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Ht. 272 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhetzen)

Zreitag, 20. November 1925

Frank und Frankreich.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Als in Locarno kurz vor dem Abschluß eine Krise eintrat, weil die Franzosen nicht davon abgehen wellten, auch ihre Verträge mit Polen und der Tschechoslowakei unter das Dach eines Garantiepaktes zu bringen, verkaufte die Dank von England an einem Tage für 23 Millionen französische Franken keine große Summe aber genug um bei der Schwäch? der französischen Währung den Frankenkurs weiter zu ver­schlechtern, Caillaux, damals Finanzminister, unterbrach seine Teilnahme an dem Kongreß der sozialistischen Parteien in Rizza und eilte nach Paris, mit den zornigen Worten, er wisse wohl, wer den Franken unterminiere! Tags darauf war der französische Verzicht da. Es blieb die Frage derRückwirkungen". Driand in seiner bekannten Schlußrede übernahm zwar eine allgemeine moralisch? Verpflichtung, gab aber keine einzige bestimmte Zusage.

Was war der Grund? Die Prestige­frage, sagte man. Sicher spielte diese auch eine Rolle. Außer den: aber noch etwas anderes. Der Franken verkauf der Dank von Eng­land (natürlich nur ein Stück der allgemeinen Methode des währungspolitischen Drucks, unter dem die Franzosen englischerseits gehalten wer- den) war ein kleiner Ruck an der Kandare, der Frankreich darauf aufmerksam machen sollte, an welchem Punkt es abhängig von Eng­land ist. Außerdem aber wurde ihm auch ein Stück Zuckerbrot gezeigt: das bekommst Du, wenn Du vernünftig bist undRückwirkungen" ein­treten läßt, die Eindruck auf die Deutschen ma­chen! Das Zuckerbrot aber hielt nicht England fefijft in der Hand, sondern ein anderer.

Der andere ist Amerika, und gleichzeitig mit der endlichen Bekanntgabe des Räumunas- termins für Köln und der Erleichterungen für das besetzte Gebiet wurde auch die Decke fort­genommen, die für die Oeffentlichkeit aus dem Zuckerbrot lag: Amerika hat eingewilligt, für die Verhandlungen über die französische Schuld eine günstigere Grundlage zuzugestehen, als die war, mit deren Mitteilung vor einiger Zeit Caillaux nach Hause geschickt wurde. Als Cail- laux in Amerika reiste und der amerikanische Senator D o r a h, gewissermaßen zur Vegrü- ßung, eine scharfe Rede gehalten hatte, die Franzosen sollten sich nicht einbilden, daß die amerikanische Ration ihnen Geld schenken würde, schrieb die ZeitungL'Oeuvre" in Paris:

Man sollte 6ierc Leute der Reuen Welt, die Immer noch recht primitiv sind, nicht vor­eilig als Wilde hinstellen. Cs ist eine zivili­sierte Ration, nur ist ihre Zivilisation anders. Wir gehören ja schließlich ja alle zur mensch­lichen Familie. Wenn wir Charlie Chaplin in einem Film sehen, so hift uns das zum Ver­ständnis jenes außerordentlichen amerikanischen Senators, dessen Rame wie Waschpulver (Borax) klingt und der unser- Land so intensiv haßt. Er glaubt, wir sind eine Ration, die vom Raube lebt und zum Vergnügen mit Kanonen schießt. Und wenn Borah unser Geld will, so will er es nicht, weil er es nötig bat, sondern weil er uns schwächen und verhindern möchte, Krieg anzufangen. Er denkt sich, daß das eine gerechte Strafe, vielleicht auch ein Vorbeugungs­mittel sei. Mit welchem Rechte mischt sich dieser Charlie Chaplin Salbader in unsere Angelegen­heiten? 3ft linde Sam durch den Krieg der oberste Richter der Welt geworden und müssen hie Europäer als demütige Vasallen an ihm vorbeimarschieren und vor seinem Haufen Gold niederknien? Keinesw"gs. Charlie Chaplin hat uns nur gezeigt, daß Franzosen und Amerikaner anders geartet sind. Sie haben ihre Herzen nicht an demselben Orte. Wir denken nicht gleich und fühlen nicht gleich. Vielleicht wäre es nicht übel, trenn Calllaux die Amerikaner seinen Rücken bewundern ließe. Es würde uns freuen, wenn er es täte.

Die Tonart dieser Sähe ist eigentümlich ge­nug für die Unterhaltung eines Schuldners mit seinem Gläubiger, aber was die Motive der amerikanischen Politik betrifft, ist die Formu­lierung, die Amerikaner forderten das Geld von Frankreich nicht, lveil sie es nötig hätten, son­dern weil sie einen Druck auf d i e fran­zösische Politik ausüben wollten, für ein französisches Blatt bemerkenswert scharfsin­nig. Der amerikanische General Allen hat das seinerzeit noch deutlicher ausgedrückt, indem er sagte: Amerika ist bereit, über die Herabsetzung, ja vielleicht 'ogar über die vollständige Kapierung der französischen Schuld zu sprechen, toerm Frank­reich ab ruft e t! Das Motiv ist bekannt: man will in Amerika aus geschäftlichen Grün-

Ein Vorkämpfer des modernen Fe ille ons. Zum Gedächtnis Gruft Ecksteins.

Wenn wir in diesen Tagen des 25. Todes­tages von Ernst Eckstein gedenken konnten, so tritt ein Unterhaltungsschriftsteller, ein Verfasser von große* historischen Romanen, vor allem aber ein Humorist eigenen Formats (Besuch im Karzer" u. a. Schülerhumoresken) aus der Ver­gangenheit. 3n seinem BucheBeiträge zur Ge­schichte des Feuilletons" hat der Verstorbene theoretisch das festgelegt, was er als Redakteur und Mitarbeiter der bekannten Zeitschriften und Zeitungen seinerzeit praktisch bewies: Die Ver­edlung des deutschen Feuilletons. Wenn das Publikum heute gewöhnt ist,unterm Strich geistig bedeutsame Beiträge zu finden, so hat Eck­stein das Seine dazu beigetragen. Den Begriff seuilletonistischer Darstellungsweife hat er schon in den 70er Jahren also definiert:

3I)r nennt's Sonett, doch Hingt es nicht sonettig", ruft A. W. von Schlegel den unbe­rufenen Produzenten mißlungener Klanggedichte zu.3hc nennt's Feuilleton, aber es klingt nicht feuilletonistisch, so dürfen auch wir einer großen Anzahl sonst sehr achtbarer Schriftsteller zurufen, die sich vergeblich abmühen, von der Muse der Causerie einen freundlichen Blick zu erhaschen. -Die Kunst des Feuilletons kcmn ebensowenig erlernt werden wie irgendeine andere. Wen die Ratur nicht zum Feuilletonisten veranlagt hat, der leistet, falls er sich zuplaudern" bemüht, ungefähr etwas ähnliches wie die alte Kokette, die in jungfräulicher Raivität Verse macht. Richts berührt widerlicher und peinlicher, als die ge­zwungene Grazie, der anempfundene Humor, 6er

den ein wirklich befriedetes E u r o p a ha­ben, und man toeiß, daß davon keine Rede sein kann, solange das militärisch? System in Frankreich herrschend bleibt.

Die Räumung von Köln und i ic zu er­wartende Herabsetzung der französischen Besat­zungsstärke im Rheinland bedeuten, wenn man sie mit den Zeiten des Poincaris.nuS und selbst noch mit der Rede von Paul Boncour ver­gleicht (Frankreich würde an den Rheinbrücken stehen bleiben, bis es eine Sicherheit nach seinem Sinn habe!) ein entschiedener Fortschritt. Es konnte also auch eine Prämie dafür ver­sprochen werden. Der Vermittler war, wie ge­sagt, England. Sowohl von englischer als auch von amerikanischer Seite betrachtet man aber den Rückzug der Franzosen im Rheinland nur als einen Anfang, oder, wenn man will, als eine gewisse Fortsetzung nach dem Lon­doner Abkommen vom Sommer 1924. 3n die­sem wurde die Reparationskommission, das

nische und tschechische, vermutlich auch die r u m ä n i I d) c und die der Balkan st aalen folgen wird. Polen ist wirtschaftlich schon nicht nicht mehr vor dem Zusammenbruch, sondern mitten darin. Die bekannte polnische Gemütsver­fassung will das nicht sehen und immer noch von großer Politik reden. Die Tatsachen wer­den aber starker sein als das polnische Gemüt.

Alle diese Ding? könnte nur ein harmloses Gemüt damit zusammen bringen, daß irgend­welche freundschaftlichen Gefühle für Deutschland von innen heraus bei seinen früheren Kriegs­gegnern erwachen. Gefühle spielen da gar keine Rolle, sondern Interessen. A^ch der Trunk aus dem Liebesbecher in London wurde zumeist von dem Bedürfnis danach kredenzt, daß die öffentliche Meinung in Deutschland sich auf den Gedanken einer gemeinsamen englisch- deutschen Linie in der europäischen Politik einstellt, speziell gegenüber Rußland. Der Kampf, der jetzt in Frankreich um die Finanzreform

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Hauptinstrument der Gewaltpolitik Frankreichs, geköpft" und die Franzosen wurden gezwungen, die Räumung des Ruhrgebietes zu versprechen. Außerdem aber wurde ihnen deutlich gemacht, was die Deutschen ihnen im Höchstfall zahlen würden.

Die Zauberformel, mit der die französische Regierung ihren Sparer fünf Jahre lang be­wegen konnte, dem Staat immer neues Geld langfristig zu borgen, hieß:Le Boche payera toutl Damit war es seit dem Abkommen von London zu Ende.

Der frostige und überhebliche Ton der Ro­ten, in denen die Dotschafterkonferenz ihren Schriftwechsel mit der deutschen Regierung wegen der angeblich immer noch nicht genügenden Ent­waffnung und wegen der Räumung von Köln geführt hat .zeigt, wie gering auf der fran­zösischen Seite das innere Bedürfnis nach der nominell prollamierten Aufrichtigkeit und Versöhnlichkeit im Verkehr mit Deutschland ist. lieber diese Tatsache ist man sich in England klarer als selbst in gewissen deutschen Kreisen, für die der Himmel nun schon voller Pazifisten­geigen hängt. Man sieht das deutlich in der ernsthaften französischen Presse. Am Tage, be­vor der Räumungstermin von Köln bekanntge­geben wurde, brachte dieWestminster Gazette" einen Artikel, der auf die Stärke der fran­zösischen Armee von mehr als 7000'0Mann hinwies, und auf den Unsinn, von den Repara­tionsgeldern einen großen Teil für die Kosten der Besatzung im Rheinlande zu verwenden. Das wahre Ziel der englischen wie der amerikanischen Politik wird erst erreicht sein, wenn der fran­zösische Militarismus so weit a b g e r ü ft e t hat, daß ein bedeutender Teil des jetzt für ihn verpulverten Geldes in die Kanäle von Weltwirtschaft und Welthandel hin­einfließt. Das wird umso stärker geschehen, als der französischen Abrüstung notwendig die p o l- bewußt arrangierte Esprit. Das Feuilleton muß aus dem ganzen Reichtum der Stimmung her­vorquellen, genau wie das lyrische Gedicht: ein echtes Feuilleton wird nicht gemacht, sondern erlebt. Ich erblicke das eigentliche Wesen des Feuilletons i.i dem Durchschimmern der Sub­jektivität. Aus diesem Gesichtspunkte habe ich einmal die Causerie ein lyrisches Gedicht in Prosa genannt, das natürlich cum grano salis aafgefaßt werden will. Der Feuilletonist gibt uns die Dinge, wie sie sich in seiner Persönlichkeit wider­spiegeln, er beleuchtet alles mit den Strahlen seiner individuellen Stimmung; er verrät überall die Teilnahme an dem Gegenstände. Hierdurch zieht er fein Publikum ungleich entschiedener in Mitleidenschaft, als der Verfasser eines trockenen Referates; ja. er schmeichelt dem Leser mit der Illusion, als ob alles, was er da liest, zur Hälfte seinem eigenen Gehirn entspringe oder doch ent­sprungen sein konnte. Und gerade hierin liegt vielleicht ein Hauptreiz dieser Darstellungsweise. Dergleichen gilt besonders vom satirischen Feuille­ton. Der satirische Feuilletonist findet ein Dicht­werk, eine Institution, eine Sitte, die bei der Majorität der Menschen für höchst respektabel gilt, unberechtigt und lächerlich. Er wendet sich nun mit dieser Entdeckung vertrauensvoll und sieges­gewiß an den Leser; statuiert also gewissermaßen dessen geistige Ebenbürtigkeit. Der zwischen den Zeilen hervorleuchtende Grundgedanke ist der: Ich, der Autor, sehe Harer als die Philister; du. mein Leser, der du natürlich ganz ebenso scharf­sinnig bist wie ich, teilst unbedingt meine An­sicht: Laß uns die Sache einmal entre nous verhandeln und in ihrer Lächerlichkeit aufdecken. Diese Zuversicht wirkt unwiderstehlich als cablatio beneoolentiae. Man erinnere sich, um gleich ein hochgewichtiges Beispiel anzuführen, getoiffer Auseinandersetzungen Arthur Schopen-

geführt wird und der in der französischen Ge­schichte in dieser Form und in diesem Ernst etwas Unerhörtes ist, wird die französische Politik, sowohl was den Osten als au$ was die Ab­rüstungsfrage betrifft, immer mehr in die Linie dec englischen Wünsche drängen. England und Amerika fitzen am längeren Arn des Hebels, und eine Politik, die wirklich da^> Geld der Groß­bourgeoisie gekostet hätte, ist in Frankreich noch nie gemacht worden. Sie wird auch in Zukunft nicht gemacht werden!

Aufwertung

der Gemeindeanleihen.

Vom Presseamt des Hess. Staatsministeriums wird mitgeteilt:

Gläubiger der Markanleihen der Gemeinden und Gemeindeverbände glauben trotz mehrfacher Hinweise in der Presse vielfach immer nod),_ be­reits jetzt ihre Forderungen anmelden zu müssen oder wenigstens anmelden zu können. Cs sei deshalb nochmals darauf hingewiesen, daß für die Gläubiger von Marlanleihen hessischer Ge­meinden und Gemeindeverbände z. Z. noch keine Fristen laufen. Aus die demnächst ergehenden diesbezüglichen hessischen Ausfüh- rungsbeftimmungen zum Anleiheablösungsgeseh wird in der Presse bei ihrem Erscheinen genü­gend hingewiesen werden. Anmeldungen, die vor Beginn des Fristenablaufs bei irgendwel­chen staatlichen oder Gemeindestellen erfolgen, wahren nicht die Rechte der Gläubiger; sie müs­sen sämtlich während des Fristenablaufs noch­mals wiederholt werden. Auch Anträge der Gläubiger auf eine über 12'/° hinausgehende Aufwertung der Gemeindeanleihen sind unnötig. Da sie nach dem Gesetz allein von dem Anleihe­schuldner und dem Treuhänder gestellt werden können, sind sie sogar nicht in der Lage, recht­liche Wirkungen zu erzeugen. Wie wir hören,

Hauers, dessen Schreibweise vielfach als feuille- tonistisch zu bezeichnen ist. Mit welcher Genug­tuung folgen wir seinen Erörterungen, wenn er ausdrücklich ober implicite versichert, dergleichen sei nur für privilegierte Köpfe verständlich! Un­willkürlich verneint man in solchen Augenblicken mit dem Autor eines innigen geistigen Rap­portes zu pflegen; man hat das Gefühl, als spreche er persönlich zum Leser. Diese Schreib­weise, die dem Publikum fortwährend ans Herz greift, ist ein wesentliches Kriterium des Feuilletons."

Der erste

deutsche Iigarrenmacher.

Heber den Zeitpunkt,wann das Zi garren- rauchen in Deutschland heimisch geworden, ist nichts Genaues bekannt, da in allen Rachrichten über das Rauchen, das die Deutschen zuerst im 30jährigen Kriege von den englischen Soldaten lernten, immer nur vom Tabakrauchen bzw. Tabaktrinken die Rede ijt

Wenn auch wahrscheinlich meist nur das Pfeifenrauchen gemeint ist, so ist es doch nicht ausgeschlossen, daß auch schon damals ab und zu Zigarren geraucht wurden. Sehr verbreitet kann aber die Zigarre in jener Zeit nicht gewesen sein, denn man sieht auf keinem der Bilder aus jener Zeit einen Zigarrenraucher.

Dagegen ist es ganz genau bekannt, in wel­chem Jahre die Fabrikation von Zi- garren in Deutschland selbst begonnen hat. Cs war im Jahre 1788, als ein gewisser Hans Heinrich Schlottmann in Hamburg Anlage zu der ersten deutschen Zigarrenfabrik in die Wege leitetete.

Bis dahin hatte man in Deutschland wohl ab und zu einmal eine Zigarre, die aus Hol­land, England oder Amerika eingLführt wurde,

hat für Hessen die Treuhänderstelle übrigen» die für solche Anträge am 14. d. Mts. abge- laufenc Frist vorsorglich allgemein gewahrt.

Ooerhessen.

Die Lchw egcrtochtcr im Jähzorn erstochen.

N i e d c r - F I o r st^i d t, 19. Non. Gestern vormittag e r st a ch ein Schmiedemeister in Stamm beim feine Schwiegertochter im Jähzorn. Folgende Einzelheiten sind dazu zu be­richtens Bormittags beim Marfeetrintcn geriet der 5d)niiebemci|ter Johann Tobias Schenk mit fei­ner Schwiegertochter in einen Wortwechsel, der zu Tätlichkeiten ausartete, wobei Schenk in feinem Jähzorn mit feinem Taschenmesser, das er zufällig noch vom Essen in der Hand hielt, seiner Schwieger­tochter in den Oberschenkel stach. Durch diesen totid) wurde eine Hauptblutader verletzt. Troß ärzt­licher Hilfe konnte die Blutung nicht aufgehalten werden, so daß alsbald der I o b_ b u r d) Ver­bluten eintrat. Schneidermeister Schenk wurde so­fort verhaftet und ins Gefängnis nach Alten­stadt abgeliefert. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht weilten heute am Tatort und nahmen um- fangreiche Vernehmungen vor.

Landkreis Gietzen.

X Klein-Linden, 19. Nov. Allgemein klagt man hier über das starke Faule n der Kartoffeln, namentlich die ..Industrie" ist zum größten Teil direkt unbrauchbar, fo daß starke Verluste eintreten. Fast jede Woche erhält unser Ort sehr unliebsamen V e s u d) du r dj ganze Trupps von Zigeunern^, die hier oft tagelang ihr Quartier an geschützter Stelle auf« schlagen und die Bewohner diird) ihr zudringliches Wesen belästigen. Da sie meistens barfuß laufen, kommen sie fast unbemerkt in die Gehöfte, die nicht eher verlassen werden, bis eine Gabe verabfolgt wird.

* Klein Llnden, 19. Nov. Auf Veranlas­sung des hiesigen Schulleiters Rektor M ö n n i g wurde von der Gemeindesd)ule eine Geldspende von 49,15 Mk., an der Mädchenfortbildungsschule eine solche von 5,30 Mk. für K r ü p p e l s ü r s o r g e zustandegebrachk. Zusammen wurden für diesen Zweck 54,45 Mk. von den Kindern und Mädchen geopfert, ein für die Not der Zeit recht schönes Zeichen der Gebefreudigkeit in unserer Gemeinde.

G r d ß c n - ß i n b c n, 19. Rov D.e h .esige Gemeinderatswahl ist angefochten worden. Anhänger des WahlvorschlagsDürger- vereinigung" haben den C i n s p r u ä) erhoben. Run wird der Kreisausschuß zu entscheiden haben, ob hier nochmals zu wählen ist odev nicht.

X Wieseck. 17. Rov. Frl. Lina Han- s u l t, die am Samstag im Alter von fast 75 Jahren auf dem hiesigen Friedhof zur Ruhe gebeitet wurde, war die Tochter des im Jahre 1884 hier verstorbenen Lehrers Georg Hansult. Bon 1871 hielt sie hier zunächst mit ihrer Mutter die Strickschule und war nach deren Um­wandlung in eine Handarbeitsschule von 1884 bis 1918 als Handarbeitslehrerin hier an­gestellt. Im Herbst 1918 trat sie in den wohl­verdienten Ruhestand. Tah der kirchlichen Hand­lung, bei der der Ortsgeistliche über Offb. 2,10 sprach, würdigte Rektor Dr. Rein die Verdienste der Entschlafenen und legte im Ramen des Kreis- schulamts, des Schul- und Gemeindevorstands einen Kranz nieder. Ein recht gut besuchter Elternabend in der Kirche hatte zum Haupt­gegenstand einen Vortrag des Ortsgeistlichen über ..Die Gebetserziehung unserer Kinder". Pesta­lozzi, Matthias Claudius, Bodelschwingh, Luther it. a. kamen dabei zu Wort ; des letzteren Brief an sein Hänschen von der Koburg las eine Konfirmandin vor. Die Gemeinde rahmte die einzelnen Abschnitte durch Verse von Gebets­liedern ein. Freiwillige Gaben kamen der Blätter­mission unter der Schuljugend zugute.

* Lollar. 17. Rov. Am Samstag veran­staltete derTurn- und Gesangverein Lollar" in seinem Vereinslokal seinen dies­jährigen llnterhaltungsabend mit einem abwechslungsreichen Programm. Außer den drei unter dem Dirigenten Lehrer D ö h n vorgetragenen Chören fanden befonbe-cn Beifall die von Frau Lehrer Döhn gesung?nen drei Lieder, sowie das musterhaft aufgefüh.c Theater­stückDer Wildschütz." Der musikalische Teil wurde von der Kapelle Schön ausgeführt, die nach Abwicllung des Programms noch zum Tanz aufspielte. Der Turn- und Gesangverein ist mit 'einem 65jährigen Bestehen der älteste Gesang­verein in Lollar; er zählt nunmehr wieder 35 aktive Gänger. In der letzten außerordentlichen Generalversammlung wurde beschlossen, am 27.

als etwas Seltenes und Kostbares geraucht. Doch waren dies Ausnahmen, die sich nur reiche Leute gestatten konnten. Diese Ausnahmen ver­mehrten sich allerdings mit der Zeit. Und da jeder, der sich einmal zu einer solchen Aus­nahme entschlossen hatte, von dem Genüsse ent­zückt war, so kani Schlottmann, der in Spanien das Zigarrenmachen erlernt hatte, auf den Ge­danken. in Deutschland eine Zigarrenfabrik zu errichten, um seinen Landsleuten den so hoch geschätzten Genuß in bequemerer und billigerer Weise zu verschaffen.

Er eröffnete infolgedessen im Jahre 1788 in Hamburg eine Zigarrenfabrik. Zu seinem größ­ten Staunen blieb der Erfolg anfangs aus, denn auch die deutsche Zigarre galt damals, wie so vieles andere, nichts in ihrem Vaterlande. Der Fabrikant war gezwungen, seine Zigarren zu verschenken, um die Leute daraus aufmerksam zu machen und ihnen die Heberzeugung beizubrin­gen, daß man in Deutschland hergestellte Zi­garren sehr gut rauchen könne.

2lbet es hat den Anschein, daß dieses Ver­fahren ihm noch nicht den genügenden Absatz verschaffte. Es wird nämlich behauptet, daß er die Zigarren nach Cuxhaven geschickt habe, um endlich Käufer zu erhalten. Dort seien sie auf Schiffe, die aus Amerika gekommen, ver­laden worden. Alsechte amerikanische Zi­garren" trafen sie dann in Hamburg ein. Als diese in Hamburg zu billigen Preisen verkauft wurden, habe man angefangen, allgemein 3U garten zu tauchen.

So kam das Zigatrenmachen in Mode, wo­bei man nun auch das heimische Produkt wei­testgehend berücksichtigte. DaS beweist auch die Tatsache, daß es schon im Jahre 1796 neben Schlottmann bereits drei andere Zigarren-, fabriken gab,ad.