Einzelbild herunterladen

Nr. 198 Swetter Blatt

Gießener Anzeiger (Senerai-Anzelger für (Vderheffen)

Dienstag, 25. August (925

DieAustvettungvonZparguthaben bei Privatfpariasten und Banken.

Bon Rechtsanwalt W. L u l e y, Gießen.

Die Aufwertung von Sparguthaben bei öffent­lichen oder unter Staatsaufsicht flehenden Sparkassen ist noch Art und Durchführung in § 55 und folgenden des Aufwertunosgeseßes geregelt, lieber die Auf- Wertung von Guthaben bei Prioatlparkafsen und Lanken ist in dem Gesetz nichts gesagt. Die Aus- ivertung von Soarguthaben bei Priooliparkassen ist üurch das Auswertunasgeseg nicht ausgeschwsien. hierüber besieht fein Zweifel. Zweifelhaft ist nur, auf welche Weise die Auswertung dieser Guthaben zu erfolgen hat. Während Warneyer-Koppe an­nehmen, daß die Aufwertung von Sparguthaben bei Vrivatsparkassen nach analoger Anwendung der 8 5557 erfolgen muß, steht Wagemann auf dem Standpunkt, daß die Guthaben bei Prioatsparkassen nach allgemeiner Vorschrift, indessen regelmäßig nicht über 25 Proz. oufzuwerten seien. Ein Anhalt ist in dem Gesetz für die Anschauung von Warneyer-Koppe nicht gegeben. Es erscheint mir vielmehr richtiger, daß eine Auswertung von Guthaben bei Privat- sparfassen nach den Grundsätzen von § 62, 63, Abs. 1 und 4 zu erfolgen Hot. Es werden also die Inhaber von Sparbüchern von Prioatsparkassen gut tun, sich mit den Kassen wegen Regelung der Aufwertung ins Benehmen au setzen. Eine Zuständigkeit der Auf- mertungssteUe ist nicht gegeben. Es sind die örtlichen Gerichte zuständig, die nach freiem Ermessen die Aufwertung vorzunehmen haben. Zweckmäßig wird es allerdings dabei sein, nach den Borschristen der § 55 bis 57 des Aufwertungsgesetzes zu verfahren.

Was die Aufwertung von Sparguthaben bei Banken anlangt, so hat das Gesetz bezüglich dieser eine ausdrückliche Regelung ebenfalls unterlaßen. Sparguthaben bei Banken sind in dem Gesetz nir­gends erwähnt. Allgemein ist bezüglich der Dar­lehensansprüche an Banken in § 66 des Gesetzes bestimmt, daß diese nicht oufgewertet werden, von Ausnahmesällen, die hier nicht weiter interessieren, abgesehen. Die Frage wird also die sein, ob Spar­guthaben bei Banken unter die nach § 66 des Gesetzes nicht aufzuwertenden Darlehen fallen.

Was die rechtliche Natur der Spareinlage an- langt, so ist bezüglich dieser eine Regelung in dem Bürgerlichen Recht nicht erfolgt. Staudinger sagt in Anmerkung II 8 zu §607 BGB.:Auch die Einlage bei einer Sparkasse ist im Grunde ein Darlehens- vertrag." Diese Ausdrucksweise beweist, daß die Annahme eines Darlehensvertrages schlechthin für eine Spareinlage nicht unbedenklich erschien. Worin bestehl nun die Besonderheit eines mit einer Spar- taffe eingegangenen Darlehnsvertrags? Die Beson­derheit beruht in der Eigenart der Sparkasse. Die Sparkasse ist eine Institution zur Annahme von Darlehen in kleinen bis mittleren Beträgen, die von ic her sich an die breiten Massen in Geldsachen nicht erfahrener kleiner und mittlerer Sparer ge­wandt hat und deren Brtrauen in Anspruch ge­nommen hat. Soweit die Sparkassen öffentliche oder unter Staatsaufsicht stehende sind, haben sie sich diese Vertrauenswürdigkeit behördlch bestätigen laßen. Aber auch die Privatsparkaßen haben in gleicher Weise für sich dos Vertrauen ihrer Ein­leger in Anspruch genommen. Insbesondere sollte die Art der Anlage der eingezahlten Kapitalien deren Sicherheit garantieren. Für öffentliche Spar- kaffen sind indes gesetzliche Vorschriften über die Anlage und über Reservefonds erlaßen worden. So enthält beispielsweise das Hessische Sparkassenaesetz von 1902 die Vorschrift, daß die Satzung Bestim­mungen über die Anlage der Kapitalien treffen muß und schreibt außerdem vor, daß ein Reserve­fonds in Höhe von 10 Prozent der Einlagen ge­bildet werden muß. lieber die Art der Bildung des Reservefonds, feine Zusammensetzung im ein­zelnen trifft das Gesetz keine Vorschrift. Für wie außerordentlich sicher in der Vorkriegszeit die öffent­lichen Sparkassen gehalten worden Jfnb, ergibt eine auf der Hauptversammlung des Hessischen Spar- kaßenverbandes im Jahre 1896 getroffene Feststel­lung:Ein Reservefonds ist zur Sicherung der Ein­lagen überhaupt nicht nötig, da die Kommunen ober Kommunalverbänbe ja bie eigentlichen Garantie- träger sinb und sicherlich durch ihre Steuerkraft eine viel größere Sicherheit bieten, als ein noch so großer Sicherungsfonds. Was die Anlagen der Sparkaßenkapitalien anlangt, so ist in den Spar- kaßengeseizen zumeist nur mit allgemeinen Worten auf eine sinngemäße Verteilung der Sparkassenkapi- tahcn auf die verschiedenen Risikoselder hingewiesen. Die Sparkaßen sollen ihre Kapitalien teils liquid, teils illiquid anlegen, keinesfalls aber ausschließlich in Hypotheken, da eine ausschließliche Anlage in

Milch und Honig.

Holländische Bilder von Manfred Hausmann. Delft, Spätsommer 1925.

Wenn man selten ins Ausland kommt, meint man immer beim Betreten des fremden Boden, nun müßte sich die Welt von Grund auf anders als zu Haufe, eben ausländisch zeigen. Meistens tut sie das aber durchaus nicht. Don den Schutzleuten, den Sol­daten und Beamten abgesehen, die in der lustigsten Weise kostümiert in Erscheinung treten, sehen sich die Menschen hüben und drüben fatal ähnlich. Richt wahr, die Städte jenseits der Grenze unterscheiden sich von den deutschen auf den ersten Blick nicht mehr als die im Süden unseres Vaterlandes von denen im Norden. Die Bäume, Gräser und Blumen pflegen einander aufs Haar zu gleichen. Nur die Seelen, diese merkwürdigen Singer im Leibe der Menschen, stimmen nicht gänzlich überein . . . Ach nein . . . da gibt es wunderliche Besonderheiten.

Was Holland anbelangt, so glaube ich (eine ge­wiße Abhängigkeit der Psyche von der Physis vor- ausgesetzt), entdeckt zu haben, woher die Eigentüm­lichkeit der holländischen Seele rührt. Als ich zum ersten Male in eins der Institute ging, die man dortLunchrooms" oberDergunninas" nennt, er» fchrack ich in der Tür unb zog mich gefchwinb zurück. Gott der Meere!" dachte ich in meinem Herzen, wohin bin ich geraten?" Aber da sich mir bei vier, fünf Versuchen immer wieder derselbe Anblick bot. gab ich es auf, an einen Irrtum zu glauben, und trat ein. Man denke, all die ehrwürdigen Männer, die an kleinen Marmortischen sahen, hatten wahr und wahrhaftig ein Glas Milch vor sich stehen. Diesen Saft saugen sie in ihre Physis hinein, wie man anderwärts Bier oder Grog zu sich nimmt. Sie saugen und lächeln voller Frieden. Hinterher bestellen sie ein ..Broodje met Leidsche Kaas". Was kann eine Seele, die tagtäglich mit Milch begoßen und mit Leidsche Kaas gedüngt wird, anders tun, als fett und behaglich blühen? Auf derPrijslijst" fand ich bann unterDranken" sechs verschiedene Möglich-

Hypotheken es unmöglich gemocht hatte, in Not­fällen die nötigen flüssigen Mittel berbeizuscha'fen. keinesfalls auch ausschließlich in Staatsanleihen, mit Rücksicht auf das hiermit verbundene Risiko er- heblicher Kursverluste. Man war also daraus bedacht, unter allen Umständen eine Anlage für bas Kapital zu schaffen, die dem Einleger Sicherheit vor Der- lüften und die Aussicht auf einen angemessenen Zinsertrag aab.

Um die Kreise der kleinen und mittleren Sparer an sich heranzuziehen, haben die Banken ebenfalls sich der Einrichtung von Sparkonten und Spar- büdjern bedient. Auch sie haben unter Hinweis auf ihre finanzielle Sicherheit besondere _21bicilungcn für Spareinlagen eingerichtet, auf den Sparbüchern ihr Kapital und ihre Reserven vermerkt und, wie beispielsweise in Hessen die Darmstädter und die Pfälzische Bank, sich dadurch einer öffentlichen Spar- tafle gleidjfteUen laßen, daß sie ihre Spareinlagen für mündelsicher erklären ließen. Die Einrichtung dieser Sparkonten bot für die Banken einmal die Möglichkeit, auch solche Kreise als Geldgeber zu be kommen, die ihnen für laufende Konten ferngcblieben wären. Weiter aber bot die Einrichtung solcher auf die Dauer berechneten Sparkonten den Banken die Möglichkeit, sich Kapitalien zu verschaffen, von denen sie mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit an- nehmen konnten, daß sie ihnen auf längere Zeit ver­fügbar sein würden. Um solche langfristige Darlehen zu erhalten, verzinsen die Banken die Kapitalien in verschiedener Höhe je nach der Länge der Kün­digungsfrist. Die Banken haben also durch die ganze Art der Einrichtung ihrer Sparabteilungen, durch die Art der Führung der Sparkonten, durch die Ausgabe von Sparbüchern und durch ausdrückliche Bezeichnung der Einlagen als Spareinlagen sowie durch Hinweis auf ihre Kapitalstärke das Vertrauen der Sparer erringen wollen und die Konkurrenz mit den öffentlichen und den Privatsparkaßen auf- nehmen wollen und aufgenommmen.

Ein solches als Spareinlage gegebenes Darlehen erscheint somit nicht nur bei öffentlichen und Privat- fparkassen, sondern auch bei Banken als ein Dar- lehen, das auf Grund fester Unterlagen im Ver­trauen gegeben und im Vertrauen genommen wor­den ist. § 66 des Auswertungsgesetzes bestimmt nun, daß ein Darlehen dann aufgewertet werden kann, wenn der Schuldner, also die Bank, das Geld in wertbeständigen oder in aufgewerteten Vermögens- beständen angelegt hat. Bei der Hingabe uon Spar­einlagen konnte ohne Zweifel der Gläubiger er­warten, daß bei Verwaltung des von ihm dar­geliehenen Kapitals die Bank eine Vorsicht walten laße, daß die Spareinlage zum wenigsten zu einem Teil in auszuwertenden Dermögensgegenständen an­gelegt wurde. Es besteht deshalo m. E. ein Anspruch auf feiten der Einleger, auch bei Banken zu erfahren, was aus ihren Spareinlagen geworden ist und wie weit die Banken in der Lage sind, die Spareinlage aufzuwerten. Andererseits ist in § 66 des Aufwer- tungsgesetzes den Banken die Möglichkeit gegeben, Vereinbarungen über die Aufwertung von Darlehen, also auch von Spareinlagen, zu treffen und nach meiner Auffassung sollten die Banken, wenn sie in Zukunft die Spareinlagen nicht verlieren wollen, von dieser Möglichkeit in weitestem Umfange Ge­brauch machen.

Da die Banken zu einem sehr erheblichen Teil in der Lage waren, ihre Substanz zu erhalten, be­steht nach meiner Auffassung die begründete Aussicht für die Spareinleger, im Rechtswege demäß § 6o, Abs. 1 und 4 eine Auswertung zu erzwingen.

Ick habe eine prinzipielle Klärung der Frage bei dem Hypothekenglaublger- und Sparerfchutzverband in Anregung gebracht.

Die Danziger Hafenfrage

Der Döllerbundsausschuh zur Prüfung der Danziger Hafenfrage hat sich zwar bemüht, eine Kompromißlösung zu schaffen, hat dabei jedoch mehr das Interesse Polens als die berechtigten Ansprüche Danzigs gewahrt. Die Freie Stadt wird sich kaum mit dieser Lösung zufriedengeben. Der Völkerbundsausschuß hat die Hafenzone viel zu weit auf Kosten Danzigs aus­gedehnt. so daß damit fast daS ganze Ha- fengebietunterpolnischeOberhoheit g e st e l l t ist. Danzig ist somit seiner Eigenschaft als Hafenstadt willkürlich entkleidet worden. Der Senat der Freien Stadt vertrat die Ansicht, daß als Hafengebiet nur die Wasserfläche mit den zum Schifsahrtsbelrieb und zum Laden und Lö­schen notwendigen technischen Einrichtungen ge­höre. Polen verlangte dagegen, daß sämtliche Warenlager. Geschäftslokale und alle sonstigen mit dem Hafenbetrieb in Verbindung stehenden

Gebäude auch zum Hasen gerechnet werden müß­ten. Da Danzig von zahlreichen Armen der Weichsel durchzogen wird und sich daher in der ganzen Stadt längs der User Quaianlagen be­finden. hat Polen durch die Entscheidung des Völkerbundes auch hier miltenin der Stadt sein Po st recht durckgeseht Die Entschei­dung des Völkerbundes steht im Widerspruch ru dem Wortlaut und dem Sinn der danzisch- polnischen Verträge, denn zweifellos war ur- sprunglich mit dem Hafengebiet nur der Teil Danzigs gemeint, der an der Seeseite liegt. Das Gutachten der Sachverständigen sieht zwar vor. daß die vorgeschlagene Hafenlinie keine end­gültige sei. Der Ausschuß schien sich wohl selber über die Llnrichtigkeil seiner Entscheidung im Klaren zu fein, denn sonst hätte er nicht vor- geschlagen, daß die Hasenlinie alle fünf Jahre auf Antrag einer der beiden Parteien einer Revision unterzogen werden könne.

Die Entscheidung ist mehr nach politischen als nach sachlichen Gesrchtspunkten gefällt worden. Die äußerst rührige polnische Propaganda in Völkerbundkreisen und ihre Unterstützung durch Frankreich haben wesentlichen Einsluß aus­geübt Der englische Dölkerbundkemmissar in Dan- zig hatte bekanntlich wesentlich anders entschie- oen als jetzt der Völkerbund. Die deutsche Presse DanzigS erhebt schärfsten Protest gegen die Vor­schläge der Sachverständigen und schreibt, oaß das Gutachten eine Ungeheuerlichkeit darstelle, die auch bei allergrößtem Pessimismus nicht zu erwarten gewesen sei. 3n den Kommentaren der Danziger Vlätter wird allgemein darauf bin- gewiesen, daß die Freie Stadt bisher immer schlechte Erfahrungen mit dem Völkerbund ge­macht habe. Cs werden dann die vielen Entschei­dungen aufgesührt. die bisher au Ungunftcn Danzigs gefällt wurden. Die Entscheidung über die großen polnischen Munitionslager im Danziger Hafen sei bei der Bevölkerung noch nicht verschmerzt Die landfremden Korn- missionen. die über das Schicksal einer rein deut­schen Bevölkerung zu entscheiden hätten, ver­ständen nicht, die Bedürfnisse der Freien Stadt zu würdigen. Die in dem Gutachten gezogene Grenzlinie vergrößere noch erheblich die ur­sprünglich von Polen angemaßte Zone. Als in der Rächt Aum 6. Januar die polnischen Brief­kästen angebracht wurden, hatte die Bevölkerung Danzigs das Gefühl einer schweren Rechts­verletzung durch untergeordnete polnische Be­hörden. jetzt wisse Danzig, daß eS auch von den maßgebenden Instanzen des Völ­kerbundes vergewaltigt worden sei.

wie Brasilien selbständig wurde.

(Zum 25. August 1825.)

Als den Geburtstag ihres Staates haben die Brasilianer den 12. Oktober 1822 gefeiert, als den Tag der Proklamation Don Pedros von Braganza zum konstitutionellen Kaiser. Allein diese Prokla- mation war zunächst nur eine einseitige Handlung; erst die formelle Loslösung vom alten Mutterlande durch den Londoner Vertrag vom 25. August 1825 kann als der eigenttiche Tag der Entstehung des neuen selbständigen Staatswesens angesehen wer- den. Die Vorgeschichte dieser Loslösung gehört zu den merkwürbiasten Vorgängen der Geschichte, ja, sie ist in gewißem Sinne einzigartig zu nennen. Den ersten Anstoß zur Selbständigkeit der alten Pflanzerkolonie aab die reformatorische Gesetz­gebung P o m b a l s: Gleiches Recht für alle Raßen, Unterdrückung der feudalen Privilegien, Drganifa- hon der eigenen Kräfte des Landes. Der amerika­nische Freiheitskrieg äußerte seine Einwirkung auf Brasiilien durch die rechtzeitig unterdrückte Ver- schworung des Siloa lavierTiradentes" (Zahnzieher) in Minas, im Jahre 1789. Die Ideen der französischen Revolution fanden zunächst in das nur mit Portugal in direkter Verbindung stehende Land keinen Eingang. Indirekt wirkten die euro­päischen Verhältnisse desto schärfer ein durch die am 21. Januar 1808 erfolgte lleberfieblung der Kö­nigin Maria und ihres Sohnes Johann nach Brasilien und die Erhebung Rio de Ianeiros zur Residenz. Die nächste Folge war: Oeffnung aller Häfen für den freien Verkehr, Errichtung zahl­reicher selbständiger Behörden, starke Einwande­rung von Europa, Einführung neuer Pflanzungen. Freilich auch neue Steuern und Münzverschlechte- rung. Den äußeren Abschluß fand diese fortschritt­liche Entwicklung durch die Proklamation I o - Hannes VI. nach Marias Tode alsKönig von Portugal und Brasilien": so entstand ein neues Königreich auf amerikanischem Boden, inmitten

feiten der Milchdarreichung verzeichnet: Melk of Waterchocolade, Melk (warm of koud), Melk met Ei, Karnemelk, Joghurt (alleen's zomers), Tosco met Melk of (puitroater. Das erklärt manches. Ich bin fest davon überzeugt, daß auch die kompakte Fülle der Schiffe, der Prinzessinnen, der Babywagen (die das Ausmaß eines kleinen Eisenbahnwagens haben), der Keksdosen (jede wie ein Kindersarg) und anderer Gegenstände auf eine geheimnisvolle Art mit Melk und Leidsche Kaas zusammenhängt.

Man sagt, Kopenhagen sei die Stadt der Rad­fahrer. Ganz Holland scheint ein gesteigertes Kopen­hagen zu (ein. Auf Schritt und Tritt strampelt, wiegt, klingelt und surrt es an einem vorbei. Vor den Warenhäusern stehen förmliche Kolonnen von Fahr­rädern, eins gegen das andere gelehnt, so daß es den Unkundigen fast unmöglich bebüngt, ein ein­zelnes, zumal wenn es hinten lagert, aus dem Chaos herauszufischen. Aber das geht geschwinder, als man's glauben mag, im Nu ist das Instrument ge­funden, heroorgezerrt, in Gang gebracht, im Nu sigt das Meisje drauf, und im Nu saust es von bannen. Diese Geschwinbigkeit vereinigt sich mit einer staunenswerten Geschicklichkeit. Daß Liebes- unb Ehe­paare Arm in Arm bie Straßen entlang radeln, ist selbstverständlich, daß ganze Reihen per Arm schwatzend bahergefahren kommen, wobei niemand daran denkt, die Lenkstange festzuhalten, mutet schon akrobatischer an, daß aber ein beliebiger Bäckerjunge im Haag, einen Brötchenkorb an die Lenkstange, einen Tortenbehälter aufs Hintere Schutzblech ge- schnallt, wie ein leibhaftiger Zirkuskünstler ein Dugendmal um jeden Alleebaum herumsegte, die sehr schnell fahrende Straßenbahn als wildgewordener Brummer haarscharf umsurrte, einen bellenden Hund aufgriff, zu Boden warf und geschwind über seinen Schwanz fuhr eitlem Kameraden in voller Fahrt Feuer gab und ihm dabei noch Zigaretten aus dem Etui stahl, ist fast lügenhaft to verteilen, aber leider wahr.

Da es in diesem gesegneten Lande so gut wie keine Entfernungen gibt, da man überdies meist, wo man gerade geht und steht, in einen Autobus, eine Eisenbahn, eine Tram, ein Flugzeug ober ein Schiff steigen unb für billiges Gelb von bannen brausen kann, um alsbalb in Delft, Scheoeningen, Apelboorn ober Rotterbam anzukommen, so flutet ein munteres Gewimmel von Menschen im Lanbe auf unb nieber. Taucht man aufs Geratewohl in ben Strom ein, so findet man sich gewiß nach einigem Hin unb Her in Scheoeningen roieber. Alle Strömung ergießt sich gen Scheoeningen. Unbegreiflicherweise, benn Scheoe­ningen . . . zahlte man mir zwanzig (Bulben täg- lief), ich bliebe keine Woche in biesemWeltbab . Dort, wo anberroärts bie Stranbpromenabe statt« zuhaben pflegt, promenieren hier Massen von Auws unb Motorräbern puffenb auf unb ab; bort, wo anberroärts ber Sanb staubt, bas Dünengras weht, hat man hier Apfelsinen- unb Bananensckalen, Brot­krusten, Papierfeyen, Zeiwngen unb Pferbeexkre* mente ausgebreitet; bort, wo anberroärts bas Meeresufer, weitab vom eigentlichen Babebetriebe, menschenleer sich behnt, sprengen hier stolze Reiter umher, schlagen hier kernige Familien ihr Camp auf, braten Kartoffeln unb kehren zur Natur zurück. Des Abenbs freilich, wenn man irgenbroo fern auf einer Düne steht unb gegen ben großen Pavillon hinblickt, ben unternehmenbe Leute auf eisernem Gerüst weit ins Meer hineingebaut haben, wenn man gegen bie Reihe ber Luxushotels blickt, kann man über bem Geflimmer ber hunberltoufenb Lichter, über den sanft erhellten Dunst der Brandung und den Sternen und der Ewigkeit all den Unrat vergessen, der sich tagsüber genugsam zeigt.

Aus den duftenden Blumenfeldern, aus der bun­ten Ebene, aus Wiese, Korn unb Gebüsch hebt sich grau unb grün bas holbeste Stabtgebilbe, bas ich jemals sah: Delft. Seife gleitet bas Schiff auf bem Kanal heran, eine Brücke wird hochgezogen, ein Hafen tut sich auf, man geht an Land und wandelt beglückt unb gemächlich burch die Rotterdamsche Poort ins Städtchen hinein. Die Grachten mit ihren

eines im Freiheitskamps begriffenen Kontinent». Die persönliche Beliebtheit Johanne» konnte aller­dings nicht verhindern, daß ber 'viderwille gegen die im Besitz der Mackt bcimdlichen Portugiesen

äußerte. Als dann 1820 in Lissabon die Revolution zur Errichtung einer Repräienianm»erfaßung ge­führt hatte, jroangen die portugiesischen Truppen den König, auch in Brasilien die Konstitution ein- uifübren, wobei Prinz Pedro klug vermittelte. Die nach Vihabon gesandten Abgeordneten fühlten sich aber bald zuruckgefetzt und als vollends der nach Etiropa zuruckgekehrte König imb die Corte» die Heimkehr Pedros forderten, erklärte zunächst Sao Paulo die Unabhängigkeit unter Erhe­bung Pedros zumDefensor", und am 2. Juli ls23 siel Bahia als letzter portugiesischer Platz. Durch Vermittlung England», bas in allen Dingen latkrästige Hilfe leistete, kam nach langen inneren .Kämpfen ber Vertrag am 25. August 1825 zustande, in dem Portugal auf alle Hoheits­rechte fnbgültig verzichtete, die Loslösung voll­zog sich formell in der Weise, daß Johann sich zum Kaiser von Brasilien erklärte, um sofort aus diese Wurde zugunsten feines Sohnes z u verzichten. Doch mußte Brasilien auf Eng­lands Forderung 2 Millionen Pfund portugiesi­scher Kriegsschulden übernehmen.

So sehen wir die eigenartige Entwicklung, daß die heimische Dynastie selbst das ^oloniallanb selb­ständig macht, bis dieses sich schließlich ganz von fclbit vom Mutlerlande lösen mußte. Allerdings zwei üble Eigenschaften gab jenes dem neuen Staat mit auf seinen Lebensweg Zerrüttete Fi­nanzen und eine D y n a st i e , die eben dach nie ihren portugiesischen Ursprung verleugnen konnte. So konnte das Kaiserreich, trotz glänzender militä- ' scher Erfolge, nie zu einer glücklichen Entwicklung kommen. Erst die Errichtung der Vereinigten Staaten von Brasilien im Jahre 1889 vollendete das Werk und schuf freie Bahn für die künftige wirtschaftliche Großmachtstellung.

Tt'.rnen, Sport und Spiel.

Vom Arbeitersport.

H. Don gutem Wetter begünstigt, fand gestern der vorn Arbeitersportkartell Gießen veranstaltete ReichsArbeiteriportwerbetag statt. Die Beteiligung bei allen sportlichen Veranstal­tungen sowie das Interesse des Publikums waren äußerst rege Um 8 Uhr begannen die W a s s er­kämpfe. Der Wassersportverein ^Hellas" fuhr mehrere Rennen innerhalb des Vereins, die eine gute Leistung zeigten. An dem Wettschwimmen für aktive Schwimmer nahmen 15 Schwimmer teil und erzielten gute Resultate. 3n der Jugendklasse zeigte cs sich, daß die jugendlichen Schwimmer im Verhältnis zu den aktiven auf der Höhe waren. Die Mannschaft des Wassersportvereins ..Hellas" war hier durch ihre Leistungen überlegen. Um 9.30 trat die Mannschaft des Arbeiter-Ra dsahver- vereinsSolidarität" zur Strahenfahrt an. die über Klein-LindenWetzlarGießen führte und in der Häuser- Gießen als erster der 42 Kilometer langen Strecke mit 1 Stunde 35 Mi­nuten 50 Sekunden durchs Ziel fuhr. Am Stadt­theater hatte inzwischen der Gesangverein Sin- trächt Aufstellung genommen und sang mehrere Lieder, die von den Anwesenden mit Beifall aus­genommen wurden. Inzwischen begann der Staffellauf (rund um die Anlagen. 2900 Meter), an dem Mannschaften von 8 Vereinen teilnehmen. Die Mannschaft der Freien Turner- schaft Gießen ging als erste durchs Ziel. Rach­mittags um 2 Uhr begannen auf dem Trieb die leichtathletischen Wettkämpfe, woran sich Sportler von 15 Vereinen beteiligten. Gute Leistungen wurden erzielt von Mitgliedern deS Kraft- und Sportklubs Gießen, ebenfalls von der Freien Turnerschaft Gießen. Von den auswär­tigen Turnvereinen sind die Leistungen von Mit­gliedern der Freien Turnerschaft Launsbach, Heuchelheim. Gleiberg. Lollar, Großen-Linden, Klein-Linden hervorzuheben.

Auch die Turnerinnen von den einzelnen Vereinen zeigten in ihren Darbietungen, daß fte sportlich Gutes zu leisten vermögen, sodaß auch auf sie einige Preise in den einzelnen Klassen sielen. Beim Stassellaus zeigten die jugendlichen Klassen gute Resultate. Beim Fuß ball­wett spiel, wo die Bezirksmannschast des 3. Bezirks gegen die 1 Mannschaft der Fußball­abteilung der Freien Turnerschaft Gießen spielte, wurde die erste Mannschaft bei lebhaftem Spiel Sieger 4:0. Rachmittags 5 Uhr trafen sich die

Linden, bie alten Giebelhäuser roer kennt sie nicht von Vermeer van Delfts .Straatje!" bie neu­gierigen Menschen, bie flotten Stubenken ber Tech- Nischen Hochschule, bie Stabtmufifanten, bie umher­ziehen unb auf jeber Brücke melancholisch blasen unb trommeln, bie rablerischen Meisjes, bie Kirch­türme in ber klaren, kühlen ©olbluft unb enblich bie zögernben Glockenspiele, bas alles treibt so geruhsam burcheinanber, als wäre es nie anbers gewesen benn heute, als würbe es auch nie anbers sein können. Die Stabt ruht in einer tiefen unb seligen Versunken­heit. Ich glaube, es wirb bort auch weniger gefünbigt als anbersroo. Zwei Begebnisse will ich, so belanglos sie an sich sind, nie vergessen: Als ich in ein aller­liebstes Gemüseläbchen trat unb mir em Pfunb (Erb- beeren kaufte, gab bas schone Kinb, bas mir zur Hanb war, nicht nur volle hunbert Gramm zu, nein, bie Gute las bie kleinen unb ein wenig gequetschten Früchte aus ber Tüte heraus unb legte an beren Stelle recht frische, große, leuchtende. Mir rannen die Tränen in den imaginären Bart. Und weiter: Mein Schlafzimmer im Hotel wies eine Tapetentür auf, die ich spät in der Nacht, ein wenig müde von . . . Melk, in der Meinung, es fei ein Wand- schrank dahinter, vermittelst des steckenden Schlüssels auftat, um mich alsbald im Nachbarzimmer neben einem sanft schnarchenden Bett zu befinden. Nun, ich retirierte geschwind. Aber wäre ich nicht ich, son­dern ein böser Räuber gewesen . . .

D du frommes, kindliches, glockenüberklungenes Delft!

Und doch ist in dieser Weltabgeschiedenheft ber gelehrte Staatsmann Hugo be Groot geboren, ist Vermeer entsprossen, ist ber Gründer ber nieber- länbischen Abhängigkeit Wilhelm ber Schweigsame von Nassau gemeuchelt worben. Man zeigt heute noch imPrinsenhos" bie Kugelspuren, bie bas Pistol des Mörbers hinterließ . . . Der Prinz liegt tn der Nieuwen Kerk begraben, lieber ben schwarzen Marmorsarkophag spielt bas Licht ber Kirchenfen^e in unirbischen Farben hin.

Don ben Linden brauße» tropft langsam bet Honigseim in die Grachten.