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Donuerrtag, (9. November 1925
Gießener Anzeizer (General-Anzeiger für Gderhessen)
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Letzte Wahlmeldungen
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Patt. Ebenso war
r 7 rbach v. d. $)., wo
Sozialdemot raten
Freie Bauernschaft
5 330
12 745
35 451
17 131
5 879
Deutschnationale Volks>
Partei
Demokraten
Zentrum
Deutsche Dolkspartei
Kommunisten
43 006 Stimmen
12 497
Arbeitsgemeinschaft schaftlicher Verbände
Aus dem AmLsverkündigungsblatt.
• Das DmtSverkündigungsblatt Nr. SO vsm 17. November enthalt: Staatliche Stenosraphielehrerprüfung. — ^erbstkonferenzen der Lehrer. — Straßensperre. — Polizeiverocd- mmg über dcrS Befahren der Kaplonsgosfe zu Dietzen. - Dienstnachrichten. x ,
13 Sitze
4 „ wirt-
Brief aus Deutsch-Südweftafriba.
Vor zwei Monaten habe ich über 500 Kilometer mit dem Ochsenwaaen zurückgelegt und dabei mit über 30 Farmern die allgemeine Lage besprochen. Die meisten konnten über einen gewissen Fortgang berichten, denn fast alle liefern jetzt Sahne an die Molkereien in Gobabis und Windhuk oder cm die Pommersche Gesellschaft in Okahandja. Das hat ihnen ermöglicht, etwas freier aufzuatmcn und ihren Frauen wieder einige der allernötigsten Wäschestücke in den Schrank zu legen. Nicht wenige arbeiten mit Mut und Entschlossenheit weiter, um wenigsten den Kindern einmal ein Erbe hinterlassen ßu können. Jeder versucht es aus seine Weise; viele m die,em Jahre mit Mais und Kartoffeln, andere mit Fischen, Bienen ober Kapaunen; einer hatte sich sogar vorwiegend auf den Fana von Löfselhunden und Schakalen gelegt, deren Felle sehr beghrt sind. So ringen sie sich weiter; doch nun kommt das Aber. Fast die Hälfte von diesen 30 Farmern würde ihr Besitztum lieber heute als morgen verkaufen, „wenn sich ein Dummer fände"! Warum? Natürlich wegen der Eingeborenenverhältnisse, die jeder Beschreibung spotten; genauer gesagt, wegen der jahrelangen, ganz unverantwortlichen Eingebo- borenenpolitik der Regierung.
Wahrhastig, die Deutschen verstanden sich auf die Erziehung der Eingeborenen hundertmal besser als diese mittelalterlichen Herrschaften, die uns erst zeigen wollten, wies gemacht wird! Da sind nun die riesigen Frciwerften der Eingeborenen eingerichtet, wunderbar, dauerhaft, mustergültig erschlossen mit Bohrlöchern, Wasierbecken und Tränkrinnen. Zwei gewaltige Landstrecken allein hier im Bezirk Go- vabis, Epukiro mit 284 000 Hektar und Aminuis mit 543 000 Hektar. An sich sollen nur ältere und arbeitsunfähige Eingeborene dort wohnen und chr eigenes und das Vieh ihrer Angehörigen hüten. Aber auch junge Leute, die sehr gut arbeiten könnten, treiben sich dort umher, leben herrlich und in Freuden, und die Negierung zieht ihnen das Geld für Wasier und Weide ab, wobei sie übrigens eine recht gute Verzinsung herauswirtschaften soll.
Und derweil kann sich der Farmer seine Dienstleute aus den Fingern saugen. Augenblicklich, wo bei mir Viehirt und Platzarbeiter krank sind, findet sich z. B. hier in Gobabis kein einziger Eingeborener, der die Lücke ausfüllte; mein Vieh läuft seit einer Woche im Gelände umher. Ich kann doch unmöglich das Gobabiser Üßeibegebiet einzäunen, um mein Vieh vor dem Weglaufen, das heißt zu deutsch, vor Diehdieben zu schützen! Hunderte von Stücken Großvieh sind auf diese Weise schon über die Ostgrenze gebracht worden und verloren. Wer nicht eingezäunt hat und womöglich noch einen Kraftwagen besitzt, um schnell selbst überallhin kommen zu können, dem bleibt nichts übrig, als sich einen „Dummen" zu suchen, der ihm Vieh und Farm abkauft. (Auf einer Farm, die ich besuchte, gehörte das monatliche Abreiten und Flicken der Einzäunung sogar zu den Arbeiten der Farmersfrau!) Die Negierung fuhrt jetzt Barotse ein, Eingeborene aus Südafrika, die noch nie gearbeitet haben. Das Land ist aus die Stufe der ersten Leutweinjahre zurückgedrücki; auch die Farmwirtschaftsgesellschaft ist ja nun fast tot! Und da werden junge Leute aus Deutschland unter falschen Vorspiegelungen hierhergelockt, und unser — zum Glück abgehender — Londesverweser Hofmeyr singt sich selbst ein großes Lobgetön, wie das Land unter feiner Obhut „aufgebläht'^ fei! Einen anderen, der das täte, fände er allerdings auch nicht!
Wer nach Südwest kommt, der soll wissen, daß er in ein abgewirtschaftetes Land und in traurige politische Verhältnisse kommt. Er soll, wenn Deutschland ihm zu eng geworden ist, wissen, daß hier ein Kampfplatz auf ihn wartet!
Nauheim fanden gleichfalls kurze Gedächtnisfeiern am Zuge statt.
In Gießen nahm die Heldenehrung, die ange- sichts des knappen Aufenthaltes des Zuges nur kurz sein konnte, einen würdigen Verlauf. Gegen H Uhr lief der Zug langsam in den Bahnhof ein, an dessen Bahnsteig 1 Offiziere der Garnison, Vertreter der hiesigen Militärvereine, der Universität, studentische Fahnenabordnungen in Wichs, Angehörige des Jungdeutschen Ordens, des -Stahlhelms, des Luftfahrtvereins und eine große Menschenmenae Aufstellung genommen hatten. Feierlich grüßte die Menge den toten Helden, cn dessen Sarge zwei Fliegerosfiziere (ein Armee- und ein Marineflieger) Totenwachl hielten. Kränze überreichten die Arbeitsgemeinschaft der militärischen Vereine durch Prof. Wentzel; die Landesui'.iversität durch Se. Magnifizenz Prof. Dr. Bürker mit den Worten: Die Landesunioersität Gießen mit dein Wahlspruch Litt teris et armis ob utramque parati widmet diesen Lorbeer dem toten Helden, eingedenk der unsterblichen Taten, welche der rote Kampfflieger als ein wahrhaft leuchtendes Beispiel treuester Pflichterfüllung vor dcm Feinde für das Vaterland vollbracht hat , ferner der Hochschulring, der Gießener S. C., der Hessische vaterländische Block, der Verein für Luftschiffahrt durch Geheimrat Prof. Dr. König und die Luftverkehrs A. G. Oberhessen durch ihren »cn Leiter, Hauptmann a. D. Behrens.
»sprachen hatte man abgesehen. Nach einigen Minuten, die man in stillem Gedenken an den Helden noch am Zuge verweilen konnte, verabschiedete sich die Menge mit dem Liede: ,^Jch hott' einen Kameraden" von dem nun weiter nach Norden rollenden Transport.
Pünktlich um 104 Uhr gestern abend traf der Sarg mit dem v-Zuge in Berlin ein. Auf dem Bahnsteig hatten sich zahlreiche ehemalige Fliegerosfiziere und Vertreter der Reichswehr eingefur.den, um den toten Helden zu ehren. Der Wagen, in dem der Sarg stand, war über und über mit Kränzen bedeckt. Die Ehrenwache hielten vier Reichswehroffiziere. Der Saig wurde von acht ehemaliaen Kameraden Richthofens aus dem Wagen gehoben und zum Leichenauto getragen. Die große Menae, die sich auf dem Bahnsteig und vor dem Bahnhof ange- sammelt hatte, grüßte ehrfurchtsvoll. Um 11 Uhr fuhr der Leichenwagen zur Gnadenkirche ab, wo heute nachmittag von 12—4 Uhr bie öffentliche Auf- vahrung erfolgt.
Oberhessen.
Larrdkrers Gietzen.
al. A l l e n d o r f a. d. L a h n , 17. Nov. Bei der am Sonntag stattgehabten Gemeinderats- wahl haben erhalten: Der bürgerliche Wahlvorschlag 186 Stimmen 5 Sitze, bie Arbeiterliste 147 Stimmen 4 Sitze.
y. Dau bringen, 16. Nov. Bei der gestrigen Gemeinderatswohl ging es dahier sehr still zu, weil nur eine Liste mit den seitherigen Gemeinderäten aufgestellt war. Somit hat es leine Veränderung gegeocn.
y. Staufenberg, 16. Nov. Hier standen sich bei der Gemeinderatswahl 2 Listen schroff gegenüber, wie überhaupt das Parieileben in um fercm Orte in großer Blüte steht. Die vereinigte bürgerliche Liste gewann 5 Sitze, bie reine Arbeiterlifte 4 Sitze im Gemeinderat.
y. Ruttershausen, 16. Nov. In unserer kleinen Gemeinde mären 2 Listen zur Gemeinderatswahl ausgestellt. Die Liste Becker (Vereinigte Bürger, Dauern und Arbeiter) erzielte 134 Stimmen oder 5 Sitze, die Liste Schon (Bauernbund) 77 Stimmen ober 2 Eitze.
f Treis a. d. Ldo., 16. Npo. Bei ber gestrigen Gemeinderatswahl wurden gewählt: Bauernbund 142 Stimmen (4 Sitze), Mittelliste 94 Stimmen (3 Sitze), Liste Amend 64 Stimmen (2 Sitzes, sozialdemokratische Liste 125 Stimmen (3 Ditze). Von 754 Wahlberechtigten machten 425 von ihrem Wahlrecht Gebrauch, also knapp 60 Proz. Es ist eine allgemeine Wahlmüdigkeit zu bemerken, verbunden mit der Unzufriedenheit über die Listenwahl, die sich für Gemeindewahlen je länger je mehr als ungeeignet erweist.
:—: CI im bad), 18. Dov. ©in harter Kampf wurde in unserem kleinen Dörfchen bei den am letzten Sonntag ftattgefuntenen Gemeinderatswahlen gekämpft. 138 Wähler, also rund 84 Prozent, schritten zur Wahlurne. Gültig waren 135, ungültig 3 Stimmen. Nur 26 Wähler enthielten sich der Wahl. GS wurden abgegeben auf die „L i ste Hermann Stein" 48, auf die „List e Karl Backhaus" 66 und auf die „Liste Friedrich Conrad" 21 Stimmen. Da in unserem Dörfchen Z Gemeinderäte zu wählen waren, so verteilen sich die Sitze folgendermaßen: Liste Herm. Stein 2 Sitze, Liste Karl Backhaus 4 Sitze. Liste Friedrich Conrad 1 Sitz. Da Zweifel über die Verteilung der Sitze entstanden sind, wird das KreiSamt Gießen entscheiden müssen.
:—: Opvenrod, 16. Nov. Die gestrigen Wahlen in unserem Dörfchen zeichneten sich durch Wahlmüdigkeit aus. Da für die Gemeinderotswahl nur eine Liste vorlag, so wurde hierfür überhaupt nicht gewählt. In den neuen Gemeinderat ziehen 7 bäuerliche Vertreter ein, während im alten Gemeinderat 6 Dauern und 1 Arbeiter vertreten waren. Die Arbeiter hatten auf eine Vertretung un Gemeindeparlament verzichtet. So tritt nun hier der vielleicht einzig dastehende Fall ein, daß eine Gemeinde nur rein bäuerliche Vertreter hat. Für die Wahlen zum Kreis- und Provinzialtag stimmten von 196 Wahlberechtigten nur 50 ab, also rund 25 Proz., die sich auf nur zwei Parteien verteilen, nämlich Deutschnationale Volkspartei und Hessischen Landbund vereinigt mit 44 Stimmen und Sozialdemokratische Partei mit 6 Stimmen, auch ein Fall, ber vielleicht einzig dasteht.
: Bersrod, 16. Nov. Infolge einer Vorwahl hotte man sich auf eine Einheitsliste geeinigt, so daß am letzten Sonntag für bie G e - meinbeoertretung überhaupt nicht gewählt wurde. Die Zusammensetzung des Gemeinde- rots ist die alte geblieben, nämlich 5 Bauernvertreter und 2 Arbeiterve rtreter.
t Grünberg, 16.Nov. Das bereits gemeldete Wahlergebnis für die Gemeinderatswahl erfährt dadurch eine Aenderung, daß nachträglich eine Stimme für die Volksliste in einem Stimmzettel für die Provinzialtagswahl lag und dadurch erst mttberechnet wurde. Infolgedessen verringern sich die Sitze der Mittel st andspartei von 7 auf 6, bie der Volksliste erhöhen sich von 2 auf 3.
* Albach, 17. Nov. Bei der hiesigen G e - meinderatswahl erhielt die Liste Lenz 4, die Liste Zimmer 3 Sitze; erstere erzielte 114 Stimmen, letztere 99.
o. Ober-Bessingen, 16. Nov. Bei ber gestrigen Gemeinderatswahl erhielt die 1. Liste 5, die 2. Liste 2 Sitze, wovon einer durch das Los zufiel. Im neuen Gemeinderat wird ber Bauernbund mit 6, bie Sozialbemokratische Partei mit 1 Stimme vertreten sein. Don ben 7 seitherigen Vertretern wurden 5 wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 72,8 Pro).
Kreis Friedberg.
5 Butzbach, 16. Nov. In Oppershofen war nur ein Wahloorschlag als E i n h e i t s l i st e eingereicht worden, eine Wahl fand daher nicht
man jid) auf den einen Wahloorschlag des Hessischen Landbundes geeinigt hatte. In dem abgelegenen Taunusort Dodenrod am Hausberg, wo man von früher her nur selten Wahlkämpfe kennt, ging es diesmal nicht ohne Wohl ab. Die Liste W. Häuser erhielt mit 25 Stimmen 3 Sitze, die Liste W. Jack mit 15 Stimmen 3 Sitze.
ö Butzbach. 17. Dor». In Ost heim fanb eine Wahl nicht statt, man hatte sich auf eine Einheitsliste geeinigt. — 3n Hoch-Wei- s e l wurden gewäKt 6 Mitglieder des hessischen Bauernbundes und 3 Sozialdemokraten. — 3n Maibach wurde der seitherige Gemeinderat wiedergewählt.
5 Vilbel, 15. Nov. Das Bürgertum, das sich seit seinem Erfolge bei der Detgeordnetenwahl mehr seiner selbst bewußt geworden ist, Hot gegenüber der letzten Gemeinderatswahl infolge feiner inneren Geschlossenheit an Stimmen gewonnen. Es wurden in den Gemeinderat gewählt: 9 So- zioldemokraten, 1 Kommunist, 8 Bürgerliche. — In Büdesheim wurden 7 Sozialdemokraten, 5 Bürgerliche gewählt.
Z Nieder-Wöllstadt, 16. Nov. Die Sitze im neuen Gemeinderat verteilen sich wie folgt; Landbund und Beamte 5, Handwerker 2, Sozialdemokraten 4, Kommunisten 1. Der Wahloorschlag ber Kriegsbeschädigten brachte keinen Äanbibaten durch.
5 Wohndoch, 16. Nov. Ergebnis der Ge- meinberatswahl: Bereinigte Bürgerliche 6, Sozialdemokraten 3 Sitze.
5 Ober-Rosbach, 16. Nov. Es wurden in ben Gemeinderat gewählt: 7 Sozialdemokraten, 5 Bürgerliche. Umgekehrt ist das Derhältnis in R o d h e i m o. b. H., wo 7 Bürgerliche und 5 Sozialdemokraten gewählt wurden.
Ober-Mörlen, 16. Nov. Wenn von ben meisten Orten der Nachbarschaft nur eine geringe Wahlbeteiligung gemeldet werden kann, so macht unser stark politisch eingestellter Ort eine Ausnahme. Die Bevölkerung, die heute zum 7. Mal seit Juli wählt, hat sich anscheinend allmählich an das Wahlgeschäst „gewöhnt". Wenn auch die 98 Prozent der Burgermeisterstichwahl vom vorigen Sonntag nicht erreicht wurden, so schritten aber heute doch noch 90 Proz. der Wähler zur Urne, trotzdem wir heute unsere „Martinikirmes" feierten. Das Ergebnis der Gemeinderatswahl folgt nachstehend: Zentrum 410 (4 Sitze, seither 3), So- zialbemokraten 331 (3 Sitze, seither 4), Vereinigte Liste des Landbunbes und der Gewerbetreibenden 294 (3), die unpoltische Liste der Beamten und Bediensteten 105 (1), christliche Gewerkschaften 94 (1). — In Rieder-Mörlen fand keine Wahl statt, da man sich bei einer Vorwahl auf eine Liste geeinigt hatte.
5 Assenheim, 16. Nov. Gewählt wurden: Bürgerliche 3, Sozialdemokraten^ Kommunisten 2, Gewerbetreibende 2, Bauernbund 2, Parteilose 1. In Ossenheim erhielt die Vereinigte Liste ber Arbeiter und Beamten mit 135 Stimmen 5, ber Lanbbund mit 74 Stimmen 2 Sitze. In Dornas s e n h e i m fielen 7 Sitze bem Zentrum, 2 ber Ar- beiterschast zu.
X Reichelsheim i. d. W., 16. Nov. Gewählt wurden in den Gemeinderat 5 Sozialdemokraten, 1 Kommunist, 3 Bauernbund.
Ockstadt, 15. Nov. Don 950 Wahlberechtigten machten 55 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Nachfolgend das Ergebnis: Zentrum 261 (6 Sitze), Sozialdemokraten 113 (3 Sitze), Bauernbund 125 (3 Sitze).
Niederflorstadt, 16. Nov. Nach ber geflogen Wahl haben in unserem Gemeinde- rat bie Sozialdemokraten 8 (7), das Gewerbe 2 (3) und bie Bauern 2 (2) Sitze. Der Stimmenzuwachs ber S. P. D. ist sehr gering, denn ben eroberten 8. Sitz verdanken sie einer Stimme. Bei 551 Stimmen und je 73 für einen Sitz haben sie bei 7 Sitzen 40 Reststimmen. Gewerbe und Bauern haben bei 162 bzw. 169 Stimmen demnach je 2 Sitze und 16 bzw. 23 Reststimmen, bie durch Listenoerdinbung zusammengezählt werden und 39 ergeben. Also die 40. sozialdemokratische Reststimme bewirkte ben Sitz. Don 1107 Wahlberechtigten hatten 904 von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Einer bavon hatte keinen Zettel zur Gemeinderatswahl abgegeben, 21 Zettel waren unbeschrieben oder ungültig.
ch. Münzen berg, 16. Nov. Bei ber hiesigen Gemeinderatswahl erhielten: < Wahl» Vorschlag der Landwirtschaft 123 Stimmen (4 Sitze), des Fortschritts 127 Stimmen (4 Sitze), ber RUttel- partei 48 Stimmen (1 Sitz).
Kreis Biwinaen.
!! Büdingen, 17. Nov. Die Gemeinderatswahl, zu der sieben Wahloorschläge Vorlagen, erbrachte folgendes Resultat: Wahloorschlag „Für Recht und Fortschritt" 1 Sih, Wahlvorschlag 1 des Bürgervereins 5 Sitze, Wahlvorschlag 2 des Dürgervereins 1 Sitz, Wahloorschlag „Arbeiter, seid einig" 1 Sitz, Wahloorschlag „Für Ordnung, Recht und Volkswohlfahrt" 5 Sitze, Wahlvorschlag „Einigkeit macht stark" 1 Sitz und Liste Büdingen 1 Sitz.
—!— Ortenberg, 16. Nov. Bei den gestrigen Gemeinderatswahlen entfielen aus die Listen Böhm 2, Suhl 3, Meuer 3 und Schäfer 1 Sitz. Die Listen waren größtenteils nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten aufgestellt, doch dürfte die Zusammensetzung des Gemeinderats so sein, daß bie Linke, bie Mitte und die Rechte über je drei Sitze verfügen. Die Wahlbeteiligung mar sehr schlecht, von 630 Wahlberechtigten machten nur 373 von ihrem Wahlrecht Gebrauch.
th. L e i b h e ck e n, 17. Dov. Bei ber hiesigen Gemeinderatswahl erhielten bie; Llrbeiterliste 4 Sitze, bie Liste Karl Hof 2 Sitze, die Dcruernbunbliste 1 Sih.
Kreis Schotten.
lg. Gebern, 16. Nov. Bei ber hiesigen Gemeinderatswahl erhielten Stimmen: Sozialdemokraten und Demokraten 198 (3 Sitze), Landbund 286 (5 Sitze), Deutsche Dolkspartei und Deutschnationale 127 (2 Sitze), Ueberparteiliche Liste 150 (2 Sitze). Die Wahlbeteiligung betrug bei 1202 Stimmberechtigten 64 Prozent.
Id. Eschenrod, 16. Nov. Infolge ber Parteikämpfe bei der Bürgermeister- und Beigeordneten- wähl gab es hier zwei Wahloorschläge. Die Partei des wiedergewählten Bürgermeister» bekam 4 Sitze, die Gegenpartei, die auch den Bei» geordneten burchbrachte, 5 Sitze im Gemeinde- r a t. Zu den noch vorhandenen 8 Mitgliedern des alten Gemeinderats kam etn neues Mitglied hinzu". Der gesamte Ortsvorstand besteht, wie es ber Zusammensetzung des Dorfes entspricht, aus Bauens
Kreistag Gießen.
3n unserem Bericht vom Dienstag über bas Ergebnis ber Gießener .Kreistagswahr ist bei ber Angabe ber Mandatsvertei- lung eine ilntiarfyeit enthalten. ($3 muh dort heißen: Mandate erhielten Deutsche Dolkspartei 3 (bei ber vorigen Wahl 4), Deutschnationale Dolkspartei und Hessischer Lanbbund 13 (11); beide zusammen 1922: 15.
DerProvinzisUagStarkenburgs
WSN. Darmstadt, 18. Nov. Bei den Wahlen zum Prooinzioltag ber Provinz Star f en bürg wurden, wie jetzt feststeht, gewählt: 19 Sozialdemokraten (vorher 21), 8 Zentrum (7), Deutsche Dolkspartei 6 (7), Hessischer Landbund 6, Deutfchnationale Dottspartei 3 (vorher Hessischer Landbund und Deutschnationale zusammen 8), Demokraten 3 (3), Kommunisten 5 (4).
Der ProvLnziatt«g für Rheinhessen.
klr. 27 s Sweites Blatt r*j ii —■ iiii m » x.T3 •wuu—kuiiiw r i»im
Dem Gedächtnis Manfred Freiherr v Richthosens.
Die in diesen Tagen erfolgte Ueberführung der sterblichen Ueberrefte des Rittmeisters Frhrn. von Richthofen aus Frankreich nach dem Jnoalidenfried- hof in Berlin laßt unsere Blicke unwillkürlich rück- wärts schweifen zu seinem Wirken, das vornehmlich seinem Volke aalt und uns führt inmitten einer großen Zeit, da Deutschland einig und stark war, weil cs getragen wurde von Idealen, die alles Per- sönliche hintanstellten.
Manfred Freiherr v. Richthofen huldigte von Jugend auf dem Sport, er war Reiter und Jäger. Bereits als Knabe hatte er infolge seiner körperlichen Gewandtheit großen Einfluß auf feine Kameraden, er war damals schon eine kleine Persönlichkeit, bie sich im Laufe ber Zeit mehr und mehr scharf ausprägte. Bei Beginn des Krieges war er Ulanenoffizier, im Juni 1915 kam er zur Fliegertruppe und konnte hier besonders fein Können zeigen und feine Tatkraft voll entfalten. Als in ber Sommeschlacht 1916 unser unvergeßlicher Boelcke an bie Spitze einer neuaufgestellten Jagdstaffel trat, nahm er auch o. Richthosen in bie Reihe der Seinen auf und bildete ihn persönlich aus. So war der junge Offizier ein Schüler Boelckes, wie er denn auch fein Nachfolger wurde. Boelckes vierzig Luftstege find in Richthofens Kriegstaten verdoppelt. In überreichem Maße hat er besten Wahlspruch erfüllt und sein Gelöbnis eingelöst: Ein Boelcke will ick) werben!
Achtzig feinbliche Flugzeuge abgeschosten; nur bie draußen im Felde waren, wissen, was das unserer Front und Führung bedeutete. Welche Kraft, Ruhe und Unermüdlichkeit liegen in diesen Taten eines einzigen Menschen! Sein Pflichtgefühl, seine eiserne Selbstdisziplin verliehen ihm eine natürliche Würde — feine Fähigkeiten eine vorbildliche Sicherheit. Es erschien fast fclbftDcrftänblid), daß er bereits in jungen Jahren an verantwortungsvoller Stelle stand. Da unser Held jede wirkliche Leistung richtig einzuschätzen wußte, war es klar, daß der Mann tm Schützengraben für ihn das größte Interesse hatte. Ihm helfen zu können, ihm bie feindlichen Flieger abzuwehren, war sein vornehmstes Bestreben. Durch diese Eigenschaft trat Manfred auch nach Abschuß seines 16. Gegners im Januar 1917 mit der Verleihung des höchsten Kriegsvrdens, des Dour le mGrite, in das Licht, in die Wärme der Volkstümlichkeit ein. Mit einer märchenhaften Schnelligkeit, die selbst die gespanntesten Erwartungen noch übertraf, folgten bann feine Siege aufeinander.
Als schließlich am 21. April 1918 ber „Rote Kampfflieger" einen Tag nach feinem 80. Luftsiege, von Deutschlands Volk geliebt und verehrt, von feinen Gegnern gcadjtet, ben Heldentod starb, vollendete sich eine glänzende Fliegerlausbahn. Dies oft befürchtete Fliegerschicksal, das jedoch wegen einer durch seine einzigartigen Leistungen stets wieder neubegründeten Hoffnung als unwahrscheinlich von der Hand gewiesen wurde, hatte sich plötzlich erfüllt. Die Trauer, die bie beutsche Nation über den Verlust feines kühnsten und siegreichsten Fliegers emp- fand, war mit hohem Stolz gemischt. Und dennoch hafte das Leben des erst 26 Jahre alten Schlesiers, reich an Toten und Ehren, ein schmerzlich frühes Ende gefunden. Richthofen hat nicht gezweifelt an dem Siege der deutschen Sache, ihm hat ein gnädiges Geschick erspart, Deutschlands Selbstpreisgabe mitzuerleben. Wir dürfen nicht klagen, wenn rauben jungen Rittmeister recht verstehen wollen: Stolz wollen wir auf ihn sein und auf die vielen gleichbeseelten, gefallenen Jünglinge, die einst im Kampf fest zusammenstanden, dem Sieggewohnten in Todesgefahr die Treue hielten, und denen von Richthosen Führer und Meister war. Was uns der Verblichene war, wird er uns auch bleiben: Ein lebendiges Sinnbild mannhaft deutscher Unerschrockenheit und Unerschütterlichkeit. Lernen wir deshalb von ihm, daß ber wahre Lebensinhalt für den einzelnen wie für bas ganze Volk heute mehr denn je in der Hingabe an die Gesamtheit besteht.
Mit ihm und unseren teuren Fliegerhelden sank dahin die ölte glorreiche Zeit; die Ehre unseres Vaterlandes, ihr höchstes irdisches Gut, nahmen sie mit ins Grab. Edle Frucht braucht lange, bis sie reift. Unsere Toten sind die Saat, aus denen Deutschlands bessere Zukunft erblühen soll. Ihr Geist ist uns nahe, ihre Ideale sind die unseren. Die Mahnung der Toten ist die Pflicht ber Lebenden: Wofür sie starben, dafür leben und wirken wir.
So hoffen wir denn, daß diese Opfer dereinst sich lohnen werben, wenn unser Do!k aus den Wirrnissen der Gegenwart durch zähe, stille Arbeit wieder zu altem Glanz ersteht. Ihnen aber, die den Weg gebahnt haben, sei Treue um Treue vergolten. Zum Beweise dafür, daß Jungdeutschland nicht schlechter denkt und fühlt, ja bereit ist, sein Leben dem Daterlande zu weihen, erneuern wir an dcm Tage, da treue Kameradenhände unfern erfolgreichsten ersten Jagdflieger in heimatlicher Erde zur Ruhe betten — über alles Trennende hinweg — das feierliche Gelöbnis, burd) das einst die hinter- laffene Schar seiner begeisterten Schüler Meister Richthosens unausrottbaren, kühnen Jagdfliegergeist für alle Zeiten lebensstark bekundete:
„Was du begonnen, dein Lebenswerk, Wollen und müsten wir vollenden."
Richlhofen-Ehrung.
In erareifenber Weise kam gestern erneut bie dankbare Liebe und Verehruna des deutschen Volkes für semenHiegreichsten Kampfflieger des Weltkriegs, Manfred Freiherr von Richthofen, zum Ausdruck, als bie sterblichen Ueberrefte dieses großen Helden aus fremder Erde in die Heimat überführt würben. Die Leiche traf am Dienstagnachmittag auf beutschem Boden in Kehl ein, wo bereits zahlreiche Kranzspenden am Sarge niebergelegt wurden. Gestern morgen 6.30 Uhr ging der Wagen mit dem reich mit Kränzen bedeckten Sarge im fahrplanmäßigen Zuge nach Berlin ab. In Karlsruhe, Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt a. M. fanden kurze, würdige Feiern am Sarge des „roten" Fliegers statt, an denen sich viele ehemalige Krieger, staatliche und städtische Behörden, Angehörige aller Volksschichten ufro. beteiligten. In Frankfurt am Main hatten sich in seltener Einmütigkeit Abordnungen ber Offiziersverbände, des Kreiskrieger- verbanbes, des Stahlhelm, des Reikhsbanners Schwarz-Rot-Gold, der Arbeitsgemeinschaft Schmarz-Weiß-Rot, des Jüdischen Frontkämpfer- bundes und vieler anderer Vereinigungen einge* funben, um ben im Luftkampfe gefallenen großen Kameraden noch einmal zu ehren. Ein Zug Schupo erwies dabei dem gefallenen Kameraden die mili- iärifchen Ehren. 3n Friedberg tmb Bad-
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