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Nr. 97 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten)

Montag, 27. April 1025

Steuergesetzgebung und Wohnungsfrage.

Bon yUflierungsrat Dr. 9ti n bf u 6 , dnebbctg.

Wir fleben bereu» mitten im ÜLprd, bte Sau- fmfon fj-n begonnen, ein rciuabkr Wohnungsbau tfi bei Dem «umb un|eres (ßelbmartlcs, den Sau. ftaffprcijen und der allgemeinen wirifchaftluhen Lage nach wie oor unmöglich, ober noch immer fehlen hie gesetzlichen Grundlagen für die Gewährung von öffentlichen 'Saudarlehen, noch immer hat die Reichsregierung fein Bauprogramm für 1 9 2 5 oorgelegl Wohl find Städte und auch klei­nere Gemein wole u in die Bresche gesprun­gen und haben Sapiialien ausgenommen, um sie mit verbilligtem Zinsfuß als Baugeld weiterzu­geben, inwieweit aber die Zinsausfälle und die Kapitalien selbst durch eine besondere Steuer für den Wohnungsbau gedeckt werden sollen, ist noch heute ungewiß. 3m vergangenen Jahre waren bekanntlich nad) der 3. Steuernoloerordnung min­destens 10 o. f). der auf dem . Geldentwertung^- ausglcich bei bebautem Grundbesitz" beruhenden Steuer, der preußischenMietzinssteuer ' und der hessischen ..oonberfteuer vom bebauten Grundbe­sitz" für den Wohnungsbau zu verwenden. Wie aus der Denkschrift ,um Entwurf des hessischen Staatsvoranschlags für 1925 hervorgeht, hat Hes - sen aus dem für 1921 veranschlagten 'Aufkommen für die Sondergebäudesteuer von LOS Millionen Mark nicht nur die zuerst vorgesehenen !>' o. <). gleich 1080 000 Mk. sondern weitere 700 000 Mk. für diesen Zweck, zusammen also 1 780000 Mk., zur Verfügung gestellt. Auch die G e in e i n b c n und Kreise waren gehalten, mindestens 10 v. f). des Ertrags der von ihnen erhobenenSonder- fteucr" für den Wohnungsbau zu verwenden. Wenn man bebenh. daß manche Kommune, insbesondere größere Städte, bei gleichem Steuersatz wie der Staat, einen höheren Hundertsatz des Steuerer- trags für den Wohnungsbau ausfcheiden konnten und wenn man den Kreissteueranteil hin,zurechnet, andererseits berücksichtigt, daß eine Reihe von Land­gemeinden eine» geringeren Steuersatz ab der Staat erhoben haben, so kann man wohl an nehmen, daß die Kommunen insgesamt etwa den gleichen Betrag wie der Staat für den Wohnungsbau bereiiftelicn konnten. |o daß in Hetzen im Jahre 192-4 rund 1 jMillionen Mark ans öffentlichen Mitteln für den Wohnungsbau verwendet worden find. Hiervon wurden etwa 1700 Wohnungen mit durchschnittlich ,e 2000 Mk. zu geringem Zinsfuß hypothekarisch belieben; in den Landgemeinden waren die Darlehen im allgemeinen niedriger, in den Stödten höher.

Die auf der 3. Steuernotverordnung beruhende hessische Verordnung über die Erhebung einer Sonder st euer o o in bebauten Grund­besitz gilt nur für das Rechnungsjahr 1924 und ist auch bis jetzt noch nicht erneuert Dies wohl deshalb nicht, weil die 3. «teucmotDcrorbnung dem rwchft durch die zu erwartenden Aufwertungs- und Mnanzausgleichsgesetze aufgehoben werden wird. Was die Aufwertung anlangt, so dürste der Reichstag in grundsätzlicher Beziehung an den ihm hierzu von der Reichsregierung oorgelegten Ent­würfen nichts Wesentliches ändern, so daß man etwa voraussehen kann, wie in dieser Richtung der Finanzausgleich beim bebauten Grundbesitz beein­fluß! werden wird. Wie sich dagegen der Jinan z- n u sgleich zwischen Reich und Ländern selbst gestalten wird, ist heute noch schwer vorauszusehen, da 'm dieser Richtung die Meinungen der Reichs- legienmg und der Landerregierungen noch zu weit auseinandergehen. Die Frage aber, inwieweit die Steuer aus dem Geldentwertungsausgleich beim be­bauten Grundbesitz für den Wohnungsbau verfügbar fein wird, hängt eben sehr eng mit diesem Finanz- ausgleick) zusammen. Rach dem Vorschlag des Reichssinanzministers sollten bekannllich den Län­dern mit Beginn des Steuerjahrs 1925 20 Proz. weniger vom Ertrag der Einkommensteuer über­wiesen werden. Um den Ausfall zu decken, sollten die Länder unter anderem den Ertrag der Steuer aus dem Geldentwertungsausgleich vom bebauten Grundbesitz in höherem Umfange als seither für den allgemeinen Finanzbedarf heran­ziehen. Und um dies zu ermöglichen, wollte der Reichsfinanzminister reichsgesetzlich festgelegt wis- sen, daß nicht mehr als 10 Proz. der Friedens- miete aus dem Ertrag der genannten Steuer für den Wohnungsbau herangezogen werden dürften. Dieser Borichlag ist allerdings sowohl im Reichsrat als auch bei den Parteien des Reichstags von Deutschnationalen bis Sozialdemokraten allgemeinem Widerspruch begegnet. Der vorläufige Reichswirt- ld)aftsrat Hal sich dahin ausgesprochen, daß eine Hauszinssteuer in Höhe von 20 Proz. der Friedens- Miete allein für den Wohnungsbau er­hoben werden soll. Der Wohnungsausichuß des Reichstags und die Handelskammern haocn einen ähnlichen Standpunkt eingenommen. Dabei geht man allgemein davon ckus, daß die Heranziehung des Geldentwcrtungsausgleichs bei bebautem Grundbe­sitz als Steuerguelle nach Hatje der Dinge nicht zu entbehren, daß aber die Form der Hauszins- jicuer als unsoziale und ungerechte Kopfsteuer unter allen Umständen zu verwerfen sei. Bis zu 20 Proz. der ^riebenerntete für den Wohnungsbau allein erhoben, hält man sie hier wohl für untragbar, aber für den allgemeinen Fmanzbedars und in größerem Umfang wird diese Art der «teuerer- Hebung in Theorie unb Praxis nut Recht Taft ein­stimmig verworfen. Den ersten praktischen Borschlaa, den Geldentwertungsausgleich _beim bebauten Grundbesitz durch eine gerechtere «teuerart, nämlich eineSteuer vom reinen Bodenwert" zu ersetzen, macht Oberrcgterungsral Hoppe, der Referent sur Wohnungswesen im sächsischen Wohlfahrtsministe­rium, im zweiten Märzhesi der Zeitschrift für Kom­munalwirtschaft. Wir werden bei anderer Gelegen­heit auf diese bemerkenswerte Arbeit zurückkomnten.

WolchenEinfluß wird nun die Ent­wicklung der behandelten Steu e r f r a-

fl< o auf unsere Wohnungswirtschaft haben?

Die Miete betrug ui Hessen bekanntlich bis zum Marz 45 Proz. der Frieden.miete. Was an Son. derfteuer vom bebauten Grundbesitz an otoai. Hreis unb Gemeind« zu zahlen war. belief sich m-^esamt auf etwa 25 Proz. der ^riebensmieie (teilweise etwas weniger>, so daß der Mieter mit cttui 70 Proz. der 9riebensmieie beichtet wai. Jur April hat man die Sonüersteuer in die Miete emgcrech. net und diese insgesamt auf 80 Proz. festgesetzt. Der Zuschlag von 10 Proz war habet für c ne Zprozcntige Verzinsung des auf 20 Proz. aufzu- wertenden Gesamtkapnols (Eigenkapital unb Hgou- cheken> berechnet. Wenn «edoch die im Entwun bc? Aufwerwngsgesetzes vorgesehene Aufwertung auf 2o Proz. und kne 4prozenNge Verzinsung vom 1. April d Js. ab Gesetz wird, werden rund 20 Proz. der Friedensmiele hierfür erforderlich sein, io daß auch ohne Erhöhung der oonberfteuer die Miete auf 90 Proz. fest,zusetzen fein wird. Die Gesamtsumme von 31 Millionen Mark, die im vergangenen Iah: in Hetzen aus dem Ertrag der Sondersteuer von Staat und Kommunen für den Wohnungsbau zur Per- fügung gestellt worden ist, beträgt etwa 23 Proz. der Friedensmiete. Der Rest von 2223 Proz. wurde für den allgemeinen Finanzbedarf ver- wendet. Hieraus ist ersichtlich, w>e sich die oben er- wähnten Vorschläge für den Wohnungsbau aus. wirken. Wenn die Reichsregierung mit ihrer Ab­sicht durchdringt, die Wohnbausteuer reichsgesetzlich nach oben aus höchstens 10 Proz. der Friedens- miete zu beschränken, so würde in Hessen jährlich höchstens der 4sache Betrag wie im vergangenen Jahr, also etwa 14 Millionen, aus Steuermitteln für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen, werden aen die Vorschläge des oorläufigen Reichswirt- »rats und des Wohnungsausschusfes des Reichstags zum Gesetz erhoben, 20 Proz. der Frie- öcnsmicte zu erheben, dann würde es sich um den «fachen Betrag, also um etwa 28 Millionen Mark handeln.

Womit wird nun für das laufende «teuer- und Baujahr 1925 zu rechnen sein?

Da über die grundlegenden Steuerfragen noch keine Einigung erzielt ist, soll dec Finanzaus­gleich zwischen Reich unb Ländern, der bekannt­lich am 31. März 1925 abgelaufen ist, um ein halbes Jahr verlängert werden. Der Entwurf des hessischen Staatsvoranschlags für 1925 Hai zu­nächst die gleiche Summe für den Wohnungsbau vorgesehen, wie im vergangenen Jahr. 3n der dem Voranschlag bcigegebenen Denkschrift heißt es: Möglicherweise werden sich aus den Mehrein­nahmen, die durch die voraussichtliche Erhöhung der Mieten einschließlich der Sonderyebäudc-(Miet)- steuer in der Richtung auf den Fnedensstand für öffentliche Zwecke zu erwarten sind, größere Mit­tel auch für die Förderung des Wohmingsbaiis ge­winnen taffen."

Daß ein grundsätzlicher Umbau der Mietzins- odcr «onberfteuer, etwa im Sinne des oben er­wähnten Hoppefchen Vorschlags, noch im Laufe des «teuerjahres 1925 erfolgen wird, ist kaum anzu- nehmen, ebensowenig, daß das Land Hessen und die Kommunen mit einem geringeren Anteil aus der Sondersteuer als im vergangenen Jahr für all­gemeine Ausgaben auskommen würden. Wenn der Aufwcrtungsentwurf zum Gesetz erfolgen wird, wird also, wie wir oben nachgewiesen haben, eine minde­stens OOprozentige Miete nötig sein, um den der­zeitigen Zustand aufrecht zu erhalten. Soll also für den Wohnungsbau mehr- erübrigt werden als im vergangenen Jahr, dann wären die Mieten als­bald über 90 Proz. der Friedensmiete zu er höhen. Rach dem seitherigen Tempo der Miet­erhöhungen durfte dies mangels einer reichsgesetz­lichen Regelung oor dem 1. Oktober nicht zu er­warten sein. Wenn vorn 1. Oktober an die volle Friedcnsmietc cingesührt und die 10 Proz. über 90 Proz. allein denWohnungsbau zugeführt würden, dann stünden für die zweite Hälfte des Steucrjahrcs 2 plus 10 gleich 12 Proz. der Frie­densmiete, nach obigen Berechnungen also etwa der 6fachc. für das ganze Sleuerjahr 1925 olfa der dreifache Betrog wie im vorigen Jahre zur Ver­fügung.

Die vorhergehenden Ausführungen hatten den Zweck, unter besonderer Berücksichtigung Hessens, über den derzeitigen Stand der Dinge zu unter­richten. Wie ich grundsätzlich zu den angeschnittenen Fragen stehe, habe ich an Hand statistischer Unter­lagen aus der Bevölkerungsbewegung und dem Wohnungswesen eingehend in meinem Aussatzhie Wohnungsfrage" im 1. Morgcnblatt der Frank­furter Zeitung vorn 31. Januar und 1. Februar aus cinandcrgefetzf). Hier sollen nur folgende Grund- tatsachen wiederholt werdender einwandfrei feftgc- slellte dringende Rotbedarf in Deutschland von einer Million Wohnungen tann nur durch Neubauten gedeckt werden. Hierzu wer­den neben Deckung des hinzutretendcn Bedarfs etwa 5 Jahre erforderlich fein, denn aus finon- zicllen, währungs- und bauwirtfchaftlichen Gründen (Baustoffen, Bauhandwerker!) wird es kaum wüg- Irch fein, die jährliche Wvhnungsproduktion der 'Vor kriegszen, die im verkleinerten Deutschland etwa 200 000 -betrug, wesentlich zu überschreiten. Aber auch in diesem Rahmen wird sich die Finanzierung im freien Spiel der Strafte allein nicht ermöglichen lassen, da nach den volkswirtschaft­lichen Erfahrungen der Vorkriegszeit über die Ka- pitalbewcgung bei der jetzigen «apitalarmut auf allen 'Wirtschaftgebicten bei völlig freiem Kräfte- spiel der Wohnungswirtschaft mit ihrer geringen Rente und «icherheit nicht dos erforderliche Kapi­tal zufließen würde. Dies wäre selbst dann nicht der Fall, wenn man die Verzinsung des investier- ton Kapitals durch Zinszuschüsse aus dem Ertrag

*) Interessenten stehen Sonderabdrucke gerne zur Verfügung. Wer sich noch ei ng ehelich er unter­richten will, dem sei die ausgezeichnete «chrift von Hoppe:Die Finanzierung des Wohnungsbaus und die Wohnungswirtschost der Zukunft", L Aust, Earl Heymann Verlag. Berlin 1924, empfohlen.________

der IXietzivsjteuer oder bei Meldung n glichen staatlichen Eingriffs mit den drei- bte vierfachen Mietzins der 'torkneg-zttt ermöglichen konnte. Mieten ron solcher Höhe, mebelontw-re aber bte Löhne und Gehälter, bte sie ermöglichen wurden, lonnnen von unfern Wirtschaft, wenn fie auf dein Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben und keine neue Inflation erleben will, nicht getragen werden Auch bei Aufnahmen von Auslandkapital wurden. trotz niedrigerem Zinsfuß als im Inland, die für bte Verzinsung notwendigen Mitten noch z i, hart) sein. Unabhängig davon kommt aber auch Aus- lanbtapital für den Wohnungsbau deshalb nicht in Frage, weit die Reichsregternng im Jntereße un­terer Zahlungsbilanz aus wohlerwogenen Grün­den Auslandeanleihen nur für im engsten Sinne des Wortes werbende Anlagen genehmigt. Unbefchadct allmähliger Lockerungen kann bic Woh- nungsnotgefetzgebung ohne schwere loziale Erschütte ringen nicht eher vollstanbig beteiligt werben, als bis nach Errichtung des dringenden Rotbedarfs An­gebot und Nachfrage sich wieder einigermaßen tue Wage halten

In dem oben erwähnten Auuatz hatte ich nach­gewiesen. daß eine Mietzinssteuer von 3U Proz der Friedensmiete etwa ein Kapital non 1500 000 000 Mk. für den Wohnungsbau ergeben wurde, womit rund 200000 Wohnungen mit je 7500 Mk. beliehen werden könnten. Bei «twr 20» pro zenttgcn Steuer wäre eine Beleihung o.rselben Zahl mit durchschnittlich je 5000 Mk. möglich. Rech­net man je Wohnung durchschnittlich 10 OOO Mk.

ib. in. in . auf b.-iu : Ü1 nifler), so könnten die Neubauten nur in der nilben Höhe mit Staatsdarlehu belieben werden, während der gleiche Betrag auf dem freien Kapitalmarkt auf- gebracht werde mußten. Einmal dürfte dies Kapital kaum zu beschaffen sein, aber auch hie Zmsenlast dürfte bann für eine Kleinwohnung bei 1012 Proz. Zinsen von 5000 Mk. und 2 Proz. Zinsen für das Staatsdarlehn (neben der Tilgung) immer noch zu hoch sein. Es kann sich hier nur uni >che- lnatische Durchschnittsb e re chnungen Han- dein, in ländlichen Verhältnissen liegen bte Dinge viel günstiger. Es tain mir nur daraus an, zu zeigen, daß eine Mietzinssteuer uon 20 Proz. ocr Friedensmiete jedenfalls noch nicht a u s r e i ch l. um den fünften Teil des dringenden Notb'oarfs an Wohnungen, nämlich die Vorkriegserzeugung uon. 20'> 000Wohiningen jährlich, ausreichend zubeleihen. Auf eine Wohnungsproduktton in diesem Mindest- umfang müssen aber meines Erachtens alle In­stanzen unbedingt hinarbeiten.

Das Ziel des deutschen Wohnung rdaupiv- gramrns, das im Laufe dieses Jahres von Rcichs- rcgicrung unb Reichstag erwartet werben muß, muß sein: Deckung bes Notbebarfs an Woh­nungen innerhalb 5 Jahren, während dieser Zeit allmählige Angleichung der M i e - ten in '2111 - unb NeuWohnungen, An­gleichung ber Löhne und Gehälter nn diese Mieten und allmählicher Abbau ber W o h - nungsnotg.csetzgebung. Ein schnelle­res Vorgehen ist nach vorstehenden Ausfühcungeii, zuni mindesten unter der Herrschaft des Vertrages von Versailles und des Londoner 'Abkommens, für die deutsche Wirtschaft untragbar unb deshalb leider nicht möglich. Auf der anderen Seite wird es aber auch unter allen nur denkbaren Gesichtspunkten nicht tragbar fein, die Wohnungswirtschost unter einer A us n a h m e g e s e tz g e b u n g länger aus dem normalen Wirtschaftsleben auszuschalten.

Der Völker Vergehen und Werden.

Don Studienrat Dr. D r ü g g c m a n n, Hannover.

Es ist eine sehr ernste Schrift, die Prof. Thomsen von der Universität Munster _ unter diesem Titel hcrauSgehen läßt- tDoigtläiibers Verlag) als eine Mahnung nn alle Politiker. Gesetzgeber, Volkswirte in zwölfter Stunde. Hier werden die Folgen des in der Presse so oft er­örterten Geburtenrückganges mit rücksichtsloser OftenheU tlargclegl. Thomsen führt uns zuerst in das Altertum und zeigt uns, wie fast alle uns aus dem Altertum bekannten Kulturvölker, vor allem die Griechen und Römer, verschwanden durch Geburtenrückgang nnd Vermischung der Dollsreste mit fremden Einwanderern. Das römische Vlut ging in dem Dölkergemisch.das in Rom zusammenströmke, restlos unter, da es selbst keine Nachkommenschaft mehr erzeugte. Unb in das aus gleichem Grunde entvölkerte Griechen­land wanderten im Mittelalter Slawen ein. Für wen so fragt Thomsen schafften mm die Alten ihre gewaltigen Kulturwerke? Sic selbst starben weg. ^Barbaren" traten das Erbe an. Aehnliche Fragen kann man heute in politischer Hursicht stellen, für wen wurde mit Strömen von Vlut die französische Vormacht geschaffen? Für wen errangen die Bankees die Führung in ber Welt? Veibe Völker find im raschen Aus- fterben begriffen. 3n Frankreich nriiffcn schon jährlich 200 000 sremdsiämmige Arbeiter ein» wo abern. um die Wirtschaft aufrechtzuerhalten, unb trotzdem sind schon weite Landstrecken un­bebaut. Die Geburtenraie der Vankees (9kach- Eomin^n der Alteinwanderer Nordamerikas) ist so schlecht, daß man in 45 Häusern einer reichen Reuyorker Straße mir 17 Kinder gezählt hat

Deutschland hat keinen Grund, über diesen Untergang feiner vormaligen Feinde zu trium­phieren. Cs ist an dem Geburiensturz Europas in vorderster Lutte beteiligt. Wie man Griechen- (anb im Mittelalter wegen ber cintoanbernbeir SlawenSlavia" nannte, so wird man vielleicht einmal DeutschlanbPokonia" nennen. Alle Völ­ker Europas sind nach Thomsens Ausstihrungen beni Ausst erben verfallen, bas Erbe wird nach den Slawen bcrelnft ben Chinesen zufallen, hie­rin biologisches Elitevvlk noch nichts non Geburtenrückgang wissen. 3n zwölfter ctunbe, Politiker. Gesetzgeber und Volkswirte, tritt hier die Mahnung an euch heran Treibt Dcvölke-

MetzM her sm Gieses 1925

Das

Vereinsverzeichnis

liegt vom Samstag, 25. April an, drei Tage lang zu jedermanns Einsichtnahme offen.

Wir bitten dringend um Nachprüfung auf Nichtigkeit und Vollständigkeit der Einträge und um Einzeichnung etwa en forderlicher Aenderungen und Ergänzungen

SMöslssM ÖE6 MkbMmliM Schulstrafte 7

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rungSPolitik' Aach welchem Gesichtspunkte soll sich eine solch- ridxtcn? Um den Bestand cineS Volkes zu erhalten, bedarf es eines Durch­schnitts von 3,6 Kindern in ber Ehe. Aber neben ber absolut, n Zahl ist bte Verteilung wichtig Eine an Zahl geringe Volksschicht, die lindene.ch ist und mit ihren Aachkomnien kinderreich bleibt, vermag allein das Volk zu erhallen, zu ver­mehren, ja rin aussterbendes wieder neu aus­zubauen. während ber kinderarme Teil artest irbt. Daher gilt es. ben kind i rerchen Teil eines ge­fährdeten Volkes forgfälrig zu schützen und bevorzugen. Die Richtigkeit dieser These ist den europäischen Kulturvöllern weittzin bekannt. 3n vielen Ländern strebt die Gesetzgebung bictem Ziele nach. Deutschlanb ilt auf diesem Gebiet noch verhältnismäßig rüdftänbig mit einer Steuerbegünstigung ist bic Sache natürlich nicht abgetan. Besondere Beachtung verdient noch das überwiegend schnelle AuSsteiben der VüdungS- fchichi. bas dieEntebelung" cineS Volkes nad) sich zieht. Das Beispiel des alten Rom, das Thomsen anführt, konnte man getrost durch Hin­weise auf bic Gegenwart ergänzen. Hieraus er­gibt sich die Forderung einer starken Schonung der kinderreichen Familien in den gebilbeten Kreisen. Thomsen geht nun bi leinen positiven Vorschlägen noch weiter Er will innerhalb itn- seres VollesVvlkeririmc" gebilbri wissen (Diaspora-)Gemrinden von kinberrrichen Fg- milicn, bic durch gegenseitige Hrirat unb Fest­halten am Kinberreichtum nach obigem Prinzip ein neues schnell anwachsacktes Volk im Volle bilden sollen. ioährc:ü> bi<- finberarmen Schich­ten - körperlich ober sittlich nicht vollwertig aussterben. Der Gedanke erscheint rinfttoälar utopisch, leine Ausführung wäre vielleicht nid>t allzu schwierig, wenn cj. gelänge, bic Einsicht in diese Dinge zum Volksgut zv machen unb dem Gedanken bic Kraft eine» starken nationalen Zbeals zu verleihen.Maßnahmen" fuhren hier zu teinem Ziel 3n diesem Zuswnenhang sei auf einen Aufsatz des Arztes Dr. Rudolf Spiegel­berg (im Vunbesblalt des Rrichsbunbes der Kinderreichen. Februar) hingewiesen, der - un­abhängig von Thomson - einen ähnlichen Ge­danken vertritt. 3n unserer an Opfermut und Lebensmut bitter armen Zeit pstanzt er das Zdeal ber kinberrrichen Familie auf. Kinber- rcid)lum ist nach ihm kein Nachteil, sondern rin Segen, Kinderreichtum eine frohe Hoffnung auf die Zukunft, Kinderreichtum kein Giftbecher der Rot und Entbehrung, sondern rin Bocher voller Freuden für den. ber den Mut hat, ihn zu füllen und zu leeren

Turnen, Sport und Spiel,

hechten im Turngau Hessen <D. T.)

X 3n der Turnhalle der hiesigen Ober- realschule fanden bic Ausfchribungskämple ber 3ungmanncn ber 3 Gaugruppe beS MittelrheIn­kreises im Florett unter Leitung des Gau- fechtwarts Richsch iDab-Rauheim) statt. 34 Fech­ter waren angdreien. bic burchschnittlich gute Klingensiihrung zeigten. 3n der Cndrunbe blieben solgenbe Fechter Sieger: 1 E. Vogel. Mtv. Gießen (6 Siege. 21 Treffer): 2. P. Hoffmann. Ty. 1860 Bab-Rauheim (6 Siege, 20 Treffer). 3. L Gerharbt, Tv 1846 Gießen (4 Siege. 1Z Treffer): 4. K Daum. Tv. Wetzlar (3 Siege. 19 Treffer); 5. W. Frihius, Mtv. Gießen (3 Siege, 16 Treffer-; b H. Lampert. Tv 1860 (3 Siege. Ib Treffer»: 7. Ehr. Ziegler. Tv. 1846 Gießen (2 eiege, Ib Treffer); 8. W. Hoffmann, Tv. 1860 Bad-Rauheim f1 Sieg. 15 Trcfter). Fernerhin konnten noch folgende Fechter ausgezeichnet werben: Als 9. Sieger mit 15 Punkten: P.Pfeffer. Tv. 1860 Bad-Rauheim. E. Hußke. Wkv Gießen. L. Krämer, T. u. Spv. Butzbach, Ehr. Weeg, Tv. 1846 Gießen K Kühn, Tgm Fricchberg; als 10. Sieger mit 14 Punkten: R. Maitzkc, T. u. Spv. Butzbach St Keil. T. u. Spv. Butzbach; als 11. Lieger mit 13 Punkten: F Schütz, Tgm. Friedberg. O Gutjahr. Mw. Gießen. Die vier ersten Sieger rüden zur Altmann entlasse auf unb können sich an ben A'issch:idungskämpfcm für das Krristurnfest beteiligen, bte am 10 Mai auf dem Fechtboden bes Turnvereins 1860 Bab-Rauheim zum Aus­trag kommen.

------- -MB

l^ieftencr Bsochcumarktpreisc.

am 25. April (Händlerprrife).

Es kosteten auf bem heutigen Wochenmartt: Butter 200 bis 220 Matte 35. KLfe 60. Wirsing 35. Weißiraut 20, Rotkraut 30, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10. Spinat 25. Römischkohl 15, Lparget 200, Antcrkohlrabt 8, Mifchgemule 15, Grünkohl 15, 5clbfalat 100, Tomaten 150, Zwie­beln 25, SHccrrcUid) 40 bis 100, Schwarzwurzeln 50. Rhabarber 25, Äartoffcln 5. Aepfel 15 b'S 30, Birnen 12, Dörrobst 35, Honig 40. junge Hahnen 100, Suppenhühner 120 Pf. bete Pfr-nb; Eier 9, Blumenkohl 60 biS 150. Salat 30. Lalatgurken 150, Lauch 5 bte 10, Sellerie 30 bis 50 Pf bat Stück, Radieschen Bd. 25 Pf

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