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Vie engllfch-ftanzösifche Entente von 1904 und die Marotkosrage. Hea Dr. Gustav Rolvsf, v. Professor an der Universität Diesten*).
Denn, wie vor einigen Wochen hier bar- Ä, baS Auswärtige Amt abweichend vom r den englisch-französischen Vertrag vom 8. Qünil 1904 über Aegypten und Marokko nicht alS den Beginn einer politischen Offensive gegen Deutschland ansehen wollte, so lieh sich doch diese Auffassung mindestens mit Bezug auf Frankreich nicht lange aufrecht erhalten. Schon nach zwei Monaten erlannte man deutlich, daß Frankreich, Sestüht aus sein Einvernehmen mit England, arauf au-gnrg, Marokko, in dem Deutschland bisher mit den meisten europäischen Staaten freien Zutritt und das Rech! der Meistbegimsti- qung im Handel gehabt hatte, unter sein Protektorat zu stellen. Das bedeutete nach allgemeiner Anschauung eine schwere Beeutträchtigung der Rechte aller anderen Rationen Denn überall, wo Frankreich herrschte, bereitete c6 dem freien Handel ein Ende. Zn Tunis. Lonkin, Madagaskar und anderen Kolonien begünstigte die französische Verwaltung durch Zölle und sonstige Maßregeln die eigene Flagge und den eigenen Handel derartig. dah Ausländer nur schwer mit Franzosen in Wettbewerb treten konnten. Auch Lord LanSdowne, der englische Minister bei. Auswärtigen und ein Haupt beg.-ünder der neuen Entente, gab diese Tatsache dem deutschen Botschafter rundweg zu. Diese französische Protek- tionSpvlitik, die non dem freien Geist in der deutschen und englischen Kolonialverwaltung stark ab» stach, war gewist ein Zeichen der Schwäche, da die französische Aation sich nicht imstande fühlte, den Wettbewerb mit den Fremden unter gleichen Bedingungen aufzunehmen, und sie hat ohne Zweifel die Entwicklung der französischen Ao» loiren hintangehalten, aber für Deutschland drohte ein doppelter Rachtcil, toenn die französische Regierung die „Tunifikation" Marokkos durch- sehte. einmal verlor eS einen entwicklungsfähigen Markt, auf dem es in den letzten Zähren immer stärker vorgedrungen war, und zweitens erlitt es eine schwere moralische Niederlage, wenn es zullest. dast Awei Grohmächte, ohne sich irgendwie mit ihm m Verbindung zu sehen, über seine Rechte in Marokko hinweggingen. Mit vollem Recht schrieb der Geheime Rat v. H o l st e i n: .Lassen wir und jetzt in Marokko stillschweigend auf die Füste treten, fo ermutigen wir zur Wiederholung anderSwo" (3. 3uni 1904).
Man fastte daher den Entschlust, Frankreichs Absicht, Marokko unter feine Botmähigkeit zu stellen, zu durchkreuzen. Deutschland trat dabei nicht nur für seinen Ruhen ein, es fdrahte zugleich die Interessen zahlreicher anderer Staaten, die analoge Rechte in Marokko hatten. Sein RechtSboden war unanfechtbar: denn eine internationale Konferenz von Madrid im Fahre 1881 hatte Marokkos Unabhängigkeit feierlich anerkannt, den Unterzeichnern der Konferenz- beschlüsse freien Handel in Marokko zugesichert und festgesetzt, dast diese Bestimmungen nicht ohne Zustimmung der Unterzeichner geändert werden dürsten Den damals geschaffenen Zustand wollte aber jetzt Frankreich mit Englands Hilfe eigen* mächtig beseitigen.
3m Auswärtigen Amt rechnete man mit der Abwehr deS französischen Rechtsbruchs. als um so gröberer Zuversicht auf einen Erfolg bei man an ein enges Zusammengehen zwischen den beiden Westmächten nicht glaubte. Aufrechterhal- turig Der Handelsfreiheit in Marokko, meinten Bülow und Holstein, sei Ja auch Englands Öntcreffe; man werde In London schließlich zufrieden fein, wenn Deutschlarrd die kommerzielle und politische Unabhängigkeit Marokkos verteidige, und denselben Eiirdruck hatte lange Zeit Graf Metternich, der deutsche Botschafter in London, der 1902 der Rachfolger des verstorbenen
•) Die groste Politik der Europäischen Kabinette 1871—1914. Bde. 19—21 (1904-1907) Berlin. Deutsche DerlagSgescllschast für Politik und Geschichte, 1925.
Feuer am Nordpol.
Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.
Don Karl-August von Lafsert.
4. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Sind Sie grundsätzlich meiner Meinung?"' fragte Stefanescii den Deutschen.
„Es wird wohl trotz aller Bedenken nichts anderes übrigbleiben, falls Sie nicht vorziehen, eine neue Bohrung niederzubringen, bei der ich die täglichen Fortichritte genau überwachen müßte, so dah keine Abweichungen von der Senkrechten Vorkommen würden."
„Also sprengen wir", rief Stefonescu. „Ich bitte um einen geeigneten Dorschlaa", wandle er fld) an Sanders, mit geflissentlicher Nichtbeachtung eines offiziellen Mitarbeiters.
„Ich empfehle nod), sieben Meter tiefer zu gehen, und zwar ohne Verrohrung. In 500 Meter Tiefe legen wir die Sprengladung an, die wir gut verdämmert. So haben 'mir größere Aussicht, daß der Druck der Explosionsgase nickst ausschließlich in Richtung des Bohrloches wirkt, sondern in dem verhältnismäßig weichen Sandstein größere Risse reißt, durch die das unter hohem Druck stehende Del hoffentlich einen Ausweg finden wird."
.Dhne Verrohrung werden wir nicht weiter kommen", warf Iorga ein. „Der Sandstein bröckelt unb ist stellenweise mit schlammigem Delschiefer durchsetzt."
„Fügen Sie dem Spülstrom Ton, Häcksel ober auch quellenden Grassamen zu", riet Sanders. „Dadurch werden die Bohrwände so fest, daß wir die letzten paar Meter ruhig ohne Derrohruttg weiter- bohren können und doch keinen größeren Einsturz zu befürchten brauchen."
„Wann sollte der nächste Bohrkern gezogen werden?" fragte Stefonescu.
„Es kann sofort geschehen", erklärte Nagel.
„Unb dauert wie lange?"
„In drei Stunden sind wir fertig."
„Gut. Lasten Sie uns den Kerninhalt ins Verwaltungsgebäude bringen, wo wir das Frühstück einnehmen werden. Und bann bohren Sie ohne Verrohrung weiter. Wie lange gebrauchen Sie zu den letzten sieben Metern?"
„Falls die Bohrlvchwänbe halten unb sonst keine Komplikationen eintreten, sind wir bis mor- ga früh zehn Uhr so weit."
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Hatzfeld geworden war. Und von Amerika glaubte man in Berlin vollends Unterstützung oder wohlwollende Reutralität erwarten zu können, da Präsident Roosevelt die Gerechtigkeit der deutschen Politik durchaus anerfannie: von einer solche Haltung der Vercimgren Staaten versprach man sich aber die beste Wirkung auf England.
Der Anlast zum Handeln tarn bald. Der französische Gesandte in Marokko legte dem Sultan zu Beginn deS folgernden Jahres eine Anzahl Forderungen vor, die unter dem Rainen von administrativen .Reformen" auf eine Ueber- tragung der Polizei- und Militärverwaltung an Frankreich hinauÄiefen. Der erste Schritt zur Errichtung des französischen Protektorats sollte damit getan werden, und gefrönt wurde das französische Dorgehen durch die wahrheitswidrige Behauptung des Gesandten, dah Frankreich diese Forderung im Rainen und Auftrag der europäischen Mächte auSsprach. Sogleich war Graf Bülow zum Gegenschlag bereit Er lieh in Fes das angebliche europäische Mandat Frankreichs kategorisch in Abrede stellen, um dem Sultan den Mut zur Ablehnung des französischen Begehrens einzuslösten. und zugleich beschloß er, durch einen feierlichen Akt öffentlich zu kennzeichnen. dah Deutschland den Sultan aus Grund der Madrider Konvention als souveränen Herrscher betrachte, über dessen Land keine europäische Macht willkürlich verfügen dürfe. Diesem Gedanken ist der vielbesprochene Besuch d e S Kaiser- in Sanger (31. März 1905) entsprungen. GS war em Akt der ausschließlichen poetischen Defensive. Der Kaiser betonte mit grober Wärme die Unabhängigkeit Marokkos und wies die Unterstellung, die in der deutsch- feindlichen Presse Frankreichs und Englands auf- getaucht war, DeMschland beabsichtige die Erwerbung marokkanischer Häsen und Provinzen unzweideutig ab. Bülow rechnete auf lebhaften Widerhall der kaiserlichen Worte bei den meisten Unterzeichnern der Konvention und hoffte, Frankreich werde angesichts der allgemeinen Ueberein- ftimmung seine Eroberungspolitik gegen Marokko aufgeben und sich zu einer neuen internationalen Konferenz über Marokko herbeilafsen. Hier sollten bann Reformen, wobei jedem fein Recht gewahrt werden konnte, beschlossen werden. Denn dah das Scherifische Reich einer Besserung seiner Ver- toaltung im eigenen wie im europäischen Interesse bedurfte, leugnete man in Berlin keinen Augenblick. DerD such in Tanger ergab übrigens abermals eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Kaiser und dem Auswärtigen Amt Der Kaiser war skeptischer in bezug auf die Wirkung des Besuchs und besorgte, man werde in Europa darin weniger eine Selbstverteidigung als die Ankündigung einer großen deutschen Expansion sehen, unb nur schweren Herzens hat er sich ourch Bülow bestimmen lassen, den Besuch auszusühren.
Es zeigte sich bald, daß er richtig gesehen hatte. Obgleich die Ansprache in Tanger überaus vorsichtig gehalten war. erhoben englische und französische Zettungen doch allerlei Beschuldigungen gegen die deutsche Politik, und die von Bülow erwartete Unterstützung der anderen Staaten blieb au«; sei eS, dah sie der deutschen Politik mißtrauten ober sich durch die englisch- französische Derständigung einschüchtern liehen oder endlich zu wenig Wert auf die marokkanische Angelegenheit legten. Der Kampf um die Zufuntt deS nordafrckanischen Sultanats spielte sich daher saft ausschließlich zwischen Deutschland und Frankreich ab.
Die erste Frucht deS Besuchs in Tanger war, daß der Sultan im Vertrauen auf einen Rückhalt bei Deutschland den Mächten vorschlug, eine neue europäische Konferenz zur Feststellung etwaiger Reformen zu beru'en. Natürlich fstrach sich Deuts Clanb sogleich lebhaft für diese 3bee aus, Frankreich widersetzte sich und wurde, wie immer deutlicher wurde, lebhaft von England unterstützt, ja, bald tarnen Berichte, bah England, falls die Warokkofrage zum Kriege zwischen Deutschland und Frankreich führe, das Schwert gegen Deutschland ziehen werde. Einige Wochen hatte es in der Tat den Anschein, als ob es zum Bruche kommen solle, denn in Frankreich war her Minister des Auswärtigen, D e l -
„Wird die Spülpumpe nicht verstopft werden, wenn Sie dem Spülwasser verdickende Substanzen zusetzen?"
„Wir bringen ein Mischoentil vor der Pumpe an", sagte Nagel.
„Kommen Sie zum Essen, meine Herren!" rief Stefonescu.
6.
In einem Gastzimmer des Derwaltungsgebäu- des lag Sanders auf weißem, kühlem Lager unter einem Moskitonetz. Obgleich der elektrische Ventilator fliegenden Zug durchs Zimmer trieb, wurde ihm der dünne, seidene Pyjama saft noch zu heiß.
„Das kommt davon, wenn man bereits nachmittags zu viel ißt und diesen schweren Rumänenwein trinkt", sagte er sich.
Aus kurzem Halbschlummer weckte ihn die An- kunst Nagels.
„Verzeihen Sie die Störung, Herr Sanders. Ich bringe den Inhalt des Kernes."
„Wie ist der Befund?"
„Wir kommen ohne Bohrung durch."
„Wollen Sie Stefanescu Mitteilung machen?" Der junge Ingenieur lächelte.
„Ich wagte es nicht, den Herrn Direktor zu stören, und kam daher zu Ihnen."
„Gut. Ich übernehme die Verantwortung. Sonst noch etwas?"
Nagel zögerte einen Augenblick.
„Verzeihen Sie, Herr Sanders, es ist allerdings nicht die Zeit zu einer persönlichen Unterredung — aber ich weiß nicht, ob ich sonst noch einmal Gelegenheit haben werde. Sie sprechen zu können."
Sanders richtete sich hoch.
„Warten Sie einen Augenblick. Ich stehe sofort auf."
„Nein, bitte, bleiben Sie liegen. Ich kann Ihnen alles auch so erklären."
„Also schießen Sie los, junger Freund", sagte Sanders.
„Es bandelt sich um ein Problem, das ich bereits lange und eingehend erwogen habe", begann der junge Ingenieur. „Die Ausführung wäre aber nur möglich, wenn es gelänge, Sie für das Unternehmen zu gewinnen."
„Handelt es sich um Del?“
„Auch umOel. — Darf ich Ihnen einen kurzen Auszug aus einer Abhandlung des „Neuyork He-
c a f f d , ein Günstling Eduards VII., entschlossen, die Konferenz zu verwerfen, jede Rücksicht auf Deutschlands Wünsche beifeite zu setzen und Marokko gewaltsam unter französische Herrschaft zu bringen. Er war überzeugt, Deutschland werde nicht wagen, gegen baS sranzöfisch- englifche Einvernehmen aufzutrelen und so eine schwere politische Riederlage erleiden. 3m Rotfall rechnete er befttmmi auf England bet König ober andere maßgebende Personen hatten ihm militärische Hilfe versprochen, wie der deutschen Regierung bald von eingeweihten Gegnern Del- casies zugetragen wurde. Der englische Minister Landsdowne leugnete zwar dem deutschen Botschafter das Hilseversprechen ab, indessen feine Behauptung hat gegenüber den Versicherungen von 3ean D u g u y und 3 aureS kein Gewicht. Und wie die Regierung, suchte England auch die öffentliche Meinung Frankreichs gegen Deutschland aufzulegen - man erfuhr in Berlin aus Paris und durch einen dem König Eduard nahestehenden Finanzmann, dah antideutsche Hetz- artikel in Paris mit englischem Gelbe bezahlt würden. Ein neues Zeugnis für die Korruption der Pariser Presse, deren Besoldung durch die russische Botschaft in entscheidenden Krisen ja feit einigen Jahren bekannt geworden ist
3ndessen die radikale kriegerische Politik entsprach doch nicht den Wünschen der Mehrheit der Franzosen und vor allem nicht der Mehrheit der Minister. Der Ministerpräsident R o u v i e r und feine Kollegen scheuten den Krieg mit Deutschland, da die englische Flotte sie nicht vor dem deutschen Heere schützen konnte und Rußland, das noch im Kriege mit Japan tag und bereits von unteren Hnrufjen heimgesucht wurde, am Kriege weder teilnehmen wollte noch konnte. Rouvier erstrebte zwar ebenfalls die Ausdehnung der französischen Macht in Marokko, aber er wollte sich mit Deutschland darüber verständigen. Er setzte durch, daß sein Kabinett sich aus diesen Standpunkt stellte, Delcassö den Abschied nehmen mußte (6. 3uni 19051 und Verhandlungen mit Deutschland eingekttet wurden. Eine Konferenz war ihm freilich ebenfalls nicht totll- kommen, weil sie zur Einschränkung der französischen Ansprüche an Marolko fuhren konnte, er hätte deshalb gern das französische Protektorat durch weitgchende kommerzielle Zu- fid>erunflen an Deutschland erlauft. Aber diesen Weg konnte Deutschland nicht betreten. Denn die deutsche Regierung hatte soeben öffentlich die Unabfjärgigfeit und ^lnverlehlichkeit Marokkos anerfoTmt und sich für die Erhaltung des geltenden Rechtszustanbes eingesetzt! wie konnte es jetzt diesen Standpunkt um eigener Vorteile willen kurzer Hand preisgeben, ohne sein Ansehen durch solchen Wankelmut aufs schwerste zu schädigen? Unb überdies war fraglich, cb für Deutschland wirklich dabei ein Ruhen heraus- sprang. Denn in einem sranzosischrn Protektorats lande blühte nach allen Erfahrungen für fremde Kaufleute kein Weizen; mindesteirs bei allen staatlichen Konzessionen unb Lieferungen wären die Deutschen ausgeschaltet worden. Endlich sprach gegen Rouviers Vorschlag, dah Deutschland sein gutes Verhältnis zu den Mohammedanern hn Orient schwer gefährdete wenn es einen selbständigen islamitischen Staat den Franzosen übetanttoorteete.
So beharrte Bülow auf seiner Forderung der Konferenz, und Rouvier muhte sie schließ- lich annehmen (3ull 1905), was man im AuS» wärttgen Amt als großen Erfolg betrachtete. Frerlich muhte man eine Enttäuschung erleben, als sie ein halbes 3ahr später (16. Januar bis 1. April 9106) in Algeciras (Südspanien) zusammen trat. Die meisten Staaten hielten sich reserviert, während England, Italien, Spanien unb Rußland eine bevorzugte Stellung für Frankreich in Marokko verlangten, so daß Deutschland, allein von Oesterreich-.Ungarn unterstützt, in wesentlichen Stücken nachgeben mutzte. Zwar wurde die Llnabhängigkeit Marokkos und die allgemeinen komm rzielle Gleichberechtigung thw- retisch gewährt, Polizei, Militär und Finanzen einer internationalen VerwaltunA unterstellt, aber in wichtigen Punkten wurde Frankreich, als dem nächstinteressierten Rachbarstaate ein Vorzugsrecht eingeräumt, so datz es zwar noch nicht
rald" oorlefen, die mich zuerst auf meinen Gedanken brachte?"
„Lesen Sie, bitte."
Nagel entfernte ein Blatt Papier und begann: „Gelegentlich der Nachrichteit über Amund- sens Nordpolflug halten wir es für angebracht, die Aufmerksamkeit unserer Regierung auf das große, bisher gänzlich unbekannte Gebiet hinzulenken, das sich zwischen Alaska und dem Pol befindet. Hier soll nach Ansicht vieler Nordpolfahrer ein größeres Festland liegen, das allerdings wohl völlig von Eis bedeckt ist. Betreten hat es aber bisher noch niemand.
Namhafte Geologen sind der Meinung, daß dieses Land eine Fülle von Bodenschätzen enthält, besonders Kohle und Oel, wahrscheinlich aber auch Gold und andere wichtige Mineralien. Die landläufige Ansicht, daß die nördlichen Breiten eine gewinnbringende Ausnutzung unmöglich machen, dürste als veraltet gelten. Der fünf bis sechs Mo- nate dauernde Sommer bewirkt in den Polargegenden durch das ununterbrochene Scheinen der Sonne eine verhältnismäßig warme Temperatur, die derjenigen DDön Spitzbergen und Nordalaska, wo bereits gutgehende Kohlenbergwerke erschlossen sind, keineswegs nachsteht. Das unerforschte Nordland besitzt die Größe von Grönland, mißt also mehr als die Hälfte der United States.
Herrenloses Neuland gibt es nicht viel mehr auf der Erde. Wer zuerst kommt, dieses ungeheure Gebiet betritt und es als annektiert erklärt, dem gehört es mitsamt seinen vielleicht unerwartet großen Reichtümern. Dürfen die Uniteb States, wie so häufig, auch hier ihre Uninteressiertheit erklären:' Sollen wir Kanada, Norwegen ober gar bem bolschewistischen Rußlanb bie Vorhand lasten?
Wir erwarten von der Regierung in Washington eine ernstliche Prüfung dieser durchaus nicht unwichtigen Frage."
Der junge Ingenieur machte eine Pause und blickte Sanders an.
„Wollen Sie mit mir zusammen den Nordpol ausbeuten?" lachte dieser.
„Entweder mit Ihnen ober mit anderen", erklärte Nagel bestimmt.
Seine Sicherheit belustigte Sanders.
„Also entwickeln Sie Ihre Pläne. Aber zunächst erklären Sie mir, wo denn eigentlich dieses Rordpolland liegt, bas halb fo groß jein soll wie
Samstag, 28. März 1925
baS Protektorat, aber dock eine Etappe zu diesem Ziele errcidjt hatte Deutschland hatte mit seinem Widerstand gegen die französische AnnerivnSlust nicht bas erreicht, waS eS erhofft hatte, ja. eS muhte erwarten, daß Fratrkreich nun seine De- fugnisie hx Marokko zum Kamps gegen den deutschen Handel und die deutsche Arbeit in QHaroRr benutzen werde.
Aber ganz umsonst war der deutsche Kampf xuiie Recht doch nicht gewesen Zunächst war die sofortige Tunisilation Marokko- verhindert, so- bann hatte sich in den diplomatischen Kämpfen Klarheit darüber ergeben, daß England eine feindselige Haltung gegen Deutschland einzu- nehmen begonnen hatte, denn in allen Phasen des wechselvollen diplomatischen Streites hatte sich England als treibende Kraft gezeigt, sobald die Situation gespaxmter wurde. Unb endlich wurde Deutschland auf dem Wege über die Konferenz seinen bisherigen moralischen und politischen Fesseln ledig Da die Unterzeichner der Madrider .Konvention sich mit der neuen Regelung einverstanden erklärten und auch der Sultan von Marotto allmählich In- die französische Botmäßigkeit überging, so hatte Deutschland keinen Grund mehr, die Rechte des SultanS und der anderen Staaten zu verfechten. Die deutsche Regierung getoarm jetzt die Möglichkeit, mit Frankreich über den Verzicht auf ihre alten Rechte in Marokko gegen Konzessionen auf anderem Gebiete isoliert zu verhandeln — ungehemmt durch Rücksichten auf den bisherigen, allgemein auf gegebenen Rechtszustand. Roch war eS nicht so weit, noch ergaben sich in den nächsten Jahren manche Mißhelligkeiten über die deutschen und fron- zösischen Rechte in Marotto, die sich bei dem Eharatter der französischen Politik von selbst erklären. Schließlich aber hat die Entwicklung jenen Weg genommen (1911) Hierüber werden uns spätere Bände im einzelnen unterrichten.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter SenderS.
(AuS der „Radio-Umschau*.)
Sonntag, 29. März:
8.30 Uhr- Morgenfeier veranstaltet vom Dartburgverein Frankfurt a. M mit Ansprache von 3ugendpsarrer Munk-Offenbach. 4—5 Uhr: Kinderstunde. 5—6 Uhr Sonntag-Nachmittags- Konzert des Hausorchestevs: Ouvertüren. 1. Di« verkaufte Braut von Smetana, 2. Cosi fan tutte von Mozart. 3. Hans Helling von Marschner, 4. Das Leben für den Zaren von Glinka, 5. San» cred von Rossini. 6—7 Uhr: Stunde des Rhein- Mainischen Verbandes für Volksbildung: .Der Totengräber vom Feldberg", ein dramatisches Spiel von 3ustin.is Kerner aus den „Reise- schatten", vvrgetragen voit Mitgliedern des Frankfurter Künstlectheaters für Rhein uni Main 8,30—9,30 Uhr: Ouvertüre, Arie unfl Finale. Ein Zyklus. Programm u. a.: Ouvertüre zur Oper „Die Belagerung von Eorinth. Ouvertüre zur Oper »Wilhelm Teil", Arien aus den Opern „Cenerenwla". »Sernttamis". »Wilhelm Teil", »Othello" und „MoseS". Ausführende: Frau Gertrud Hindemtth (Hopran) und Walter Schneider (Baß) vom 5ranfrarter Opernhaus. — Am Flügel: Dr. Reinhold Merten vorn Frankfurter Opernhaus. — ®tn Kammervrchester. 9,30 Uhr: Rachrichten, Welternteldung, Sportbericht. 10—11 Uhr: Vortragsabend Robert Laude Dom StaatSthcater Berlin. Programm: Ballade« von Goethe und Schiller, u. a.: .Die Glocke".
die Vereinigten Staaten? Soviel ich weiß, stimmen alle Polarforscher darin überein, daß sich am Nordpol ein großer Ozean, aber kein Land befindet."
„Unmittelbar am Nordpol ist tatsächlich ein tiefes Meer vorhanden. Ein ungeheures, bisher «unerfoschtes Gebiet erstreckt sich aber von gend nördlich Alaskas bis nördlich Grönland. Dieses besitzt eine Längenausdehnung von über 1500 und eine Breite von über 1000 Kilometer. Und hier vermuten viele Nordpolfahrer einen großen Kontinent. Die einzigen bisher bekannten Küsten dieses Festlandes sind das Kennanland, etwa 200 Kilometer nördlich von Alaska, und das Brad- lei)- und Crockerland, halbwegs zwischen Orant* land und dem Pol. Dieses ungeheure Gebiet ist bislang herrenlos, kein Staat kann Ansprüche darauf erheben, denn es ist noch kein Mensch da ge> roefen. Wer zuerst dorthin kommt und es mit Be- schlag belegt, dem gehört es."
Sanders lächelte. „Ein nicht gerade wertvallee Besitz", meinte er.
„Ich hege die begründete Vermutung, daß es einst sehr wertvoll werden wird."
„Sie glauben durch Erschließung der dort erwarteten großen Bodenschätze? — Aber wie wollen Sie die heben? Das Land liegt doch sicher untei einer viele hundert Meter dicken Eisdecke/
„Dazu sollen Sie uns verhelfen, Herr Sanders/ „Ich?"
„Ja. Gestatten Sie mir eine Frage. Vermögen Sie auch vom Luftschiff oder einem Flugzeug aus mit der Wünschelrute festzustellen, welche Bestandteile der darunterliegende Boden enthält?"
„3d) versuchte es mehrfach mit guten Ergeb- nisten."
„Das vereinfacht die Sache sehr", rief Nagel. „2)ann brauchen wir gar nicht erst zu landen. — Mein Plan ist furx gesagt folgender- Die Strecke von den norwegischen Bergwerken In Spitzbergen bis zum Kohlenbergwerk Thetis und Corwin in Maska ist etwa 3400 Kilometer lang. Mit einem modernen Flugzeug von 200 Kilometer Stundengeschwindigkeit vermögen wir gut 24 Stunden in der Luft zu bleiben, was einem Aktionsradius von 4800 Kilometer entspricht. Em Kriegskamerad von mir, jetzt Besitzer einer Flugzeugfabrik, hat mit feinen Fahrzeugen bereits ununterbrochene Flüge von 36 Stunden Dauer unternommen. Er würde uns eine seiner Maschinen zur Verfügung ftellen/
(Fortsetzung folgt.)
FAHRRÄDER
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Elegante neue Modelle unjere fa/vrad-CJfandJtr


