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9. August 1925

7MV

HrJ94 Erstes Blatt

175. Jahrgang

Donnerstag, 20. August 1925

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Eröffnung der Stockholmer Weltkonferenz.

Die Begrüßungsansprache des Königs von Schweden. Die ersten Reden.

Stockholm, 19. August.

3n der Alten Kathedrale von Stock- Holm erhielt heute vormittag die Weltkonferenz für praktijchks Christentum ihre festliche Weihe.

Ein Bild von unerhörtem (glanz! Eindrücke von solcher Großartigkeit, daß sie keine schnelle Feder schildern kann. Es ist das uralte Glaubenslied der Christenheit, das Credo von Nicaea. Vor 1600 Jah­ren erklang es zum ersten Male auf jenem frohen großen Konzil der christlichen Welt, als besten Fon- seßung sich die Stockholmer Konferenz mit stolzem Kraftgesühl betrachlci.

In den fünf gotischen Langschissen sammeln sich die Nationen. Studenten mit schwedischen Schärpen sorgen für geräuschlose Ordnung. Durch bunte und weiße Bogenfenster bricht Sonnenlicht. Es wetteifert ! mit den unzähligen Kerzen, die an großen Pfeilern j flammen. Altar, Kanzel, Chorraum eine wunderbare , Lichtfülle. Magisch strahlt vergoldete Plastik. Blumen schmücken Wände und Stufen. Aber alles überglänzt die bunte Pracht menschlicher Gewänder. Die Trach- len fernster und neuester Zeiten. Goldgestickte Hof­röcke, Militäruniformen, von denen Orden und Spo­ren klirren. Daneben schlichter Anzug aus der Prosa der Gegenwart.

ilnb dann die Kirchen. Das evangelische Deutschland kennt keinen kirchlichen Prunk. Aber in anderen Ländern protestantischen Glau­ben- haben sich die alten 'Trachten aus vorrefor­matorischer Zeit bewahrt. Die englische tz o ch k i r ch c ist rot und violett gekleidet, und dann die vielen Bischöfe aus aller Welt. Sil­berne Kreuze, goldene Ketten auf schwarzen und blauen Talaren.

Große- Schweigen. Der König kommt und mit ihm die Königliche Familie. Die Königin, eine majestätische Frau aus deutschem Blut, deut­schem Königsschicksal stammverwandt. Linier großen goldenen Kronen der Hoflogen nehmen sie Platz. Rahe gegenüber die goldene Kanzel. Die uralte Gemeinschaft von Thron und Altar wird dramatisch sichtbar. Aber gewaltiger als der Ein- ,ug der Majestäten ist der Einzug der großen Würdenträger der Christenheit. ; Welch ein seltsames Bild: diele Trachten I der christlichen Führer. Hier der Frack des : deutschen Juristen mit wilhelminischen Orden. , Dort der vrthodore Bischof mit langer schwarzer ; Kapuze und den vielen Edelsteinen in der Pracht. Alle diese Geistlichen der orthodoxen Kirche Ira- 1 gen lange graue Bärte. Sie haben alle längst I das biblische Tllter überschritten und wirken hier ; wie eine Welt aus früheren christlichen Jahr- ! tausenden. Die Amerikaner ganz modern Prunk­los. geschäftlich, mit einem Worte amerikanisch. , Den Engländern der Hochkirche liest man den i schlauen Sinn für christliche Propaganda von Stirn und Gewand.

Der Gottesdienst nimmt uns erst dann und mehr und mehr mit unbewußter Gewalt ge­langen. Die Lieder ertönen fast in allen Sprachen der Welt. Aber die gleiche ; Melodie zerschnitt die verschiedenen Worte. | Auf dem Altar stehen Bischöfe und Pastoren in grünen, roten und weißen Gewändern und singen die Lithurgie. Für Evangelische aus Deutschland ! fremd, ganz fremd. Wir Deutsche haben ja von der sichtbaren Kirche nur ganz wenig behalten. )ür die unsichtbare ist dieser Gottesdienst viel­leicht nicht der richtige Ort. Kirchliche Gesänge von großer Kunst werfen ihr Echo durch die Halle.

Da steht der englische Lordbischof in Scharlach auf der goldenen Kanzel und pre­digt. Er spricht nach englischer Art sehr volls- mmlich und äußert sich viel unbefangener, als cs Deutsche tun würden, über alle großen öffent­lichen Fragen der heutigen Welt Dann kommt Diedermn die geistige Einheit statt baby­lonischer Sprachverwirrung im gemeinsamen Bekenntnis zu Gott dem Herrn. Ein großartig ^sprvchenes und mitgebetetes Vaterunser in allen Weltsprachen. Zum Schluß für uns Deutsche eine gewaltige nationale Erhebung. Das Schutz- und Truhlied der reformatorischen Kirche erklingt:(Sin 'este Burg ist unser Gott". Eie singen cs auf englisch, und sranzösisch, auf schwedisch und griechisch, auf finnisch und spanisch. Aber wir, vir eine deutsche Minderheit, singen dieses Lied o, wie cd der Dichter schuf. Sie alle singen es in der Llebersetzung, wir singen es nach den Worten LutherS.

Langsam und feierlich bewegt sich der festliche Zug hinüber zum Schloß. Ganz Stock- dvlm steht Spalier. Es ist für dieses Land einer der größten Tage in unserem Zeitabschnitt. Dor i dem griechisch-katholischen Patri - irchen trägt man zwei goldene Kronen aus den frühzeitig Frühzeiten von Byzanz. Er ist hier die geistliche Majestät, der weltlichen Maje­stät ebenbürtig und wird auch vom König als Heiligkeit besonders begrüßt.

3n den marmornen Treppenhäusern des Schlosses historischer Pomp. Dor jedem der «Säfte stehen die Soldaten in alten schwedischen -Uniformen stramm. Husaren, Kürassiere im Pan­cer, Infanterie in den Feldmützen von 1813. Dir wandern durch die Pracht dieses Königs- chlosses, durch Spiegelsäle, Galerien, durch die Schöpfungen großer Maler und Bildhauer. Wir fühlen das sichere Zusammengehen geistlicher und veltlicher Macht tiefinnerlich. Run stehen wir ii dem schmalen langen baroffen Krönungs- faal. Die Dertreter der Weltpresse, denen Schweden eine besondere Achtung entgegenbringt,

haben einen besonderen Ehrensitz nahe dem Thron. Auf der Galerie brausen Posaunen der schwedi­schen Garde auf. König und Königin, der Kronprinz, das ganze Königliche Haus erscheint in der Tracht ihres Hausordens. Minister und Staatsrat im großen Prunk. Das diplomatische Korps und alle Würdenträger. Ein Bild, über­reich an Gold und Glanz.

Dem Throne gegenüber sitzen die Sprecher der Delegationen. In der Mitte das Ober­haupt der östlichen Kirche. Erzbischof S ö b er­bt o m , ein Blondkopf von jugendlichem Feuer, grüßt in freier Rede den König in englischer Sprache. Söderblom hat ja diese Konferenz durch jahrelange Arbeit zustande gebracht. Der König verliest die große Thronrede in kurzen machtvollen Sätzen ebenfalls englisch. Zum Schluß erklärt er die Konserenz für eröffnet. Alles erhebt sich. Ein schlichter amerikanischer Pfar­rer spricht knapp und prunklos, man hört förm­lich das gehämmerte Tempo von Reuyork. Dann der englische Lord-Bischof mit dem gro­ßen Apparat englischen Weltstofses. Ein prunk­volles scharlachrotes Gewand umfaßt seine Worte. Der achtzigjährige Patriarch liest einen kurzen französischen Text mit melodischer Stimme vor. Er ist sichtlich bewegt und vielleicht am meisten ergriffen von allen.

Und bann der Führer der deutschen Delegation in deutscher Sprache, Dr. Kapler, weltmännisch vornehm und frei, sehr ausführlich. Mit deutscher Gründlichkeit geht er als einziger bei dieser Gelegenheit^ auf das Wesen der Konferenz ein. Bei der Rede des deutschen Aertreters neigt sich alles in gespannter Aufmerksamkeit nach vorne. Die erste große internationale Konferenz nach dem Kriege, in der d i e deutsche Sprache vor allerhöchster OefsenUichkeit erklingt.

Unter dem Geschmetter der Trompeten verlassen die Teilnehmer feierlich und langsam den Thronsaal und sind bann G ä st e der Ma > estäten in allen Räumen des Schlosses. Der König führt den griechi- schen Patriarchen am Arm, die Königin geht neben dem Chef der deutschen Delegation. Dann wird man stundenlang mit echt sa/wedijcher Gastfreundschaft in dem schloß bewirtet und blickt hinaus in das Son- nenlicht über den prächtigen Hafen. Der Weltverkehr zieht seine Linien hier sehr nahe am Schloß vorbei, wo sich alte und neue Welt heute im Zeichen des Kreuzes Christi die Hand reichen.

Die Eröftnungssitzu.ig.

Stockholm, 19. Aug. (TU.) Heute wurde die Weltkonferenz für praktisches Christentum nach einem Festgottesdienst in der Stockholmer Kathe­drale durch König Gustav von Schweden im Königlichen Schlosse eröffnet. Nach einführenden Worten des Erzbischofs von Upsala, Dr. So e der- blom, hielt der König folgende Ansprache:

Em. Heiligkeit! Meine Damen und Herren! Mit großer Freude heiße ich Sie, die Vertreter der Kirchen in der alten und neuen Welt, des ortho- doxen und evangelischen Christentums, in Schwe­dens Hauptstadt willkommen. Sechzehn Jahrhun­derte find (eit dem Konzil von Nicäa verflossen. Die jetzt hier nach mehr als anderthalb Jahrtausen­den tagende Versammlung hat keine weniger wichtigen Ausgaben. Sie soll angesichts der dringenden Fragen unserer Zeit, deren Lösungen der bewußten und gemeinsamen Bemühungen aller Kräfte bedürfen, versuchen, es klar hcrauszustellen, was das Christentum tun kann und tun soll. S o - ziale Fragen und internationale Probleme beschäftigen beständig diejenigen, denen die Gesetzgebung und die Regierung bei den verschiedenen Völkern anoertraut sind. Aber selbst, wenn sie gute Gesetze geben, bedeutet das nicht, baß sie wirklich ihr Ziel erreicht haben. Denn

Gesetze und Verfügungen bleiben mehr ober minder wirkungslos, solange sie nicht in den Herzen der Menschen auf echten willen und auf eine Gesinnung gegründet sind, die Liebe und Gerechtigkeit über sich selbst stellt. So müssen wir in die Herzen der Menschen den Grund für Frieden und gegenseitiges vertrauen in die Gesellschaft und zwischen den Völkern legen.

Ich möchte meine besten Wünsche für ein gutes, glückliches Ergebnis Ihres Werkes aussprechen. Möge cs Ihnen während Ihrer Verhandlungen in Stockholm gegeben fein, deutlicher als bisher den Weg zu gehen, den die Kirche zu gehen hat, um den Geist Christi in unserer gegenwärtigen, von Un­ruhe und Streit zerrissenen Welt zur Herrschaft zu bringen. Noch wichtiger ist es, daß durch Ihre Zu- sammenkunft hier die Kirchen einander nähergebracht werden. Nichts dient mehr der Einigkeit, als daß Männer, befreit von hohen Idealen, mit aufopferndem Eifer ihr Denken und Leben in Verwirklichung fegen. Mit diesen Wünschen und Hoffnungen erkläre ich die ökumenische Konfe­renz für praktisches Christentum eröffnet."

Nach der (Eröffnung nahmen die Vertreter der verschiedenen Sektionen der Konfe­renz das Wort. Für die europäische Sektion sprach der Präsident des Deutsch-Evangelischen Kirchen- ausfdjuffes Dr. Kapier.

Der Redner bezeichnete die Begrüßung durch den König als ein hohes Symbol der Wertschätzung, die das Königliche Haus, die Kirche und das Volk Schwedens der Weltkonferenz ^ntgegenbrächten, und fuhr dann fort:Wir alle stehen bei der (Eröffnung der Weltkonferenz für praktisches Christentum unter dem Eindruck eines Ereignisses von hoher kirchen- geschichtlicher Bedeutung. Wenn in Nicäa die Völker

um die begriffsmäßige Fassung des Christenglaubens rangen, wollen wir heute den christlichen Glaubens­inhalt auswerten für die Lösung der großen Pro­bleme, die das Gemeinschaftsleben der Menschen darbietet. Wir wollen, daß unser christlicher Glauben nicht als ehrwürdige Reliquie im Reliquienschrcin aufbewahrt wird, sondern daß unser Glauben ich als beständige Kraft auswirke im ; e m e i n s ch a f 11 i ch e n Leben der Men- chen und Völker. Der unermeßlichen Schwie- rigkeiten unseres Werkes sind wir uns völlig be­wußt. Wir vergessen gewiß nickt die zahlreichen und weitgehenden Unterschiede in der Ausprägung, die der christliche Glaubensinhalt bei zahlreichen Kirchen- gemeinschasten der Erde gefunden hat. Aber wir sind der Zuversicht, daß der gemeinsame Be­sitz der christlichen Kirche grvßaenug ist, um sich auf gemeinsamem Wege die Hand zu reichen."

Zu dem ersten Verhandlungsgegenstand der Weitkonferenz, der nur in Form von Dortragen nicht in Diskussionen behandelt wird, nahm in der Eröffnungssitzung von deutscher Seite

LandeSbischof D. Jhmels (Dresden) das Wort. Seine Ausführungen gestalteten sich zu einer bemerkenswerten Darlegung der deutsch-lu- therischen Auffassung vom Reiche Gottes und von dem Verhältnis der religiösen Aufgabe der Kirche und ihrer sozialen Verpflichtungen. Bischof Imehls führte aus: linier Gottes Reich ist nichts anderes zu verstehen a»s die Herrschaft Gottes. Es ist nicht eine c'hifche Gemeinschaft, die durch einen Zufum- mensckluß von Menschen entstünde. Gottes Reich tritt notwendig zu den natürlichen Lebensord­nungen in Beziehung. Gleichwohl ist es etwas völlig anderes als die natürlichen Lebensordnungen. (Es ist weder ethisierte noch sublimierte Welt, son­dern durch und nnrd) Neuschöpfung in der Welt.

Die eigene Gesetzlichkeit der natürlichen Lebens- forberungen erkennt das Reich Gottes an, will sie aber mit seinem Geist sauerteigartig durchdringen. Es ist nichts als Schwärmerei, wenn man das Reich Gottes sich in dieser Welt in allmählicher Ent­wicklung oollestden läßt. So kann die Kirche nur eine Aufgabe haben: Die BotschaftoonChri- tus den Menschen zu bringen. Dabei kann ie aber unmöglich ignorieren, daß diese Botschaft )ie Menschen in ganz bestimmten Lebenslagen trifft. Hier erwächst für die Kirche die Verpflichtung zu einer sozialen Ethik. Für eine soziale Ethik liegt aber die eigentliche Schwierigkeit darin, daß, von der christlichen Ehe und Familie abgesehen, niemals in einem Gemeinwesen alle Mitglieder persönliche Christen sein werden. Dann muß sich freilich die Kirche sorgfältig davor hüten. Fernstehenden christ­liche Ordnungen äußerlich aufzuzwingen. Wohl bleibt aber die Verpflichtung, pädagogisch Ordnung zu schaffen. Es gilt hier, daß die Kirche nur zu einer Durchdringung des gemeinschaft­lichen Lebens auf wirtschaftlichem (9 e biete anleiten kann, während sie sich vor aller Ein­mischung in die rein technischen Fragen forgfältig zu hüten hat. Auch bei all dieser Arbeit der Kirche darf aber keinen Augenblick verleugnet werden, daß das Christentum nichts als religiös ist. Die Kirche darf mit Freude einen Erfolg ihrer Arbeit darin sehen, wenn ursprünglich christliche Gedanken im öffentlichen Leben auch von solchen vertreten werden, die persönlich dem Christentum fernstehen. Aber sie darf sich nicht darüber täuschen, daß bei dem einzelnen wie in der Gemeinschaft wirkliches Christenleben doch nur aus dem Glauben erweckt."

An den Dortrag schlossen sich ergänzende Dorträge der Dertreter der übrigen Sektionen. Bemerkenswert waren die Ausführungen des französischen Dertreters M o n o d , der eine ein­dringliche Mahnung an seine katholischen Landsleute richtete. Ihre abwartende Hal­tung zu dec Konferenz sei verletzend, aber er sehe doch in der Dergangenheit und Gegenwart gemeinsame Derbindungslinien und fühle ihre geistige Anwesenheit. Monod bezeich­nete den Dölkerbund als die einzige neue Idee, die der Weltkrieg hervorgebracht habe. Der Dölkerbund sei das Banner der Bereinigung aller Böller der Welt. Heute wird die Kon­ferenz das ThemaDie Kirche und die wirtschaft­lichen und industriellen Probleme" behandeln.

Der Reichskanzler reist nicht nach Stockholm.

Berlin, 19. Aug. (TU.) Reichskanzler Dr. Luther hat feine Absicht, an der Weltkonfe­renz in Stockholm teilzunehmen und dort eine Rede zu halten, wegen der Entwicklung der politischen Lage aufgeben müßen. Das Manuskript seiner Rede ist dem Erzbischof Soederblom zugegan­gen, der es dort verlesen wird.

Die Arbeitsgemeinschaft studentischer Nationalverbäude.

Kopenhagen, 19. Aug. (WB.) Der Kongreß der Arbeitsgemeinschaft studentischer Nationalver- bänbe bildete nach der Vollsitzung am 16. August cus sich vier Ausschüsse, welche die einzelnen Arbettsgebiete behandeln. Die ersten beiden Tage standen noch unter dem Einfluß der Sprachen­frage, da der Anerkennung der deut- schen Sprache wieder Schwierigkeiten gemacht wurden. Nach teilweise sehr lebhafter (Erörterung wurde die Frage jedoch durch eine Ausschußerörte­rung des Exekutivkomitees dahin entschieden, daß- die deutsche Sprache a ls D e r h a n d l u n g s -

spräche anerkannt wurde. Der Ausschuß, der den Austausch der Reisefragen behandelt, stimmte dem deutschen Antrag, der die Aufhebung des Sichtvermerks an den Grenzen an denen ein reger Reiseverkehr ftattfinbci. durch Anträge der Studentenschaft bei den zuständigen Regierungen fordern will. zu. Der Sportausschuß befaßte sich mit dem Plan einer internationalen akademi­schen Olympiade, für deren sportlichen Aus- bau durch rege Mitarbeit der deutschen Vertreter wichtige Vorschläge gemacht wurden. Der Ausschuß für Hochschulsragen befaßte sich mit der Frage der gegenseitigen Anerkennung der aka­demischen Grade. Ein Antrag der deutschen Vertreter, der die Aufforderung an alle Rcgierun- gen richtet, diese Frage nur vom wissenschaftlichen und nicht von politischen Gesichtspunkten zu be­trachten und zu behandeln, wurde angenommen. Die starke Mitarbeit der deutschen Vertreter wird in allen Ausschüssen anerkannt. Gerade diese sachliche Mitarbeit dürfte zu der Regelung der Sprachen- frage in dem deutschen Sinne wesentlich beigetragen haben.

Die französische Antwort.

Am Freitag Uebcrreirbnng in Berlin.

Pari«. 19. Aug. (WTB.) Die bei* gische Regierung hat dem Quai d'Orsay mitgeteilt, daß sie die französische Antwortnote an Deutschland zur Frage des Sicherheitspaltes billige. Auch Mussolini hat dem fran­zösischen Botschafter in Rom davon benach­richtigt, daß der Tert der Antwortnote die Billigung der italienischen Regierung finde. Diese beiden Mitteilungen sind heute bormittag dem französischen Botschafter in Berlin zur Kenntnis gebracht worden und dieser hat gleich­zeitig Anweisung erhalten für die amtliche ilebermittlung der Antwortnvte an die deutsche Regierung. Botschafter b e Mar­ge r i e wird noch vor Ende der Woche um eine Audienz beim Reichskanzler und beim Reichsaußenminister nachsuchen und sich mit den Mitgliedern deS diplomatischen Korps in Verbindung sehen, damit das Dokument in Gegenwart der Dertreter der alliierten Mästte übergeben werden kann. Außenminister Dr. Etresemann ist gestern nachmittag von seinem kurzen Erholungsurlaub nach Berlin zu­rückgekehrt. Die Rückkehr steht im Zu­sammenhang mit der bevorstehenden ileberrei* chung der Antwortnote, die voraussichtlich am Freit atz erfolgt. Für Samstag ist dann mit der Veröffentlichung der Rote zu rechnen. Keine Lohnerhöhung tm

Ruhrbergbau.

Der Schiedsspruch des Neichs» kommissars. Die Absaykrisis in der Kohlenwirtschaft.

Dortmund, 19. Aug. (WD.) Unter dem Dorsitz des Schlichters für Westfalen, des Reichs» und Staatskommissars M e h l i ch, wurde in den Lohnstreitlgkeitcn im rheinisch-westfälischen Stein­kohlenbergbau folgender Schiedsspruch gefällt: Die Gewerkschaften haben die Lohnord­nung gekündigt und eine Ibprozentige Erhöhung der Löhne gefordert. Der Zechenverband verlangt die Einführung von Spannungslöhnen und starke Hervor­hebung des Leistungsprinzips. Die­sen Anträgen kann im Augenblick nicht ent­sprochen werden. Zwar bewegen sich die Löhne im Ruhrbergbau um etwa 10 Prozent unter den realen Friedens löhnen. Eine Erhöhung wäre deshalb aus sozialen wie aus wirtschaftlichen Gründen erwünscht. Sie müßte aber infolge mangelnder Rentabilität der Werke zu Preis­erhöhungen führen, die den ohnehin schlechten Absatz der Kohle zum min­desten im Auslande und in den umstrittenen innerdeutschen Absatzgebieten weiter ver­mindern würden. Die dadurch eintretende Z u- nähme der Feierschichten würde für die Arbeiterschaft trotz der Lohnerhöhung einen D e r- l u st an Arbeitslohn und damit den Fort­bestand einer unsicheren Geschäftsgrundlage be­deuten. Außerdem bestünde die Gefahr, daß Stillegungen in unerwünschtem Ausmaße erfolgen tourten. Es liegt zwar im Interesse aller im Bergbau Beschäftigten, daß eine An­gleichung der Förderung an dem Der» o r a u ch und damit eine rationellere Gestaltung der Kohlenwirtschaft erreicht wird, sie muß aber besonders für d i e Arbeiter zu be­denklichen Folgen führen, wenn zuvor eine Einschränkung des Absatzgebietes in die Wege geleitet wird. Im übrigen ist diese Angleichung in Entwicklung begriffen und läßt die Hoffnung zu. daß die wirtschaftliche Grundlage des Bergbaues wieder gesunden wird. Diese Entwicklung darf nicht durch eine Erhöhung ter Selbstkosten gestört werden, weshalb es im Interesse der beiden Teile erscheint, unter Ab­lehnung aller Anträge es noch zwei Monate bei den bisherigen Löhnen zu belassen.

Neue Stillegungen im Ruhr­gebiet.

Dortmund. 19. Aug. Die zum Loth- ringenkvnzern gehörige Zeche©lud un& Segen" in Welling hausen lKr. Hörde) wird, wie dieRheinisch-Westfälische Zeöttmg" bericht«, wegen Unrentabilität zum 30. August geschlossen werten. Hierdurch werden 1300 Arbeiter und Angestellte brotlos. Es ist dies die dritte Zeche des Lothringenkonzerns, die un

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