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m. 194 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Englands gefährdetes Weltgeschäft.

Von Prof. Dr. Hermann Levy (Berlin).

Unter dem Vorsitz von Sir A. Balfour und der Mitwirkung der bekanntesten englischen Wirtschafts- ftaiistiker tagt ein Ausschuh, der sich mit der Lage des englischen Auhenhondels be|chaftigt. Denn man hat in England nachgerade das beunruhigende Ge­fühl bekommen, dah die Krisis des Wirtschaftslebens nicht, wie man zuerst vermeinte, den Charakter einer vorübergehenden, durch Nachkriegswehen bedingten Episode" an sich trägt, sondern bedauerlicherweise Züge und Symptome sowie auch einen Intensitäts- grab aufweist, der durchaus an eine chronische wirtschaftliche Erkrankung gemahnt. Diese Aufsossung ist auch neuerdings wieder durch eine viel beachtete Rebe des bekannten Wirtschafts- Politikers Str Allan Smith verstärkt worden, in welcher an Hand der Ziffern der Zahlungsbilanz darlegte, dah bereits im Jahre 1924 das zu neuen Investierungen aus der Zahlungsbilanz zur Ver­fügung flehende Kapital auf 20 Millionen Pfund Sterling herabgesunken sei, während cs im Jahre 1913 über 180 Millionen betrug, und dah im Jahre 1925 infolge weiterer Verschlechterung der Handels­bilanz sich ein Defizit der Zahlungsbilanz von zirka 30 Millionen Pfund Sterling ergeben werde. In der lat: Die letzten Ziffern zeigen, dah England in der ersten Hälfte 1925 für über 70 Millionen Pfund Sterling mehr ein- als ausführte, eine Zunahme des Einfuhrüberschusses von nicht weniger als 52,9 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 1924, wäh­rend durch die gesunkenen Frachtraten und andere Umstände dieunsichtbaren Ausfuhren" vermullich geringer sein werden als im Vorjahr. Dieser Zustand eines tatsächlichen Defizits aus der Zah­lungsbilanz ist für England ein völliges No­vum.Wir sind bei einem Punkte angelangt, wo wir die Liquidierung unserer nationalen Guthaben ins Auge fassen und von unserem Kapital leben müssen. Wenn nicht etwas geschieht, was unjere Ausfuhr zu beleben vermag, so muh nach einiger Zeit das Resultat der Bankerott fein. Man begreift, dah wir von Anlagen, die wir realisieren müffen, keine Zinsen mehr erhalten können." So sprach Sir Allan Smith. Inzwischen ist der erste Bericht der obengenannten Kommission erschienen, die mit zur Beantwortung der Frage beitragen soll, ob etwas geschehen kann, umdie Ausfuhr Englands zu beleben".

Der Ausschuh ist sicherlich mit Recht von der An- sicht ausgegangen, dah man eine Krankheit nicht heilen kann, ohne sich über ihre Art und ihre Ur- fachen klar zu sein. Auch der englische Export­schwund, hat wie so manche solcher Krankheiten einen zunächst trügerischen Schein. Die Wertzisfern der englischen Ausfuhr erscheinen zunächst nicht un­günstig. Der Wert der gesamten Ausfuhr aller in die Weltwirtschaft verflochtenen Staaten wird für 1913 auf 4035 Millionen Pfund Sterling geschätzt, für 1923 auf 5299 Millionen. Das ist ein Zuwachs von 31 Prozent. In diesen beiden Jahren betrug der Wert der englischen Ausfuhr 525 Millionen und 743 Millionen Pfund Sterling, also einen Zuwachs von 41 Prozent! Würden diese Ziffern etwas be­deuten, so wären beute nicht über 1 300 000 Arbeiter in England ohne Arbeit. In Wirklichkeit haben diese relativistischen Zohlen keinen Wert, da sich seit 1913 die Preise der Ausfuhrerzeugnisse so geändert haben, doh ein wirklich stichhaltiger Vergleich nur in den Mengenzissern gesucht werden kann. Der Ausschuh hat das englische Handelsministerium veranlaht, diese Ziffern mühselig zu berechnen, und die Ergebnisse sind schlagend. Legt man den englischen Ausfuhr- zisfern von 1924 die Preise von 1913 zugrunde, so 'verhält sich die Ausslchr wie 100 zu 75,5, der abso­lute Wert wie 525 Millionen Pfund Sterling zu 396 Millionen. Gleichzeitig zeigt sich bei der Mengen- cinsuhr das Umgekehrte. Hier ist die Prozentziffer höher als im Jahre 1913.

Was sind die Ursachen dieses Ausfuhrschwundes? Zunächst die Erschlaffung der weltwirtschafllichen Kaufkraft, die in erster Linie in den wirklich ver­armten Ländern zu konstatieren ist. Ruhland ist hier­bei in erster Linie zu nennen, da es im Jahre 1913

Amsterdam.

Von Mansred Hausmann.

Die Amsterdamer Eingeborenen jtreitens zwar ab, aber cs hilft nichts: Die Stadt stinkt. Man er­innere sich an jenen Absatz des Geographiebuches, der da ansangt:Amsterdam ist auf Pfählen er­baut. Das königliche Palais benötigte deren allein vicrziglaufenb." Da haben wir's! Das Unterste des Ortes'bestehl aus gärendem Morast, aus fauligem Brackwasser, aus graugrünem Schlick. Die Amstel tut so, als flösse sie hindurch, das dunkle Oerooge des Zuidersee flutet zuweilen hinein und ebbt wieder weg, die Grachten schillern schwarz, und aus alledem erhebt sich, von feuchter Fäulnis umwittert, die alte Stadt herauf, violett und düster zutiefst, dann ein wenig freundlicher ins Gelbe und Graue spielend, Baumkronen und Giebel durcheinander, und dann in durchbrochene Kirchturmspitzen sich oerflückstenb, um schließlich als Glockenspielmusik, die mit schim­mernden Taubenschwärmen emporweht, im gold­braunen Aether zu verklingen. Aber auch dies oberste, zarteste melodische Gold riecht noch leise nach dem Schlick der liefe. Es steht zu vermuten, dah selbst der liebe Gott, wenn er nachts in Filzpan­toffeln durch seinen Himmel geht, an einer gewissen Stelle anhält, mit der Nase schnuppert und denkt: Aha, jetzt bin ich über Amsterdam.

Nachmittags bestieg ich ein Schiff und fuhr auf den Grachten hin. Central-Spoorweg-Station, Dube Kerk und Nieuwe Beurs, alle nahe beieinander ge­legen, bilden etwa den Mittelpunkt, um den die Grachten sich in immer weiter ausholenden, konzen­trischen Halbkreisen herumziehen. Radiale Kanäle, die halbkreisförmigen senkrecht durchschneidend, stohen gegen die Peripherie vor und verlieren sich draußen in den Weiden, in den Blumenfeldern . . . Alle die Bogen aber öffnen sich nach dem Hafen zu, der, in viele Becken gegliedert, um die Jj-Bucht der Zuidersee übersichllich herumgeordnet ist.

Ich fuhr auf den Grachten hin. An ihren Ufern stehen Ulmen, die sich gegen das Wasser neigen und es verträumt machen, dann kommt beiderseits ein wenig Straße und dann ragen hochgegiebelte Häuser, aus Klinker oder porösen Backsteinen gebaut, empor. Den Klinker läßt man nackt, den Backstein streicht man lilaschwarz an. Das gibt im Zusammenklang mit dem schwarzen Wasser ein schwermütiges Bild. Run treiben aber auf den Grachten die buntesten Schifte entlang, die mit ihren grünen, gelben, roten

für 18 Millionen Pfund Sterling, im Jahre 1924 für knapp 4 Millionen trotz gestiegener Preise von England bezog. Aber auch Deurschland mit einem Bezüge von 42,6 Millionen Pfund Sterling gegenüber 40,6 Millionen im Jahre 1913 bietet unter Berücksichtigung der veränderten Preislage nicht das Bild früherer Kunbschcni. Dazu kommen die Länder, derenAermerwerden- heute noch durch eine Inflation überdeckt wird, die in einer schlechten Valuta zum Ausdruck kommend natürlich abschreckend gegenüber der Sterlingwaren­einfuhr wirkt. Italien z. B. kaufte nur für 17,6 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1924 gegenüber 14,6 Millionen im Jahre 1913, was kein günstiges Resultat ist: nur Belgien und Frankreich zeigen vor- teilhaftere Resultate als Kunden Englands. Dagegen wirkt in überseeischen Gebieten der gesteigerte Pro­tektionismus, die Einbürgerung vieler Industrien während des Krieges, die zuvor nicht ober nur in geringeren Ausmaß existierten, cnglanbfeinblid). Berechnet man z. B. bie prozentuale Belastung der Zölle auf den Wert der Einfuhr englischer Waren, so ergibt sich, daß diese Belastung in den Vereinigten Staaten von Amerika von 194 Prozent im Jahre 1913 auf 32 Prozent im Jahre 1923 gestiegen ist, in Indien sogar von 2j Prozent auf 10j Prozent, in Australien von 64 Prozent auf 9z Prozent. Das sind natürlich schwere Fesseln, die der englischen Ausfuhr auferlegt sind. Zu dieser Verdrängung der Einfuhr englischer Waren durch heimische Erzeugun- gen tritt aber als letztes, wenn auch keineswegs min- berroertiges Moment ber Wettbewerb neuer Konkurrenten in ber ganzen Welt. Gerabe für biefer Frage sind die neu veröffentlichten Ziffern überaus wichtig. Einige besonders markante Zi'sern seien hier herausgegriffen. Die Vereinigten Staaten ron Nordamerika bezogen im Jahre 1913 mehr als 16 Prozent ihrer Einfuhr aus England, im Jahre 1923 nur mehr 10,66 Proz., vermutlich, weil sie mehr aus Kanada und dem fernen Osten kaufen: Kanada wiederum bezieht nur 17,21 Proz. im Jahre 1923 aus England, im Jahre 1913 noch 21,36 Proz., weil es vermutlich sich stärker als damals an die Vereinigten Staaten anlehnt: bie fübamerifa- Nischen Staaten weisen fast burchgänaig ganz erhebliche Rückgänge in ihren prozentualen Bezügen aus Englanb auf; eine Ausnahme bilbet Bra - filien; Argentinien bagegen bezog im Jahre 1913 über 31 Prozent feines Wareneinfuhrwertes aus Englanb, im Jahre 1923 nur noch 22,68 Proz., Chile statt 30,02 Proz. nur 23,09 Proz., Peru statt 26,26 Proz. nur 20,28 Proz. Starke Rückgänge bes prozentualen Anteils Englanbs an ber Gesamt­einfuhr ber betreffenben Länber finben sich auch hn fernen Osten, in: Britisch-Inbien, China, Japan, Siam, Nieberlänbisch-Inbien, Ceylon unb ben Straits-Settlements. Hier macht sich zum Teil ame­rikanische, zum Teil bie Konkurrenz bes fernen Ostens selbst bemerkbar. Gegenüber biefen Ergeb­nissen scheint das alte Europa heute England be- beutend treuer geblieben zu sein. Man findet, daß in Holland, Belgien, Frankreich, ber Schweiz, Portu- gal (nicht in Italien unb Spanien), Deutschland» unb Dänemark (nicht in Schweben unb Norwegen) ber prozentuale Anteil Englanbs an ber Gesamteinfuhr heute zum Teil erheblich größer ist als im Frieben. Aber ob diese Gebiete entschädigen können? Mit 246 Millionen Pfund Sterling machte im Jahre 1924 bie Ausfuhr Englanbs nach (nichtbritischen) Gebieten in Europa boch erst ungefähr ein Drittel ber Gesamteinfuhr aus. Auf eine allzu große Kom­pensierung überseeischer Verluste burch ben euro­päischen Markt ist also wohl kaum zu rechnen.

Der Bericht bes obengenannten Ausschußes, bem es als hohes Derbienst anzurechnen ist, baß er bas hier skizzierte neue Zahlenmaterial gebracht hat, ist natürlich in seinen Schlußfolgerungen sehr vorsichtig gewesen. Dennoch läßt sich erkennen, baß er nicht zu optimistischen Schlüssen Anlaß gibt. Eine Reihe von Tatsachen zeigen, baß Englanb burch bie Er­eignisse unb Fermchrkungen bes Weltkrieges weit- wirtschaftliches Terrain in weitem Umfange verloren hat, unb baß kaum Aussicht besteht, biefe Verluste feines Weltgeschäftes roieber einzuholen. Wo sich in der Welt eigene Industrien fjerausgcbilbet haben, wo einmal ber Wettbewerb einer neuen Macht, be- fonbers so energischer Exporteure wie biejenigen ber Vereinigten Staaten von Norbamerika es sinb,

unb blauen Farbflecken einige Anmut in bie Düster­nis bringen. Vielleicht gleiten auch ein paar Blumen- kühne oobei, bann beben einem bie Augenliber vor Entzücken.

Ich fuhr auf ben Grachten hin . . . Alle Minute hatte ich bie stillsten und seligsten Durchblicke unter schwarzen Brückenbogen, über die ein Ford-Auto nach dem anderen schwirrte, in bie leuchtenbe Hellig­keit einer Seitengracht: Das Wasser spiegelte Pa- trizierhäuser unb zitternbes Ulmengrün ab, ber zitronenfarbene Bug einer Schute ragte hinein, ein buntelroter Blumenkelch schaukelte sich auf den klei­nen Wellen, Golblicht sickerte in ber Ferne herab: Da war ich schon vorbeigeglitten. Neue Hintergrünbe taten sich auf.

Unb über bie Grachten geht jebe Viertelskunbe bas Geläut vieler Glocken, ein verschwebenber Klang zuerst, bann eine langsame Melobie, wie von zögem- ber Kinberhanb gespielt, ein Bauern tanz, ein Choral, ein morgenbliches Marschlied ober ein schläfriger Abenbsegen. Rechter Hanb ein Aehnliches, linker Hanb, schon ferner, ein Anberes, ganz bahinten ein Drittes. Kling . . . kling, kling, klang . . . klong, tlong . . .

Millen auf bem Dam, einem Platz, über ben ber Hauptverkehr Amsterbams flutet, entbedte ich ein Kasperletheater. Da mischte ich mich geschwinb in bas Getümmel, bas sich vor ber Bube zusammen- brängte, unb ftubierte bie Gesichter ber Bürger, wie sie, vornehm unb gering, zu bem Schelmenspiel emporlachten unb von Spaß zu Spaß sorgloser unb behaglicher würben. Gute Stabt, gute Leute, gute Obrigkeit! Wer bürste es wagen, in Berlin etwa auf bem Potsbamer Platz bergleichen zu unternehmen! Was ber Kasper mit bem Polizisten, seinem Weibe, bem Teufel unb sonstigen Wibersachern für Reben wechselte, blieb unverständlich. Das Ende war wie überall in ber Welt, baß er alles miteinanber zu­sammenschlug, wosem nicht ein Deus ex Machina eingriff, ber in Gestalt eines Affen im Hintergrund» ber Bühne sein Wesen hatte unb größtenteils gleich­gültig breinschaule, manchmal aber, ebenso gleich­gültig übrigens, mit seinen Hänben ben Kasper, byi Tob ober wen es gerabe traf, aus ben Angeln hob. Darüber freuten sich bie erwachsenen Kinder ganz unbänbig, sie schwenkten wahrhaftig Hut unb Mütze unb schrien hurra.

In einer Seitenstraße'fuhren zwei Männer eine gewaltige Orgel auf. Kaum hatten sie sich ein wenig mit ihrem Tschingsbada vernehmen laßen, so blieb ber erste beste Halbwüchsige, ber vorbeischlenberte,

auf bem Einfuhrmarkt erschienen ist, wo junge Länber (unb auch solche, an deren Schaffung Eng­land selbst in denFriebens"oenräaen mitgewirkt hat) bas Elixier der Schutzzölle sich angewöhnt haben ist kaum mit einem Umschwung zugunsten englischer Ausfuhrinteresien zu rechnen. Das darf aber nicht so gebeutet werden, daß der englische Außenhandel durch eine Aenderung der Weltwirt­schaftskonjunktur nicht doch gegenüber seiner heu­tigen Lage eine wesentliche Besserung erfahren könnte. England ist heute noch das Land besonders hochwertiger Fertigiabrikationen. Andererseits ist es die typische Folge der Verringerung des weltwin schastlichen Reichtums, daß ein Dedarfsrückgang ge­rade in diesen Erzeugnissen stattgefunden hat. Ein neu einsetzender Reichtum in der Weltwirtschaft würde sofort die Nachfrage nach hochwertigen Duali- tätsroaren wieder erhöhen und damit die englische Ausfuhr fördern. Bis zu welchem Grade eine solche Entwicklung ben alten Höhepunkt der englischen Handelsbilanz roieberbringen kann, ist nicht an- nähernb zu sagen. Denn hierfür ist ja roieberum maßgebend, ob mit biefer Steigerung ber Ausfuhr- möglichkeiten eine Verbilligung ber Nahrungsmittel- unb Rohstoffeinfuhren oerbunben fein würbe. Aber eines kann schon heute gesagt werben: Englanb wird alles tun müssen, um gerabe in feinen Fertigsabri- fationen eine Ermäßigung ber Probak­tiv n s k o st e n , also ber Preise, zu benen es an­bieten kann, zu erzielen. Beschreiten hingegen seine Gewerkvereine, wie es seltsamerweise ben Anschein hat, ben Weg, ihre wirtschaftlich, b. h. vom Stanb- punkt ber Rentabilität nicht tragbaren Forberungen burch staaatliche Subventionen künstlich zu erhalten, so wirb bie englische Gesamtheit für bie badurch möglich gemachte Konkurrenzfähigkeit schwer zu be­fahlen haben, unb es wirb nur aus ber einen Tasche genommen sein, was man ber anberen- zusteckt.

Turnen, Sport und Spiel.

Schwimmen

in der Deutschen Turnerschaft.

Ein Schwimmfest des Gaues Heffen in Vab-Nauheim.

Bab-Nauheim, 17. Aug. Gestern fanb hier bas erste Schwimmfest statt, bas wohl als eigentliche Einweihung bes neuen stcibtischen Son- nenbabes galt. Die Veranstaltung, zu ber der Turnverein 1860 eingelaben hatte, war gauoffen. Gute Vorbereitung unb tatkräftige Mitarbeit be­währter Kampfrichter, vor allem auch bie umsich­tige Leitung burch ben Gauschwimmwart bes Gaues Hessen, Franz Sauer (Gießen), sicherten bem Fest einen glänzenben Verlauf. Das hiesige Publikum, bas in ungewöhnlich großer Zahl er­schienen war, nahm sehr regen Anteil an ben fpannenben Wettkämpfen. Die Schwimmbahn eignet sich, wie ber heutige Tag erwiesen, für ber- artige Veranstaltungen in geradezu hervorragender Weise. Die gebotenen Leistungen bei den Wett­kämpfen waren recht zufriedenstellenb, vor allem, wenn man in Betracht zieht, daß dasTurnen im Wasser" im Gau Hessen erst seit kurzem die ihm gebührende Pflegestätte gefunden hat. Nach dem Wettschwimmen wurde, wie dies bei Schwimmver- anftaltungen ber D. T. Brauch ist, ein Rettungs­schwimmen im Sinne ber Deutschen Lebens- rettungsgesellfchaft prakttsch vorgeführt. Auch Was­serspiele beluftiaenber Art fehlten nicht aur Unter­haltung ber Zuschauer. Die Siegeroertünbigung am zlbenb leitete Gauschwimmwart Sauer mit Worten bes Dankes an ben oeranftaltenben Verein ein, fer­ner zollte er ber Stabtoerroaltung Bab-Nauheim befonbere Anerkennung für bie mustergültige An­lage, bie sie in bem stäbtifchen Sdjroimmbab für bie Allgemeinheit geschaffen hat.

Aus ben Erfolgen bei ben Wettkämpfen war neben bem Turnverein Wetzlar, ber allein 30 Siege errang, vor allem ber Turnverein 1 8 4 6 Gießen in hohem Maße beteiligt. Nach- folgenb bie Ergebnisse im Auszug:

Turnerinnen.

5 0 Meter 18 ruft (8 Bewerber). 1. Sieg M. Römmelt, T. u. Spo. Butzbach, 52 Sek.; 2. Guftel

flehen, ergriff bas erste beste Mäbel, bas vom Rabe sprang, anbere taten s ihm nach, unb im Nu war ein kleines Tanzfest arrangiert. Die Orgel trommelte, posaunte unb tirilierte. Neues Volk strömte herbei unb wiegte sich im Takt, bis plötzlich ein Pfiff er­scholl, auf ben alles sich loslieb und harmlos umher- stanb. Zwei Polizisten, benen man ansah, baß sie wußten, was bie Glocke geschlagen hatte, schritten grimmig-gutmütig vorbei. Kaum waren sie um bie Ecke, so begann bas Fest von neuem. Hoch oben wehten auf einem Warenhause bie Flaggen Deutsch- lanbs, Amerikas, Englanbs, Frankreichs . . .

Am lustigsten geht es abenbs in ben winkligen Quartieren zu, bie sich von ber Düben wert über ben Nieuwen Markt gegen bas Iubenviertel hinziehen. Dort wohnen, beiläufig gesagt, bie galanten Ttäb- chen Amsterbams, bie allerlei Herumtreiber an- locken, hort ist in jebem brüten Hause ein Ausschank, ein Lunchroom, eine Bierstube ober sonst etwas biefer Art, bort ist auch bas Viertel ber Armen, bie nicht gern zu Hause hocken, so baß an Lärm unb Gedränge kein Mangel herrscht. Die richtige Stim­mung kommt aber erst auf, wenn sich etwa ein Trupp Heilsarmeeleute mit schwirrenden Tambu­rinen, schrillen Mädchenstimmen und einem trans­portablen Harmonium im Gossenstein etabliert, um mit Leidenschaft für religiöse Erweckung zu sorgen. Dann leeren sich die Kneipen, jedermann strömt her­bei und ist derbe bei der Sache . . . . . . . . . Als ich dort umherstrich, traf es sich, daß derSoor Caecilia" ein Auszug von etwa zweihundert Menschen mit drei Musikkapellen, einem Mundhar- monikaorchester und einer Schar Trommler und fßfeifer durch Dirnen, Heilsarmee unb alles Volk hinburchstampfte. Obwohl bas Geschiebe gerabezu be- ängstigenb würbe, bachte kein Mensch baran, bem Soor" seinen Marsch übel zu nehmen, im Gegenteil, alle Welt freute sich unb fang bie Melobien mit, so gut es gehen wollte. Da tat benn basSoor" bas (einige unb zog an bie fünf-, sechsmal bie Gassen auf unb nieber, mit sämtlichen Instrumenten zu­gleich musizierenb, mit sämtlichen Kehlen brüUenb, mit sämtlichen Backen glühenb, mit sämtlichen Augen leuchtenb. Es war Sonntagabenb, es war ein Fest, wer mochte wissen, was morgen kommen wollte. Heute mußte man außer Rand unb Banb sein, bis ber Wasserspiegel ber Grachten Wellen schlug.

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Daß Amsterbam auf Pfählen erbaut ist, merkt man am ehesten im Iubenviertel. Darm unb wann find ein paar Stützen weggesackt, die verräucherten

Donnerstag, 20. August (925

Lindenstrulh, Tv. 1846 Gießen, 3. Emma Hebrich, Tv. Wetzlar.

50 Meter Rücken (5 Bewerber). 1. E. $e* brich, Tv. Wetzlar, 55z Set.; 2. M. Römmelt, I u, Spv. Bupbach; 3. Elfe Mank, Tv Wetzlar.

Springen (2 Bewerberi. 1. E Monk To. Weylar, 294 Punkte 2. M. Gauff, Tgm. Fried« berg, 264 P-

4 mal 50-Meter-Brust staffel. 1. In. 1846 Gießen, 3,384 Min.; 2. T. u. Spo. Bugbach, 4,10? Min.

Jugendturnerinnen.

50 Meter, Brust (20 Bewerber). 1. (Bretel Scheer. Tv. Wetzlar, 48 Sek.: 2. Hanneli Weeg, Tv. 1846 Gießen: 3. Anni Pfund, To. 1846 Gießen» 6. Emmi Münnich, Tv. 1846 Gießen.

50 Meter, Freistil (12 Bewerber). 1. ®. Scheer, To. Wetzlar, 48g Sek.; 2. F. Rehm, Tn. Wetzlar: 3. Emmi Münnich. Tv. 1846 Gießen: 4. Lucie Scheel, Tv. 1846 Gießen.

Springen (11 Bewerber). 1. M. Briehl. In. Wetzlar, 24? P.: 2. G. Scheer, Io. Wetzlar, 224 P.; 3. Elfriede Münnich, Tv. 1846 Gießen, 22 P.: 4. Elli Zipp, To. 1846 Gießen 18 P.

4 mal 5 0 - M e t e r - B r u st st a f s e l. 1. In. Wetzlar, 3,28z Min.: 2. To. 1846 Gießen. 3,45z Min.: 3. Tv. 1860 Bad-Nauheim.

Turner.

100 Meter, Brust (10 Bewerber). 1. K. Sehmisch, Tv. Wetzlar und Emil Geismar, Id. 1846 Gießen, 1,34 Min.: 2. Christian Ziegler, Tv. 1846 Gießen. 1,35z Min., 3. H. Becker, Tv. Wetzlar.

100 Meter, Rucken (6 Bewerber). 1. Chx. Ziegler, Tv. 1846 Gießen, 1,39g Min.: 2. S. Seh« misch, Tv. Wetzlar: 3. K. Gerth, Tgm. Friedberg.

100 Meter, Freistil (9 Bewerber): 1. F. Fälsch, Tv. Wetzlar, 1,30z Min.: 2. F. Becker, Tv. Wetzlar ;3. E. Bareiter, Tv. 1860 Bad-Nauheim.

Springen (6 Bewerber). 1. Emil Geismar, Tv. 1846 Gießen, 41 P.; 2. K. Gerth, Tgm. Fried­berg: 3. F. Wolf, Tgm. Friedberg (außer Konkur- renz Schäfer. Tv. Wetzlar, 514 P.).

4 m a I 50-Meter-Lagen st affe 1. 1. Tv. 1846 Gießen, 2,49g Min.: 2. Tv. Wetzlar: 3. Tv. 1860 Bad-Nauheim.

4 m a I 50-Meter-Freistil staffel. 1. In. Wetzlar I, 2,42 Min.-, 2. Tv. Wetzlar II; 3. Tgm. Friedberg.

Altersturner.

50 Meter. Brust (7 Bewerber). 1. Karl Horeyseck, Tv. 1846 Gießen, 47g Sek.: K. Gawenda, Tv. Wetzlar: 3. Gg. Gerth, Tgm. Friedberg.

50 Meter Freistil (6 Bewerber). 1. Franz Sauer, Tv. 1846 Gießen, 41z Sek.; 2. Kuntze, T. u. Spo. Butzbach.

Springen (7 Bewerber). 1. Kuntze, T. u. Spv. Butzbach, 344 P., 2. Raab, T. u. Spo. Butz­bach, 31 P.; 3. D. Otto, Tv. Wetzlar, 294 P.

Jugendturner.

50 Meter, Brüst (24 Bewerber). 1. H. Sir« coulomb, To. Wetzlar, 42,2 Sek.; 2. W. Schäfer, Tgm. Friedberg; 3. H. Eghy, Tgm. Friedberg: 6. Ludwig Gerhard, Tv. 1846 Gießen.

5 0 Meter Freistil (20 Bewerber). 1. F. Nold, Tv. Wetzlar, 34z Sek.: 2. H. Sircoulomb, Tv. Wetzlar; 3. W. Schäfer, Tgm. Friedberg.

Springen (15 Bewerber). 1. F. Nold, Tv. Wetzlar, 23 Punkte; 2. V. Waldschmidt, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 22 P., 3. Fritz Werner, Tv. 1846 Gießen, Wilh. Feigel, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 214 P.

4 mal 50-Meter-Bru st staffel. 1. Tv. Wetzlar, 3,01z Min.; 2. Tgm. Friedberg.

Der Turngau Hessen bei den Schwimmeisterschaften der D.T.

Arn 22. unb 23. August werden, wie wir dieser Tage schon berichteten, im Stadion zu Frankfurt die Meisterschaften der Deut­schen Turnerschaft im Schwimmen ausgetragen. Dieses Schwimmfest der Deutschen Tur« n e r s ch a s t, für bas bie schönste beutsche Schwimm­bahn zur Verfügung steht, wirb eine einbrucksoolle Veranstaltung werben, kommen boch bie Besten aus ganz Deutschland, um ihre Kräfte im friedlichen Wettkampf miteinander zu messen.

Giebelhäuser neigen sich von hüben unb brühen gegeneinanber oder strecken ihren Bauch vor. Man glaubt, sie wollten jeden Augenblick Umfallen. Aber sie stehen schon seit Hunderten von Jahren so unb werden wohl noch eine gute Zeit ausbauem. Wenn man durch diese wackligen Gassen geht, hält man's nicht für möglich, daß hier Menschen hausen können. Fenster und Türen sind halb mit Brettern zu« genagelt, Spülicht sickert durch die Wände und tropft auf das Pflaster, soweit es sichtbar ist. Für gewöhn« lich bedecken Bananenschalen, verfaulte Kartoffeln, Heringsköpfe unb ein unbefinierbarer Dreck ben Grund ber Gassen. Hinter ben Fensterhöhlen sitzen bie Alten unb ftarren mit ber ganzen Schwermut einer uralten, unglücklichen Rasse, toten Bttcks, vor sich hin. Auf Kisten unb Fässern vor ben Türen hocken fette Mütter unb geben ihren Säuglingen ungeniert die Brüste, in ber Jauche wimmeln zahllose Kinberhorden umher, sich prügrinb, Sorten fpielenb, mit Säbel unb Gewehr militaristischen Gelüsten nachgehend, bie man hier am wenigsten vermutet. Ueberall verwest etwas. Plötzlich aber ist man ge­rabezu geblendet, wenn im Hintergrund eines Zim­mers in all dem stinkenden Wust ein von seltsamer Schönheit nur so flimmerndes Judenmäbchen auf­taucht. Man zerbricht sich ben Kops, wie es fein Kleib, feine weißen Anne, feine halbe Iugenb in dieser Pestilenz so sauber unb klar bewahrt hat. Diese Geschöpfe sinb kaum über vierzehn Jahre alt, sie tragen burdroeg Bubenköpfe unb bewegen sich mit einer unsäglich geschmeibigen Anmut. Man be­gegnet ihnen auch sonst in Amsterbam auf Schritt unb Tritt, nirgends aber tauchen sie so lilienhast empor, wie hier im Sumpf des Getto. Tauchen auf, schimmern eine Weile, lächeln ein bißchen unb finken roieber unter.

Außen um Amsterbam herum sinb neue Häuser in einer Fülle unb einer Bauweise ausgerichtet, von ber man sich als notwohnungsbedürftiger Deutscher kaum einen Seqriff macht. Besonders im Süden unb Osten, da. roo 1928 das Stadion für bie Olympischen stehen soll, fügt sich Straßenblock gigantisch kompo­niert an Straßenblock, rabifale Architektur, kubische Formen, streng herb, unromantisch, trabitionstos, eine trotzige unerhörte Formen weit, bie ahnen läßt, in welchen Ausmaßen unb Gebilden man im Zlbenb« land hinfort bauen wird. Das schießt unvermittett aus dem Blochfeld empor unb blickt stählern kalt i» die Ebene, verächtlich gegen bie Altstadt. Man benft an Spenglers Prophezeiung von trostlosen Riesen« ftäbten, unenblichen Straßenzeileu . . .

Kling . . kling. Hing, klang . . klang, Itong ,