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Hr. 216 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)

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sondern dah das nächste Ziel die »Auflockerung" der Großstadt sein muh. Der Londoner Chef­architekt R. llntoin, der sich mit diesem Pro­blem eingehend beschäft-gt hat, verlangt, dah die Riesenstädte in ihrer Ausdehnung begreift und dah ihnen im Bedarfsfall Trabantenstädte ange-- gliedert werden, weil nur auf diese Weise die Menschen bodenständig gemacht und die Riesen­städte entlastet werden können.

Unfern grohen Städte, denen der Kraft­wagenverkehr ein beschleunigtes Derkehrstempo gegeben hat, das in den Engpässen der Strahen die Gefährdung des Fuhgängers bedenklich er­höht, wachsen gigantisch in die CBcte. Köln, Mün­chen, Breslau, Leipzig und Dresden stehen an den: kritischen Punkt, wo die Frage des Daus einer Untergrundbahn aktuelle Bedeutung ge­winnt. Reben dem Zwang nach räumlicher Aus­dehnung aber besteht der Wille, den kostbaren Boden durch Hochhäuser in erhöhtem Mähe nutz­bar zu machen.

Reuhork hat das Beispiel gegeben. Aller­dings zwang die Jnsellage von Manhattan dazu, die Citybildung (weil keine Ausdehnungsmög­lichkeit bestand) nach der Höhe zu betreiben. Heute zählt Reuhork über 70 Wolkenkratzer, von denen das Woolworth-Gebäude 51 und das Metro- politan-Life 50 Stockwerte zählen. Das Singer­gebäude hat 41, Bankers Trust 39, Equitable 37, Liberty Tower, American Expreß Co. und Adams Expreß Co. je 32, Comnronwealth Hotel 30, American Dank Rote Co. 28 Stock usw. Don den Hochhäusern Reuyorks haben nur vier we­niger als zwanzig Stockwerke. Gin neues Wolken- kraherviertel ist während der letzten Jahre am TimeS-Square entstanden, wo jetzt ein Hochhaus von 63 Stockwerken errichtet wird, das den bisher höchsten Wolkenkratzer, das Woolworth- Gebäude, noch um acht Stock überragen soll.

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Wolkenkratzer in Deutschland.

Von Dr. Hans Faber.

Auf dem Internationalen Architektenkongreh, ber im Sommer d. 3. in Reuhork abgehalten wurde, hielt der Präsident des amerikanischen Architektenvereins, Harveh W. Corbett, einen Vortrag, der den Zuhörern eine ungefähre Vor- sjellung vermittelte, wie (nach Ansicht Sorbetts) Reuhork in fünfzig Jahren nämlich um das Jahr 1975 aussehen werde. Gr führte aus. dah, trenn das Wachstum Reuhorks in gleichem Tempo weitergeht, d'e Stadt in fünf Jahrzehnten 50 Mil­lionen Einwohner zählen werde, die weit draußen i n den entfernten Vororten wohnen und an jedem Morgen durch Luftdruckröhren mit einer Geschwind'gleit von 250 Kilometer in der Stunde nid) den Arbeitsstätten in der City ..geschossen" ».erden. Corbett erklärte weiter, daß Reuhork dmn einen Umfang von 80 Kilometern und Dolkenkratzer von 800 Meter Höhe haben würde. >cren Verkehr in der Hauptsache durch Röhren und auf beweglichen Plattformen geleitet werden müßte.

Dieses D'ld erscheint uns heutigen Menschen rcch phantastisch. Aber wir erleben es ja bereits jetzt, dah die Entwicklung der modernen Welt- tabt. die zugleich nach der Weite und nach der Höhe zkelt. Probleme stellt, die noch vor einem Jahrzehnt niemand zu ahnen vermochte.

Die Probleme der heutigen Weltstadt sind duft er ft mannigfaltig: sie Hegen auf dem Gebiet der Siedelung und des Verkehrs. 3n Derlin schien ntxf) etwa 200 000 Wohnungen. Und ihre Erstellung ist nicht nur eine Geldfrage, sondern auch ein Dauproblem, und zwar insofern, als man erkannt hat, dah die Aufblähung einer Großstadt nicht ins Ungemessene gehen darf, wenn her Organismus nicht krank werden soll,

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Die Besteuerung der Gewerbebetriebe nach dem neuen Einkommensteuergesetz

Von Regierungsrat Dr. P l o ch - Schotten.

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In Diesen Tagen sind die Aufforderungen zur Abgabe von Einkommensteuererklärungen für die lemgcn Gewerbetreibenden ergangen, bei denen das Wirtschaftsjahr in der ersten Hälfte des Jahres 1925 abschließt. Hiervon wird jeder Gewerbetreibende be^ troffen, der Handclsbücher zu führen verpflichtet ist, oder solche iatsächlich führt, und sein Geschäfts­jahr in der Zeit zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 1925 endet.

Begriff des Einkommens.

Als Einkommen gilt bei Einkünften aus Ge­werbebetrieb der G e w i n n.

Bei Handwerkern und Kleingewerbetreibenden ist Gewinn der Ueberschuh der Einnahmen über die Ausgaben, dazu kommt der Mehrwert (oder bei Verlust der Minderwert) der Erzeugnisse, Waren und Vorräte des Betriebes, der dem Betriebe dienenden Gebäude nebst Zubehör, sowie des be­weglichen Anlage- und Betriebskapitals am Schluß eines Steuerabschnittes gegenüber dem Stand am Schluß des vorangegangenen Steuerabschnittes. Der Gewinn setzt sich also qus zwei Elementen zu­sammen, einmal aus dem Ueberschuh der Ein­nahmen über die Ausgaben und ferner aus einem Vergleich des Betriebsvermögens am Anfang und am Schluß des Jahres.

Bei einer Reihe von Kleingewerbetreibenden, bei vielen Personen, die ein Verkehrs- oder Ver- miltlungsgewerbe betreiben, wird ein solcher Ver­mögensvergleich nicht erforderlich fein, weil das der Tätigkeit dienende Vermögen am Schluß der einzelnen Steuerabschnitte wesentlichen Schwan­kungen nicht zu unterliegen pflegt. Hier genügt es vollständig, wenn bei der Berechnung des Ge­winns lediglich der Ueberfchuß der Einnahmen übe»' die Ausgaben zugrunde gelegt wird. Selbstver­ständlich muß dem Gewinn der Wert aller der­jenigen Gegenstände, Nutzungen, Dienstleistungen usw. hinzugerechnet werden, die der Steuerpflichtige aus seinem Betrieb für sich und seinen Haushalt oder für andere Zwecke entnommen hat.

Bei Steuerpflichtigen, die Handelsbücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches zu führen verpflichtet sind ober, ohne dazu verpflichtet zu sein, solche tatsächlich führen, wird der Gewinn nach anderen Grundsätzen ermittelt. Man geht hierbei von der Erwägung aus, daß in der kaufmännischen Buchführung es üblich ist, jeden geschäftlichen Vor­gang als eine Veränderung des Vermögens zu be- irachten und dementsprechend zu buchen.

Wenn nun auch nicht verkannt werden soll, daß tinc Uebereinstimmung zwischen kaufmännischer Bilanz und Steuerbilanz nicht in allen Punkten besteht, so muh das Steuerrecht dieser Art der Gewmnberechnung doch grundsätzlich folgen. Dem- gemäh bestimmt § 13 hier als Gewinn den nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung für den Schluß des Steuerabschnittes ermittelten lieber- schuß des Betriebsvermögens über das Betriebsver- inögen, dos am Schluß des vorangegangenen Steuer« obfchnittes der Veranlagung zugrunde gelegen hat.

Bei der Aufstellung der Einkommensteuerbilanz kann nqtürlich dem Ermessen des Kaufmanns nicht der Spielraum gelassen werden, wie ihn etwa das Handelsgesetzbuch vorsieht. Es müssen vielmehr hin­sichtlich der Bewertung gewisse Mindestoorschriften beobachtet werden.

Vewertungsgrundsähe.

Die Bewertungsvorschriften sind enthalten in den §19 ff. Grundsatz ist hier, wie auch schon in § 40 HGB. und 8 137 der Abgabenordnung bestimmt, daß der gemeine Wert für die einzelnen, dem Be­triebe gewidmeten Gegenstände für den Schluß des Steuerabschnittes zugrunde gelegt werden soll. Bei der Ermittlung dieses gemeinen Wertes ist bei (Gegenständen, die nicht zum Verkauf bestimmt sind, also z. B. Gegenstände des Anlagekapitals, nicht der bei der Veräußerung jedes Gegenstandes für sich im einzelnen erzielbare Preis zu ermitteln, vielmehr muß berücksichtigt werden, daß der Gegen­stand einen Teil des ganzen Betriebes bildet, und daß er auch fernerhin zur Fortführung dieses Be­triebes dient.

Dieser gemeine Wert ist nun nicht zwingend vor- fleschrieben. Vielmehr bleibt es dem Steuerpflid)» t igen überlassen, an Stelle dieses gemeinen Wertes den Anschaffungs- oder Herstellungspreis unter Mzug der zulässigen Absetzungen für Abnutzung einzusetzen. Durch dieses Wahlrecht, das dem Steuerpflichtigen gewährt wird, soll anerkannt wer­den, daß nichtrenlisierte Konjunkturgewinne nicht uerfteuert zu werden brauchen, während anderer» sflit- nichtrealisierte Verluste gbgezogen werden

Ist ein Anschaffungs oder Herstellungspreis nicht gegeben, fo genügt der Betrag, der für den Gegenstand im Zeitpunkt feines Erwerbes unter gemeingewöhnlichen Verhältnissen hätte aufgewen- bet werben müssen.

Nach dem Grundsatz der Bilanzkontinuität soll nun der Steuerpflichtige in den einzelnen Steuer abschnitten zwischen Anschaffungs- und Herstellungs­preis einerseits und ganetnem Wert andererseits nicht beliebig wechseln Dürfen. Es wurde deshalb in § 20 bestimmt, dah bei Gegenständen, die bereits am Schluß des vorangegangenen Steuerabschnittes zum Betriebsvermögen des Steuerpflichtigen gehört haben, der für den Schluß des Steuerabschnittes airgesetzte Wert bei- der Veranlagung des Steuer­pflichtigen auch weiterhin für die folgenden Steuer» abfdjnitte einzusetzen ist. Der Vergleich ist zu bilden immer nur zwischen den Werten am Schluß der Steuerabschnitte. Zugunsten des Steuerpflichtigen ist aber bestimmt, daß zu einem anderen Wert bann übergegangen werden darf, wenn dieser neue Wert niedriger ist.

Dir Bewertuugsrichtlinien b'.cten fein: be­sonderen Schwierigkeiten, wenn die Veranlagung einmal in Lauf gebracht ist. Sa nun aber für 1923 und 1924 eine Einkommensteuerveranlagung nicht stattgefunden hat. so entsteht die Frage, welche Anfangswerte für die jetzt vorzunehmende Veranlagung anzusehen sind. Das Einkommen­steuergesetz regelt diese Frage in den Heber- gangsvorschriften der §§ 105 bis 108. Danach sollen Steuerpflichtige, die Handelsbücher führen oder zu führen verpflichtet find, grundsätzlich die handelsrechtliche D'.lanz als Grundlage nehmen, und zwar:

a) wenn das Wirtschaftsjahr mit deut Kalender­jahr übereinstimmt, die handelsrechtliche Dilanz vom 31. Dezember 1924,

b) wenn das Wirtschaftsjahr mit dem Kalender­jahr nicht übereinstimmt, die Eröffnungs­bilanz in Goldmark für den Deginn des Wirtschaftsjahres 1924/25 bzw. wenn eine solche schon vor Deginn des Wirtschaftsjahres 1924/25 ausgestellt wurde, die handelsrecht­liche D-lanz für den Schluß des Wirt­schaftsjahres, das dem Steuevabschnitt 1924/25 unmittelbar vorausgeht.

Die Steuerpflichtigen, die nach einem vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr ab- schließen, hatten nach der Goldbilanzverordnung das Recht, die kaufmännische Goldmarkeröff­nungsbilanz an den Abschluß ihres Wirtschakts- jahres 1923 24 auzuschließen oder an den Ab­schluß des Wirtschaftsjahres 1922'23, wenn dieles im 2. Halbjahr 1923 geendet hatte. Da die meisten Steuerpflichtigen die Goldnrarkeröff- nnngsbilanz erst im Jahre 1924 ausgestellt haben, wird also meistens die kaufmännische Goldmark- eröffnungsbilairz im Sinne der Goldbilanzverord­nung und die Eröffnungsb'lanz nach dem Ein­kommensteuergesetz zusammenfallen.

Es ist nun ohne weiteres klar, daß die kaufmännische D'lauz nicht unter allen Umständen die Grundlage für die Einkommensteuerveranla­gung bilden kann.

Dei der Bewertung der zum Anlage- und Betriebskapital gehörenden Gegenstände wird unterschieden, je nachdem die Anschaffimg im Jahre 1924 oder ob sie im Jahre 1923 und früher erfolgt ist.

Im ersteren Fall ist immer der Anschaffungs­oder Herstellungspreis anzusehen.

Im letzteren Fall, also bei der Anschgsfung vor dem 1. Januar 1924, sind gemäß § 107 be­baute Grundstücke, die zum Anlagekapital ge­boren, höchstens mit dem gemeinen Wert zu Beginn des Stexembschn-tts anzusetzen. Die übrigen Geg»nstände des Anlag ekav'tals dürfen mit keinem höheren Wert angefeht werden als dem um ein Drittel verminderten Betrage, der nm Stichtag d»r Erökfnunnsb'lanz in Goldmark für die Anschaffung od"r Herstellung be3 G^en- stand'>s hätte aiifaetoo-b-t werden mästen. Man gebt hierbei von der Erwägung aus, daß hie de>-- maligen Bre'se noch überhöht waren und deshalb

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Bg. Großen-Buseck, 18. Olt. Im Saale des Gastwirts Wagner fand heute eine reich be­schickte Dbftausftellung für die Gemarkung Großen-Buseck statt. Leiter der Veranstaltung waren Flurschütz Pfeiffer und Schloßgärtner M e n z. In geschmackvoller Weise waren in der Hauptsache Aepfel und Dirnen zur Schau gebracht. Auch einige Gläser Eingemachtes und sogar Ge- müsetöpfe von erstaunlichem Umfang waren aus- gestellr. Tafelobst bis zu den edelsten Sorten, sowie Wirtschastsobst war in gleicher Rcichhalkig' feit vorhanden. Die Preisverleilung war von zwei Herren der Landwirtschaftskammer vorgenommen worden. Den Ehren und einen ersten Preis erhielt Baron Nordeck zur Rabenau. Auch die Gemeinde Großen-Buseck wurde mit einem ersten Preise ausgezeichnet. Eine weitere be­deutende Zahl erster, zweiter, dritter Preise und lobender Anerkennungen wurde Ausstellern aus unserer Bürgerschaft verliehen. Die große Zahl der Aussteller, wie die Güte des Materials bewiesen, daß der Obstbau in unserer Gemeinde bereits auf bedeutender Höhe steht, und doch dürste die Ber- anftaltung vielen Besuchern neue Anregung und Belehrung gegeben haben. Man trägt sich mit dem Gedanken, im nächsten Jahre abermals eine Aus­stellung vorzunehmen. Es wäre wünschenswert, daß dann auch der O b st - und G e m ü s e Ver­wertung größere Aufmerksamkeit zugemendet wurde,

L i ch . 13. Olt. Ein schweres Aerger- nis erregender Vorgang spielte sich heute nach­mittag in einer der lebhaftesten Straßen unseres Städtchens ab. Zwei dem Anschein nach etwa 18- bis 20jährige, also demnächst wahl- reife Burschen, wie man hörte aus dem nahen Hof Colnhau'en, hatten wohl am Samstag ihren Wochenlohn bekommen und wußten nun nichts besseres damit anzufangen, als dem Alkohol so stark zuzusprechen, daß sie nicht nur von einer Seite der Straße zur anderen tortelten, sondern sich beim Regen im Straßens chlamm wälzten und bei jedem Versuche, sich zu er­heben, wieder zu Boden fielen. Der Vorgang haste eine vielköpfige Menschenmenge hinzu- und an die Fenster der Nachbarschaft gelockt. Als die behördlichen Organe von dem Vorfall Kennt­nis erhalten hatten, griffen sie sofort ein und schafften die üblen Burschen in Rümmer Sicher, wo sie ihren Rausch ausschla'en konnten. Hoffent­lich wird den traurigen Helden noch ein gehöri­ger Denkzettel verabreicht. Aber man muß doch auch fragen: Sollte man den gewinnsüchtigen Verabreichet: des Alkohol-Giftes nicht mit an- klagen, der sich nicht entschließen kann, solch jungen, unselbständigen und unfertigen Menschen rechtzeitig zu sagen: ..Jetzt hast du genug, geh beim!, und ihnen gegebenenfalls die Türe zu weisen?

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 19. Oft. Auch in dem begin­nenden Wintersemester werden eine Anzahl hiesiger Vereine, wie der Volksbildungsverein, der Ge- fchichts- und Altertumsverein, der Verein ehe­maliger Au-? iftinerschüker eine Reihe gemein­verständlicher Vorträge veranstalten. Den Reigen eröffnete jetzt der Volkbildungsver- e i n mit einem Vortrage von Unioersitätsprofeffor Dr. Schaum über dieEntwicklung der Himmels­körper". Der Redner wußte das an und für sich nicht leichte Thema, welches an die Auffassung der Zuhörer ziemlich starke Anforderungen stellte, so zu beleben, daß man seinem Vortrage bis zum Schlüsse mit Aufmerksamkeit folgte. Gerade die Forschungen der letzten Jahre hätten so bedeutende Fortschritte gezeitigt, daß man mit Recht von einem Jahrhundert der Astronomie sprechen könne. Der Redner gab ein anschauliches Bild der Methode, die Entfernung, Helligkeit, Größe und Temperatur der Gestirne festzustellen, und ging zum Schluß an der Hand einer Reihe von Lichtbildern auf das eigentliche ThemaDie Entwicklung der Himmels­körper" ein. Zum Schluß konnte er mit Genug­tuung feftftellen, daß deutsche Forscher an den Er­rungenschaften dieser Wissenschaft und an dem Bau der dazu benötigten wissenschaftlichen Instrumente den hervorragendsten Anteil hätten.

c. Rockenberg, 18. Oft. Unter reger Teilnahme der ganzen Devölke-ung beging gestern der Geistliche Rat Dekan Waldmann sein 2 5 jähriges Ortsfubiläu m. Feierlicher Gottesdienst unter Assistenz vieler Geistlicher sowie des Domprobstes Schreiber, Worms, leitete die Feier ein, die eine Versammlung im Gasthaus zur Gerste" beschloß. Die Verdienste des greifen Jubi'ars umfassen neben der Orts-

Wie Felsen stehen diese Giganten-Häuser in der Brandung der Weltstadt: Symbole einer Zeit, deren Technik wir aufrichtiger bewundern könnten, wenn wir nicht wüßten, dah sie an ihren eigenen Rekorden krank geworden ist.

Auch in Deutschland hat das Hochhaus, das der jungen Architektengeneration monumentale A"sgaben stellt, seine ersten prominenten Zeugen erhalten. Am Hamburger Hafen wuchten massig das Chilehaus und das Dallinhaus empor. Und soeben ist man in Hamburg, wo der alte Han­seatengeist in unzerstörbarem Wagemut Ver­lorenes zurückerobert, dabei, ein Messehaus zu errichten, das all'wd-ngs nicht eigentlichen Messe- Zwecken, sondern den deutschen Ausfuhrindustrien dienen und ein Treffpunkt der ausländischen Käufer fein soll. Der Hamburger Architekt Her­mann Distel hat den Plan entworfen: aus zwei nennstöckiaen Häusern ba"t s'ch ein elfstöck'ges auf, und auf diesem ruht ein breiter 25stöckiaer Turm. In diesem Riefengebäude, das eine Mittelstadt an Einwohnern bergen kann, werden 58 Auf­züge den Verkehr vermitteln und zahlreiche Lastenaufzüge eingebaut sein, 60 000 Glühlampen werden am Abend leuchten, dreißig Millionen Wärmeeinheiten pro Stunde die Heizung be­wirken. Cs w'rd ein Dau sein, der Ausstellungs- fäle, Kongreßhallen, D''reauräume. Banklokale, Restaurants, Post. Telephonamt und alles andere umfaffen wird, was zu einem solchen Riesen­geschäftshaus gehört, wobei noch erwähnt sei. daß man in etwa sieben Jahren das Werk vollenden will.

Das Kölner Hochhaus, das Jakob Höfer baute, war in einem Jahr fertiggestellt. Und schon plant Köln ein neues Hochhaus an der Hängebrücke, das freilich ftarf umstritten ist, weil man fürchtet, daß das historische Kölner Stadtbild mit feinen wundervollen Domtürmen

feclforge auch die große Arbeit als Anstalts- gciftlia;er im LaadeäzuchthauS Mar'.enichloß. Die'er Tage verschied nach schwerem Leiden unser Lehrer I. Weil, dec feu nahezu sieben Jahren in unserer Gemeinde gewirst hatte. Ein im Kriege zugc ogenes Leiden setzte seinem hoff- nungsvollen Le'en im 30. Lebensjahr ein Ende. Unter Teilnahme der ge'a-ntcn Lehrer- und Schülerschaft wurde er von hier aus nach seinem nahen Heimatsort Oppershofen zu Grabe getragen.

Kreis Büdingett.

ub. Ridda. 19. Oft. In der hiesigen Kirche sand gestern baS Jahresfest der O st a s i e n - M i s s i o n statt. Vormittags pre­digte im Festgottesdienste Pfarrer Marr aus Darmstadt über die Frage: ..Wer Mission trei­ben soll, um die noch zu zwei Drittel heid­nische Menschheit ucr Erde zum Christentum zu bekehren?" D.e Antwort lautete, daß. jeder Gläubige dafür wirken und werben soll und kann. Oiatürlid) fann hierbei stets nur ein be­stimmtes Gebiet der Heiden nach und nach be­arbeitet werden. Redner lenkte deshalb die Zu­hörer nach 0 st a s i e n. insbesondere nach Ja­pan und C h i n a, schilderte die dort herrschende Rot. weit den Menschen die ilrlräftc des Christentums fehlen, und bat um Hilfe, damit die Bekehrung der beiden Kulturvölker, der Ja­paner und Chinesen, in Erfüllung gehe. An den Hauptgottesdienst schloß sich ein Kinder- gottesoienst an. in dein Pfarrer Hoch von Selters den Kindern von der Dekehrung der Javaner und ihrem Heidentum erzählte, ihn 2 ilhr nachmittags hielt Misfionsinfpeltor De- v a r a n n e aus Berlin einen gutbefuchten Vor­trag überAnteil der Mission am Reubau der Menschheit". Pfarrer Lauf von hier erstat­tete den Jahresbericht. Abends um 8 ilhr be­gann ein zweistündiger Lichtbildervortrag über ..Kulturbilder aus dem zerstörten Javan^'. wo­bei die obengenannten Geistlichen Ansprachen hielten. Besonders verdient hat sich der P o- s a u n e n ch o r W a l l e r nh a u se n bei den Veranstaltungen durch die schönen Chöre ge­macht. Obgleich der Verein erst lurze Zeit be­steht, verdient er und fein rühriger, für die gute Sache begeisterter Dirigent volle Aner­kennung und Lob.

SU'eie Alsfeld.

H Alsfeld. 12. Oft. Entschiedenes Pech hatte der Hessenfliegerverein fsir Luftfahrt in Darmstadt mit dem von ihm in Alsfeld re anftaltete r Flugtage. RaH- dem am Sonntag vor v erzehn Tagen die damals vorgesehene Flugveranstaltung ausfallen mußte, weil das einzige erschienene Flugzeug am Tage zuvor nach einer Rek'amefahrt bei der Landung in nächster Rähe des Flugplatzes abgestürzt und in Trümmer gegangen war, fiel die auf den gestrigen Sonntag verschobene Flugver­anstaltung wiederum aus. In großer Reklame hatte der Hessenfliegerverein noch am Freitag bekanntgegeben, dah das Publikum für den ausgefallenen Flugtag am 4. Oktober durch ein besonders reichhaltiges Programm am 18. Oktober entschädigt werden solle, daß drei Flug­zeuge mit den berühmtesten Kunstfliegern bei jeöer Witterung erscheinen würden, und daß mehrere Fa'hchirmabsvrünc-e gemacht werden soll­ten. Leider ging dieses Versprechen aber nicht in Erfüllung. Rachdem es bereits nahezu 3 Tlhr nachmittags geworden und immer noch kein Flugzeug erschienen war, tauchte gegen 3 Ähr endlich eine Flugmaschine am Horizont auf. Es war dies ein Dietrich-Eindecker, ge­steuert von dem Besitzer selbst, Herrn Dietrich aus Kassel. Des wartenden Publikums bemäch­tigte sich einer freudigen Erregung, die aber la'd eine* schmerzli 'e i Enttäuschung Platz ma^en sollte. Die beiden anderen angekündigten Flug­zeuge blieben nämlich aus, angeblich durch ..hö­here Gewalt" verhindert infolge ungünstiger Witterung. Da mit der D^etrich-Malchine aber keine Kunstflüge ausgeführt werden konnten, mußte der Flugtag zum zweiten Male a u s f a 11 e n. Als d'es bekannt wurde, gab das tausendköpfige Pubß'um feinen berechtigten Un­willen in für die SjeTfenflieger wenig schmeichel­haften Ausdrücken kund. Der Vorschlag der §effenfliecer, unter diesen Umständen die Flug- Veranstaltung nochmals zu versch'e'en, und zwar auf den nächsten Sonntag, wurde von dem Ver­treter des Kreisamts und dem Bürgermeister abgelehnt, da man sich der Gefahr eines abermaligen Ausfalles nicht aus'etzen wollte. So mußte gegen 4 Uhr die Geschäftsleitung der Heslenflie'er der immer ungeduldiger werdenden Zuschauermenre schließ'ich d'e wenig angenehme

durch das neue Hochhaus beeinträchtigt werden könnte. Inzwischen ist das Bauprojekt zurück­gezogen worden, und es soll demnächst von der Dauherrin (F'rma Tietz) ein beschränkter Wett­bewerb veranstaltet werden.

Ferner ist beabsichtigt, in Leipzig, und zwar mitten im Duchgewerbeviertel, ein Hochhaus zu errichten: einen Duchpalast für das graphische Gewerbe, dessen Mittelbau 12 und dessen Flügel­bauten 6 Stockwerke umfassen sollen.

Inzwischen ragöst bereits in Düsseldorf und Bremen Hochhäuser empor und prägen in daS Straßenbild b efer Städte ihre kraftvollen Linien. Der Potsdamer Architekt Poelz'g hat für ein etwa zwanzigstöckiges Hochhaus in der Fr'edrich- strahe in Derlin einen Entwurf geliefert, der die monumentale Wirkung des Rw'enha>'ses deutlich zeigt. Weitere Hochhäuser find das Lochnerhaus in Aachen und i):e Essener Börse.

Würden diefe Hochhäuser lediglich der pa­thetische Ausdruck des Krastwillens fein, so würde die schw'.erige Wirtschaftslage es von selbst ver­hindern, daß die Häuser in den Himmel wachsen. Ihre Errichtung ist jedoch in hohem Maß eine wirtschaftliche Rotwend'gkeit und eine Frage des Bodenraums. Unbestreitbar bedeuten diese Hoch­häuser, die dem Antlitz der modernen Großstadt einen neuen, bisher unbekannten Zug geben, der neue Maßstäbe schafft, einen neuen Weg der stadtbaulichen Entwicklung und eine Antwort auf die Forderung nach der Gestaltung ne'lzeitlicher Lebensbedingungen, d'e man in die Worte zu- fammengefaßt hat: Wohnen, Arbeiten. Erdölen. Die Verwirklichung des Gedankens, Arbestsstäbt« und Wohnstädte zu trennen, um dem Mensche« unserer Tage eine Reugestaltung seines ä uh-wen Gebend zu ermöglichen, ist ungebahnt Das Ziel ist erkannt, der Weg beschritten. Allerdings, des Weg ist weit