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Rr. 25 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Mittwoch, 28. Januar (925
Dortselbst ist auch die mit einem weihen Brustlatz, rötlichem Bauch und stahlblauem Schwänze gezierte, stargrohe Wasseramsel zu Hause, die wallerdurchflossene Gebüschgruppen liebt. Auch der bunte Eisvogel wird solche Gegenden bewohnen. Dieser fast tropische Farben tragende Bogel, den man auch den „fliegenden Edelstein" nennt, wird von den Fischcreibercchtigten oft mit Unrecht verfolgt, und trophäensüchtige „Schießer" stellen seinem farbenfrohen Gefieder nach. Zwei weitere, sehr seltene „Tropenvögel" sind Blaurake und Immenw 0 lf, auch Bienenfresser genannt. Sie passen eigentlich gar nicht in das deutsche Dogelbild, denn dieser Farbenreichtum, dessen Töne vom herrlichsten Lasurblau bis zum Smaragdgrün hinüberspielen, ist sonst nur den tropischen Papageien eigen. Don den „gefiederten Raubrittern" gelten als Naturdenkmals der Gabelweih oder rote M.lan, der schwarze Milan, der B a u m - fall und der Zwergfalk. Bon den Eulen der schon genannte hu, dann aber besonders Sperber - und Habichtseule. Als größere Jrrgäste zeigen sich noch zeitweise die große und die kleine Trappe, die Wiesenweihe, der Schwarz st orch und der Steinadler. Ein Eremplar dieser Art, das eine Flügelspannweite von 2,40 Meter hatte, wurde vor einigen Jahren bei Frischborn iBogelsberg) erlegt. Zum Schlüsse sind der Bollständigkeit wegen von kleineren Bögeln noch zu nennen Brachvogel, Rina- drossel, Grauwürger und Rotkopf- Würger. An einigen be »nders günstigen Orten finden wir noch Elster, Haselhuhn und Uferschwalbe verbreitet, während wir erfreulicherweise den nur vereinzelt vorkommenden Schwarzspecht, ferner auch die Wacholderdrossel und den Fichtenkreuzschna- b c l zunehmen sehen.
3n dem vorausgegangenen Abschnitt sind natürlich nur solche Bögel aufgezählt, die im ganzen hessischen Lande selten sind. Denn, daß es Dogeiarten gibt, die in der einen Gegend häufiger, in der anderen feltener sind, liegt in der Ratur der Landschaft.
Ein neues Kommersbuch.
Der Drei«-Masken-Derlag. Berlin N 24. plant die Herausgabe eines neuen großen Kommersbuches. Der Verlag l gt besonderen Weick auf Liebersendung neuer gehaltvoll er Liedertexte und Kompositionen, die im Falle der Drröffent-lichung honoriert werden.
Deutsche Bücher in Spanien.
Tie Deutsche Buchaus stellung in Barcelona. die vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler in Leipzig veranstaltet wird und über 6000 Bücher umfaßt, wurde am Dienstag im Historischen Palacio de la Generaltdad nach Ansprachen des Vorsitzenden des Börsen- vercins, Reeder, den Generalkonsuls von H a s s e l l u. a. durch den Gouverneur von Barcelona. General Milano del Bosch im Beisein sämtlicher Spitzen der Behörden, des österreichischen Konsuls und zahlreicher Vertreter des Geisteslebens sowie der deutschen Kolonie eröffnet. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung in den prachtvcllen Sälen des Palastes fand der Reichtum der Ausstellung und die Qualität der Bücher allgemeine Bewunderung. Daran anschließend gaben die Vertreter des Börsenvereins ein Frühstück, bei dem der deutsche Generallonlul ein Hoch aji den König von Spanien und der Generaltapitün von Eatalonien, Barrena ein Hoch auf Deutschland aus- brachten. Die gesamte Prelle widmet der Ausstellung eingehende Besprechungen.
Die Raffen-Probleme in den Vereinigten Staaten.
Bon Dr. Friedrich A. Whneken.
AuS der Staatshauptstadt Kaliforniens Sacramento wird den ..Portland Orego- niaitt' gesch i brn: „Rach 26jährtgem Plo^siiereu ist eS Kalifornien endlich gelungen, die Japaner aus seiner Landwirtschaft zu vertretben, und jetzt sieht sich der Staat der Frage gegenüber, ob seine Bemühungen nicht von allzu großem Erfolge gekrönt worden sind. Die erste Wirkung der Ausschließung der Japaner von dem Landbau in Kalifornien, den sie dort nur noch als Tagelöhner betreiben dürlcn, macht sich bereit- an vielen Orten unangenehm bemerkbar. Tausende von Japanern sind entschlossen, im Osten und in den Mittelstaaten des Landes ihr Glück al« Gemüsegärtner zu versuchen und aus Kalifornien fortzugehen, da sie dort kein Land mehr besitzen dürfen und nicht geneigt find, gegen Tagelohn zu arbeiten."
Die „Dallas Rews" bemerll hierzu: „Ohne Zweifel handelt es fich um einen Sieg der weißen Rasse in Kalifornien: aber die Tatsache bleibt bestehen, daß es in Kalifornien keine Weihen gibt, welche die Stelle der japanischen Farmer ein- nehmen formten. Tausende von weißen Farmern müssen infolgedessen nach Kalifornien gebracht werden zur Bearbeitung der verlassenen Farmen."
ES handelt sich hier uni eine letzthin getroffene Entscheidung des Bundes-Oberge'-ichts der Vereinigten Staaten zur sogenannten „Anti- Alien-Dill", die schon vor Jahren von der gesetzgebenden Körperschaft des Goldenen Staats angenommen, aber schließlich auf den langwierigen Wegen der Berufung bis vor das Bundes-Ober- aericht gelangt war. Dieses Gesetz verbietet Richtbürgern der Vereinigten Staaten, in Kalifornien Land zu kaufen, und richtet sich in erster Linie gegen die Japaner, denen das amerikanische Bürgerrecht und somit der Erwerb von Land in Kalifornien versagt ist.
Die Sachlage ändert sich aber sofort, wenn der Japaner in Amerika geboren und ausgewachsen ist. Einem solchen Mongolen steht natürlich da« amerikanische Bürgerrecht zu und damit das Recht, in Kalifornien Land zu taufen. Da nun ungefähr 400 bis 500 Japaner in Kalifornien geboren und dort ansässig sind, wird es mit der Abwanderung der Japaner aus Kalifornien nicht so gefährlich werden. Sämlliche Japaner, die kwrt jetzt Farmen besitzen, werden dieselben auf einige ihrer im Goldenen Staat wohnhaften und daS amerikanische Bürgerrecht besitzenden Landsleute Überschreiben. Auf diese Weise dürften es die schlauen Ostasiaten erreichen, daß nahezu 500 000 Acres deS reichsten Ackerlandes in ihren Händen bleiben. Man sieht, daß sogar im Westen der Vereinigten Staaten die Gesetze dazu da sind, um umgangen zu werden.
Allein die Sache hat auch eine politische Seite. Die Abneigung der Kalifomier gegen die mongolische Rasse und namentlich gegen die Japaner bildet schon fett Jahren eine schwere Sorge für die Bundesregierung in Washington und zeitweise sogar einen Zankapfel zwischen Sacramento und Washington. Sehr unverbürgten Gerüchten zufolge hatte schon der impulsive Roosevelt als Präsident einmal gedroht, die Bundesarmee gegen Kalifornien marschieren zu lassen, wenn man sich dort nicht zu einem Kompromiß mit den Japanern herbeilassen wolle. Diese wahrscheinlich aus der Lust g-ariffone Geschichte zeigte schon damals deutlich die hochgradige Rervosität Washingtons der japanischkalifornischen Frage gegenüber, — und nun taucht diese abermals auf, der japanische Botschafter in Washington hat angeblich bereits gegen die oben au'g führte gerichtliche Entscheidung eine Art Protest eingelegt.
Die Rervosität ist recht gut zu verstehen, wenn man bebenft, daß sowohl die Philippi- nen als auch die Sandw ich-J n sein fast in Schußweite von Japan liegen. Japan könnte gegebenenfalls, so folgert man, seine ganze Flotte zusammenziehen und damit einen Handstreich gegen Luzon und Hawai auszufuhren. Man glaubt zwar nicht an die Rlöglichkeit einer Landung ausreichend zahlreicher japanischer Truppen auf dem amerikanischen Kontinent, weiß aber zu gleicher Zeit nicht recht, wie der Cßanlee dem Japaner in befielt eigenen Lande beikommen könnte. So hat dieses mongolische Rassenproblem eine nationale und eine noch viel schlimmere international' oder, besser gesagt, transrazisische Seite, die zu den wundesten Punkten Uncle Sams gehört. Denn wenn der gute Herr auch noch
so sehr von seinem schließlichen Sieg über Japan überzeugt ist, so hat er doch, wenigstens gegenwärtig, noch keine Lust, sich seiner Staaten wegen in einen neuen Krieg $u stürzen.
Tas japanische ist 1 ebenfalls das allerbedenl- lichste Rassenprovlem der Vereinigten Staaten, denn ihrer Reger wegen droht ihnen von Atrila aus keinerlei Kriegsgefahr. Hingegen wird das Regerproblem Amerikas namentlich auch in Deutschland vielfach stark überschätzt. Obwohl es den Weihen in Amerika in einigen Großstädten manchmal buchstäblich schwarz vor den Augen wird, sind die Reger in den Vereinigten Staaten den Kaukasiern gegenüber derart in der Minderzahl, daß von einer Vergewaltigung der weihen Raffe durch die Airo-Amerckaner garnicht die Rede sein kann.
Dennoch ist für die Vereinigten Staaten der amerikanische Reger ein Problem, das man tn Europa selten ganz versteht. Gleich nach meiner Rückkehr aus Amerika hatte ich Gelegenheit, in
Eltern halten konnte. DaS Paar hatte zwei Töchter, von denen die ältere gänzlich weih auSsah. Wer aber die zweite Tochter näher an- blickte, wuhte auch, warum der betreffende Herr nicht in Boston wohnte. Er hatte sich in Oku- englanb gesettschastlich unmöglich gemacht, weil er eine Gattin besah, die Regerblut in sich hatte. Diese Tatsache war der Mutter zwar gar nicht anzusehen, trat aber bei der zweiten Tochter recht deutlich zutage. Daher also die Selbstver- bannung des Herrn aus Boston nach Kalifornien, wo man ihn nicht kannte, und wo überdies der geringen Regerbevölkerung wegen weniger 'Verurteile gegen Schwarze herrschen, als in anderen Teilen der Vereinigten Staaten. In Kalifornien werden nämlich die Reger durch Japaner und Chinesen verdrängt, — und hier ist besonders derjenige einfach deklassiert, der sich mit Japanern oder Chinesen auf gleichen Fuß stellt und wer mit ihnen eheliche Beziehungen eingeht.
Diese Farbenlinie wird namentlich in den
Die selbständige Einwohnerschaft Gießens
wird gebeten, die Ausnahmearbeiten zur Erzielung eines genauen Aachschlagewerls durch sofortigen und sorgfältigen Eintrag in die Sausliflen und durch deren unverzügliche Weitergabe an die anderen Hausbewohner zu unterstützen. Sie Adreßbuch-Haus^ listen werden von den tievierpoltzeibeamten während der nächsten Tage eingesammelt und nachgeprüst.
Verlag des Adreßbuches der Stadt Gießen.
einem Berliner Kabarett eine Sängerin ein Lied vortragen zu hören, das von ihrem „lieben, kleinen Regerlein" Hand lte. In Amerika wäre die Dame mit einer solchen Künstlestung bei ihrem Publikum auf ben schärfsten Protest ober doch wenigstens auf eisiges Schweig rn gestoßen. Erst vor kurzer Zeit fiel mir in einer kleinen Stadt Mitteldeutschlands ein Mädchen von etwa 14 Jahren auf, das augenscheinlich Regerblul in sich hatte. Es sah aus wie eine echte Mulattin, deren ich so viele Tausende in Amerika gesehen hatte.
„Armes Kind." dachte ich. „in Amerika wür- dest du dich in keinerlei Gesellschaft von Weihen befinden, — oder doch nur, um ihnen Aufwartung zu machen. Rur wer Amerika keimt und dort gelebt hat, wird eine solche Haltung der Amerikaner den Regem gegenüber verstehen und billigen. Unter der Annahme, daß in Deutschland vielleicht int ganzen hundert Afrikaner leben, versteht man es leicht, daß wir Deutschen nur geringe Vorurteile gegen die Reger haben, in Amerika jedoch, mit seinen Millionen von Schwarzen, handelt es sich um eine Lebensfrage, um den Selbsterhaltungstrieb der weihen Bewohner.
Man stelle sich die Mischraste vor, die in Amerika entstehen würde, trtnn die Reger mit den Weißen gl iijgeftelt und Heiraten zwi- scheu Weißen und OLgern gestattet würden. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dih aus solchen Verbindungen minderw.r.ige Geschöpfe hervor- aehen, und diese Geschöpfe sehen immer wie Reger aus. Ich habe in Amerika, allerdings nur selten und hin un> wieder, blonde Männer mit weiher Gesichtsfarbe gesehen, die aber trotz» dem Reger waren. Das sah man ihnen auf den ersten Blick an. Das Regerblut behält auch immer wieder die Oberhand, und so kann es einer anscheinend gänzlich weihen Frau pas ieren, daß ihr aus der Ehe mit einem unzweifelhaft weihen Mann kohlschwarze Kinder geboren werden.
In einer kleinen Stadt in der Rähe von San Francisco kannte ich einen Herrn von echt neuenglischer Abstammung aus Boston. Der Betreffende lebte als Rentier dort, anscheinend in sehr guten Verhältnissen. Vermahlt war der Mann mit einer Dame, die man ihres dunklen Haares und einigermaßen bräunlichen Gesichts- sarbe wegen für eine Tochter südeurvpäifcher
Südstaaten auf das strengste durchgeführt. Dort, wo der Reger früher Sllave war, fährt er heute noch nicht mit dem Weihen in demselben Wagen der Eisen- oder Straßenbahnen. In dem ganzen Gebiet der Vereinigten Staaten aber darf kein Farbiger ein Restaurant betreten, in dem Weiße verkehren: kein weißer Barbier würde es wagen, einen Reger zu rasieren, wenn er nicht seine gesamte weihe Kundschaft los werden wollte. Dagegen findet man selbst in feinen Restaurants und Darbierläden Reger als Kellner und Hausknechte, und die Zugbediensteten und Kellner in den Speise- und Schlafwagen der amerikanischen Züge sind fast durchweg Schwarze, die Schaffner und Lokomotivführer aber immer Weiße. Im Theater darf der Reger nur auf der Galerie Platz nehmen: man nennt diese deshalb gern den Regerhimmel.
In Detroit passierte vor Jahren folgende Geschichte: Ein Dollblutneger, der Rechtsanwalt war, hatte sich vorgenommen, einen Präzedenz- frll zu schaffen. Er besuchte eines der fein ft en Restaurant der Stadt, dessen Besitzer zufällig ein Deutscher war. Der letztere schickte sofort einen Kellner zu dem schwarzen Besucher, der ihm in höflichster Form mitteilte, dah ihm am Ort nicht serviert werden würde. Der Reger verließ das Lokal und verllagte den Wirt. Damit war die Angelegenheit erledigt, d. h. sie ruht heule noch unentschieden unter den ganz und gar verstaubten Akten des betreffenden Gerichts, und der farbige Advokat, wenn er noch am Leben ist, geht wieder in Restaurants, wo nur seinen Rassegenossen serviert wird, die natürlich auch kein Weiher betritt.
Reinliche Scheidung und Einhaltung der Farbenlinie, — oder Untergang der weißen R a ssel Hier trifft der Amerikaner, übrigens nach englischem Vorbild, durchaus das Richtige, und irgend eine andere Auffassung der Angelegenheit würde für ihn und schließlich für uns Weihe alle den Selbstmord bedeuten. Damit ist nun nicht etwa gesagt, dah die Schwarzen oder anders farbige Menschen tn Amerika in der Regel ober durchweg schlecht behandelt werden. Dies ist feiten der Fall. Vereinzelt vorkommende Lynch-Gerichte in den Südstaaten find bei weitem nicht fo bezeichnend für die Sachlage, wie man in Europa anzun-hmen pflegt. — Aber, wie gesagt, reinliche Scheidung!
Ganz unb gar kein Rallenproblem gibt der Indianer dem Dankee auf. Denn diese Ralle ist im AuSsterben begriffen. Von Lona Island sind die MontaukS bereits verschwunden. Im Jahre 1550 gab es 20 030 Huronen, 1850 nur noch 12 000. jetzt 800. Die Mo,ave-Jndianer zählen heute 1000 Clamnuemitgheber. von 63 Jahren waren es ihrer noch 4030. Die 150 000 kalifornischen Indianer vom Anfang des 19. Jahrhunderts schmolzen bis zur Geg-nwart auf etwa 15 000 zusammen, und ähnlich ging eS den zahlreichen anderen Stämmen auch. Es ist dem Weihen in Amerika gelungen, die roten Menschen im Verlaus von wenigen Jahrhunderten einfach attszurotten.
provinzialausschuWzung am 24. Januar.
(£tue wichtige Entscheidung für die Landwirte iin Streife (tz.etzen.
Der Prvvinzialausschuß beschäftigte fich am Samstag u. a. mit der folgenden bedeutsamen DerwaltungSstreitsache:
Berufung des Vorsitzenden deS KrciSaut- schusscs des KreiseS Gießer, gegen da- Urteil des Kreisausschusses deS Kreises Gießen vom 11. Oktober 1924 i.S. KlagederStadt Sich gegen das Kreisamt Gießen auf Aufhebung der Verfügung des Kreisamts (Sieben vom 16. Juni 1924. bclr. die Richtgenehmigung der Anschaffung eines jr iefcnbullcn durch die Stadt Lich.
Der Gemeinderat zu Lich hatte am 22. Zebr. 1923 beschlossen, den in der Gemeinde bisher neben dem Bullen der Simmentaler Ralle gehaltenen Vogelsberger Bullen abzuschaffen und in Zukunft nur noch drei Bullen der Simmentaler Rasse zu halten. Das Kreisamt Gießen hatte dielen Gemeinderatsbeschluh auf Grund de« Artikels 4 des Gesetzes vom 20. August 1920, daS Faselwesen betr. nicht genehmigt. Die Körkom- mission hat danach auf Grund ihrer Feststellungen vom 30. Dai 1924 dem KreiSamt Gießen mitgeteilt, daß die Gemeinde Lich einen rotbunten ostfriesischen Butten angeschafft und in Dienst gestellt habe, ohne den Art. 4 deS Zasel- gesehes zu beachten, wonach ein Wechsel In der einmal sestgesehten Zuchtrichtung nur aus züchterischen oder wirtschaftlichen Gründen und nur mit Genehmigung des KreisamteS zulässig ist. Das Kreisamt Gießen hat am 16. Juni 1924 der Gemeinde Lich die Genehmigung zur Verwendung dieses Butten versagt. Gegen diesen Bescheid verfolgte der Gemeinderat in Lich im Derwaltungsstreckverf ähren Klage bei dem Kreisausschuß des '.reifes Gießen, mit dein Antrag, die kreisamtliche Verfüaung aufzuheben und die Genehmigung zur Aenberung in der Zuchtrichtung zu erteilen. Der KreisauSfchuh hat auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 11.01t. 1924 der Klage der Gemeinde Lich stattgegeben und unter Aufhebung der Verfügung des Kreis- amts Gießen vom 16. Juni 1924 der Gemeinde Lich gestattet, neben der Simmentaler Zuchtrich- tung die des rvtfcheckigen RiederungSvieheS ein» zuführen. Gegen dieses Urteil verfolgte der Vorsitzende des Kreisausschusses von Amts wegen im öffentlichen Interesse Berufung an den Pro- vinzialauslchuh mit dem Antrag, daS angefochtene Urteil deS KreiSauSlchusses aufzuheben und der Gemeinde Lich die Aufstellung eines Friesen- butten zu Zuchtzwecken zu unterlagen.
In der heutigen mündlichen Verhandlung wurden der General'ekretär des Landwirtschaftskamme.ausschusscs Oekonomierat Dr. Wagner, der Vorstand des Kreisveterinäramtes Gießen, Kreisveterinärrat Professor Dr. Kn eil und außerdem Universitätsprofessor Dr. Krämer. Gießen, als Sachverständige gehört. Die Sachverständigen sprahen sich übereinstimmend dahin aus, dah die Züchtung von schwarzbuntem oder schwarzrotem Riederungsvieh für kleinbäuerliche Verhältnisse ein unverzeihlicher, nie wieder gutzumachender Fehler fei. Alles, was durch die Einführung des KörgeseheS in den letzten Jahren Gutes und Ersprießliches auf dem Gebiete der Viehzucht in Hessen erreicht worden fei, gehe wieder verloren. Das Riede- rungsvieh sei zunächst ganz einseitig auf hohe Milchleistung gezüchtet. Dte Weideverhältnisse feien in Lich für kleinbäuerliche Betriebe gav nicht vorhanden. Das Riederungsvieh bleibe überwiegend in den Ställen, was dieses Vieh nicht vertragen könne, und es würden die Viehseuchen auf diese Weife nur gefördert. Auch das Klima und die Futterverhältnifse seien in Lich für das Riederungsvieh nicht so geeignet, wie in der Warschgegend. Das Riederungsvieh sei auch
Wanderungen durch die hessische Dogelwelt.
Seltene Vögel in Hessen.
Don Karl Rudolf Fischer, Laubach.
Durch die Entwicklung der deutschen Kultur» sanbfchafl hat die Vogelwelt unserer Heimat ein Gepräge erhalten, das für die gesamte Tierwelt des von Menschen bebauten Landes bezeichnend ist: Wir finden überall eine große Artenarmut, über die uns ein Reichtum an einzelnen Individuen hinwegtäuscht. Gerade in der Dogelwelt mit ihrem großen Reichtum an einzelnen Arten macht fich die Abnahme derselben am meisten bemerkbar, denn vtele Dogelarten find durch veränderte Lebensweise in erschreckendem Maße an Zahl zurückgegangen, andere konnten sich nicht mehr halten, weil ihre Lebensbedingungen vernichtet wurden: sie mußten auswandern, und führen nur hic und da noch im Verborgenen als ..Naturdenkmäler" ein verstecktes Leben, das aber auch nur so lange dauern wird, bis diese Stätte oder der Vogel leibst der Kultur zum Opfer gefallen ist, und die betreifende Vogelart in dieser Gegend ausstirbt. Hierfür haben wir Beweise genug. So ist der äl h u in den deutschen Mittelgebirgen zugrunde gegangen, auf diese Weise ist der Kolkrabe ausgestorben. Das letzte Paar dieser Art in Oberhessen nistete noch vor etwa drei Jahrzehnten in einem südwestlichen Ausläufer des Vogelsbergs und fiel auf einem feiner Streiszügc nach den Feldern des Klosters Arnsburg aufgelegtem Gift zum Opfer. Der W a 1 d - storch ist schon lange ausgewandert, sein Detter Hausstorch ist auf dem besten Wege dazu. Auch der Fischreiher steht auf den; Aus
sterbeetat. und die Tage seiner Brutkolonien iMain-Rheingebiet, ferner die Dorberge des Spessarts und die ausgedehnten Waldungen am großen See bei Gedern im Dogelsberg) werden gezählt fein. Ein recht seltener Dogel ist der Wiedehopf, der wegen feiner nicht gerade sauberen Kinderstube den Ramen „Stinkvogel" bei dem hessischen Landvolk erhalten hat. Er ist einer unserer schönsten Dögel. Auf dem Kopfe trägt er einen bunten Federsächer, den er auf» und zuklappen kann. Sem fröhliches „Hup. Hup", das er zur Zeit des ersten Kuckucksrufes erklingen läßt, ist einer der angenehmsten Raturlaute im großen Frühlingskonzert. Er besiedelt am liebsten Hutweiden, Triften und Wielen, auf denen sich Weidenstümpfe oder hohle Obstbäume zur Brut- gelegcnbcü befinden. Da die Kulturlandschaft diese nicht duldet, ist sein Schicksal besiegelt. Dort, wo er noch vereinzelt verkommt, sollte man ihn als Raturdenkmal schonen. Auch der Kiebitz, der früher in allen hessischen Riederungen regelmäßiger Brutvogel war, verdient diesen Schutz. Besonders aber sollte man das Sammeln von Kiebitzeiern verbieten, das um die Zeit einletzt, in der unser „eiserner Kanzler" sein Wiegenfest feierte. Don größeren Insektenfressern ist noch der Pirol zu nennen, dessen vrachtvoll-melo- disches „Gidleo" oder auch „Bülow" an unser Ohr tönt, wenn bunte Blumen die Moosteppiche durchsticken, und die R a ch t s ch w a l b c , bic, im Dolksmund den Ramen „Ziegenmelker" erkalten hat. Don kleineren bekannten Bögelchen kommt vor allen Dingen die Sängerkönigin Rachtigatt in Betracht, deren größter Feind die Hauskatze ist (Erdbrüter!), und das farbenprächtigste der kleinen Singvögel, das Blaukehlchen. Der einzige, mir in Hessen bekannt gewordene Brutplatz befindet sich im Lumdatal (t>gL „Mitteilungen über die Dogelwelt" 1923, Heft 1, Seite 86).


