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3. Zahlung einer Entschädigung an bic Fa­milie des getofefen Offiziers und die der getöteten Soldaten.

Vie Hofe soll bic Form eines mit 48 Stunden befristeten Ultimatums haben, in dem die Re­gierung eine Entschädigung von zwei Millionen Franken, die Uebermittlung einer Erklärung des Bedauerns und die Bestrafung der verantwortlichen befristeten Ultimatums haben, in dem die Regierung eine Entschädigung von zwei Millionen Franken, die Uebermittlung einer Er­klärung des Bedauerns und die Bestrafung der verantwortlichen Offiziere fordert. Der Ober­befehlshaber der griechischen Armee hat den Greuz- truppea befohlen, die bulgarische Grenze zu überschreiten und die Stadt petritsch, den Mittelpunkt der nationalen Bewegung Maze­doniens, zu besehen, um die Beweggründe des gestrigen plötzlichen bulgarischen Angriffs sestzu- stetten, der bis jetzt vollständig unaufgeklärt ge­blieben ist. In militärischen Kreisen ist der Eindruck vorherrschend, daß das angreifende Bataillon bul- garifche reguläre Truppen und nicht Komitatfchis waren. Rach den letzten offiziellen Rachrichten ist zwar das Jeuer an der griechisch-bulgarischen Grenze seit gestern abend eingestellt worden, die griechische Presse greift jedoch Bulgarien wegen dieses neuerlichen Grenzzwischenfalles heftig an und fordert die Regierung zu energifchen Mahnahmen aus, um die Provokationen zu beenden, die besonders auf mazedonisch-bulgarische Geheimorganifationen zurückzuführen feien, gegen die die bulgarische Regierung ohnmächtig zu sein scheine.

DerBürgerKrieg in China

Bor einem russisch-japanischen Konflikt

Peking, 21. Oft. (Times".) Die Truppen Tschangsolins sind mit Ausnahme der­jenigen, die sich kampflos ergeben haben, nunmehr auf der Nordseite des Pangtsekiang und gehen mit der Eisenbahn nach Norden. Kiangsu ist gleichfalls in den Händen Silnkschuangfan g s. Die wei» tere Folge der Bewegung ist, dah der südliche Teil der Provinz Nganhwei gleichfalls geräumt werden muh. Tschangsolin hat infolgedessen seine Stel­lung am Pangtsekiang verloren und man nimmt an, das; seine Streitkräfte sich auf Hsuddschau zu- rückziehen werden. Born Norden fehlen Nachrichten von militärischen Bewegungen, abgesehen von einer kleinen Verstärkung der Honan-Truppen, der Gar­nison von Kaifengfu, das etwa hundert Meilen westlich von Hsudschaafu liegt. Der Geldmarkt von Peking ist sehr deprimiert und Alarmgerüchte schwirren herum. Tatsachen sind in­dessen nicht bekannt geworden.

Indessen bedeutet die Unterbrechung der Eisen­bahnverbindung SchanghaiPeking für die aus Schanghai kommenden Delegierten die Notwendig­keit einer Seereise.

Wie weiter bekannt wird, hat sich N a n g k i n g Suntschuangfang ergeben. Wupeifu ist in Schangkau eingetroffen. Die Hupei-Militärpartei hat sich für ihn entschieden.

Nach einem Funkspruch aus Schanghai hat der Ehristengeneral F e n g - P n - H s i a n g mit Wu- peisil ein Bündnis gegen die Pekinger Negierung und Tschangsolin geschossen. Es wird jetzt von der Haltung Tschangsolins ab- hängew, ob es zu einem Krieg kommt oder nicht. In den ausländischen diplomatischen Kreisen be­trachtet man dieses Bündnis als den Zusam­menbruch der chinesischen Z o l l k o n f e - r e n z. Diese Entwicklting der Lage in China er­füllt die japanischen Kreise mit starker Be­sorgnis. Man erwäge offen die Möglichkeit eines Konfliktes zwischen Rußland und Japan. Wenn die Generäle Feng und Wupeifu von Sowjelruhland mit Munition und Geld ver­sorgt werden, wird es ihnen wahrscheinlich ge­lingen, Tschangsolin aus der Mandschurei zu ver­drängen. Dann ist zu befürchten, das; die japani­schen Niederlassungen in den Provinzen gefährdet sind und Japan sich genötigt sieht, zu den Waffen ztl greifen.

britische Lage in Damaskus.

Paris, 21. Oft. (TU.) Nach Meldungen aus Beiruth haben die französischen Truppen den süd­lichen Teil von Damaskus, in dem sich die aufstän­dischen Drusen eingenistet hatten, mit Sturm- wagen angegriffen. Die Lage sei trotz der angeblichen Waffenstreckung der Aufständischen noch sehr kritisch. Bis Montag abend, so berichten die Times" aus Haifa, war Damaskus grüß- l c n t e i I s in den Händen u o n '21 u f ft ä n = difchcn lind Unruhestiftern, während die franzö­sische Garnison, die etwa 2000 Mann beträgt und sich in den Hauptgebäuden im Zentrum der Stadt hielt, die Insurgenten bombardierte. Alle Berbin- dungen waren zeitweilig unterbrochen. Das fran­zösische Oberkommando habe das Kriegsministerium telegraphisch um Entsendung von 15 000 Mann Ver­stärkungen ersucht. DerMatin" stellt erregt fest, General S a r r a i l habe nach seiner Gewohnheit die Regierung über die Vorgänge nicht genügend aufgeklärt. Alles lasse darauf schließen, daß die Lage äußerst kritisch sei.Echo de Paris" erfährt aus Beiruth, daß die Verhängung des Belagerungs­zustandes über Damaskus geplant gewesen jei. General Sarrail habe aber von dieser Maßnahme abgesehen, weil er keinen ungünstigen Eindruck in Paris hervorheben wollte. Die Lage sei umso be­drohlicher, als Damaskus die Verpfleg ungs- bafis für die im Djebel-Druse operierenden Trup­pen des Generals Gamelin bildet.

Frankreich lehnt das Schulden­provisorium ab.

P a r i s>, 21. Olt. ($11.)Paris Soir" bringt eine halbamtliche Rotiz, noch der das provi­sorische Schuldenabkommen mit Ame­rika von der sranzösischen Regierung a b ge­lehnt worden ist. Das Abkommen wird daher dem Parlament zur Ratifizierung überhaupt nicht unterbreitet werden. Finanzminister Caillaux hat bereits mit der Ausarbeitung eines neuen Vorschlages begonnen, der der amerikanischen Fundierungskommission unterbreitet werden und eine Wiederaufnahme der Verhand­lungen ermöglichen soll.

Verringerung der belgischen Armee.

Brussel, 22. Oft. (TU.) Der belgische Minister für nationale Verteidigung, General Kestens, wird nach dem Zusammentritt des Parlaments einen Gesetzentwurf einbringen, der wichtige Veränderungen in der belgischen Armee vorsieht. Die D i e n st z e i t der Infanterie, der Genietruppen, der schweren Artillerie und der Hilfstruppen soll aus zehn Monate und die der

Kavallerie und Feldartillerie auf 12 Monate b er abgelebt werden. Ferner hat das Ver­teidigungsministerium grundsätzlich beschlossen, Oie Zahl der Infanterie-Divisionen von acht auf sechs und die dec. A r m e e l o r p s von vier auf drei zu verringern. Es steht noch nicht fest, ob die bereits in der Präzis durch­geführte allgemeine Wehrpflicht gesetz­lich eingeführt werden soll.

Die deutsche Einheitsfront in der Tschechoslowakei gescheitert.

Prag, 22. Oft. <TU.) Ebenso wie die Deutsche Ration also ziali st ische Partei und die Ch ri st l ich s oz i a le n hak nunmehr auch die Deutsche Gewerbe- Partei erklärt, daß mit Rücksicht auf die vorher­gehende ablehnende Kundgebung ihre Stellung gegeben sei und daß sie an dem Gedanken einer Einheitsliste nicht mehr festhalten könne. Auch diese Partei drückte den Wunsch aus. dah nach den Wahlen ein gemeinschaftlicher par°. lamentarischer deutscher Verband ins Leben gerufen werde. Mit Rücksicht auf diese Absage wurde in einer Sitzung der Reichs­parteileitung des Bundes der Landwirte mit Bedauern festgestellt, dah trotz der Bemü­hungen, eine Einheitsliste der deutschen Par­teien aufzubringen, die Aktion, die mit dem Erlaß des Aufrufs des Bundes der Landwirte eingeleitet wurde, als gescheitert zu be­trachten sei. _

Die Krisis der deutschen Landwirtschaft. Der Reichslandbund an den Reichs­kanzler.

Berlin, 21. Oft. (TU.) Vom Reichsland- buird wird mitgeteilt: In der verantwvrtungs- schweren Gewißheit, dah infolge der Kredit - und Absatzschwierigkeiten und der zwangsläufig damit verbundenen Produk- t i o n s h m u n g die Rotlage der Landwirt­schaft einen Höhepunkt erreicht hat, der die all­gemeine Wirtschaftskrisis zur Katastrophe stei­gern muh, haben die Präsidenten des Reichslandbundes an den Reichskanz­ler Dr. Luther ein Telegramm gerichtet, in dem sie erneut die Z u s a m m e n ber u fu ng eines besonderen Ausschusses beim Reichskabinett fordern, um die notwendigsten Mahregeln zur S i ch e r st e l l u n g der Volts­ernährung vorzuschlagen. Dieser ja schon im April in Voraussicht der eingetretenen Krisis vom Reichslandbund erwogenen und oft wieder­holten Forderung ist bisher nicht ftattgegeben worden. Auch das Beispiel der Agrarenqueten in England und Amerika vermochte bisher nicht zu trirtfamen Maßnahmen anzuspornen. Regierung und Parteien haben bisher der drohenden Situa­tion gegenüber versagt. So stellt das Telegramm des Reichslandbundes einen Appell in leh - ter Stunde dar. Eine allgemeine Wirtschafts­tatastrophe muh zwangsläufig eintreten, wenn es nicht gelingt, den zur Zeit erreichten Umfang der einheimischen Rahrungsdecke auch nur eini- maßen für das kommende Jahr zu erhalten und zu verhüten, dah infolge des drohenden Aus­falles dec Landwirtschaft als Abnehmerder Industrie und des Hand*iverks auch diese Teile der deutschen Wirtschaft in den Zu­sammenbruch hineingezogen werden.

Die preuhischen Finanzen

Etatrede Dr. Hoepker Aschoffs im Landtag.

B e v l i n . 21. Oft. (WB.) Ohne Aussprache der Ausschußberatung überwiesen, wird ein An­trag der Frau Lehmann (Dn.), beim Haushalt des Kultusministeriums einen Etatposten einzu- stellen, aus dem den ehemals in der Allgemeinen Pensionsanstalt versicherten Erzieherinnen und Lehrerinnen eine Altersrente gezahlt werden kann. folgt die erste Be- ralung der Rovelle zum preuhischen Ausfüh- rungsgeseh zum Finanzausgleichsgesey. Der preußische

Finanzminister Dr. Hoepter-Aschofs bringt die Vorlage selbst ein. Der Minister gibt einen ileberblid über die finanzielle Lage des Staates. Im Jahre 1924 hätten die lieber- Weisungen des Reiches an den preuhischen Staat allein die Voranschläge um 110 Millionen Mark, das Aufkommen der preuhischen Steuern die Vor­anschläge um 80 Millionen überstiegen. Die Einnahmen der Justizverwaltung hätten ein Mehr von 60 Millionen, die Einnahmen anderer Hoheitsverwaltungen ein Mehr von 50 Mil­lionen Mark gegenüber dem Voranschlag erbracht. Auf diese Mehreingänge sei der im vorigen Jahr erzielte 11 e b e r s ch u s> von 220 Millionen tm wesentlichen zurückzuführen. Im Reich seien die lleberschstsse im Jahr 1924 noch größer ge­wesen als in Preußen. Die Vorwürfe der Wirt­schaft. dah der Wirtschaft zuviel Steu­ern entzogen würden, fei somit für das Jahr 1 9 2 4 nicht unberechtigt. Es sei grundsätz­lich falsch, aus der Wirtschaft mehr als den notwendigen Bedarf herauszuziehen und die Mehrerträge hernach wieder der Wirtschaft in Form von Zuschüssen und Krediten zuzuführen. Eine solche Operation schwäche die Wirtschaft und schädige auch die Steuerfraft der Wirtschaft in den nachfolgenden Jahren.

Das Staatsministerium habe ihn ermäch- ticht, im B e am t e na u s s ch u s; zu erklären, daß das Besoldungssperrgeseh und die im we­sentlichen auf den ungünstigen Finanzausgleich zurückzuführende mißliche Lage der preuhischen Finanzen es unmöglich machten, die in den kommunistischen Anträgen erhobenen Forderun­gen zu erfüllen. Dieser Ermächtigung hätten feine Ausführungen im Beamtenausschuß ent­sprochen. Es sei ihm nicht leicht geworden, diese Erklärung abzugeben, denn er müsse an­erkennen, daß in weiten Beamtenlreisen R o t herrsche. Aber seine Verantwortung für die Staatsfinanzen zwinge ihn leider, auf allen Gebieten äußerste Sparsamkeit an* zustreben. Inzwischen sei ein Erlaß von ihm herau^egeben. durch den durch Unterstützung und Rotstandsbeihilfen vermehrte Mittel zur Verfügung gestellt werden und die- Rückzahlung der Vorschüsse erleichtert werden könne, denn es fei auch ein staatspolitisches Interesse, die Beamten vor größerer Rot zu bewahren. Der Minister geht sodann auf

die Finanzlage im einzelnen ein. Das Reich, habe das Aufkommen der Einkommen- und Körpers chasts-

1 steuer für 1925 mit zwei Milliarden in den Voranschlag cingcfteUl. Die preußische Finanz­verwaltung sei über diesen Voranschlag hinaus- gegangen und rechne mit einem Aufkommen von 2250 Millionen. Die Mehreingänge seien also in hem berichtigten Haushaltungsplan bereits berücksichtigt und stellten keine Reserve dar. Es sei nicht damit zu rechnen, daß der Fehlbetrag eine wesentliche Verminderung er­fahren werde. Durch die Rovelle zum Reichs- finanzausgleichsgeseh werde der Anteil der Länder und Gemeinden an der Einkom­men- und Körperschaftssteuer mit Wirkung vom 1. Oktober 1925 von 90 auf 75 Proz. ermäßigt. Der Anteil an der Umsatzsteuer werde von 20 auf 35 Prozent erhöht. Da die Länder und Gemeinden an Einkommen- und Körper- fchaftssteuer zur Zeit jeder zur Hälfte, an der Ilmsahsteuer der Staat aber mit - . und die Ge­meinden mit beteiligt feien, so käme das Mehr an Ilmsahsteuer in verstärktem Umfange den G e- m ein den zugute. Dies sei mit der Lage der Staatsfinanzen nicht vereinbar, und darum schlage der vorliegende Entwurf vor, das Land und die Gemeinden auch bei der Umsatzsteuer je zur Hälfte zu beteiligen. Der Staat verzichte dafür aber zugunsten der Gemeinden auf die Gebühren der Auftragsverwaltung.

Die Vorlage wird dein Hauptausschuh über­wiesen.

Das Haus seht dann die zweite Beratung des Haushalts des Justizministeriums fort.

Donnerstag Abstimmung über die Miß- trauendanträge gegen den Innenminister Severing. 4

Kleine politische Nachrichten.

LautVoss. Ztg." haben die städtischen Kör­perschaften von Kassel beschlossen, eine neue Straße im Westen der Stadt, die von der Stadt­halle zur Herkulesstrahe herabzieht, zum Ge­dächtnis an den ersten Reichspräsidenten Fried­rich-Ebert-Straße zu nennen.

Das preußische Staatsministerium hat die Wahl des früheren sozialdemofratischen preußi­schen Ministerpräsidenten Hirsch zum Bürger­meister von Dortmund bestätigt.

Der König von Italien hat Gabriele d'An- n u n z i o ans Empfehlung von Mussolini hin zum General der italienischen Luft- ftreitfräfte ernannt. General Piccio, Kom­mandeur der italienischen Luftstreitkräfte, hat den Dichter in Gardone ausgesucht und ihm einen Säbel übergeben.

Aus aller Welt.

(Einweihung der Muldentalsperre.

Die Muldentalsperre im Zusammenfluß der Noten und Weißen Mulde bei Muldenberg i. Vogtl. wurde durch den sächsischen Finanzminister Dr. Rein­hold cingeweiht und der staatlichen Wasserbauver- moltung übergeben. Die Talsperre, deren Bau 1920 mit Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge begonnen wurde, gestattet bei einem Staubecken von etwa 100 Hektar Größe und einer Tiefe bis zu 20 Metern die Aufspeicherung von 6 Millionen Kubikmeter Wasser. Die Sperrmauer ist mit 500 Metern Länge d i e zweitlängste in Eu­ropa. Die Talsperre dient in erster Linie zur Be- Ijebung der Trinkmassernot im oberen Vogt­land von Oelsnitz bis Reichenbach, sodann soll sie durch die Regulierung des Wasserablaufs eine Wie derholung der H o ch w a s s e r k a t a st r o p h e n der letzten Jahre verhindern und die völlig unzuläng­liche niedrige Wasserführung der oberen Mulde, die namentlich in dürren Jahren außerordentliche Schwierigkeiten für die vogtländische Industrie im Gefolge gehabt hat, - aufbessern. Schließlich sollen auch die überschießenden Wassermengen der K r a f t- gcwinnung nutzbar gemacht werden.

Für eine deutsche Volksknrzfchrift.

In -her Erkenntnis, daß die Reichszwangs- schrist wegen ihrer Schwierigkeit nicht Allgemein­gut des Volkes werden kann, haben sich die Kurzschriftschulen Brauns, Faulmann, Rational- stcnographie, Palm, Prehm, Roller, Scheithauer Stenotachygraphie und Stolze-Schrey zu einem Reichsverba zur Schaffung der deutschen Volkskur zschrift zusaminenge- schlossen. Die verbundenen Kurzschriftschulen stre­ben die Auffindung und Einführung einer Volks- kurzschrift an Stelle der jetzigen Reichskurz- schrift an.

Die Volkskurzschrift soll in ihrer unter­sten Stufe für jedermann, auch für den ein­fachsten Mann im Volke, leicht erlernbar, gut schreibbar, sicher wiederlesbar und überall im Verkehr an Stelle der gewöhnlichen Schrift an­wendbar sein. Auf die Unterstufe soll eine Oberstufe aufgebaut werden, die zum min­desten den bestehenden Redeschriften gleichwertig, wenn nicht überlegen ist. Die Auffindung der ersten Kurzschrift wird auf wisienschaftlich-prak- tifchem Wege angestrebt.

Schwere Explosion in einer Pulverfabrik.

In der Abteilung Haßmoor der Schwarz- Pulverfabrik Born lieh (Lüneburger Heide) ex­plodierten kurz hintereinander vier von den neun Pulverwerken her Abteilung, sowie drei, Ablager - feller. Durch die Explosion wurden zwei Per­sonen getötet, von denen eine durch über zwei­hundert Meter weit fortgefchleuderken Stein ge­troffen wurde. Außerdem wurden noch eine Frau, zwei Kinder und drei weitere Personen in einem benachbarten Wohnhause so erheblich verletzt, daß sie ins Krankenhaus Walsrode übersiihrt werden mußten.

Durch Starkstrom getötet.

In Juntersdorf lRhlde.) geriet ein 13jäh- riger Junge, der Jagd auf Sperlinge machte, für die die Gemeinde eine Belohnungi ausgesetzt hatte, mit den Drähten der Hoch­spannungsleitung in Berührung und ver­brannte.

Heinrich b. Angeli ?.

Der betaimte Maler Heinrich v. Angeli in Wien, ist im 85. Lebensjahre gestorben.

iWettervoraussazc.

Unverändert, meist trübe und Regenfälle, milde.

Das starke atlantische Tief führt ozeanische Luft in verstärktem Maße heran: sein Kern mit 725 Millimeter liegt nordwestlich von Irland.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 19,6 Grad C.. Minimum 7,8 Grad C., Riederschläge 1,1 Millimeter. Heute Morgentemperatur 12.4 I Grad C.

Aus der Promnzialhauptsta-l.

' Gieße n, den 22. Oktober 1925,

Der Aufmarsch

zur Stavtoerordnelenwahl.

Die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Dolkspnrtei hielt am Montag in der Ge­werbeschule ihre Jahreshauptversammlung ab, die sich eines sehr starken Besuches erfreute. Rach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde der bisherige Vorstand einstimmig w i e d e r g e w ä h l t. Weiterhin nahm die Ver­sammlung zu den bevorstehenden Stadtver­ordneten Wahlen 'Stellung. Der 1. Vor­sitzende dankte dem bisherigen Stadtverordneten Rektor Val. Müller, der gebeten hat. von einer Wiederaufstettung abzusehen, für seine Tätigkeit im Stadtparlamenl, und gib an­schließend einen lieberblick über die bisher ge­pflogenen Verhandlungen. Die mit derDeuts ch- nationalen Volkspartei getroffenen Vereinbarungen wurden einstimmig ohne Debatte angenommen. Landgerichts- direktor Schudt dankte der Fraktion, insbeson­dere ihrem 1. Vorsitzenden Prof. Kraus- müll er für ihre unermüdlich^ Tätigkeit und beantragte, die Stadtverordneten wiederzuwählen. Diesem Antrag wurde einstimmig ft a 11 g e g e b e it. Zum letzten Punkt der Tagesordnung berichtete Geschäfts­führer Weiher kurz über das Ergebnis von Locarno.

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L. U. Von der Landes-llniversi- t ä t Gießen. Der Privatdozent für englische Philologie an unserer Universität Lektor Dr. Theo S p i r a hat den an ihn ergangenen Ruf auf die planmäßige ordentliche Professur für englische Philologie an die Universität Königs­berg angenommen.

** Personalien. Ernannt wurden der Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Homberg an der Ohm Adolf Schudt zum Staatsanwalt bei dein Amtsgericht Gießen mit Wirkung vom 1. Oft. 1925. Durch Entschließung des Landesamts für das Bildungswesen wurden die Studienreferen­dare Dr. Fritz Heichelheim und Friedrich Quack zu Gießen zu Studienassessoren ernannt.

*'' Fichten deck reifer für Gärten, Beete und Gräber können laut heutiger Anzeige im Stadthaus Bergstraße bestellt werden.

** Teuerungszulage für Alt- Veteranen. Der Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener teilt unter Bezugnahme auf die in der Presse erschienenen Mitteilungen mit, daß die vom Reichsfinanzminister angeordnete Zahlung einer einmaligen Teuerungszulage von 45 Mk. aus­schließlich an Altveteranen erfolgt. Da diese Teuerungszulage in monatlichen Teilbe­trägen von 7,50 Mk. erfolgt, erhalten die Emp­fänger der Veteran enbeihilfe ab 1. Ok­tober den Betrag von 20 Mk.

** Der Camera-Club Gießen hatte für Dienstag abend zu einem Vortrag des Herrn Baumann- Wetzlar im Bortragsfaal der Buch- hairdlung Keißner eingeladen.. Vor den zahlreich fchienenen Mitgliedern und Gästen erörterte der Referent die Frage des Phatographierens mit Kleinkameras, das in der modernen Photographie immer mehr eine Rolle zu spielen beginnt. Die Kleinkamera hat neben ihrer sehr hohen Lichtstärke neuerdings auch eine verhältnismäßig große Brenn­weite, so daß sie allen an sie gestellten Aufgaben gerecht werden kann. Desgleichen ist sie für den Film verwendbar, der ein viel feineres Korn in seiner Schicht hat als die Platte; ein Vorteil, der bei Vergrößerungen schwer ins Gewicht fällt. Sv hat die 'Kleinkamera alle Eigenschaften, die sie zum Apparat der Zukunft prädestinieren. In dieser (5r- kenntnis hat sich auch die photographische Industrie in den letzten Jahren mit dem Bau von kleinen kameras befaßt, als deren unerreichtes Vorbild heute die LeitzscheLeica" anzusehen ist. Photo- technische Erläuterungen über Fragen wie Un- schärfe, Wahl der Gelbfilter, Reproduktion u. a. folgten und wurden durch zahlreiche technisch wie künstlerisch hervorragende Lichtbilder unterstützt. Der Vortrag fand den lebhaftesten Beifall der Zuhörer.

** Internationale Aus stell ung für Kochkunst. In Frankfurt a. M. findet vom 24. Oktober bis 4. Rovember eine Inter­nationale Ausstellung für Kochkunst, Hotel- und Gastwirtsgewerbe statt, die die größte und fach­lich bedeutendste Ausstellung dieser Art zu werden verspricht, die jemals stattfand. Zum Besuch der Ausstellung sind Hoteliers und Gast' wirte zu Tausenden aus dem In- und Ausland angemeldet, und die ersten Gastronomen der Welt werden sich bei dieser Gelegenheit in Frankfurt a. M. ein Stelldichein geben.

Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: zwei Kühe. 1002 Kälber, 1207 Schafe, 908 Schweine.

Vornytizen.

, Tageskalender für Donners-«, t a g. Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Ver- band: 8 Alfjr Kaufmann. Vrreinshaus öffentlicher Vortrag. -- Ortsgewerbe-Derein: 8' i flhr Ge­werbehaus Mitgliederversammlung. -- Lichtspiel- baud, Bahnhofstr.: Der Schrei aus oer Wildnis.

Aus dem St,ad 11 h e a t c rb u rea u- wird uns geschrieben: Gustav Kadelburg. der jüngst verstorbene Lustspielautor, der meist in Zusammenarbeit mit Oskar Blumenthal wohl eine ganze Generation durch feine Lustspiele und Schwänke erheitert hat, verdient wohl, daß durch Aufnahme eines seiner besseren Werke in den Spielplan auf der Bühne seiner gedacht wird. Es wurde darum das LustspielDer Fa­milientag", das ibn zum alleinigen Verfasser hat, neu einstudiert, und gelangt an morgiger Frcitags-Abonnemcntsvorstellung zur ersten Auf­führung. Sicher wird das Werk, das den Sieg des gefunden Menschenverstondes über veraltete Kasten- und Standesvorurteile in lustigster Weife behandelt, denselben Erfolg wie früher erringen. Die gesamten Mitglieder des Personals mit einer Ausnahme sind beschäftigt, und außer­dem mußten für das ungemein figurenreichc Stück noch Hilfskräfte beigezogen werden.

Oefsentlicher Vortrag fürkauf­männische Angestellte. Der Deutschnatlo- nale Handlungsgehilfen-Verband veranstaltet am Donnerstag, 22. Oktober, einen öffentlichen Er­trag für kaufmännische Angestellte. Es werden sprechen die Herren R o t h a a r - Wiesbaden über Untere Forderungen an Staat und Wirtschaft" und Schultz-Gießen über;Warum warnen wir vor dem Eintritt in die Banklehre?" (Siehe gestrige Anzeige.)