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Das Problem einer zweckmäßigen Gestaltung der zukünftigen Großstädte beschäftigt darum nicht nur amerikanische und englische, sondern auch deutsche Städtebauer, nur mit dem Unterschiede, daß dort Abwehrmoßnahmen bereits Sin­terung des Tages sind, während man in Deutsch­land erst oorzubeugen sucht. Der Londoner Chefarchitekt Unwin hat denn auch, nachdem dort schon der Grohstadtgedanke festen Fuß gefaßt hatte, die Forderung aufgestellt: dem hydraartigen Wachse tum der Großstädte dadurch ein Ende zu bereiten, daß für die überflüssige Bevölkerung Traban- ten-Städte gebaut werden. Die Ausdehnung der Großstadt muß nach Unwin begrenzt, ihre ungesunde Expansion unterbrochen werden- die Mutterschaft soll ihr ähnliche Tochterstädte in ange­messener Entfernung gründen oder benachbarte Zweckoerbände von enormer Ausdehnung sind da. für zu organisieren. So modern dieser Gedanke er- scheinen mag, so alt ist er, denn bereits die alten

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Ich warnt hiermit sedermam meinem Codn Hem» rieb Poti uwas »tl leihen o)fr zu bot' arn-daichsarMj» niif.'onuiie.

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Stadttheater

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peripherisch Wohnsiedlungen anlegen und diese durch Bahnen strahlenförmig mit dem Zentrum verbinden. Eine solche Dezentralisation hat übrigens der Autokönig Ford bereits für feine Industrie in die Tat umgeseß«, indem er seine Auto- sabriken überhaupt völlig getrennt von einer Stadt errichtete.

Echt amerikanisch ist der Gedanke, mehr- stockige Straßen zu bauen, die unterste für Autos, das mittlere Stockwerk für die rollende Straße (Fußgänger gibt's dort nicht!), dann eines für Straßenbahnen und das oberste, das einzige in Luft und Licht, für den Personen- verkehr. Im übrigen sollen unterirdisch die oer- Siebenen Tunnels für Fernbahnen, Stadtbahnen und Untergrundbahnen liegen, untereinander und mit den verschiedenen Straßenstockwerken durch Aufzüge verbunden: vom Luftverkehr dabei ganz zu schweigen. Diese Utopien werden selbst in Ame- rika nicht Wirklichkeit werden, es könnte kein Mensch in dieser Höllenmaschinerie existieren, we- snkgstens kenen Menschen, wie sie setzt sind.

Dafür errichten die neuzeitlichen Städtebauer eben neue Wege ins Freie, auf weite Räume, in Lust und Sonne: das gebietet schon der reine Selbsterhaltungstrieb, denn das Lebewesen Mensch lärm schlechterdings nicht auch noch mechanisiert werben.

Auch in Deutschlanb muß ber Gedanke einer Begrenzung des Wachstums von Städten immer mehr Boden gewinnen, vor allem in den dichtbe­völkerten Industriegegenden, im Westen, in Sach- ! jen, um Berlin, in Schlesien. Hierzu bebarf es aber nicht nur ber Ortsbebauungspläne, die eigenbrö- bänben Tendenzen zuviel Spielraum lassen, ionbem eines Laubes- und Sieblungsplanes fe- weils für ein großes Verkehrs- und Wirtschasts- qebiet. Die Grenzen unserer immer noch zahlreichen Lander und Ländchen dürfen hier keine Hemmun­gen bieten!

Binnen kurzem soll in Reuyork die Dahl gerade dieser Stadt als Tagungsort ist fympto- moftsch ber Internationale Stäbtebaukongreß sich mit diesen wohl für alle Staaten vitalen Problemen beschäftigen. Er wird die Grundsätze noch weiter auszubauen und zu spezialisieren haben, bie auf dem 1924er Kongreß zu Amsterdam auf- gestellt worden sind. Diese lauten:Ein unbe­schränktes An wachse der Großstädte ist uner­wünscht. Die Zustände in den allergrößten Städ­ten sind eine Warnung für die kleineren Groß­städte. Dezentralifatton durch Trabantenstädte

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Die künftigen Großstädte

Bon Stadlrat Dr. Merkel, Leipzig.

In der übermäßigen Konzentrierung von Ein­wohnern in den Großstädten erblickt nicht nur Spengler einen Grund und ein Anzeichen des Un­terganges des Abendlandes. Daß diese Reservoire von Menschenmassen für Leib und Leben ihrer Be­wohner der Vergleich mit riesigen steinernen Ge­fängnissen liegt nahe ganz erhebliche Gefahren bergen, daß dieseNervenmühlen" rasch die Le­benskraft von Generationen zermürben, die Fort- pflanzungssähigkeit schon im dritten und vierten Gliebe vernichten, ist erwiesene Tatsache. Sollen zumal wir Deutsche selbst an uns das haßerfüllte Wort Clemenceaus wahrmachen helfen, daß zwanzig Millionen Deutsche zu viel feien? In den Welt- ftäbten bes Altertums, Babylon, Ninive, Karthago, Rom ist bie Blüte unb die 'Straft von Weltreichen verdorrt: ber tiefe Mythos vom Riefen Antäos, ber feine Kraft verliert, sobald ihm der Erdboden un­ter den Hüßen schwindet, bewahrheitet sich in ewiger Wiederholung durch Jahrtausende. Unb setzt? Die Riesensläbte bes 20. Jahrhunderts ftei­len die Großftadtbegriffe versunkener Iahrlau. jenbe in ben odjatten: Neuyork mit achteinhalb, Lonbon mit siebeneinhalb, Paris mit viereinhalb unb Berlin mit 4 Millionen Einwohnern über­treffen bie Stabte ber Antike über bas Doppelte: von Wien mit 2 und Hambura mit eineinhalb Mil- Honen, begleichen den russischen und asiatischen Millionenstädten zu schweigen.

Griechen vergrößerten ihre Städte nicht übermäßig, sondern sandten ihren jungen Nachwuchs aus, um Kolonien zu gründen Die Phönizier haben es ihnen oorgemacht und die Karthager das gleiche getan. Solche Kolonien wurden nicht nur weit von den Mutterstädten entfernt, sondern z. B. von den Griechenstädten in Unteritalien auch nahe bei ihnen gegründet. Trabantenstädte im wahrsten Sinne des Dörtes; man denke an einen Planeten und (eine Monde oder an Saturn und feine Ringe. Eine ganz ähnliche Schöpfung von Tochtergemeinden wird jetzt für Paris geplant, nur soll hier die Auflockerung der Großstadt durch Bildung eines Ringes von beruflich gegliederten Gemeinden er- folgen, so z. B. einer Schul-, Kranken-, Fabrik-, Sport-, Wohngemeinbe u. a. m. Park, Wiesen- und Waldslachen dehnen sich zwischen ber Großstabt unb ihren lodjtergemeinben aus, bie zwar eine begrenzte örtliche Verwaltung haben, inbefjen in den hauptsächlichsten Funktionen, namentlich auch steuerlich, o»n ber großen Zentrale abhängig sein sollen.

In N e u y o r k, wo bas Problem am brin- genbften einer Lösung bebarf, wünscht man gleich­falls ein Zonenfystem. Neuyork hat mit sei­nen Wolkenkratzern, den als Zubringewegen für die Menschenmafsen in diesen viel zu engen Straßen, ber beängstigenden Intensität feines Elektro-, Tram- und Autoverkehrs bereits alle Möglichkeiten ber modernen Großzentrale erschöpft und man sieht dort ein, daß es s o nicht weiter gehen kann. Man möchte gern noch um die Wolkenkratzer herum freie Plätze und breite Straßen haben, allein die Be­schaffung des Geländes dafür erfordert phanta­stische Summen: deshalb will man in erster Linie bie Einwohnerschaft auf weiteste Flächen verteilen.

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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderhessen)

kann in vielen Fällen ein Mittel sein, um ben Ent­stehen allzugroßer Siedlungskörper vorzubeugen. Es wäre erwünscht, baß unsere Großstäbte abge­schlossen würben von grünen Gürteln, bie bauernb für Ackerbau, Gartenbau usw. oerroenbet werben. Die kommunale unb interkommunale Derkehrsfrage soll tünfrig mehr als bisher bie Aufmerksamkeit des Städtebauers auf sich ziehen. Das Aufstellen von Landes Siedlungsptänen ist unbedingt not­wendig für die Entwicklung ber Großstäbte, be- fonbers wo biefe in kurzer Entfernung von ein- anbere liegen ober zahlreiche kleinere ctäbte sich in ber Nähe ber Großstabt beftnben. Diefe Pläne sind nicht Bebauungspläne, sollen vielmehr verhin­dern, daß ganze Bezirke mit aneinanderschließen- ben Bebauungsplänen bebetft werben, sobald bie Zustänbe sich änbern. Diese regionalen Nutzungs­pläne sollen burd) Gesetz eine Rechtskraft erhal­ten, bie es ermöglicht, den Bode» ben burd) ben Plan bestimmten Zwecken zuzuführen.

Kirche unb Schule.

Friedberger Kreis-Lehrcrkonferenz.

I- Friedberg. 26. März. Ebne amt­liche Kreislehrerkonferenz sämtlicher hauptamtlich an den Volks- unb Fortbildungs­schulen tätigen Lehrpersonen fand heute in ber Aula der Augustinerschule unter dem Vorsitz von KreiSdireklor Gebhardt statt, der sich der

rung seelischer Vertiefung unb Vertaner! ichmrz kann nur die Heimatgeschichte gerecht mer­ben, bie von ber Heimatflur aus ben Vlick weidet für bie Geschichte des Staates unb Vaterlandes. WaS bie Vor- unb Frühgeschichte an- bet rifft, kann es sich nicht darum handeln, para­graphenweise den Stofs in systematischem Ausbau durchzunehmen, sondern in geschickter Auswahl bei allen sich bietenden Oel egen beiten auf die urgeschichtlichen Stosse einzugehen. Aufgabe ber Vorgeschichte wird es fein, aus bet Buntheit der Sagengeschichte hinüberzuleiten zur eigentlichen Geschichte. An einer Reihe von Beispielen zeigte ber Aebner in fesselnder Weise, wie lehrreich sich bie vorgeschichtlichen Funde der Heimat im Unter­richt auswerten lassen, vor allem, wenn sie unter dem Gesichtspunkt ber kulturgeschichtlichen Ent­wicklung betrachtet werden.

Daraus erfolgte bie Wahl der Lehrer­vertreter im Kreisschulamt. Gewählt wurden: Rektor S p i e l m a n n l Heldenbergen). Rektor Weyer (Friedberg), Lehrer Jakobi (Münzen­berg). Als Ersatzmänner wurden bestimmt: Lehrer Burk (Vilbel), L.hrer Schneider (Butzbach), Lehrer Roddewig (Münster).

Heber die Einrichtung von Schulspar» lassen referierte sodann Herr Sibert von der Bezirkssparkasse oMathildenstift". Empfohlen wurde die Einführung einer wöchentlichen Spar- stunde unter Verwendung bes Schulsparkasseid- systemS von Rektor Reineckens (Essen). 3n zehn

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Oberhessens und des Lahngebiets, Kultur und Politik der ein­gesessenen Bevölkerung spiegeln sich in ihrem Heimatblatt, dem Gießener Anzeiger und in seinen Beilagen. In jeder einzelnen Texlabteilung den hohen Anforderungen entsprechend, die sich eine moderne Tages­zeitung von Bedeutung selbst stellen muh, ist für den Giehener Anzeiger richtunggebend die Pflege des Heimalgedankens. Sie

kommt besonders wirksam zum Ausdruck in den Beilagen

Gießener Familienblütter

Dienstags und Samstags

Heimat im Bild

Donnerstags

Die Scholle

Freitags

Gewidmet der Belehrung und Unterhaltung in der Familie, der heimatlichen Landschaft und ihren Eigentümlichkeiten in Bild und Wort, der Garten- und Hauswirtschaft, sowie der Bebauung der Heimaterde, bieten diese drei Beigaben Eigenes, auf die Leserschaft besonders Abgestimmtes, nur hier mit Liebe und SorgfaltJusammengetragenes.also Kultur im estenSinne. So werden diese Beilagen ausschließlich in eigener Redaktion bearbeitet und im Betrieb des Giehener Anzeigers gedruckt. Der Dierteljahreswechsel und die damit verbundene Bezugs­erneuerung geben Anlah, an das Wesen der Zeitung zu er­innern, die jedem ein willkommener täglicher Gast sein will.

Lehrerschaft beS Kreises er

Kreisschulrat Feuerbach g-d i . anschau- lieben Bericht über ben Stand des Volts- u. Fortbildungsschulwesens am I. De­zember 1924. Danach waren zu diesem Zeitpunkt in ben 250 Volksschulklassen (im Vorjahre 272) 230 Lehrer und 20 Lehrerinnen tätig, außerdem 7 hauptamtlich verwandte Handarbeitslehrerinnen. Die Geiamtzahl der Volksichüler betrug 9254 (ge­gen 10 163 im Vorjahre), davon 4582 Knaben und 4572 Mädchen. Der Konfession nach sind 6775 Schüler evangelisch, 2223 katholisch, 76 israelitisch und 110 sonstigen Bekenntnisses Schulrekruten wurden Ostern 1924 zusammen 804 ausgenommen. Von den Schulstellen sollen 212 definitiv besetzt, 38 verwal'et w rben. F rtbildungLschulllassen be­standen am 1. Dezember 191, darunter 117 für die männliche Jugend, die wieder in 51 gewerbliche, 19 kaufmännische, 3 rein landwirtschaftliche und 44 gemischte Klassen zerfallen. Die 74 Mädchen- fortbilbungsschulen sind, zwei rein landwirtschaft- llche Klassen ausgenommen, ihrer Zusammen­setzung nach alle gemischt. Die Zahl ber Fvrt- blldunKsfchüler beläuft sich auf 8121, die der Schülerinnen auf 1218. Reben zahlreichen neben­amtlich tätigen Lehrkräften wirken an der Fort­bildungsschule 25 hauptamtliche Fortbllbungs- schullehorr, darunter 9 Lehrer, 1 Lehrerin, 10 Gewerbelehrer, 1 Diplom-Hanbelslehrer und 4 hauptamtliche technische Lehrerinnen.

Heber bie Verwendung ber Vorgeschichte im Hnterricht hielt darauf Pros. Dr. D l e - eher, der Konservator am hiesigen Museum der im Laufe dieses Winters einen großen Teil der Lehrerschaft in seinen Museumskurfen mit der Vorgeschichte der Wetterau vertraut gemacht hat, einen sehr interessanten Vortrag, ber in leb­haftem Beifall den Dank der Konferenz sand. Der Redner sprach als erfahrener Praktiker, ber den Hauptwert im Geschichtsunterricht darauf gelegt haben will, daß ber Stoss nicht nur verstandesmäßig erfaßt wird, sondern daß die Seele des Kindes mitschwingl, wenn man mit geschichtlichen Betrachtungen, vor allem kultur­geschichtlicher Art an es hevanaeht. Dieser Fvrdo-

bes Kreises ftnb Schulsparfassen etn- g .übtet, bie in der Zett von drei Monaten bereits 3000 Mk. abgeliefert haben. Kreisdirektor Geb­hardt bat die Lehrerschaft, ben Gedanken der Schulsparlassen nach Kräften fördern zu helfen.

Den Beschluß der arbeitsreichen Tagung 6:1- bete ein Vortrag von Prioatdvzeitt Dr. Raab (Gießen) über .Aufgaben ber deutschen Politik unter ber Herrschaft b r Londoner Verein­barungen" Trotz ber recht schwierigen Materie verstand eS der Redner, in anschaulicher Darstel­lung alle Zuhörer btS zum letzten 2luqenb(id an seine 1 Vsffü bgen A sführungm zu fesseln.

Mit herzlichen Dankesworten an alle Redner beschloß Kreisbirektor Gebhardt die anregend verlaufene Versammlung.

Die Timuftanschnle.

* Darmstadt. 26. März. Eine vom Darmstädter Lehrerverein veranstaltete Versammlung im stäbt. Saalbau beschäftigte sich mit dem Thema:6 i m u 11 a n f d) u I e. Es wurde eine Entschließung angenommen, in ber ausgeführt wird, daß die von Eltern. An­gehörigen unb Lehrern aller Darmstädter Schulen besuchte Versammlung in ber Simultanschule nicht nur durch ihre bessere Gliederung leistungsfähigste Schule erblicken, sondern auch die Schulform, die allgemein geeignet ist, an der Uebertoinbung ber mannigfachen Gegensätze in unserem Volke etfolg- reich mitzuarbeiten und so eine wahre Volks« gemeinschaft zu schaffen unb zu erhallen.

Turnen, Sport und Spiel.

Vom Turngatt Hessen (D. T.)

-^Gießen, 24. März. Am Sonntag sand in der Turnhalle bes MännerturnVereins eine Versammlung ber Bezirks- unb Der- einsroarte für bas Dolksturnen unter Leitung bes Gauwartes für bas Dolksturnen, Luck- harbt (Marburg) statt. Eiine stattliche Zahl von @auoer einen war vertreten, merkwürdigerweise fehlten gerade einige ber größeren Vereine. Ge-

Samstag, 28. März 1925

Schöffengericht Wetzlar.

O Wetzlar, 27. März. Der Ehefrau dcS Oberlandjägers H. aus Straßebersbach lag die Anklage fahrlässiger Tötung zur Last, und zwar soll sie in Dillenburg am 9. De­zember 1924 durch Fahrlässigkeit den Tod ihrer Schwiegermutter Frau Elise H. verursacht haben. Die Angellagte schilderte den Vorgang etwa in folgender Weise: Am ge­nannten Tage habe sie ihren Ehemann, der sich in Dillenburg seine Gehaltszulage holen wollte, dorthin begleitet. 3br Ehemann habe an diesem Sage gerade seinen Geburtstag gehabt unb die­sen mit ihrem Schwager unb Schwiegervater in einer Wirtschaft gefeiert, während sie selbst im Hause ber Getöteten auf bie Rückkunft ihres Mannes gewartet habe. Die Angellagte will darüber, daß ihr ©bemann zu der vereinbarten Zeit noch nicht zurückgekehrt war, ärgerlich ge­worden fein. AIS nun alS erster ihr Schwager Willi zutückgekehrt war. sei sie mit diesem in einem Wortwechsel geraten, in dessen Verlaufe sie ihn und auch ihren Schwiegervater .Säufer" genannt habe. Darüber beleidigt, entfernte sich ihr Schwager und erzählle den Vorfall seinem Vater unb bem Ehemann ber Angeklagten. Kurze Zeit daraus sei ihr Ehemann mit ihrem Schwa­ger zurückgekehrt unb habe sie zur Rede ge­stellt. Aus ihre Erwiderung, sie habe bas Wort .Säufer" nur im Scherz gefügt, schrie ihr Ehe­mann sie an, sie hätte ihren Mund hallen sollen. Als die Angellagte hierauf wieder er­widerte, habe ihr Ehemann sie zurückgestohen 3br Schwager Willi habe sich darauf auf ihren Ehemann gestürzt und es kam nunmehr zwischen diesen beiden zu einer regelrechten Keilerei Wäh­rend dieses Vorganges stand die Getötete am Küchenschrank und versuchte, den Streit zu schlich­ten. Die Angellagte sah nun, wie ber Säbel ihres Mannes, an dem auch die Pistolentasche hing und der in einer Ecke des anstoßenden Zimmers gestanden hatte, plötzlich umfiel. Hier­bei tarn ihr ber Gedanke, die Streitenden könn­ten in ihrer Aufregung zur Waffe greifen, und um das zu verhindern, habe sie versucht, die Pistolentasche vom Säbel abzureihen, was ihr aber nicht gelang. Daraufhin habe sie versucht, wenigstens die Pistole aus ber Tasche zu bekom­men. Als ihr dies nach einigen Anstrengungen gelungen war, wollte sie die Wafte aus dem Zimmer tragen. Aus den Rus ihrer Schwieger­mutter: .Rus schnell ben Vater" brehte sie sich um und sah ihrer Schwiegermutter ins Gesicht Die Pistole hatte sie hierbei in ber rechten Hand. Mit ber linken Hand habe sie nun ver­sucht, ihren Schwager Willi von ihrem Manne zurückzureißen. 3n diesem Augenblicke krachte ein Schuß unb bie Schwiegermutter sank tödlich getroffen zu Boben. Die Angellagte sei bann in ihrer Verzweiflung fortgelaufen and erst später zurückgekehrt. Sie will mit ihren Verwandten stets im besten Einvernehmen gelebt haben. Durch die Zeugenvernehmung werden die Angaben der Angeklagten im wesentllchen bestätigt. Der Ver­treter der Staatsanwallschast beantragte eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten. Der Vertei­diger betonte, bah hier lediglich ein unglücklicher Zufall vorliege und bat um Freisprechung dec Angeklagten, die durch das angerichtete Anglück schon genug bestraft sei. Das Gericht erblickte in ber ganzen Handlungsweise eine grobe Fahr­lässigkeit und erkannte auf eine Geldstrafe von 300 Mark an Stelle einer Gefängnis­strafe von 2 Monaten.

Wegen schweren Diebstahls und Betrugs hatten sich ber Arbeiter Heinrich W. aus Burgsolms und ber Fuhrknecht An­ton D., welcher sich zur Zeit in Untersuchungs­haft befindet, zu verantworten. Die bereits er­heblich vorbesttasten Angeklagten entwichen am 24. Dezember 1922 aus dem Wetzlarer Gerichts­gefängnis, wo beide eine Strafe verbüßten, in­dem sie mit Rachschlüsseln ohne eine Sach-

turnt unb eingehend besprochen wurden bie Frei­übungen ber Dalksturner für bas K re i s f cft in Gießen, bie auch schon bei den Ausscheidungskämpfen im Gau geturnt werben. Eine weitere Uebungsftunbc für bas Volksturnen wirb im Mai abgehoben werben. Bis bahin sollen bie Vereine bie volkstümlichen Freiübungen schon gründlich geübt J)abcn. Auch volkstümliche Hebun­gen, wie Lauf, Stoß, Wurs unb andere sollen bann Teg«istand eingehender Belehrung sein. An der sich an bie llebungsstunde anschließenben Besprechung nahm auch Gauodetturnwart Will (Gießen), brr herzlichst begrüßt wurde, teil. Es würbe mikgeteist, baß am 19. April zu Ehren des langjährigen Kreis- vettreters, Schulrat Schmuck, ein Staffel lauf nach D a r m st a b t führen soll. Der Lau beginnt in Gießen. DieWill-Staffel" wirb m Verbindung mit bem Hermannslaus ber D. T. im August durchgeführt. Wie derGieß. Anz." schon mitteilte, wirb bas Gebiet bes (Baues Hessen von mehreren Läufen berührt. Durch Gießen werben zwei Hauplläufe führen. Der Herbstwalblauf wird in biesem Jahre im Oktober nochmals von den B c - flirten veranstaltet. Vom nächsten Jahre ab gilt ber Herbstwaldlauf als Gauoeranstaltung, ber Frühjahr-waldlauf in den Bezirken ist gleid)fleiri<j Ausscheidnngskamps für den Herbstlauf. Als gro> feere turnsporlliche Veranstaltung finden am 14. (i in Marburg die G a u s p o r t k ä in p f e (Gan> Meisterschaften) statt. Ausscheidungskämpfe dazu in den Bezirken waren geplant, werden nun aber doch nicht durchgeführt. Die Gauspottkämpfe gelten aber als Ausscheibungskämpfe für bas Kreisturnfest in Gießen. Es wurden folgende Hebungen bestimmt. Oberstufe (offen), gleichzeitig Gaumeisterschaf, ten: Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen 7,25 Kilo aus dem Kreis, oteinftofecn 30 Pfund, Diskus, Speer, vchlagballweitwurf, Schleuderball, dazu an Läufe,, 100, 200, 400, 800, 1500, 5000 Mete, Gaffeln: Imal 100 Meter, 3ma( 1000 Meter: Olympische Staffel (800, 200, 200, 400 Meter,. Dreikampf: 100 - Meter Lauf, Weitsprung, Speerwurf. U n t e r ft u f e: 100 Meter, 400 Meter, 1500 Meter, Weitsprung, Speerwurf, Schleuder ball, Kugelstoßen 7,25 Kg. Anfänger: 100 Me­ter, Hochsprung, Kugelstoßen. 2111 e r s ft u f e: Drei­kampf in zwei Klassen mit folgenden Uebungsarten: 50 Meter-Laus, Kugelstoßen 20 Pfund, Weitsprung. Frauen (Gaumeisterschaften): 75-Meter-Lauf, Hochsprung, Weitsprung, Speerwurf, Schlagball­weitwurf. Kugelstoßen 8 Pfund aus dem Kreis, 4mal 75-Mcter-Staffel. Es kann ein Turner nur an höchstens 4 Einzelwettbewerben ieilnehmen. Be­grüßt wurde allgemein, daß bas Kugel- und Stein­stoßen deid- unb beftarmig ausgeführt wirb.

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