Ausgabe 
25.4.1925
 
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Hr.96 viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)'

Samstag, 2 5. April 1925

An Deutschlands Frauen!

Führende Frauenftim men zum Wahl tag

Am 26 April muh der große vaterländische Gemeinschaftsgedanke alle Kreise unfiaffen in der Kandidatur dessen, der Deutschlands Führer in grober und schwerer Zeit gewesen, zu dem wir Deutsch: in festem Vertraue aufschcruen als dem. der deutsche Ehre und Würde in seiner Person versinnbildlicht, und dessen immer und immer wieder bewährte heibe Liebe zu seinem deutschen Volk und Land aufs neue sich zeigt in bei Bereitschaft, die so wohlverdiente Ruhe seines Alteis dem Dienst am Vaterland zu opfern. Es dünkt mich eine Selbstverständlichkeit, daß die Frauen aller Parteien ihm Treue um Treue lohnen und nicht nur selbst ihre Stimme Hindenburg geben, sondern auch über­all für ihn werbend eintreten.

Maria Birnbaum, M. d. L., (Sieben.

Cs gilt, das gemeinsame Gute in allen Deut­schen zu suchen, zu wecken und gegen alle« Hin­dernde zur Entwicklung zu bringen. -Cs gilt, über Hab und Hader der politischen Parteien hinweg, die Tagesarbeit in der Linie der besten unserer Vorfahren zu leisten in schlichter Pslicht- ersüllung. im sichtbaren Ausdruck des Heimat­gefühles für Mutterboden und Vaterland. Ci Mann, der sein Bestes gegeben hat. in schwerster Zeit, unter dessen Führung zahllose Familien im bedrohten Grenzlande vor dem Untergehen, zahllose Frauen vor dem Schlimm- sten bewahrt wurden, ein Mann, der sich frei von jedem parteipolitischen Ein - ' luß erwiesen hat. versöhnend, ausglerchend, be­dacht aus Einigung und Festigung des Volksganzen ein solcher Mann hat An­spruch auf das uneingeschränkte Vertrauen jeder Frau in der gegenwärtigen Entscheidungsfrage.

Anna Gerhardt. Altenburg S.-A Vorsitzende des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine.

3Um. dein Treueste n, die Führung un­seres armen, und aus tausend Wunden bluten­den Vaterlandes anzuverlrauen, ist eine erlö­sende Zuversicht I Man soll uns nicht mit aus­geklügelten Bedenken kommen.Hindenburg sei zu alt? UnS ist der Held mit dem jun­gen Herzen nicht zu alt."®a8 Aus­land. die Feinde, runrln bic Stirnen!" Deutsche Frauen, für Deutschland wählen wir den Reichspräsidenten, nicht für Ausland und Feinde. Labt uns die Augen auf das richten, was s ü r t> i e Heimat gut und notwendig ist.---Man

fiat uns an die Wahlurnen gerufen, nun. deutsche «Trauen, die Reihen geschlossen, fragt nicht nach Partei und Konfession, nicht nach Stand und Alter-, glaubt an unseren Retter Hindenburg!

M a r g. D a m m a n n, Vorsitzende des Deutschen Frauenhundes.

Außenpolitische Umschau.

Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M. d.R.

Schneller als man dachte, ist die Regierungs- bÜbung in Frankreich gelungen, und bas De- -nerkenswerteste daran ist. dab mit ihr Cail- laut in das Kabinett emgetreten ist. Wie ernst unb kritisch muh die Lage in Frankreich empfun­den werden, wenn man diesen Mann, der eben erft amnestiert war, jetzt in einem RegierungSauto eilig nach Paris holte, ihn ohne ein Mandat im Parlament aufnahm, ihn begrüßte wie einen Qfe- f reiungsengel. wie einen Zauberkünstler wie die Hoffnung Frankreichs.

Das Kabinett wird schon als ein großes Ministerium bezeichnet Vorschublorbeeren, aber richtig ist. daß es mehr ein Kabinett der Männer als der Parteien ist: Caillaux. Briand. De Mon- ye, Painlevr. Es ist fast alles erste Gar­nitur der französischen Politiker, unb in den verwickelten Erörterungen ist niemals auch ;ur der Gedanke aufgetaucht, P o i n c a r e ober einen ähnlich gerichteten Polit.ker zurückzurufen. Man will nicht rüdtoärts, sondern man will vor­wärts. Das ist doch die Linie für das Ka­binett. dessen parlamentarische Grundlage an sich unlieber genug ist.

Feuer am Nordpol.

Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Don Karl-August von Laffert.

25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

15.

Bericht des französischen Gesandten in Christ iania

an das Auswärtige Amt in Paris.

Euer Exzellenz

ilaube ich mir, den genauen Bericht über die bei- htn deutschen Flugzeuge zu senden, nachdem ich bereite am gestrigen zage ihr Entkommen aus Spitzbergen telegraphisch gemeldet habe.

Der norwegische Außenminister hatte den Po­lizeibehörden in Hammerfest die vorläufige Fest, nehme der deutschen Flugzeuge befohlen und gleich, eilig eine stärkere Polizeiabteilung von Tromsö dorthin beordert. Wahrscheinlich wurden die Boches ^rrch Verrat des deutschen Konsuls in Hammerfest «warnt und fuhren unvermutet ab, trotzdem die Behörden der Stadt protestierten. Es kam sogar '»ch zu einem Feuergefecht mit den abführenden Rutschen, in welchem diese mit ihren schwerbewoff- uten Fahrzeugen die Oberhand behiellen.

Zweifellos wird Norwegen wegen dieses ekla- 'ernten Friedensbruches eine angemessene Sühne von >utschland verlangen. Ich schlug dem Außen- mmifter vor, die Eintreibung der nicht zu klein zu lemeffenben Buße Frankreich zu übertragen.

Natürlich verlangte ich eine exemplarische Be- Itiafung des deutschen Ko- suis in Hammerfest. Doch ter Minister verschanzte sich dahinter, daß jener norwegischer Untertan und nur Wahlkonsul sei. Ich halte aber die Gelegenheit für günstig, diesen Nor­wegern einmal klar zu machen, daß wir bei aller Freundschaft für ihr Land doch ble unumschränk- len Gebieter von Europa sind.

Als ich das Entkommen der Deutschen aus hammerfest erfuhr, war ich außer mir und ver­engte die energischsten Maßnahmen zu ihrer Er- ! Preisung in Spitzbergen. Und hier muß ich der nor- regrschen Regierung den schweren Vorwurf mach«', " sie ihren Pflichten gegen uns in keiner LZse lachgekomen ist.

Denn es soll ein Kabinett bet Linken, des Kartells der Linien fein, ruhend auf bem Boden zwischen Bürgerlichen, Radikalen und Sozialisten. Aber Caillaur ist ein Gegner der DermögenS- abaabe. btc die Sozialisten sordern, und Briand steht außenpolitisch viel weiter rechts als Hcr- riot. Indes, die Parteischw.e.izleiten w7rden zu- rückgcdrängt werden, well die Finanznoi zu grob und zu drängend geworden ist, und die Fähig­keit, diese zu heilen, die Herriot nicht hatte, traut man eben Caillaux zu.

Die Regierungserklärung am 21. April zeigt eine gemäbiglc Linie in der inneren Politik. Der Konflllt mit dem Vatikan und Elsoh-Lo:hrin- gen wird vorsichtig abgebaul und beigelegt. Ff. nanzresorrn im Innern und Sicherheitsfrage in der Außenpolllll sind die beiden Richtpunlte des neuen Kabinetts.

Wie wird eS in der Außenpolitik vor­gehen ? Wird Briand die Zusage Her­ri o t s auS London in Sachen der Ruhrräumung einhalten? Wird er seine Sicherheitsabsichten wieder aufnebmai, die in Cannes durch Poin- carss Stob scheiterten? Uns dünkt, daß das abhängt von der englischen Politik 'Frankreichs, in der sich Briand und Calllaux wohl gefunden haben. Sie werden an den Eng- länder die nüchterne Frage richten, was er und der Amerikaner sich in Sachen der internationalen Verschuldung Frankreichs es kosten lassen wollen, wenn Frankreich in der Sicherheitsfrage den angelsächsischen Wünschen entgeg-nkommt. Sind diese Wünsche nicht durchzusehen, so werden Briand und Caillaux darin einig fein, daß dann Frankreich seine eigene Sicherungspolitik, auf eigene Hand und auf eigene Rechnung, gegen Deutschland wieder macht.

Wir können uns denken, dab diese Anfrage den Kabinetten in London unb Washington gar nicht so gegen ben Strich geht, und dab man gewillt fern wird, der neuen französischen Re­gierung entgegenzukommcn. zumal sie nach Her- riots Sturz und dessen Abhängigkeit vpn den sozialistischen Stinmren tatsächlich den Sozialis­mus in der Bestimmung der französischen Politik matt setzt.

Was in Sofia und Warschau vor­geht, sind demgegenüber Vorgänge an der Pe­ripherie. Bedeutungslos sind sie deshalb nicht. Steht Bulgarien vor einem groben Umsturz, ben diese mt er hotten systematisch durchgeführten Attentate mit bem entsetzlichen Anschlag in der Kathedrale von Sofia vielleicht andeuten? Mit dem Wort Kommunismus und kommu­nistische Agitation, so sehr diese dabei beteiligt ist, ist Bulgariens Lage frellich nicht geklärt. Die Kriegsfolgen, die unsinn'ge Reparations­last, die mazedonische Frage, der Gegen­satz zu Serbien, die durch den Friedensschluß aufgezwungene Abrüstung und Entwaffnung, alles das lammt zusammen, um das Land in dieser Un­ruhe und inneren Erregung zu erhalten. Auch hier ist es unbedingt notwendig, daß die Kriegs­folgen liquidiert werden, genauer gesagt, dab die sinnlosen ReparationSverpflichtungen nach bem Dorbilde Oesterreichs ober Ungarns gelöst Werdern und ist es zudem notwendig, dab das Land eine gröbere militärische Rüstung erhalte, als ihm zugestanben worden ist. Sonst kann das an sich gute Militär mit dem König an der Spitze die Ordnung auf die Dauer nicht aufrecht erhalten.

Die Rückwirkung auf die Staaten der Klei­nen Entente ist natürlich erheblich. Sie werden sowieso durch gemeinsame Front gegen den Bolschewismus einander näher geführt. Das kann auch Bulgarien näher an sie heranbringen. Warum soll denn, wenn die Verhältnisse auf bem Balkan in Ordnung kommen sollen, Bul­garien auberhalb dieser Vereinigung von Staaten bleiben, die allein und durch sich Gegensätze und Reibungen auf der Balkan Halbinsel beseit'gen tonnte. Darin liegt ja doch allein die Daseins­berechtigung der Kleinen Entente ober einer- beration der Dalkanstaaten.

Gleichzellig hält sich Dr. B e n e s ch in Warschau auf. Es ist ber erste Besuch dieses geschäftigen Politikers dort. Schon spricht man davon, dab Polen ber Kleinen Entente sich an- f(blieben werde, aber zunächst dreht es sich nur um die Unterzeichnung einer Reihe von Ver­trägen. die der Friedenszullanb notwendig macht.

Die Deutschen landeten nach einer Fahrt von kauin vier Stunden in der Adoentbai. Daß sie trotz tiefen Nebels nach einigem Suchen dort glücklich anfamen, verdanken sie nur einem norwegischen Lotsen, den' sie von Hammerfest mitgenommen hatten.

Das Kohlenbergwerk von Eriksen Halle Benzin für die Deutschen bereitgestellt, wie ich nachträglich erfuhr. Eriksen soll nun von der Regierung in Chri- ftiania den gemessenen Befehl erhalten haben, den Boches weder das Benzin auszuliefern, noch ihre Abreise zu gestatten, der er sich nötigenfalls mit Ge­walt zu widersetzen habe.

Ich hatte schon wenig Vertrauen zu diesem Herrn Eriksen mit seinem deutsäzen Namen. Außerdem war mir bekannt, wie gern diese sogenannten norwegi­schen Demokraten in selbstherrlicher lleberhebung den Befehlen der Regierung zu trotzen wagen, wenn es ihnen aus irgendeinem Grunde so paßt. Ich schickte daher an unser DermessungsfahrzeugDer. bun", das sich in ben Gewässern zwischen Spitz- bergen unb ber Bäreninsel befindet, den funkentele- graphisckzen Befehl, sofort die Adoentbai anzulaufen und die Deutschen gefangenzusetzen.

Alles vergebens. Am 17. Juli mittags sind die deutschen Flugzeuge völlig unbelästigt aufgeftiegen unb haben bie Richtung nach bem Pol eingeschlagen. Mögen sie im ewigen Eise erfrieren.

Der famose Herr Eriksen, zweifellos ein ver­kappter Boche, melbetp der Regierung auf ihre An­frage höhnisch, daß er im Kampfe gegen die Ele­mente nur hilfsbedürftige Menschen kenne, aber keine Deutschen ober Franzosen. Den Mann werbe ich mir für später merken.

Die Deutschen können beim Eintreffen dieses Schreibens bereits in Alaska gelandet fein. Wahr­scheinlich werden sie zu ihrer Rückreise von Nome, der Hauptstadt Alaskas, einen Dampfer benutzen. H»er bietet sich die letzte Gelegenheit, der Deutschen habhaft zu werden, worauf ich bereits telegraphisch hinwies. Ich schlug daher Euer Exzellenz vor, alle unsere im Großen Ozean befindlichen Kriegsfahr­zeuge nach Norden auf den Hauptschiffahrtsweg zu beordern, um leben Dampfer nach ber Frankreich gehörenden Konterbande der beiden Flugzeuge zu durchsuchen.

Die llnlled States würden einem Ersuchen Frankreichs um Auslieferung der Deutschen wohl

Rätsel-Ecke.

Kreuzworträtsel.

Don links nach rechts:

1. Deutscher Fluß. 2. Edelstein. 3. Gemüts- ausbruch. 4. Wild. 5. Farbe. 6. Wohlgeruch. 7. Rebenfluh der Aller. 8. Europäer. 9.Saunt. 10. Rahrungsrnittel. 11. Körperteil. 12. Alt- deuts 't Gott. 13. Fürwort. 14. Rebenfluh von 1. 15. 1. 16. Keine Verneinung. 17. Kirchlicher

Titel. 18. QHännername. 19. Fürwort. 20. Schlag­ader. 21. Gramm. Artikel. 22. Fluh In Süd- schwcden. 23. Deutscher Fluh. 24. Vlännername. 25. Teil des Baumes. 26. Griechischer Buchstabe. 27. Formation. 28. Sternbild.

Don oben nach unten:

29. Fasergebilde. 30. Edelsteinschmuck 31. Tonart. 32. Mädchenname, 33. Getränt -34. Mexikanischer Dollsstamm 35. Lärm. 36. Auerochs. 37. Für­wort. 38. Lebensende. 39. Ton. 40. Fluh in Spanien. 41. Stoff. 42. Ausruf. 43. Metallische Verbindung. 44. Sagenhafte Heldenmutter 45.Ja­panisches Mah. 46.Rebensluh desMains. 47.Pro- vinz in Ecuador. 48. Italienischer Dichter-. 49. Fluh in Spanien. 50. Erdart. 51. Heiliges Versprechen. 52. Fürwort. 53. Staat in Rord- amerika. 54. Göttin.

Besnchskartenrätsel.

Dr. E. O. Schartegast

Berlin

Welchen 2lmtstllel führt der Herr?

Kapselrätsel.

Aluminium, Rotdorn. Brenner, Wolle, Elbe, Harfe, Anmut, Trust, Malzmamr, Brandung, Schere, Pulver, Pfennig.

3ebem der vorstehenden Worte sind zwei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, welche, aneinandergereiht, ein Sprichwort ergeben.

'Auslösungen.

Zahle nr<4tel

1 Daphne. 2 Evcly» 3 Roland, 4 Ha!, 5. Argyle, 6. Turm. 7 S>i*rcilne, 8 Oncunabdn. 9. Cast Beding. 10. McVpomcne. 11. Aalborg, 12. Churchill, 13. Thalia. 14. Aarau. 15. Rabob, 16. Diamant. Der hat die Macht, an den die Menge glaubt.

Geheimnisvoll«. Inschrift.

Das kleinste Haar wirst seinen Schatten.

Echakade.

Land Karte pandkarie.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RevattionStisch.

Wie er <8 ausfasitc.

Cin Landwirt befefh eine Kuh. die während des Melkens so störrisch war. daß man die größte Mühe mit ihr hatte. Er beschloti deshalb, sie auf dem Viehmarkt zu verrufen und beauftragte den Knecht damit, schärfte aber ein. den Käufer auf die schlechte Eigenkfchaft des TiereS aufmert» fam zu machen. Der Knecht brachte einen so guten PreiS heim, bah sein Herr ihn fragte, was cr bem Käufer wegen bin: Kuh gesagt habe. .Ich sagte ihm", entgegnete ber Knecht,bei der Kuh wirb man mit bem Melken nicht fertig".

Theorie unb Praxis.

Gelegentlich cincjfr Vortrages in Liverpool sprach Winston Ebunchill über Angst- ustä n bc unb bemerkte dabei, bah cs feiner Meinung nadj fein größeres Angstgefühl gebe ald bas. von bem ein Schiffspassagier überfallen wirb, wenn er bei Rächt durch den gellenden Alarinrus .lllinn über Bor dl" aus dem Schlaf aufgeschreckt wird. Da erhob sich im ersten Rang ein Mann unb wandte sich mit den Worten an den Redner:Ich bitte ben Herrn am Vortragst/ch um Verzeihung, aber ich kenne cinfln, den noch ein ungleich stär­keres Angstgefühl In der geschilderten Situation überfallt. ES ist das der Mann, der über Bord gegangen ist unb jjm Meer schwimmt. Ich spreche 2 ahruitg: denn ich habe mich ld)mi einmal in meinem Leben in bieser unangenehmen Lage befunden."

Die ibevle Schwiegermutter.

Ich sage Ihnen. meine Herren," erzählt der weitgcrciste Forscher am Stammtisch,bie vorzüglichste HoaSfrau. die es je gegeben hat, war meine Schwiegermutter." ..Lebt fie denn nicht mehr?" fragt man.Rein," fährt der Er­zähler trüben Blickes fort. ..fie wurde in Afrika von Kannibalen aufgefreffen. Aber als sie die Menschenfresser schon im Kochtopf hatten, da rief sie noch ntft schwacher Stimme:Vergessen Sie nicht Salz. Pfeffer und Zwiebeln!"

Wohnungsmangel.

Sie haben sogar die Frechheit besessen, in eine Wohnung zweimal einzubrechen", sagt ber Richter zu bewi angeflagtcnschweren Jungen". Aber, entschuldigen Sie. bei dem WohnungS- mangel ist das doch begreiflich", erwiderte dieser.

Darüber hinaus glauben wir nach wie vor nicht an eine so enge Verbindung zwischm Polen und der Tschecho-Slowakei. wie der Eintritt in die Kleine Entente es bedeuten würde. Die gegebene Gntwicklungsrichtung ist bei beiden Staaten ver­schieden. Die Stellung zu R u h l a n d ist zu verschieden. Die Möglichkeit gegenseitigen Wirt- schastsaustausches in gegenseitiger Stützung sind zu gering.

Im ganzen aber werden diese Vorgänge die Reigung im Westen nur bestärken, sich von den Ange legen Hellen Oft» und Südvsteurvpas noch etwas mehr zu desinteressieren. Man hat zu wenig davon, man verbrennt sich zu leicht bie Finger daran, unb vor allem wird die Reigung in England nur verstärkt, in die Sicherheits­diskussion unter leinen Lim ständen Fragen des Ostens oder Südostens hereinzuziehen. Gleich­zeitig drängt sich in Frankreich alles der­artig aus die Finanzreform zusammen, bie so­wohl eine Angelegenheit der Innen- wie ber

kaum entsprechen. Da muffen mir uns dann selber helfen. Allerdings wirb es einiges Geschrei in der amerikanischen Presse geben. Wer Schreien tut nicht weh, unb außer papiernen Protesten wirb Amerika nichts gegen bas unangreifbare Frankreich wagen. Schaben kann es auch nichts, wenn diese Vankees einmal merken, baß wir in ber Welt be­fehlen unb sonst niemand.

Zum Schluß versichere ich noch, baß ich, wie in bieser Angelegenheit, so auch in Zukunft stets ben Leitspruch Euer Exzellenz im Auge behalten werde: Fortiter in re, Juaoiter in modo. Die Welt muß es begreifen lernen, baß Frankreichs Wille unbeugsam, Frankreichs Macht unwiderstehlich ift

Der Gesanbte Frankreichs."

16.

Aus ber Abenbnummer desNeuyork Heralb" vom 18. Juli.

Die Deutschen auf bem Fluge zum Pol."

Ein Spezialtetearamm aus Christiania melbet uns, baß bie beiben deutschen Flugzeuge unter Füh- rung von Mr. Georg Nagel am gestrigen Tage von Spitzbergen aufgestiegen sinb und birekte Richtung nach Norden einschlugen. Drei Stunden lan^ bc- stand funkentelegraphische Verbindung von Spitz- bergen mit den Flugzeugen, bie bereits in näch­ster Nähe bcs Poles angekommen waren. Dann brach bie Verbindung ab.

Wir haben Mr. Peary, ben glorreichen Entbecker des Nordpoles, um seine Ansicht befragt, ber uns folgende Zeiten gütigst zur Verfügung stellte

Seit mehreren Tagen wird die gesamte zivili­sierte Welt durch ein Unternehmen in Spannung versetzt, das wieder einmal die Erreichung bcs Norbpols zum Ziele hat. Was viele Dutzende von wagemutigen Männern vergebens vor mir ver­suchten, das will ein deutscher, bisher völlig unbe­kannter junger Ingenieur mit zwei Flugzeugen er­reichen.

Daß bie lleberfliegung bes Poles im Luftschiff ausführbar ist, beweist schon ber Versuch von Amunbsen. Aber wir wissen auch, welche ungeheu- ren Schwierigkeiten babei zu überwinden sind unb wie umfassend alle Vorbereitungen getroffen werden müssen.

Haben bie beutschen Abenteurer bas bebadjt? Ich glaube kaum. Wierde boch vor wenigen Tagen

Außenpolitik ist, daß auch hier die französte ftben Interessen an diesen ferner liegenden Pro­blemen zurücktreten werden.

Da der Wille der englischen Politik klar liegt und ter gleiche bleibt, und da die Rich­tung der französischen Politik jetzt auch klar liegt, so werden wir nun unsere Augen, nach­dem der Kamps um die Präsidentschaft vorüber ist, wieder nach auf) en richten müssen. Die Entscheidungen ziehen unweigerlich her­auf für unser Vaterland und seine Außenpolitik, die durch Me Inneren Kämpse und Auseinander­setzungen der letzten Wochen nur vorübergehend zurückgeschvben und unterbrochen worden sind.

Geschäftliches.

Die natürlichen Pstanzenkräste im llngarische» Wasser Fatzhauer kräftigen Rerven unb Körper und heilen Migräne, Ischias und Rheuma,^'ss Auskunft: llniv^Apotheke zum goldenen Engel.

die erste dürftige Nachricht über ben geplanten Flug bekannt. Mit Sicherheit wissen mir, baß bie beiben Flugzeuge im geheimen hergestellt sind unb baß bie französische Kontrollkommission Anspruch auf sie erhebt, weil sie ben Bestimmungen von Ver­sailles wibersprechen.

Was wirb nun bas voraussichtliche Schicksal ber wahrscheinlich völlig unzureichenb ovrberefteten Expebition fein?

Die letzten Funkenmelbungen befagen, daß sie bie Nähe bes Poles erreichten. Dann brach bie Der- binbung ab. Voraussichtlich hat sich also bie Kata­strophe bereits ereignet. Vielleicht fanb ein Motor- befett statt, ber bie Fahrzeuge zur Landung nötigte. Dieser Versuch muß auf bem roilb zerklüfteten Eis- trümmerfelbe ber Polargegend unb bei ben bort fast ftänbig herrschenden rafenben Stürmen eine alsbaldige Zerstörung ber Flugzeuge zur Folge haben.

Ausgeschlossen ist auch nicht, baß btc Flieger in bas magnetische Krastselb eines starken Norbluh- tes gerieten. Die hiermit verbundenen mächtigen elektrischen Spannungen können entmeber zur un­mittelbaren gefährlichen Funkenbildung fuhren, bie bas Benzin zur Erplosion bringt, ober sämtliche Eisenteile ber Maschinen werben magnetisch indu­ziert, wodurch em Absturz die unvermeidliche Folge ist.

Die Insasfen ber Flugzeuge sind, auch wenn sie ben Sturz aus ber Höhe überleben sollten, in jebem Falle verloren. Ohne genügende Ausrüstung, ohne ausreichenden Proviant und vor allem ohne jede Kenntnis ber arktischen Gefahren müssen sie bereits nach wenigen Wochen bem Hunger unb ber Kälte erliegen, bevor bie geringste Möglichkeit zu einer Hilfsexpebition besteht, bie doch erst im nächsten Frühjahre mit Aussicht auf Erfolg abgehen könnte.

Eine weitere Möglichkeit besteht, daß bie Ex­peditton in der Nähe bcs Poles kehrigemacht httt, um noch Spitzbergen zurückzufliegen. Sie werben bann natürlich behaupten, ben Pol erreicht zu hoben. Doch wirb es ihnen schwer sollen, ben vollgültigen Beweis dafür zu erbringen. Alle Messungen ber Sonnenhöhe sinb in ben hohen Breiten wegen ber starken Strahlenbrechung ber Luft völlig unzuver­lässig. Dom Flugzeug aus bürsten derartige Mes­sungen vollends unmöglich fein.

(Fortsetzung folgt)