Ausgabe 
28.3.1925
 
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Br, 74 Muster glatt Sietzener Anzeiger ^General-Anzeiger für Vberheffen)Samstag, 28. März 1925

Außenpolitische Umschau.

Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M. d.R.

Die 14 Lage seit Ende- der Genfer Völker. bundSkouferenz waren mit Zeitungserörterungen aller Art über die Sicherheitsfrage angesüllt, die im einzelnen nur zeigten, daß Genf ein lediglich negatives Ergebnis gehabt hatte. Dun hat Chamberlain in der großen Rede vor dem Unterhaus am 24 März die Frage weiter- gestellt. ES gilt auch für uns. sie ganz klar ins Auge zu fassen Worauf liegt England fest imb worauf legt es sich fest?

Zunächst- Trotz aller Klagen der Arbeiter­partei ist das Genfer Protokoll, von dem auch die Bereinigten Staaten gesagt haben. daß cs, anstatt den Frieden zu fördern, geeignet sei. neu? Ursachen zum Kriege zu schaffen erledigt. Dann: England fühlt sich verpflichtet, dafür Frankreich einen Ersah zu leisten. Es will die Verpflichtungen als Mitglied des Völkerbundes 'M Interesse der Friedenssicherung erfüllen. Es sieht was eine weitere wichtige Erklärung Chamberlain- ist. sich iden mit den Verhältnissen am Rhein, i f ?un die Artikel <2 bis 44 des Versailler 'Berit«. jeden Verstoß gegen die Entmilitarisierung des linken Rhein­ufers alS feindselige Handlung gegen alle Alliierten feststellen. Darüber hinaus will es also Frankreich Sicherheit gewährleisten, und was ja auch unausgesprochen gilt, sich selb er Sicherheit, aus dem Grunde, daß eben England seinen Eharakter alS Insel verloren hat.

Wie soll das weitergehen? Chamberlain lehnt unter stärkster Zustimmung des ganzen Hauses ein einseitig gegen Deutschland gerichtetes Mili­tärbündnis mit Frankreich oder Belgien ab. Und er sieht nun in den, wie er erneut sagt: deutschen Vorschlägen" einen Weg, weiter zu kommen zu dem, was ihm vorschwebt: dem Garantiepakt zu Dritt und zu Fünft, jedenfalls einschließlich Deutschlands.

Was er in dieser Rede weiter über die .deutschen Vorschläge" gesagt hat. ist geeignet, die Lage Deutschlands und die Erörterung dieser Dinge in Deutschsand allmählich unerträglich zu gestalten. Die deutschen Anregungen sind nicht veröffentlicht. Auster einem ganz engen Kreise der Regierung und des Außemnini- steriums kennt sie niemand im Wortlaut. Man ficht gewissermasten mit der Stange im Rebel, während das Ausland Schritt für Schritt weitere Mitteilungen macht, ohne dast wir kontrollieren können, ob sie richtig sind oder nicht. Ist es nun richtig, dast Deutschland, wie Chamberlain sagt, tatsächlich bereit ist. auf das Mittel des Krieges zur Abänderung der vertragsmäßigen Grsnzen Europas zu verzichten? Zitiert Chamberlain hier wörllich oder stutzt er die deutsche Riederschrift, die ihm vorliegt, in seinem Interesse zurecht?

Denn in feinem, in Englands Inter­esse. ist es, dast die Erörterung, die in der Stickgasse war und eigentlich noch ist, w e i t er­führt, dast man auf ihr weiter kommen müsse. Aber in einer für Deutschland sehr gefährlichen Weisel Schon in Chamberlains Rede verflöchtet sich ungemein das, woraus es Deutschland an- kommt und was man in England auch als not­wendig bezeichnet, namentlich die Frage der Re­vision der Ostgrenze. Dafür wird es be­reits auf eine Verzichtleistung in bezug auf den Westen festgelegt. Wie und wo hat eS das ausgesprochen? Ist eine solche deutsche Riederschrift eine Bindung Deutschlands in aller Form? Doch ganz bestimmt nicht! Darüber haben doch auch andere Faktoren noch mitzureden!

Jedenfalls: das englische Programm und die englische Methode liegen ganz klar. Man wird sich deutscherseits nicht darüber bellagen können, dast man von England getäuscht worden sei. Die Vorteile dieser Methode für England liegen auch auf der Hand Wo sind aber d i c Vorteile für Deutschland? Immer mehr wird es in den Mittelpuntt der Erörterung ge­drängt und geschoben, als intcreffiert am Abschluß

Kreuzworträtsel.

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Es bedeuten die Zahlen von links nach rechts: 1. Insel im Mittelmeer, 2. Luftkurort in den Alpen. 3. Berühmter Inder. 4. Raturkraft, 5. Bauwerk. 6. Marschall Rapoleons. 7. Fremd­sprachlicher Artikel, 8. Figur der deutschen Hel­densage, 9. Oberster Kosakenführer. 10. Militär- Person, 11. Schisser, 12. Gebirge, 13. Ramhaster Gegner der Reformation. 14 Viereck. 15. Sek­tierer, 16. Rordspanisches Städtchen unweit des Ebros, 17. Handelsart, 18. Chinesisches Mast, 19. Sohn Roahs, 20. deutscher Gelehrter. 21. Aegtzptischer Sonnengott. 22. Zugtier. 23. Stadt in Japan, 24 Insel im indischen Ozean.

Von oben nach unten: 25. Richter, 26. Geo­metrische Bezeichnung. 27 Römischrechtl, Ver- wandtfchaftsbegriss. 28. Römische Provinz, 29. Asiatischer Herrschertitel. 30. Altitalische Gott­heit. 31. Lurch, 32. Teil eines Dramas, 33. Männlicher Vorname, 34. Residenz der maze­donischen Könige, 35. Stadt in Süditalien, 36. Vorname eines deutschen Prinzen, 37. Banktech­nischer Begriff. 38. Asiatisches Hochland. 39. Holländischer Maler.

Rätsel.

Zweisilbig.

Schon in altersgrauen Zeiten Ward Verehrung ihm getan. Einen andren Kopf geschw nde Preist es sich gar weidlich an Ganz modern und sehr gesund Für die Zahne und den Mund.

Dreisilbig.

Tie ersten fliegen hin und her.

Sie haben viel zu tun,

Die dritte entzückt das Auge sehr, Siehst du's in Tale ruh'n.

Das Ganze hat ein Äünftter erdacht Und zum Titel einer Rovelle gemacht

Rätsel-Ecke.

Charade.

Wenn du den richt'gen 1 nicht weiht, Kein 2 3 dir zur Seite steht Der richtig dich zu gehen heißt, Dann hilft dir nur der 12 3.

Silben'Rätsel.

Aus den Silben a and dach bei cha del del do drük du e e ein cd er er fen hi ter la le heg list mil na nee nes m mH nung of rie ro schit fe fe fee feg stra strich teau len the them u wer Win ze bilde man 19 Wörter, deren Anfangs­und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen berühmten Ausspruch ergeben.

1. Baum. 2. Stadt in Schlesien. 3 Kirchliche Handlung. 4. Sehneiderwerkzeug. 5. Zweikampf. 6. Historienmaler. 7. Männername. 8 Märchen- figur, 9. Frauemrame. 10. Männername, 11. Um­stürzler, 12. Flust in Nordamerika. 13. Hessische Stadl, 14. Türgriff, 15. Ober von Flotow, 16. Ser­bische Stadt. 17. Französischer Schriftsteller, 18. Englischer Fluh. 19. Fuhboden,

Pyramide.

Richtige Verwendung der Ziftern in Buch­staben ergibt:

2 9

3 4 4

2 7 7 2

4 5 7 9 3

749946

9347826

26312345

123456278

römisches Zahlzeichen Spielkartenblatt

Getränk

weibl. Vorname

männl. Vorname Pflanzengaltung

Stadt in der Prov. Sachsen Höchste Spitze der Sudeten Heimatland

Auflösungen.

Silbenrätsel.

Winterthur. Elemente. Regeldetri. Dander- bilt. Imitation, Ehrenbreltstein. Labrador. Eus- llrchen, Shalde, Diwat, Rotbart. Iser, Numis­matik, Gletscher. Tahiti. Woche, Innozenz, Rea­lismus, Domino. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.

SigurcnrätfeL

Desuchskartcnrätsek.

Dchuhwarenfabrikant.

3

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Rätsel.

Qleger Reger

Zweisilbig: Schnee Ball Schneeball.

Dreisilbig, Liebermann.

Ramenrätfel.

Margarete. Elisabeth. Ludmilla. Pauline. Ottilie. Magdalene. Erika. Natalie. Sveline Melpomenc

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom NedakttonSttsch.

Anekdote.

Friedrich der Große, der die Damen an sich ungern empfing und meist schlechter Laune war, menn .r bei irgendeinem Fest im Cercle mit chncn sprechen mußte, trat einmal lebhaft in seiner kurz angebundenen Art auf die schone, immer noch schöne Frau v. B. zu, deren er sich aus der eigenen Ju­gend erinnerte.

Er wunderte sich über ihr jugendliches Aus­sehen und fragte nnvermittelt:Wie alt sind Sie eigentlich, meine Liebe?"

Innerlich empört, zeigte die Frau ihr süßestes Lächeln unh antwortete mit äußerster Sicherheit: Fünfunddreißig Jahre, Mose st ä t."

Frau o. B. hatte nicht bemerlt, daß in diesem Augenblick zusällig ihr Sohn, ein stattlicher ftüraf- sier Nitmeister, hinter ihr stand.

So, so," meinte der König und rief den Ritt­meister an:Und Sie?"

Dieser wußte, dast Friedrich II. Unwahrhellen nicht leiden mochte, aber stets empfänglich war für ein geschickt angebrachtes Wort, und sagte schlag­fertigEin Jahr älter als meine Mutte r."

Der König brach in ein schallendes Gelächter aus, Frau v. L. aber, die reichlich Mille Fünfzig war, trug seit diesem Tag eine gewisse Feindschaft gegen ihren Sohn im Herzen.

Mas ist Wahrheit?

Sie nahmen gerührt voneinander Abschied, denn sie waren verlobt und er sollte eine lange Geschäftsreise durch viele Länder antreten. Tränen? überströmt umschlang sie ihn und bat:Mein Lieb­ling, damit ich weist, daß du mir immer treu bleibst, versprich mir, daß du mir aus jeder Stadt, die du besuchst, schreiben wirst." Er zog sie fester an sich und flüsterte:Ada, liebst du mich wirklich so sehr oder sammelst du auch Brief­marken?"

Letzte Zuflucht.

Armer Kerl, der Müller!" sagt Schulze traurig. ..Was ist denn mit ihm los?Er ist seine Miete solange schuldig geblieben, daß er jetzt seine Wirtin heiraten mußte!"

Ach mein Liebling", bittet sie tm füfjeffretr Ton.gib mir doch 100 Mark für ein neue» Kleid Aber es muh gleich sein: wer schnell gibt, gibt doppelt". Er, rasch einfaHenb:Also hier sind 50".

des Lwndcrpaktes und eines umfassenden Dchieds- gerichtSvertrages. Es ist wirklich kein Wunder, wenn bei diesem Gange der Verhandlungen eine immer stärkere Beunruhigung rn den natio­nalen Kreisen Deutschlands entsteht!

Die deutsche Politik geht hier auf einem schmalen und gefährlichen Pfade. Sie kann unse­res Erachtens sich jetzt gar nicht mehr dem entziehen, dast sie veröffentlicht, was sie im Februar in Paris und London angeregt oder, wenn der Arrsdruck der anderen Seite richtig sein sollte, vorgeschlagen Hat. Die deutsche Oefsent- lichkeit, der Reichstag, die Parteien, müssen wissen, worüber oder wogegen man redet. Wir mahnen erneut zu der äuhersten Zurück­haltung und Vorsicht der deutschen Poli­tik. Wir mahnen erneut vor den austenvvlitischen und innenpolitischen Folgen, de ein Straucheln

und Gleiten auf diesem steilen und gefährlichen Pfade nach sich ziehen kann. Und immer toieber ist zu sagen, day, wie die Rede Chamberlains erneut zeigt, man uns haben will. Die englische Politik braucht die Mitarbeit Deutsch­lands. weil sonst etn Garantiepakt nichts an­deres ist als ein Bündnis wieder mit Frankreich und Belgien, das man nicht schließen kann und nicht schließen will. Sie braucht, deshalb auch Deutschland im Völkerbund, und wer der englischen Politik sekundiert, wie das wohl Ita­lien, zu einem Tell auch Belgien tun, brau­chen eben den Anschluß Deutschlands auch.

Soll für uns die Frage überhaupt dis- kussionsfähig sein, so muh die andere Seite wir finden keinen anderen Ausdruck den Lebensnotwendigkeiten Deutschlands und seinen Lebensinteressen Rechnung tragen. Den Willen

dazu sehen wir auch in dieser Chamberlain-Rede, die das wichtigste außenpolitische Ereigms der letzten Woche war, nicht. Deutschland wird festgelegl, Deutschland verpflichtet sich, verzich­tet. crHärt sich bereit usw. Was hat aber Deutschland davon, wenn die englische Polltik den von Chamberlain gezeichneten Gang mit Er­folg bis au Ende gehen kann, nämlich zu dem Ziele, daß bei Sicherheitspakt im September vor Zusammentritt der Völk^rbulidsversammlung unterzeichnet würde und Deutschland dann ge­wissermaßen Zug um Zug in den Völkerbund einträte'? Dieses Programm, diese Zeiteinstel- lung stellt ein ernsthaftes Blatt, wie dieWest­minster Gazette", auf. W o i st , wasDeutsch- land dafür erhält? und wie wird Deutschlands Sicherheit gewährleistet?

Ium Tode Charlottens von Mexiko.

Kaiserin Charlotte von Mexiko, die setzt auf Schloß Boutouche bei Brüssel im Alter von 84 Jahren gestorben ist, war, als sie 1857 siebzehn­jährig mit Erzherzog Maximilian von Oesterreich verheiratet rourße, eine der geist­vollsten und liebenswürdigsten Prinzessinnen Europas. Als sie jetzt starb, war sie eine Kranke, deren Geist in der Welt einer fernen und glück­lichen Vergangenheit weille: man würde sich heute vielleicht ihrer kaum mehr erinnern, wenn sich nicht an sie und an den Erzherzog Maximilian die Er­innerung an jene unglückliche mexikanische Unter­nehmung knüpfte, ein unheilvolles Abenteuer .dessen Ironischer Ausgang auf den weiteren Lebensoer­lauf der Fürstin düstere Schatten geworfen hat.

Napoleon war es, der einen vagen Traum von derEinigung der lateinischen Rassen" ver­wirklichen wollte, und Maximilian die Kaiserkrone von Mexiko antragen ließ: ein romantisches Un­ternehmen, dem aber der etwas schwärmerisch- weiche Geist des Herzogs ebenso zuneigte, wie das feurig-expansive Temperament Charlottens. Unter dem Schutze der französischen Truppen des Gene­rals Baziane unter der Aegide Frankreichs hielt das junge Kaiserpaar am 12. Juni 1864 feierlichen Einzug in Veracruz. SLber traurig endete dieser mit so viel Begeisterung und Hoffnung begonnene Zug ins fremde Land, in dessen reale Möglichkeiten sich ein Geist wie der Maximilians nicht zu fügen wußte. Während der neue Kaiser noch schwankte, für welche der mexikanischen Parteien er sich ent- scheiden sollte, während der eingeborene Kron- prätentent Juarez einen verderblichen Banden­krieg vorbereitete, hallen de Franzosen bereits die Hoffnungslosigkeit der Lage eingesehen und begannen, sich zurückzuziehen. Das Ende Maxi­milian, in die Enge gedrängt, wurde gefangen genommen und 1867 standrechtlich erschossen.

Charlotte hat dieses furchtbare Ende ihres Gatten nicht mehr bei voller Besinnung erlebt.

Schon vorher war sie bei den europäischen Höfen berumgereist, für den verlassenen Kaiser den Bei­stand der Monarchen zu erflehen. Den Anstrengun­gen und Erregungen dieser Fahrten war der xarte Geist Charlottens nicht gewachsen: Sie sank in die Nacht eines wohltätigen Wahnsinns, in der sie nicht mehr die Schüsse vernahm, die ihren Gemahl bei Queretaro niederstreckten, nicht mehr das Geräusch aller jener welterregenden Ereignisse, die noch wahrend ihres verdunkelten Lebens her­einbrachen. Dor ihrer Heimstatt bei Brüssel machte auch das Toben des Weltkrieges Halt: auf die Mauern des Schlosses Boutouche hißte man die ostereichische Flagge, ungestört, keinen ihrer Verwandten und Vertrauten erkennend, konnte ihr müder Geist von alter Herrlichkeit träumen, von der Poesie des meerumrauschten Schlosses Miramar, wo sie einst mit Maximilian ein stilles Liebes­glück fand, durfte alte, längst zersprengte Hoff­nungen weiterspinnen, bis jetzt ihre abwesende Seele die ewige Ruhe gefunden.

Mmertlianerreben im Pfälzer Weinbau^ebiet.

Aus der bayrischen Rheinpfalz wird uns geschrieben: Kurz und sachlich haben es die rheinischen Tageszeitungen gemeldet:Die Umstellung des Pfälzer Weinbaues auf die Ame­rikaner Rebe ist im Gange." Nur wer mit Weinbauverhältnisfen und im blonderen mit denen der Pfalz näher Bescheid we ß. wer die rührende Anhänglichkeit der rheinischen Winzer an die Methoden ihrer Väter und Großväter kennt, kann ermessen, was es bedeutet, wenn man am Rhein, an der Mosel, in der Pfalz jetzt dazu übergeht, amerikanische Unter« lagsreben heranzuzüchten. Und erst gar in der Rheinpfalz! In keinem andern dmttschen Weinbauged.ete ist der Winzer so beharrlich und zäh bei dem geblieben, was die Altvorderen für recht hielten, wie grade in der sonnigen Pfalz am Rhein, jenem gottgesegneten deutschen Land- strich, der trotz der Verwüstungen eines Melac Deutschlands üppigster, pa adies scher Galten ge­blieben ist. D e Hauptrebsorte in dem kleineren

rheinpfälzifchen Qigen war fett alters her die Oesterre.cher Rebe, doch w rd sie vielfach, nament­lich in den mittleren Lagen, untermischt mit R esling und Traminer angebaut. Für die feinsten Lagen hält man seit Jahrzehnten, wie überall in deutschen Qualitätsbaugebieten, auf reinen Rieslingsatz. Die weltberühmten Lagen von Forst, Deidesheim, Ruppertsberg. Wachenheim usw. sind reine R eslinglagrn. Als Spezialität ein­zelner Gegenden gilt der Gewürztraminer, der zwar nicht sehr ertragreich ist, aber hocharoma­tische Weine liefert. In den Rotweingemarkungen behauptet die blaue Portugiesertraube das Feld. Im allgemeinen kann man sagen, daß es das leidenschaftliche Bestreben der führenden Per­sönlichkeiten des pfälzischen Weinbau gewesen ist, den Rieslingbau in allen besseren Weißwein- gemarkungen nach Kräften zu sördrrn und zur Norm zu machen. Damit näherte sich der pfälzische Weinbau immer mehr den Rheingauer Verhält­nissen. Es ist die Hochkultur der Ries- lingrebe, die de Rheingauer Weine zur Weltberühmtheit g bracht Hal. Dieselbe Hochkullur hat Deidesheim und Forst In eine Reihe mit Rüdesheim und Schloß Johannisberg gestellt. Hier wie dort erreichen die Deerenauslesen erster Rieslinglagen höchste Preise, besonders in guten Jahrgängen und wenn sie durch altbewährte Kellerkultur gegangen sind.

Man kann sich denken, wie der Pfälzer Winzer sich zuerst gegen den Gedanken sperrte, mit amerikanischen Unterlagsreben zu ar­beiten. Aber alle Abneigung nützte mchts, als die Zahl der Reblausherde, dieser schlimm­sten Pest der Weinberge, größer wurde und die reblausgefeite Amerikanerrebe Rettung vor gänz- lichem Untergang des Wembaues gewährleistete. Da schmolz denn schließlich jeder Widerstand dahin, denn derPälzer Winzer" ist nicht nur dicWpfig. wie vor dem Kriege derAbreibe­krieg" von Edenkoben bewiesen hat. sondern auch pfiffig und intelligent. Und zu seiner Rechtferti­gung muß gesagt sein, daß auch die hochgebildeten Winzerfürsten^ an der M.ttelhardt zunächst nur sehr zögernd zur Amerikanerr-ebe gegriffen

haben, weil man befürchtete, mit dieser Unter- lagsrebe werde man die viel gerühmte Eigenart der Pfalzweine, deren wesentlichstes Merkmal das selbst den Rheingau übertreffen be wunder­volleBoukett" ist. vernichten. Aber diese Sorge hat sich ja inzwischen als grundlos erwiesen. Nachdem erst kürzlich an der Unterbarbt etn größeres Gelände zur Heranzucht amerikanischer Unterlagsreben zum Pfropfen mit finanzieller Unterstützung der bayerischen Regierung ange- Tauft und hergerichtet wurde, ist nun für die Oberhardl bei Bergzabern ebenfalls eine größere Weinbergsfläche zu gleichem Zwecke erworben worden. 2t. 6t

Weihnachtsausftellung Künftlerhilfe 1924.

Die im Gebäude des Landesamts für das Dildungswesen in Darmstadt eingerichtete Ausstellung konnte mit einem sehr gün­stigen Ergebnis abschliehen. Cs wur­den insgesamt 310 Kunstwerke verkauft. Der Erlös betrug 8400 Mk. 860 Besuche waren zu verzeichnen. Die weitaus größte Anzahl der verkauften Kunstwerke kamen in Privatbesitz. Von öffentlichen Stellen kauften an, außer dem hessi­schen Staat und der Bade- und Kurverwal­tung Bad-Nauheim, die Städte Mainz, Darmstadt, Gießen, Bad-Nauheim, Büdingen. Michelstadt und Groß-Um­stadt und die Girozentrale in Darm­stadt. Neben dem materiellen Erfolg ist der ideelle nicht geringer zu veranschlagen. Dieser erste Versuch, Publikum und Künstlerschaft in näheren Kontakt zu bringen und das Verkaufs- ?eschäft so persönlich wie möglich zu gestalten, ann als wohlgelungen bezeichnet werden, dank der verständnisvollen und opferfreudigen Mit­wirkung von Samen. Den Mitwirken den wurde zur Errnnerung als Zeichen dankbarer Anerken­nung eine Kaltnadelradierung von Alexander Posch, Darmstadt, überrreicht. Auch eine Reihe von Künstlern hat sich um die Ausstellung, be­sonders bei der 3urierung und bei der Aus­stattung der Räume sehr verdient gemacht.

Carl Gaerte sWaizlar

fentsprechet 442 und 443 3185a Drahtanschrift: Cegewe

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