Nr. 142 Drittes Blatt
Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Deutschlands Rheinfeier.
(Sanz Deutschland hat sich in freudigem Zu. samma^gehen mit dem Rheinland dazu gerüstet, die Erinnerung an tausend Jahre deutscher Schidsalsgemcinschast in den Rheinstädten zu bc- gehen. Der fKüdblid auf die lange VerLangenhcil soll im gesamten Deutschtum das Verständnis für die Gegenwart, aber auch für die Zukunft weden und stärken. Eine FciertagSstimmung durchzieht die deutschen Rheinlandc. der bereits die groben Kundgebungen in allen Teilen des Reiches Auftakt und Einführung gegeben haben. Gewiß soll der mit den Festen dieser Tage verbundene Hochklang nicht den gewaltigen ernsten Glodenruf übertönen, der immer wieder im bc- fehlen Gebiet unter dem Zwang und Drud des fremden Jochs zur stillen Trauer über das erlebte deutsche Schicksal mahnt. Aber letzten Endes soll es in diesen Tagen allen Bewohnern des Reichs und vor allem des Rheinlandes vergönnt fein, den unerwartet starken Widerhall mit Freude in sich aufzunehmen, der von der allgemeinen Beteiligung der rheinischen Bevölkerung an der Iahrtausendfeier und von dem in ihr zum Aus- drud kommenden stolzen Bekenntnis zum Deutschtum ausgeht.
Der grobe Rüdblid aus das, was das Reich dem Rheinland einst war, in der Gegenwart bedeutet und bleiben muh. steht im Mittelpunkt aller Betrachtungen, die sich aus Anlab der Rheinlandfeier mit der Geschichte und Politik, aber auch mit der Wirtschaft und Kultur der Lande am Rheinstrom beschäftigen. Die geschichtliche Einheit des Rheintals, seiner Gaue und Stämme tritt vom Beginn der deutschen Geschichte in unverrüdbarer Deutlichkeit immer wieder hervor. Rheinaus und rhcinab, das linke und rechte Ufer des deutschen Stromes erscheint im lüdenlofen Kreise, ein Glied ans andere gekettet die Gesamtheit der deutschen Bewohner untereinander, trotz vorübergehender staatlicher Trennung vokklich auf das engste verbunden: rheinische Vergangenheit kann nur zugleich als deutsche Reichsgeschichte schlechthin gedacht und empfunden werden. Die „Sieger" des Weltkrieges, die mit allen Mitteln der militärischen Macht, des wirtschaftlichen Zwanges und der kulturellen Werbung den Versuch gemacht haben, hier eine neue Trennung hereinzubringen, müssen heute zugestehen, dah ihr Rheinimperialismus kläglichen Schiffbruch erlitten bat. Sie mögen heute bereits au der Erkenntnis gelangt fein, dab ihr gefährliches Vorhaben den inneren Zusammenschluß des rheinischen Volkes in allen Schichten und Ständen in einem Viabe gefördert hat. wie es vor dem Kriege in glücklicheren Tagen kaum denkbar erschien. So ist denn gerade im besetzten Gebiet in diesem niedergeworfenen rheinischen Volke langsam das Verständnis für die Größe der geschichtlichen Aufgabe herangereist, welche diese westliche Grenzmcrrr für die Zukunft noch zu erfüllen hat. der Wiedergewinn nationalen Selbstvertrauens, welches unsere Ration unter dem Eindruck des furchtbaren Zusammenbruchs lange Fahre hindurch verloren hatte, geht vom Rheinland und seiner im Widerstand gegen die Willkür fremder Bedrüder stark gewordenen Bevölkerung aus.
In diesem Sinne hat der Reichspräsident dem Rheinland zur Iahrtausendfeier eine Botschaft übersandt, die dem vaterländischen Ernst der groben Stunde erhebenden Ausdruck verleiht. Er gibt darin dem Dank des ganzen deutschen Volkes Ausdruck das die unerschütterliche Hingabe des Rheinlandes in den Tagen der Prüfung voll zu würdigen weiß. Roch hat die heilige Stunde der Freiheit nicht geschlagen - aber wenn die künftige Wiedervereinigung mit den ausgelieferten Volksgenossen uns beschießen fein wird, soll aus der gemeinsamen Erinnerung an das Erlebte ein neuer Strom unendlich stark vertiefter Staatsauffassung dem ganzen Deutschtum zuteil werden. Daß tvir dessen getoib sind, hat die Botschaft des Reichspräsidenten allen denen, die es hören wollen aber auch denen, die feindlich jedem deutschen Bekenntnis ihr Ohr verschließen -, in gottesfürchtigem Vertrauen ehrlich kundgetan.
Es war von geschichtlicher Bedeutung, daß in Düsseldorf Reichskanzler Dr. Luther im Zusammenhang mit den von ihm der rheinischen Bevölkerung übermittelten Glückwünschen der Reichsregierung Gelegenheit nahm, auf die großen
Eine Stachelfchweinjagd in El Kubeibe.
Bon Peter L i n z e n.
„Efendi, f i ni s f i hustan — na", sagte mir eines Morgens mein langer Abdallah. „Efendi, es ist ein Stachelschwein in unserem Garten, über Nacht sind wieder zehn Blumenkohlköpfe ver- schwunden."
„Allah keriin — endlich haben wir den Schlingel! Also. Abdallah, diese Nacht fängst du mir das diume^foh'.f ressende Raubtier!"
Abdallahs Gesicht zieht sich in bedenkliche Länge.
„Efendi, es könnte auch ein anderes Tier fein, , B. ein abu rih, ein Vater des Gestankes, eine Hyäne." „Ach was, die Baker des Gestankes fressen keinen Blumenlohl. Chosak sar atbar nun kalbak — deine Furcht ist größer geworden als dein Herz — ich werde diese Nacht selbst wachen." Im Türrahmen warnt Abdallah mich noch einmal: „Dir balaf, Efendi, nimm dich in acht vor dem Vater des ©cflanfe*-!" _
Der Araber hat eine ganz eigentümliche furcht vor der Hyäne. Er schreibt ihr eine hypnotische Straft zu, wodurch sie den Menschen willenlos liiacht. Dann lockt sie ihn in ihre Höhle und fällt mit ihrem furchtbaren Gebiß über ihn her. Tatsächlich habe jd) in vielen Fällen beobachten können, daß die Hyäne nicht das scheue Tier ist, als das sie vielfach dar- gestellt wird
Ich überlegte. In kurzer Zeit find über hundert Blumenkohlköpfe aus unterem Garten verschwunden. Gestohlen wurden sie nicht, denn der Araber stiehlt nicht aus einem ummauerten Eigentum, namentlich keinen Blumenkohl. Bei dem harten Boden läßt sich keine Spur, kein Wechsel feststellen. Gazellen können nicht über die hohe Mauer. Also wer ist der Unhold? Ich schlage Brehms Tierleben auf, und meine naturwissenschaftlichen Kenntnisse werden um folgende Tatsachen bereichert: „Das Stachelschwein ist ein Säugetier. Es bringt lebendige Junge zur Welt und lebt in Höhlen, die es nachts verläßt, um Nahrung zu suchen. Es hat auf dem Rücken einen Kranz von Stacheln, die 30—40 Zenti-
Fragen der Politik cjWzugehen, die in diesen Tagen ihrer Lösung entgegenreifen: die Fragen des Sicherheitspaktes, der Räumung des Ruhrgebietes und der nördlichen Rheinlandzone, sowie die Probleme, die mit der an Deutschland gerichteten Entwaffnungsnote verbunden sind. Der Reichskanzler hat in treffendster We.se die Grundlagen dcr Politik der Reichsregierung gekennzeichnet. indem er darauf hinwies, daß diele nur dahin zielen, dem Rheinland die Freiheit und ganz Deutschland, ja ganz Europa den wirklichen Frieden zu vermitteln. Er hat die Unbilligkeit der schweren Maßnahmen der Richträumung der ersten Rheinlandzone in der einwandfreiesten Weise gekennzeichnet. Gleichzeitig hat er dabei mit vornehmen Takt alles vermieden, was im Uebcrwallen der Erregung bei richtigem Verstehen der Advokatcnkniffe unserer Feinde an sich gesagt werden könnte, aber was man ohne verletzenden Ausdruck nicht entsprechend kennzeichnen könnte. So kann eben nur der Vertreter eines Volkes sprechen, das im Bewußtsein seines Rechtes sich moralischer Ueberlegenheit gewiß fein darf. Leider ist ja im gegnerischen Lager das Verantwortungsgesühl so stark abgestumpft, daß man gegenüber solcher eindringlichen Mahnung zum Frteden taub bleiben wird. Eines aber könnten unsere Fernde aus dem einmütigen Willen des deutschen Volkes, wie er in dieser Düsseldorfer Feierstunde so klar zum Ausdruck gelangte, für sich entnehmen: daß alles willkürlich und unorganisch Gestaltete gegenüber dem natürlich Gewordenen auf bi» Dauer keinen Bestand hat.
Wer sich einem Dolle, das entschlossen ist. den Weg zu Frieden und Freiheit zu gewinnen, mit brutaler Gewalt entgegenstellt, muß letzten Endes der Weisheit bitteren Schluß erfahren, daß die Materie immer wieder vom Geist überwunden wird. Diese Lehre mögen die Gegner deutschen Wesens in aller Welt aus den Bekenntnissen der Rheinlanddeutschen in diesen Tagen für sich ziehen!
Ist die Technische Nothilfe überflüfftg?
Bon Otto Adams, M. d. R.
Beim Etat des Reichsministeriums des Innern spielt diese Frage eine große Rolle. Die freien, christlichen und Hirsch-Dunckerfchen Gewerkschaften haben bereits die Auflösung der Technischen Nothilse gefordert. Ihre Vertreter im Reichstage machen schon gegen die Technische Nochilfe mobil. Diese Tatsache allein schon muß den bürger- lichcn Parteien zu denken geben. Mit allen Mitteln muß dafür gesorgt werden, dah die Technische Nothilfe im Interesse des Bolksganzen ihre segensreiche Tätigkeit fortsetzen.kann. Es darf keineswegs der Spruch Wahrheit werden: „Der Mohr hat sein» Gd)u lokgfeit getan, er kann gehen." Man so.gL, die Voraussetzungen, welche zur Gründung der Technischen Nothilse geführt haben, seien fortgefaUen. Wer einigermaßen die Vorgänge im Wirtschaftsleben zu beurteilen vermag, wird und muß genau zu dec entgegengesetzten Ansicht kommen. Mehr denn je werden wir die Technische Nothilse notwendig haben, wenn es gilt, lebenswichtige Betriebe aufrechtzuerhalten, und um die Gefahr, bei sich bietender Gelegenheit „die Hand an die Gurgel des Staates" '(lies des Volkes) zu legen, zu beseitigen bzw. zu verhindern. Ein Staat darf sich nicht der Gefahr aussetzen, plötzlich von der Tatsache überrascht zu werden, daß Gas, Wasser, Elektrizitätswerke, Milchversorgung, Krankenanstalten oder Verkehrswege wegen Lohnsorderungen oder aus sonstigen geringfügigen Anlässen stillgelegt werden. Ich sage ausbrüdlid) aus geringfügigen Anlässen, weil solche Anlässe sich immer im Gegensatz zu dem ungeheuren Schaden, welcher dem Volke und dem Staate zugesügt werden kann, als geringfügig ergeben haben. Aber auch noch viele andere Gründe sprechen für die Beibehaltung der Technischen Nothilfe.
Daß die sozialdemokratischen Gewerkschaften und auch der linke Flügel der christlichen die Technische Nothilse beseitigen wollen, entspricht ihrer Wesensart. Sie wollen damit ein Bollwerk beseitigen, das ihnen bei manchen Anlässen unangenehm geworden ist. Streiks in lebensfähigen Betrieben gehören der Vergangenheit an. Und wo solche trotzdem inszeniert werden, ist der Streik meistenteils zu
meter lang werden. Im übrigen ist das Stachelschwein ein unschuldiges Tier." Das ist doch stark! Entweder hat Brehm niemals Stachelschweine und Blumenkohl zusamemn in seinem Garten gehabt oder er hat sich in der Unschuld dieses Tieres getäuscht. Ein Tier, das sid) in kurzer Zeit hundert Blumen- kohlköpfe cinverleibt, ist tatsächlich nicht mehr so unschuldig. Diese Nacht werde ich den Unhold entlarven!
Eine rounöervoUc orientalische Nacht liegt über den Bergen Judäas. Meine Flinte auf dem Rücken, steige ich mit meinen beiden Hunden Dib und Dubbo — Wolf und Bärin — hinunter in den Gemüsegarten. Das berüchtigte Blumenkohlfeld liegt gerade unserem Eselsstall gegenüber. Ich setze mich auf einen Mauervorsprung neben dem Torbogen, der früher einmal edleren Zwecken gedient hat. Zu meinen Füßen liegen Dib und Dubbo. Auf den Bergen ringsum liegt der Schein des zunehmenden Mondes. Wenn sie erzählen könnten, diese alten, kahlköpfigen Bergriesen! Auf ihren Kuppen, an ihren Hängen überall Ueberrefte längst vergangener Zeitepochen. Jetzt geht der Fellach mit seinem primitiven Pfluge um Quadern, öäulenftümpfe und Kapitelle, die überall aus dem Boden hervorragen. Hier ist der uralte Tummelplatz der Völker gewesen. Stanaaniter, Philister, Hebräer, Meder, Perser, Aegypter, Römer, Griechen, Araber und die Ritter des Abendlandes, sie alle haben hier miteinander gerungen, sich gegenseitig verdrängt, und all ihre Herrlichkeiten sind zerfallen, ihre Paläste und Tempel, ihre Burgen und Kirchen. Jetzt streift der Sohn des Arabers über öde Hochflächen und durch den einsamen Wadi. Und auf den leeren Hängen, wo einst mächtige Delriefen ihre knorrigen Aeste aus« breiteten, zieht der Fellache seinen armseligen Weizen. —
Ein Rascheln im Blumenkohl! — Mit einem Satz sind Dib und Dubbo über die niedrige Trockenmauer. Meine Gedanken tauchen auf aus einer tausendjährigen Vergangenheit in die nüchterne Gegenwart des Stachelschweins. Ein Kampf im Blumenkohl. — Hundegeläut und Wimmern. Das unschuldige Viehzeug setzt sich zur Wehr. — Dann die Flucht durch eine Bresche der Trockenmauer. Ein undefinierbares Etwas saust fauchend auf 10 Meter
Beginn schon verloren. Sie haben dadurch ein Druck- und Terrormittel gegen solche Arbeitnehmer verloren, welche nur unfreiwillig sich ihnen angc- schlossen haben. Der Mitgliederschwund in solchen Betrieben ist der beste Beweis. Hier liegt der Knüppel beim Hunde. Einsichtigen Führern, denen das Wohl des Staates über dem ihrer Gewerkschaft steht, ist dies längst klar geworden. Sie kennen auch die Vorzüge und hervorragenden Leistungen her Technischen Nothilse. Leider wagen sie nicht, dies offen zu bekunden. Rein agitatorische Gründe sind es, die sie zum Kampfe gegen diese Einrichtung des Staates bewegen.
Der christliche Landarbeiterverband unter Führung des '21 bg. Behrens hat sich offen und klar gegen die Auflösung der Technischen Nothilfe ausgesprochen. Die Begründung, die der Abg. Behrens gibt, ist unbedingt zutreffen, steht allerdings im Gegensatz zu seiner Spitzenorganisation.
Auf einer Vorstandssitzung des Gescuntverban- des der christlichen Gewerkschaften vom 4.6.25 in Paderborn wurde eine Entschließung angenommen, in welcher man verlangt, die Technische Nothilse umzumodeln. Wozu denn diese Experimente? Die bestehende Organisation hat sid) bewährt, und was sich bewährt hat, behält man doch. Man spricht von einem Beirat. Will man etwa wieder „Pöstchen" schassen für gewisse Leute? Auch eine Uebernahinc der Pflichten der Technischen Nothilse aus die Arbeit nehmerverbände kann nicht in Frage kommen, da diese in den meisten Fällen zu sehr Partei sind und ihre eigenen Interessen meistens vor die der Allgemeinheit stellen. Unabhängig von Interessengruppen hat die Technische Nothilse ihre Pflicht stets treu und brav dem Volke und dem Valcrlande gegenüber getan und manchen Schaden bzw. Unheil abgewendet. So soll es und muß es bleiben, bis in unserem Volke wieder die Erkenntnis feste Wurzeln geschlagen ha!, „daß man den Ast nicht absägen darf, auf dem man selber sitzt".
Vorläufig sind wir noch nicht so weit, durch Aus Härung und Schulung in vaterländischem Sinne ist dieses Ziel zu erreichen.
Um die Technische Nothilse in den Augen der breiten Volksschichten herabzusetzen, wird feste dar- auflos verleumdet. Schutztruppe der Unternehmer, Streikbrechergarde usw. wird sie genannt. Aber trotz dieser Beschimpfungen und trotz vorgetommener Mißhandlung haben die Nothelfer immer wieder ihre Pflicht getan und sich trotz aller Gefahren für das Gemeinwohl eingesetzt. Das sollte man ihnen zu danken wissen, anstatt sie mit Fußtritten zu traktieren.
Was ist und will die Technische Not- Hilfe? Sie will lebenswichtige Betriebe, von denen Leben und Gesundheit vieler Millionen deutscher Volksgenossen abhängt, bei Arbeitsniederlegung soweit aufrechterhalten, wie es das Lebensinteresse des Volkes erfordert. Es ist nicht ihre Art und ihr Bestreben, in Wirtschastskämpse einzugreisen, wie man die Technische Nothilse bewußt iind mit Absicht verleumdet. Daß sie den berufsmäßigen Streikhetzern unangenehm ist, ist allzu verständlich. Wo frivol mit den Lebensinteressen eines Volkes gespielt wird, wo man große Vorräte, welche zur Ernährung der Volksgenossen nicht entbehrt werden können, der Vernichtung preisgeben will, wo die Gesundheit Tausender auf dem Spiel steht, da muß die Technische sJlotl)ilfe schnellstens und ohne jede Rücksichtnahme auf Einzelinteressen eingesetzt werden. Das ist der Staat den in höchster Not, gar in Lebensgefahr schwebenden Volksgenossen schuldig.
Wer schützt diese, wenn die Technische Nothilse nicht mehr da' ist? Der Ruf „Freiwillige vor" wird dann taube Ohren finden, und ehe Hilfe zur Stelle ist, ist das Unglück geschehen und nicht wieder gut zu machen. Für den Schaden, roeldjer ungerichtet wird, weil man nicht vorgesorgt hat, muß der Steuerzahler aufkommen. Besser ist schon, wir lassen den Deckel auf dem Brunnen, damit jedes Unglück verhütet wird. Sorgen wir dafür, daß durch eine vernünftige und gesunde Einstellung den Staatsnotwendigkeiten gegenüber ein Einsetzen der Technischen Nothilfe erspart bleiben kann. Lohn- und Arbeitsbedingungen in lebenswichtigen Betrieben müssen auf dem Verhandlungswege ihre Erledigung zur Zufriedenheit der Beteiligten im Rahmen des Möglichen finden. Die Technische Nothilfe ist bis auf weiteres als eine billige und notwendige Versicherung im Staatsinteresse nicht zu entbehren. Beim Etat des Reichsministeriums des Innern müssen daher ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Dafür zu sorgen, ist Pflicht der Regierung
Entfernung an mir vorüber. Noch halb im Banne her alten Vergangenheit vergesse ich loszudrücken. Ich schließe mich der wilden Jagd an rund um den Eselsstall. Dann verschwindet das Untier hinter dem Bienenstand. Mit blutiger Schnauze stehen meine Hunde davor. Der unschuldige nis hat sich kräftig zur Wehr gesetzt und hält die Meute in respektvoller Entfernung. Er verscharrt sich in dem engen Gang hinter den Bienenstöcken. Ich lege meine Flinte auf bas niedrige Gemäuer. Gerade will ich einen Pürsch- gang um den Bienenstand machen, da saust er mir zwischen meine langen Beine. Ich balanciere — rutsche — falle und greife mit meinen fünf Fingern mitten hinein in den Kranz gesträubter Stacheln. Ein stechender Schmerz im ganzen Arm. Der Blu- menkohlsresser streicht ab, und als ich allmählich meine Knochen und Gedanken sammle, klingt das Hundegeläut aus weiter Ferne. D, Allah, wie kannst du deine Kinder blamieren. In mir kämpfen Wut und Scham. Id) hänge meine Flinte über und ziehe heimwärts mit geschwollenen Fingern. Anderen Tages melden sich Mustapha und sein Vetter Abed zur Jagd auf den nis. Sie haben am nördlichen Bergabhang die Höhle des Stachelschweins entdeckt. Eine Anzahl schön geringelter Stacheln zeichnet den gestrigen Weg. Um 10 Uhr brechen wir auf, fest entschlossen, den Unhold diesmal nicht entwischen zu lassen. Vorsichtig klettern wir den Felsen hinunter und nehmen unseren Stand unterhalb der Höhle, da der Wind vom Westen streicht. Aber eigentümlicherweise ist der nis uns schon zuvorgekommen — er hat seine Höhle unprogrammäßig früh verlassen. Der gestrige Ausfall des Blumenkohls hat ihn wohl zu diesem frühen Ausgang veranlaßt. Mustaphas scharfes Auge hat ihn in südlicher Richtung abstreichen sehen. Die beiden Araberburschen hinter ihm her. Ich folge über Stock und Stein. Vor mir Geschrei. Der Unhold hat sich bei der wilden Jagd in eine Ecke des Stalles verrannt. Ein Schuß macht feinem Räuberleben ein Ende. Es ist ein prachtvolles Tier. Von der Schnauze bis zur Schwanzspitze ein Meter lang. Der kleine Mustapha hält ihm eine Leichenrede: „Du Afrid — Schlingel! Hätte Allah deinen Verstand erleuchtet, so würdest du gewußt haben, daß du nicht ungestraft unseren Blumenkohl verzehren durftest. Jetzt ist deine
Samstag, 20. Juni 1925
und aller vaterländisch gesinnten Kreise. Der Technischen Nothilse und ihren Helfern gebührt Dank und Anerkennung.
Buntes Allerlei.
Berühmte Rätsel.
Sic Menschheit hat sich fictS mit Rätselraten beschäftigt, und wenn eS auch nicht gerade Krcuz- toorträtkl waren, so waren sie doch nicht weniger geistreich. Es gibt einige berühmte Rätsel, die sich aus dem grauen Altertum bis in unsere Tage erhalten haben. Besonders die griechischen Philosophen waren stark im Räiselaufgeden, und die Sophisten machten daraus geradezu einen Sport. Berühmt ist das Rätsel des Philosophen Zeno von Rchiilcs und der Schildkröte: Achilles, dcr zehnmal so schnell laufen kann wie die Schildtrötc. gibt ihr 100 Meter Vorsprung. Wenn Achilles die ersten 100 Meter läuft, läuft die Schildkröte zehn: wenn Achilles dann zehn Meter läuft, läuft die Schildkröte einen: läuft Achilles 1 Meter, so läuft die Schildlröte ein Zehntel Meter usw Wie ist cS dann möglich, Dai Achilles die Schildkröte überholt? Diese Rätselfrage galt früher für unlösbar. Ein anderer antiker Philosoph Diodorus EhronoS bewies, dah Bewegung unmöglich ist. Ein Körper muh, so schloß er, sich entweder auf der Stelle bewegen, wo er ist, oder auf der Stelle, wo er nicht ist. Run kann sich kein Körper auf der Stelle bewegen, wo er feststeht, und er kann sich auch nicht an der Stelle bewegen, wo er nicht ist, deshalb kann er sich überhaupt nicht bewegen. Ein Problem, das Aristoteles viel beschäftigt haben soll, ilt das folgende: Wenn man sagt „Ich lüge“ und dabei die Wahrheit sagt, so lügt man; aber wenn man sagt: „Ich lüge“ und sagt dabei eine Lüg« so sagt man die Wahrheit. 3n einer wissenschaftlichen Zeitschrift warf ein Mitarbeiter ganz ernsthaft die folgende Frage auf: „Ein Mann geht rund um einen Pfahl, auf dessen Spitze sich ein Affe befindet. Wie der Mann sich bewegt, so dreht sid) auch der Affe auf dem Pfahl rund herum, so dah er die ganze Zeit dem Mann sein Gesicht zN- wendet. Ist nun der Mann, wenn er um den Pfahl herumgegangen ist, auch um den Affen hcrumge- gangen? Diese Frage rief eine erregte Erörterung hervor, wobei manche behaupteten, der Mann könne nicht um den Affen herumgegangen sein.
Ein anderes altes Rätsel, das auch nicht ',v einfach zu lösen ist, wie es scheint, stellt die folgende Frage: Ein Zug fährt täglich von San Franzisko nach Reuyorl und ein anderer täglich von Reu- York nad) San Franzisko; die Fahrt dauert sieben Tage. Wieviel Zügen wird ein Reisender begegnen, der von San Franzisko nach Reuyorl fährt?
töibt es Kleptomanie?
Der unwiderstehliche Drang, etwas zu stehlen, wird von der Psychiatrie als Kleptomanie bezeichnet und aus einer krankhaften Veranlagung erklärt. Solche Kleptomanen, hauptsächlich weiblichen Geschlechts, werden besonders häufig in den großen Warenhäusern ertappt und wenn die äußeren Verhältnisse darauf schliehen kaffen, dah es sich um keinen gewöhnlichen Diebstahl handelt, so läht man die Ucbeltäterin meist laufen. Run ist aber ein franzöfifcher Irrenarzt, der Generalsekretär der französischen Gesellschaft für Gerichtsmedizin Antheaume, in einem Vortrag vor der Pariser Medizinischen Akademie mit der Anschauung hervorgetreten, dah die Kleptomanie in das Reich der Fabel gehört. Gr behauptet, dah alle diese sog. Kleptomaninnen nichts weiter sind als Diebinnen, dah er bei der Beobachtung der ihm eingelieferten Fälle niemals einen unwiderstehlichen Drang zum Stehlen feststellen konnte, dah die Kleptomanie in Frankreich nur in Paris vorkommt. Zn London ist nach feiner Behauptung die Kleptomanie vollständig verschwunden, nachdem bei solchen Fällen die Prügelstrafe, die es noch im englischen Recht gibt, angedroht und auch verschiedentlich durd)geführt wurde. Wenn man genügend scharfe Strafmahregeln auch in Paris an- wcnden könnte, dann würden diese angeblich krankhaften Diebstähle, die immer aus gewinnsüchtigen Absichten unternommen werden, auch dort verschwinden. Vor allem mühten die Ramen der Kleptomaninnen in den Zeitungen veröffentlicht werden. Falls dcr Stehldrang nur Ausfluß einer plötzlichen krankhaften Eingebung wäre, müßte bei den Diebinnen nachher die Absicht bestehen, die
Seele beim Scheitan, und dein Fleisch wird von unserem Efendi und von uns verzehrt werden!" Ich mache seiner Rede ein Ende. Wir laden das schwere Tier aus einen Handkarren und schaffen es im Triumphe nach Hause. Die ausgestopfte äußere Hülle des Tieres wurde später eine Zierde des deutschen Hospizes in Jerusalem und das blumenkohlgenährte Fleisch für uns alle ein Leckerbissen.
Bu^ausftellung des Volksver-
Handes der Bücherfreunde
am 19., 20. und 21. Juni im Höfel „Prinz Carl“.
In dieser Ausstellung zeigt uns der seit sechs Jahren bestehende Verband das Resultat seiner bisherigen Arbeit. Besonders erwähnt sei die erlesene A u s st a 11 u n g dcr Bücher. Gutes holzfreies Papier, einwandfrei sauberer Druck, in einigen Werken vorbildliche Illustrationen und künstlerische Einbände ziehen schon von vornherein das Auge jedes Buch- licbhabers an.
Inhaltlich ist die Auswahl des Dargebotenen äußerst reichhaltig. Neben den K l a s s i ke r - Ausgaben Goethe, Schiller und Kleist sind es neuer- dings die graphischen Mappen, die dem Volksverband der Bücherfreunde den über 250 000 zählenden Freundeskreis helfen werden, sich weiterhin auszudehnen. Hier handelt es sich um handsignierte Originale erster deutscher Künstler, die durch ihre Ausführung und durch ihren inneren Wert vor Augen führen, daß bei diesem aufstrebenden Unternehmen den Grundsätzen gehuldigt wird, für wenig Geld das Beste und Edelste zu bieten.
Erwähnt seien noch die entzückenden bibliophilen Werbegaben, die kostenlos an werbende Freunde des Verlages von diesem überreicht werden. Ein Blick in den neuesten Derlagskatalog, den die Geschäftsstelle Berlin-Charlottenburg 2, Berliner Straße 42 43, jedem kostenlos übersendet, überzeugt, daß sich diese Organisation über ganz Deutschland und Oesterreich erstreckt, und daß deren Mitglieder, mit dem kulturellen und geistigen Leben verwachsen, her ihrerseits Mitarbeiten, das deutsche Wesen ->u stärken und eine gediegene Grundlage zu schaffen für unser geistiges Dasein, für unsere geistige Weiterentwicklung.


