Ausgabe 
26.5.1925
 
Einzelbild herunterladen

MM

18 Grölten ia- md Im Mda idehius Jtlomon

ne Muster Preise binger

Miet- Auto r Gel-älirrel!» «**« IW«

n .ÜTftat, Stift olltrah Ermann

ilfltl

dich frildi eil' ntxb, emvW Iflfi M

I. Hantel

Urnen ?«t 7 iele»b*tti

eter

8?

hypothe!

verloren

7'LÄS tei ZrttstM itt Inh""

i? iüf'S *' Ä«?

todkoHer - billig 180fc iri Schimck Mvaionlch ii rV Sloour: ehrerin teilt arüUM InterriW

hr. M u.

den 0irtJLn* eiBtflin« c Tarne t) srmtl. igebote ff.«*

benMj^

SÄII. * «Mr, rtreter ^vhePrvdlsM. y«etyen unter ,bDlf Aosse m _____538& jj^eiuchf]

ein luto

- 8/20 P.!-,ui oibeiiö u tu Angeb.in.Pmi rin Schwalm egrotzbandlung nM^^> rschiedenes

tund«

snder^

)|ef65a[t leb'1(6

defl l>

s*1

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberhesfen) ----iimibi aji.a.MM,«-._______

gcbniffen besser entspricht ati das Gegenteil. Man muh auch den Wut

sein, d. h. nicht immer an dos.tcdgclpcnft der Zukunst, sondern ausschließlich an die Ge­genwart zu denken. Es besteht tron der wenig erfreulichen Wirtschaftslage nicht die gelingste Desahr. daß daS diesjährige Finanzjahr mit einem Defizit abschließt, im Gegenteil, man darf aus einen Ueberfcfcufi zählen, der dem des Vorjahres ungesähr gleichkommt. Der Augenblick erfordert also nicht Einführung von neuen Steuern oder Erhöhung der vorhandenen, son­dern Erleichterung des schweren Steuerdrucks, der auf unserer Wirtschaft lastet. Sonst schlachtet man die Henne, die die goldenen Eier legen soll.

Damit ist auch schon gesagt, welche Steu­ern in erster Linie abgeoau. oder aufgehoben werk?n müssen. Diejenigen, die die Produk - tion am meisten beschweren und dadurch nicht nur den Export auf dem Weltmarkt verhindern, sondern auch die Lebenshaltung im Inland verteuern. Das ist in erster Linie die UmfaOftcucr. Ihre Beseitigung würde selbst den unbemittelten Klassen gröbere Vor­teile bringen als die Ermäßigung der direkten Abgaben, wenn diese auch unmittelbarer und als eine größere Wohltat empfunden wird. Aber man darf sich durch keine falsche Sentimentalität das Urteil trüben lassen. Wenn heute zu Steuer­erleichterungen geschritten wird, so handelt cs sich nicht darum, einzelnen Klassen etwas Gutes zu erweisen, sondern die Lasten zu mildern, die die Gesamtheit am meisten schädigen. Die Erleichterungen müssen eine werbende Wir­kung haben. Wird die Industrie von allen den Herstellungsprozeß versteuernden Steuern befreit, so kann sie den Wettkampf mit dem Ausland wieder ausnehmen und allmählich versuchen, die Passivität unserer Handelsbilanz zu beseitigen und durch Arbeit die Summen zu erwerben, die Deutschland, sei es als Tribut an die Sieger- staaten, sei es zum Bezüge von Rohstoffen, braucht.

Die passive Handelsbilanz ist eine schwere Gefahr für unsere Wirtschaft, aber min­destens ebenso gesährlich wirkt die übertriebene ThesaurierungSpolitik. Cs ist geradezu grotesk, daß in Deutschland ein reichliches Drittel des Gesamteinkommens auf Steuern braufgeht, und daß sich unter diesem Drittel etwa 1,5 Milliarden befinden, die überschüssig waren und nicht erhoben zu werden brauchten. Die 800 Milliarden des Dawesplanes haben als guter Antrieb unserer Wirtschaft gewirkt, sie hätten die dop­pelte Summe wirken können, zumal da für sie keine Zinsen an das Ausland zu zahlen waren.

Durch die Unsicherheit bei den Voranschlä­gen des vorigen Jahres wird die bisherige un­nötige Mehrer Hebung von Steuern entschuldigt, aber das Spiel darf sich nicht wiederholen. Man kann sich heute ein ziemlich klares Bild von dem voraussichtlichen Betrag der bestehen­den Steuern machen, und dieses erlaubt sicher eine Milderung bzw. Aufhebung ein­zelner Steuern, die um so bedeutender aus­fallen wird, je energischer auf der anderen Seite die Ausgaben eingeschränkt werden. In dieser Hinsicht kann noch sehr viel geschehen, denn wie in der Wirtschaft, so sind auch in der Staatsverwaltung die Unkosten noch viel zu hoch.

Iugend-Wohlfahrtslagung in Giehen.

(2. Tag.)

21 in Samstagvormittag sprach zunächst Frau Regierungsrat Keller-Darm st adt über:Ent­wicklung und Grundlagen der öffentlichen Wohl­fahrtspflege im 19. Jahrhundert". Sie schilderte vor allem Wesen und Begriff der öffentlichen Wohl­fahrtspflege. die sich durch Motive und Methoden von der privaten Wohlfahrtspflege unterscheide. All­mählich wirken sich die Ideen verstorbener geistiger Führer praktisch in der Wohlfahrtspflege aus. Be­sonders die Gedanken Pestalozzis, der als Vorkämpfer der öffentlichen Wohlfahrtspflege gilt, kamen in bester Weise zur Auswirkung. Reben der öffentlichen Für­sorge wirkt die private Fürsorge in weitverzweigten Organisationen äußerst segensreich, sie bildet eine unentbehrliche Ergänzung der öffentlichen Fürsorge.

Das zweite Referat hielt Prof. Dr. v. D ü r i n g, Frankfurt a. M., der überdie gefährdete Ju­gend und die Fürsorge für dieselbe im In- und Ausland" sprach. Der Redner berichtete über die als langjähriger Leiter einer 2lnstalt für gefährdete jugendliche Knaben gesammelten Erfahrungen. Be­züglich der Unterbringung gefährdeter Jugendlicher ist er der Auffassung, daß Erziehung in einer g e - eigneten Familie der Anstaltserziehung vorzu-

jiihcn ifL Leider sei die Zahl der Familien, die genagt wären, einen Pflegling anzunehmen, roefent Uch großer, als die Zahl der wirklich geeigneten Fam.Iicn. so daß in vielen Fällen die Unterbringung in einer Anstalt erfolgen müße. Erfreulicherweise arbeiteten heute viele Anstalten mustergültig. Der Gedanke, den Zöglingen Liebe und Vertrauen ent- gegen zubringen, wirke günstiger, wie bane Zwangs­mittel. Redner gibt den konseisionellen Erziehungs­anstalten den Vorzug, weil die religiöse Beeinflus- fung gefährdeter Jugendlicher von außerordenilicher Bedeutung sei. Ein sehr wichtiges Kapitel fei auch die Ausbildung der Zöglinge, damit diese nach ihrer Ent lassung im wirtschaftlichen Kampf nicht untergeben und rückfällig werden. Was die Bestrafung Jugend licher anlangt, so vertritt Redner die Auffassung, daß hierdurch in den meisten Fällen eine Besserung nicht erzielt wird, wohl aber durch Fürsorgemaß. nahmen, die nicht immer in Anstaltserziehung be­stehen müssen. Man solle Heime schassen, wo diese langen Menschen, die nur ein Produkt von Anlage und Umwelt sind, wieder lernen, Selbstachtung und Selbstvertrauen zu gewinnen. Vor allem aber müß­ten die Vorstrafen ausgelöscht werden, die einem mit guten Vorsätzen ausgestatteten jungen Menschen jahrelang als Makel anhaften. Redner hält eine be­sondere Fürsorge für die gefährdete weibliche Ju- gend für außerordentlich wichtig. Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten sei eine hngienische Frage, doch dürfe man nicht, wie dies vielfach geschehe Geschlechtskrankheiten mit Prostitution zusammen- werfen. Die außerordentliche Vermehrung der Ge­schlechtskrankheiten sei durch die große Wohnungs- not, die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse und sonstige Nachwirkungen des Krieges mitoerursacht. Für gefährdete Jugend sei aber nicht die Polizei, son­dern eine geeignete Erziehung das Richtige. Wer bis zum 21. Lebensjahrue nicht reif ist, gehört nach der Auffassung des Referenten in eine Verwahrungs­anstalt. Redner besprach zum Schluß noch einen Ent­wurf über das in Aussicht stehende Verwahrungs- geselz und forderte zur Mitarbeit für die von ihm entwickelten Ideen auf. An die Ausführungen schloß sich eine sehr interessante Aussprache.

Das letzte Referat hielt Direktor Stumpf» Butzbach über:Die Straffälligkeit der Jugend­lichen und der Strafvollzug an Jugendlichen". Der Redner schilderte zunächst das Verhalten der Jugend- lichen gegenüber den Strafgesetzen. Weiter erläuterte er die Ursachen der Verbrechen, die man in all­gemeine und persönliche zerlegt. Als Ursachen be­zeichnete er wirtschaftliche Not, Schäden des Alko­hols, Wohnungsnot, mangelhafte Erziehung und Vererbung. Interessant waren seine Ausführungen über die Kriminalität der Strafanstalt Butzbach, welche er durch statistisches Material erläuterte. Die Zahl der jugendlichen Strafgefangenen in der Zellcn- ftrafanftalt Butzbach betrug im Jahre 1910 10, sie ging in 1914 zurück auf 4. Der Krieg und seine Folgen brachte eine Steigerung auf 79. Durch die Amnestiebestimmungen ging die Zahl zurück, so daß sie in 1921 nur 50 betrug. Infolge weiteren Rück­gangs ist die Strafanstalt z. Z. nur mit 12 Jugend­lichen belegt. Diese wesentliche Verringerung ist dar­auf zurückzuführen, daß durch Einführung des Ju­gendgerichtsgesetzes weniger Gefängnisstrafen bei Jugendlichen ausgesprochen werden. Der Redner machte bann weiter auch statistische Angaben über die Zahl der erwachsenen Gefangenen in der Straf­anstalt Butzbach. Zum Strafvollzug übergehend, er- läuterete er das Ziel desselben (Vergeltung, sittliche Dessermachung). Die Strafanstalten sollen keine Er­ziehungsanstalten fein, sondern den Sträfling sittlich zu heben versuchen und so kräftigen, daß er vor Rückiall bewahrt bleibt. Hierzu werden folgende Mittel angewandt: Unterbringung in einer Straf- anstatt (Einzelhaft), geistige und sittliche Förderung, religiöse Beeinflussung (unbedingt notwendig), Schul­unterricht, Zellenbesuche durch Beamte der Anstatt, Bücherei, Vorträge, musikalische Darbietungen. Es soll nicht nur Verstand und Wille des Gefangenen gebeffert werden, sondern auch das Gemüt. Be­sonders heilwirkend ist auch die Bejchastigung der Gefangenen, die keinesfalls zu einer wirtschaftlichen Ausbeutung ausarten darf. In Aussicht steht weiter als neue Einrichtung der stufenweise Strafvollzug. Rach den Ausführungen des Redners erscheint es außerordentlich notwendig, den Gefangenen Ver­trauen zu erweisen und solches auch bei denselben zu erwecken. Er forderte besondere Behandlung der jugendlichen Strafgefangenen, möglichst Trennung von den Erwachsenen, außerdem auch besondere Auswahl der Beamten. Weiter verlangte er erhöhte Sorge um das geistige und körperliche Wohl der jugendlichen Gefangenen sowie regere Verbindung mit den Angehörigen. Besonders wichtig erscheint ihm die private Fürsorgetätigkeit während und nach dem Strafvollzug, um die Jugendlichen vor Rückfällen zu bewahren. Rach Entlassung aus einer Straf­anstalt hält er Unterbringung in einer geeigneten

Ur. 121 Zweites Blatt

Steuerschonfrist.

Von Professor Dr. Mar I. Wolff.

Der Steuerzahler, der in dem letzten tollen Jahr hi monailiien Abschlüsse der Reichsein- nahmen in 'einer Zeitung verfolgt undmit einem hettcrcn, einem nassen 2lugt die regel­mäßige.! von 100150 Millionen

festgestellt ijai. ist nicht wenig überrascht, daß diese unerwartet boten Eingänge nach dcm Vor­anschlag des Finanzministers für das laufende Jahr nicht nur nicht zur Deckung der Ausgaben ausreichen, lonbern daß sich trotz ihrer ein De­fizit ergibt, das eine beträchtlicyc Erhöhung verschiedener indirekter Steuern erforderlich macht. Die Zahlen ?'«5 Finanzministers find seit« dem einer ringel enden Kritik unterworfen wor­den, und als ihr Ergebnis dürfte seststehen, daß er die Einnahmen durchweg zu niedrig und die Ausgaben rci 'stich hoch angesetzt Hal und da­neben noch eine Thefaurierungspolink verfolgt, bie flWar na Prinzip, nicht aber unter den heutigen Umständen berechtigt ist.

Die Vorlage der Regierung hat mehr die Zukunft als die Gegenwart im Auge, die Zeit, wo nach dem Dawesplau das deutsche Volk sehr schweie Revarationskostcn zu tragen haben Wirb, und sie will einen Teil dieser Lasten vor- to e g n c l) m e n und den Steuerzahler langsam an Die bitteren Notwendigkeiten der kommenden

' ' irt mehr f i n a n 8 t e <b nisä? die Wirtschaftlich gedacht.

Die W rtf haft leidet schwer unter den gegen- toäriigcn erdrückenden Steuern. Die Stabilisie­rung War die einzige Rettung, aber welche Opfer dieser Sanierungcpro^ gekostet hat, der bei allein doch nur die Smnplome, nicht die Krank­heit und di inneren Schäden unserer Wirt- schalt kuriert hat, zeigt sich von Tag zu Tag deutlicher, vr hat die letzten Reste des mobilen Kapitals a u s g e z e h r t und die deutsche Wirtschaft ist daraus angewiesen, wenn sie überhaupt weiter existieren (oll, sich Kredit SU jedem Preise zu verschafsen. Aber die Landwirtscttttt kann nicht bestehen bei kurzfristigen Krediten, für die sie 10 Prozent, und bei lang­fristigen, für die sie 15 Prozent und mehr be­zahlen must Wenn sie überhaupt erhältlich sind. Dasselbe gilt für Handel und Industrie Cs ist klar, daß Deutschland mit dem Ausland nicht konkurieren kann, solange dort Geld zu 5 Prozent zu haben ist. bei uns aber selbst für das be­scheidenste D eimonatsakzept 8 bis 8,5 Prozent bezahlt Werden muß.

Und die Ungunst unserer Lage wird noch durch bi drückende Besteuerung, besonders aber burc > die A r ! dieser Besteuerung, ver­schlimmert. Auch in England Wirb über die Hohe ber Abgaben geklagt, hort treffen sie aber in ber Hauptsache das Aettoe in kommen, in Deutsch- lanb dagegen ruhen sie zum großen Teil auf bein Produktionsprozeß und verteuern dadurch die Ware, so daß sie auf dem inter­nationalen Markt konkurrenzunfähig geworden ist. lieber die verheerende Wirkung der Umsatz - ft c u e r n ist genug geredet und geschrieben wor­den. Die Herabsetzung von 2 auf 1.5 Prozent War völlig ungenügend, da selbst bei diesem Latz das deutsche Erzeugnis ungefähr mit !0 Prozent zugunsten des ausländischen vor­belastet ist.

Der Mangel an Betriebskapital laßt sich nur durch fremde Hilfe oder durch jahr­zehntelange Sparsamkeit beheben, um so mehr Veranlassung haben Wir, die Besteuerung nicht über das unbedingt Notwendige auszudehnen. Der Dawesplau sah eine drei- bis vierjährige Schonsrist für Deutschland vor. Die Männer, die ihn entworfen haben, haben sich im großen und ganzen als gute Beurteiler unserer Wirt­schaftslag- bewiesen. 3m Gegensatz zu den deut- 'chen Sachverständigen bewiesen sie einen Opti- tinSmuS und ein Vertrauen in unsere Leistungs- lähigkeit, die damals von niemand in Deutsch­land geteilt Würbe, die sich aber nachträglich al« berechtigt herausgestellt hat. Man darf ihr Werk nicht in Frage stellen ober gar ver- kiteln, inbem man die gewährte Schonfrist nicht in der beabsichtigten Weise ausnuht ober gar durch einen übertriebenen FiskaliSmus in das Gegenteil verkehrt.

Die deutsche Wirtschaft braucht diese Hchonfrist. und gerade, weil ihr in wenigen Jahren wieder lehr große Opfer zuAemutet wer­den. muß sie ihr so reichlich gegönnt werden, l>ic es die Verhältnisse irgend nur erlauben. Dem Pessimismus unseres eigenen Finanzrnini- flers muß man den Optimismus des Dawcs- ierichkes entgegenhalten, der zum mindesten nach ler bisherigen Entwicklung den tatsächlichen Er-

Gießener Stadttheater.

Die Rose von Ltambul" von Leo ftnU.

Das ist eine Operette, die fast eine jede Bühne mit Operettenbetrieb sich in den ersten beißen Sommertagen herausholt und die in den 1üf)lcn Theaterrällmen den heißen Himmel süd­licher Zonen angenehm vortäuscht.

Auch am Sonntagabend gab man sich im ^tabttbcatei gern dieser schönen Illusion hin, zumal die Hauptrollen des Stückes in bewährter Weise verteilt waren: Meta Liebermann lang die Kondja Gül. daS unglückliche Geschöpf la» gegen seinen Willen verheiratet werben soll, cber den Welchen des Harem freudig ein Schnivp- chen schlägt. Achmed Bey. der männliche Held lielcr Affäre, war Richard Riedel vom Frank- ürter Opernhaus, der sich mit viel ©barme seiner Aufgabe cntlcbigte. Die temperamentvolle Midili Hanum Würbe von Else Simon gesungen Fridv- :n Müller, schon des Ramens wegen eine komisch- leitere Angelegenheit, war bei Ernst Badekow ^länzeiid aufgehoben. Unter seiner Spielleitung land die flotte Lustigkeit und rosarote Sentimen­talität der Operette die richtigen Qlüancen und s kam eine recht abgerundete Vorstellung heraus, leren Erfolg nicht zum wenigsten noch durch das Lwchcster beftinnnt Wurde, das unter ber Leitung Kapellmeister Michels lebendig und flott die einzelnen Schlagernummern herausbrachte. Es gab £enn auch am Schluß den wob it>er bienten Beifall. c.

Grotzdeutsche Kunftansftellung in Darmstadt.

Die Großdeuifche Kunstausstellung Darmstadt 1?25, Mathildcnhöhe, wird Mittwoch. 27. Mai. 11* Uhr vormittags, in Anwesenheit der Spitzen btr Behörden, der ausstellenden Künftlerschaft und

zahlrei en Eingeladenen eröffnet. Jiaaj der Be­sichtigung findet ein Festessen im Oberwaldhause statt. Trambahnwagen zur Fasanerie stehen'bereit.

3m Ried.

Dem Reiseirden, der im Frühjahr mit der Dahn von Mamcheim über Friedrichsfeld nach Darmstadt ober Frankfurt fährt, bietet sich, etwa in der Gegend von Weinheim, ein sonderbarer Anblick dar.' Auf der rechten Seite begleiten ihn die anmutigen Landschaftsbilder der Berg­straße. Während links in der Ebene, nach dem Rheine zu. sich eine merkwürdige Erscheinung zeigt. Zunächst taucht vor Den Blicken ein breiter Wasserstreifen auf. den man für einen Rhein- arm halten könnte^ dann reiht sich See an See. und zwar auf eine Strecke von mehreren Kilometern. Woher kommt nun dieses Wasser, bas im Sommer nicht ba ist?

In ber trockenen Jahreszeit sieht man hier statt ber spiegelglatten Wasserflächen, bie bas Licht der Frühjahrssonne zurückwerfen, vielfach Wiesenland ober bestellte Felder: aber gegen den Winter hin bilden sich hier und dort, be­sonders an den tiefer gelegenen Stellen, große Sümpfe, die den Winter hindurch vereist sind und vom Schnee bedeckt werden, weshalb sie sich bei der Borüberfahrt den Blicken der Rei­senden entziehen. Die Frühjahrslonne jedoch läßt sie wieder erscheinen und häufige Riederschläge tragen dann dazu bei. bah sich die Sümpfe geradezu in Seen verwandeln. Ab unb zu ragt einmal ein Daum ober ein Strauch über die Wasserfläche hinaus: man kann daran fest­stellen. daß bas Wasser im allgemeinen nicht tief ist. In diesem Jahre war bie Sumps- bilbung lange nicht so stark wie in ben Vor­jahren.

Der Bolksmund nennt bie Gegend bas »Ried", sie liegt ziemlich außerhalb bes Ver­kehrs unb reicht vom Main im Rorben bis zum Reckar im Süden. Die Ost grenze ist bie Bergstraße unb ber westliche Abschluß ber Rhein. Das gesamte Gebiet umfaßt eine Fläche von etwa 350 000 Morgen, von denen über 30 Prozent Sumpfland sind. Die Einwohnerzahl wirb mit runb 148 000 angegeben, die sich auf 77 Gemeinden verteilt, und zwar in den Kreisen. Heppenheim 2. Denshetm 22, Darm­stadt 7. Groß-Gerau 46.

Das Rieb ist eine Flachlanbschaft, ein Teil ber Rheinebene, die unter dem Flamen Mainzer Decken' bekannt ist und den nördlichen ^Ab­schluß der oberrheinischen Tiefebene bittet. Die Geologie erklärt bas Entstehen biefer Tief eben: als Grabensenkung eines Gebirges in ber Ter­tiärzeit. Die Senkung war bann ein schmaler Meeresarm. ber durch das Rhonetal mit dem Mittelländischen Meer verbunden war. Die Pflanzenwett des Mainzer Deckens ist Isoweit es sich nicht um Kulturpflanzen handelt) gan- merkwürdig und gehört einer früheren Zeit an. In einer Abteilung des Dotanischen Gartens in Darmstadt ist sie auf einem engen Raum vereinigt, und es zeigt sich, bah es vorwiegend Steppenpflanzen sind, bie sich wie Fremdlinge auf der deutschen Erbe ausnehmen.

Durch bas ganze Ried zieht sich von Süden nach Rorben eine muttenartige Vertiefung des Bodens bin; biefe Dodensenkung ist aber nichts anbered als ein alte- Flußbett bes Reckars, ber hier in vorhistorischer Zeit bem Rhetne zu­strömte. Der Reckar hat bekanntlich noch in geschichtlicher Zeit an seinem Unterlauf starke Veränderungen erfahren. Man hat in früheren Jahren allerdings nur in akademischer Form, die Frage aufgeworfen, ob es möglich sei, ben Reckar wieder seinem alten Bette zu-ul eiten,

Dienstag, 26. Mai 1925

Familie, nicht in einer Erziehungsanstalt, für wün­schenswert

Anschließend an diese Ausführungen sprach (Be­be i m r a i SRittermaier nod- ein kurze» Schlußwort und forderte zum Zusammenschluß aus zwecks gegenseitiger Belehrung und zum Studium sowie zur praktischen Ardcii

Am Sainstognachmiitag fand eure Besichtigung der Zellenstrafonftatt Butzbach stakt.

Turnen, Sport und Spiet

'1*0111 Turngari Hessen (D. X.)

o Sein 5. Gaufrauenwett nrnenc hielt ber Gau Hessen ? -T.» am C onnlag in Butzbach ab Di - stattliche Anzahl von 250 Turnerinnen erklärt sich einmal aus der stetigen Zunahme der Frauen-Abteilungen in ben Turnvereinen, von denen 22 vertrete i waren: Allendors a. d. L. Alssclb. Bad Riuheim <1560 unb Mw.). Biedenkopf. Butzbach Frank-nb ?rg. Friedberg. Gießen <1846 unb Mw.), ©lab n- bach, Groß?n-Linden. Grünberg. Huna n Klein- Linden. Lich. Marbach. Marburg, Ridda ?:icber- Girmes. Treis o. b. ßba und Wetzlar: zum andern trieb aber auch btt Freude, ber ner- abteilung bes Turn- und Sportvereins 1846 zu Butzbach bie Feier ihres 25jährigen Bestebens reicher ausgestalten zu helfen Daß bleie Anlei­tung mit zu den ältesten im Gau H sfen zähll. verdankt sie einer jahrzehntelangen turne» scheu Tradition, bie von Männern wie W e i b i g, Kuhl unb Wämser eifrig gepflegt Würbe. Unb bewährte Gastfreundlichkeit ermöglichte es, baß schon am Dorabenb sich bie Gießener. Mar­burger unb Wetzlarer Turnerinnen sowie die beflen Turner des Gaues an ber eindrucks­vollen Jubiläumsfeier in der großen Festhaike mit mannigfachen, formvollendet.n Darbielungen beteiligen konnten.

Unter ber temperamentvollen unb umsich­tigen Leitung bes ®aufraucnturnwartc8 Rudolf Paul (Gießen) begannen Sonntag früh auf bem Sportplatz imLustgarten die Wettkämpfe der 15 Riegen in Pflicht und Kür­übungen an den Gerälcn. im Laufen. Kugel­stoßen, Hoch- unb Weilsprung unb einer Frei­übung: leibet mußten bie Hebungen infolge des Heraufziehen den RegentoetterS im Schutz ber Turnhalle bzw. der großen Festhatte ->uiu v[b- schluß gebracht Werben. Aber allmählich hakle der Wettergott ein Einsehen, unb so wurde es mög­lich, am Rachmittag das sorgfältig vorbereitete Programm in seinem vollen Umfang Wieder aufzunehmen. Rach einem Festzug durch die Sladt boten die allgemeinen Freiübungen für ba > Kreis fest in Gießen in guter Ausführung mit Musik­begleitung ein schönes, anmutiges Bild: in mar­kigen Worten sprach der 1. Gauvertreler Arthur Pfeiffer (Wetzlar) von der geschichtlichni Auf­gabe der Deutschen Turnerschaft, an der körper­lichen unb seelischen Heranbilbung auch ber deut - scheu Frau nach Kräften mitquwirken. Don groß >n Interesse für bie zahlreichen Zuschauer waren die gemeinsamen Uebimgen an mehreren Da< eea, Wie sie der Gau Hessen beim Kreissest als Donder- vorführung darbieten will, ebenso die ma m.g- fachen Dondervorführungen einzelner A >tci hingen. Trotz der vielen Hindernisse ermöglichte es ber Berechnungsausschuh burch anqeffrengi.' Arbeit unter Leitung bes Turners D a h m (Butzbach), daß gegen o Uhr die Siegerur! > n Je.' ausgegeben Werben konnten. Rachstehend b ing n Wir die ersten Siegerinnen aus jeder <3tufc und diejenigen der näheren Umgebung

Turnerinnen Oberstufe. Reun- I arm b f. Paula Hofmann, Mtv. Gießen, Ehren- fieg; 1. Sieg Luise Steinel, Mtv. Bad-Raul :im. Gretel Walbschmibt. Tv. 1860 Bab-Raul-eim: 2. Marie Rohmig, Mtv. Gießen: 9. Emmi Die- secke, Mtv. Gießen: 10. Helene Leinweber, Tv. Treis a. b. ßba.; 12. Anna Amenb, Tv. Treis a. b. Lba. Siebenkampf. Paula Hofnaun. Mtv. Gießen, Luise Steinel. Mtv. Dad-Rauheim, Ehrensieg: 1. Sieg Grelel Walbschmibt Tv. 1860 Bad-Rauheirn: 5 Marie Röhmig, Mtv ' . en 7. Hermine Schwan, Mtv. Gießen: 9. Gretel Birkenstock, Tv. 1846 Gießen. Sophie Bohrig Tv. 1846 Gießen: 14. Helene Leinweber. Tv. Treis a. b. Lba.: 16. Anna Amenb, Tv. Treis o. b. Lba . 18. Emmi Giesecke, Mtv. Gießen.

Bei Neigung zur Korpulenz raten Wir Ihnen, in ber Apotheke 30 Gramm echte Toluba-Kerne zu kaufen, die völlig unschädliche, babei wirksame, ben Ansatz verhindernde Stoße enthalten. Sicher: Univ.-Apotheke zum golb. Engel. Die Bestandteile sind auf der Packung angegeben,

damit er das Ried burchstromt. Unzweifelhaft würbe dies für die Riedlandfchaft von großem wirtschaftlichem Vorteil sein und ihr einen star­ken Verkehr zuführen aber es ist undenkbar, bah bie Bevölkerung, bie jetzt am Unterlauf deS Reckars sitzt, sich eine solch? Umleitung gefall n lassen Würbe, bie sie wirtschaftlich schwer |d>ä- bigen würbe. Technisch Wäre das Problem Wohl zu bewältigen, ben Fluß in ber Rähe ber Main- münbung, wie in vorgeschichtlicher Zeit, sich in ben Rhein ergiehen zu lassen.

Schon vor 350 Jahren ist versucht worden, das Rieb zu entsumpfen. In ben Jahren 1567 bis 1596 lieh ber Lanbgraf Georg I von Hecken benQanbgraben erbauen, ber das Walser ber Sümpfe aufnehme.r und das Land kultur- fähig machen sollte. Eine Zeitlang hat er diese Ausgabe leidlich erfüllt, aber bann verfiel er unb in seinem unbrauchbaren unb unzweck- mähigen Zustanb ist er heute noch vorhanden.

Das Landschaftsbitt bcs Rieds Wird sich in den kommenden Jahren Wohl völlig verändern, denn bie hessische Regierung ist gewillt, taS Land urbar zu machen. Baden unb Hessen, auf deren Boden bas Sumpf gebiet liegt, sind übereingekommen, es trocken zu legen. Ci wer­den damit bie für jenes Land so charakteri­stischen Wasserflächen während des Herbstes unb des Frühjahrs voraussichtlich in einigen Jahren für bauernb verschwinbei?: Das Land wird von Kanälen burchzcgen werben jur Aufnahme der überschüssigen Badens uchtigkeit, bie durch den hohen Stand bes Grundwaslers veranlaßt Wirb. Die Kosten biefer Regulierung werben zwar nicht gering sein, aber '<c Werden sich nach dem Urteil landwirtschaftlicher Sachverständiger durch den vermehrten Ertrag des verbefserlen Ackerbodens mehr als bezahll machen.