieterschutzes in der Lust schwe­ben bleiben und sich kaum je verwirklichen dürsten. Was aber auf dem Gebiete des Wohnungs­wesens von jedem rechtlich Denkenden verlangt werden kann, der einen Ausgleich der In­teressen des Mieters und des Haus­besitzers wünscht, ist ein allmählicher Abbau der Zwangswirtschaft, tote es die Zeitumstände erfordern. Der Schlußsatz ber Denkschrift sagt das zwar auch, jeboch der Gedanke des allmäh­lichen Abbaues hätte schärfer betont werben können.

bei seinem Weggang mit blauem Anzug, titn eifrige Mitfahndung unb Aachricht an die Kri­minalpolizei in Darmstadt wirb gebeten. Die Persönlichkeit ber Ermordeten steht noch nicht fest.

Zu der Morbtat erfahren wir noch, daß Meon der Sohn eines Bäckermeisters aus Bens­heim ist. Gr hatte immer viele Damen» bekanntschaften: auffallend ist, baß er sich Telephon in feine Wohnung hatte legen lassen Die Decke, in der die Leiche eingetragen war. hatte er sich wahrscheinlich erst am Sonntag au« der elterlichen Wohnung bei einem Be­such mitgenommen. Als seine Mutter ihn hier besuchen wollte unb ber Sohn nicht in seiner Wohnung war und auch nicht zurückkehrte, mel­dete sie ihn als vermißt bei der Polizei. Da die Anfangsbuchstaben seines RamenS, I. M., mit den Buchstaben übereinstimmten, mit denen die.Decke gezeichnet war, so war der Zusammen­hang gleich gegeben. Die Ermittelungen in seiner Wohnung ließen dann keinen Zweifel mehr, daß Meon der Mörder sei. Allen Anzeichen nach kommt ein Lustmord in Frage. Die Leiche dos Mädchens hat ber Mörder vermutlich zuerst im Kleiberschrank verborgen und sie dann in der Dunkelheit auf dem Fahrrad in den Wald be­fördert, toahrscheinlich erst in bet Rächt auf Sonntag.

Eine Eifersuchtstragödie.

fpd. Frankfurt a. Olt., 27. Aug. Iu ber Wohnung des Telegraphensekretärs Aeeh, Bvrgstraße 49, spielte sich heute abend ein furchtbares Blutbad ab. Die Tochter des Reeh hatte ihr Verlöbnis mit dem Kaufmann Friedrich Dornbusch gelöst unb sich mit einem gewissen Schmidt verlobt. Aus blindwütiger Eifersucht drang nun heute abend, kurz vor 8 Uhr, der Dornbusch in die Wohnung ber Reeh unb tötete biete durch mehrere Revolverschüsse, bann knallte er den jetzigen Verlobten gleichfalls nieder unb richtete schließlich bie Waffe gegen sich selbst. Beide jungen Männer wurden in hoffnungs­losem Zustande bem Krantenhause rüge- führt.

Kirche und Schule.

c Krofdorf, 28. Aug. Seitdem unser seit, heciger Rektor Hoffmann durch Abbau seine Stelle an ber hiesigen Volksschule im vorigen Jahre aufgeben mußte unb auch Konrektor Bechtold durch Abbau ousschied, ist bie hiesige Rektorstelle verwaist. Rektor Hoffmann trat seine Stelle am 1. Juni 1885 als Lehramtskandidat hier an. Am

1. November 1921 wurde er zum Rektor ernannt. Nachdem er fast vierzig Jahre zur vollen Zufrie» benheit der Gemeinde hier gewirkt, verfiel er im vorigen Jahr ber Abbaiiverorbmmg. Da auch die Wohnungsverhältnisse hier schlecht waren, so hat sich Rektor Hoffmann ein neues Heim hier erbauen lassen, um die Lehrerwohnung frei zu bekommen. Konrektor Bechtold trat seine Stelle als Lehrer am 1. April hier an. Am 1. Dezember 1922 wurde er zum Konrektor ernannt. Gegenwärtig wirken hier an der Volksschule vier Lehrer unb ein Lehramts» fanbibat. Da auch Gleiberg seine Kinder nach Kroß borf schickt, so ist bie Schülerzahl berart groß, daß der Wunsch laut geworden ist, außer der freigewor­benen Rektorstelle eine Lehrerstelle zu be­setzen, damit ber Unterricht besser gehoben werben kann. Leiber fehlen aber hier die notmenbigen Wohnungen.

rs. Rainrob b. Schotten, 26. Aug. Am Sonn­tag, 23. Aug., feierte hier ber Zweigverein Schotten sein letztes G u st a v - A d o l f - F e st in biesem Jahre. Um 1 Uhr begann ber Gottesdienst in ber dicht besetzten, schon geschmückten Kirche. Die Fest- predigt hielt Herr Pfarrer Köhler-Nidda. Der Gottesdienst wurde festlich ausgestaltet durch die Mitwirkung des Gesangvereins und des Schuler- chors, bie sich auch bei ber Nachfeier im Freien nebst bem neugegrünbeten Mustkoerein in ben Dienst ber guten Sache stellten. Hier sprach Pfarrer E ck a r b von Wallborf zunächst üde^die Not und bie treue ber Glaubensgenossen in Siebenbürgen unb schilderte bann nach einem Zwischengesang bie furchtbaren Leiden unb Kämpfe ber Balten unter ber Bolschewistenherrfchaft. Pfarrer Römer- Schotten erstattete sodann den Rechenschaftsbericht, erstattete von ber Not ber Evangelischen in ben abgetrennten deutschen Gebieten unb lub ein zum großen Deutschen Gustav-Abols-Fest in Gießen am 20. September. Das Schlußwort unb ben Dank sprach Altbürgermeister Biehl- Rainrod aus. An Kollekte gingen ein 80 Mark, bie bem HaupWerein als Beitrag zur Festgabe Überwiesen würben.

Wh. Herchenhain, 27. Aug. Bergange­nen Sonntag sand im Garten des Gasthauses Zur schönen Aussicht" das diesjährige In­gen d s e st statt. Der Wettergott hatte ein Ein­sehen mit unserer Jugend und ließ die Sonne recht toarm scheinen, so daß das Fest schon rein äußerlich einen schönen Berkaus nehmen konnte. Rachdem Herr Lehrer Weimer in einer kur­zen, kernigen Ansprache auf die Bedeutung des Jugendfestes hingewiesen hatte, begannen die Kinder mit ihren Darbietungen. Besonderen Beifall erregten die von den Mädchen getanz­ten Reigen Spiele, Lieder und Gedichtvorträge ernster und heiterer Art wechselten ab. Den Höhepunkt der Feier bildete ein von den Kin­dern gespieltes TheaterstückWaldmärchen" das von Lehrer Weimer verfaßt worden war. Herr Fortbildungsschullehrer Sleinmann dankte im Ramen der Gemeinde den Kindern und dem Lehrer für die schönen Stunden und drückte den Wunsch aus da diese Feier das erste Ju- gendsest in Herchenhain darstellt daß die schöne Sitte, die Schule und Elternhaus einander näher brächten, immer hier gepflegt werden möge. Mit Brezeln beglückt, zog die Jugend stolz und freudestrahlend mit Sang und Klang nach Hause.

Turnen, Sport und Spiel.

Siegesfeier

des Turnvereins 1846 (Sieben.

Der Turnverein 1846 feiert am morgigen SamStag feine Sieger. Aus diesem Anlaß will es erlaubt scheinen, nachdem sonst die Ver- öfsentkichung von Erfolgen beim Kreisturnfest geschlossen wurde, noch einmal In Kürze sich der Preisträger zu erinnern.

Die ersten Erfolge wurden bereits am Fest­samstag bei den Schwimmwettkämpfen erzielt. Hier wurde im Brustschwimmen 10O Meter für Turner Mittelstufe mit 1,20- 5 Min. Ehr. Ziegler 1. Sieger, Hans Geismar im Hauptschwimmen für Turner Mittelstufe 2. und im Wehrkampf für Turner Mittelstufe 4. Sieger. Die Turnerinnen gingen bei der Bruststaffel 4x50 Meter Mittelstufe mit 3,47 Minuten als Sieger hervor. Im Reun- kämpf der Aelteren über 45 Jahre wurde E. Jung mit 131 Punkten 25. und Hch. Schmidt mit 129 Punkten 27. Sieger. 2m Reunkampf der Aelteren von 38 bis 45 Jahren Hch. Hamel mit 132 Punkten 26. Sieger. Im volkstümlichen Dreikampf der Aelteren sah man den früheren 1. Feldbergsieger Heinrich Roll mit 68 Punkten als 3. Sieger und den 50jährigen Emil Mar? als 23. Sieger.

Am Sonntag früh traten die Altersturner, Turner und Jugendtumer in zwei Riegen in Stärke von 31 und 34 Mann zum Dereinswett- turnen an. Die Altersriege unter Leitung des Oberturnwarts Erb erhielt mit 56 von 60 erreichbaren Punkten die RoteSehr g u t", ein um so höher einzuschätzender Erfolg, als in der Riege eine Anzahl Turner im Alter von 50 bis 68 Jahren turnten. Die Riege b e r Turner und Jugendturner unter Lei­tung des Turnwarts Müller erreichte mit 43 Punkten die RoteGut". Aus dem gleich­zeitigen Wetturnen der Frauen gingen im Sechs­kampf Elfriede Münn ich mit 102 Punkten als 9., Gretel Birkenstock mit 90 Punkten als 21., Käthe Ziegler und Johanna Kröck mit 84 Punkten als 27. Siegerin unb im Dreikampf Lina Haubach als 14. Siegerin hervor.

Waren bies alles schon sehr erfreuliche Er­folge für den Verein, so sollten sie am Montag aber noch gekrönt werden durch ben schönen Sieg seines jugendlichen Turners Karl Reuter im Zwölfkampf der Männer-Oberstufe, der Krone aller turnerischen Wettkämpse. Reuter als 2. Sieger blieb mit 208 Punkten nur 3 Punkte hinter dem 1. Sieger des Festes zurück, ein Sieg, auf den der Verein besonders stolz sein kann, hat doch Reuter sein ganzes turnerisches Können im Verein selbst zunächst in ber Schüler- und bann in ber Männerabtellung erworben. Reuter kann bamit schon im jugenblichen Alter von 22 Jahren zu ben Größen des 9. Kreises unb ber D. T. gezahlt werben.

Als weitere schöne Siege sind vom Montag noch zu verzeichnen: Im Zwölfkampf der Männer- tinterftufe: 22. W. Gartenscyläger. Im Zehnkampf der Männer-tinterstufe: 26. Karl 0t ob?, 30. A. Ho f mann , 37. Otto Hein­st a b t, 40. H. Wulkau. Im vollStümlichen Dreikampf bet Männer 15. W. Loh, 18. W. Gartenschläger, 19. Erich DilgeS.

So kann ber Turnverein 1846 auch mit ben Erfolgen feiner Mitglieder beim Gießener Kreis- turnfest 1925 sehr zufrieden fein, um so mehr»