Einzelbild herunterladen

Die Räumung des Ruhrgebietes.

.j e u i f dj I a n b auf setzen, die ia Berlin über­reicht werden wird. nachdem sich die Alliierten über den Wortlaut endgültig geeinigt haben.

Amerika hält sich abseits.

Reuhork, 22. Juli (Kabeldienst ber SU.) In Washingtoner politischen Kreisen erklärt man zu einer Berliner Meldung, nach der man in amtlichen deutschen Kreisen mit einer amerika­nischen Vermittlung bei den Sicherheits- Verhandlungen rechnet, daß Amerika nach wie vor fest entschlossen sei, sich nicht wieder in europäische Angelegenheit en ver­wickeln zu lassen. Amerika lehnt es gründ- sählich ab, irgendwie als Vermittler zwischen den europäischen Staaten aufzutreten. Auch Präsi­dent C o o l i d g e habe erst kürzlich wieder er­klärt, daß Amerika sich nicht in europäische An­gelegenheiten einmischen wolle. Amerika wünsche zwar, das; der Sichrrhcitspakt zustande kommt und daß damit friedliche Verhältnisse in Europa geschaffen würden und hofft, daß die Sicher- heitsoerhandlungen auch ohne Amerikas Hilfe zu einem guten Abschluß gelangen.

Das Zollkomprvmch.

Berlin, 22. Iuli. (SU.) Im handels­politischen Ausschuß des Reichstages wurde heute von dem Ausschußvorsihenden, Abg. B e r l i t i u s (Zentr.), das Kompromiß ver­lesen. das die hinter der Regierung stehenden Parteien in der Zollvorlage beschlossen haben. Es handelt sich um sechs einzelne An­trag e. die von der Deutschnationalen, der Deut­schen Doltspartei. dem Zentrum, der Bayerischen Bolkspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung unterzeichnet sind. Einer der Anträge ist auch von der Deutschvöllischen Arbeitsgemeinschaft unterschrieben.

Der erste Antrag ermächtigt die Reichsregie­rung, im Falle des dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses mit Zustimmung des Reichsrates und cincd Ausschusses des Reichstages die Ein­gangszölle für zollpflichtige Waren zu ändern oder auszuheben und nach dem Tarif zollfreie Waren mit Eingangszoll zu be­legen.

Der zweite Antrag lautet: .Der Reichsmi- nister der Finanzen bestimmt den Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes. Er wird ermächtigt, das Gesetz bezüglich der einzelnen Rummern des Zolltarifs zu verschiedenen Zeit­punkten in Kraft zu setzen." Das gesamte Gesetz soll, mit Ausnahme der Zölle für verschiedene Ferrolegierungen, zunächst vom 1. Oktober 1925 ab Geltung haben. Das Gesetz tritt mit Ablauf des 31. Iuli 1927 außer Kraft.

Der dritte Antrag besagt, die Zollsätze sollen durch vertragsmäßige Abmachung bei Rindvieh zu Schlachtzwecken nicht unter 13 R.°M., bei Schafen zu Schlachtzwecken nicht unter 13 R.-M. und bei Schweinen zu Schlachtzwecken nicht unter 14,50 R.-M. für den Doppelzentner Lebendgewicht herabgesetzt werden.

9m vierten Antrag heißt es:

Vis zum 31. INärz 1926 werden für folgende Daren folgende Zollsätze erhoben:

Roggen 3 Mk., Weizen 3,50 Mk., Gerste 3 Mk. (zur Viehfütterung 1 Mk.), Hafer 3 Mk., Buchweizen 3 Mk., Mais 2,20 Mk., Reis, un> poliert 2,50 Mk., Erbsen und Linsen 1,50 Mk., Futterbohnen, Lupinen und Wicken 1,50 Mark, Fleisch, ausschließlich des Schweinespecks und ungenießoarer Eingeweide von Vieh, ausgenom­men Federvieh, frisches Schweinefleisch 21 Mk., andere und ungenießbare Eingeweide 24 Mk., Schweinespeck 24 Mk., Schmalz und schmalzartige Fette 6 Mk., Butter 22,50 Mk., Mehl aus Getreide mit Ausnahme von Hafer 8 Mk., aus H a f e r 10 Mk., Reis, poliert 2,50 Mk., Melasse 3 Mk., Margarine 20 Mk., Büch­senmilch 40 Mk., Büchsenfleisch 40 Mk. (Regierungsvorlage 20 Mk.); ferner wird für frische Kartoffeln in der Zeit vom 16. Fe­bruar bis 31. Juli und vom 1. August bis 15. Fe­bruar 1926 ein ermäßigter Zollsatz von i Mk. er­hoben (Regierungsvorlage: Für den ersten Zeit­raum 4 Mk., für den letzten 50 Pf.).

Der fünfte Antrag lautet:Die Reichsregie­rung wird ermächtigt, Gefrierfleisch im Rahmen der bisherigen Einfuhr zollfrei zu lassen, sofern die zur Abgabe verpfllchteten Ge­meinden das Gefrierfleisch zum Selbstkosten­preis oder mit einem mäßigen Aufschläge min­derbemittelten Schichten zuführen und sofern ein Mißbrauch verhindert wird.

Der sechste Antrag lautet: .Die Reichsein­nahmen aus den Zöllen auf Roggen, Weizen, Spelz, Rindvieh, Schafe, Schweinefleisch und Schweinespeck und Mehl sind zur Gewährung von Wohlfahrtsrenten an Anstalten und Vereini­gungen der freien und der kirchlichen Wohlfahrts­pflege (nach Art. 137 RV.) sowie an Anstalten für die wissenschaftliche Förderung zu verwenden. Hierfür sind jährlich 10 Mill. Mark in den ordentlichen Haushalt einzustellen." Hierauf wur­den die Verhandlungen auf Donnerstag vertagt, um der Opposition Gelegenheit zu geben, zu der neuen Lage Stellung zu nehmen.

Der Reichslandbund zum Zollkompromitz.

Berlin, 22. Juli. (TU.) Der Reichsland- bund nimmt zum Zoll-Kompromiß mit folgender Erklärung Stellung: Die von parteipolitischen Rücksichten diktierten Kompromihver Handlungen über oie Zollvorlage haben ein Ergebiris ge­zeitigt, das die deutsche Landwirtschaft nur mit ernster Sorge erfüllen kann. Entgegen der einmütigen Forderung der beut- scheu Landwirtschaft ist das Prinzip eines ge­schlossenen und ausreichenden Zoll- s ch u h e s aller landwirtschaftlichen Produkte dem Konzes ftons bedürf nis der Pcrrteipolitik geopfert worden. Besonders die Preisgabe der erforder­lichen Sicherung des Getreidebaues läßt den Reichslandbimd fürchten, daß dadurch die überaus notwendige Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion gefährdet wird. Der Reichslandbund wird den Kampf um die Sicherung der landwirtschaft­lichen Produktionsmöglichkeiten auf allen Ge­bieten fortsehen, um die Mängel im Interesse der gesamten Volkswirtschaft zu beseitigen.

Die Chinakonferenz.

T o k i o , 22 Juli. (WTB.) Auf die amerikanische Note, die die Einberufung einer Konferenz zur Er­örterung der Fragen der Exterritorialität und an­derer Probleme in China vorschlägt, erteilt Japan eine zusagende Antwort. Amtlich wird gemeldet, daß Großbritannien und Japan über die in

Nachdem am 19. Juli Recklinghausen ge­räumt worden ist, können sich nunmehr auch die Städte Bochum, Herne und Gelsenkirchen der langerwarteten Freiheit erfreuen. Um Mitter­nacht auf den 20 Juli wurden Bochum und Gel­senkirchen von der französischen Besatzung verlassen lind von den Kirchtürmen erschallte Glockengeläut und Posaunenchöre. Sämtliche Werke ließen ihre Sirenen ertönen und eine freudig bewegte Menge durchzog die Hauptstraßen und Marktplätze beider Städte, um unter Absingen des Deutschlandliedes ihrer Freude über den Abzug der französischen Soldateska Ausdruck zu geben. Leider ereigneten sich in Bochum und Herne durch das Hissen von schwarz- weiß-roten Fahnen bedauerliche Zwischenfälle, die zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Mit­gliedern nationaler Verbände und dem Reichs­banner Schwarz-Rot-Gold führten. Durch das Da­zwischentreten eines Ueberfallkommandos der Blauen Polizei konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Nach einer Melduna derTimes" haben die alliierten Regierungen auch die Räumung der Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort in Aussicht genommen. Jedoch soll diese e r st erfolgen, wenn die Räumung der Ruhr vollendet sein wird.

Es ist zu begrüßen, daß man aus der alliierten Regierungsseite wirklich mit der Räumung Ernst macht. Man möge hierbei aber nicht vergeßen, daß es nicht allein die Achtung vor den getroffenen Ab­machungen, die teilweise nicht aktenmäßig in Lon­don festgelegt sind, ist, die heu*e besonders die fran­zösische Regierung zu einer loyalen Befolgung der­selben zwingt, sondern daß der wachsende Druck Abd el Krims in Marokko auf der 300 Kilometer langen Front ein Drittel der Front des Weltkrieges im Westen so stark geworden ist, daß eben alle militärischen Reserven an die be­drohte Stelle geworfen werden müssen.

Fortgang der Räumungsaktron. Das rechtsrheinische Embruchgebiet bis 1. August frei.

Mülheim, 22. Iuli. (TU.) Dem Ober­bürgermeister ist felgendes Schreiben des Kom­mandanten des Gebietes Essen, Generals D r a - quet, zugegangen:

China zu befolgende Politik und die amerikanischen Vorschläge zu einem vollständigen Einver­nehmen gelangten.

Die nationale Einigung in Zugostavien.

Regierungserklärung des Kabinets Pasitsch-Raditsch.

Belgrad, 22. Iuli. (TU.) In der Skup- tschina wurde die Regierungserklärung deS Kabi- nets Pasitsch-Raditsch verlesen. Sie betonte, daß zwischen den beiden größten parlamentarischen Gruppen volle Uebereinstimmung über die Gmmdprobleme des Staates erzielt sei. Die Regierung werde die nationale Vertei­digung festigen und kein Opfer scheuen, um die Schlagfertigkeit der Armee zu er­halten, solange die Militärmacht die ein­zige Garantie der Sicherheit nach außen bilde. Die Bestimmungen der Verfassung, die volle Gleichberechtigung aller Ser­ben, Kroaten und Slowenen gewährleiste, würden durchgeführt werden. In der Außenpolitik soll das gute Einvernehmen mit allen befreundeten und verbündeten Staaten fortgesetzt werden.

Der vor einigen Tagen aus der Haft ent­lassene Führer der kroatischen Bauernpartei, Stephan Raditsch, wurde vom König in dreistündiger Audienz empfangen. Gegenüber Pressevertretern äußerte sich Raditsch sehr befriedigt über diese Aussprache, in welcher die nationale Einigung und die sich daraus er­gebenden weiteren Entwicklungen besprochen wurden. Raditsch erllärte:Ich wußte, daß der König ein Held ist, aber ich wußte nicht, wie er über die Kroaten denkt. Die Unterredung offen­barte mir sein tiefes politisches Verständnis, das mich mit Bewunderung erfüllt."

Kleine politische Nachrichten.

Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde ein vom Zentrum gestellter Antrag angenommen, nach dem ein Zweikampf unter Soldaten mit einer Freiheitsstrafe nicht unter sechs Mo­naten, eine Herausforderung und eine Annahme einer Herausforderung mit einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten bis zu einem Iahre bestraft wird. Ein Vorgesetzter, der die Untergebenen zum Zweikampf zu bestimmen unternimmt, soll mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Iahre bestraft werden.

Im württembergischen Landtag wurde bei der dritten Lesung des Etats von sozialdemokratischer Seite beantragt, den bereits in der zweiten Lesung angenommenen Antrag aus sofortige Einfüh­rung der Friedensmiete aufzuheben. Das Zentrum beantragte, die Frage der Einführung der Friedensmiete dem Finanzausschuß zu über- weisen. Dieser Antrag wurde angenommen, wodurch der in zweiter Lesung gefaßte Beschluß außer Kraft gesetzt wird.

In Dortmund wurde der frühere preußische Ministerpräsident Paul Hirsch (Soz.) mit 67 gegen 36 Stimmen zum zweiten Bürgermeister der Stadt Dortmund gewählt. Für die Wahl stimmten die Sozialdemokraten, die Kommunisten, die Kriegs­beschädigten und die Demokraten.

Der seit 1902 als Bischof der Augsburger Diözese wirkende 83jährige Bischof D r. Maximilian Lingg begeht das feitenc Fest des diamantenen Priesterjubiläums. Unter den zahlreichen (Gratulanten befindet sich der Papst, Kardinalerzbischof Dr. v. Faul- haber-München, der Erzbischof von Bamberg unb der bayrische Kultusminister.

sahungsbehörden an nachstehenden Zeitpunkten aufhören: Am 20. Juli, 12 Uhr nachts, für die besetzten Gebiete der Provinz West­falen, am 21. Iuli, 12 Ahr nachts, für den Rest der seit dem 11. Januar 1923 be­setzten Gebiete.

Hiernach wird derjenige Teil Mülheims, der seit dem 11. Ianuar 1923 besetzt ist, mit Wirkung vorn 1. August ds. Is. ab gleichfalls geräumt. Heber die Räumung des schon vor dem 11. Ianuar 1923 besetzten, zum Brückenkopf Duisburg-Ruhrort gehörigen Teiles des Stadt ist eine Mitteilung bisher mcht ergangen.

Die Befreiung Essens.

Essen 22. Juli. (TU.) Die Besatzungskom­mandantur in Essen hat dem Besatzungsamt mitge- teilt, daß sämtliche von den Besatzungsbehörden besetzten Quartiere bis zum 25. Juli den deutschen Behörden übergeben sein müßten. Zur Durchführung dieser Aufgabe sind vier Kommissionen mit je einem deutschen Mitglied ein­gesetzt worden, die heute über 50 Quartiere über­geben haben. Die Arbeit konnte bisher ohne Schwie­rigkeiten abgewickelt werden.

granzösische Ausschreitungen.

Scharfer Protest des Koblenzer Oberbürgermeisters.

Koblenz, 23. Juli. (T.U.) In der geftriaen Stadtoerordnetensitzung erhob der Oberbürgermeister scharfen Prote st gegen dieAusschrei- tungen französischer Truppenange- höriger am französischen National­feiertag. Es handelt sich darum, daß ein Poli­zeikommissar, der mit der Kontrolle des deut­schen Absperrungskordons beauftragt war, von einem französischen Fahnenträger mit dem Fahnen- schast gegen die Brust gestoßen wurde, so daß er mehrere Tage dienstunfähig war. Der Fahnenträger hatte angenommen, der Kommissar würde die Fahne nicht grüßen (!). Weiter wurde ein Mädchen in den Rheinonlagen von Ma r o k k a - n e r n angefallen und durch neun Bajonett­stiche lebensgefährlich verletzt. Ein anderes Mädchen wurde von französischen Soldaten tätlich be» I ä ft i g t. Auf den eindringlichen Einspruch des Oberbürgermeisters hat die Besatzungsbehörde die Vorfälle bedauert und strengste Bestrafung zugesichert. Die Kundgebung des Oberbürgermeisters betont, die Gerechtigkeit der Welt verlange von der Besatzung die Achtung vor dem Lande und der Ehre der Bevtölkerung. Sie wurde von der Versammlung mit lebhafter Zustimmung ausgenommen.

Das Kriegsgericht von Amiens hat den Oberstleutnant Wächter in contumaciam zum Tobe verurteilt, weil er während des Krieges angeblich ohne kriegsgerichtliches Verfahren Bewohner des Aisne-Bezirkes habe erschießen lassen, da diese französische und eng­lische Soldaten in ihren Häusern verborgen ge­halten hätten.

Nach einer Meldung desBerk. Tagebl." hat der belgische Ministerrat die Anstellung eines deutschsprechenden Richters in Ver­niers beschlossen, um den Bedürfnisien der von Deutschland abgetrennten Gebiete entgegenzu­kommen.

*

Die bolschewistische Flotte bereitet seit einigen Tagen große Manöver im Schwarzen Meere vor. Diese werden sich in der Rich­tung auf Odessa aus dem jenseitigen Ufer des Dnjester abspielen. Das rumä­nische Ufer des Dnjester ist feit einigen Tagen nachts über stark von Scheinwerfern der Ein­heiten der Sowjetflotte beleuchtet.

Die Hitzwelle.

Wassermangel in Berlin.

Die neue Wassernot in Steglitz und Friedenau, die in Anbetracht der großen Hitze erhebliche Beunruhigung h^rvorgerufen hat, ist auf einen Betriebsunfall im Wasserwerk Dee- lihhof zuriickzuführen. Der eigentliche Schaden formte in drei Stunden behoben werden, jedoch wird der Wassermangel in den betroffenen Stadt­teilen auch heute noch andauern, da die Kon­sumenten aus Besorgnis, daß die Wassemot län­gere Zeit andauern würde, große Mengen von Wassergehamstert" haben. Dazu kommt, daß der Wasferkonfum infolge der großen Hitze in den letzten Tagen ganx anormal hoch ist und an die Leistungsfähigkeit der Wasferwerke die allergrößten Anforderungen stellt. So betrug der Wasserverbrauch in den von den städtischen Wasserwerken belieferten Stadtteilen mit drei Millionen Verbrauchern am Montag 510 000 Kubikmeter, d. h. 170 Liter auf den Kopf. Die Charlottenburger Wasserwerke hatten am gleichen Tage 219 000 Kubikmeter für eine Million Ver­braucher zu liefern, fo daß dort über 200 Liter auf jeden Verbraucher kamen. An die Bevölkerung wird der Appell gerichtet, nicht mit dem Wasser Verschwendung zu treiben. Schwere Gewitter in Thüringen und im Ruhrtal.

Die letzten Tage haben im Schwarzatal und Thüringen äußerst schwere Gewitter mit Wolkenbrüchen gebracht, die zum Teil gro­ßen Schaden anrichteten. Verschiedene Eisenbahn­dämme wurden durch Erdrutsch und Steinschlag so schwer beschädigt, daß der Zugverkehr unter­brochen werden mußte. Auch auf den Feldern und in den Gärten entstand großer Schaden. Die G e - treideernte ist teilweise völlig vernichtet. Bei Wilhelmstal wurden das Kind des Schneider­meisters Becker und in Prächting die Landwirt­schaftsfrau Gehringer auf dem Feld durch Blitz getötet. Durch Blitzschläge gingen auch verschie­dene Gehöfte in Flammen auf.

Von schweren Anwettern würbe auch bas Ruhrtal heimgesucht. Auf ber Strecke Kett­wigWerben würben zahlreiche Telegraphen­stangen niebergeriffen, wodurch im Eisenbahn­verkehr starke Verspätungen eintraten. Zahlreiche Kornfelder find niedergeschlagen.

In Paris und ganz Frankreich sind ebenfalls gestern abend und im Laufe der Rächt schwere Gewitter niebergegangen. Aus der Provinz toerbeit Wolkenbrüche gemeldet, durch

Wettervoraussage.

Noch meist heiter, warm, verstärkte Gewittern * neigung.

Die ungewöhnlich starke Sonneneinstrahlung der letzten, besonders des gestrigen Tages (das lägest mittet am Beobachtungsort lag mit 26,0 Grad Cel­sius um 8,4 Grad Celsius über dem zwanzigjährigen! Monatsmittel), hat den hohen Druck über Deutsch­land etwas abgeschwächt. Nur im Ostseegebiet hat er sich gehalten. Nach Süddeutschland hat sich ein Tief- ausläufer des westlichen schwachen Fallgebietes vor­geschoben, auch liegt eine schwache Tiefbildung über Norddeutschland. Wenn sich hierdurch auch die Mög­lichkeit der Zufuhr kühlerer Luft und damit der Ge­witterbildung wieder verstärkt hat, so bleiben wir weiterhin hauptsächlich unter der Einwirkung war­mer östlicher Luft.

Gestriger Thermometerstand: Höchsttemperatur 32,4 Grad Celsius, niedrigster Stand der vergange- nen Nacht: 17,4 Grad Celsius. Stand von heute vor­mittag 7,25 Uhr: 23,8 Grad Celsius.

die die Ernte schwer geschädigt wurde. Der Tele- 1 Phon- und Tclegrammverkehr ist teilweise unter­brochen. In St. Leonhard wurden zwei Per­sonen durch eine Windhose getötet.

Vom Hrgschlag getroffen.

In den letzten Tagen haben sich in Berlin m e h- rere Fälle von Hitzschlag ereignet. Gestern nachmittag brach ein öljähriger Kutscher, vom Hitz- schlag getroffen, auf der Straße zusammen. Er wurde in das Krankenhaus gebracht, wo er schon nach zwei Stunden verschied.

Aus aller Welt.

Die Thphusepidcmieen in Anklam und Solii'gcn.

Berlin, 22.Iuli. (WB.) Zu den Thphus- erkrankungen in Anklam wird von maßgeben­der Seite mitgeteilt, daß die Epidemie auf die im Süden der Stadt gelegene Sarnmelmol- E e r e i zurückzuführen ist, aus der die meisten Kranken ihre Milch bezogen haben. Die Zahl der Erkrankungen beträgt bis jetzt 185. Vier der Erkrankten sind bereits gestorben. Es ist mit einer gewissen Vermehru ng der Sterbefälle noch zu rechnen, obwohl der Höhepunkt ber Epidemie als überschritten angesehen werden kann. Die Epidemie ist örtlich beschränkt. In Solingen sind 61 Thphusfälle gemeldet, von denen vier tödlich verlaufen sind. Auch hier ist die Epidemie örtlich begrenzt.

Erfolgreiche Kalibohrungen in Baden.

Auf dem mit Unterstützung des badischen Staates zwischen bem Rhein und ber Bahnlinie Freiburg - Mülheim - Basel errichteten Kaliwerk Buggingen ist es nach dreijähriger Arbeit nunmehr gelungen, in einer Tiefe von 800 Meter . auf Kalisalze zu stoßen, deren Beschaffenheit außerordentlich gut fein soll. Im Iahre 1922 war mit den Arbeiten begonnen worden. Die Bohrungen waren sehr schwierig, da das Kali unter wasserreichen Kiesschichten liegt, so daß der Schacht von unten nach oben gebaut werden mußte, während die Kiesmassen unter seiner Grundfläche miltelS eines Greifbaggers weg- geholt werden mußten. Hierdurch senkte sich ber Schacht jeweils tiefer und wuchs so als ein großer Schornstein von unten nach oben. Außer dem Schacht I ist gegenwärtig noch ein Schacht II im Dau, ber schon weit vorgeschritten ist.

Tfioorbtanb.

Das große Wiechendorfer Moor (Pom­mern) brennt seit Freitag vergangener Woche. Am Dienstag griff das Feuer auch auf die benachbarten Wald- und Heidebezirke über. Die Ortschaften Wie- chendorf, Resse, Schlage und Schadehop sollen zum Teil stark gefährdet fein. Hundert Mann Reichswehr sind zur Hilfeleistung entsandt worden. Im Moor sind bisher Hunderte von Fuhren Torf verbrannt. Als Ursache vermutet man leichtfertiges Umgehen mit brennenden Zigarrenresten.

Seilschwebebahn GarmischKreuzeck.

Dem Architekten Deininger - München i ist die Bau- und Betriebskonzession für eine Seilschwebebahn zum Kreuz eck bei Garmisch er­teilt worden. Sie wird von der Aulealp aus­gehen. Die Arbeiten sollen fo schnell gefördert werden, daß Weihnachten der Betrieb aufgenommen werden kann. In der Stunde sollen 140 Personen befördert werden können.

Tod durch Tollwut.

Einen tragischen Tod erlitt in Oppeln der 15jährige Sohn des Eisenbahnschaffners Sojer. Der Iunge war von einem Hunde gebissen und sollte in Breslau schutz­geimpft werden, was der Vater verwei­gerte. Als man zur Zwangsvorführung schritt, war es bereits zu spät.

(Sitte tollwütige Katze.

In einem französischen Städtchen ist eine fünfköpfige Familie von einer toll­wütigen Katze gebissen worben. Die ganze Fa­milie wurde zur Schutzimpfung in das Pariser Pasteurinstitut eingeliefert.

Neuzeitliches Wohnen."

Der Deutsche Werkbund veranstaltet im Jahre 1926 in Stuttgart eine AusstellungNeu- zeitliches Wohnen". Im Jahre 1927 soll in B e r l i n eine große Ausstellung stattfinden, in der dem deut­schen Kunstgewerbe und der deutschen Tech- n i k Gelegenheit gegeben werden soll, das zu zeigen, was sie infolge der Nichtbeteiligung Deutschlands an der Pariser Slusftellung in diesem Jahre nicht ausstellen konnten.

6ine Wr.gnergesellschaft.

Die ordentliche Hauptversammlung des Allge- meinen Richard-Wagner-Vereins hat einstimmig beschlossen, den Aufsichtsrat der Deutschen Festspiel- ftiftung in Bayreuth zu ersuchen, die notwendigen Grundlagen zur Gründung der Wagnergesellschaft, *> die alle den Namen Richard Wagner tragenden Vereinigungen zusammenfassen soll, zu schaffen.

Die Columbusmedaille für Amundsen.

Wie ans R e u h o r k gemeldet wird, soll Amundsen die höchste amerikanische Auszeichnung für Forscher erhalten, die Co­lumbusmedaille, die bisher u. a. Ransen und Sven Hedin verliehen wurde.

Unter dem Verdacht des Gattenmordes verhaftet.

Halle (Saale), 22. Iuli. (Wolff.) Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft ist der Lager­halter Lehnert unter dem Verdachte, seine Ehefrau erschossen zu haben, verhaftet worden. Rach der Darstellung Lehnerts soll seine Stau am 17. abends auf einem Spaziergang in der Umgebung der Stadt von drei jun­gen Durs'chenüberfallen und d'.rch einen Schuh tödlich getroffen worden sein. Es haben sich aber nun im Verlaufe der Untersuchung

Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß die französische und die belgische Regierung die Räumung der seit dem Ianuar 1 923 auf dem rechten Rheinuser be­setzten Gebiete beschlossen haben. Gemäß dem Befehl des Kommandierenden Generals der Armee wird die Kontrolle über die geräumten Gebiete durch die De» rrrr--~