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Samstag, 26. September 1925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 226 Zweites Blatt

skandinavischen Staaten und Holland solche Der-

>u-

Das große Heimatblatt Oberhessens und des benachbarten Lahngedietes hat im Iubiläumsjahre 1925 seinen Ausbau in jeder Weise weiterhin gefördert. Wenn der Giehener Anzeiger heute mit seiner Bezugseinladung für den Herbst heroortritt, so geschieht es im Vertrauen darauf, ein wirklich zeitgemähes, reichhaltiges Provinzblatt zu bieten, das hohen Anforderungen des Lesers entspricht. Eine Tagesnummer der nächsten Wochen wird be­reichert sein durch die Jubiläumsausgabe des Giehener Anzeigers. Diese Sondernummer wird nach Umfang, Lextinhalt und künstlerischer Bildausstattung eine heimatliche Kulturgeschichte darstellen und auch die technische Leistungsfähigkeit eines modernen Jeitungs- betriebes zeigen. Neben den Beiträgen berufener Ver­treter und Sachverständiger in Wirtschaft, Handel und Verkehr, Volkskunde, Kunst und Wissenschaft, wird die Geschäftswelt aus dem Verbreitungsgebiet des Giehener Anzeigers mit ihren Ankündigungen in erheblichem Ausmaße hervortreten und den Beweis erbringen, dah diese Heimatzeitung anerkannt wird als das große Anzeigenblatt

handeln. Es ist auch gut. dah wirtschaftliche Zusammenschlüsse nicht mit Völkern versucht wer­den. die vorerst noch in einem starken politischen Gegensatz zueinander stehen. Stellt sich dann her­aus. dah etwa ein mitteleuropäischer Wirtschaftsblock bessere Aussichten für die Teilnahme am Weltgeschäft gewährt, so liehe sich

dieser Block durch Aeuaufnahme weiterer Rach- barn erweitern, bis dann schließlich die europäis che Zoll- und WirtschaftS- Union Wirklichkeit geworden wäre. Aach dieser Richtung wird daS entthronte Kontlnental- Europa streben müssen, wenn es eine neue und feste wirtschaftliche Basis gewinnen will.

175 Jahre

Giehener Anzeiger

sriedenS-Enthusiasten unterstützte Idee eines flaatlichen Zusammenschlusses der ver- chiedenen konlmental-«uropäifchen Länder muh au8 vage Zukunftsillusion beiseite geschoben wer­den. Wollten wir daraus warten. biS sich etwa Deutschland und Frankre ch staatlich vereinigen, so würde die wirtschaftliche Auszehrung Ston- tinental-EuropaS einen solchen Grad angenommen haben, dah uns auch eine politische Ver­brüderung nicht mehr zu retten ver­möchte. Der .ernt Wirtschaft-Politiker wird daher sein Ziel näher stecken müssen. Dor

Giehener Anzeiger

Gegründet 1750

einbarungen treffen könnte. 8s würde sich z> nächst wohl nur um die gegenseitige 8 rmäh ?ung der Zölle, um Vereinfachung der Zoll- ormalitäten. um Verzicht auf Einreise-Visa usw.

Amerikanische Kredite.

Don Sir Josiah S t a m v K. D. S., Gouverneur der Bank of England und Mitglied des Dawes- Ausschusses.

Finanzwelt und Wissenschaft in den Der- einigten Staaten beschäftigen sich augen­blicklich sehr mit dem schwierigen Problem, die Aufrechterhaltung der bestehenden günstigen Handelsbilanz mit dem Eingang von Zinszahlungen aus der interalliierten Verschuldung und den ReparativnSeingä ngen in Einklang zu bringen. Der jüngste Dor­schlag zur Lösung des schwierigen, die gesamte amerikanische Dolkswirtschast berührenden Pro­blems kommt bekanntlich von Rufus Dawes,

Knental-SuropaS verringert.

Der Weltkrieg hat sich vorwiegend aus dem Dvden deS europäischen Festlandes abgespielt. Die Zerstörungen waren europäische Der- l u st e. Reue Staaten und mit ihnen neue Dureaukratien und neue Grenzen sind entstanden und erschweren die Ausnutzung der Rohstoffläger und die Zusammenarbeit selbst räumlich dicht bei­einander gelegener Gebiete. Besonders in den reuen Staaten sind Bestrebungen im Gange, neue Industriezweige aufzu bauen, seSst wenn die lDo raus seh ungen hierfür nur sehr ungenügend «füllt sind. Dom Standpunkt der kontinental­europäischen Wirtschastsinteressen kann man solche lokalen Autarkiebestrebungen nur als to t r t- ffchaf tlichen Part ikul ar i sm uS bezeich­nen. Dielen Ländern erscheint es als das wich­tigste Äritertum einer unbedingten staatlichen Selbständigkeit, dah sie an ihren Grenzen hohe urrd feste Barrieren gegen den Personen- und Warenverkehr errichteten All dies ist geeignet, daS Streben der kontinental-europäischen Staaten nach Schaffung einer neuen WirtschaftS- und Ent- toi al ungSgruno l age zu behindern. ES ist da­her daS gemeinsame Schicksal fast al­ler europäischen Länder, dah ihr An­teil am Weltgeschäft sinkt, und dah eS ihnen immer schwerer wird,, mit ihren künst­lich verteuerten Waren auf dem Weltmarkt Fuh hu fallen. Der Reichswirtschaftsminister Dr. Reu Haus hat in seiner erwähnten Rede auS tiefer Analyse die Folgerung gezogen, dah die einzelnen Staaten des europäischen Festlandes planmäßig an dem Abbau der Zollschran­ken der DerkehrSabsperrungen und anderer LDirtschaftshemmungen arbeiten mühten, wenn sie Uicht in Gefahr geraten wollen, 300 Millionen Menschen der Verelendung preiSzugeben.

Die von gewissen Fanatikern des Pan- ^uropa-DogmaS gepredigte und von Welt-

allem gilt es, die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, welche einer zoll-, Verkehrs- und wäh­rungspolitischen Zusammenfassung auch nur eini­ger kontinental-europäisä-er Staaten entgegen­stehen. Deutschland ist durch den Versailler Vertrag zugunsten seiner Aachbarn territorial über das Mah hinaus verkleinert worden, das sich mit dem nationalen Selbstbestimmungs­recht und mit den Ansprüchen eines kulturell fortgeschrittenen Volles verträgt. Ein Abbau der wirtschaftlichen Grenzen bei Fort­bestehen der heutigen politischen Gren­zen würde eine Preisgabe berechtigter nationaler Ansprüche des deutschen Vol- keS bedeuten. Weiter würde Deutschland die los­gelösten Rohstoffgebiete in Oberschlesien und Elsaß-Lolhringen endgültig preisgeben, wenn es dazu beitrüge, den Erben dieser Gebiete die ge­raubten Brocken verdaulich zu machen. Daneben kommt die Tatsache in Betracht, dah mehrere Länder des europäischen Festlandes infolge ihrer einschrumpsenden Währung auf Kosten ihrer Aachbarn eine ungesunde Export-Kon­junktur geniesten. Von Anfang April bts Ende September ist der Kurs des französischen Franken von rund 22 Ml. auf rund 20 Mk., daS ist um 9,3 Prozent gesunken, der belgische Frank fiel in der gleichen Zeit von 21,40 Mk. auf 18,60 Mk., das ist um 13 Prozent, und der polnische Zloty sogar von 80.6 auf 68, das ist um 15,7 Prozent. Ehe nicht stabile Wäh­rungsverhältnisse auf dem europäischen Festlande eingetreten sind, begegnet ein wirt­schaftlicher Zusammenschluß der einzelnen Länder unüberwindlichen Schwierigkeiten.

Es darf ferner nicht ganz außer acht ge­lassen werden, daß die Reparations- bestimmungen die Verwirklichung etwa einer kontinental-europäischen Zollunion" erschwert. Ein Teil der deutschen Reparationslast ist auf Zollabgaben begründet. Unsere Gläu­biger würden sich in ihren Rechten benachteiligt fühlen, wenn wir einen großen Teil der Grem- zölle nämlich auf die von europäischen Aach- barländern eingehenden Waren, aufheben würden. Endlich würden die wirtschaftlich und finanziell weltbeherrfchenden angelsächsi­schen Mächte nicht ganz mit Unrecht in einem wirtschaftlichen Zusammenschluß Kontinen- tal-Europas eine Gefahr für ihre eigene Machtstellung erblicken und alles aufbieten, um einen solchen Zusammenschluß zu verhindern oder doch zu verzögern. Handhaben besitzen die angelsächsischen Mächte genug durch das Gläu­biger-Verhältnis. in welchem sie gegen­über den meisten Ländern Kontinental-Europas stehen.

Brauchbar und praktifch durchführbar ist von der Idee der Vereinigten Staaten von Europa zunächst nur der Abbau von Zollbarri­eren zwischen e t"n i g e n Staaten deS europäischen F e st l a n d e s. Es besteht kein Grund. weShalb Deutschland nicht etwa mit der Schweiz, Oesterreich, der Tschechoslowakei, den

Bereinigte Staaten von Europa.

Von Dr. WaltherErvll.

Wir haben in den letzten Jahren verschieden!- Nch die Erfahrung bestätigt gesehen, daß Ideen Unb Pläne saft in der gleichen Form unabhängig voneinander an versch ebenen Stellen konzipier! werden und wachsen. 3m DvlkSmunde heißt cs dann, die Gedanken liegen In der Lust, können also von den verschiedensten Personen gleichzeitig aufgenommen werden. So ist eS auch mit der Idee gegangen, dah fich die einzelnen floaten europäischen Festlandes nicht mehr in demMaße wie bisher wirtschaftlich voneinander abschiietzen dürfen, wenn sie den auf ihrem Territorium vereinten Menschenmengen eine leibUQe Zu- kunftSslcherheit geben wollen Am 17. September sprach der ReichSw rtschaft-mrnlster Dr. Aeu- h a u S auf der Dresdener Tagung bcS 3entP.il- verbandeS des deutschen Großhandels über die Verschlechterung, welche während der letzten elf Jahre für Kontinentak-Suropa als ©heb der Weltwirtschaft eingetreten ist. Aach ihm referierte daS Mitglied des vorläufigen ReichswirtschaftS- rateS Mar Lohen-Reuß über europäische WirtschaftSannaherung und erläuterte dabei den ^Begriff der .Vereinigten Staaten von Europa". Einen Tag später, am 18. September, hat der bekannte sozialdemokratische ReichStagS- obgeorbnete Dr. Rudolf Hilf er ding auf dem Parteitag der sozialdemokratischen Partei in Hei­delberg In seinem Referat über bai neue Pro­gramm im Aamen feiner Partei die Herstellung einer europäischen Wirtschaftseinheit und die Verwirklichung der .Vereinigten Staaten von Europa" gefordert - Die meisten Ideen, die auS dem Volke auffteigen und auf Verwirklichung Anfpruch erheben, find im statu nafcenbi mit Schlacken behaftet die erst beseitigt werden müssen, damit de Durchführung der Idee wirklich praktischen Ruhen bringt. SS ist daher notwendig, die Idee der Vereinigten Staaten von Europa näher unter die Lupe zu nehmen.

Kurz gefügt handelt eS sich darum, den in so vieler Beziehung auS seinen früheren Dahnen geworfenen europäischen Kontinent mit neuen Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten auszu- statten Vor dem Kriege war Europa der Gläubiger deS überseeischen Auslandes, und zwar in doppelter Hinsicht: öffentlich und privat. Die europäischen Staaten hatten nach Aord- und Südamerika, an die Län­der deS fernen OstenS und an die übrigen selb­ständigen Staaten der Erde Darlehen gegeben. Außerdem arbeitete europäisches Kapital in zahl- reichen wirtschaftlichen Unternehmungen deS über­seeischen Auslandes. Wichtige europäische Lan­der, und zwar außer Großbritannien auch Deutsch­land und Frankreich, hatten vor dem Kriege eine passive Handelsbilanz, also eine grö- ßere Wareneinsuhr als Warenausfuhr. Die Diffe­renz wurde gedeckt und sogar überdeckt durch Erträge dieser Kapitalbeteiligungen im AuS- lcmde. Durch den Weltkrieg hat fich daS Ver­hältnis grundlegend verschoben. Ueber- seeische Länder, und Atoar besonders die Der- einigten Staaten von Amerika, sind Staats- und örioatgläiibiger der meisten Staaten deS euro­päischen Festlandes geworden. Der letzte große Aktivposten. den ein kontinental-europäischer Staat bei einem andern Staat hatte, ist notleidend ge­worden: die sranzösischen Forderun- genanRußland. Da Rußland besonders fdt der Zwischenschaltung Polen- und der Rand­staaten mehr noch alS vor dem Kriege sein Schwergewicht in Asien hat, wird man eS in diesem Zusammenhänge nicht als einen Staat deS europäischen Festlandes bezeichnen dürfen. Den kontinental-europäischen Ländern ist durch die Umkehrung deS Schuldverhältnisses die Möglichkeit genommen, ihre passive Han­del- bilanz in eine aktive Zahlung- bilanz umzuwandeln. Die- würde auch der Fall sein, wenn Kontinental-Suropa in seiner Wirtschafts­energie und in seiner Bedeutung auf dem Welt­marne noch auf Vorkriegshöhe stünde. Dies ist jedoch nicht der Fall. Roch viel weniger als kurz vor dem Kriege kann man Äontinentab Europa heute als die inbuftrlelle Werkstatt der Welt bezeichnen. In wichttgen überseeischen Län­dern ist durch das fast vollständige Ruhen deS Weltverkehr« während der Kriegsjahre be- günstigt eine eigene bodenständige Industrie entstanden. Europa hat viel von feinem bisherigen technischen und organisatori­schen Vorsprung cinzebüht. Es spielt nicht mehr die erste Rolle im Welthandel und wird auf einen immer tieferen Stand herabgedrückt. Gleich, heitig hat sich die innere Wirtschaftskraft Äon-

öem Bruder des Vizepräsidenten, und läuft In knappen Worten auf folgende- Verfahren herauS: Aufrechterhaltung eines stark schutzzöllnerischen ZolltarifeS, Wiederausleihen der Rück­zahlungen an Deutschland, um dessen industrielle Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Uebernahme der Rolle deS großen internatio­nalen Kreditverteiler- durch die Verei­nigten Staaten. .Wir können," so erflärte RufuS Dawes kürzlich, »jährlich etwa 130 Millionen Pfd. St. ausleihen, eine Summe, die etwa dem entsprich!, waS an unS unter günstigsten Bedin­gungen im Wege deS internationalen Zahlungs­ausgleiches gezahlt werden kann."

Amerika hatte bereits, bevor sich die Rück­zahlungen ausländischer Schulden in einem für diese Wirtschaft gefährlichen Ausmaße bemerk­bar machen, jährlich etwa 200 Millionen Pfd. 0L an das Ausland auSgeliehen. und feine gesam­ten AuSlandinveftierungen machen un­ter Abschung der interalliierten Schulden bereits über 1 Milliarde Pfd. St. aus. Rehmen wir an, daß der jetzt bestehende jährliche Ausfuhr­überschuß. den die amerikanische Industrie aufrecht zu erhalten bestvebt ist, zusammen mit den jährlichen Zahlungen für Kapitalamvrtisa- tion und Zinsen von England, Frankreich. Italien und Belgien sich auf nur 130 Millionen Pfd. St. belaufen und dah diese Summe alS Ausland- inveslierungen im Auslande belasten wird, so ergibt sich trotzdem notwendigerweise sehr bald eine sehr bedeutende Ansammlung von Zinsen und Zinsenzinsen, die um bei der vorgeschlagenen Lösung zu verbleiben er­neut im A usla nde investiert werden mühten. Die Vereinigten Staaten würden also gezwungen fein, ihre AuSlandinveftierungen dauernd zu vergrößern, und sie würden auf bie-

daß etwa zwei Drittel der betreffenden In­vestierungen die Form von Aeugründun- g e n in Deutschland annehmen werden und daß hierbei das normale Wachstum deS deutschen RationalvermögenS nor­malerweise in amerikanische Hände übergeht. Das andere Drittel würde eine Hvpothek Amerikas auf die deutsche Wirtschaft bedeuten.

Ist eS so fragt man sich für die Her­beiführung oder Aufrechterhaltung eine- dauern­den Exportüberschusses möglich, eine derartige Lösung zu wählen, ohne daß Deutschland wirtschaftlich eine Provinz der ame­rikanischen Union wird? Ist eS wirklich ein LSsungsversuck. der über die nächsten Jahre hinausgehen darf? Je länger sich die ameri­kanische Wirtschaft auf die Aufrechterhaltung eine- bestimmten Ausfuhrüberschusses feftlegt, um so unangenehmer wird eine- Tage- da- unver­meidbare Etnströmen bedeutender Einfuhrmengen empfunden werden. Die einsichtigen Köpfe der Union schlagen deshalb bereit- vor. daß die gesamte Kreditlösung auf einen bestimmten, nicht zu lange hinauSgeschobenen Zeitpunkt be­grenzt bleiben muß Selbst wenn man hier­für den Zeitraum von 20 Jahren annimmt, so wird daS Problem einer Umschichtung de- Ex» portüberschustes und die Hereinnahme bedeuten­der jährlicher Zinszahlungen in Form von Ein­fuhrwaren sich nod) erheblich schwieriger gestal­ten alS daS verhältnismäßig einfache heutige Problem.

Darmstädter Theater.

Max Reinhardts Ballettkunst.

Die Ballett - Pantomime »Die grüne Flöt e", die bei den letzten Salzburger Fest­spielen ihre Uraufführung erlebte, wird gegen­wärtig von der »Internationalen ^antDnnmen- Gesellschoft", deren Regisseur Mar Rein­hardt ist, auf einer Tournee in den größeren Städten Europas und Amerika- v5>rgesiihrt. Als eine der ersten deutschen Städte tPittDe Darm­stadt besucht, wo ein Gastspiel im Großen Haufe deS LandeStheatevs ftattfenb. Der ©efamteinbrurf der Tanzsviele war derart, daß er alles, was hier auf diesem Gebiete, wo früher eine eifrige Tanzkultur Duncan-Schule- bestand, weit in den Schatten stellt. Die führenden Persönlichkeiten in dem Ensemble sttrd Katta Sterne, Maria Soi­

fern Wege Riesensummen im AuSlande an sammeln, da sie ja niemals in den Genuß deS moeftlcrtcn Kapital- im Sinne tatsächlicher Warenlieferungen kommen würden, sondern nur in Form von Zahlen und Guthaben in ihren Geschäftsbüchern. Denkt man diese- Verfahren weiter durch, so würde sich die jährliche Inve- ticrung im Au-lande In 20 Jahren auf etwa 325 Millionen Pfd. St. und die Gesamtsumme her Auslandinvesl ierungen aus 4300 Millionen Pfd. St. gesteigert haben, ohne daß der Außenhaichel ich in irgendeiner Weise erheblich gegen den jetzigen Stand verschoben haben dürfte. In 30 Jahren würde sich die jährliche Investierung auf 535 Millionen Psd. St. und die Gesamtsumme der AuSlandinveftierungen auf 8600 Millionen Pfd. SL erhöht haben, während in 50 Jahren für eine Regelung fo weitgehender Verpflich­tungen wie fte da- interalliierte Schulden- und Reparation-Problem ba rft eilt, eine verhältnis­mäßig kurze Zeit die jährliche AuSlandSin» vestierung sich auf über 1400 Millionen Pfd St. und die Gesamtsumme fich auf über 27 000 Mil­lionen Psi St. erhöht haben würde. Es muß hierbei noch berücksichtigt werden, daß die Wahr­scheinlichkeit einer weitgehenden Verwendung privater Sparguthaben In den Verei­nigten Staaten für gleiche Zwecke eine erhebliche Erhöhung dieser Zisfern mit sich bringen würde

Kein Land kennt wohl die Technik der Aus- landinveftierungen wie England, da- In dieser Frage auf eine langjährige Geschichte zurück- blicken kann. Großbritannien hatte vor dem Kriege etwa 4000 Millionen Psd. St. im AuS- lanbc investiert und eS reinvestierte jede- Jahr die Zinsen seines Kapital-, die sich aus etwa 200 Millionen Pfd. St. beliefen. Deutsch­land hatte etwa 1000 Millionen Pfd. St. im Auslande investiert. Ein Vergleich dieser Zif­fern mit den oben genannten Riesensummen zeig! die Schwierigkeit deS amerikanischen Problems, falls eine Lösung im Sinne der eingefleischten Schutzzöllner verbucht wird. Man darf bei diesem LösungSversuch füglich fragen, wie lange kann eine Ration ihr« Investierung im AuS- lande erhöhen, ohne je Bezahlung für die bargebotenen Gelder zu erhalten. eS fei denn im Wege der Guthaben in den Geschäftsbüchern. Der Herausgeber der bekannten Zeitschrift ..Rew Republik" traf sicherlich den Ragel auf den Kopf, alS er erklärte:Wir können zwar nicht wie England Bezahlung in Form von Lebensmitteln und Rohstoffen allein annehmen. aber wenn wir keinerlei Bezahlung in Form von Ein­fuhrwaren wünschen, so wird sich unser Im Ausland investiertes Kapital riesenhaft ver­mehren und daS gegenwärtig schwierige Pro­blem noch weit schwieriger In der Zu­kunft gestalten."

Sicherlich sind die Zahlen über da- riesen­hafte Anwachsen der amerikanischen AuslandS- investierungen auf Grund deS Vorschläge- von Rufus DaweS besorgniserregend, machen sie doch erheblich mehr au- al- daS Vorkrieg S- vermögen von Frankreich und Deutschland zusammengenommen. In welche Teile der Welt werden nun diese Riefen­summen letzten Ende- gehen? Die amerikanische TageSpresse spricht heute In der Hauptsache von Krediten an Deutschland und von der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Leistungs­fähigkeit diese- Lande-. Unter der Voraussetzung, dah die Hälfte der in Frage kommenden Sum­men al- Kredit an Deutschland Verwendung findet, werden sich in etwa 30 Jahren die ame­rikanischen Investierungen In Deutschland auf etwa 4300 Millionen Psd. St. belaufen, d. h. eine Summe auSmachen. die über 20 Prvz. deS gesamten deutschen Rational­vermögenS betragen dürste. GS ist finanz- technisch einfach unmöglich, eine solche Riesen­summe lediglich alS Kreditsumme zu bezeichnen oder alS Anleihe, die nach Wunsch oder wenig­stens nach kurzer Kündigungsfrist zurückgefordert werden kann. Man muß vielmehr annehmen, daß eS sich bei diesen Anlagen in der Haupt­sache um Dauerinvestierungen oder um ganz langfristige Kreditgewährungen handelt. Bei einer rohen Schätzung möchte ich annehmen.