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Hmeritanismus und Weltpolitik.

Don Otto Corbach.

Die englische Presse hat ihr möglichstes ge­tan, durch honigsüßes Lob den Ehrgeiz des bisherigen amerikanischen Botschafters in Lon­don und künftigen Leiters des Washingtoner Staatsdepartements. K e l l o g gs . zu wecken, um ihn dazu anzustacheln, als Nachfolger deS Staats­sekretärs Hughes soviel persönliche Initiative zu entwickeln, wie eS seine Abhängigkeit vom Staat und dem Präsidenten Coolidge nur zu- tifcL Man wartet in London begierig aus den Augenblick, wo Onkel Sam seine vorläufige auhen- polllischc Zurückhaltung alsstiller Beobachter", ouS der er seit dem Versailler Frieden nur selten herauStritt. grundsätzlich a u s g i b t, und natürlich in innigem Einvernehmen mit dem Foreign Office den Gang der weltpolitischen Ereignisse aktiv zu beeinflussen sucht. England braucht amerikantschen Wind für seine Segel, denn der Geist deSIsolationismus", der die maßgebenden politischen Kreise in Amerika noch kv stark in seinem Dann hält, hat die britischen Dominion- angesteckt, die infolgedessen die Initiative Downing st reets in allen Fragen, bei denen die Verantwortlichkeit des gesamten Welt­reiches mit im Spiele ist, völlig lahmzulegen drohen. Dur in dem Maste, wie die Washing­toner Regierung Neigung entwickell, gewagte Lchachzüge der Londoner Diplomatie zu decken, werden sich die Dominions auS ihrer Lethargie gegenüber den außenpolitischen Voten deS Mut- r^rlandeS ausrütteln lassen. Kellogg hat man in London alS einen überzeugten Anhänger der Auffassung von einer gemeinsamen weltpoliti- >LenMission der englisch-sprechenden Völker" 'chätzen gelernt: man hofst alles von dem per­sönlichen Ginslust. den er auf Coolidge und vor allem den Senat, dem er selbst angehört hat, mit dessen politischer Maschinerie er also ver­traut ist, auSzuüben vermag: man fürchtet alles von einem Versagen dieses Einflusses.

Denn der Wind, der aus dem Senat dem Deisten Hause entgegenweht, entspricht nicht ge­rade den Wünschen englischer Staatsmänner, und die DeujahrSbotschast deS Präsidenten L so­lid g e machte ganz den Eindruck, als werde dessen persönliche Außenpolitik nie eine Wind­fahne allen Launen des Senates gehorchen. Der Leiter deS Washingtoner Staatsdepartements hat mm zwar, trotzdem er auch wichtige innerpoli- ttsche Funktionen auSübt, vorwiegend den Präsi­denten in Dingen der auswärtigen Politik zu beraten, aber waS hälfe es ihm, wenn es ihm Itlänge, diesen von Fall zu Fall dazu anzu- J-ornen, eine etwaige Angst vor der eigenen ouragc >u überwinden, wenn der Leiter des außenpolitischen Komitees des Senates halsstarrig auf einem andersartigen Standpunkte beharrte. So «atfvlgreich jeweils ein amerikanischer Staats- lefretär In seinen persönlichen Unterhandlungen mit anderen Mächten gewesen sein mag, alte leine Anstrengungen bleiben fruchtlos, wenn der Senat die vvrgeschlagene Regeluna nicht gut» beißt. Denn kein Vertrag, an dem Amerika be­teiligt ist. hat Gültigkeit, ohne daß ibn diese .'Körperschaft ratifiziert. Demgemäß bedarf ein amerikanischer Staatssekretär nicht weniger diplo­matischer Gewandtheit im Verkehr mit heimischen Politikern alS bei dem De streben, fremde Regie­rungen seinen Vorschlägen günstig zu stimmen. Dor allem must er daS austenpolitische Komitee deS Senats und im besonderen den Vorsitzen­den dieses Komitees zufriedenstellen, wenn sein Bertrag rasch und ohne Obstruktion durch das Oberhaus des Kongresses gehen soll. Die neuere Geschichte der Vereinigten Staaten liefert manche drastische Illustration zu der Möglichkeit, dah rin wichtiger Vertrag in diesem Stadium schei­tert.Ein Vertrag, der vor den Senat kommt," l'tmerfte einst Staatssekretär Hay auf Grund bitterer Erfahrungen,gleicht einem Stier, der die Arena betritt: niemand kann sagen, wann iitl> wie er den Todesstoß erhält, aber etwas ist sicher, er wird niemals die Arena lebend ver- lalfcn." Ein amerikanischer Staatssekretär hat gegenüber dem Kongreß auch insofern einen schwierigeren Stand als der Premierminister eines europäischen Staates gegenüber dessen Par­lament, weil die Verfassung ihm verbietet, Mit­glied eines der Häuser zu sein, und nach einem - Iten Brauch, der so zwingeird ist wie ein Gesetz, tert er nicht persönlich vor dem Senat erscheinen, , um sich dort in mündlicher Aus­sprache für seine Vorschläge einzusetzen.

Nun hat eS Kellogg in dem gegenwrtigäen Vorsitzenden des außenpolitischen Komitees nicht mit dem ersten Besten zu tun, sondern aus­gerechnet mit dem Senator B o r a h, der seit ber Diederlage 2 a Follettes, der seinen politischen Einfluß in dem romantischen Versuch, eine dritte Partei zu gründen, verpuffte, die faszinierendste Persönlichkeit im öffentlichen 2c- ben der Vereinigten Staaten vorstellt. Das ist fein . Hundertprozentiger" im Sinne der anglo- > rierikanischen Herrenkaste, denn er ist väter- ! cherseits deutscher, mütterlicherseits irischer Ab- flümmung und auch seinen ganzen Anschauungen i'.tsprechend Exponent eines weitherzigen Ameri- Qnismus, der der kontinental-europäischen Blut. Mischung innerhalb des Volkes der Vereinigten Staaten voll Rechnung trägt. Er ist antyentra- «.lisch, antibureaukratisch und sucht die amerika- nsche Politik zu den isosationistischen Grundsätzen George Washingtons, John Adams, Thomas Jeffersons. James Madisans, James Monroes ur.b John Quincy Adams zurückzuorientieren, wsnach sich die Union von verwickelnden Bünd- I n issen mit europäischen Völkern sernhallen soll, xfrn heutigen Völkerbund sieht er eine Ein- lihtung, die eher den Ausbruch neuer Kriege i® einen dauerhaften Frieden begünstigt, ein Instrument, um einen internationalem Zwist in Wien Weltkrieg zu verwandeln". Er ist auch g«gen Amerikas Beteiligung am Weltschieds- Gerichtshof, es sei denn, er lasse sich ganz .im Völkerbunde trennen. Und trotzdem ent- teckelt Dorah eine Leidenschaft für internationale .'tongreffe. Aus feine Anregung und unermüd­liche Propaganda war die Washingtoner Ab- 'trstungslonfersnz zurückzuführen, deren Einberufung Präsident Sjarbing lange hart- nedtg widerstrebte, weil er das amerikanische Ilottenbauprogramm vom Jahre 1916 uneinge- schränkt durchgeführt wissen wollte. Dah nun die ctfte große Ausgabe, die Kellogg auf seinem neuen Dosten zu lösen haben wird, in der Vorbereitung einer neuen Abrüstungskonferenz bestehen wird.

U dir wenigstens für die Seerüstungen die halbe Arbeit der ersten zri Ende führen soll, beweist

Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhessen)

klar, wie stark der Gang der Wellereignisse die Washingtoner Außenpolitik inzwischen in die von Dorah gewünschte Richtung gedrängt bat. 3m Sinne Dorahs sollen internationale Konferenzen Amerika nicht mit neuen politischen und mili­tärischen Verantwortlichkeiten belasten, sondern ihm Gelegenheit geben, durch freundschaftliche Vereinbarungen Kräfte zu entfesseln, die die Weltwirtschaft von Hemmungen befreien würden, bic jetzt immer gefährlichere politische Spannun­gen herbeiführen. Eine WeltwirlschaftS- k o n f e r e n z soll, wenn eS nach Dorahs Wün­schen geht, erst die Voraussetzungen für eine auch die 2a nbruftungen mit eindegreisende allgemeine Abrüstungskonferenz schaffen. Aus leben Fall wünscht Dorah bic amerikanische Außenpolitik toeüumfaffenb orientiert zu wissen und tritt daher mit größtem Rachdruck für eine schleunige Anerkennung Sowjetruß- l a n d s ein.

DaS Wesentliche ist gleichwohl bei der Po­litik DvrahS nicht in seinen, teilweise gewiß lllusionären Weltkonserenzbestrebungen zu suchen, sondern in seinem hartnäckigen Bestehen auf einer unbedingt selbständigen, von den europäischen Westmächten unabhängigen ameri­kanischen Außenpolitik. Es ist nun sehr wohl möglich, daß über kurz ober lang neue ernste Verwicklungen in O st a s i e n das Washingtoner Staatsdepartement in die Zwangslage bringen

Staatsangehörigkeit bet Hennessy an. Es wurde aber nachgewiesen, dah die Familie zwar auS Irland stamme, dah sie von dort alS Anhänger des englischen Throirprätendemen Stuart 1764 nach dem Kontinent floh, wo sie sich zuerst in Ostende, dann in Eognac niederlieh und sich 1787 naturalisierte. Es ist nicht auszudenken. waS der Menschheit geschehen wäre, wenn die Familie Hennessy in Belgien geblieben wäre. Hätte man dann einen Kognak weniger oder einen Ostende mehr. - Die Kenntnis vom Ursprung der Veuve Elicquot verdantt man einer Veröffentlichung derAnnales historiques de la Revolution fron- caise". die sich mit den zwölf Bürgermeistern von Reims unter der Revolution und dem ersten Kaiserreich befaßt Der letzte unter ihnen war der Tuchfabrikant Jean Nicolas Ponsardin (1747 bis 1820). Er war von 1810 bis 1820 im Amt und erwarb sich Napoleons Gunst so sehr, dah dieser ihn zum Baron deS Kaiserreiches machte. Dieser behäbige Herr. den uirs ein Oelgemäldc von Leon Job' zeigt, hatte feine einzige Tochter Barbara 1798 dem Ehampagnersabri kanten Francois Marie Elicquot vermählt, aber schon nach wenigen Jahren starb der Gatte, lind nun nahm Barbara Elicquot- Ponsardin das Geschäst in ihre eigenen, sehr energ.schen Hände. Unb als cs blühte und gedieh, da wollte sic selbstbewuht auch der Fabrikmarke und der 'Firma ihren Namen geben, und so entstand die Deuve Elie-

Die ge»Ae Tasesreiiung

-ObevhessenS mtb des Lahngebleles ist in sei­nem ISS. Zadvgang der Gietzenev Anzeiger

Das s«ir ÄttterSslimrssblati ist seine Dienstags und Samstags erschei­nende BeilageGietzenev Samilienbrättev"

Die einzige ViiSeebeUag« ist seine eigens für das Seirrratgeblet bear­beitete DonnevstagSgabe Heimat im Bild"

Der iachveesstandis« Aaisebev für Landwirtschaft, Gartenbau und Vieh­zucht ist seine SveitagSbeilage JDte Scholle"

könnten, ben Senat in Fragen von größter po­litischer Tragweite, die rasch entschieden werden müssen, vor vollendete Tatsachen zu stellen, und dann könnte Kellog doch noch Ge­legenheit erhalten, etwaige diktatorische Fähig­keiten zu entwickeln und der amerikanischen Außenpolitik einen von dem Willen Dorahs un­abhängigen KurS zu geben. Die Dorahschen Pläne sehen für ihre volle Durchführung vor­aus, daß der Wellfriede in absehbarer Zeit nur durch kriegerische Ereignisse von mehr oder weniger lokaler Bcbrutung unterbrochen wer­den wird, aber das Verhängnisvolle in der amerikanischen Wellstettung seit dem Versailler Frieden liegt gerade darin, dah die Gläu­bigerrechte deS Volkes der Vereinigten Staa­ten, die gerade Dorah fürs erste am aller­wenigsten angetastet sehen wlll, automatisch den qetoiü an und für sich ehrlichen Weltfrie­densbestrebungen amerikanischer Staats­männer entgegenwirken. Jene Gläubiger­rechte sind in allzugroßem Umfange an der Auf­rechterhaltung desStatus quo" In Europa und Asien gebunden: die revolutionären Kräfte aber, die diesen Status auo bedrohen, scheinen in dem Maße unwiderstehlich zu wachsen, wie die Groß­mächte, einschließllch Amerika, mit ebensolchem Doktrinarismus, wie nach den napoleonischen Kriegen dieHeilige Allianz" ein Prinzip starr­sterLegitimität" verfechten, wonach die Völker für alle Handlungen haftbar sind, die vergangene Regierungen in ihrem Namen begangen haben. Es liegt eine bittere Ironie darin, daß sich Dr. S u n y a t s e n, der entschiedenste Verfech­ter einer vollen Unabhängigkeit Chinas, bei seinem Verlangen nach Aufhebung allerun­gleichen Verträge" auf die Unabhängigkeitserklä- rung der Vorväter des amerikanischen Volkes beruft. Bei dem stürmischen Tempo, daS die Unabhängigkeitsbewegungen in den asiatischen Kolonien und Halbkolonien anzuschlagen begonnen haben, könnte über kurz oder lang die Well- aeschichle über die amerikanischen Weltfriedens­bestrebungen zur Tagesordnung übergehen und man braucht sich dann gar nicht zu wundern, wenn man gerade den Friedensapostel Dorah die Völker am lautesten zum allgemeinen Kampf gegen das aufrufen Höri, womit man in London, in Vorahnung der künftigen Gelegenhell, für die angelsächsische Well wieder den Ton anzugeben, vorsorglich schon jetzt denzivilisierten Völkern" Schrecken einzujagen sucht: gegen das Gespenst einesBolschewismus in Asien".

Buntes Allerlei.

Hennessy und Veuve Cliequot.

Die Grllstehung von 2 der bekanntesten Wetn- marten beleuchten: Der Kognak Hennessy und der Champagner VeuveClicquot. Die französische Re­publik hat den Abgeordneten Jean Hennessy, der fett 1910 der Kammer angehört, zum Botschafter in Bern ernannt Das gibt Gelegenheit, an den Urfprung einer Familie zu erinnern, die seit hundert Jahren Abgeordnete hervorbringt außer dem Kognak, den sie schon ein halbes Jahr­hundert vorher erzeugte. Jaques Hennessy (1765 bis 1843) war der parlamentarische Stammvater. Als er mit der Berufsbezeichnung:negociant en eau dc vie" 1824 in die Kammer gewählt wurde, fochten die Gegner, deren Kandidat der Kognak­fabrikant Martell gewesen war, die französllche

quot, die Dreivierteljahrhundert lang eine Kö­nigin war. bis sie von Zellen, die mit den ihrigen verglichen im Geschmacksehr trocken" waren, verdrängt wurde.

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Man hat gesagt, daß alles, waS eS gibt, auch gesammelt wird, und tatsächlich ist ja nichts zu gering, selbst nicht ein alter Knops oder ein Pfropfen, um Interesse zu erregen und den Wunsch nach Vermehrung und Vervollständigung dieses Gutes zu erwecken. So kann es denn nicht weiter verwundern, daß man auch alte TabakSzeichen sammelt, denn die Tabaks­packungen und Etiketten waren in früherer Zell sehr reizvoll, wurden von Künstlern ausgeschmückt und sind im Holzschnitt, Kupferstich, Stahlstich und anderen Formen vervielfältigt

älrfprünglich hatten diese Marken nur den Zweck, den Hersteller und fein Erzeugnis gegen Nachahmung zu schützen. Aber im Lause der Zell entfaltete sich hier ein reicher Schmuck, in dem sich kulturgeschichlliche Vorgänge, die Trachten und Anschauungen, ja selbst die hohe Politik, kurios spiegeln. 3m ganzen ist diese ..Tabakkunst" ein Teil des weiten Gebietes der Reklame und zeigt, wie künstlerische Hebung mit dem Handel verbunden ist. Die alten Tabak- -eichen sind naturgemäß sehr selten, denn sie waren ja für den Tag geschaffen und der Ver­nichtung besonders ausgesetzt. Einzelne Stücke werden von Sammlern gehütet, aber eine um­fassende Zusammenstellung war nicht vorhanden. Ta ist nun plötzlich eure solche Sammlung aller Tabakzeichen an einer Stelle entdeckt worden, wo sie Sammler und Forscher am wenigsten vermutet hätten. Man fand eine Fülle inter­essanten Materials in drei Sammelbänden, die in der Bibliothek deS Reichspatent­amtes ein verborgenes Dasein führten. Die Bände stammen aus den Jahren 1829 und 1841, in denen nämlich die Vorschrift erlassen wor­den war, dah die Nürnberger Fabri- k e n ihre Tabakzeichen einliefern mühten. So wurden sie. wie eS derAmtsbedars" mit sich brachte, ein geklebt und ausbewahrt. Diese bunt­farbigen alten Zeichen sollen nun in ihren künst­lerisch und kulturgeschichtlich merkwürdigsten Exemplaren in einem Werk veröffentlicht wer­den. das Dr. Paul Otto und Dr. H. Dockwitz imBerliner Widder-Verlag herausgeben.

Der Große StaalSpreiS der Berliner Kunstakademie.

Die Konkurrenz um die großen Staats- Preise derBerliner Akademie der Künste ist auherordenllich zahlreich von Künstlern be­schickt. ihn den Preis für Malerei haben sich 48. um den für Bildhauerei 19 Künstler beworben. Tie Akademie der Künste hat den Preis für MalereiBernhard DoerrieS in Hannover, den für Bildhauerei Joseph Henselmann in München zugesprochen. Die Wettbewerbsarbeiten werden öffentlich ausgestellt.

Ein Stipendium für AuSlandstudien.

Paris. 23. gebt. (WTD- Rach Blätter- Meldungen aus New Pork hat der frühere ameri­kanische Senator GuAgenheimer 600 COO Pfund Sterling zur Gründung eines Fonds für Stipendien gestiftet für die llnterstühung amerikanischer Srudenten.dieimAus- lande studieren. 40 bis 50 Studenden können auf Grund dieser Stiftung ihre Studien im Aus­lande durchführen.

Samstag, 28. Zedruar 1925

Jur Bekämpfung des Borgunwesens.

Von her Hessischen Handwerks­kammer wird »ms geschrieben:

6in empfindlicher Kapitalmangel beherrscht fett Monaten die deutsche iS-irifdxift. Beson­ders bet gewerbliche Mittelstand. Handwerk und Eir-zclhandel haben unter bei verminderten Kauf­kraft weiter Bevölkerungsschichten und unter der schleppenden Zahlungswelle schwer zu leiden. Rur bei Inanspruchnahme hochverzinslicher Kredite ist eS in vielen Fallen möglich, bic Betriebe weilerzusühren. Dabei liegt in den meisten Ge­werbezweigen verhältnismähig günftiger Ge­schäftsgang vor. Aus träge werden im allgemeinen reichlich erteilt. Der Konsument glaub: aber bic Zahlungserledigung nach eigenem Ermessen sich einrichten und immer wieder hinausschieben zu können. Eigenartig berührt ein solches Ver­fahren. wenn man andererseits bedenkt, dah immer wieder auS der Derbraucherschaft der Rui nach Preisabbau ertönt, wenn man erwägt, das fortgesetzt bic PreiSprüsungsstellen die cm zclnen Zweige des gewerblichen Mittelstandes zur Herbeiführung einer Preissenkung an den Verhandlungstisch zwingen und oierbei unent­wegt die Höhe der Geschäftsunkosten glauben an- zweisclr. zu müssen. Man überlegt nicht, wie die leider cingcriffenc verschleppte ZahlungSweise den Gewerbetreibenden zwingt, mit hochverzins­lichen Krediten zu arbeiten, was naturgemäß die Geschäst Sun kost en steigend beeinflussen muh. Ist es doch Tatsache, bat) z B zahlreiche Ge­werbetreibende trotz erheblicher AuS- st ä n d e Geld lechen muhten, um nur die Steuer- fcibetungen von Staat und Gemeinde beiric- digen zu können.

Wenn man die Ausstände der einzelnen Zweiqe des gewerblichen Mittelstanbcs einmal statistisch zu erfassen versuchte, man würde stau­nen. welche gewaltigen Zahlen zum Vorschein kommen, und würde es bann eher begreifen, wie stark die Produllion durch solche Passiv­posten belastet und verteuert wird. Sind doch Fälle nachweisbar, in denen tatsächlich der im Jahre 1924 einkalkulierte Iahre-arbeitsverdienst von den Zinsen für Kredite ausgezehrt wurde, die alS Ersah der Ausstände ausgenommen wer­den muhten. Dabei das eigenartige Verhallen vieler Lieferantenfirmen. Ist es doch an der Tagesomung. dah der Gewerbetreibrirde feine Rohstoffe und Halbfabrikate, was an sich richtig ist. nur gegen Barzahlung ober in bestimmt fest­gesetzten kurzen Zahlungsterminen beziehen kann. Sind die Termine verstrichen, folgen Zwangs­maßnahmen. Vieffach liegen aber in solchen Fäl­len Gegenrcchnungen. seit Monaten erteilt, voi. Werden diese reklamiert oder Ausrechnung ge­fordert. bann heißt es. es wäre noch keine Zeit zur Nachprüfung gewesen. Eine Gegenseitigkeit wird also nicht zuerianrrt.

3m 3ntereffe der Gesundung deS GeschästS» lebens muß in diesen Dingen Wandel geschaf­fen werden. Gewiß wird nicht verkannt, dah auch die hier behandelte Frage mit der Not Deutschlands zusammenhängt, letzten Endes nur nach Konsolidierung der gesamten auhen- und innerpolllifchen Verhältnisse eine grundlegende Lösung finden lärm. DieS fchlieht aber nicht auS. darum zu werben, dah jedermann etwas mehr über die wirtschaftlichen Zusammenhänge nach- denkt. jedermann sich bemüht, in die LebenSnot- toenbtgfeiten der einzelnen Berufszweige sich hir.e'mzudenken und sein Verhalten bei Auf­tragserteilung und bei Zahlung geleisteter Ar­beiten entsprechend einzurichten.

Ein Amtsgerichtsurteil, das kürzlich in einer Lieferungsstreitigkeit erging, führt u. a. aus' Geschäftswelt und Handwerker haben oft noch lange nicht ersaht, unter welchem wirtschaftlichen Drua Arbeiter und Beamte stehen, sind mit ihren Preisen oft den Friedenspreisen voraus, während Löhne und Gehälter iroch lange nicht den Friedenssland erreicht haben."

Mit gleichem Recht kann man auch daS Gegenteil behaupten und sagen, die Beamten und Arbeiter hätten noch lange nicht ersaht, unter welchem schwerem Druck der anständige reelle Handwerker und Gewerbetreibende steht. Nur wirtschaftlicher Unverstand kann eine Her­absetzung der Erzeugerpreise auf ober unter Frie- bensstand fordern, in einer Zeit, in der allein die steuerlichen und sozialen Belastungen ein Vielfaches des Friedensstandes betragen und der selbständige Gewerbetreibende heute allein an Steuern nahezu das zahlen muh, was er sich in früheren besseren Tagen an Gewinn aus feiner Arbeitskraft an rechnen konnte. Dazu stehen die Gehälter gewisser Beamtengruppen und die Ar­beiterlöhne über Friedenswert, wenn man die tatsächliche Friedensbasis und nicht ben sog. Real­lohn zugrunde legt. Letzteren billigt man aber! nach dem Wortlaut der oben toiebergegebeneil Begründung der Geschäftswelt und dem Hand­werk nicht zu.

Nochmals, mehr Verständnis für die Lebens- bebüriniffe der einzelnen Erwerbsschichten. In derzeitiger Notlage des gesamten Volkes dürfen die einzelnen Berussgruppen sich nicht gegen­seitig zerreiben, sondern nur im gemeinsamen verständigen Zusammenarbeiten aller mit allen liegt die Grundvoraussetzung deS Wiedererstar­kens unserer Wirtschaft.

Helfe jeder an seinem Teil. Wer Aufträge vergibt, sorge für rechtzeitige Zahlung: daS ist Ehrensache. Wer nicht über Barmittel verfügt, warte mit seinen Aufträgen bessere Zeiten ab. Denn wenn er den bei Auftragserteilung über­nommenen Zahlungsverpflichtungen nicht Nach­kommen kann, vermindert er das Betriebskapital des Unternehmers und macht sich einer Preis­steigerung schuldig. Mindestens aber trägt er mit dazu bei. den nötigen Preissenkungsprvzeh zu verzögern.

Ter Verbraucher darf feine 'Utadjt, die er zweifellos heute besitzt man denke nur an bai tm einseitigen Derbraucherinteresse erlassene Preistreibereirecht, an die Wohnungszwangs- wirischaft und bergt, mehr, nicht dazu be­nutzen. sich souverän über ba& hinwegzusetzen, was man im Geschäftsleben Treu und Glauben nennt. Das vielfach recht eigenartige Verhalten bei Anfordeurng schuldiger Gelder, daS in Un­gehalten hell mit entsprechenden Redewendungen zum Ausdruck kommt, ja öfters mit Drohungen aufBoykott usw. verb mden ist. stellt einen Miß­brauch biefer Machtstellung bar, der nicht scharf genug bekämpft werben kann.

Auch bie Verbraucher, besonders die Kreise, die ihr Einkommen aus öfsenllichen Mitteln be*

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