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«r. 72 Erster Blatt

175. Jahrgang

Donnerstag, 26. März 1925

GietzenerAMiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Sreetfnrt a. M 11««.

Die Sicherheitsfrage.

Die Ausführungen EhamberlarnS im Unter- hauS haben wohl in England selbst eine unge­teilte Ausnahme gefunden, dagegen haben sie in der französischen Presse peinliches Befremden her- norgerusen, so daß es vorerst einmal der aller- gröyte Teil der Pariser Blätter vorgezvgen hat, lediglich den Wortlaut der Rede zu veröffent­lichen. Aber schon die wenigen Kommentare ge­nügen, um sich ein Bild von der Empörung zu machen, deren sich die Franzosen bemächtigt hat, weil England eS gewagt hat, den deutschen Dor- fchlan zu akzeptieren, den Frankreich und seine Bundesgenossen aber als unbrauchbar und ge­fährlich zurückweisen. Dabei übersehen die Fran­zosen ganz, dah Chamberlain Frankreich gegen­über die deutsche Absicht der freiwilligen An­erkennung der West grenzen besonder« hervor heb en wollte. Gr hat sich dagegen auch eine große Reserve hinsichtlich der deutschen Ostgrenzen auferlegt uni) nicht verabsäumt, Lloyd George gegenüber während der Unter- hauSdebatte, der sich für eine Revision der deutsch-polnischen Grenzen einsetzte, zu erklären, dast er mit ihm nicht gleicher Meinung sei. Beachtlich waren auch die Ausführungen BaldwinS, der eS nicht versäumte, Englands i Rolle dahin zu skizzieren, dab sie darin bestehe, Westeuropa den Frieden zu geben, der bisher noch nicht vorhanden gewesen sei.

BaldwinsUnterhausrede

London, 25. März. (WTD) Premier­minister Baldwin, der zum Schluß der gestrigen I Sicherheitsdebatte im Unterhaus das Wort er» i griff, erklärte, wenn die Bestrebungen Chamber­lain« von Erfolg gekrönt sein würden, werde Englands Rolle sein, den Frieden in Westeuropa zustande zu bringen Solange jede fvirkliche Rückkehr zum Frieden und zur friedlichen Mentalität verhindert werde, bleibe auch un- nnöglich, waS die Regierung nicht weniger als die M tglieder der Arbeiterpartei am sehnlichsten zu sehen wünschten, nämlich die Abrüstung. Die Regierung sei der Ansicht, daß keine Fort­schritte in Europa gemacht werden können, bevor die Mentalität Westeuropas verändert fei. Die« könne aber nur erreicht werden, wenn das Gefühl der Unsicherheit dem der Sicherheit Platz mache.

ES bestehe Mn Zweifel, daß eine längere Aufrechterhaltung der Besetzung fcormal« feindlichen Gebiet«, wenn diese unge­bührlich verlängert werde, zu einer sehr ernsten Lage in Europa fuhren werde, zu einer Lage, der abzuhelsen oder die zu überwinden man dann nicht mehr Imstande fein wurde.

Daher habe die Regierung mit einiger Hoffnung Die deutschen Vorschläge angesehen, die ziemlich unerwartet gekommen seien und deren Art mehr Möglichkeit einer dauerhaften Rege­lung erhoffen lasse als alles, was in letzter Zeit in Europa geschehen sei. Die vtit sche Regierung habe llar ' verstanden, daß Deutschland aus die Aussichten bzw. aus jene Absicht verzichtet habe. 1 die Grenze im Westen zu verändern 3m Osten ' Europas habe Deutschland einen großen Schritt vorwärts in der Richtung auf den Frieden getan, weil es bereit sei. zu erklären, daß es auf alle Anrechte verzichte, eine Aenderung d u r ch mili­tärische Gewalt vorzunehmm Cs sei natür­lich vollkommen llar. dah Deutschland in den kommenden Jahren vielleicht durch Diplomatie, durch ein Sch dsversahren oder irgendeine andere friedliche We se versuchen könnte, eine Ände­rung in Osteuropa hmbeizuführen. Aus England laste jetzt eine refgc Beantwortung. Er glaube jedoch, dah England sich dieser Derantwortung gewachsen zeigen werde.

Das Pariser Echo.

Paris, 25. März. (WB.) Zur Rede des - britischen Staatssekretärs Chamberlain äußert sich die Wendpresse zurückhaltend. DerT e m p s" nennt es eine üble Sache, wenn man trotz der Lheorie des Fetzens Papier noch glaube, z u einer deutschen Unterschrift noch Zu - ^trauen haben zu können. Wer dieser Gedanke habe stch fest in dem englischen Hirn verankert. Cs handle sich also um eine These, mit der man von nun an rechnen müsse. Deutschland wolle sich vor dem f a i t accompli im Westen beugen. Es wolle sich aber gewisse Zu- kunstSmöglichkeiten im Osten Vorbehal­ten. Chamberlain habe zu verstehen geaeben, dah es ein großer Irrtum toär \ anzuneymen. dah ein SiLerheitspakt für den Westen den Besiegten von 1918 eine Ermutigung geben könnte, andere Fragen, wie z. D. die Polen betreffenden, wieder aufzurollen. Das sei ohne Zweifel richtig- aber nicht weniger wahr sei auch, dah Möglichkeiten Ve>er Art wie eine ft ä n 6 i g e Friedens- Bedrohung bestehen bleiben, und dah der Sicherheitspakt zu fünfen niemals die Sicher- bcit geben könne, die das Protokoll von Senf gegeben haben würde.

"findet es selbstverständlich. dah we Vorschläge mit aller wünschenswer-

ten Aufmerksamkeit geprüft werden, da keine Re-- gierung das Recht habe, eine GÜegenheit vor- übergehen zu lassen, die sich biete, um einen dauerhaften Frieden sicherestftlen. Aber jetzt sch o n die Berliner Vorschläge als eine solide ©runölage zur Regelung des Friedens anzusehen, k18 nach seiner Ansicht eine auheror» ^"Vorsichtigkeit. da ja '! Deutschland noch mcht einmal in den Völkerbund . erngetrtien fei. und da es noch nicht einmal alle Verpflichtungen erfüllt habe, die er.

Dor der Wahl.

Dr. Jarres in Stuttgart.

Stuttgart, 26 März (TU.) Der An- drang zu den vom Reichsblock Württemberg für anöiöatur Dr. IarreS veranstalteten 2vahleiVersammlungen war so stark, dah die bei­den größten Säle Stuttgarts nicht ausreichten. Die Liederhallc-Versammlung wurde vom Dor» sitzenden des RtichSblockS in Württemberg Land» gemchtspräsident a. D. Mayer, mit einer An- -prache eröffnet, in der er hervorhob, dah daS deutsche D.lk vor einer Schicksals stunde stehe, und daß eS von den Wählern abhängen werde, ob diese zum Segen oder Unsegen Deutsch­lands ausschlagen werde. Der Reichspräsident soll über den Parteien stehen. Richt Rechtsblock, nicht Linksblock, sondern Reichs­block ist der Wille deS deutschen Volkes. Einen solchen Mann haben wir in Dr. Jarre s. Ober­bürgermeister Dr. Jarres, mit langanhalten- öem Händeklatschen begrüßt, gedachte feiner Fahrt durch Deutschlands Gaue und fuhr dann fort: Was wir wollen, daS ist ein«:

Heraus an« dem Partelfnmpfk (Lebhafter Beifall.) Wir wollen keine Restaura­tion, denn die Geschichte hat gelehrt, daß da« undurchführbar ist, und keine glatte Wiederkehr oller Verhältnisse. Wer wir wollen auch keine Geldfackrepublik. tn Schlagwort da« jüngst von geginrifchcm P?l t k rn gepr. gt worden tst 2Bir treten ein für eine besonnene aber wür­dige und aufrechte Vertretung unserer Inter­essen. Wir dürfen uns nicht der Gefahr aus- setzen, das Kampffeld für die andern Völker zu werden. Sollten wir eines Tage« in den Völ­kerbund eintreten, so müßten wir unsere Aus­gabe auch darin erblicken, uns der deutschen Minderheiten anzunchmen, die in den ab­getretenen Gebieten wohnen. Dr. Jarres trat dann unter dem Beifall der Versammlung ein für den Kampf gegen die KriegSs chulo° lüge und erklärte weiter: ^Dir sind sozial aber nicht sozialistisch Der Klassenkampf hat unS unendliche« Unheil g bracht.

ein gesunder und lebensfähiger Mittelstand ist der Hauptpfeiler für den Staat und für die Wirtschaft. Der Mittelstand muß gestärkt wer­den durch eine vernünftige Steuer­politik und durch eine gerechte Auswer­tung. soweit sie wirtschaftlich tragbar ist Rot­wendig sei die Befreiung der Wirt- schäft von überflüssigem Zwange und über­triebener Durcaukratisierung. Dr. Jarre« er­innerte an den Besuch, den er dem Grafen Zeppelin in Stuttgart nach der großen Luft- schif katastr phe von Echterdingen abg -stattet hatte. Gras Zeppelins Zuversicht und 11 n erschütterlichkeit. mit der er an einem ols richtig erkannten Ziel festhielt, soll auch unser deutsches D.lk b seelen. Anstatt uns über die Ursache unseres Unglücks die Köpfe zu zer- schlagen, wollen wir unverzagt und unverdrossen an dem Wiederaufbau unserer Zukunft ar­beiten. So huldigm wir am b-sten dem Gedächt­nis de« großen württ mberg.fchen Landsmanns Die Rede von Dr. IarreS wurde mit großem Beifall ausgenommen.

Dr. Hellpach in Breslau.

® re« lau. 26 März. (TU.) Die Demokra- tische Partei veranstaltete in Breslau eine Ver­

sammlung. in der Staatspräsident Dr. Hellpach sich der DreSlauer Bevölkerung vorstellte Dr. Hellpach führte u. a. aus: Wir haben in der Weimarer Verfassung die F)rm der polititischen Mündigkeit bekommen. A.n nächsten Sonntag muh da« Volk beweisen, daß eS wirklich politisch mün- big und frei ist. Leider besteht augenblicklich die Gefahr, daß in einem Menschenalter, viel­leicht schon In einem Jahrzehnt, in den ein­zelnen ßänbern die einzelnen Bildungsein­richtungen so verschieden fein werden, daß man sie kaum noch miteinander vergleichen kann. Es läßt sich leicht ermessen, was eine solche Ent­wicklung für ein an sich schon stark zum Parti- kularismus eigendeS Volk bedeutet. Zur Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund erklärte Dr Hellpach. daß man zwar mit den Leistungen des Bunde« nicht gerade zufrieden sein könne, der Eintritt in den Bund sei für Deutschland jedoch der einzige Weg. um wieder mit den anderen Völvern in Berührung zu kommen. Rur der Weg der Raren Ausein- einandersetzung mit den Interessen der anderen Länder könne zum Ziele führen. Das gelte auch für die Frage des Anschlusses Deutschösterreichs an Deutschland.

Ein Wahlaufruf der Wirtschaftspartei.

Berlin, 25. März. (TU.) Der Reichsaus- schuh der Wirtschaftspartei des deut­schen Mittelstandes, unterzeichnet Dre­witz, M. d. R, erläßt einen Wahlaufruf, in dem eS u. a. heißt:

»Die Wirtschaftspartei konnte bei den wie­derholten Besprechungen der Vertreter der ver­schiedenen Parteien und Organisationen im ReichSbürgerrat mit Befriedigung feststellen, daß sich alle beteiligten Kneife des deutschen Volkes unter den höheren Gesichtswinkel eine« Eini­gung « ve r s u che S möglichst weiter Kreise der Bevölkerung bestrebt zeigten, S o n der w ü n s che irgendwelcher Art z u r ü ck z u st e l le n. Es herrscht vielmehr emfteffp Wille vor, nach einem Mann zu suchen, der nicht partei­politisch exponiert erscheint, aber in be- jug auf den Cha ratter und die Bedeutung für diese« höchste Amt, welche« da« deutsche Volk zu vergeben hat, die unerläßlichen Vorbedin­gungen erfüllt. Die Wahl siel nach sorgfältigster Beratung und ausgedehntem Meinungsaustausch auf den früheren Reichsminister Dr. Jarres. Es steht fest, daß sich wenigstens ein grober Teil deS deutschen Volkes unter Zurück- stellung aller Bedenken und Sonder- wünsche zusammengefunden hat, im höheren Interesse des Vaterlandes. Dem Va­terland in schicksalsschwerer Stunde alle eigenen Hoffnungen und Wünsche unterzuordnen, ist von jeher selbstverständliche Pflicht de« deutschen Mittelstandes gewesen. Des­halb schließt sich die Wirtschaftspartei restlos dem Etmgungsgedanken an und es kann deshalb am 29. März 1925 für den deutschen Mittelstand nur eine Parole geben: Jede Stimme Dr Karl Jarres."

füllt werden müßten, wenn es nach der gültigen Regel in Genf zugelassen werden sole.

Das ,Journal des Debats" schreibt: Die Rede Chamberlains kläre die diplomatische Lage auf, ohne den Horizont zu erhellen. Die Rede bringe keine Lösung. Sie lasse durch den Rebel hindurch die Morgenröte eines besseren Tages erkennen. Wer nichts weise daraus hin, wann dieser Rebel verschwinden werde Cs sei den Franzosen unmöglich, in der deutschen Demarche, so wie sie Chamberlain er­läuterte. etwas anderes als einen Vorschlag zu erblicken, dem man sich mit der größten Vorsicht nähern müsse. Damit ein besserer Tag anbreche, müsse das Deutsche Reich Vor­schläge unterbreiten, die einen versöhnenden Cha­rakter haben und müsse vorbehaltlos in den Völkerbund eintreten.

Balfours Be uch in PalSft'na.

Jerusalem. 25. März. "(Reuter.) Dal- f out ist heute hier ei-getroffen. Den letzten Tril seiner Reise hat er im Automobil zurückgelegt. Er hat im Regierungspalaste als Gast des Ober- kommissars Samuel Wohnung genommen. Der für den Besuch Balfours von den Arabern an­gekündigte Generalstreik ist im vollen Garge. Die arabischen Zeitungen erscheinen zur Zeit noch. Die Volksmenge versammelte sich in Moscheen und mohammedanische und christliche Redner hielten Ansprachen. Polizei und berittene Gendarmerie patroulli rte in den Straßen. Ver­schiedene Waber tragen schwarze Bänder an ihrer Kleidung. Die Bureaus des arabischen Ko­mitees toeif.n Trauerfchmuck auf. Kein arabisches Fuhrwerk ist zu sehen. Es herrscht vollständige Ruhe.

Eine Völkerbundsuntersuchung der Binnenschiffahrt.

3 Berlin. 26. März. (Ptiv.-Tel.) Der Völkerbund beabsichtigt, wie wir hören, auf Grund der Beschlüsse der Konferenz von Genua

etne Untersuchung über den Zustand der Binnenschiffahrt in Europa vorzu- ncchmen, und zwar sowohl nach technischen Ge­sichtspunkten wie insbesondere auch vom Stand- pEe der Wirtschaftlichkeit und der Verwaltung. Zu btefem Zwecke w rden der Amerikaner Waller H t n e s aus Rerhork, ehemaliger Generaldirektor der Ersenbahnen der Vereinigten Staaten und vchtedsrichter für die Sch ffahrtsabgabe. sowie der M jor S o m m e r w e l l vom Ingenieurkorp« der Armee der Vereinigten Staaten, der nach dem Kriege bei der amerikanischen Besatzung«, behorde in Koblenz tätig war. vorläufig Rhein UndDonau in der nächsten Zeit persönlich besuchen.

Ansprüche an die französisch­belgische Ei enbahnregle.

Derl.in. 26. März. (TU.) Die Besatzung«- behorden im besetzten Cftbift haben die Stift für Anrufung der Entscheidung der ge- -gerichtlichen Kommission in Du s-ldors. Mainz und Archen in den Schadens- erfabtorberungen an die Abwickelungsst"lle der Eisenbahnregie durch folgende, vom 5. März da­tierte Verordnung verlängert:

I. Wer zwischen dem 13. Rovember 1924 und dem 16. Februar 1925 die in Abi 2 des Art 3 t>er Prozeßordnung der gemischt-gerichtlichen Kommission vorgesehene Eingabe aus güt­liche Regelung an die Regie gerichtet hat. kann bi« zum 16. Mai 1925 den vorbereitenden Schriftsatz füi Eröffnung des gerichtlichen Ver­fahrens an die gemischt-gerichtliche Kommission der rheinischen Eisenbahn richten

2. Die vorerwähnten Pe-sonen find jedoch verpflichtet, und zwar bei St-afe des Rech s- ausfchl'.ifses. oor dem 10. April 1925 dem zuständigen Kommissariat der gemischt-gericht­lichen Kommission m:t Einschreibebrief, dcus Da­tum. die Art und die Höhe der an die Regie gestellten Forderung mttzuteilen.

I Mussolinis Reformpläne

Mussolini ist von feiner Kranlheit wieder heraestellt und hat seine Regierung t itigfeit in PcLcni Umfange und mit vie '

genommen. Am Donnerstag wird er in der Kam­mer erscheinen, um eine große R.'de zu halten. Dabei wird er sich allerdings in der Hauptsache auf außenpolitische Fragen beschränken Dai'er wird er vor allen Dingen dem Partain mt Kennt­nis davon geben, dah d i e Frage her Oase Dscharabub, die vorübergehe b A üaß zu einem Konflikt mit Aegypten g.'geben batte, und die Kubalandfrage ihre Er­ledigung gefunden haben.

Wichtiger aber ist die Verfass nngsre- form, die jetzt mit Eifer im Schße d , Re­gierung oor bereit et und anscheinend eine ein­schneidende Umwälzung zur Folge haben wird Mussolini hat sie mis den Worten angcfünblgt Das faschistische Mefter wird dic .rauten Tetlc be« liberalen Staates unbarmherzig w.g'chnei den". Wer die Tatkraft und Zähiqteit Musso» linis kennt, wird nicht daran zweifeln, daß er die Reform auch mit allen Mitteln und mit der hinter ihm steheirden Macht jur Du hjich. rung bringen wird. Sie soll spätestens im Mai dem Parlament vorgelegt und bis zum Herbst auch durchgeführt sein.

Eine weitere sehr wichtige Reform wird von der Regierung angekündigt, die durch die letzten großen Streiks in der Lombardei an­geregt worden ist und schlaglichtartig die fatzi- stische Aufsasung in diesen Fragen offenbart hat Die Regierung will nun für die Zukunft alle Streiks und Aussperrungen, die nur die Ausbau­arbeit stören, unmöglich machen. Zu diesem Zwecke sollen alle Arbeitgeberverbände und alle Gewerkschaftsorganisationen in e i ne Körper­schaft zusammengefaßt werden, aus der heraus ein paritätisches Schieds­gericht gebildet werden soll, das unter Mit­wirkung von Regierungsvertretern alle Streit­fragen deS Wirtschaftslebens, vor allen Dingen Lohn» und Arbeitszeitschwierigkeiten, durch ver kindliche Schiedssprüche regeln wird Dadurch will sich der Staat maßgebenden Einfluß auf alle wirtschaftspolitischen Angelegenhesten fiAern. Um diesera 11 n a t i o n a le n Körperschaft An­sehen und Autorität zu geben, sollen Mitglieder dieser Körperschaft Im Parlamenl oertreien sein, und zwar sollen sie ein Drittel aller Sitze in der Kammer und im Senat innehaben

®« ist llar, baß alle biefe weitgehendem Reformpläne von der Opposition heftig an­gegriffen werben, da sie ja wohl geeignet sind, eine völl-ge Umwälzung bes pol tischen Lebens herbeizuführen. Aber alle Angriffe toerben an dem eifernen Willen Mussolinis zerschellen, ber mit Hilfe feiner begeisterten Anhängerschaft für die Erreichung feines Zieles sorgen wird.

Die Retchspost.

Der Verwaltunqsbertcht des Ncich^ postministrrs.

Berlin, 25. März. Im Verwaltungsrat der Deutschen ReichSpost, ber sich gestern und heute mit einer Reihe von Gegen stäuben zu befassen hatte, die für die Gegenwati und Zu­kunft ber RetchSpost von grundlegender Bedeu­tung sind, hielt Reichspost mini st erStingl eine Ansprache, worin er u. a. ausführte, das Jahr 1924 sei ein Markstein in der neuzeit­lichen Entwicklung ber Deutschen ReichSpost. da mit 1924 das erste Jahr feit dem Inkrafttreten de« Reichspostfinanzgesehes abge­schlossen sei. 3m großen und ganzen seien die aus dieses Gesetz gefetzten Erwartungen und Hoff­nungen in Erfüllung gegangen. Die von der ReichSpost durchg?führten Gebührenermäßi- gun/jen im Post-, Telegraphen- und Fern­sprechverkehr haben ber Post beträchtlich? Ein­nahmeausfälle gebracht, le bet ober leinen erkennbaren Rückgang ber Warcirpre se erzielt, fo daß für bie Post geringere Einnah­men u n b höhere Ausgaben bas Er­gebnis gewesen seien. Sin solcher Zustand sei auf bie Dauer unerträglich. Bti den Ausgaben er­wähnte bet Minister insbesondere die Tilgung der auS früherer Zeit übernommenen Schuld an das Reich, bie Zurückstellung eines Postens von 20 Millionen für bie an Bayern und Württemberg für Ueb'rlassung ih^er Pasten an daS Reich zu zahlenben Vergütung, di< Aufwendung von weiteren 20 Millionen füt bie WohnungSfürsorge und den untei Ausnutzung einer günst gen Konjunktur erfolgten 21 n tauf von mehr als 350 Mietpostgebäud Der Im Voranschlag für 1924 veranschlagt, Ueberschuh von 29 M'ttionen werde schwer erreicht.

Der Minister wies auf die günstige Wirk­samkeit de« Postparlaments, namentlichdeS Verwaltungsrats, hin, der. von der Mitwirkung anderer Körperschaften losgelöst, 'ich den wech­selnden Derkehrsbedrüfnissen anpassen urrb Kon junfturen habe ausnuhcm können. Der Minister sprach alsdann dem Verwaltungsrat und der gesamten Pvstbeamtenschaft seinen Dank aus. Beide Faktoren hätten den Erfelg von 1924 erst ermöglicht Zu ber Frage, wann bie ReichSpost in bie Lage kommen werde. Ueber- schü'se an bie allgemeine Reichskasse abzu' hr?n. erllärte ber Minister, biß für 1924 und 1925 ber Voranschlag solche Abgaben nicht vor'ehe Die erzielten Ueberschüssc würben gemäß dem Reichspostsinanzgeseh zunächst zurückgelegt Die Reichspvst sei sich bewußt, daß sic- .uch nach dem Inkrafttreten des Finanzgeset^s eine Reicbsaustal» ur* des