Nr. 95 Drittes Blatt
England über Hindenburg
Aon unserem ständigen W. v. K.-Berichterstatter.
(9lad)brurf, auch mit Quellenangabe, verboten.)
London, Mitte April 1925.
Dic-j Bolt der Insulaner rechnet lieber mit Tatsachen als mit spekulativen Angelegenheiten. Was die Kandidatur Hindenburg anbetrifft, sa kann man etwa drei Gruppen unterscheiden. Da ist zunächst die flrofje Masse der konservativen Platter gemäßigter Richtung, die sich, von einigen iHürffällen antideutscher Propaganda abgesehen, im wesentlichen neutral verhallen, auch wenn sie na- turgemäß eine Wahl Marx nicht ungern sehen würden, weil Marx bequemer wäre. Aber .zu einer wirklichen Meinung ist dieser Teil der englische Presse noch nicht gelangt, obwohl man das mit gc- schickier Wiedergabe deutscher Zeitungsstimmen ZU verschleiern sucht. Etwa- anders stellt sich eine Gruppe konservativer 'Blätter, die sog. Beaver- b r o tk - P r e s s e, ein, die offen feindselig berichtet und Stellung nimmt Dazu gehört in erster Linie der ..Daili) Expreß" von den Wor gen Mähern und der „Evenmg Standard", das wichtigste 'Abendblatt. Deren Auffassung ist jedoch weniger von einer grundsätzlichen Gegnerschast gegen die Kandidatur Hindenburg, sondern gegen öie to genannte Paktpolitik. Man bekämpft den Gedanken eines westeuropäischen Paktes mit allen Mitteln. Diese Gruppe sogt, daß England keinerlei europäische Perpslichtungen übernehmen dürfe, wenn es sich nicht ins eigene Fleisch schneiden wolle. England habe genug mit sich selbst 311 tun und versage nid) über überschüssige Streitkräfte, die es im Talle eines europäischen Krieges verwenden könne. Man greift also die Kandidatur Hindenburg ganz besonders im Hinblick aus die Wirkung seiner Präsidentschaft auf die Paktpoliiil an. Ge lingt es mit der Verdächtigung der Präsidentschaft Hindenburgs den Paklvorschlag zu Fall zu bringen, dann ist das politische Ziel dieser Gruppe erreicht. Schon vorher hat man lein Mittel und kein Argument verschont, um die englische Regierung 1 uegen ihrer Paktpolitik, wie man sagt, „madig" zu machen. Konnte man Hindenbtirg zum Sündenbock machen, so würde man das gerne tun, denn bann könnte niemand England den Vorwurf machen, daß es seinen Standpunkt in der Pakisrage geändert habe.
Die liberale Presse verhält sich i|n allgemeinen neutral, wenn auch etwas sorgenvoll. Ihr kommt es weniger aus die Personenfrage als auf die Sache an. Man betrachtet den schweren inneroolltischen Kampf in Deutschland mit einiger Unruhe. Aber man weist auch darauf hin, daß die Kandidatur Hindenburg letzten Endes eine Quittung auf die Politik der A liierten sei. Daraus ergibt sich — übrigens hat der General Hamilton neulich in einer Rede den gleichen Standpunkt vertreten —, daß man den gesamten Zustand der cu orsSvchlPeiiknios diie bfs umlhro Zustand der europäischen Politik pessimlstlsch he- urteilt. Die | 0 3 i a I i ft i ( d) c Presse kann man übergehen, da eine erwähnenswerte sozialistische Presse in England nicht existiert.
Die amtliche Meinung wird indessen kaum durch die Stimmungsmache in den Zeitungen beeinflußt. Hier erregt die französische Krisis zweifellos viel mehr 'Besorgnis als die deutsche Präsidentenwahl. Die deutsche Präsidentenwahl kann an den tatsächlichen Macht Verhältnissen nichts ändern. Deutschland ist entwassnet, es hat den Dawcs- beridjt angenommen, aber die Gegenleistung für die Annahme des Dawesberichtes, die Kölner Räumung, fleht bis dato noch aus. Auch ist das Ruhrgebiet noch besetzt. Eine Kandidatur Hindenburg wäre also nur dann von europäischer 'Bedeutung, tuenn es nicht gelingt, die von den Alliierten gegebenen vertraglichen Verpflichtungen und sonstigen Versprechungen und Zusagen einzulösen. Dieses bongt aber nicht von Deutschland, sondern von Frankreich ab. In der sranzösischen Politik, machte sich jedoch schon lange vor der gegenwärtigen Krisis ein bedeutsamer Umschwung bemerkbar. Die bekannte Brandrede H e r r i 0 t s in der französischen Kammer nach Weihnachten war ein Zeichen dafür. Es wäre jedoch ein Irrtum, diese Schwenkung in der französischen Politik, die man als einen Abbau der Persöhnungspolitik de>. vergangenen Sommers bezeichnen könnte, etwa auf die deutschen Präsidentenwahlen zuruckzuführen. Vielmehr spielt in diese französischen Stimmungen das Problem der interalliierten Schulden weit entscheidender hinein, als das deutsch-französische Verhältnis.
Feuer am Nordpol«
Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.
Don Karl-August von Lassert.
24. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Er bringt wohl Verstärkung mit?" fragte Stratoff höhnisch. „Ihr hier mit euren drei bewaffneten Männerchen fühlt euch uns nicht gewachsen. Deswegen braucht ihr Hinterhälte, bis ihr euch stark genug wißt, eure Krallen zu zeigen?"
„Sie vergessen sich, Herr Stratoff", jagte Karsten.
„Herr Sanders, ich bitte um Ihren Entschluß!" rief Stratoff.
Dieser hatte sich bei dem erregten Wortwechsel erhoben.
„Wir fahren sofort", sagte er ruhig.
„Ohne Pässe?" fragte Karsten.
„Mit oder ohnx, wir fahren."
„Warten Sie noch die paar Stunden, bis der Dampfer aus Tromsö da ist", bat Karsten. „Dann wird sich alles aufklären. Auf die Wettermeldung aus Spitzbergen ist noch nicht da."
„Hier scheint mir das Wetter gefährlicher als oben im Norden", meinte Nagel.
Sanders rief:
„Meine Herrschaften, ich bitte, sofort die Flug- zeuge zu besteigen. Unser Gepäck ist bereits an Bord." Er streckte dem Konsul die Hand entgegen. Leben «ie wohl, Herr Karsten. Der gastliche Aufenthalt in Ihrem Hause wird uns stets unverletzlich bleiben."
Dieser war verweilen.
„Sie sehen mich in der furchtbarsten Verlegenheit!" rief er ängstlich. „Der Bürgermeister und der Polizeimajor verlangten von mir das Versprechen, daß ich Sie nicht ohne Erlaubnis abfahren ließe."
„Dann melden Sie den Herren, daß sie sich einer force majeure gegenüber befanden", sagte Stratoff.
Sanders stand bereits in der Tür. Linda und Nagel folgten.
„Es kostet mich meine Stellung!" rief Karsten und eilte hinter ihnen her.
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Frankreichs Finanznöte gehen in dieser Linie auf die ungelöste Frage der interalliierten Schulden zurück. Wenn Frankreich auf Deutschland drückt ober Deutschland gegenüber eine im versöhnliche Politik betreibt, so meint Frankreich nicht Deutschland, son- dern England. Man weiß in Paris, daß England ein unbedingtes Interesse an gesunden deut- id)en Verhältnissen bat. Hindei! man die gesunde Entwicklung der deutschen Politik, dann hört man die englischen Absichten. Da die französische Krisis eine Finanzkrise ist, da auch der Nachfolger Herriois die Erbschaft der Poincareschen Schulden übernehmen muß, so ist es weiter nichts als Propaganda, wenn man die französischen Bestrebungen immer wieder auf die deutsche Gefahr zurückzufüh- ren sucht. Deutschland ist immer nur der Vorwand. Die französische Unruhe geht auf finanzielle Bedrückungen und nicht auf die Drohung eines deutschen Heeres zurück. Wenn wir als Deutsche also unseren Weg unbeirrt und ruhig ohne große Worte und Gesten weiter gehen, so kam, uns, wie der Volksmund sagt, „nichts passieren". Das europäische Sturmzentrum ist nicht Deutschland, sondern Frankreich. Der Grnnb ist der, daß sich das französische Siegervolk mit Händen und Füßen gegen die notwendige finanzielle Hungerkur wehrt.
Protestkundgebung gegen die Tabaksteuer.
Man berichtet uns: Eine im Katholischen Vereinsbaus vom Deutschen Tabakarbeiterverband vetanstaltete Protestkundgebung gegen d i e Tabak st euer war dermaßen überfüllt, daß es vieler; nicht möglich war. Einlaß zu finden.
Der Redner, Landtagsabgeordneter Kiek, lührte u. a. aue$’ kein Gewerbe und keine Arbeitet gruppe sei so stark von Steuer- und Zoll- crhöhungen in Mitleidenschaft gezogen, als das Tabakgcwerbe. Es sei in Deutschland geradezu zur Tradition geworden, bei jeder Finanzreform oen Tabakzoll und die Tabaksteuer zu erhöhen. Die jedesmalige Folge einer Erhöhung war eine große Arbeitslosigkeit, so daß bc: den Arbeitern Rot unb Elend einkehrte. Die Befürworter der Zoll -und Steuererhöhung führten an. daß die Interessen der Allgemeinheit denen eines einzelnen Gewerbezweiges und einer einzelnen Arbeitet gruppe vorgehen. Die Tabakarbeiter lehnten diese Erhöhung mit aller Entschiedenheit ab. Durch die fortdauernden Erschütterungen des Tabakgewerbes falle es sehr schwer, den Lohn entsprechend der Teuerung zu erhöhen. Durch das schlechte Lohnniveau in der Tabakindustrie sei die Krankheitsziffer in erschreckendem Maße hoch. Es müsse alles darangeseht werden, daß die Tabaksteuer- und Zollerhöhung zij Fall komme.
Herr v. E i s e n h a r d t, Syndikus des Reichsverbandes Deutscher Zigarrenhersteller, erklärte. daß er ebenfalls Gegner der Tabaksteuer und Zollerhöhung sei. und daß unter allen Um- ständen versucht werden nrüsse. die Steuer von dem darniederliegenden Gewerbe fernzuhalten.
Herr Loeb, Dorsihender der Zigarrenhändler, sagte, daß auch die Kleinhändler unter dem Steuerdruck leiden, und daß auch sie deshalb gegen jede weitere steuerliche Belastung des Tabaks wären. Mit aller Gewalt wolle man dieses Genußmittel. welches fein Genußmittel mehr sei. sondern ein Anregungsmittel, beseitigen. Alle Hebel müßten in Bewegung gesetzt werden, um die Steuer zu Fall zu bringen.
Aach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde die Versammlung von dem Dezirksleiter des Holzarbeiterverbandes, Herrn Moosdorf, al» Vertreter der Zigarreickistenarbeiter, geschlossen.
Die von der Versammlung einstimmig angenommene Resolution hat folgenden Wortlaut :
• Die am 21. April im Kath. Dereinshaus in Gießen tagende öffentliche Protestversammlung gegen die Tabaksteuer- und Zollerhöhung war besucht von ca. 800 Tabnkarbeitern und -Arbeiterinnen,' Zigarrenlistanarbeiter und -arbeiterinnen sowie von den Werkmeistern, ferner von den Tabakwarenhändlern. Tabaksabrikatherstellern uni> sonstigen Tabakinteresscnten von Gießen und Umgegcnb.
Die Versammlung lehnt mit aller Entschiedenheit eine Erhöhung des Tabakzolles und der Banderolsteuer ab. Auf Grund des geringen Einkommens von 80 Proz. der Bevölkerung ist
„Ich rate Ihnen, gehen Sie sofort zur Polizei Miib melden Sie dieser, daß wir jetzt gegen Ihren Willen auffahren würden", sagte Nagel.
„Und fügen Sie hinzu, daß jeder, der mich anzurühren wagte, eine Kugel durch den Kops erhalt!" schrie Stratoff
.Karsten eilte davon.
Die anderen eilten rajch zur Mole. Hier standen Liedhard und Gerling bereit. Schon von weitem rief toanbers ihnen zu:
„Motoren anlaffen! Sofort absahrcn!"
Als sie das Deck der Flugzeuge betraten, rasten schon die Propeller. Zwei Polizeibeamte, gefolgt vom Major und Bürgermeister,eilten herbei.
„Landungsbrücken hach!" befahl onnbers.
„Sic müssen die Pässe abwarten!" schrie der Major zu.
„Wir fahren ohne Pässe!" rief Sanders zurück. «Herzlichen Dank für die freundliche Ausnahme."
Die Flugzeuge setzten sich langsam in Fahrt.
„Halt, ober laste schießen!" schrie der Major.
Die Stiele durchfurchten nebeneinander die auf» schäumenden Wellen. Die Passagiere verschwanden unter Deck.
Ein Polizist legte an und schoß. Doch der rasch hinzuspringende Karsten schlug die Mündung des Gewehrs nach oben.
Jetzt tanzten „Stößer" und „Schwalbe" nur »och auf den WcUenfpitzen. Ein letzter Anklatfch einer hohen Woge, und iii sausender Fahrt ging es in die Lüste. Kein weiterer Schuß fiel.
»Ein braver Mann, Ihr Konsul", sagte Linda.
„Das :■* er", bestätigte Sanders. „Aber nun müssen wir -Der ohne unseren Lotsen fahren."
„Ich bin hier!" ertönte eine tiefe Baßstimme. „Es war feine Zeit mehr, von Bord zu gehen. Außerdem war ich für Spitzbergen gechartert und werde meine Pflicht tun trotz unserem Herrn Polizei- major."
Schon seit einer Stunde flogen sie über dem grünblauen Nordmeer. Klar war der Himmel, doch die nächtliche Sonne schien gedämpft. Eine kleine Insel mit spitzen Bergen erschien. Der Lotse deutete dorthin. ____
die Inlandkauf kraft <o geschwächt, daß der Konsum von Taboksabrikaten seit geraumer Zeit fortgesetzt zurückgegangen ist. Eine weitere Belastung würde den Konsum erdrosseln
Gegenwärtig hat die Tabakarbeiterschaft durch Kurzarbeit rdrr periodisches Aussehen der Arbeit stark äu leiden
Die wirtschaftlichen Verhältnisse hab für die TabakarbeitLrichaft dadurch schon unerträglich. Dies zeigt sich auch an der gewaltig hohen Krankheitsziffer. Rach einer Mittellru'g der Ortskrankenkasse Gießen (Stadt) betrug die Zahl der gegen Krankheit Versicherten im Jahre 1924 717 Mitglieder, davon waren krank 466 Mitglieder, also 65 Prozent, bei der Gießener Land- Iranfcnlaffc betrug die Zahl der Versicherten 2200. davon waren 760 Mitglieder krank. Die Zahl der Krankheitsfälle betrug 1020. Dies sind erschreckende Zahlen, sie beweisen zur Genüge die trostlose wirtschaftliche Lage der Tabakarbeiter, die in erster Linie durch Kurzarbeit und Ar- beitslosigkeft und damit zusammenhängender geringer Verdienst Möglichkeit hervorgerujen ist.
Der Ausstieg der Tabakarbeiterschaft zu besseren Lohnverhältnissen wird durch die gegenwärtige Lage schon sehr erschwert.
Die gegenwärtige Erwerbslosen! ürsorge kommt auf Grund der mangelnben Bestimmungen nur fiir einen Bruchteil der Tabakarbeiterschaft in Betracht. Die Folge einer Erhöhung des Tabakzolles und der Steuer ist eine weitere Verelendung und Verarmung der Tabakarbeiterschaft sowie der Arbeiter verwandter Berufe. Die Versammlung appellleri deshalb an die Reichstagsabgeordneten in Hessen und Hessen- Rassau sowie an den gesamten Reichstag, im 3ntctcffe der Tabakindustrie und der beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen dabin wirken zu wollen, daß die Gesamt-Industrie von einer weiteren Belastung verschont bleibt.
Die stärkste Ulme Deutschlands.
Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte der „Gießener Anzeiger" in Rr. 89, 2. Blatt, einen interessanten Artikel über einen merkwürdigen Baum, den man in dem rheinhessischen Dorfe vchimsheim findet. Am 28. August 1918 habe ich auf einer Fußwanderung durch meine Heimat diesem Baume einen Besuch abgeplattet. In Armsheim, der Station, wo sich die Eisenbahnlinien Mainz—Alzey und Dingen—WormS kreuzen, hatte ich den Zug verlassen und ging auf einem Feldwege, der den Wiesbach entlang führt, nach dem nur wenige Minuten entfernten Dorfe. Schimsheim ist eins der kleinsten Dörfer Rheinhessens, es zählt nur ungefähr 260 Einwohner. Ich hatte den alten Daum bald gefunden, war aber im Anfang etwas enttäuscht. Ich glaubte nämlich, einen Daum zu finden, der von besonderer Höhe sei. Das ist nicht der Fall, der Damn zeichnet sich iedoch durch den Umfang feines Stammes und fein: gewaltige Verzweigung aus. 3m Dollsmund wird er „bie ßff" genannt; denn Cffe ist die rheinhessische Dezeichnung für Ulme. Der Stamm hat einen Umfang von 17 Meter, er ist im Innern hohl. Im Jahre 1901 fürchtete man deshalb,^ daß diese Ulme zugrunde gehen werde, aber man füllte den Hohlraum mit Sand, verkleidete den Stamm mit Zement unb legte starke Ketten um den oberen Teil. Diese Maßnahmen hatten zur Folge, daß der Daum, dessen naben Untergang man schon vorauSsah, sich wieder erholte und seither wieder in jedem Jahre im Schmucke feiner grünen Blätter prangt. Als ich damals unter dem ehrwürdigen Baume stand, gesellte sich mir ein alter Landmann zu, der mir aus dem Leben des Dorfbaums allerlei erzählte. Einst tarnen auf einem Turngange 32 Binger Turner, sie erstiegen den Daum, und die ganze Schar sand auf den starten Aesten Platz. Ein anbermal war Kirchweihe im Dorfe, in dem damals noch hohlen Stamme sanden sich sieben Muftkanten zusammen unb spielten bas Lied: „Lebt beim der Alle noch?" Die Wurzeln des Baumes erstrecken sich auf eine sehr weite Entfernung, was man gelegentlich beim Ausgraben von Fundamenten festgestellt bat In den 1860er Jahren war der Baum einmal so mit Schnee unb Eis überdeckt, daß ein Ast brach und dabei ein Haus erheblich demolierte, die Kellertreppe wurde mehrere Fuß tief hinab- gedrückt. Im Dorfe sagt man, der Daum stamme aus der Zeit Karls des Großen, somit wäre er ungefähr 1510 Jahre alt, die Fachgelehrten
„Es ist die 'Bärcninfel", erklärte er. „Den halben Weg nach der Adventsbai haben wir hinter uns. Die Insel gehört jetzt zu Norwegen. In den achtziger Jahren war sie noch herrenlos. Da kam eines Tages ein deutscher Reisender mit einigen Begleitern dorthin, nahm sie in Besitz und nannte sich König der Bäreninsel. Der nordische Winter vertrieb die Leute natürlich. Jin nächsten Jahre kamen sie nochmals auf kurze Zeit wieder, dann verschwanden sie für immer."
,3ch erinnere mich, davon gelesen zu haben", sagte Sanders. „Jener Abenteurer hieß Lerner. Er nannte sich tatsächlich Fürst der Bäreninsel und ließ sich auch so lautende Visitenkarten drucken."
„So wie Herr Lebaudy sich zum König der Sahara ernannte", sagte Linda.
Die Funkstation meldete das Einlaufen eines deutschen Telegramms aus Hainmerfest. Es lautete:
„Spitzbergen meldet Windstille, aber starken Nebel. Wünsche glückliche Fahrt. Karsten."
„Mollen Sie wirklich von Spitzbergen über den Pol fliegen?" fragte der Lotse.
„Wir werden es versuchen", antwortete Sanders.
„Vor vielen Jahren wohnte ich als ganz junger Mann dem ersten Aufstieg eines Luftschiffes bei, das den Pol erreichen wollte. Ein schwedischer Ingenieur namens Andree stieg von einer kleinen Insel am Nordrande von Spitzbergen in einem Luftballon auf. Man hat von ihm und seinen drei ‘Begleitern nie wieder etwas gehört. Nur feine abae- lafjenen Brieftauben kamen wieder zu uns auf die Daneninsel zurück."
Nagel vom „Stößer" rief an. Er bat Sanders, mit der „Schwalbe" vorauszufliegen, da er den Lotsen bei sich hatte. Bei Eintritt von Diebel dürfe Liebhard nicht mehr nach dem Kompaß fliegen, weil dieser bereits wegen der Nähe des Pols um zuverlässig würde. Orientierung könne nur noch nach der Sonne erfolgen, wozu man über den Nebel steigen müsse.
„Wie ist es möglich, die Himmelsrichtungen nach der Sonne festzustellen?" fragte Linda. „Um Mitternacht befindet sie sich ja allerdings genau im Norden, aber zu jeder anderen Tageszeit doch an einer anderen Stelle. *
Sreitag, 24. Xpril 1025
schätze.1 fein Alter auf 903 bu«. 1000 Jahre. Früher sanden sich die Dorfbewohner an Sonn- unb Feiertagen sowie an Regentagen unter dem Daurne zusammen. Aber, auch wenn man nun alles getan bat. um den Baum zu erhalten, so scheinen seine Tage doch gezählt zu fein. Schabe, baß er nicht reden kann. waS würde er aus alten und neuen Zeiten nicht alles zu erzählen haben. H. B.
Leipziger Sanger in Wien.
Zu Ehren der in Wien anwesenden Leip- 31 fl c r Sänger fand in dem festlich geschmückten Rathaus ein Empfang statt, an dem 'ich Generalkonsul Vivenot in Vertretung der deutschen Gesandtschaft beteiligte. Präsident Hartung von dem Wiener Bund der Reichsdeutschen und Vertreter des Wiener Gesangvereins nahmen ebenfalls teil. Viz.büvgermcister Emmerling verwies in seiner Begrüßungsanspracha auf di eengen lulturclkn Beziehungen mit dem Deich unb drückte seine Freude darüber auS. daß die Sänger diese Beziehungen pflegen. Dee Vorsitzende des Leipziger Sängerbundes, 9 ölte I b . dankte für die herzliche Begrüßung und betonte, daß die Reisen der deutschen Gesang» vereine einen nationalen Zweck verfolgen Dm Eängersahrten seien ein sinnfälliger Ausbruch bet Gemeinschaft aller Deutschen
Drei neue Kometen.
Wie die Astronomen Baillanb und Biaour» dan in bei französischen Akademie der Wissen« schäften mitteillcn, sind in den letzten Woche« drei neue Kometen entdeckt worben: einer ie der Krim am 23. März, ein anderer am .Wap am 24. März unb der dritte in Kopenhagen äim 5. April.
Eingesandt.
(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrll stehenden Artikel übernimmt die Redaktion den» Publikum gegen 1 ■ ortung j)
Mir den Tierschutzverein.
In einem Grundstück am Ende der £)oT" mannst raße. Qläbe Frankfurter Straße, beult uns bellt sowohl bei Tag als auch bei Rächt häuftW stundenlang hintereinander ein Hund, der sich, den jammervollen Klggetönen nach zu urteilen, über sehr schlechte Behandlung zu beklagen hak. Gibt es in Gießen keinen Tierschutzverein, der sich möglichst bald der Schmerzen des bebauems- werten Tieres annimmt?
Ein Tierfreund
Rundfunk-Programm
des frankfurter Senders.
(Aus der ^Radlo-Umfchau'.)
Samstag, 25. April.
12 Uhr: Nachrichtendienst. 3 und 4 Uhr§ Wirlschastsmeldungen. 1.30 bis 6 Uhr: Operetten Nachmittag des Hausorchelters: Vulgaren- marsch aus „Der tapfere SolbaP von D. Strauß; 2. Ouvertüre zur „Schönen Helena" von Offen» bad); 3. Pikkololied aus „Walzertraum" von O. Strauß; 4. Potp. „Luftige Witwe" von Lehür; 5. „Hiebe im Schnee", Walzer v. Benatzky; <>. „Was ich längst erträumte" ans „Göttergatte" von Lehdr; 7. Potp. aus „Polenblut" von Nedbal. m. „Der Zauber der Montur" aus „Die Landstreicher" von Ziehrer. 6 bis 6.30 Uhr: Jugendstunde: Aus dein Roman „Der Schatz im Silbcrfee" von Karl May. 6.30 bis 7 Uhr: Der Briefkasten 7 bis 7.30 Uhr: Aus Historie und Phantasie (Anetdvten und Rätsel). 7. Potp. aus „Polenblut" von Nedbal; s. „Der 7.30 bis 8 Uhr: Funkhochschule. Vortrag von Professor Dr. Schultz: „Frank Wedekind unb das neuere deutsche Drama" (nachgeholt). — 8 bis 8.30 Uhr: Stunde des Frautsurter Bundes für Volksbildung: Vortrag von Studienrätin Gertr. Albrecht: „Die Brutpflege der Vögel". 8.30 bis >30 Uhr: Flöten-Konzert. 1. Quartett op. 12 für vier Flöten von A. Reicha; 2. Trio D-Dur op. 2'11) für Zwei Flöten unb Bratsche von Beethoven; i. Duo für zwei Flöten von Hindemith. 9.30 Uhr: ’Jladjod) tenbienft, Wettermeldung, Sportbericht. 10—11 Uhr: Chorkonzert des Künkelschen Doppelquartett-.
Stammtisch zum roten Ochsen in ID. Eie haben Ihre Wette verloren, denn nach unseren Erkundigungen führen die meisten großen Passagier- Dampfer in ihren Apotheken für evtl. Crkältungs- erscheinungenFays echteSobener Mineral-Pastillen.
„Zu diesem Zwecke ist an jedem Führerstand ein eigenartiges Instrument angebracht," erklärte Sanders, „es besteht aus einem Kreisbogen aus Metall, der durch ein Uhrwerk in 21 Stunden einmal um sich selber gedreht wird, und zwar in derselben Richtung wie die Sonne. Auf diesem Kreisbogen ist eine Orientierungsnadel und ein kleines Fernrohr mit Mattscheibe befestigt. Außer der selbsttätigen, langsamen Bewegung vermag man den Kreisbogen auch noch durch das darauf angebrachte Fernrohr zu bewegen. (Ss ist jetzt nur nötig, das Fernrohr auf dis Mitte der Sonne zu richten, dann weist der Dricm lierungszeiger jedesmal genau nach Norden. Aller- dings muß man dabei immer auf dem gleichen Längengrade fliegen. Wir befinden uns augenbluf* Uch auf dem 20., das ist derselbe, auf dem die Stabt Königsberg liegt."
„Wenn mir nun aber auf einen anderen Längengrad übergehen müssen?"
„Dann ist jedesmal eine kleine Korrektur nötig, die durch Drehen einer Stellschraube bewirkt wira"
„Wie würden Sie sich helfen, wenn einmal bad Uhrwerk bes Kreisbogens nicht richttg gingen"
„Das kontrollieren wir mit unseren Uhren, und bie Uhren werden wieder durch die Funkenstation in Rauen kontrolliert, die jeden Abend Punft elf Uhr durch ein allbekanntes Zeichen die genaue mitteleuropäische Zeit für Schiffahrt entsendet."
»Auf tockf)e Weise wird nun aber der Breitengrad festgestelll? Woran merken wir zum Beispiel, wenn wir den Pol überfliegen?"
«Auch wieder an der Sonne. Wir stellen mit Instrumenten fest, wie hoch sie sich gerade über dem Horizont befindet, und sehen gleichzeitig nach der Uhr. Aus einer Tabelle laßt sich bann mit Sicherheit feftfteüen, daß eine bestimmte Zeit unb eine bestimmte Sonnenhöhe dem und dem Breitengrad entsprechen."
Plötzlich wurde es dunkel. Ohne es vorher 314 bemerken, waren sie in dichten Nebel geraten.
Wir befinden uns dicht vor der Südspitze con Spitzbergen", sagte der Lotse, .xk^t geht es in das ewige Eis des Nordlandes hinein."
Steil hob sich der Bug der Schwalbe nach oben. (Fortsetzung folgt)


