Nr. 4? Swett« Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger pir Gveryefsen) Mittwoch, 25. Februar 1925
Tausend Jahre Rheinland.
Tr. Adoll Roll, Bonn.
Allenthalben im Rheinland ruhet man. um hie tausenjährigc Zugehörigkeit zum "Rheinland würdig zu feiern Pie größeren Städte planen festliche Veranstaltuitgei' Mannigfache Aus- ftellungen sollen Rückblicke auf das verflossene Jahrtausend geben Deiches sind aber nun die historischen Ereignisse, deren man auf solche Weise gedenken will . Es g'bt viele Rheinländer, die llch darüber nicht volllomnren klar sind, wieviel mehr wird daS erst im übrigen Deutschland der RaH sein. Lind doch haben diese Geschehnisse gröbere als nur lokale Bedeutung.
Schon zu Zeiten, als Cäsar das viel mit)- brauchte Dort vom Rhein als Grenze Galliens prägte und es auch wahr machte, waren die Germanen auf das linke Rheinufer vorgedrungen. Spätere Ansiedlungen ganzer Stämme auf der
mit Ausnahme etwa des heutigen Rheinhessens und der Pfalz, die zum Ostreich kamen. Der Rhein bildete im Wesentlichen die Ostgrenze Lotharingien-. Rach dem Tode feines Rachsol- oers Lothars ll. versuchte dellen Oheim Karl der Kahle, dem 643 das Welt re ich zugefallen war. sich ganz Lotharingtens zu bemächtigen. Er stich habet aber aus den Widerstand Ludwig; deS Deutschen, seines "Bruders, der das Ostreich beherrschte. Karl wurde zu dem Den rage von Meerscn (870» gezwungen, durch den Lotharingien zwischen Ost- und Weltreich au'getcilt wurde. Die Grenzlinie fiel etwa mit der Sprachgrenze zusammen. "Beim Sode Ludwigs des Deutschen versuchte Karl das östliche Lotharingien zu gewinnen, ia«er soll sogar Absichten auf Mainz. Worms und Speyer gehabt haben.
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westlicheir Seite machten den Rhein noch viel mehr zu einem rein germanischen Strom, wenn er auch noch Fange Zeit die Ost grenze des Romer- reichcS bildete. Erst die germanische Völkerwanderung bereitete der Römerherrschalt in Gallien ein Ende. Westlich des Rheins setzten sich die salischen und ripuarischen Franken fest. Von ihnen ging unter der Herrschaft der Merowinger eine Einigung der germanischen Stämme aus. 3mmer weiter dehnte das entstehende Frankenreich seine Grenzen aus. besonder- unter den nachfolgenden Karolingern, bis es unter Karl dem Grotten seinen größten Machtbereich auf- wies.
Aber schon setzte der Verfall ein Die Söhne Ludwigs des Frommen teilten nach längerem Bruderkrieg 843 in Verdun das Land unter sich auf. Lothar, der älteste, erhielt den mittleren Teil und damit die Lande westlich des Rheins
Wieder taucht hier der Gedrnke der Rheingrenze auf. Sein Unter- nehmen wurde jedoch von Ludwig III. vereitelt, der ihn bet Ank er nach schlug (876*. 3a, nach seinem Tode gewann Ludwig sogar noch Welt-Lothringen für das Ostretch durch die Verträge von Verdun-Ribemont (879 bi» 80). Die frühere Westgrenze Lotharin» giens wurde so zur Westgrenze des Ostreiches, das sich jetzt bis zur Schelde und weit westlich der Maas erstreckte.
Als im 3ahre 911 die Karolinger tm Ostreich mit Ludwig dem Kmd auSstarben, trennten fteh die lothringischen Grotten vom oftfrän- kifchen Reich und schlossen sich dem Weltreich an. 3m Ostreich hatte man die Konradincn zu Herrschern erwählt. während die Lothringer am Erbrecht der Karolinger scsthielten und sich infolgedessen den westfrän- kischen. Karolingern unterstellten Das Ellah blieb damals wahrscheinlich beim Ostreich. Vergebens versuchte Konrad I. die verlorenen Gebiete zurückzuerobern (912 bis 13). Der Rhein war wieder einmal, zum letzten Male für falt 900 3ahre, die Westgrenze Deutschlands Heinrich I wandte sich bald nach seiner Wahl den verlorenen Gebieten zu. Ein Teil der lothringischen Grotten rief ihn selbst ins Land, denn im west- fränkischen Reich waren die Karolinger entthront worden. 923 war der größte Teil Lothringens zurückgewonnen. Der Westen wurde 925 zur Unterwerfung gezwungen, so die Westgrenze von 879 wieder erreicht war. und sie blieb jahrhun»
" ttifgi4» dertelang die Westgrenze Deutschlands. Die Rheinlande selbst find aber seit 925. abgesehen von der ue»tqrenie turnen Franzofenherrschaft, dauernd beim Reich geblieben.
Unter all den Veranstaltungen, die man zur 3ahrtaufendfeier plant, verdient die Kölner Ausstellung. deren Eröffnung am 1. Mai erfolgen foll, wohl das meiste 3ntereffe. Will sie doch die gesamte kulturelle Entwicklung der Rheinlande in diesem letzten 3ahrtaufend darstellen. Es scheint dies fast unmöglich, wenn man daran denkt, was alles zur Darstellung gelangen muh. Es soll auch nicht das geringste vernachlässigt werden, was das rheinische Kulturleben anbelangt. Es soll aber damit andererseits nicht gezeigt werden, datt die Rheinlande etwas durchaus Selbständiges sind, ganz abgesondert vom übrigen Deutschland. Rein, das wäre nur Wasser auf die Mühle der Sonderbündler. Die Ausstellung soll im Gegenteil die starken Beziehungen zwischen Rheinland und dem Reich aufzeigen. Sie soll zeigen, dah beide aufeinander angewiesen find und dah keins das andere missen kann.
Vie verunglückte Opiumkonferenz
Sie feit langen Wochen in Genf tagende Opiumkvnferenz ist nun endlich zu Ende gegangen. Sie hat leider nicht den Erfolg gehabt, den man von ihr erwartet hatte, sie mutt als verunglückt angesehen werden schon deshalb, weil sowohl die amerikanische al- auch die ch i- nefische Delegation vor lurzem demonstrativ Genf verlieh und in ihre Heimat zurück- lehrte. Dar man zu Anfang ziemlich hoffnungsvoll. fo stellte (ich doch bald heraus datt die Engländer andere Wege g:hen wollten als die Amerikaner, ja, die Gegensätzlichkeiten spitzten sich im Laufe der Verhandlungen fo zu, dah nichts anderes übrig blieb, als eine Pause einzuschieben. Wenn England sich gegen eine restlose Unterbindung de - Opiumhandels wehrte, so ist fein Standpunkt insofern verständlich, al- 3 n d i e n so ziemlich den gesamten Weltbedarf an Opium erzeugt, und in China den grössten Teil seiner Produktion ab- seht. England konnte natürlich 3ndien nicht in Stich lassen. Dafür hat man jetzt im Schlutt- Protokoll den Terwr auf die Unterdrückung des Opiumschmuggels und den G c - nutt präparierten OpiumS gelegt, was praktisch reckt bedeutungslos ist. da 3nöicn nach wie vor Rohopuim nach China ein führen wird. Aber auch der Zeitraum von fünf 3ahren. der für die Anwendung derartiger Mattnahmen vorgesehen ist. behindert den Opiumhandel keineswegs. Das Ergebnis der langen und an Zwischenfällen reichen Opiumkonferenz wird darin bestehen, datt ein Teil der Mächte, darunter die Vereinigten Staaten, sich weiterhin an die Haager "Bestimmungen aus dem 3ahre 1912 halten wird, während sich der Rest an die jetzt gefaxten Beschlüsse für gebunden erachtet.
Die Thüringischen Wahlen.
3n der früheren Hochburg der roten Radikalen ist am Sonntag eine für die Sicherung der Weimarer bürgerlichen -Staatsregierung bedeutungsvolle Entscheidung gefallen. Die Linksparteien hegten bei den Gemeinde wählen Thüringens die stille Hoffnung, be feinem für fic günstigen Ausfall gegenbenenfalls die (Staate- rcg.ciung zum Rücktritt zwingen zu können. Bemerkenswert besonders ist der Ausfall der Geraer Wahl, wo bei der starken Fabrikarbeiter- bevölkerung die rote Mehrheit seit der Revolution das Zepter der Stadt geführt hatte. Auch hier ist nun eine bürgerliche Mehrheit gewinnen. Die bürgerlichen Parteien haben durchweg geschlossen nebeneinander gestanden, nur in Weimar und Eisenach zeigte sich wieder jene die bürgerlichen 3ntercffcn so überaus schä rügende Zersplitterung, die sich dann auch in dem Wahlausfall ungünstig ausprägte. Der Wahlkampf felbft scheint in voller Ruhe verlaufen zu sein. Seitens der Regierung waren alle Mattnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe getroffen worden. Es bleibt zu wünschen, datt die in Thüringen gemachten Erfahrungen den bürgerlichen Parteien weiterhin als Richtschnur dienen mögen; nur durch ein unbedingtes Zusammenhalten kann die Gefahr einer rolcn Mehrheit beseitigt werden Für Mitteldeutschland gilt diese Mahnung umsomehr, weil hier gerade noch bis über die letzte Reichstags- wähl hinaus die Einzelgruppen im bürgerlichen Lager immer wieder geneigt waren, eigene Wege zu suchen und dadurch Stimmenverluste herbe iführt en.
Aus der Provinz.
Landkreis Witfien.
Lg G r.-D u f e d, 24. Febr. Der neuere Teil der Kaiser st raste ist wegen Kanalisations- arbeiten für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. — Samstag, 28. d. M. feiert das Ehepaar Balthaf er Dort in der Kleinmühle das seltene Fest der diamantenen Hochzeit.
Beuern. 24 Febr. Ein eifriger Forderet allgemeiner Volksbildung, Lehrer Schmoll von Elpenrod, hielt am Samstagabend im hiesigen Volksbildung-verein < Vorsitzender Leh ter Raut einen Lichtbildervortrag über .Ludwig Richter, bei Male r mit dem Kinberycrze n". 3m schönen und vergraster- ten Saale .Zur Germania" erzählte Vehtev Schmoll vor mehr alS 400 Menschen vorn L-'bcn unteres deutschen Maler-, Mit packenden Wpl- ten. durchwürzt mit feinem Humor, iru« ie erbte aufmerksamen Zuhörer zu bannen Di: Sil- wurden umrahmt von dazu passenden Gedichten und Kinderchoren. Auch der hiesige K i i chen- gelang rcrcin < Dirigent Lehrer Rau> unter- stützte diele VolkSbildungsarbeu durch einig: Lieder Dem Redner des Abends wurde durch den Vorsitzenden de» Volksbildung»^, rein» Dank gezolli für feine vorzüglichen Ausführungen.
R e i n h a r d S h a i n. 24 Febr T rotzdem schon oft vor den wilden Sammlern gewarnt wurde, killen manche Leute immer wieder herein und lallen sich durch die Zudringlichkeit sclcker Leute dazu verleiten (^elb au geben. Ter Geldbeutel tonb dabei itrichtert, einer guten Sack? liegen gewöhnlich nicht oder nur in. g ringem Matte dem Sammler aber immer gebient, Vergangene Woche sammelte hier wieder einmal ein solcher Hei r, verkaufte Sprüche, an geblick für Wallen im besetzten Gebiet Beim Pfarrer liest lick der gute Mann natürlich aus bekannten Gründen nicht leben. Man mache e- sich endlich zur Richtschnur^ ohne amtliche, mit Stempel und Unterschrift versehene Empsehlung des Pfarramtes gebe man nichts, und wenn der Betresfend: noch so zu dringlich ist Auch vor dem Ankauf von Büchern bei fremden hausierenden Händlern mutt dringend gewarnt werden. Gewöhnlich stimmt hier auch etwas nicht, entweder ist der Preis übertrieben hock, oder wird eine Anzahlung verlangt, das Buch aber nicht geliefert, ober eine Unterschrift verlangt, bann kommt per Rücknahme ein Buck, das man nicht bestellt hat. Ter reelle Buchhandel und die Hauskoiportage der evangelischen Vereine, besorgt durch die Pfarrer, die gerne jede» Buch besorgen, be- wahren jeden vor Schwindlern und sektierischen Büchern, besonder- der Adventisten, dte immer wieder das Land abgrafen.
Dn Odenhausen 22. "<<fcbr. Gestern abend fand im Saale des Gastwirts Beel in g die Generalversammlung unseres G e langvereins Eintracht' statt. Rach dem geschäftlichen Teil überreichte der Vorsitzende Werner verbunden mit einer passenden An spräche an zwei verdienstvolle Sänger, Eisen bahnallistent Wallenfels und Gastwirt Delling, schöne Diplome für 25jährige aktive Mitgliedschaft zum Gesangverein Die beiden 3ubilarc dankten mit bewegten Worten und versprachen, auch ferner dem Verein treu zu bleiben und mitzuwirken. Der frühere Vorsitzende stiftete ein Lied und ermahnte die jüngeren Kameraden, den Verein als Schule des Lebens zu betrachten und dem Gesang treu zu bleiben, damit auch sie das 25jährige Bestehen dereinst feiern könnten. Dor Verein sang einige schone Lieder, und bet einem guten GlaS Bier verlies die Feier in allen Tellen recht harmonisch.
' Stockhausen, 24. Febr Am SamStag abend halte der Kriegerverein Stockhausen seine Mitglieder mit ihren Familien zu einer Abcndunterhaltung in die Gastwirtschaft Rickel eingeladen. Bürgermeister 3 o ch i m begrüßte als Präsident des Vereins in kurzen, trefflichen Worten die zahlreich erschienenen Mitglieder mit ihren Gästen und wünschte dem Abend einen harmonischen Verlauf. Durch einige gut gespielte Musikstücke Und durch Chore der Sänger des Kriegervereins wurde der Abend verschont. Einige flott gespielte Theaterstücke sorgten für die nötige Abwechslung. Am Schluß dankte Bürgermeister 3 och im allen, die dazu beigelragen halten, den Abend zu verschonen, besonders aber Lehrer Ranft, der die Leitung des Abends übernommen hatte. Rach einer Verlosung hielt
Karnevals Abschied.
Don Hans Dege.
3n der Rächt vorn "Falchingsdienstag auf Aschermittwoch wird der Fasching zu Grabe getragen und die Bräuche, die bei dieser Veranlassung in den verschiedensten Gegenden Deutschlands. Böhmen- und Oesterreichs früher und zum großen Teil noch heute geübt werden, lassen sich größtenteils auf altgermanllche Feste zurückführen, bei denen man das Ende des Winters biENid) darstellte. So wird in der Gegend von Schluckerau die sterbende Faschingslust als ein vermummter Flüchtling dargestellt, der von der Volksmenge mit oder ohne Maske durch die Straßen gejagt wurde, bis man ihn in einer mit einem Stricke abgefperrten Gaffe zu Fall brachte. 3n diesem Augenblick tritt der bei keinem böhmischen DolkSspiel fehlende Scharfrichter hinzu und durchsticht mit seinem Schwert eine mit Blut gefüllte Blase, die der Vermummte unter feinem Gewand aus den Leib gebunden bat. und wenn da- Blut ausstromt. stirbt der Fasching. Man legt ihn auf eine Bahre. Am nächsten Tage wird er ober eine ihm gleich gekleidete Strohpuppe unter großer Doltsbeteiligung bis zum Teich gefahren. wo der Scharfrichter eine Rede hält und den toten Fasching in baS Daffer senkt.
3n vielen Orten, wie z. B. auch in Prag, wird der Prinz Karneval als Bacchus dar- gestellt und am Faschingsdienstag aufgebaut. Man zieht einer Strohpuppe Kleider an. steckt Ihr eine Pfeife in den Mund, gibt ihr in die eine Hand einen Weinkrug, in die andere ein Glas und fetzt sie auf eine Tonne, die zwischen grünen mit buntenFähnchen und Papierlaternen geschmückten Taimen steht. Verschiedene Masken bewegen sich, tanzend, scherzend und zechend, um ihn herum. Als feftftebenbe Masken müssen dabei stets ein Handelsjude, ein Bajazzo, ein Buckliger, ein Polichinell und die Frau des "Bacchus ver
treten sein. 3st die Rächt vorgeschritten, meldet man den Tod des Bacchus, enlllcidet ihn aller überflüssigen Gegenstände, legt ihn mit gebührender Feierlichkeit auf eine Bahre und veranstaltet unter Vortritt der Mulik. die einen Trauermarsch spielt, einen Llmmarsch. 3n der Mitte des Saales wird die Bahre niedergeseht und eine rührende Trauerrede gehalten. Stellt eine lebende Person den Fasching dar. so wurde er früher auch wohl in den Hof getragen und in einen dort aufgeworfenen Aschenhausen gewälzt, um die Beerdigung des abgeschiedenen Prinzen Karneval noch deutlicher zu symbolisieren. 3n vielen Gegenden Böhmens wird die Strohpuppe, die den Prinzen Karneval dargestellt hat, verbrannt und die Asche in die Luft verstreut.
3n einigen Orten des Riesengebirges wird al- Leiche des abgeschiedenen Faschings eine saitenlose alte Baßgeige in weihe Leinwand gehüllt und unter parodistischen Trauerfeierlichkeiten außerhalb des Ortes oder auch in unmittelbarer Rähe der Schule im Schnee ober in der Erde bei- gesetzt. Warum gcrabc die Schulnähe bevorzugt toirb. ist schwer zu sagen. Aehnlich wie in Prag machte man es früher in Schwaben, wo der Fasching in Gestalt eines alten Weibes unter reger Beteiligung der Bevölkerung am Aschermittwoch begraben wurde. Auch in Tirol find noch an vielen Orten ähnliche Bräuche am Aschermittwoch gang und gäbe.
Während mit dem Aschermittwoch in der gesamten katholischen Christenheit die mehr oder minder streng beobachtete Fastenzeit beginnt, wurde in Mailand nach altem Brauch noch drei Tagelänger jubiliert und mit Maskenscherzen dem Prinzen Karneval gehuldigt. Mll dem Ursprung biefeS einzig dastehenden Privilegiums hat es nach einer geschichtlichen Heber» lieserung folgende Bewandtnis^ Der heilige Ambrosius hatte lange vergeblich gegen die Faschingsbelustigungen in der Stadt gepredigt und toicberholt gebrobt, die Stabt zu verlassen.
Als nun bas tolle Treiben kein Ende nahm, kehrte er wirklich der Stabt auf einige Zeit den Rücken. Er gab bei feinem Abschied den Mailändern die Erlaubnis, bis zu seiner Rückkehr am Aschermittwoch sich auszutoben unter der Bedingung, daß sie bann ein neues Leben beginnen würden. Da geschah es, daß unvorhergesehene Zwischenfälle den heiligen Mann über die verabredete Zeit hinaus an der Rückkehr hinderten. Erst drei Tage nach Aschermittwoch kam er in Mailand an, wo man sich weiter nicht mit Warten auf den unbequemen Mahner auf gehalten, sondern um so toller weiter gefeiert hatte. Run war das Feiern zwar zu Ende, aber seit jener Zeit hielten bis Mailänder an der Errungenschaft der drei Exkra- tagc fest, und fo dauerte der Karneval dort noch an. wenn der Fasching an andern Orten längst zu Grabe getragen war.
Das Königreich Siam und die hinterindischen Länder. Vortrag von Professor P. Frehe in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Gießen.
Am Montagabend sprach in der Reuen Aula der ilniberfität Professor P. Freye über Sinn und die hinterindischen Länder. Zur Einführung gab der Redner eine breit angelegte völkergefchichtllche und politische Entwickelungs- barfkllung des Landes
Aus S ubchina. mit Menschen überflutet, dehnten sich die hinterindischen Stämme westlich aus und drangen in ihren letzten Ausläufern kometengleich bis zum Herzen Europas als Hunnen Europa sandte seinen ersten Gruh durch Marco Polo in das 2anb; nach ihm. in größeren Scharen, siedelten Portugrefen (1518) an der Küste und in den Tälern unb beherrschten den getarnten hinterindischen Handel Vom Papste gesandt, landeten im 17. 3ahrhundert französische Schiffe am siamesischen Strande unb trugen französische Waffen in- Reich. Eine
Gegenrevolution vertrieb die Eindringlinge, bis englische Kolonisten sich eine 3nteressen|phäre aus der Halbinsel Malakka schufen. 3n starker KonB kurrenz mit ihr, in vielen Dingen überwiegend, stand vor dem Kriege der deutsche Einfluß neben dem englischen: deutsche 3ngenieure bauten die siamesischen Bahnen, deutsche Beamte organisierten die Verwaltung des Landes, Mitglieder des deutschen Kaiserhauses waren zu verschiedenen Malen Gäste am siamesischen Hole und der verstorbene König von Siam weilte als Kurgast in Bad Homburg vor der Höhe.
3m zweiten Teil seine- Vortrages zeigt« Professor Frehe, der als ehemaliges Mitglied des fiamefischen AckerbauministeriumS vielgestaltige Gelegenheit hatte, das Leben und Weser des siamesischen Volkes und Lairdes kennen zu lernen, eine reiche Zahl von Bildern, die eine lebendige Vorstellung gaben von jenem Haupt- reich Hinterindiens mit feinen Tempeln unk Grabmälern, feinen Volksfesten und 3agden. seinen Dörfern, Städten, Straßen und Kanälen, mit seiner Bearbeitung des Bodens unb feinen reichen Ernten.
Der gutbesetzte Saal folgte den Ausführungen des Redners mit 3ntereffc und dankte ihm insbefondere für seine warme Fürsprache für unsere Auslandbeutschen und für die offenen Worte über die Rotwendigkeit der Wieber- erlangung unserer Kolonien.
Eine Statue der Rhea Silvia gefunden.
Wie römische Blätter berichten, ist in Ternf ein Bildwerk von großer geschichtlicher Bedeutung gefunden worden: Es ist dies eine Statue bet Rhea Silvia, der Mutter der beiden ersten Könige von -Rom. Romulus und Remus. die aus dem 7. vorchristlichen 3ahrhundert stammen soll. Da die Entdecker die Statue heimlich beiseite bringet wollten, wurden fic von der Polizet verhaftet, unb das Kunstwerk würbe vom Staat in Besitz genommen.
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