Ausgabe 
20.4.1925
 
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Ur. 9i öwetter Sllm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gveryegen) montag, 21 April (925

Die deutsche Schule von außen gesehen.

Don Prof. Ludwig (Surlitk.

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\ Markt- V platz 2 Falle gt» stellungs« um einen oder vor- amit auch r-Systems graduellen ann.

* dz? Müdigkeit i, Waden Seiftungs> 'frb butrd) sicherer.

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Ich kbe seit genau einem Jahre auf Eapri wib bab? bjb. i als alter Schulm.ifter auch offene Lugen für die Erziehung der italienischen Ju­gend. ES wäre allen zu wünsch.-», eüunal längere Zeil in dcr Fremde au leben, um die heimat­lichen Zustände au8 der Ferne betrachten zu können. Wir waren und find mit unseren Schulen nid~,t Ajfricb. n. Was bewcist das? Daß wir un'ere Heimel und unsere Jugend lieben und beide immer noch besser cntwiclelt sehen wollen.CBir 'i:.d unzufrieden." sagte einmal de Lagarde,öaS bSfjt, wir leben." Er verwahrt sich damit gegen "bi2 satte und müde Selbstgefälligkeit ^dcrer. die 1 jlk$ beim alten lassen wollen und den nur mit -iroßcr Einschränkung gültigen Satz loben und eben: quicta non movere (21m Ruhigen nicht rütteln!). Liessen wir dos gelten, so kämen wir ju8 dem Schlaf nicht heraus, erlebten keine Be- Dfflunfl und keinen Fortschritt. Da lobe ich mir den viel wahreren Spruch.Rast' ich. so rost' ich."

Die Italiener sind der Bewunderung voll für Me deutsche Erziehung und deren Erfolge. Bor wenigen Tagen erst war ein Ilniversitälsprofessor <iu8 Reapel mein East und erzählte, er wäre ein balb.s Iabr in Deutschland gewesen, um dort praktische Tierzucht zu studieren: er wäre ein .enthusiastischer Bewunderer" der deutschen Er- ichung, denn was er da gesehen und gelernt hätte, wäre durchaus vorbildlich. Er wünschte nur. dass jeder Italiener, der an der Kultivie­rung seines Landes zu arbeiten hätte, vorher längere Zeit sich in Deutschland umgesehcn hätte. <3o sprechen alle, die Deutschland kennen gelernt laben. Sie glauben nicht, dast wir verarmt und heruntergekommen wären, und wenn schon, so t ürben wir. dank unserer guten eochulcn. unserer Intelligenz, unseres Fleißes und vor allem im- lerer Ehrlichkeit, sehr bald wieder oben sein. Sie lassen sich ihr unbegrenztes Vertrauen auf diese deutschen Tugenden nicht ausreden und,halten cs Vir falsche Bescheidenheit, wenn wir nicht ein» stimmen.

Eine ähnliche Gesinnung fand ich in Oester­reich, nur nicht so stark den Wert bet deutschen < rzichung betont, da man dort der Meinung ist. jetzt sogar einen Dorfprtmg im Schulwesen ge- tDonmen zu haben.

Aber bleiben wir bei ItalienI Ich spreche nur von dem. was ich selbst gesehen habe. Das Volk ist von reichet und vielseitiger Begabung und müßte bei ggter Erziehung das Höchste erreichen ! können. Als eine Erinnerung an die altklassische Kultur ist im ganzen Volke noch ein edler Stolz »ind eine allgemeine Menschenachtung lebendig. Nichts sindet der Italiener so verabfcheuungs- I tvürÜfl, wie das Schlagen von Menschen, und ' selbst von Kindern Da wirkt noch das stolze Römerwort nach: ..EiviS tomanuS fum". und das Bewußtsein, bah Todesstrafe aus dem Verbrechen siand. einen freien Römer geschlagen zu haben. Nichts hak auch in neuerer Zeit die Italiener so f.hr gegen die Oesterreicher verbittert, als die Tatsache, daß ihre Kriegsgefangenen und des Hochverrates Beschuldigten in den Österreich schen Gcfängnis,en mit Stockprügeln traktiert wurden. Das war in der Mitte des vorigen Ilahrhundets. «aber ein jeder Italiener, so unwissend er sonst ift, weist cs noch heute. Die sonst so leicht erreg»

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M°nl,223 April ' 8 U"r Al(e Biirgermeiat- T Gartenstr- - tiC

Loren Menschen sind von einer staunenswerten Rachsicht und Geduld den Kindern gegcnü''er, die eigentlich schon in den Rech'cn der Erwachsenen leben. Sie machen einen Mordsspektakel auf der Straße, aber jeder Italiener erinnert sich, dast cs rod) gar nicht so lange her ist. als auch er mit- <jebriillt hat Vor allem weist jeder, bah dagegen i ichts zu machen ist: denn alles Schulten und Strafandroben bleibt wirkungslos, erweckt nur Heiterkeit Mit dieser Ungebändigtheit der 3u- t;?nb geht aber her eine angeborene Anmut des Wesen« Schon ganz Heine Burschen und Mäd­chen haben ein feines Gefühl für das Taktvolle mib Schickliche. Fragt man so einen kleinen Strast.-»jungen nach dem Weg. so fängt er gleich eine höfliche Unterhaltung an und benimmt sich Die ein junger Kavalier, führt den Fremden b s <n fein Ziel und öffnet ihm nvt Grandezza die Tür. Dast er dafür sein Trinkgeld bekomme, sieht er freilich auch als selbstverständ ich an. Es ist ihn auch nicht anders gelehrt worden.

Die meisten Kinder machen einen s-hr intelli­genten und auch gutartigen Eindruck. Dem Schul­meister ist eS schmerzlich, sie vielfach doch so ver­nachlässigt zu s-hen. Die Zahl der Analvhabeten ift hier erschreckend groß Alte Leute können fast Die schreiben und lesen. Die jüngere Welt kann «s wohl in der Mehrzahl. Man sieht Kinder euch alltäglich zur Schule geben, wo sie meist von Lehrerinnen unterrichtet werden, deren Los nicht beneidenswert ist. Sie haben zwar einen Stock, «der nur zum Schlagen auf den Tisch, um sich Schär zu crzwingcn.

Auf Anacavri gibt e« noch fein Schulgebäude. Die einzelnen Klaffen sind in verschiedenen, ver- flrcut liegenden und sehr unzulänglichen Zimmern rntergebracht. Als die Gemeinde einmal soviel Geld zusanrmengebracht hatte. dast sie glaubte ein Schulgebäude errichten zu können, hat der Archi- lett die ganze Summe für seinen Bauplan bcan» sorucht und bekommen. Echt italienisch! In Cabri. das viel reicher als Anacapri ist, hat man ein altes Kloster zur Schule umgetoanbelt und <iutc Klassenräumc. Eine junge, intelligente Leh­rerin gestattete mir zu hospit eren, und das war ^anz erfreulich. Seitdem grüßen mich die kleinen Linder mit herzlichem Lächeln und Händeschütteln Vie eine Respektsverfon.

In diesem Klostergebäude sind sonderbarer» txnfc beide Schulgattungen vertreten. Es gibt Tämlid) in Italien nach Reichsgesetz konfessionelle nnd Gemcindeschulen. Die konfessionellen Schu- len stehen ganz in den Händen des Klerus, wäh­rend dieser in den Gemeindeschulen nicht einmal das Inspeitionsrecht bat.

Don der italienischen Schulgeietzgebung bleibt Ircilid) vieles auf dem Papiei So besteht zwar der Schulzwang, aber in Wahrheit ist er nicht« tutchzuführcn: Bei schlechtem Wetter kommen die Kinder gerne, aber wenn die Sonne lockt, trei­ben sic sich lieber aus der Strotze umher und lassen den Lehrer vergebens rufen. Dieser be­geht auch gar nicht auf seinem Schein. denn beim alle Kinder kommen würden, dann reichten lie Schulräume nicht aus.

Allmächtig ift trotzdem die Geistlichkeit, und das Volk so ganz in deren Händen, datz selbst die freigeiftige Gesehgebdng diese Abhängigkeit

nicht erschüttern kann. Ist es doch die Kirche, die kaS ganze Leben von der Wiege bis zur Bahre regelt und vor allem auch für die Unter­haltung sorgt. Mit wie wenig Dergnü lungen die Jugend, zumal die weibliche, sich begnügt, davon macht man sich bei uns feinen "Begriff. Takt. Bescheidenheit und Ehrbarkeit der jungen und schönen Mädchen Eapris sind berühmt: deutsche Künstler, die sich wohl auf verliebte Abenteuer gefreut hatten, ziehen sehr enttäuscht ab. Rur mit dem Ring am Finger gestattet das Mädchen Vertraulichkeiten. Da können unsere deutschen Mädchen viel leinen 1

Die italienische Schule crftiJt die persönliche Freiheit der Kinder nicht und vertraut auf bte Gutartigkeit der menschlichen Ratur. Sie geht in diesem Vertrauen zu toeit; denn cs wuchern dabei auch alle bösen Anlagen und Triebe. Die deutsche Schule schont die Persönlichkeit des Kin­des nicht genügend und erzeugt viZ'ach eir.c knech­tische Gesinnung. Als ich über die Alpen fuhr und italienischen Boden betrat, sagte zu mit ein gebildeter Deutscher: »Ach. endlich wieder Kul­turlandl" So hoch schätzte er die ungekünstelte, lebenssicherc Art der Italiener ein, so sehr verab­scheute er die erzwungene Uniformierung des deutschen Geistes! Hüten wir unS vor Einseitig­keit! Was die deutsche Schule im Laufe der Iahr- bunberte geleistet bat. indem es unser Volk zur Pünktlichkeit, Reinlichkeit. Gewissenhaftigkeit, Pflichterfüllung. Verläßlichkeit und zum Gehor­sam erzog, das ist erst aus der Fremde her in seinem vollen Umfange und Werte zu würdigen. Rur die Uebcrtrcibung oll dieser Tugenden ist uns zum Hebet ausgeschl rgen. Hier fehlte das rechte Mabhalten. fehlte die griechische Besonnen­heit. die sich in dem Spruche bekundet: Nichts zu sehr!" Jedenfalls aber müssen wir mit Stolz bekennen, datz wir sehr viel mehr Kraft und Eifer der Jugenderziehung zuwcnd.'n als die Italic er und damit auch eine allgemeine völkische Gesit­tung erzwingen, nach der man sich im Auslande täglich mehr zurücksehnt. Das Gehenlassen, wie es in Italien beliebt ist. ist im wesentlichen doch die Acutzerung von Sorglosigkeit, die oft in Ge­wissenlosigkeit ausartet. Die so völlig unerzoge­nen Kinder werden zu unerzogenen Erwach'e.aen. auf die kein Verlast ist, hie durch gefällige« Wesen und äutzere Politur ihre innere Leere be­mänteln. Auf den ersten Blick Iaht sich her Deutsche leicht blende», mit her Zeit aber kommt er zur richtigen Einsicht und zur Dewunderang der 'deutschen Schule, einer^D.-wunderung. die die Italiener selbst teilen.

Ich glaube, datz die deutsche Schule jetzt auf dem richtigen Wege ist. indem fi? die Zügel etwas lockern und die angeborenen Ailagm der Kinder zu freierer Entwicklung bringen will.

Aus der Provinz.

Mrcie Fricdbcr§.

sf. Friedberg. 19 April. In diesem Jahre ist zum erftenmale bei der Feier der Konfirmation eine Aenderung eingetreten. während in früheren Jahren die Konfirmation her Knaben auf Ostern und die der Mädch.-n eine Woche nach Ostern ftattfanb. ift die Stadt jetzt in zwei Sprengel cingcteilt; die gemeinsame Kon­firmation des einen Sprengeis findet am Oster- feiertage und die des anderen am Sonntag nach Ostern statt. Jeder der beiden Stadtpfarrer ün= terrichtet und konfirmiert die Konfirmanden seines Bezirkes gemeinsam. Gestern abend fand im Saale des Hotels Trapp eine von der Gruppe Frankfurt desStahlhelm, Bund deut­scher Frontsoldaten" einberufcnc Wer­be v e r s a m m l u n g statt, welche einen sehr schönen Verlauf nahm und einen vollen Erfolg hatte Die Gruppe hatte eine sehr gute Musik­kapelle mitgebracht, welche w.scnttich zur Hebung der Stimmung beitrug, besonders aber verstand dies der Redner des Abends, welcher in ganz vorzüglicher, ernster und oatcrlän_bifd)cr Art die Hörer zu sesseln verstand. Der Saal war voll­ständig gefüllt, besonders von der Jugend. Die Aufforderung zur Gründung einer Ortsgruppe fqjih allgemeine Zustimmung, so das; wohl un­gefähr 60 Anmeldungen sofort erfolgten. Gegen Mitternacht zog die Ortsgruppe Frankfurt ab, um noch in der Rächt im Fustmarsche nach R c i - chelsheim zu marschieren, wo heute eine wei­tere Versammlung stattfinden soll.

Mrcid Büdingen

!! Büdingen, 18. April. Aus der jüngsten Gemein deratssitzung ist zu berichten: Laut aufgefteUtem Nachtragsvoranschlag ist noch der Betrag von 38 000 Mk. aufzubringen. Dem Vorschlag der Finanzkommission wurde nach längerer Debatte zugestiinmt. Durch das 4. Ziel der Sondersteuer von bebautem Grundbesitz, das am Marz fällig mar, sind 30 491,20 Mk. gedeckt. Der Rest soll ausgeschlagen werden. Es entfallen auf je 100 Mk. Gebäude 2 G.-Ps, auf 1OO Mk. land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitz 14 G.-Pf., und aus je 100 Papiermark des Gewerbes 0,05 (9olb Pfennig. Die Vertreter des Bauernbundes hoben insbesondere die allgemeine Notlage der Landwirt­schaft hervor und baten um geringere Belastung. Demgegenüber wurde von den Vertretern der Lin­ken heroogehoben, datz das Gewerbe genau so schlecht wie die Landwirtschaft daran fei. Bei der Bewilligung von Baudarlehen wurde beschlossen, 'datz die gewährten Mittel nachweislich zu Bauzwecken und nicht zu Betriebsmitteln ver­wendet werden müssen. In Anerkennung ihrer der Stadt geleisteten Dienste wurde beschlossen, der lang, jährigen Kleinkinderschulschwester Katharina Zaschmann einen monatlichen Zuschuß in Höhe von 60 Mark zu gewähren. Außerdem wurde freie Wohnung und Gas gewährt. Die im Sommer stattfindende Bürgermeister wohl beschäftigt jetzt schon lebhaft die Gemüter. Dir haben cs in der Hauptsache mit zwei Lagern zu tun, die­jenigen. dir einen Berufsbürgermeifter wünschen, und die, die an dem Alten festhängen. Bis jetzt werden Rechtsanwalt Koch und Versichc rungsvertreter Hi 1 d n e r als Kandidaten genannt. _ Die Kanalisationsarbeiten im Neuen­weg find zur Zeit im vollen Gange. Ebenso dürste bald mit den Arbeiten in der Düdelsheimer Straße begonnen werden.

Mreis Schotten.

Schotten, 18. April. Unter Führung von Pfarrer Bornschcuer und Lehrer Bley unternahmen die diesjährigen Konfir­manden einen dreitägigen Ausflug an den Main. Im Mittelpunkt der Tour stand das Städtchen Miltenberg mit feinen Sehens­würdigkeiten Leider wurde der Ausflug von

der Ungunst der Witterung beeinslust' Die Ober- klasse der hiessen Realschule beabsichtigt, in diesem Sommer einen achttägigen Ausflug nach K u f ft c i n in Tirol zu unternehmen Nach­dem bereits vor einigen Jahren ein hiesiger junger Kaufmann nach Manila aus den P h i- lippincn ausgcwandert. hat jetzt ein zweiter die Reise dahin angetreten- Der wicht ge amerikanische Handelsplatz in Ostasicn fall dem. der über gute englische und spanische Sprach­kenntnisse verfügt, günstige Derdienstmöglichkeiten bieten. - - Für die nebenamtlichen H a n d arbeitslehrcrinnen der Fortbil­dungsschule werden demnächst Unter- richtskursc in Gedern, Laubach. Ul- richstein und Schotten abgehalten. Sie dauern drei Tage und sollen den daran Beteilig­ten Anregungen und Winke geben, den von ihnen erteilten Unterricht fruchtbar zu gestalten.

Mreis -ttoscld.

Alsfeld, 19. April- Der schulärzt- l i d)e Bericht des Kreisarztes Medizmalrat Dr. Z i n st e r über die Tätigkeit an der biefigen Volksschule im abgelaufenen Schuljahr 1924 c gab im allgemeinen ein recht günstiges und sehr erfreuliches Bild. Die Untersuchung um- iahtc 506 Kinder. Die Berechnung der Durch- schnittsgcwichte zeig e. daß f .e allgemein hoher waren als im Voigahre. Ucber die Hälfte der Kinder hatte einen in jeder Hinsicht einwandfreien BIund, auf ungefähr je 20 Kinder entfiel 1 Kind mit einem oDcr mehreren gesundheitlichen : geln. Von solche r Kindenr haben 12 in Er­holungsheimen und Solbädern je eine vierwöchige Kur durchgemacht. 1 Kind wurde zur Kur in eine Heilstätte entfanb:. Die Ernährung der gesund- heitsschwachen Kinder konnte, soweit sie bedürftig waien. durch zweierlei Schulspeisungen nach- gchrtfcn werden, einmal durch die Milchspende der Alsfelder Rothilfe an zwei Tagen, an den übrigen Tagen durch dieRahrungsininelzuwcisun- gcn des Deutschen Zentralausschusses für Aus- jandhilf- (Quäkerspeifungi. Das Schulbrausebad war wieder regelmäßig im Betrieb, doch badeten vorläufig nur die Knaben, und zwar ungefähr alle 14 Tage. Als erwünscht bezeichnet wurde eine eigene oder doch nur für Schul zwecke be­stimmte Turnhalle. !

o. Alsfeld, 18. April. (Oberreal- schule ) Der Verein ehemaliger Realfchiiler hatte zu einem Elternabend am Freitag Einladungen ergehen lassen, um zu der Frage der Versetzung des Studicnrats Von der Schmidt aus Offenbach an die hiesige Ober- realschule Stellung zu nehmen. In dieser Ver- fammlung legte Bürgermeister Dr. Völsing «Alsfeld) den Standpunkt der S t a d t v e r w a 1 - tung zu dieser Angelegenheit klar und brachte zum Ausdruck, dast seine persönlichen Bemühun­gen um Zurücknahme der Versetzung bei der Schulbehörde ohne Erfolg waren. Die Frage, ob in diesem Falle ein Schnlstreik berechtigt und arissichtsreich fei, stand in der Versammlung zur Erörterung. Oberstudiendirektor H e n s i n g .warnte eindringlich vor.diesem Schritt, ebenso der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Real­schüler, Bürgermeister a.D. Frank. 3n dieser Sache sei zunächst alles getan, was unter den gegebenen Verhältnissen möglich sei. Ein un­besonnener Schritt, wie ein Schulstrcik, habe für Eltern wie Schüler nur Llnakmehmlichkeiten im Gefolge. Auch sei er kein geeignetes und würi diges Mittel, um zum Ziele zu kommen. Die Versammlung der Eltern schloß sich dieser Auf­fassung an und beschloß, der Entwicklung der Dinge ihren Lauf zu lassen, zumal die Aussicht befiehl, daß Studienrat Von der Schmidt die Alsfelder Stelle überhaupt nicht antritt.

Mrcis Lauterbach.

!! Lauterbach. 19. April. 3m Beisein des neuen Superintendenten Wagner findet am kommenden Sonntag die Grundsteinle­gung der evangelischen Kirche zu B l i h e n r o d statt. Oberbaurat Walbe -Darm­stadt hat die Pläne entworfen An Ostern 1926 soll die Fertigstellung des Gotteshauses vollendet sein und die Einweihung erfolgen. Die Ein­wohnerschaft von Dlitzenrod mutz zur Zeit nach dem zwei Kilometer weit entfernten Frischborn zum Gottesdienst.

Starkenburg und Rheinhessen.

Darmstadt, 18. April. Auf den am Freitag mitgcteilten Protest des Hessi­schen Kün st lerkartells erwidert der Aus­stell u n g s a u s s ch u ß u. a.: Die Ausstellung wird von den besten deutschen und deutsch-oster- rcichischcn Künstlern beschickt. Welcher Art fic fein wird, erknnen die Eingeweihten an den Rainen folgender Aussteller: Franz von Stück, Hengeler, Julius Diez. Fritz Erlorg. Zugel, Schramm-Zi.tau. Habermann, Samberger, 11 bau. Allerdings wird diesmal der wüste Dilettantis- mus. der das Ansehen Darmstadts als Kunst­stadt in den vorausgegangenen Ausstellangen so schwer geschädigt hat. gründ ich ausgcschaltct fein. Die Beschickung der Aussteslung ist sämt­lichen h ss schcn Künstlern sreigegebcn

' Darmstadt, 18. April Die französische Bcsatzungsbchörde hat dieser Tage eine neue Festsetzung der Grenze bei Darm­stadt vorgcnommen. Die Grenze, ist aber etwas vorge schoben Es sind diplomatische Ver­handlungen cingeleitet, um den früheren Zu­stand wiederherzustellen, wie er vor dem Ruhr- einbruch war.

Offenbach, 18. April. Die Offen« bad)er Maschinenbau- und Betriebs fachschule. die vor Jahresfrist ihren Lehrplan nach den Grundsätzen der modernen Betriebswirt- schafk umgestellt hat, eröffnet ein neu eingerichtetes Maschinenlaboratorium, das unter Be teiliguna einiger Offenbacher Firmen, insbesondere auch durch Unterstützung der Stadtverwaltung nach den Planen des Studienrats Dipl^Zng. B o t s ch, neu geschaffen wurde. Es enthält eine Reihe Der- iuchsmaschinen modernster Konstruktion, wodurch den Schülern in Verbindung mit dem mustergültig eingerichteten Laborawrium Gelegenheit gegeben ist sich in Versuchen über die Arbeitsweise, Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der verschie­denen Maschinen zu unterrichten.

fpd. Offenbach, 19. April. Nach einer aus­giebigen Kneiperei in einer Wirfchaft der Schloß- stratze kam es zwischen Arbeitern zu einer nächt­lichen Prügelei, in deren Verlauf der Zement­arbeiter Wilhelm Haberbosch von dem Arbeiter ! Heinrich Scherzes mit dem Messer erstochen | Wurde. Der Täter wurde verhaftet. Der Arbeiter I Andreas Hopfner sah von einem Fenster aus

dem Streit zu und beugte sich dabei weit über die Brüstung. Er bekam, du er auch angetrunken war, das llebergcwicht und (turnte a u dieStratze, wobei er sich lebensgefährliche Verlet­zungen zuzog.

Htsjcu-Nassan.

sl Marburg. 18. April. Eine von Vertro» tem der Regierung, der Behörden, der Geistlich- feit und wirtschaftlichen Verbanden aus allen Teilen Kur Hesse ns besuchte Versammlung, die im Landgrasenhaus auf Einladung des Deutschen Vereins f ü r ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege tagte, beschäftigte fich mit engere Heimat. Zunächst wies der Geschastvfuhrer des Vereins. Oekoiwnuerut Lembke aus Berlin, darauf hin, datz es sich nicht um eine neue Organi-

tlich«i Wohlfahrtspflege

dem darum handle, mit dieser gemeinsam zu ar­beiten und diese zu unterstützen. Oekononuerat Lemble führte in einem Vortrag . Vernnchlassi gung ländlicher Belange in der Wohlfahrtspflege" den Nachweis, datz in dieser Hinsicht auf dem Vanbe noch viel zu tun sei. Die Landbevölkerung sei die Quelle der Kraft und des Wiederaufbaues unseres Vaterlandes, und hier müsse der Hebel eingesetzt werden. Wirtschasts- und Wohlsahrtspslege gehörten zusammen, die Bildungsmöglichkeiten auf dem Lande müßten gefördert und der Schundliteratur und sonstigen schädlichen Einflüssen der Weg versperrt werden, dann kämen wir von einem gesunden Land­volk zu einem gesunden deutschen Volk. Der Ge- schästssührer des '.st'assauischen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege, Direktor B e r l j ch e aus Montabaur, gab dann ein Bild der Organisa­tion der ländlichen Wohlfahrtspflege. An der sehr eingehenden Aussprache beteiligten sich Pfarrer M e n e n s ch e i n Maffei im Namen der Raiffeisen- Organisation, die Landräw v. G i l sa - Kirchhain Schwebet Marburg, S t e i n r ii ck - Ziegenhain. Domkapitular T h i e l e m a nn - Fulda, Frau Pelz-Langenscheidt - Wolfhagen namens des Landfrauen-Verbandes, der Präsident der Lan- desversicherungsanstalt S ch r ö de r aus Kassel, Psr. S ch m i d t m a n n aus Ealdern und andere Herren. Ein engerer Ausschuß, in den eine ganze Anzahl Damen und Herren der verschiedenen in Betracht kommenden Behörden und Vereine gewählt wur­den, (oll die Frage der Gründung eines Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege weiter verfolgen.

bl. Dillenburg, 18. April. Die Firma O t tc von Dahlhausen <Ruhr) errichtete in der Kemarkunx 18 e i l ft e i n (Westerwald) eine Drahtseil- bahn. Mit dieser Einrichtung gedenkt man in Zu­kunft eine wesentliche Vergrößerung des ge­samten derzeitigen Grubenbetriebes ein­treten zu lassen, die zu einer ncnnswerten Sen­kung der Erwerbslosenziffern im Dillkreise führen wird.

fpd. Frankfurt a. M, 19 April. Gleich­zeitig mit der Eröffnung der Messe wurde von Frankfurt aus eine neue internationale Linie für den Flugverkehr eröffnet, nämlich die von Frankfurt nach Zürich For-tan strahlen von hier aus die Linien nach Hamburg, nach München und Zürich. Mit der Eröffnung der Züricher Linie werden mehrer.- neue große Flugzeuge in den Dienst gestellt, darunter eine neue große Dornier-Verkehrsmaschine, die den RamenFrankfurt" erhält. Ein hiesiges Lichtspieltheater plant Schönheits- konturrenzen für Kinder. Gegen diese Absicht erhebt der Evangelische Dolks- dienst als kirchliches Amt für Iugendschutz allerschärfsten Einspruch und weist die Be­hörden daraus hin, daß durch solche Veranstal­tungen die Kinder auf den Markt der Eitelkeit geführt uni) die Kinderseelen durch Hochmut, Selbstgefälligkeit, Eitelkeit, Rcrd uni) Mißgunst verführt werden. Ein angeblicher Dr Man­fred F e 11 r a n n wurde hier wegen umfang­reicher HeiratSfchwiitdclcien fcstge- nommen. Der Mann verweigert über feine Personalien jede Angaben. Er gab sich Frauen und Mädchen gegenüber, die er betrog, als Franzose aus und verstand cs. seinen Opfern mit ungewöhnlicher Geschicklichkeit erhebliche Geldsummen abzunebmen In einem Fall schwin­delte er einem Mädchen die gesamten Ersparnisse in Höhe von 1200 Mark ab. Bei den Wo h- n ungsci nbrüchen. die während ber Ostcr- fcierlagc hier in großer Zahl verübt wurden, sanden ine Einbrecher in der Wohnung eines Geschäftsmannes u a auch die Schlüssel zum K a s f e n s ch r a n k des an anderer Stelle der Stadt befindlichen Geschäfts. Rgchts drangen sie dort ein und raubten aus dem Kassmschrank nahezu 1 00 000 M k. in deutschen Bank­noten, außerdem noch viele fremde D e v i - s c n. Der Geschäftsmann, der mit seiner Familie an der Riviera weilte, soll nahezu ruiniert fein. In allen Einbruchsfällen wurden die Ver-brecher durch die herabgclasfenen Jalousien und die mit Zeitungen und. Briefen gefüllten Briefkästen an den Wohnungstüren auf die Abwesenheit der Be­wohner aufmerksam Bis jetzt konnte noch keiner der Verbrecher gefaßt toerben

fpd Gersfeld, 19. April. Der launische April brachte dieser Tage dem Rhößgcbirge ausgiebige Schneestürme und 3 Grab Kältc. Der Schnee liegt auf den Berggipfeln bis zu 10 Zentimetern hoch.

DieFrankfurLerFrühjahrsmesse

fpd. Frankfurt a. M. 19. April. Als letzte der großen deutschen Frühjahrsmessen er­öffnete heute die Frankfurter Messe ihre Pforten. Die Messe bietet das altgewohnte Bild guter Beschickung. Vor allem sind Textilwaren und Leder- und Schuhwaren stark vertreten. Auch die übrigen Zweige füllen in den einzelnen Höv fern die Stände gut aus. Lebhaft befchickt ist bc- fvndets die im Freien aufgebautc Abteilung für Landwirtschaftliche Maschinen und Debrauchs- gcgcnflänbe Reu hinzugelornrnen ist das archi­tektonisch schon in die Augen springende Haus der Moden. Sehr guten Besuch weist die aus süddeutschen Kreiken. eingerichtete Tabakmefsc auf. Diel Beachtung findet ferner die Spiclwaren- ausstellung die Abteilung für □Höbe' öie für kunstgewcrbliche Sachen und schließlich die Schau bet Sowjetrepublik Rußland. Ausfallend ver- rnindki t haben fid) die Stände der Buchhändler.

Die technische Messe, die am Freitag eröffnet Wurde, erfreute fich wohl eines recht lebhaften

Ml Dt öeinreid)«- Hlottenälfjet ! Den Grimmigsten der IRoffenlöter