Ausgabe 
19.12.1925
 
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llr. 297 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen)Samstag, y>. vezember 1925

Außenpolitische Umschau.

Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M. d. R.

In Deutschland, Frankreich, Holland, Polen. Finnland und wo sonst sind Regierungskrisen. Reben ihnen aber muh überall die auhenpoltttsche Arbeit doch weitergehen. Denn in diese kommt unzweifelhaft ein stärkeres Tempo als bisher. Die beiden Linien, auf denen sie läuft, sind die des Völkerbundes in den Deutschland im Frühlahr eintritt, und die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Ratsversammlung des Völkerbundes in (Senf hat die M o f s u l f r a g e , wie man so sagt, ent- chieden. Und zwar in dem Sinne, daß das Mossul- gebiet dem Irak zufällt, mit einer Grenzlinie, die ungefähr der sogenannten Brüsseler Linie, der provi­sorischen Demarkationslinie entspricht. Am 16. Dez. wurde dieser Beschluß öffentlich bekanntgegeben. Er weist also Mossul Großbritannien zu, verlänaert dessen Mandat um 25 Jahre, vorausgesetzt, daß das englische Parlament das annimmt. Zu diesem Zweck hat England einen neuen Vertrag mit dem Irak vor­zulegen. Die Idee ist, daß während der 25 Jahre das Jrakgebiet so selbständig hat werden können, um in den Pölkerbund zugelassen werden zu können.

Während England diesen Beschluß angenommen hat und seine Bereitschaft zu freundlichen Beziehun- gen mH der Türkei betont, hat die Türkei sich bei der Publikation des Beschlusses gar nicht vertreten lassen. Sie erklärt die Schiedsentscheidung des Völkerbun­des für null und nichtig. Zu Ende ist damit die Frage noch nicht. Aber schwerlich wird es zu Gewalt kommen, wo England der Türkei weit überlegen wäre. So werden wohl direkte Verhandlungen zwi­schen England und der Türkei notwendig werden.

Mit dieser Entscheidung wurde die Tagung des Völkerbundsrates abgeschlossen, mit der er also etwas Endgültiges nicht zustandegebracht hat. Be- K hat er, was Europa mehr interessiert, die 'tungskonferenz mit einer Einladung an Deutschland, Amerika und Rußland, die am 15. Januar beginnen soll, und die internationale Wirtschaftskonferenz, die Loucheur vorgeschlagen hat und deren Zusammentritt noch bestimmt wird. Wie man auch zu diesen internationalen Konferenzen stehe, beide sind wichtige Veranstaltungen, und bei beiden ist Deutschland sehr erheblich beteiligt. Es wird die Einladung zur Abrüstungskonferenz anneh­men und bei der Wirtschaftskonferenz vertreten sein und so Gelegenheit haben, seine Forderungen und Wünsche nachdrücklich zu vertreten.

Die Wirtschaftsfragen werden auf Linien weitergeführt werden, die seit der Brüsseler Konfe­renz oon 1921, der Sachverständigenkonferenz in Berlin im Oktober 1922 und dem Daroesplan ja vorgezeichnet sind. Hier ist man über das Grund­sätzliche ja im wesentlichen einig, hier dreht es sich um Konkretes, Durchführung, Revision (Dawesplan). Hart aufeinander stoßen dabei von allem die handels­politischen Programme und Forderungen. In der Abrüstungsfrage zeigen die Vorschläge, die Benesch dem Völkerbundsrat gemacht hat, wie schwierig diese schon in den ersten Grundsätzen ist. Was sind rnili- lorische Rüstungen? Wie ist ihre Verminderung zu denken? Wie kann man Rüstungen mit denen des anderen Staates überhaupt vergleichen? Wie kann man ein Verhältnis zwischen Rüstungen des einen und anderen Staates herausbekommen? Wie verhält es sich mit der Lustschiffahrt dazu? Vorläufig ist nichts erreicht, als daß die Probleme gestellt, Fragen formuliert sind und Gelegenheit gegeben werden soll, darüber zu sprechen. Was Benesch sonst noch dazu gesagt hat, gibt auch Anlaß, recht ernsthaft nachzu- denken, z. B. der Gesichtspunkt der sog.potentiellen Rüstung", das heißt einer Rüstung, die der Bevölke- rungsftdrfe und der Wirtschafts- und Industriemacht eines jeden Landes entspräche. Auch die Frage der Jndustriekontrolle unter dem Deckmantel der W- rüftung spielt bedenklich und Aufmerksamkeit hei­schend herein. Deutschland wird sehr genau seine Ansprüche und Forderungen au erwägen und sehr nachdrücklich auszusprechen haben!

Die Botschaft des amerikanischen Präsidenten, mit der am 8. Dezember die ordentliche Kongreß- arbeit begonnen wurde, behandelt die Abrüstungs- frage auch ausführlich. Sie zeigt, daß nun diesesPro- b(em in den Mittelpunkt der großen internationalen Auseinandersetzungen rückt. Coolidge zieht für seinen Staat dabei bestimmte Grenzlinien. Er nennt die Landabrüstung eine spezifisch europäische Frage, die heute von größerer Wichtigkeit für die Welt sei, als Die Abrüstung zur See. Die letztere würde von Amerika über die bekannten Abmachungen von Washington (1922) weitergeführt werden. Zunächst überläßt Amerika es Europa, die Landabrüstung weiterzubringtn, und damit kommt diese auf das Verhältnis von England und Frankreich auf Ab­rüstung und Garantie heraus. Aber Amerika wird die ganze Bewegung mit starkem Interesse verfolgen und unterstützen. Und es hat dazu in der Hand, wie bekannt, bas Mittel der Kredithilfe, den Druck auf Frankreich, ob es wolle ober nicht, bas bie Unter­stützung Amerikas sucht.

Im amerikanischen Kongreß wirb lebhaft ge­kämpft werben. Die bemokratische Opposition läuft gegen bie republikanische Herrschaft an, unb ber Se­nator Borah kann Coolibge bas Leben sehr schwer machen. Aber bie großen Gesichtsounkte unb Leit­sätze ber amerikanischen Außenpolitik finb boch in biefen Jahren immer fester unb beutlicher geworben. Man weiß, was man in Ostasien will, unb inan weiß ebenso, was man Europa gegenüber wünscht. Der europäische Politiker, der sich nach der Stellung Amerikas zu den europäischen Fragen fragt, kann sich doch ein ausreichendes Bild machen, wie weit auf die amerikanische Unterstützung zu rechnen ist, was Amerika in dem Kreise der internationalen Verhandlungen der nächsten Monate bedeuten wird.

RäumungoonKöln und weitere Regelung sowohl der Rückwirkungen wie der Besatzungs- frage überhaupt, deutsch-französische Wirtschafts­beziehungen, Abrüstungskonferenz unb wirtschaftliche Untersuchung, genauer gesagt für uns: Revision des Damesplanes mit biefen Schlagworten ist ber Kreis von Aufgaben gezogen, die, wie ersicht­lich, alle ineinandergreifen, und in denen eine von der anderen abhängig unb bebingt wirb. Sie in ihrem Zusammenhang richtig zu erfassen, in biefem Zusammenhang unsere Forberungen und Inter­essen stets zweckmäßig zu formulieren unb zu ver­treten, ist ber beutschen Außenpolitik schwerer ge­macht als ben anberen, roeil biefe Art Arbeit für uns jetzt eigentlich erst beginnt. Dazu ist es noch ein befonberer schwerer Rachteil, baß in Wochen, bie stärkste Vorbereitung erforbern, bie Krast und Zeit hingeht mit biefem Gezerr, bas man in Deutschlanb bie Regierungskrise unb Regierungsbildung nennt. Unb es ist für uns ein schwacher Trost, daß sich die französische innere Politik in derselben kritischen unb unangenehmen Lage befindet.

Oberhessen.

rlandtreis (Sicfccn.

V Klein-Linden, 18. Dez. Bei der Vieh­zählung am 1. Dezember wurden in unserer Ge­meinde gezählt: 24 Pferde, 351 Stück Rindvieh, ein Schaf, 382 Schweine, 295 Ziegen, 2644 Stück Feder­vieh, 38 Kaninchen, 9 bewegliche und 1 unbewegliche Bienenwabe.

s. Rödgen, 18. Dez. Heute brachte man einen Dete ranen der Arbeit, den 78jähr. Zigarrenmacher H. Da Ise r 5 von hier, zur letzten Ruhe, beit seiner Schulentlassung (1861) hat er bis zum letzten Jahre ununterbrochen bei der

Firma Ludwig Georgi in Gießen, in Arbeit gestanden. Die Wertschätzung, die der Verswr- bene überall genoß, zeigte sich deutlich in dem großen Trauerg'.folge und den zahlreichen Kranz­spenden. Pfarrer Groth rühmte den vorbild­lichen Fleiß des Toten. Die Firma Georgi ließ unter ehrenden Worten einen Kranz nieder­legen. Dasselbe geschah vonseiten feiner Ar­beitskameraden und dem Wahlverein Rödgen, dessen Mitglied der Verblichene war.

: Grohen-Duseck, 18. Dez. Auch in unserem Dorfe breiten sich die Masern immer weiter aus. 3n den unteren Klassen der Volks- schule fehlt fast die Hälfte aller Schüler. 3m benachbarten Alten-Duseck hat die Epidemie bereits ihren Höhepunkt überschritten, nachdem auch dort viele der jüngeren Kinder von den Malern heimgesucht tvaren. Am Donnerstag, nachmittags und abends, sanden im Saale der Wirtschaft Drück durch den leitenden Arzt der Eleonorenheilstätte zu Lindenfels im Odenwald, Dr. Sell, Dorträge statt über »Die Tuber­kulose und ihre Bekämpfung". Der Dortrag am Rachmittag war bestimmt für die Vollsschüler und Fortbildungsschüler von Gro- ßen-Buseck, Alten-Duseck, Deuern und Rödgen. Dr. Sell zeigte, in seinem Dortrag die Ent­stehung der Tuberkulose und ihre Bekämpfung durch den Arzt. Desonders warnte er in väter­licher Weise die anwesende 3ugend vor den Ge- sahren des Tabak- und Alkoholgenus» s e s als der beiden Hauptverbündeten der Tuber­kulose. Auch gab der Dortragende Derhütungs- maßregeln bekannt, um di.se Volks,euche dem Körper fernzuhalten. Diele Lichtbilder ergänzten die Ausführungen des Redners. Reicher Deifall aller Anwesenden folgte dem lehrreichen Dor­

trag. Rektor 3nderthal. Großen-Duseck, dankte Dr. Sell für seine Aufklärungen. Der Dortrag am Abend galt den Erwachsenen.

Göbelnrod, 18. Dez. Zu den Annehm­lichkeiten des Daseins, die man erst empfindet, wenn man sie entbehren muh, gehört die Wasserleitung. 3r.folge der großen Kälte der vergangenen Woche, wo das Thermometer bei uns auf 30 Grad Celsius fiel, fror das Pump­werk am Fuße des Wirberges ein und leider auch trotz Heizung im Wasserhause entzwei. So sind wir feit. 1 Woche ohne Wasser, und die alte Zeit von vor 11 3ahren ist wieder eingekehrt. Da aber die meisten Pumpen im Dorfe verschwunden oder untauglich geworden

sind, ist das Wasserholen, abgesehen von den Wegen, für die meisten Leute -sehr erschwert. Dei der Anlage des Wasserwerkes unserer Ge­meinde vor 11 3obren wurde nur eine Pumpe und ein Motor aufgestellt, während vielerorts die Anlage mit doppelter Pumpe unb Motor eingerichtet wurde. So sitzen wir nun im Trock­nen. Der Gemeinderat hatte ja schon vor dieser Kalamität die Anlage einer zweiten Pumpe und Motors beschlossen, aber angeschafft ist sie noch nicht. Hoffen wir, daß der Ge­meinderat, ber Mittwoch mit Herren von der Kulturinipektion über die 3nstandsehung des Pumpwerkes verhandelte, Mittel und Wege ge­funden hat, um unsere Leitung wieder in Gang zu bringen.

> Holz heim, 18. Dez. Heute gegen Mit­tag ereignete sich im hiesigen Basalt st ein- bruch ein schwerer Tknglücksfall. In­folge des eingetretenen Tauwetters hatten sich einige, viele Mein: hohe Steinsäulen losgelöst und sausten mit voller Wucht in die Tiefe. Dabei wurde der Arbeiter Adam Dingel von hier erdrückt. Der Tod trat sofort ein. Bier weitere Arbeiter konnten nur mit Mühe und Rot dem gleichen Schicksal entgehen. Einer von ihnen wurde durch ein Felsstück noch leicht an der Ferse verletzt.

Kreis Friedberg.

z< Bad-R a uheim , 18. Dez. Den Reigen der Weihnachtsfeiern eröffnete die Srnst - Ludwig-Schule (Oberrealschule), die gestern und heute vor vollem Haus in der Turnhalle des Turnvereins 1860 den Ellern der Schüler unb den zahlreichen Freunden bet Anstalt frohe Stunden vorweihnachtlicher Stimmung bot. Die

Preisausschreiben

Mit der Herausgabe unserer Jubiläums-Sondernummer haben wir ein Preisausschreiben erlassen, worin gesagt wird:

Um zu erfahren, welche Anzeige in dieser Sonderausgabe unserer Leserschaft am eindrucksvollsten, somit also am wirksamsten erscheiyt, fordern wir unsere Bezieher auf, uns unter Beifügung einer kurzen Begründung den Namen des Auftraggebers derjenigen Anzeige schriftlich mitzuteilen, die sie für die wirksamste halten.

Drei Anzeigen, auf die sich die l ö hste Stimmenzahl vereinigt, werden bekanntgegeben. Die treffendsten Begründungen für diese Wahl werden mit je einem Geldpreis bedacht in Höhe von

150 Mark

1OO

50

Sämtliche Zuschriften sind bis zum 10. Dezember an die Geschäfts­stelle des Gießener Anzeigers zu richten. Die Entscheidung über die besten Begründungen wird von Sachverständigen gemeinsam mit dem Verlag getroffen.,,

Die Begutachtung durch Sachverständige, bestehend aus den Herren Kommerzienrat Schirmer, Röhr, vr. Feld, Winterhoff und zwei Herren des Berlages, fand am Donnerstag statt

Der Wettbewerb hatte eine rege Beteiligung aufzuweisen. Die große Zer­splitterung in der Bewertung deutet darauf hin, daß den Bewerbern die Wahl der wirkungsvollsten Anzeigen außerordentlich schwer geworden ist, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil alle Anzeigen mit Sorgfalt hergestellt und wirkungsvoll waren; immerhin hatten drei in der Be­wertung einen erheblichen Vorsprung vor anderen.

Die meisten Stimmen fielen auf die AnzeigeHenkels Persil", mit fast derselben Stimmenzahl folgte diejenige der Firma Gustav Geiste, Gießen. In etwas größerem Stimmenabstand ist an dritter Stelle die ganzseitige Anzeige der Typograph-Gesellschaft auf der letzten Seite der Sonder­nummer bewertet worden.

Der erste Preis von Mk. 150. für die beste, kurße Begründung der Vorzüge der Henkels Persil-Anzeige wurde einstimmig Herrn Fabrikdirektor Gustav Bergen, Heuchelheim, Wilhelmstr. 21, zuerkannt.

Den zweiten Preis von Mk. 1OO. erhielt Herr Zollinspektor Georg Hetz, Gießen, Bismarckstr. 40, für die treffendsten Angaben über die Anzeige von Gustav Geisse.

Der dritte Preis oon Mk. 50. wurde Herrn Güterinspektor Bertold Bechtold, Gießen, Gnauthstr. 32, für die besten Ausführungen über die Typographanzeige zuerkannt.

Außerdem wurden die Begründungen von folgenden acht Wettbewerbern lobend hervorgehoben:

von Herrn Philipp Hofmann, Lehrer in Lang-Göns Herrn W. I o o st, Eisenbahn-Bauinspektor in Hungen Herrn Dr. Küster, Universitätsprofessor in Gießen, Brandplatz 4 Frau Paula Messer-Platz, Gießen, Stephanstr. 25 Herrn Fritz Rispel, Beamtenanwärter, Gießen, Löberstr. 8II Herrn Karl Ott, Lehrer in Münster, Post Laubach Herrn W. Schmitt, Bankbeamter, Gießen, Wilsonstr. 15II Frau Gertrud Walbrach, Gießen, Iheringstr. 7

Für die lobend heroorgehobenen Preisbewerber ist als bleibende Erinnerung ein gebundenes Stück unserer Jubiläumsausgabe in Abzügen auf feinem holzfteien Papier vorgesehen, sobald deren Herstellung bewerkstelligt ist.

Verlag des Gießener Anzeigers.

Dorttagsfolge ftanb auf hoher künstlerischer Stufe. Reben gefänglichen Darbietungen unb Deklamationen, unter benen auch ein Weihnacht-- gebicht von C. F. Meyer nicht fehlte, füllten bas ..W eihnachtsspiel" von Waldemar D o n s e IS unb ein ,.H i 11 e n f p i e l" aus bem Erzgebirge ben Hauplteil bes Programms aus. Die mittoidenben Schüler gaben babei ihr Bestes. Die Darbietungen fanben benn auch ungeteilten Deifall. Der Reinertrag ber Veranstaltung, bie, wie oben gesagt, zweimal ftattfinben mußte, wirb für bie Erhaltung bes Iugenbheims ber Oberrealschule in Cransbetg (Taunus) verwanbt. Zur E.gänzung bes gestrigen Stadtverordneten- berichts sei noch mitgcteilt. baß in bet nicht­öffentlichen Sitzung u. a. über bie Vergebung von Freistellen an ber Ernst-Ludwig» Schule unb bie Gewährung eines Baubeihilfe- barlehns Deschluh ge'aßt würbe. Außerdem den städtischen Arbeitern eine außer­ordentliche Weihnachtsbeihilfe ein­stimmig bewilligt. Auch in ber ErwerbS- lofenfürforge sollen noch vor Weihnachten besondere Unterstützungen ausgezahlt werden.

Kreis Schotten.

XlX Schotten, 18. Dez. 3nfolge des gest­rigen heftigen Schneefalles sind heute im ob.ren To?clsberg sämtliche Postautos stecken geblieben. Der Schnee liegt stellen­weise 1 Meter h:ch.

XlX Obet ° Lais, 18. Dez. Auf bem hie­sigen Friebhof lag ein französischer Kriegsgefangener namcno 3can Richarb beerdigt. Am vergangenen Samstag wurde nun die Leiche von einem französischen ilmbettungei- kommando ausgegraben und nach Frankreich ver­bracht.

Starkenburg.

* Darmftabt, 18. Dez. In der gestrigen Stadtoerordnetensitzung wurden An­träge angenommen auf Gewährung einer ® i r t - schaftsbeihilfe für Erwerbslose und Empfänger öffentlicher Unterstützungen, wonach diesen eine Beihilfe von 40 Mk., auf 5 Monate ver­teilt, gewährt wird. Die Beihilfe soll grundsätzlich in Naturalien gegeben werden. Die hierfür er­forderlichen 27 000 Mk. sind sogleich bewilligt wor­den. Ferner wurde zur Ausführung oon N o t ftanbsarbeiten die Bereitstellung eines Kre­dits von 56 700 Mk. aus Anleihemitteln genehmigt. Die Versammlung stimmte ferner einem sozialdemo­kratischen Einspruch gegen den Reichs- schulgesetzentwurf zu: die Zentrumsstadtver- ordneten stimmten dagegen. Da die Getränke- fteueroerorbnungen der Städte Mainz und Gießen von den Gerichten für ungültig erklärt worden sind, roeil formale Verstöße Vorlagen, hat die Stadt Darmftabt eine neue Verordnung zum 1. Januar 1926 eingeführt, bei der sämtliche Formalien gewahrt sind. Die Stadtverordnetenoer. sammlung hat dieser Verordnung zugestimmt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

t. Wetzlar, 18. Dez. Der Landrat hat mit Zu. ftimmung des Kreisausschusses für den Umfang des Kreises Wetzlar eine Polizeiverordnung er­lassen, nach roddjer jeder Besitzer von Bie­ne n st ö ck e n verpflichtet ist, solche Stöcke, die von bösartiger Faulbrut befallen sind, sofort dem Kreis- ausschuß in Wetzlar anzuzeigen. Ferner ist die Unter- uchung der Bienenstöcke durch eine vom Kreisaus- chuß beftimtme Kommission zu gestatten. Bienen- töcke, bei denen bösartige Faulbrut festgestellt ist, sind gemäß Anordnung der Kommission zu beseitigen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft.

+ Wetzlar, 18. Dez. Zu ber im .Wetz­larer Anzeiger" veröffentlichten Rachr'.cht, bah (in Preußen) bie Schonzeit für Hasen schon am 1. Januar 1926 beginne, bemerken wir, bah an amtlicher Stelle von einer Verkürzung ber 3agbßeit auf Hasen nichts be­kannt ist. Die Schonzeit beginnt also, ent- prechend den Bestimmungen der preußischen dagborbnung, am 16. 3a n uar 1926. 3n der hiesigen Stadt, sowie in den Gemeinden Oberquembach unb Krofdorf ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Der für vorgestern angesetzte Diehmarkt ist auS diesem Grunde nicht abzehalten worden.

<> Aus dem Kreise Wetzlar, 18. Dez. Die Gemeinden und die Ortsgruppen des Kreis- bauernoereins sind augenblicklich damit be­schäftigt, die den Landwirten gewährten H e r b ft - und Frühjahrssaatgutkredie nebst Zinsen e i n z u z i e h e n. Die Zinken betragen 6 Proz. jährlich und sind für die Herbstsaatgutkredite für die Zeit vom 20. Oktober 1924 bis zum 31. Dez. 1925 und für die Frühjahrssaatgutkredite für die Zeit vom 16. Januar 1925 bis zum 31. Dezember 1925 zu zahlen: sie sind sofort in voller Hohe fällig, wäh­rend die Kredite selbst zunächst nur mit einem Drittel zurückgezahlt zu werden brauchen. Es ist jedoch den Landwirten, soweit sie über die nötigen Mittel ver­fügen, freigestellt, die Kredite zu einem größeren Teil oder auch ganz zurückzuzahlen. Die Rückzahlung der gesamten Kreditbeträge liegt insofern im Interesse ber Darlehnsnehmer, als vom 1. Januar 1926 ab an Stelle der verbilligten Zinsen von 6 Prozent eine Verzinsung zum jeweiligen Reichsbantdiskont (9 Pro­zent) zuzüglich der üblichen Vergütung von 2 bis 3 Prozent tritt, so daß also von diesem Zeitpunkt ab mit einem Zinssatz von 11 bis 12 Prozent ge­rechnet werden muß.

g. L ü tz e 11 i n d e n , 18. Dez. Bei einem in dem größten Teil der hiesigen Feldmark abgehalfnen Kesseltreiben auf Hasen wurden 5 5 H a - f e n und ein Fuchs zur Strecke gebracht.

Kreis Biedenkopf.

XX Aus dem Diebertal, 17. Dez. 3m vorigen Winter konnte man wiederholt lesen, der Eisvogel zähle bald zu den au6 ft erbenden Vögeln. Wer gegenwärtig an den verschneiten Ufern der Dieber entlang geht und die Schnee- Überhänge scharf beobachtet, der wird nicht selten diesen tropisch gefärbten Vogel über das Waller schwirren sehen. Oft sitzt er ruhig auf einem Weidenzweig und spähend blickt er auf den rau­schenden Dach, bis sich ein Fischlein zeigt. Pfeil­schnell stürzt er sich dann auf das Wasser und kommt fast an derselben Stelle mit seiner Deut«, wieder hervor, um sie auf seinem Plätzchen zu verzehren. Häufig kann man auch beobachten, wie er mit einem schrillen drei- odervinnnaligeir 2it, Tit, Tit" dicht über die Wasserfläche streicht. Dann fliegt er allerdings so schnell, daß fetw