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nr. US Erstes Blatt

175. Jahrgang

v ' tag, 22. Mal (925

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SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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Das Haus des Deutschtums.

Die Einweihungsfeierlichkeiten in Stuttgart. Eine Rede Dr. Strefemanns.

Stuttgart. 22. Mai (TU). 3m Hofe des Hauses des Deutschtums fand gestern nachmittag die Weihe b c Hauses statt, das den Deutschen im AuSlano ein Hort werden fall. Unter den auherordentlich zahlreichen Festgästen sparen R e i ch S a u ß e n m i n i st e r Dr. S t re« Icmann, Reichsinnenminister Schiele, Reichs- tagspiöfidenl Lobe mit Abordnungen aller Reichet agsfraklien en. der württembergische ktaatspr<i'ident Dazille, her badische Staatspräsident D r. Hellpach. die vüi ttembcrgischen Minister, der Oberbürger­meister der Stadt Stuttgart die Rektoren der drei württembergifchen Hochschulen erschienen. Außerdcin war der württembergische Landtag durch zahlreiche Llbgeordnete. die Spitzen von Kunst, Wissenschaft, Industrie und Handel ver­treten. Rach einem von dem Danziger Dichter Paul Enderling gedichteten Weihefpn:ch bc- grüßte Exzellenz von Hintze, der Dorsitzende des DcrwaltungSrats des Deutschen Auslands- Instituts die oestv^rsammlung.

Dann ergril der Reichsaubenminister Dr. Strefernann das Wort. um

die Orüfoe und Glückwünsche des Reichs­präsidenten und der Reichsreg'erung

M überbringen. Der Reichspräsident, 'agte Dr Dtresewann, hat mich gebeten, Ihnen n dieser Stunde zu sagen, baß er sich im Geiste 'inter Ihnen fül ! und das er dem Hause und i>er Idee, die ihm zugrunde liege, alles Gute tür die künftige Entwicklung wünsche. Dr. Streseinailn erinnerte bann an die Gründung oer Universität Derlin nach dem Frieden von Tilsit imd an das Wort des damaligen Königs von Preußen. bah der Staat versuchen müsse, an sittlicher Kraft neu zu gewinnen, was er an materieller Kraft ver­loren habe Er fuhr dann fort: Wenn ich den Sinn der Stunde recht begreife, der uns zu- lamincnfiihrt, fo ist es das Bekenntnis vor der Welt, das; man eine Grenze wohl ändern kann, «6er i J,d . e 5 .' n die sich zum Deutsch­tum bekennen.

Reich stoaspr äsident L o e b e wies daraus bin. dast die deutsche Dolksvertretung eine ftattlkhc D., ulation aus Vertretern aller '□arteten entsandt habe, um die Glückwünsche des Reichstags auszusprechen. Möge, sagte Loede tveiter. von diesem Hause ein Segen ausgehen für die, die brausten in der Welt mühsam kämpfen.

Den W'.ll'i mm grüß bes würtlembergischen Volkes entbot

der württembergisv e Staatspräsident Bazille

Wae- alle an ereix Dotier, so führte er aus, hir l ich beanspru. en. nationale Freiheit, beanspruchen auch wir für uns. Das Land der Zukunft. da - iDir erseh ren, das will kein Land der Rache sein, sondern ein Reich der Gerech- titzkeit. Der preustisäe Staatsminister Decker, der die Glückwünsche der preußischen Staats­regierung überbrachte wies daraus hin, dasz Preußen hur.) den Au \ang des Krieges im Osten wie im Westen schwerste Verluste gehabt und teure Staatsangehör ge unter fremde Herr­schaft habe bin geben müssen, dast aber die Ka­tastrophe dennoch ein Gutes gehabt habe da­durch. dast He Preußen und ganz Deutschland zur Selbstbesinnung gebracht habe. Für die babr.fd ? Staatsregierung sprach Exzel­lenz von Kuillina Wünsche der badi­schen Staat ereg'.orur.g bvad)tc Staatspräsi­dent Hellpach ,um Ausdruck. Es folgten Begrüßungsansprachen des Oberbürgermeisters Loutenschlüger und des 'Rektors W^ssenmcyer- Ctutlgarl als Vertreter her deutschen und be- !anders der drei Württemberg scheu Hochschulen sowie des Reiak Wirtschaftsministers a. D. Ham m , der für den Deutschen Industrie» und Handelstag sprach Alsdann kamen

Vertreter der Aus landdeutschen

\\1 Worte. Senator Möller »TemcSvar) über­brachte die Glückwünsche des Verbandes der 830 000 Deutschen in Rninän en und des Donau- schwabentums, und Hofrat Ke in dl (Graz) die Stufte der ostfchwübischen Stundenten in Graz inti) Wien und besonders der Karpathendeut- schcn. Abg. K a l l i n a t (Prag) übermittelte die Oeöanfcn er Sudetendeutschen an die Heimat, der sie stets die Treue halten werden. Schar- schm idt (Tokio' fbra.ii für die Deutschen in Astasien. Rachdem dann der Erbauer des Hauses. Professor Gchmitthenner. hen Schlussel an kn Vorstand des Deutschen Auslandinstituts, ycneralton'in Wanner ..bergeben hatte nahm k'.e'er das Wort, um allen, die das Werk des Hauses für das Deutschtum gefördert haben, toärmficn Danl zu sagen. Das Haus der Deut­schen kenne keine Parteien und Spal- tun gen und sehe nur das leuchtende Fiel bet Dolksgeme i schaf 1. Mit bem Gelang des Deutschland, c e:-. in das die Versammlung ein» IWimtc, schloß die eindrucksvolle Feier.

Auf dem im Stabtgartcn veranstalteten Fest­bankett ergriff

Rerchsautzenm nister Dr. Strefemann

bas Wort zu einer Red? in der er aussührte: Dio zwei Welten i uns die Zeit, in der DeuNchland im Sonneugianze stand und heute. Mehr noch als bei uns hat sich das geltenb ge­macht bei denen, die in der Ferne bas alles

erlebt haben und die fremde Länder verlassen mußten. Das waren die Mei,scheu, die ihr Vaterland verließen, um draußen eine fremde Heimat zu suchen. Sind doch einst viele hinaus- gegangen, weil sie ihre politischen Ideale in diesem Deutschland nicht erfüllt sehen konnten, und die mit bie besten Deutschen gewesen sind, bie es jemals gab. Achtung und Ehre verdienen, die den deutschen Flamen in den Ver­einigten Staaten von Amerika zu Glan; und Ehre gebracht haben und die vielleicht die höch­sten Würben, die ba6 Volk vergeben könnte, erhalten hätten, wenn die amerikanische Ver­fassung es zugelassen haben würde. Ich komme über bie Empfindung nicht hinweg, daß sie besser für draußen und brinnen war, die Zeit wo der Begriff Unternehmer mit bem Degriff Mensch und Persönlichkeit identisch war, wo man uns beneibet hat um unsere Entwicklung zur Weltwirtschaft, beim es sind nicht Syndikate und Truste gewesen, sondern

eS war der Einzelkaufmann, der hinauSging in die Welt, der nicht ausging, um Geld zu verdienen, sondern für den der Begriff Lebensarbeit identisch war mit dem Begriff, größer zu machen, waS er vom Dater ererbt hatte.

Das ist der große kaufmännische Idealismus i r Einzelpersönlichkeit, das waren die Menschen, die man in der ganzen Welt fand, die den Boden gepflügt haben, auf dem einst bie Früchte ber deutschen Weltwirtschaft erwach-- sen sind. Cs war ein stolzes Volkstum. Für die Menschen draußen wie für die hier drinnen gehört außerordentlich viel m c h r wahre Datei - landsliebe dazu, sich zum Deutschland von heute zu bekennen wie zum Deutschland der Vergangen­heit. (Beifall.) Das Deutschland der Vergangen­heit gab dem Menschen etwas von seiner Größe. Er sonnte sich in der Größe des deutschen Ra- rnens. Heute sich zu bekennen zu diesem Deutsch­land. namentlich draußen, nach dem, was vor» gegangen ist. ba Beginnt sich erst zu zeigen, biß jemand deutsch innerlich empfinbet. Wenn wir uns heute fragen, ob wir Optimisten oder Pessi­misten sein sollen, so bekenne ich mich nicht nur der Raturanlage nach zum Optimisten. Ich habe so manchmal in der Presse das Wo,st ge­lesen vom Stresemannschen Optimis­mus. Kein Wort ist mir so übel gerammten worden wie das vom Silber st reifen am Horizont. Doch sage ich mir das eine und das gilt für jeden Deutschen:

Wer in dieser Zeit nicht ein Stück Glauben an die Zukunft im Herzen hak. der hat sich selbst ausgegeben. Jeder Deutsche hat vor seinem Gewissen ein Recht auf eine bessere Zukunft, und deshalb glaube ich an eine deutsche Zukunft. Und wer an ein Welt- gewissen glaubt, der wird sich sagen müssen, daß die Welt uns eine Wiedergutmachung schuldig ist.

(Stürmischer Beifall.) Wir haben keinen Grund, mit gesenktem Haupt durch die Welt zu gehen. Auf uns lastet nicht mehr moralische Schuld als auf irgendeinem andern Doll. Arm zu sein ist keine Schande. Wir können uns im Gegenteil die Frage vorlegen, ob nicht die Zeit, in der wir materiell sehr reich wurden, eine Zeit des ideellen und geistigen Riede rgangs gewesen ist. (Lebhafte Zu­stimmung.) Das ist vielleicht die größte Schuld, daß über dieser Zeit das Wort Pro­fessor Birchers steht, daß wir an materiel­len Gütern unendlich viel reicher, an seelischen Gütern unendlich viel ärmer waren als in einer vorangegangenen Zeit. Vielleicht hat die Rot erst und anein­ander geschmiedet, und bajj aus dieser Rot das eine herausgeholt wird, dreses große Emp­finden der deutschen Kulturgemein- schäft, ist etwas, was wir buchen wollen als Altivposten in unserer deutschen Politik.

Lassen Sie mich einige Worte zu den Aus - landdeutschen sprechen. Sie haben uns heute im Reich zur Einigkeit gemahnt. So­weit das bei dem deutschen Charakter möglich ist. werden wir uns Mühe geben, der Mahnung au entsprechen. Aber vielleicht darf ich auch die Ditte an Sie draußen richten: Demühen Sie sich auch, objektiv dem gegenüberzustehen, was in Deutschland in den letzten Jahren vor­gegangen ist.

Wir müssen, das ist meine Ueberzeugung, wenn wir vorwärts kommen wollen, und wenn wir an eine Zukunft glauben, die Synthese finden zwischen dem alten und dem neuen Deutschland. Es kann nicht heißen, dos eine gegen das andere, sondern es kann nur heißen, das eine mit dem andern.

CSir muffen in Ehrfurcht dessen gedenken, was gewesen ist. und dürfen das Große in der Vergangenheit nie vergessen, denn schmäh­lich ist. wer große Taten feiner Geschichte ver­gißt Glauben Sie mir, andere Dölker, die we­niger ruhig sind wie wir. hätten ganz andere Erschütterungen erlebt als die. die wir in Deutsch­land erlebt haben in den sechs Jahren von der UmtDanblung bis heule. Für uns, die wir leben, sind sie ein Stück unseres Menschenlebens, für die Geschichte lind sie ein Tropfen. Daß in dieser geschichtlich kurzen Zeit das deutsche Volk und das Deutsche Reich sich so konsolidiert haben, ist ein Zeichen für den Zukunftsglauben, den wir haben. iSehr wahr!) Darum sollten

wir nicht immer verzweifeln, nicht immer nur sprechen von bem, was uns nicht paßt, nicht immer von bem, was wir leiden müssen, son­dern den Blick wenden in die Zukunft. Den Weg zur Einheit haben wir zurückgelegt. Diese Einheit hat man nicht zersplittern können. Cs war gar nicht so einfach, diese Einheit zu er­halten. Daß wir durchgehalten haben, ist ein Zeichen dafür, wie viel poli isch r:ifcr das deutsche Volk geworden ist. Heber ein 92-Millionen-DoU

Berlin, 20. Mai. Zur Fortsetzung ber außenpolitischen Aussprache erklärt Abg. Lanbsberg (Soz.). ein Land in ber Lage Deutschlanbs sei gerabezu verpflichtet, bei allen politischen Akten die voraussichtliche Wirkung auf das Ausland zu berücksichtigen. DaS sei eine politische Rotwendigkeit. Darum sei es nicht gleichgültig, wenn Organe der vaterländischen Verbände bie Wahl Hinbenburgs als das Signal zum Revanchekrieg begrüßten. Die außenpolitische Schädlichkeit der Kandidatur Hindenburgs sei auch von einem aktiven Reichsminister erkannt worden, ber dieser Erkenntnis aber leider im Wahlkampf nicht öffentlich Ausdru ck gegeben habe. (Heiterkeit. Rufe bei den Soz: Strese- mann!) Hindenburg verdanke feine Wahl in erster Linie den Kommunisten. (Lärm bei den Kommu­nisten. Wiederholte Rufe der Abg. Frau Gotte.) Der Redner fährt dann fort: Wir fordern den Eintritt in den Völkerbund. Wir ver­kennen nicht, bah er gegenwärtig wirklich kein Idealgebilde ist. Die Sozialdemokraten müßten dieser Regierung der ungerechten Lastenvertei­lung und des Zolltarifs ihr schärfstes Miß­trauen bekunden.

Abg. Dr. Dell (Zrr.): Der Gedanke bet Vereinigten Staaten von Europa würde sich trotz aller Entstellungen schließlich durchsetzen. Das Urteil ber Geschichte werbe die Lüge von ber Alleinschuld Deutschlands am Kriege endgültig als Lüge entlarven.

Ebenso sei aber der Kamps gegen die kolo­niale Schuldläge fortzuführen. Diese Lüge von der kolonisatorischen Anfähigkeit und Anwiirdigkeit Deutschlands solle die De- f*önigung bilden für die unter unerhörtem Wortbruch vollzogene Ungerechtigkeit und parteiliche Ausschaltung aller berechtigten kolonialen Ansprüche Deutschlands.

Es würde Deutschland unmöglich gemacht, den Beweis für die Verlogenheit der gegen Deutsch­land in kolonialer Beziehung erhobenen Be­schuldigungen zu führen'. Als letzter deutscher Kolonialminister habe ich mich in einem Schreiben erboten, vor einem unparteiischen Kollegium den Gegenbeweis zu führen. Mein Dries ist nicht einmal einer Antwort gewür­digt worden. (Hört! Hört!) Ich habe damals als Minister den, deutschen Volke das Vermächt­nis hinterlassen, den Kolonialgebanken nicht fler­ben yu lassen. Heute kann ich die Visitenkarte ber neuen Kolonialvereinigung abgeben, die sich aus allen kolonial interessierten Parlamentariern ohne Anterschied der Partei von rechts und links zusammensetzt. Diese Vereinigung richtet an die ganze Kulturwelt den Rus: Gebt uns unsere Kolonien wieder! (Beifall.)

Abg. Dr. Schnee (D. Dpt.) schließt sich der Forderung des Vorredners an. Cr weist auf die Ausnahmebestimmungen hin, die in verschiedenen englischen und anderen Kolonien noch immer den Deutschen jede Ansiedlung und kolonisatorische Betätigung unmöglich macht.

Von einer Gleichberechtigung Deutschlands könne keine Rede sein, solange diese Ausnahme­behandlung in kolonialer Beziehung andauere. Die sogenannte Ciquibierung deutschen Eigentums in den wäre nichts anderes als Raub

u n d D i<fu ft ahl, ein Rückfall in die barbari­schen Kt^gssitten alter Zeiten. (Lebhafte Zu­stimmung.)

Die Richtigkeit der kolonialen Schuldfrage werde.schon dadurch bewiesen, daß nach den Mitteilungen von Sekretär Baker die En­tentestaaten schon während des Krieges ge­heime Derträge Über die Derteilung der deutschen Kolonien abgeschlossen hätten.

Don keiner anderen Ration sei es erreicht worden, was Deutschland seit dem Wirken Robert Kocks in ber Seuchenbekämpfung in den Kolonien geleistet habe. (Beifall.' Wenn Deutschland wirklich, wie die Gegner behaupten, die Eingeborenen brutal unterdrückt hätte, bann wäre das in ber Kolonialgeschichte einzig da­stehende Beispiel der Treue nicht möglich gewesen, die die Eingeborenen Ostafri­kas den gegen eine Aebermacht kämpfenden Deutschen gehalten haben. (Lebhafter allseitiger Beifall.) Selbstverständlich würden die Aslaris nachträglich die Löhnung bekommen, d.e Deutsch­land ihnen noch schulde. (Beifall )

Abg. Dr. Hummel (D.m.): Es sei nutzlos, durch papierene Pakte die Politll für 50 Jahre im voraus bestimmen zu wollen. Es wäre schon erfreulich, wenn man durch Vereinbarungen wenigstens für 10 Jahre den Frieden Europas sichern könnte. Eine wirlliche Befriedung Euro­pas sei unmöglich, solange man Deutschland die

kann die Welt nicht hinweggehen, wenn wir nur wissen, daß wir zusammengehören. Wenn ich vor wenigen Tagen von einem kleinen neu erstandenen Staat gesprochen habe, der feinen Minderheiten kulturelle Autonomie gegeben hat. so habe ich daS mit voller Absicht erwähnt, weil wir dahin streben müssen, mit allem Ein­fluß und in allen Gremien, die in Betracht kommen, btefe kulturelle Autonomie für unser Deutschtum draußen zu erhalten. C s gibt eine Zukunft, einen Wiebe r - aufbau. den, so Gott lebt, unsere Söhne und Enkel noch einmal schauen Wir hohen aus bie gute beutsche Zukunft linier deutsche» Vaterland, unsere deutsche Kulturgemeinschast sie leben hoch!

Gleichberechtigung unter den Rattonen versage. Diesen Anspruch werde Deutschland mit viel größerem Rachdruck erheben können, wenn ber gegenwärtige Staat endlich vorn ganzen Volke bejaht würde. Die Rechte sei dazu noch nicht bereit. Der von ihr beantragten Ein­setzung eines DerfassnngsrevisionS- a u s s ch u s s e S würden die Demokraten den schärssteit Widerstand entgegensetzen. Die Demo­kraten würden sich bei der Abstimmung über die MißtrauenSanträge ber Stimme enthal­ten, weil sie bei der gegenwärtigen Kons ellation zu der Regierung nicht bas Vertrauen hätten, daß sie die gegenwärtige Richtung ber Außen­politik ungestört einhalten könne.

Abg. S ch r 5 d e r - Mecklenburg (Volk.) bc streitet, daß man von einer Konti.ruität der Stresemannschen Außenpolitll reden könne. Diese Politll schwanke vielmehr zwischen den Extremen und lasse eine grade nationale Richtung ber- missen. Der Redner spricht die Hoffnung aus. daß ber Reichskanzler sich von Dr. Stresemann trennen werde. Dem Mißtrauensantrag würden seine Freunde nicht zustimmen.

26g. Dr. Frick (Rat.Soz.) beLimpft scharf die Außenpolitik der Regierung und erklärt seine Freunde würden dem Mißtrauensantrag z u ft i m m e n.

3n ber namentlichen Abstimmung über den sozialdemokratischen Mißtrauensantrog gegen die Regierung stimmen außer den Sozialdemokraten auch die Kommunisten und die Nationalsozialisten für daS Mißtrauensvotum. Die Demokraten und einige Völkische enthalten sich ber Abstimmung; die meisten Völkischen stimmen gegen ben Antrag. Der Mißtrauensantrag wirb mit 214 gegen 129 Stimmen bei 25 Enthaltungen abgelehnt.

Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen ben Außenminister wird in einfacher Abstimmung gegen die Kommunisten, Sozialdemokraten, Völ- lischen uni) Rationalsozialisten a b g c I e h n t. ebenso der kommunistische Mißtrauensantrag gegen den Reichskanzler. Bei dieser letzten Ab­stimmung enthalten sich die Döllischen der Stimme.

Die Gehälter des Reichskanzlers, des Reichs- außenministers und des Reichspräsidenten werden bewilligt.

21hfl. Gras Eulenburg (S.-9L) fragt an, wie es mit der Entschädigung der Opfer des Eisenbahnunglücks im polnischen Korridor stehe.

Ein Vertreter der Regierung antwortet, die polnische Regierung lehne eine Entschädigung a b mit der Begründung, daß daß das Unglück durch höhere Gewalt hervorgerufen sei. Die Reichsregieruiig verfolge aber die Entschä­digungsansprüche weiter. Das Reichsverkehrs- minifterium werde die Geschädigten zunächst aus eigenen Mitteln unterstützen und dici Unter­stützung als Vorschuß auf die später von Polen zu erlangende Entschädigung anrechnen.

Ein Antrag des Zentrums, der Sozialdemo­kraten, der Demokraten und der Bayerischen Volls­partei verlangt die Abordnung von vier Mitglie­dern des Hauses zur Teilnahme an der amt­lichen Untersuchung der Ursachen des Un­glücks auf der Zeche Dorstfeld.

Abg. Rippe! (D.-N.) erklärt, feine Freunde würden den Antrag der vier Parteien annehmen.

Die gleiche Erklärung gibt Abg. Winnefeld für die Deutsche Volkspartei ab.

Der Antrag der vier Parteien wird ange­nommen.

Derfaffungsfragen.

Reichsinnet,Minister Schiele im Haushaltungsausfchnst.

Berlin, 20. Mai. iDTD.) 3m Haushal- tungsausschuh des Reichstags ergriff ix>r Reichs- minijter bes Innern Schiele bas Wort unb führte u. a. aus: Das wichtigste Arbeits­gebiet des Reichsministeriums des Innern sind D e r f a s s u n g s f r a g e n. Gemäß ber Pro­grammerklärung bes Reichskanzlers wirb die Re­gierung jeden Versuch, bie Reichsverfassung auf gewaltsame ober sonst ungesetzliche Weise abzu- änbern, als Hochverrat mit allem Rachbruck abwehren unb verfolgen. Die Anwen- bung ber Deichsverlassung soll sich nach der Programmrebe des' Reichskanzlers dahin auS- toixten, baß unser Staatswesen mehr als bisher innerlich gesundet.

Zu ben vorliegenden Anträgen zur Aenderung der Verfassung erklärte der Minister ferner: Ich trete ben aus bem Haute ge­stellten Anträgen bei, einen

Das Mißtrauensvotum abgelehnt.

Ende der politischen Aussprache im Reichstag.- Die koloniale Schuldlüge.