Nr. 1% Drittes Blatt Wietzener Anzeiger (Äenelat-Anzeiger für Gberhesien)Samstag, 22. August 1925
Wirtschaft.
Börse und Geldmarkt.
Die Börse ist seit Monaten unter sich, b. h. die Hauptgeschäfte finden nicht in Form von Kundenausträgen, sondern als Umsätze innerhalb der Börse selbst statt. Diese Tatsache hat die Baissespekulation auf den Plan gebracht, die seit Monaten ein blühendes (Seiner be mit Leerabgaben betreibt. Hierdurch ist mittlcrtneilc eine förmliche Verwilderung in den Liefersitten (ingetreten. Kassageschäfte werden von den Verläufern durchaus nicht immer unmittelbar, sondern erst aus vielfaches Drängen der Gegenpartei erledigt. Die K u r s f l a u t e der letzten Zeit hatte also einen entscheidenden Grund in diesem Verhalten der Baissespekulation, das förmlich zu Kelten von Leergeschäften führte. Veuer- dings scheint nun hier eine Wendung eintreten iu wollen. Die großen Banken haben in Ge- meinldxift mit dem Börsenvorstand die Abrede getroffen, säumige Effektenlieferanten in Zukunft nicht mehr als Aufgabe anzunehmen und gleichzeitig zu umfangreichen ExekutionSkäufen zur Erfüllung der laufenden Geschäfte zu schreiten. Infolgedessen hat sich gegen Ende der laufenden Woche die Börsenspekulation zu vermehrten Deckungen nicht immer freiwilliger Art veranlaßt gesehen, auf die die kürzlichen leichten Erholungen zurückzuführen waren. Die Besserung der 6 t i m m u n g war also leider nur auf b ß r f e n - technische Momente zurückzuführen. Die Tatsache, daß am Geldmarkt b i e Lage außerordentlich flüssig ist und die geforderten Zinssätze bis zu 7 Proz. heruntergegangen sind, hat nicht die erwartete Wirkung auf da« Effektengeschäft gehabt. Man ist sich nämlich an der Dörle darüber im klaren, daß bei einer jetzt erfolgenden völligen Veränderung her Marschrichtung, also einem ihn- fchwung von der bisherigen Baisse zur Hausse hie zweite Hand voraussichtlich weiter dem Markt fernbleiben dürfte. Durch das Fehlen von PublikumSkäufen sind aber bereits seit dem Beginn diese» Jahres alle vorübergehenden 'Aefserungsansähe zum Scheitern verurteilt worden. Hieran kann das hin und wieder aufflackernde Interesse für einzelne Spezialwerte nichts ändern. Trotzdem bleibt diese Tatsache außerordentlich bedauerlich, um so mehr, als sie nur auf die in Deutschland herrschende Geldknappheit zurückzu- führen ist. Während der Dörsengeldmarkt nämlich in einem Maße flüssig liegt, daß in dieser Woche wiederholt eine Herabsetzung des Privat- tiskontsahes erfolgen mußte, verschlechtern sich die Verhältnisse in Industrie und Han- ! Del in finanzieller Hinsicht von Tag zu Tag. Allerdings stellt dies wiederum eine Auswirkung der gegenwärtigen schwierigen Absahver- ftält nisse dar. beim die Gelder der öffentlichen Hand zum Beispiel suchen Anlage über den offenen Dörsengeldmarkt. vor allem in Pri- vatdiskonten. weil eine vorübergehende Unterbringung in der SrwerbSwirtfchaf t zur Zeit mit erheblichen Risiken verbunden ist. Diese würden 1 sich zwar mindern, wenn die Geldquellen etwas reichlicher flössen, und dadurch die Solvenz der Geldnehmer gehoben würde, andererseits kann man aber den öffentlichen Kassen, die Darüber- gehend vorhandene Gelder zinsbringend anlegen wollen, nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht verdenken, wenn sie bei der Verwendung I dieser Mittel mit äußerster Vorsicht vorgehen.
Der deutsche Arbeitsmarkt.
Die Zahl der Erwerbslosenunterftützungsemp- | Fänger betrug am 1. August 197 000. Die Zahl der I wirklich Erwerbslosen liegt jedoch wesentlich I hoher, da nur ein Teil der Arbeitslosen Unter- | llützung erhält. Nach den Ziffern der Arbeitsnach. I weise standen 1,1 Millionen Arbeitsgesuche 645 000 | offenen Stellen gegenüber. Es blieb also ein lieber- 1 schuß an Arbeitslosen von 455 000. Diese Ziffer I dürfte ungefähr ein richtiges Bild der Lage auf dem ' Arbeitsmarkte geben. Im allgemeinen kann der A r- deitsmarkt jedoch jetzt als ft a t i o n ä r ange» sehen werden Besonders ungünstig ist die Lage
auf dem industriellen Arbeitsmarkt. Während allgemein auf 100 offene Stellen 171 Arbeitsuchende kommen, beträgt die entsprechende Zahl der Arbeit- suchenden im Bergbau 195 und in der Metalloer- arbeitung 223, im Spinnftoffgeroerbe 262. Sehr ungünstig ist die Lage des Arbeitsmarktes für Angestellte. Auf 100 freie kaufmännische Stellen kamen HOI männliche und 360 weibliche Bewerber. Für Techniker beträgt die Androngszijfer 84«. Auch die Andrangsziffer für freie Berufe ist mit 257 bei den männlichen und mit 184 bei den weiblichen Be- Werbern als wenig günstig anzufehen. Eine weitere Verschlechterung der Lage des Arbeils- marktes ist mit dem Ausfall des größten Teils der landwirtschaftlichen Arbeit zu erwarten.
* Zur Wiedereinführung der Satns- t a g b ö r | e. Wie der Deutsche Banfbeamten-Ber- ein mitteilt, hat er im Hinblick auf die Wiedereinführung der Samstagbärse beim Berliner Dörfern Vorstand den Antrag gestellt, die V e r { a m m • 1 ungszeit auf 14 Stunden dergestalt zu be. schränken, daß die Börse bereits um 12* Uhr schließt.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt <l M.
fgn Milanen Mart antgebrüdL Sucnoi-Htrt?. London. Wtn- Kt Japan. Rio be Janeiro für eine fftabeit, Wien und davest für 100000 Einheiten. olle« übrige für 100 Einheiten.)
Telegraphische Auszahlung.
Banknoten.
20 August
21. August
Amtliche Noti runa
Amtliche Notierung
Geld
Bries
Geld
Brief
Rmft.-iHoit.
169,11
109,53
169,09
169,51
Buen.-AireS
1.692
1,607
1.691
1.695
Brss-Aniw.
19.U9
19.13
19 OX
19,20
Cbriftianla.
<8,17
«8,37
78,75
19,15
Äoixnbagen
96,63
96,87
97,88
91,12
Stockholm •
HclssngforS.
112.86
113,14
112,81
113.09
10,5*2
10,612
10.575
10.615
Italien. . .
15,165
15,205
15.25
15.29
London. -
?0.382
."0,434
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V2 tu Dori . .
1.19:
4,205
4,195
4,205
Paris...
19,70
19,74
19.715
19.755
edjroeti . .
11.44
51,64
81,40
81,611
Spanien . .
60,37
60,53
60.42
60,58
Japan . . ■
1.718
1,722
1,718
1,722
wio dk Ian
Wien tn D--
1.511
9.513
0 511
'.513
Ceft- obgeft
.9,08
59,22
j9,ÜK
59,22
Prag . . .
12.42!
12.462
12.43
12,47
Belgrad . .
7,50
7.52
7.50
7.52
Budapest. .
5.895
5.915
5.895
5.915
Bulgarien .
3,03
3.04
3.03
3,04
Lissabon
10,875
-'0.895
20 825
20.875
Danzig. . . Äonftanti»
80,80
81.00
80 80
81.00
2,45
2,47
2 255
2,2<'5
Achen. .
1.63
6.55
6 53
6.55
Berlin, 21. August.
Geld
Brief
Amerikanische Noten.....
Belgische Noten........
Dänische Noten........
Englische Noten...... .
Französische Noten......
Holländische Noten......
Italienische Noten......
Norwegische Noten......
Deutsch Lesterr-, 4100 .stronen
Rumänisch« Noten......
Schwedische Noten......
Schweizer Noten.......
Spanische Noten.......
Tschechoslowakische Noten . .
Ungarische Noten.......
Berliner
1.19 19,02 97.75
20,34?
19.69
168,58 15,31 18,75 59,15
112,52 81,42 60.15 12,39
5.84
Dorfe.
4.21 19,12
8,2 f 20,447
19.79 169,42
15,39 79,15
59,4,
118,08
81.82
60.45 12.45
5,88
Berlin, 21. Aug. Der letzte Börsentag der Woche begann in wenig freundlicher Haltung. Die Spekulation neigte anfangs zu Wochen- fchluh-Glatt st ellungen, die begünstigt wurden durch einige äußerst ungünstige Momente. So wirkte die Gefahr, daß eine Generalaussperrung der Bauarbeiter in greifbare Nähe gerückt ist und die Nachricht, daß die Rohstahlgemeinschaft ihre P r o d u k - tionseinschränkung auch im nächsten Monat unverändert aufrecht erhalten werde, stark deprimierend. Daneben gab die gestrige Meldung eines westdeutschen Blattes, wonach die Phönix-A.- G. nunmehr bestimmt keine Dividende verteilen wird, den Baissieren neuen Anlaß für ihr Vorgehen. Die heutigen Kurse hielten sich daher all- gemein unter dem gestrigen Niveau und wurden weiter unterboten. Die anhaltend leichte Lage des Börsengeldmarktes kannte sich demgegenüber nicht au5i irfen. Tägliches Geld unverändert 71 bis
9 Proz., Monatsgeld 10)—114 Pro). Am De - Visen markt rückten die nordiichen Werte wieder mehr in den Vordergrund. Die Tendenz dieser Valuten war erneut stark befestigt, so daß sich gegen London Kopenhagen auf 21, Stockholm auf 18,06 und Oslo auf 25,92 stellten. Daneben konnte sich Mailand eiwas bestem mit 133,4 gegen London. Die Reichsmark notierte in London 20,4, Paris 5,07), Amsterdam 59,06.
Börsenkurse.
Frankfurt a.M.
Berlin
Sdjluft. flur»
bailubk.
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Schluß Rur*
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20. 8
21 8.
20. 1
21 8
. Deutsche RcichSanlclbe .
0.1475
0 164
0.1475
ü 157
4 Deutsche NcichSanleihe .
0,3075
0.32
■i' , deutsche 9ie>ch»anlktde
0.265
• .375
0 2925
0 2975
■1 Deutsche NeichSanleihe . Deutsche e: Vorprämien anleide
>'.50
0.665
0.61
0 68
0.119
0,1125
0,117
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0.27
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4° o Hellen..........
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Hesse»..........
3% Hessen..........
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U.22
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D-utiche Vend Dollar Anl.
*9.75
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91.75
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dto. Toll.-Schay.Anweisng.')
94.35
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94.5
4®/e Zolltürken.........
6,25
6.4
6 50
6.25
5% «oldmeftkaner ... .
-
33
-
—•
Berliner Handelsgesellschaft.
125
121
124.5
124.25
Commerz- und Privat.Bank
.'4
•4.75
94,75
95
Darmst. und Naiionalbank -
112.5
112,75
112,25
112
Deutlche Bank.........
114.25
113.5
114,25
113,5
Deutsche BereinSbank ....
——
_
TtSconio Lommandil . . .
103.75
Ist». 7
104
103 75
Mctallbank...........
81.5
81
Mitieldeutlche Kreditbank . .
93,25
9.3
93
93.5
Cestcrretchischc Treditanstalt
7.4
7.4
7.4
< .4
Westbank............
0.06
0.06
0,05
0.05
Bochumer Vuh........
59
—
58
59
Buden,»............
4»
—1
38.9
37.75
Taro ............
35,25
35
14.5
35
Deutsch L-urembura .....
53
56,5
-6.13
56.13
Gelsenkirchener Bergwerke . .
<8.5
4M
47.4
46.25
Harpener Bergbau......
Kaliwerke Aschersleben....
fr 9, '-*5
119
90.5
120,5
SO
119
88.75
120.5
Kaliwerk Westeregeln.....
135.5
137.75
.0,5
20 6
Laurabülte...........
82
32
Ml
31,11
Cberbedarf...........
39
;w
35
35
Ihonis Bergbau.......
84,25
66
64.90
64,75
Rheinstahl....... . . .
53
51.25
52.1
51.5
Ricbeck Montan........
72,25
72,5
73
72.5
DelluS Bergbau. ......
42
44
Hamburg-Amerika Paket. . .
Norddeutscher Lloyd.....
18,75
51.75
48.5
48.5
49
50
49,5
Lderamischc Werke Albin . .
—
_
Zementwerk Heidelberg . . .
67
65.5
Philipp Holzmann......
53 25
52.25
-2.S
52.13
Anglo-Lont -Guano .....
—
—
92.75
91
Badische Anilin........
Chemische Mayer Slapin . .
121,5
123
122
122 25
0.4
0.4
CTolbfcbmibi.........
66,25
67.25
66
67.75
GricSl einter Electron ....
115
116.5
114,5
115
Höchster Farbwerke......
116,13
117.62
115,75
116,5
Holzverkohlung........
1 8
4.5
Rütgerswerke.........
62.25
60,5
61,9
61,5
Scheidcanstalt.........
97
97.5
Allg. ElektrizitätS-Sesellfchaft
95
95.4
94.75
95
Bergmann...........
Mainkraftwerkc........
—
68.5
>9.25
1'8,5
78.5
75
Cchuckert............
54.75
53
53,75
52.5
Siemens A HalSke......
73,5
73
73
72.75
Adlerwerkc stleyer ......
47,5
46.51
47
46.5
Daimler Motoren. ......
40,5
39
38,1
38
Heyliaenstaedt.........
Meguin.............
27
88
26
37
36
36
Motorenwerke Mannheim .
•
-
52,5
53
Frankfurter Armaturen . . .
Konservenfabrik Braun . . .
0.4
0,75
0.44
0,75
0^8
—
0.8
100,5
63,5
100
63.5
64
64
Schuhfabrik Herz......
36,25
35
38
36.5
sichel..............
20.5
20.5
HO
19,75
Zellstoii Waldhof......
Zuckerfabrik Frankenthal . .
Zuckerfabrik Waghäusel . . .
9.20
9.1
9.4
'»,25
53 25
56,25
58.75
56
57^5
56,5
Frankfurter Abendbörse.
Frankfurt a. M., 21. Aug. Die Abendbörse war im Einklang mit den festeren Votierungen an der Vachbörse freundlich gestimmt, bei lebhaftem Geschäft und größeren LImsätzen. Am Montanmarkt erreichten Phönix den Kursstand von 66 Prozent. Bedeutende Kurssteigerungen erzielten auch Vbeinstahl und Tellus. Am Chemiemarft setzten sich bei steigenden Kursen die Meinungskäufe fort. Auch Bankaktien tendierten ziemlich fest. Don deutschen Renten standen Kriegsanleihe und Schuhgebietsanleihe in lebhaftem Verkehr. Die Dörse schloß die Woche ruhig in ziemlich fester Haltung, deutsche Anleihen neigten zum Vachgeben. Deutsche Anleihen: 5prozentige Reichsanleihe 0,164, Schuh-
gebietSanleihe 4000. Ausländische Renten: Zolltürken 6,3t. Dagdad II 6,37. Ung. Goldrente 8.50. Bankaktien Berliner Hande'.sgei 124. (Som- merzbank 94.75, Darmst. Bank 112,75. Deutsche Dank 113.50, Diskontogcscllschast 103.75. Dresdner Dank 100.25. Reichsbank 122,50. Oesterr Kredit- aktien 7,37 Montanaktien: Deutsch-Lux 56.50. Gelsenkirchen 48. Harpener 90.50. Phönix 66. Rhein. Braunkohlen 115. Rheinstahl 53.25. TelluS 44. Kali Aschersleben 120 50 Ehern Aktien: Badische Anilin 123. Ehem Griesheim 116.50, Elberfelder Farben 117.62, Goldschmidt 67,25. Höchster Farben 117,62, Holzverkohlung 4,50 Jndustrie- aftien: Adlerwerke Kicher 46.50, AEG. 95,50. Daimler 39. Deutsche Grdöl 70,50, Slektr. Licht und Kraft 97. Holzmann 52.25, Gebr. JunghanS 64.25. Krauß Lokvmotiv 32, Lahmeher 68,50. Jul. Sichel 20,50, Siemens u. Halske 73. Voigt und Haffner 59. Waiß und Freytag 66,50, Zucker Heilbronn 55.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt, 21 Aug. Es wurden notiert: Weiten, Wetterauer, neuer Ernte. 24,50, Roggen, inländischer, neuer Ernte, 20, Sommergerste für Brauzwecke, neuer Ernte. 26—28,50, Hafer inländischer, alter Ernte 20,50—23, Mais (gelb) 22, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 39,25—40,25, Roggenmehl 29—29,50, Weizenkleie 11,50, Roggen- kleie 12,25. Tendenz: Ruhig
Berliner Produktenbörse.
Berlin. 21. August Der Produktenmarkt erlitt eine neue Abschwächung. Das Angebot von Weizen, Roggen und Mehl wird besonders aus Ostpreußen stärker. Auch von Schlesien mehrt sich das Angebot, und so gingen die Preise allgemein zurück. Es notierten für 1000 Kilo: Weizen, märk. 233 bis 237. do Mecklenburger; 233 bis 234. do. Sept. 251 bis 250, do Oft. 253. do. Dez 259, Roggen, märt 172 bis 178, do. Sept. 192. do Oft. 198 bis 197,50, do. Dez. 201 bis 202, Gerste, märt 240 bis 272, Futtergerste 189 bis 197, Hafer, märt 186 bis 193, do fromm. 182 bis 185, do. Sefrt. 181, do. Oft. 186, do. Dez. 196, Mais (loko Berlin) 214 bis 218, Raps 355 bis 360; für 100 Kilo: Weizenmehl 32 bis 35. Roggenmehl 25,50 bis 27,25, Weizenkleie 13.50. Roggenkleie 13,20, Viktoriaerbsen 27 bis 35, klein« Erbsen 25 bis 27. Futtererbsen 23 bis 25, Peluschken 23 bis 25. Wicken 26 bis 28, Lupinen, blau 12,50 bis 14,50, do. gelb 15 bis 16,50. Rapskuchen 16,60 bis 16,80, Leinkuchen 23,30 bis 23,70 Trockenschnitzel 12,20 bis 12,50, Torfmelasse 9,80
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Gießen. Sonntag, den 23. August, ll.n. XriniL Stadtkirche. 8: Pfr. Becker. Zugl. Ehristenlehre für die Veukonfirmierten aus d. Markusgemeinde. 91/,: Pfarrafs. Hertel. 11: Kinderkirche für die MatthäuS- gemeinde. Pfarrast. Hertel. - Johanneskirche. 8: Pft- AuSfeld. Zugl. Ehristenlehre für d. Veukonsir- mierten a. d. Johannesgemeinde. 91/,: Pft. Dech- tolsheimer. 11: Kinderftrche für die LukaSgemeinde. Pft- Bechtolsheimer. — Kirchberg. 10; 11: Ehristenlehre für die weibliche Jugend. - Mainzlar fallt aus wegen Gustav-Fest in Allendorf (Lumda» und wird um 8 Tage verfchoben. — Wieseck. Evang. Gemeindesaal, Ludwigstr. 11. 9*.',: Pft. Hartmann. Alten-Buseck. —
Katholische Gemeinden.
Gießen. Samstag, d. 22 August. 47, u. 7 Beichte. Sonntag, den 23. August. 12. Sonntag nach Pstngst. 67, Deichte, 7 Messe Korn. d. Fr., 8 Kom., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 2 Andacht. — Grünberg. 97, Messe mit Pred. - Hungen. 97, Hochamt mit Predigt. - Lich. 77, Meste m. Pred
Universitäts-Restaurant
Plockstraße 5 Inh.: F. C. Günther Fernsprecher 198
Seal und Räume für private und gesellschaftliche Veranstaltungen
Mittag- u. Abendessen Fürstenberg-Bräu Gut gepflegte Weine
000 Universitäts-Cafe 000
mit eigener erstklassiger Konditorei 55,34
Spezialität: Rahmeis in Portionen • Schlemmerbecher
Lieferung von Torten und Gebäck außer dem Hause
Das Nachthemd.
Bon Sri Müller, Partenkirchen.
Wenn man links der Isar wohnt, und man ist rechts der Isar eingeladen, dreieinhalb Kilometer weit weg, und es ist schon Mitternacht vorbei, und es geht keine Trambahn mehr, und eS gießt in Strömen, und der Hausherr sagt:
„Vein, mein lieber Herr Professor, wir lassen Sie nicht fort," und die Hausfrau setzt hinzu:
„Lin—ter kci-neu Lim—ständen, Herr Pro- frssor!" und richtet schon, ein Stockwerk höher, das Fremdenzimmer: „So, da sind Sie völlig ungestört," und der Herr Professor macht noch eine Anftandsfluchtbewegung. und der Hausherr donnert liebevoll:
„Sie würden uns beleidigen, Herr Profes- r?r ..." da würde selbst ein Jüngerer als dec ltchzigjährige Junggeselle Prof. Dr. Eurasberger schließlich nachgegeoen haben.
Worauf sich Friede auf das gastliche Haus knkS der Isar ntebetfcnltc und die beiden Ehegatten von ihrem Bett das Licht ausknipfen ii dem tröstlichen Dewuhtsein: „Wir wissen, was wir einem lieben Gast schuldig sind," und ein- jtzlasen tief und fest, während es draußen unentwegt weitergieht — platsch, Platsch, platsch ...
Da — eS mochte gegen 2 Lihr nachts sein — liutet'S. Erst zaghaft, dann weniger zaghaft, iann normal, dann laut, dann so dringlich, daß Nation selbst das beste doppelte Gastgebergewissen erwachen muß. Auf geht das Fenster, und man Sf>aut hinunter.
Steht da vor der Haustür im strömenden Regen, unterm Arm ein Bündel, der Professor Eurasberger. „Ich bitte vielmals um Entschul
digung — platsch, platsch — daß ich nochmals störe — platsch, platsch, platsch — aber mein — mein — Vachthemd hab' ich mir doch noch geholt."
Warum bräunt die Seeluft?
Das Ende der Ferien bringt einen neuen Farbton in das Strahenbild. Allenthalben sieht man jetzt mehr oder weniger braun gebrannte Menschen, und jeder weih sofort, daß diese Personen ihre Ferien an der See zugebracht haben. Woher kommt nun diese Bräunung der Hautfarbe, welche doch im allgemeinen Etadtmenschen nicht haben, trotzdem sie sich in den vergangenen sehr heißen Tagen auch vielfach der Sonne aussehen mußten. Profefsor Dr. L e o in Bonn hat durch LIntersuchungen das Rätsel gelöst, warum die Menschen gerade an der See so stark bräunen. Es ist selbstverständlich, daß, da die Bräunung eine Art Derbrennungszustand ist, Sonne für die Bräunung notwendig ist. Aber die Sonne ist es nicht allein, da ja,wie er* wähnt, die Sonne in der Stadt und auch auf dem Lande nicht fo sehr bräunt. Die Bräunung der Haut in der Seeluft erfolgt nämlich nach den Forschungen Prof. Leos in erster Linie durch das Ozon, das durch Zersetzung des Meer- wafsers infolge der Sonnenstrahlung entsteht. Der Sauerstoff des Meerwassers geht bei dieser Zersetzung der chemisch wirkenden Lichtstrahlen in Ozon über. Durch diese Ozonreizung entsteht nun die Bräunung, die tatsächlich eine Art Verbrennung ist. Wir wissen übrigens, daß Besucher von St. Moritz und anderen sehr hoch gelegenen Gebirgsorten gleichfalls stark bräunen. Die Llrfache ist eine ähnliche, wie die Bräunung in der Seeluft, denn auch in hohen Lagen des Gebirges ist die Luft sehr stark ozonhaltig,
so daß ein ähnlicher Reiz auftritt, wie ihn die Haut des Menschen bei Bestrahlung an der See empfindet. Gleichzeitig mit der Bräunung der Haut bewirft aber das Ozon auch noch, daß die Seeluft gesünder als die Stadtluft ist, denn das Ozon hat eine stark bakterientötende Wirkung, fo daß die Luft im allgemeinen weniger bakterienhaltig ist, als die Luft auf dem übrigen Lande. Ja, eine kurze Entfernung vom Strande selbst von ungefähr 60 Metern genügt bereits, um die Luft über dem Meere vollkommen bakterienfrei zu gestalten.
Aus den Erittuerungeu eines russischen Hoftheaterdirektors.
Amüsante Erinnerungen hat der Oberst Teljakowski in Petersburg veröffentlicht, der vom Jahre 1901 bis 1917 Direktor der russischen Hoftheater war. Alle berühmten Persönlichkeiten der russischen Bühne und des russischen Dramas spielen hier eine Rolle, der große Sänger Schaljapin und der Dichter Tschechow, die Tänzerinnen Pawlowa und Karfawina, Vischinsft und Djag- lileto. Ein Glückzufall brachte Teljakowski von dem Kommando eines Regiments zu dem Kommando über die Scharen von Schauspielern, Sängern und Tänzern, die das Personal der kaiserlichen Theater bildeten. Er hatte die Leitung von 6 öffentlichen Theatern, dreien in Petersburg und dreien in Moskau, und fünf Privattheatern. die vor dem Hofe spielten. Die Erhaltung dieses gewaltigen Llnternehmens kostete den Staat 4 Millionen Mark das Jahr, aber trotz dieses Zuschusses und der Preise, die das Publikum zahlte, war immer ein bedeutendes Defizit, das der Zar aus feiner Privatschatulle decken mußte. Das Amt des Hoftheaterdirettors
war wahrlich kein leichtes. Außer der Sorge für die Theater selbst, für die mit ihnen verbundenen Werkstätten und Lehranstalten mußte er den Launen der Großfürsten und Großfürstinnen und denen der Künstler nachgeben. Besonders schwierig war Schaljapin zu behandeln, der für eine Gage von 20 000 Mark im Jahr am Moskauer Großen Theater wirfte und der es fertig brachte, dem Direktor einen Brief zu schreiben, in deins er erklärte, er werde am Abend nicht auftreten, weil er nicht die zwei bestellten Plätze in der Loge erhalten habe; er werde der Vorstellung im Zuschauerraum beiwohnen, um einmal zu sehen, wer an seiner Stelle den Mephisto singen könnte. Eine noch viel größere Tyrannin aber war die allmächtige Primaballerina, die Ksche- sinskaya, die sich der „allerhöchsten Protektion" rühmen konnte. Sie war der Ansicht, erzählt Teljakowsft, daß ein Ballet, in dem sie tanzte, ihr persönliches Eigentum wäre, und daß niemanb das Recht hätte, darin eine Hauptrolle ohne chre Erlaubnis zu tanzen. Es kam zu einem Konflckt, als die italienische Tänzerin Grimaldi für einen Part in einem ,ihrer Ballets" engagiert wurde. Die Primaballerina erklärte, daß sie das Auftreten der Italienerin unter keinen Llmständen gestatten würde. Die Grimaldi aber bestand auf ihrem Kontrakt, in dem ihr die Rolle zugesichert war. Vach langen Verhandlungen wurde schließlich ein chiffriertes Telegramm an den Hofminister des Zaren, Baron Fredericks, ab- geschictt. der den Fall dem Zaren vorlegen sollte, der in Dänemark weilte, und es kam die Antwort des Beherrschers aller Reußen. ,WaS das Ballet anbetrifft, so hat die KschesinSkaya darüber zu entscheiden."


