Nr. (98 Erstes Blatt
175. Jahrgang
Dienstag, 25. August 1925
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Drurf unö Verlag: vrühl'fche Universitälr-Vuch- und §teindruckerei R. Lange in Stehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7.
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Wirths Austritt dus dergentrumsfraktion
Berlin, 24. Aug. (III.) Der Reichslagsabge- ordnele und ehemalige Reichskanzler Dr. Joseph Wirth Hal mit nachsiehendem Schreiben seinen Muelrill aus der Zentrumssraktion des Reichstags erklärt:
„Getreu der von mir übernommenen politischen demokratischen Linie im Deutschen Reichstag beehre ich mich, dem Vorstand der Zentrumssraktion des Deutschen Reichstags milzuteNen, daß ich, außerhalb der Fraktion des Zentrums im Reichstag siebend, mich fernerhin als Vertreter des sozialen und republikanischen Zentrums bezeichnen werde."
Der Austritt Dr Wirths hat in Berliner Kreisen grobes Aussehen erregt. Wie die .Germania" mitteilt, ist diesem Schritt ein Briefwechsel zwischen Dr. Wirth und dem Fraktion-Vorsitzenden Fehrenbach vorausge- gangen, in dem Dr. Wirth bereits angekündigt hatte, dah er feine soziale und demokratische Auffassung in Zukunft außerhalb der Fraktion zur Geltung zu bringen gedenke Fehrenbach hat in einem eingehenden Schreiben die Haltung der AeichStagsfraktion gerechtfertigt. Versuche namhafter Parteiführer, den Schritt Wirths rückgängig zu machen, haben aber keinen Erfolg gehabt. Die „Germania", die sich sehr vorsichtig äußert, glaubt schon heute versichern zu können, daß kein weiteres Mitglied der Reichstagsfraktion dem Beispiel Wirths folgen wird, und nach Mitteilungen aus maßgebenden Kreisen der Partei befürchte man auch dort keine größeren Folgen von dem Borgehen Dr. Wirths. Während das Gewerkschastsblatt des Zentrums „Der Deutsche" jeden Kommentar vermeidet, nehmen die anderen Berliner Blätter eingehend zu dem Borfall Stellung. Die .Kreuzzeitung" drückt die Hoffnung auS, daß sich die Zentrumspartci nicht beirren und einschüchtern lasse, sondern fest bleibe, um schon im eigenen Interesse den Auseinanderfall der Partei zu verhindern Auch der „L o ka l a n z e ig e r", wie übrigens alle Blätter, mit Ausnahme der ..Germania", sollen den. Austritt symptomatisch aus, wenn eS heißt Wir stehen mit der Trennung Dr Wirths vom Zentrun, am Beginn neuer innerpolitischer Kämpfe, deren Ausgang Voraussagen zu wollen, heute niemand die Vermessenheit haben wird. Die „Tägliche Rundschau" urteilt, daß Dr. Wirth seiner eigentlichen Gesinnung nach Demokrat sei und sich vielleicht auch der Sozialdemokratie angeschlosscn hätte, wenn er nicht zufällig Katholik wäre. Das Blatt fragt, ob er nun nicht zur Sozialdemokratie übertreten werde. Die demokratischen Blätter sehen in dem Borfall eine Warnung für das Zentrum. Die „Dossische Zeitung" nennt Dr. Wirth politisch eine zu starke Persönlichkeit Sein Anhang und sein Einfluß, vornehmlich in Süddeutschland sei zu groß, als daß sich der Konflikt legalisieren ließ Wirth müsse weiter greifen. WaS heute noch nicht sei, könne morgen werden: eine Krise des Zentrums und eine Spaltung durch die Bildung einer demokratischen ZentrumSpartei und die Fusion der rechtsgerichteten Elemente der bayerischen Bolkspartei. Der „Borwärts" sieht in dem Austritt Dr. Wirths die Form, in der die Rebellion der Masse der Zentrumswähler gegen die Politik der Partei zum Ausbruch komme Wirth habe durch seinen Schritt der Idee des sozialen und demokratischen Bolksslaales symbolischen Ausdruck gegeben Dieser Idee in den Reihen der Zentrumsanhänger politisches Leben und politische Kraft zu verleihen, sei eine Aufgabe, die eines Staatsmannes würdig sei.
Die „Köln. D ol ksz t g." schreibt, die Trennung Dr. Wirths werde den Gegnern des Zentrums als Beweis für ihre These von der Aotwendigkcit des politischen Auseinandergehens der deutschen Katholiien herhalten. Wir wollen die Bedeutung des Schrittes durchaus nicht verkleinern. ilnkre Gegner dürfen weder erwarten, daß die Zentrumspartci auscinanderfällt, noch dürfen sie sich der Hoffnung hingeben, der Austritt Dr. Wirths sei das erste sichtbare Zeichen, daß die Weiterentwicklung des Zentrums in seiner zentralen Stellung endlich zur Rechten fjinüber- führen werde. Das Zentrum ist sich bewußt, daß unferm Dolk Sammlung notlut. nicht Zerstreuung. Diese Sammlung ist aber nur mit einet wirklichen Mitte, einem Zentrum.
— Die „Köln. Z t g.“ ist der Ansicht, daß b$r ausfallend kurzen Erklärung Dr. Wirths eine weit größere Bedeutung zukomme, als man wahr haben möchte. Dr Wirth habe mit dem Protest, der sich in seinem Schritt ausdrückt, folgerichtig gehandelt, was man von andern Zentrumsleuten, die dem Gebot der Zeit mit mangelnder Entschlußkraft gegenübersteben. nicht sagen könne.
Der Stuttgarter Ifatholikentag.
Stuttgart, 24 Aug. (SU.) Der 3. Det- handlungstag wurde mit einer Bersammlung der katcholischen Sch u l or g a n i s a t i o- nen ein geleitet Reichskanzler a. D. Marx gab eine programmatische Erklärung zur Schul- frage, in der es u. a. heißt, daß innerpolitische und wirtschaftspolitische Kämpfe die Ausmerllam- leit von den kulturpolitischen Ausgaben nicht ablenken und die grundsätzliche Stellungnahme der Katholiken nicht beeinflussen dürfen. Wenn auch in manchen Fragen des politischen Lebens die Katholiken sich gezwungen sehen, mit Kreisen zusammenzuarbeilen, die, [ei cS von rechts oder
links, ihnen entgegenstehen, so bedeute das in keiner Weise auch nur die geringste Preisgabe der katholischen Grundsätze. Ein Etaatsschulmono- pol könne nicht anerkannt werden. Berlangt werden müsse eine größere rechtliche Sicherstellung und freie Entwicklung s- möglichkeit für die Privatschulen. Das Reich sschulgesetz müsse den Katholiken die Möglichkeit und eine rechtliche Handhabe für die Errichtung katholischer Bekenntnisschulen geben. Domkapitular Lenhart- Mainz sprach dann über das Thema: „Weshalb verlangen wir katholische Schulen für die katholische Jugend und das katholische Dolk?" Einstimmig wurde zum Schluß der Bersammlung eine Entschließung angenommen, in der Schutz der Minderheiten, Einrichtung des Religionsunterrichtes als ordentliches Lehr- f a ch usw. gefordert wird. In der zweiten geschlossenen Bersammlung des Katholikentages in der Liederhalle sprach Weihbischvf H ä h l i n g über die „Diaspora". An das Referat schloß sich eine Diskussion, in der die Derfammlungs- teilnehmer insbesondere für die in Leipzig geplante Arbeiterkirche und die in Frankfurt a. M. zu errichtende Frauen-Frie- denskirche eintraten.
Die englisch-französischen Schuldenverhandlungen.
London, 24. Aug. (TU.) Außer einer amtlichen Erklärung, daß C a,i l l a u x und Churchill bei Eröffnung der heutigen Besprechungen eine äußerst herzliche Unterhaltung hatten, ist bis zur Stunde über den Stand der englisch- französischen Schuldenverhandlungen nichts bekannt. In unterrichteten Kreisen erwartet man
Die Ueberreichung
Die Antwortnote Briands ist nun endlich am Montagnachmittag überreicht worden, obwohl sie schon feit einigen Tagen fix und fertig in der französischen Botschaft lag, aber an die Reichsregierung nicht weitergeleitet werden konnte, weil eS Herrn B ri and gefiel, erst einmal ein klein wenig Verzögerung zu spielen und auf die dadurch in Deutschland entstehende B e - unruhigung zu spekulieren, von der er sich nach bekannten Borbildern eine innerpolitische Schwächung der Reichsregierung versprach, der naturgemäß die außenpolitische auf dem Fuß folgen mußte. Was das angesichts des von der Pariser Regierung eingeschlagenen Kur- ses in der Sicherheitsfrage bedeutet, liegt auf der Hand.
Die Behandlung der Rote ist natürlich auf das engste mit den seinerzeit gefaßten Be- schlüssen des Kabinetts, die auch die Billigung der hinter ihm stehenden Parteien gefunden haben und die somit als Richtlinien anzusehen find, verknüpft. Die Regierung wird nicht verfehlen, sofort die Parteiführer zu sich zu laden und im Anschluß daran den Auswärtigen Ausschuß ein- zuberufen, sobald sie sich über ihre weiteren Schritte klar geworden ist. Ueberraschungen wird das französische Dokument nicht in sich bergen, da wir ja auf dem Wege über die ausländische Presse restlos über den Inhalt der Rote informiert worden sind. Dennoch kann ihre Ver- öffenllichung erst $u dem von der Pariser und der Berliner Regierung vereinbarten Zeitpunkt erfolgen. Dis dahin bleiben also auch weiterhin die aus London und Paris kommenden Meldungen für uns maßgebend, die aber gerade jetzt, soweit die französische Regierung auf ihren In- rafter leiden werden. Der wichtigste Passus der halt Einfluß hat, unter ihrem tendenziösen Cha- Qlote, die in der Hauptsache die zahlreichen noch immer zwischen London und Paris bestehenden Meinungsverschiedenheiten geschickt zu verschleiern versucht, ist die Frage der mündlichen Weiterbehandlung des Sicherheitspaktes. Hier bet nun aber die Londoner Regierung Herrn Briand ein Zugeständnis gemacht, das weder der Regeluirg be£ deut sch-französischen Verhäll- nisseS dienlich ist noch unserem Geschmack entspricht. Bekanntlich vertritt die Reichsregierung den Standpunkt, dah dem Rotenwechsel nunmehr, und zwar möglichst bald, die Einberufung einer Bollkonferenz zu folgen habe. Eine Besprechung der j u r i ft i s ch e n Sachverständigen schafft nur neue Schwierigkeiten, ohne die alten zu beseitigen.
Der französische Botschafter bei Stresemann.
Berlin, 24. Aug. (TU. Amtlich.) Der französische Botschafter de Margerie hat heute nachmittag um 5 Uhr den Reichsaußen. Minister Dr. Stresemann ausgesucht und ihm die französische Antwortnote in der Sicherheit-, frage übergeben. Die Rote wird zunächst im Auswärtigen Ami überseht und geprüft. Das Reichskabinett tritt morgen vormittag 11 Uhr zu einer Eihung zusammen, in der es voraussichtlich auch zu einer Besprechung der Rote kommen wird. Die Rote kann, mit Rücksicht auf den von der französischen Regie, rung ausgesprochenen Wunsch, erst am Frei, tag veröffentlicht werden, und zwar gleich, zeitig in Berlin und anderen Hauptstädten.
Wie der „Derl. Lolalanz." miUuteilen weih, berührt die Antwortnote die drei Hauptgesichtspunkte der letzten deutschen Rote, sie vermeidet jedoch irgendwelche endgültige Stellungnahme, sondern verweist überall auf die Rotwendig-
der Antwortnote.
teil künftiger mündlicher Derhand- l u n g c n. Eine bestimmte Einladung zu einer Konferenz oder zu einer Zusammenkunft ist jedoch in der Rote nicht enthalten. Auch ist, wie das Blatt wissen will, in der langen Unterredung, die zwischen dem deutschen Außenminister und dem französischen Botschafter bei der Ueberreichung der Rote stattgefunden hat, eine solche Anregung in konkreter Form nicht gegeben worden. Das Blatt bemerft. daß es sich nach dem vorläufigen Eindruck bei der Rote im wesentlichen nur um einen formalen Akt zu handeln scheint, der in der Sache selbst keinen Fortschritt im Sinne der deutschen Anregungen vom 9. Februar bringt.
Der deutsche Standpunkt.
Deutschlands (Kntschlußsreiheit.
Berlin, 24. Aug. (WTB.) Zur Erläuterung des deutschen Standpunktes zum Sicherheitsproblem wird im „Lokal-Anzeiger" unter Hinweis auf die Bemühungen Frankreichs, der heute übergegebenen Sicherheitsnote den Mantel einer internationalen Aktion umzuhängen, von besonderer Seite ausge- führt, daß zwischen dem in London geregelten R c • parationsproblem und dem Sicherheitsproblem ein entscheidender Unterschied besteht, da die Reparationsverpflichtung Deutschlands im Versailler Vertrag f e st g e l e g t fei, wahrend eine Verpflichtung Deutschlands, die Aengste Frankreichs um feine Sicherheit zu beschwichtigen, nach dem Versailler Vertrag nicht bestehen. Wenn Deutschland sich troy- dcm zu der Anregung eines Sicherheitspaktes entschloß, so sei diese Anregung jedenfalls nicht als Erfüllung irgendeiner juristisch fest gelegt en Verpflichtung anzusehen. Von der Möglichkeit der Auferlegung eines Diktats könne daher überhaupt nicht die Rede fein. Die Anregung des Sicherheitspaktes sei der erfte Schritt, den Deutschland im Verkehr mit den früheren Feindmächten außerhalb des Versailler Vertrages unternehme. Es ftehe Deutschland ebenso frei, einen Sicherheitspakt abzpschliehen, wie cs ihm frei stehe, in der Völkerbund einzutreten oder nicht einzutreten. Die freie Beteiligung Deutschlands bei den Sicherheitsverhandlungen fei daher Voraussetzung, ohne die ein Pakt, der ein freier Pakt zwischen Freien sein müßte, nicht zustande kommen könnte. Deutschland könne auch nicht gezwungen werden, in diesem Pakt weitere Bestimmungen des Versailler Vertrages neu anzuerkennen als ihm zweckmäßig erscheine, also weder die Kriegs- schuldlüge noch die O ft grenzen. Andererseits stehe aber auch eine Revision des Vertrages nicht zur Debatte, wenn auch eine Rückwirkung des Paktos auf manche Versailler Bestimmungen, z. B. auf Wc Besatzungsfrage, nach deutscher Auffassung unausbleiblich erscheine.
Duisburg heute frei.
Duisburg, 25. Aug. (Sil.) Heute mittag 12 älhr wirb Duisburg geräumt sein, jedoch werben die Kontrollen erst um Mitternacht aufgehoben. Bon 12 bis 12,15 Ähr werben alle Kirchenglocken läuten. In Ruhrort bleibt eine aus vier Offizieren unb 40 Mann bestehende Schuhkommission zurück, die schon feit 1919 anwesend ist. Die Duisburger Stadtverwaltung wird auf diplomatischem Wege nachprüsen lassen, ob ihr Verbleiben in Duisburg-Ruhrort mit dem Londoner Abkommen im Einklang steht. Sonntag mittag 12 älhr werden auf dem Königsplah in Alt-Duisburg, dem Reuen Marft in Duisburg- Ruhrort und dem Marktplatz in Duisburg-Mec- derich Feiern veranstaltet.
schon innerhalb der nächsten zwei Sage eine Erklärung der Lage. Die allgemeine Position bei Beginn der heutigen Verhandlungen wird wie folgt angegeben: Frankreich schuldet Großbritannien 623 Millionen Pfund Sterling. In Lord Balfours Rote wurde seinerzeit, als die G e - famtfchu ld der Alliierten an Großbritannien sich auf mehr als zwei Milliarden Pfund belief, erklärt, daß England gewillt fei, eine Milliarde Pfund zu opfern und von seinen Verbündeten nur einen Betrag zu fordern, der die englischen Zahlungen an bie bereinigten ötaa- t c n unter dem Baldwin abkommen für die kommenden 62 Jahre decke, ohne dah Großbritannien indessen seinen Anspruch auf die restliche Milliarde aufgegeben hätte Das vor wenigen Wochen von französischen Finanzexperten gemachte Angebot auf Zahlung einer jährlichen Summe von drei Millionen Pfund unb weitere vier Millionen Pfund aus den Dawes-Einkünften, wobei England jede zu befürchtende Transserschwierig- feit, den letzteren Betrag mit nur 50 Prozent vom effektiven Wert in Anrechnung bringen wollte, wurde in London als vollkommen unangemessen bezeichnet. Die englische Forderung lautete seinerzeit auf zwanzig Millionen Pfund Sterling, wobei vielleicht noch mit einem Rachlah von zwei bis drei Millionen Pfund gerechnet werden formte. Wie der „Paris Eoir" mitzuteilen weiß, wird Caillaux nunmehr die jährliche Zahlung von acht Millionen Pfund und als Vergleichs Vorschlag zehnMil- lionen Pfund anbieten. Darüber hinaus forme er jedoch nicht gehen. Wenn die Fühlungnahme mit dem englischen FnuuHminister nicht zu einem für Frankreich ehrenvollen und tragbaren Ergebnis führe, so werde Caillaux Mittwoch oder Donnerstag früh nach Paris zurück- fefcen.
Die Preisgestaltung.
Ministerbcfprechnrrgett
über die PreissenkunflSaktiou.
Berlin, 24. Aug. (TU.) Wie wir erfahren, wird morgen vormittag eine RNnisterbcspre- ch u n g stattsinden, die die vom Reichskanzler Luther angestrebte Preisseukungsaktion zum Gegenstand haben wird. An dieser Besprechung werden außer dem Reichskanzler der Reichsernährungsminister, der Reichsarbcitsminister und der Rcichs- wirtschaftsminister teilnehmen. Wie der „Lokal- anzciger schreibt, soll durch Zusammenarbeit der großen Wirtschastsverbände eine Furückschrau- bung der gesamten Preisspannen vom Erzeuger bis zum Kleinhändler mit allen IHlUeln erreicht werden. Regelmäßige ver- össentlichung von Preis tabellcn sollen dem Verbraucher zeigen, wie die Zwischenoerdienstc sich bei ein und derselben Warengattung gegenüber dem Preisstande von 1913 geändert haben. Diejenigen Wirtschastsgruppen, die von ihren willkürlichen Preissestsehungcn nicht ablassen, sollen vor das Karteligericht gebracht werden.
Der Zentralverband des deutschen Großhandels hat sich bereit erklärt, mit aller Kraft die Bemühungen der Reichsrcqierung hinsichtlich der Preisgestaltung zu unters ühen und seinen rNitgliedern gegenüber zu vertreten. Präsidium und Vorstand des Zentraloerbandes haben beschlossen, die Mitglieder des Zentralocrbandes dringend auszufordern, bei verkaufen nach dem 1. Oktober die bann eintretende Ermäßigung des Satzes der U m f a h ft e u e r auf 1 o. y. bei ihrer Prciskalkulation zum Ausdruck zu bringen. Ferner wird der Zentraloerband feine Rtttglieder ausdrücklich davor warnen, die durch die Zollvorlage vorgesehenen autonomen Zolle als irgendwie endgültige Preisbasis zu betrachten, da die Handelsverträge auf die endgültige Festsetzung der Zollsätze zweifellos nicht ohne Einfluß bleiben werden. Die verbraucherschast müfse deshalb dringend davor gewarnt werden, überstürzten Warcncinf auf zu tätigen.
EineAufforderung des Deutschen Industrie- und Handelstages.
Berlin. 24. '-2ftig. (S-iL) Zur Preisgestaltung, die neben der Kapital- und Kredit ot gegenwärtig zur ernstesten Sorge ber deutschen Wirtschaft und Oeffentlichkeit geworden ist. bat baä Präsidium des Deutschen Industrie- unb Hanbelstages in einem eingehenden Rundschreiben vom 21. August an d i e Industrie- und Handelskammern Stellung genommen. Das Schreiben geht davon aus, dah eine fortschreitende Preissteigerung zu einer Schwächung ber Kaufkraft, des Absatzes und der Wettbewerbsfähigkeit führe, sowie die Gefahr ernster Lohnftreitig- k e i t e n bringen würde, bah daher alle geeigneten Kräfte anzuspannen seien, die Bemühungen der Reichsregierung zu unterstehen, um weiteren Preissteigerungen vorzubeugen unb Preissenkungen zu erwirken. Das Schreiben erkennt an, dah im Gegensatz zu früheren „Preisabbauaktionen" gegenwärtig, wie der Reichskanzler betonte, Tatsachen vorliegen, bie im Sinne einer Preissenkung wirksam zu machen möglich unb notwendig seien, nämlich die Schaffung festerer Rechtsgrundlagen für die deutsche Wirtschaft, wie sie durch die gesetzliche Regelung der Aufwertungs- frage, durch die Steuerreform und den Zolltarif gegeben feien. Sodann wird die Rotwendigkeit erörtert, daß im Einvernehmen der beteiligten Wirtschaftskreise nachdrücklichst dahin zu wirken sei, bah die ungesunde Ueber- spannung des Kartell- und Der- bandswesens abgestellt werde.
Der Konflikt im Baugewerbe.
Berlin, 24. Aug. <TA.) Die durch daS Scheitern ber zwecken Schlichtungsverhandlungen im Konflikte des Baugewerbes geschaffene verschärfte Situation wirb vom Reichsarbeitsministerium mit ganz besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Seit dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- unb Ar- beftnehmerorganisationen hat ein ständiger Meinungsaustausch aller beteiligten Ressorts des Ministeriums statlgesunden. Es steht aber immer noch nicht fest, ob unb in welchem Umfange ber Arbeitsminister noch einmal persönlich eingreifen wird. Gewisse Stimmen neigen zu der Ansicht bah man es auf beiden Seiten nicht bis zum letzten kommen lassen wird, weil die ganze wirtschaftliche Lage, vor allem die zu Ende gehende Bausaison sowohl auf Arbeitgeber wie auf Arbeitnehmer einen gewissen Druck ausüben dürfte.
Inkrafttreten der Malz- und Iuckerzölle.
Berlin, 25. Aug. (TU.) Am 1. September 1925 werden u. a. für Malz und Zucker die neuen Zölle in Kraft treten. Zu dem gleichen Zeitpunkt werden deshalb die für diese Waren noch bestehenden Ein- und Ausfuhrverbote aufgehoben werden. Die Einfuhrverbote für Malz unb Zucker bleiben jedoch gegenüber Polen einstweilen aufrecht er batten.
Die Beschießung von Alhucemas.
Madrid, 25. Aug (TU.) Die Kämpfe bei Alhucemas sind beendet. Der Panzerkreuzer „Al- fons XIII.", der 48 Stunden lang die Rifküfte beschossen hat, wurde gestern abend zurückgezogen. Das Gejchützseuer hat jchperen Schaden anaeridikL


