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Keine Versendung von Geld geroöhnttchen Briefen.
Von der Oberpostdirektion Darmstadt wird geschrieben:
Die Gewohnheit des Publikums. Geld
Kleine Strafkammer Sietzen.
* Gießen, 17. Dez. Der mehrfach wegen' Körperverletzung und Deleidigung vorbestrafte Ge°
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butter u. Wildleder, P. 3.75, 3 25,2.50,
legenheitsarbeiter Heinrich B. in Gießen hatte einen Polizeiwachtmeister, der ihn wegen eines Unfugs zur Rede stellte, durch die bekannte Einladung beleidigt und deshalb vom Amtsgericht 2 Wochen G efängnis erhalten. Seine Berufung wurde zurückgewiesen, da seine Behauptung, er habe den Wachtmeister nicht gemeint, durch die Zeugen widerlegt wurde.
Eine zweite Sache, die sich um die Beleidigung eines Offiziers durch einen Sanitätsunteroffizier handelte, und in der letzterer in erster Instanz zu sechs Wochen Mittelarre^t verurteilt worden war, wurde vertagt, da die Möglichkeit eines Vergleichs und darauffolgender Niederschlagung des Verfahrens besteht.
Gerichtssaal.
Nach 22 Jahren zum Lode verurteilt.
WEN. Aschaffenburg, 18. Dez. Nach viertägiger Verhandlung wurde heute im Büchelberg-Mordprozeh das Urteil gesprochen. Der Angeklagte, Gastwirt 11 m - Höfer, dem vorgewor'en wurde, vor 22 Jahren am Büchelberg die Telephonistin Josefine HaaS ermordet und beraubt zu haben, wurde des Mordes in Tateinheit mit schwerem Naub für schuldig befunden. llmhöfer wurde daraufhin zum Tode und zum Ehrverlust auf Lebenszeit verurteilt. Der Angeklagte nahm das Urteil ohne besondere Bewegung auf. Nur während der Urteilsbegründung machte er öfters Zwischenrufe.
Büchertisch.
— Todt: „Was weißt du von ihnen?" (Verlag Hegel & Schade, Leipzig.) Ganzl. 4,80 Mk. Das Werk bringt in kurzer, anschaulicher Darstellung Würdigungen des Lebens und Schaffens einer Reihe großer Männer, u. a. von Michelangelo, Goethe, Schiller, Kleist, Wedekind, Ibsen, Balzac, Dostojewski, Nietzsche, Häckel. 2m Theater, bei der Lektüre, tm Konzertsaal und in den Museen haben uns ihre Werke Stunden stärkster innerer Bereicherung gebracht; es regt sich nun das Interesse an den menschlichen Schicksalen derer, die sie schufen. Wann und wie lebten sie? Und wie gestaltete sich ihre Entwicklung, daß sie gerade diese Werke der Mit. und Nachwelt schenken konnten? Ueber diese Fraaen gibt das Werk in kurzer, aber erschöpfender Weise Antwort. Ein volkstümlich gehaltenes Buch, das besonders denen willkommen fein dürfte, die es sich aus Zeitmangel ober anderen Gründen versagen
Die Versicherten find sich in ihrer großen Mehrheit über den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung in der Krankenversicherung durchaus nicht klar. Vielfach laufen die Versicherten wegen jeder Kleinigkeit zum Arzte oder, was noch schlimmer ist, sie lassen auf dem Lande den Arzt oft kilometerweit zu sich kommen. Und oft kommt es vor, daß wegen der leichten, vorübergehenden Unväßlichkeit eines Kindes oder eines anderen Angehörigen, die durch einen Schluck Tee oder einen Umschlag leicht behoben werden könnte, der Arzt herbeitelephoniert wird. Es kostet sa eben nichts. Zch bin fest überzeugt daß der Arzt nicht den dritten Teil so viel bemüht würde, wenn die Versicherten die Kosten dafür selbst auibringcn müßten.
Selbstverständlich gibt es auch viele, die sich auf Kosten der Krankenkasse von der Arbeit drücken, und diese Zahl wächst ganz naturgemäß, wenn Arbeitseinstellung zu erwarten ist, oder die Witterung den Fortgang der Arbeit einmal unterbricht.
Es muß nach Mitteln und Wegen gesucht werden, um diese Mißstände abzustellen. Dazu ist m. E. vor allen Dingen notwendig, daß zwischen der Verwaltung und den Versicherten ein viel engerer Zusammenhang als bisher gefunden wird. Die 23er« sicherten müssen von der Verwaltung nicht nur wißen, daß sie irgendwo sitzt und ihnen ab und zu den Kontrolleur auf den Hals schickt, und die Verwaltung muß Wege dazu finden, daß der größte Teil der Versicherten gewissermaßen zu Mit« a r b e i t e r n und Mitverwaltern gemacht wird. Die Verwaltung muß also zunächst einmal mit der Masse der Versicherten, engere Fühlung suchen, sei es nun durch die Beamten der Verwaltung oder durch die Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates. Es muffen den Versicherten in kurzen Zwischenräumen öffentliche Aufklärungs» v o r t r S g e gehalten und es müssen in diesen Versammlungen stets Verbesserungsvorschläge diskutiert werden, damit das Interesse jedes einzelnen an der Kasse wächst. Vielleicht ließe sich auch durch Bildung von örtlichen Ausschüssen eine Verhütung unnötiger Krankenmeldungen erzielen. J.
Die Krankheitsziffern steigen!
Man schreibt uns: Die Zuschrift des Krankenkassenoerbandes unter obiger Ueberschrift im „Gieß. Anz.* vom 8. d. M. über die steigenden Krankheits- ziftelm und die damit verbundenen Gefahren für ben Bestaub der Krankenkassen kann nicht ernst genug genommen werden. Abbilfe kann aber nur geschaffen werden, wenn die Ursache des Hebeis ganz klar und scharf erkannt und rücksichtslos ausgerottet wird. Wer die Vorgänge in den Krankenkassen mit Ernst und Derantworllichkeitsgefühl verfolgt hat, der hat schon lange mit bongen Sorgen den Augen- olick kommen sehen, an dem die Leistungsfähigkeit her Kasten zu Ende geht, selbst wenn durch das all- gemein beliebte Mittel der Beitragserhöhungen die- >er-Zeitpunkt noch um eine Spanne hinausgeschoben wirb.
Amtsgericht Wetzlar.
cr Wetzlar, 16. Dez. Wegen gefährlicher Körperverletzung hatte sich der Arbeiter Georg B. von Wetzlar zu verantworten. Der Angeklagte hatte am 3. Oktober d. I. auf der Straße Nauborn—Wetzlar den Zeugen 21uguft G., als dieser ihm wegen der Mißhandlung seines Neffen, eines zehnjährigen Knaben, Vorhaltungen machte, zuerst mit einem Stock bearbeitet und ihm bann mit einem Messer einen Stich in die Weichteile des linken Lei- stenkanals beigebracht. Der Verletzte war infolgedessen sieben Wochen lang im Krankenhaus untergebracht. Wie der ärztliche Sachoerftändige bekundete, war die Verletzung sehr gefährlich und führte direkt an der Schlagader vorbei. Nur einem Zufall habe der Verletzte fein Leben zu verdanken. Das dem Gericht vorliegende kleine Taschenmesser sei offenbar nicht dasjenige gewesen, mit dem der Angeklagte gestochen habe, Denn die Wunde sei etwa 3,5 Zentimeter breit und sehr tief gewesen. Der Angeklagte wollte von bertT Zeugen G. angegriffen worden sein und sich hierbei nur mit seinem Taschenmesser gewehrt haben, was jedoch durch die Zeugen, die eidlich bekundeten, baß B. ber Angreifer war, widerlegt wurde. Das Gericht sah den Angeklagten als überführt an und versagte ihm mit Rücksicht auf die Schwere der Verletzung mildernde Umstände. Das Urteil lautete auf a ch t Monate Gefängnis unter sofortiger Verhaftung des Angeklagten. Auch wurden dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens auferlegt.
Wegen Uebertretung des Paragraphen 17 der Verordnung vorn 15. März 1923, weil sie mit ihrem Auto in den Straßen von Wetzlar durch zu starke Rauchentwicklung die Passanten belästigt hatten, wurde gegen die Krastwagenführer Otto odi. und Heinrich Z. von Wetzlar verhandelt. Beide Angeklagten hatten gegen polizeiliche Straf« Verfügungen über ’e 10 Mark Antrag auf gerichtliche Entscheidung gestellt und behaupteten, die Rauchentwicklung lasse sich nicht vermeiden, da es sich um alte, unmoderne Kraftwagen handele. Die Behauptung ber Angeklagten war nicht zu wider- legen. Das Gericht erkannte auf kostenlosen F reispruch beider Angeklagten.
Der Kaufmann Johann B. von Wetzlar war wegen Ueberschreitung der Polizeistunde und wegen Widerstandes angeklagt. Wie die Verhandlung er« gab, befand sich ber Angeklagte an einem Tage im Oktober nach Schluß ber Polizeistunde in einer Wetzlarer Wirtschaft, als zwei Pottzeibeamie er« schienen und Feierabend boten. Der Angeklagte, der sich zunächst hieran gar nidrt störte, wurde von einem Beamten aufgefordert, sich zu legitimieren, was er mit der Frage: „Wer sind Sie?" beantwortete. 9m Verlauf des sich nun entfplnnenben Wortwechsels nahm ber Beamte den Angeklagten feit, um ihn zwecks Feststellung der Personalien mit zur Wache zu nehmen. Hiebei soll sich ber Angeklagte widersetzt haben. Der Angeklagte bestritt die Wiberietzung, wogegen ber Zeuge M. dies eidlich bekundete. Das Gericht erkannte auf 4 0 M k. Geldstrafe, hilfsweise 8 Tage Gefängnis, unter Auferlegung ber Kosten des Verfahrens.
Spielplau der Frankfurter Theater.
Opernhaus Sonntag, 20. Dez., nachmittags 3 Uhr: Die Weihnachtsglocke. Abends 6'/r IHjr: Der Aosenkavalier. Montag, 21.: Margarethe. Dienstag, 22.: Eavalleria rusti- cana. Hierauf: Der Bajazzo. Freitag. 25.: Siegfried. Samstag. 26. Dezember, nachmittags 21/» Uhr: Die Weihnachtsglocke. Abends 7 Uhr: Othello. Sonntag, 27. Dezember, nachmittags 2‘/2 Ahr: Die Wcihnachtsglocke. Abends 7 Uhr: Eine Aacht in Venedig.
Schauspielhaus. Sonntag, 20. Dezember, abends 8 Uhr: Die drei Zwillinge. Montag, 21.: Wie es euch gefällt. Dienstag. 22.: Der Llnwiderftehliche. Mittwoch, 23.: Der fröhliche Weinberg. Freitag, 25.: Das große Welttheater. Samstag, 26. Dezember, nachmittags 3V-. Uhr: Einer von unsere Leut. Abends 8 Uhr: Der fröhliche Weinberg. Sonntag, 27. Dezember, nachmittags 3'/- Uhr: Die drei Zwillinge. Abends 71/; Uhr: Der Kreidekreis.
Ein Jubiläum der „Gietzener Kalalogbapsel".
Zu Weihnachien 1925 werden 40 Jahre feit der Einführung der sog. Gießener Katalogkap« sei an der Universitätsbibliothek Gießen verflossen sein?die sich seitdem in Bibliothekskreisen und in der Gelehrtenwelt weithin einen Namen gemacht bat Als im Herbst 1885 die Leitung der Gießener Universilälsbibliothek auf ben Würzburger Bibliothekar Hermann Haupt überging, stellte sich für ihn die Notwendigkeit heraus, die Hunberttau iende von Zetteln des Bibliothekskatalogs in zweckmäßigerer Weife unterzubringen, als dies bisher geschehen war. Der neue Bibliotheksleiter unternahm, von dem feit 1875 für die Universitätsbibliothek arbeitenden Buchbindermeister I. P. Sann wirksam unterstützt, eine Reihe von Verbesterungsversuchen, die an die von ihm in der Würzburger Universitätsbibliothek geschaffenen Einrichtungen anknüpften, bis es der Findigkeit des Technikers gelang, die Aufgabe , in glücklicher Weife zu lösen. Das Wefenlliche der an und für sich ganz einfachen Erfindung besteht darin, X daß sich aus ben zwei feststehenben Settenwänden der Kapsel deren Vorder- und Rückwände durch F Seitenflügel ein- und ausschieben lasten. So wird es möglich, die Katalogblätter, die immer in zwei ae- 7 sonderte Gruppen auseinanderfallen, in die rechte Lage zum Auge zu bringen, leicht lesbar zu machen und bequem zu durchblättern, ohne daß der Benutzer in Versuchung kommt, die einzelnen Blätter den Kap- sein zu entnehmen und damit etwa die Ordnung der Blätter zu Jtören. In Bibliothekskreisen wurde man bald auf die zweckmäßige Einrichtung aufmerksam, jmb die Sannsche Buchbinderei hat im Laufe ber Jahrzehnte eine Reihe von Bibliotheken, Seminaren und gelehrten Unternehmungen mit vielen Tausenden von „Gießener Katalogkapseln" versehen, die bis heute ihren guten Ruf bewahrt haben. Don jenen Stellen, die die Gießener Kapseln in Gebrauch genommen haben, feien hier nur genannt die Preußische Staatsbibliothek, die Reichstags- und Landtagsbibliothek in Berlin, die Universitätsbibliotheken in Berlin, Königsberg, Leipzig, Postier, Caen, die Marinebibliothek in Kiautschau, das Aegyptische Museum tn Kairo, die Leitung des Thesaurus linguae Latinae, des Grimmschen Deutschen Wörterbuchs, des Sckles- wig«Holsteinscheu und des Neuen Aegyptischen Wörterbuchs. Auf ber Weltausstellung von Chicago ist die Einrichtung durch Verleihung einer Medaille an die Gießener Universitätsbibliothek ausgezeichnet worden.
müffen, längere Biographien nachzuschlagen. DaH die Würdigungen in einem lebendigen, flotten Stil abgefaßt sind, kommt in diesem Sinne oem Werke in hohem Matze zu statten. Die Beigabe der Federzeichnungen als Bilder der einzelnen Persönlichkeiten erhöht den Wert des Buches, das auf federn Weihnachtstisch viel Freude bereiten dürfte. 807
— Die schöne Literatur (Herausgeber: Will Vesper: Verlag Ed. Avenarius, Leipzig- Preis vierteljährlich nur 2 Mk.). Das Dezemberyest ist durch feine Fülle an Besprechungen und Bnch- anzeigen recht geeignet, allen für den Weihnachts- emtauf von Büchern ein guter und sicherer Ratgeber zu fein.
— Louis (Souperu s: 9s tauber. Der Roman Alexanders des Großen. (PH. Reclam, Verlag in Leipzig. Preis 10 Mk.) — Es ist nicht so sehr der Held Alexander, der krieggeübte Mazedonier, den Couperus auf seinem Siegeszuge begleitet; eü ist vielmehr der grüblerische Mensch mit den weittragenden Gedanken, der in das Reich des Dareios, des „Königs der Könige" einbricht. Das Schicksal Alexander- wird hier für reife Menschen verständlich:' der Dichter hat all icne kleinsten ^ge^rforscht, die selbst einem Alexander ben Großen bei Frauenschön» Heu, Wein und Ueberfluß im Charakter umbiegen.
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— Ludwig Thoma. Von Fritz Dehnow. Mit einem Bilde Thomas auf dem Einband. Preis in solidem Pappband 2 Goldmark. Verlag von Albert Langen in München. — Dem großen Leser- Freundeskreise, den sich Ludwig Thoma über seinen Tob hinaus bewahrt hat, bringt ber Verlag Langen mit diesem Werke Dehnows eine willkommene (Babe. In Wesen und Denken, persönliche Schicksale und in die Werke des Künstlers führt uns Friß Dehnow auf eine höchst anziehende, frische Weife ein, mit einer seltenen Objektivität, fern aller Lobhudelei und aller liebevollen Beschönigung. Dehnow hat es verstanden, auf eine äußerst geschickte Weise aus Thomas Werken Prosaftellen und Verse zitierend und geistvoll verbindend in verschiedenen Abschnitten „Politik", „Wider das Unechte", „Geistlichkeit", „Geschlechtlichkeit" und so weiter eine Kenntnis des Dichters zu vermitteln, wie sie bester nicht gedacht roert den kann, denn er läßt durch diese Lebensäußerungen Ludwig Thoma sich selbst zeichnen. Denen, die Thoma noch nicht kennen, bietet er in feinem Buche geradezu eine Essenz seiner Dichtungen. 1
— Berner von Heiden ft am, Der heiligenDirgirta Pilgerfahrt. Lieber- setzung aus dem Schwedischen von Ilse Meyer- Lüne. Preis in Leinen gebunden 6 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Der Schatten der frommen und gestveirgen Mutter Birgitta, die ei» gemeinsames Kloster gottsuchender Männer und Frauen gründen wollte. — dieser Schatten aus dem vierzehnten Jahrhundert ist lebendig geworden in der hoheitsvollen Gradl'm'gkeft seines Wesens, der Herbe und Sähe seiner Selbstüberwindung und dem Mysterium seiner Erkenntnisse. Wie diese Gottsucherin, die von sich und dnr Ihren immer das Schwerste fordert, Entsagung bis aufs Blut, durch Gewährung aller ihrer Bitten vom Schicksal aufs wirksamste erzogen und in das verwandelt wird, was sie liebt, wie sie, die einbändige, immer stiller, reifer, milder wird und sich zuletzt damit bescheidet, daß die Gottheit uns die Antwort versagt auf bit buickle Frag«, „warum die, die sich am brennendsten danach sehnen, der Liebe und Gerechtigkeit -u bienen, MfeS tun müssen wie die Dösen, und bah ihnen bittere Tränen auf Erden folgen müssen," — da- alles ist unsäglich schön! 718
— Westermanns Monatshefte. 70. - Jahrgang. Dezember 1925. 2 Wk. Berlag Georg Westermann, Braunschweig Hamburg. Weih- nachtSsttmmung liegt über diesem Heft. SS zeigt in Wort und Bild weihnachtliches Kunstgewerbe und erfreut durch ein entzückendes Weihnachtsmärchen von Walther Aithack-Stahn, während eine reich illustrierte Arbeit über Stefan Loch- ner mittelalterliche Kunst, auf deren Reichtum wir uns zu Weihnachten gern einmal besinnen, dem Derständnis nahe bringt.
— Das Onselfchiff, die Zeitschrift für Freunde des Insel-Berlags, sendet soeben das erste Heft des neuen, siebenten Jahrgangs auS. Es ist Rainer Maria "Rilke zum 50. Geburtstag gewidmet und wird durch einen Aufsatz von Felix Braun über ihn eingeleitet. AuS den übrigen Beiträgen nennen wir neben Gedichten von Rainer Maria Rilke in erster Linie die Erzählung „Der Präfekt" von Hans Earossa. ein Stück aus einem künftigen Buche deS Dichters, das den Titel „Die Geschichte einer Jugend" führen soll: ein geistreiches Gespräch von Herman,i Bahr, „Die Geburt Europas" und einen Brief von Albrecht Schaeffer. Zwei Bildtafeln, die eine ein Blatt aus der Manesse- fchen Liederhandschrift, die andere den Heiligen Christoph, ein Werk Peter Dischers des 2kl- teren, darstellend, sind dem von Walter Tiemann mit einer reizvollen Llmschlagzeichnung geschmückten Hefte beigegeben.
gelb werte Gegenftänbe in gewöhnlichen Briefen mit ber Post zu versenden, ist tief eingewurzelt. Sie beruht auf dem Vertrauen der Oeffentlichkeit zur Post und auf ber Erfahrung, daß gewöhnliche Briefe nur selten verloren gehen. Es darf aber nicht vergessen werden, baß die Vc. hältnisse jetzt anders liegen als vor dem Kriege. Die Deutsche Reichspost beschöfttgt in ihrem Betriebe rund 30Ö Ö00 Personen. Es ist oerftändlich, daß die Erscheinungen ber Kriegs- und Nachkriegszeit, die sich mit dem Niedergang der sittlichen Kraft des Volkes überall bemerkbar machten, an einem so zahlreichen, dazu mit Hilfskräften durchsetzten Personal nicht spurlos vorübergehen konnten. Die Deutsche Reichspost hat weder Mühe, noch Kosten gescheut, um die in den letzten Jahren heroorge- tretene Unsicherheit des Beförberungswesens, eine Erscheinung, unter der die Eisenbahn gleichmäßig zu leiden hatte, nachhaltig zu bekämpfen. (Erfreu- iicherweiie Haden fick die Verhältnisse seit ben Jahren 1919 und 1Ö2Ö schon sehr gebessert. Immerhin ist die Sicherheit ber Vorkriegszeit tm Postde« triebe noch nicht erreicht; auch das Publikum muß an ber Gesundung mithelfen. Dazu bedarf es, daß es endlich mit der Gewohnheit bricht, Geldscheine in gewöhnlichen Driesen zu verschicken. Durch diese versendungsatt werden ungetreuen Elementen innerhalb und außerhalb der Postbeamtenschaft Anreiz und Mittel in die Hand gegeben, sich auf vAchältnismäßig leichte und bequeme Weise Geld zu verschaffen. Briefkastenräuber,, die kürzlich in einer Großstadt dingfest gemacht worden sind, haben offen zuge« geben, daß es ihnen weniger um die auf den Briesen verklebten unentwerteten Freimarken als darum zu tun gewesen ist, in den Briefen Geld oder Geldeswert zu finden. Ihnen sind auch nack- hafie Geldbeträge in die Hände gefallen.
Aber auch die Versendung von Geld in Einschrei b b r t e f e n ist nicht unbedingt sicher. Geht ein derartiger Brief verloren, so erhält der Äb« fenber 40 Mk. Ersatz. Wird aber ein E i n s ch r e i b. b r i e f um seinen Geldinhaltberaubt, so ist die P o st nicht ersatzpflichtig, denn nach § 10 des Pretzgesetzes besteht die Haftung nur für den Verlust, nicht aber für die Befchädi« g u n g eines Einschreibbriefes. Darum Vorsicht auch bei ber Dersenbung von Gelb in Einschreibbriefen. Die einzig richtige Art, Geld zu verschicken, ist die mit Postanweisung ober Zählkarte, u. U. Geldbrief.
farbenbrikbttat* Oefkter ra« toentg »6er gar nicht zur Geltung kommt.
kz. H e r m a n n ft e i n , 17. Dez. Die gefährlichste Derkehrsecke an ber Wegstrecke von Gießen bi» nach Köln befindet Hm Hierselbst in der Mitte des Ottes, wo die Kreisstraße von Hohensolms aus in die Hauptstraße einmündet. Die Straße ist dott so eng, daß zwei große Autos ein« ander nicht ausweichen können, und das schlimmste an ber ganzen Straßenecke besteht barin, daß bie Wagen nicht eher einander gewahr werden, bis sie voreinander stehen. Selbst starkes Hupen verhindert nickt alle Unfälle. Es wäre allerhöchste Zeit, daß endlich das den Verkehr hindernde Bauernhaus an» gekauft und abgebrochen würde. Im Intsresie einer glatten Verkehr sabwickekung wäre diese Regelung zu begrüßen.
Dillkreis.
WSA. Dillenburg, 18. Dez. 2!ach dem Gesamtergebnis der am 1. Dezember erfolgten Viehzählung find im Dil 1 kreis 8838 meh- haltende Haushaltungen vorhanden mit einem Bestand von 1194 Pferden, 5 Eseln. 17 905 Stück Rindvieh, 5427 Schafen, 10 820 Schweinen, 4779 Ziegen, 1027 Kaninchen, 71 533 Stück Federvieh iGänse, Enten und Hühner) sowie 1103 Bienenstöcken.
bl. Herborn. 18. Dez. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß in ihrer jüngsten Sitzung die Erhöhung des Zuschlags zur staatllchen Wander lagerst euer von 100 auf 150 Prozent. — Gs soll ein neuer Führer durch Herborn herausge- geben werden. Gemäß Antrags des Magistrats wurden 600 Mark für 6000 Stück bereitgestellt. Dem Magistrat wurden 2000Mark zur Ber-- tcilung an Erwerbslose für Weihnachten zur Verfügung gestellt. Ein Antrag des ..Wirtevereins auf Herabsetzung der Getränke st euer um 50 Prozent bzw. deren gänzliche Beseitigung wurde dem Magistrat zu-- ständigkeitshalber abgegeben. Die Stadtverordneten beschäftigten sich ferner noch mit dem 21 n- fauf eines Anwesens in der Hauptstraße für 30000 Mark, das zu Wohnungen oder au einer Badeanstalt eingerichtet werden sott. Aach längerer Debatte wurde der Ma- gistratsvorschlag im Hinblick auf die Finanz- not abgelehnt. Damit dürfte auch die allseits sehnlichst erwattete Badeanstalt ins Wasser gefallen sein, da andere Gebäude schwerlich zu haben sind.
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Aus dem Amtsverkündigutt^sblatt.
* Das Amtsverkündigungsblatt N r. 98 vom 18. Dezember enthält: Kirchen« und Stiftungsvorschläge. — Maul- und Klauenseuche in Lich, Allenbors a. b. L., Grotzen-Linden und Steinheim. — Amtstage. — Ueberlassung von Schulräumen. — Feldbereinigungen Reinhards- Hain, Harbach und Lauter. — Dienstnachrichten.
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