waren Plötzlich iam zu allen Nöten, die Deutschland durchkosten muhte, die heute noch anhaltende Geldnot. In keiner Dank, In keiner kommunalen Kasse nennenswerte verfügbare Geldmittel. Der Kredit wurde seitens der Reichsbank, die unter allen Umständen die Währung halten muhte und wollte, rationiert. Zur Belebung des wirtschaftlichen Getriebe- muhte Auslandsgeld hereingenommen werden, das nur unter bestimmten Voraussetzungen, die im Dawesplan festgelegt sind, weitergegeben wird. Auch Wieseck beteiligte sich mit einer Anzahl Städte und gröherer Gemeinden an einer Auslandanleihe der Hessischen kommunalen Landesbank und ging mit dem größten Teil der Antragsteller leer aus. Trotz all dieser Enttäuschungen gab der kleine Kreis der Optimisten die Hoffnung auf ein gutes Gelingen zu keiner Stunde auf, bis es endlich gelang, die Dank der Arbeiter, Angestellten und Beamten in Berlin zu gewinnen, die sich bereit erklärte, die erforderlichen Mittel bereitzustellen. Nun wickelten sich die Ereignisse in schneller Folge ab, intensivste Kommissionsarbeit brachte das Unternehmen in Fluh, und mit dem Erscheinen der wunderbaren Wagen, die ein Spezialfabrikat der Büssingwerke darstellen, schwanden die Zweifel. Heute schon wird in Wieseck der dringliche Wunsch laut, außer den zwei Wagen noch weitere in Dienst zu stellen, um den Anforderungen des Verkehrs in vollem Ausmaß gereckt werden zu können. Hunderte von Fahrlustigen müssen täglich wegen Heber» füllung der Wagen abgewiesen werden, weitere Bevölkerungsteile versuchen die Mitnahme zur Fahrt garnicht erst. Heute schon kann festgestellt werden, daß das Unternehmen auf festem Boden steht, daß es. wenn es erst einmal Ellenbogenfreiheit hat. sich zum Segen der Gemeinde auswirken wird und daß alsdann an die Lösung der Zukunftsaufgaben herangetreten werden kann. Hierzu gehört ein kühl abwägender Blick, etwas Selbstvertrauen und die Fähigkeit, sich nicht ins Äferlose zu verlieren.
Was bedeutet nun dieses Ereignis für unsere engere oberhessische Heimat? Wieseck ist im großen weiten Umkreis die erste Gemeinde, die au- eigener Kraft ein derartige-, bedeutungsvolle« Unternehmen schuf. Die Folgen hiervon sind vorerst nicht abzusehen, zumal in den führenden Kreisen in Wieseck der Gedanke vorherrscht, bei dem jetzt Erreichten nicht stehen zu bleiben und als nächster Schritt die Erschließung des Busecker Tales ins Auge gefaßt werden wird. Heute und morgen verwirklicht sich dies natürlich nicht, denn das sind Aufgaben, die einer reiflichen Durcharbeitung bedürfen. Aber hat Die Wiesecker Tat für ähnlich gelagerte Gemeinden nicht ganz neue Perspektiven eröffnet, ist dies nicht ein Schritt, unserer engeren Heimat ein ganz neues Gepräge zu geben? Die an sich einfache Tatsache der Anschaffung zweier Per- sonen-Omnibusse durch eine Gemeinde von der Größe Wiesecks, die selbständige Regelung und Erfassung des vorhandenen Verkehrs in gemeinwirtschaftlichem Sinne ist in dieser Art von geradezu umwälzender Bedeutung, die Folgen hiervon sind vorerst nicht abzusehen.
Die seitherige Inanspruchnahme des Verkehrsmittels hat die Rotwendigkeit desselben glänzend gerechtfertigt. Wenn sich bis jetzt hie und da kleine Mängel einstellten, so sind es solche, die nicht vorausgesehen werden konnten, jedenfalls wird aber die Leitung des Unternehmens alles versuchen.-erfüllbaren Wünschen und Beschwerden der Fahrgäste im weitesten Maße gerecht zu werden. Zu den augenblicklich unerfüllbaren Wünschen gehören die lauten Ruse nach einer Vergrößerung des Wagenparks. Al- notwendig ist dieselbe von vornherein angesehen worden. Ob und inwieweit sich diese Hoffnungen und Wünsche hi naher oder ferner Zukunft verwirklichen lassen, das hängt von der Stetigkeit des Betriebs ab. dem alles Gute zu wünschen ist.
ein für allemal gesichert." Und damals gab es gleich zwei Verlobungen!
Und ein weiteres ist geblieben, wie es seinerzeit war, eher noch schlimmer geworden: daß nämlich der Wunsch, ein Schneeläufer zu werden, auch von der Mode beeinflußt wird. Trotz aller Aufklärung und trotz der Sintflut von Tinte, die an Belehrung über Schneelauf in Büchern und Zeitschriften geflossen ist, kommen die Leute mit den unglaublichsten Ausrüstungen und — Zumutungen zum Skikurs, einen Kursleiter zur Verzweiflung bringend.
Was aber besser wurde, wenn auch bei weitem noch nicht allgemein, das ist die Kursmethode. Die Kurse sind pädagogischer geworden. In den Anfangszeiten legte man nur Wert auf die Erlernung der auffallendsten und schönsten Hilfen der Ski- technik. der Schwünge, und man glaubte auch, daß jeder Anfänger schon beim ersten .Kurs das Springen erlernen müsse. Die Amateurlehrer waren meist junge Skandinavier, die wohl alles schön vorfahren, nicht aber erklären konnten. Der Kurs mar demzufolge meist ein ziemlich planloses Durcheinander. Die Teilnehmer wurden weniger für sicheres Laufen und Geländebeherrschung, als für schönes Lausen und Schwingen am Uebungshang ausgebildet. Die Anwendung der gelernten Hilfen beim Geländefahren blieb ihnen selbst überlassen. Das hat sich geändert. Namentlich alpine Läufer beschäftigten sich eingehend mit den skitechnischen Hilfen, wid° mden sich förmlich einem Studium der Skitechnik und bauten auf der Zusammengehörigkeit der verschiedenen Hilien nach pädagogischen Grundsätzen einen methodischen Lehrgang auf. Die Kursteilnehmer werden heute bei einem guten Kurs nicht nur für das schöne, sondern vor allem für das sichere Laufen in logischem Fortschritt vom Einfachen zum Schwierigen unterrichtet. Man lernt heute beim Skikurs gleich auch die Anwendung der Hilfen für den Geländelonf und verläßt einen guten, modernen Skikurs bann tatsächlich mit dem Bewußtsein, nun mit Touren beginnen zu dürfen und mit Genuß und Freude die sportlichen Reize des Skilaufes, die Schönheiten und stillen Heimlichkeiten der verschneiten Winterlandschaft aufsuchen zu können. Bei einem solchen guten Kurs kommen nicht mehr, wie früher, aus einen Kursleiter ein halbes Hundert Teilnehmer, sondern auf höchstens 20 Anfänger ein Lehrer, der sich jedem einzelnen mit Aufmerksamkeit widmen kann und sich nicht zu zersplittern braucht. Alle zu erlernenden Hilfen werden zuerst in Vorübungen zergliedert, und erst, wenn diese Vorübungen und die Grundlagen „sitzen", werden daraus die eigentlichen Hilfen Der Skitechnik: Stemmbogen, Ouerschwünge, Ausfallschwung usw. gebildet. Diese Hilfen werden bann nicht nur auf dem sanft geneigten Uebungshang, sondern auf Uebungstoiiren im Gelände und an ausgesuchten schwierigen Stellen gezeigt und geübt. Eine Schlußtour auf irgendeinem Skiberg der nächsten Umgebung beschließt meistens den Kurs. Was draußen auf dem Schnee nicht gelehrt werden kann, wird in abendlichen Vorträgen nachgeholt.
Seit einigen Bahren sind auch Tourenkurse beliebt geworden. Es sind dies weniger Kurse zur Ausbildung von Skitouristen, als vielmehr gemeinsame Fahrten ins Gebirge für diejenigen, denen es tm näheren Bekantenkreise an Tourenanschluß und Tourenführung fehlt.
Unter Skikurs versteht man im allgemeinen ein von einem Skiverein ins Leben gesetztes Unternehmen unter Leitung von Amateurlehrern. In den Wintersportplätzen sind heute vorherrschend Beruss- lehrer tätig, die begreiflicherweise nach Art der Skikurse nicht unterrichten können. Ihr Schüler- material wechselt au sehr. Für ihre Berufspropaganda bedienen sich die Berufslehrer neuerdings des Ausdrucks „Skischule". Zwischen Skikurs und Skischule besteht somit ein Unterschied.
Und noch eins! Ueberwindung ist allemal notwendig. Der Schneelauf beansprucht unsere Gehwerkzeuge in einer etwas anormalen Weise. Die ungewohnten Bewegungen und auch der ungewohnte Aufenthalt im Gebirge und in Schnee und Kälte stellen nicht unerhebliche Ansprüche an die Widerstandsfähigkeit und Ausdauer des Lernenden, dem ich zum Schluß zehn launige Gebo t e für Kursteilnehmer zur Beherzigung mit auf den Weg gebe.
Turnen, Sport und Spiel.
Sfciiuirfe.
Von Carl I. Luther.
Der Schneelauf hat seinen verblüffend raschen Siegeszug durch ganz Mitteleuropa nicht zum wenigsten dem Skikurs zu verdanken, einer Einrichtung, die in der Heimat des Schneelaufes ganz unbekannt, allerdings auch überflüssig ist. Schon allein durch den Skikurs unterscheidet sich unser Skilaufbetrieb wesentlich vom skandinavischen. Dort das empirische Schneeläuferwerden von Kind aus nach dem Sprichwort: „Wie die Alten jungen, zwitschern die Jungen'"; bei uns gerade das Gegenteil: die Alten lernen von den Jungen, d. h. der Kursleiter und Skilehrer ist zumeist ein junger, gewandter Schneeläufer unter dem Durchschnittsalter feiner Schüler. In unseren Gebieten kann ja nur der junge Gebirgsbewohner, der den Schnee vor der Haustüre liegen hat, ein Schneeläufer nach skandinavischem Muster werden. Die anderen, die weitab von den schneereichen Gebieten in den Städten wohnen, müssen eine Reise tun, ehe sie 3um Schneelaufen kommen, müssen für den Aufenthalt in fchneegefegneten Gebieten Zeit und Geld .aufwenden, und daher kommt es denn, daß sie sich zumeist erst in den vorgerückten Jahren der Selb-- l ständigkeii dem Schneelaus widmen können.
■ Diese Verhältnisse riefen den Skikurs ins ? Leben: an ihnen aber krankt er auch, so fonder- , bar das klingen mag. Wenn wir aber annehmen, r daß ein Skikurs gleichbedeutend sei mit dem Versuch, zwanzig, und mehrjährige Leute, die bisher in feiner Weise sportlich tätig waren .innerhalb weniger Tage etwa zu Fußballspielern heranbilden zu. wollen, so wird man mich verstehen. Daher denn auch das eifrige Mühen der organisierten Schneeläuserwelt, die Jugend heranzuziehen, um mach und nach den Skikurs, als eine überwundene Sache, überflüssig zu machen.
9m Laufe der Entwicklung des Wintersportes haben sich auch die Fremdenverkehrsinteresfenten des Skikurfes bemächtigt. Daß er eine gute Gelegenheit zur Heranziehung der Fremden ist, liegt ja klar auf der Hand. Und wenn in diesen Tagen fast jedes Gebirgsdorf und jedes Hotel einen Ski- knrs ausfdjrcibt, so hat das manchmal leider mit der eigentlichen und sportlichen Entwicklung des Scknee- laufes wenig zu tun. Rur ein kleiner Teil der heute ausgeschriebenen Kurse wird von den Veranstaltern als sportliche Angelegenheit und als ein Unternehmen zur Heranziehung oder Weiterbildung guter Schneeläufer betrachtet. So ist denn her Skikurs im Laufe der Zeiten aus einer rein sportlichen Angelegenheit auch ein winterlicher Bergnügnngs- nnd Erholungsanlaß geworden, eine Gelegenheit, wintersportlichen Anschluß zu finden, wobei oft auf Kurzweil und Anschluß mehr Gewicht gelegt wird als auf Schneelauf.
Daß die Skikurse der ersten Zeit viel schöner als die gegenwärtigen waren, ist lautere Wahrheit. Da zog man vor 20 und noch vor 10 Jahren hinaus in ein einsames Gebirgsdorf, verlangte nicht nach Bequemlichkeit, begnügte sich mit einfachen Bauernstuben und einfacher Kost. Man war nur um des Schneelaufes willen da, schärte sich in heller Begeisterung und Verwunderung um irgendeinen jungen Meister, übte unermüdlich den ganzen Tag, daß es nur so krachte, und sank bann abends todmüde, aber glückselig über einen gelernten Telemark, ins 'Bett. So ganz anders war es damals als heute. Rur eines war schön, wie es heute noch ist: allemal gab’s mindestens eine Verlobung! Mit Vergnügen erinnere ich mich an meinen ersten, vor IS Jahren für einen Münchner Klub abgehaltenen Sk'kurs, vor dessen Beginn mir ein erfahrener Freund auf die Schulter klopfte und meinte: „Sehen Sie zu, daß bei dem Kurs wenigstens eine Verlobung zustande kommt, dann ist ihr Renomee als Kursleiter
1. Du sollst vor, während und nach dem fturs auf die Kursleiter vertrauen, sollst nicht auf das Schneegigerl hören, das auch Schiebkarren stoßen würde, wenn es gerade „modern" wäre, und sollst nur nach Dingen fragen, die bei ruhiger Ueber- legung dein Laienverstand wirklich nicht selbst beantworten kann.
2. Du sollst deine „besonderen Wünsche" im Zaume halten wie deine Skier und sie nicht zahlreicher machen als deine Stürze im Schnee.
3. Du sollst die Pünktlichkeit deinerseits und die Menschlichkeit der Kursleiter heilig halten und nicht an ihrer Fähigkeit zweifeln, wenn sie mit der Antwort auf deine Frage nach der Ursache deines häufigen Fallens aus Höflichkeit nicht das Richtige treffen. •
4. Du sollst deine Schneeschuhe vor dem Kurse richtig verpassen, sollst sie pflegen und hegen, teeren und wachsen, auf daß es ihnen wohlergehe und du selber lange gehest auf ihnen.
5. Du sollst nicht die Geduld verlieren, wenn die Erklärung und Demonstration des Telemarkschwun- ges auf dem Wege durch dein Agge, Hirn und Bein ihre Klarheit verliert. Auch das Avffassungs- uermögen will trainiert sein.
6. Du sollst nicht dahin gehen, wo deine Skier hin wollen. Auch dann nicht, wenn du sie vorher unvernünftig glatt gebügelt hast. Wenn du dem Hausknecht diese Sache überlasten hast, so geschieht es dir recht, wenn du dieses Gebot zu deinem 1 eigenen Nachteil nicht halten kannst.
7. Du sollst nicht anderer Leute Stöcke gebrauchen, wenn sie dir auch noch so griffbereit stehen. Andere Leute greifen im Notfall auch nicht gerne in die Luft.
8. Du sollst dich nicht rühmen, den Ehristiania zu können, wenn du einmal nicht nach hinten, sondern mit überkreuzten Skiern und verknoteten Beinen seitlich gefallen bist.
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Skiwachs, Fell, Messer und alles, was sein ist.
10. Schneelaufen und nicht verzweifeln.
Sportvorschau
für Sonntag, 20. Dezember.
Bas ensport:
Der Fußball bringt wiederum Punktspiele. di« ja jetzt Sonntag für Sonntag — in tinsichl auf die bevorstehenden Meisterschaft-- ntscheidungen — immer interessanter werden Aehnlich verhält es sich auch im Handball der, soweit es Witterung und Bodenverhältnisi zulassen, im Zeichen der Meisterschaftsspiele stehe wird. Dasselbe ist auch vom Hockeyspvrt z sagen. Tennis ist auf den Tisch verlegt worden, und 'in Berlin werden die Meisterschaften von Berlin im Rahmen eines Tischtennis-Turniers des T. E. Borussia 02 (unter zahlreicher Beteiligung) am Sonntag In den Endspielen entschieden.
Leichtathletik und Turnen haben wiederum nur ein recht mageres ober schließlich gar fein Programm. Das erste gilt von der Leichtathletik, auf deren Gebiet in Düsseldorf ein für den Westdeutschen Spielverband offenes Hallensportfest vonstatten geht. Man erwartet erste westdeutsche Sprinterklasse am Start.
Schwerathletik:
Die Europameisterschaften im Ringen der Amateure werden unter ausgezeichneter Beteiligung Deutschlands — hier liegen 11 Meldungen vor — Oesterreichs, Ungarn«, Jugoslawiens. Italiens, Schwedens. RorwegenS und Frankreichs in Thailand durchgeführt, der Sonntag bringt die Schlußkämpfe.
Wintersport:
Die hauptsächlichste Begegnung tm Eislauf findet am Samstag und Sonntag im Berliner Sportpalast statt. Der Berliner Schlittschuhllub hat den österreichischen Gishockehmeifter, den Wiener EiSlaufverein zu Gaste, der am Samstag gegen S. E. Eharlottenburg und am Sonntag / gegen den deutschen Meister antreten wird. In Schierke wird die Wintersportsaison mit einem Eröffnungsbobrennen eingeleitet. In St. Anton am Arlberg beginnt der Lehrkurs des Deutschen Skiverbandes. In Nürnberg veranstaltet die Nürnb erg- FurtherMotorradsahrervereinigung ihr 1. Motorrad-Eisrennen auf dem Dutzendteich.
23. Fortsetzung.
Nachdruck verboten.
jenes, sah. es
Einsatz-Hemden, Herren-Socken
Hosenträger
U83»p
Franziska.
Roman von L i e s b e t Dill.
deine Welt, laß mich dich kennen lernen. Sie fühlte, daß er ihr viel zu geben hatte. Wenn Hasse ihr dasselbe gesagt hätte, würde sie es mit ihrem leichten Achselzucken abgewehrt haben. ilnb doch war in dem, was Mariot ihr sagte, vieles ihr von Hasse her bekannt, nur daß es jetzt auf fruchtbaren Boden fiel. „Sic können etwas", das Wort machte sie stolz und sie arbeitete wie int Fieber an dieser neuen Rolle.
Normal-Hemden, Normar-Hosen Normal-Jacken
Hauch von „______ ____
trug sich auf die Sänger und Sängerinnen, die Orchesterleute und den Chor. „Es war wieder
Mariot machte ihre weichen, sentimentalen 'Bewegungen spöttisch nach und karikierte ihre leicht zum Detonieren neigenden Einsätze. Sie stand auf der Bühne wie in Flammen gehüllt. Aus ihren Augen sprühte die Wut, sie zerbiß die Taschentücher hinter den Kulissen, und oft, wenn sie aus liefen anstrengenden Proben beim» kam, warf sie sich auf das Bett, um zu weinen...
Eines Morgens begegnete Franziska Mariot auf der sonnigen Treppe des Hoftheaters. Er rauchte eine seiner langen Zigaretten. „Die find heimlich verlobt, höre ich?" fragte er plötzlich.
Sie stand wie mit Feuer übergossen, ihre Verlobung kam ihr in diesem Augenblick als etwas Verbotenes', Anerlaubtes, ja fast Lächerliches 'wr. „Darüber brauchen Sie doch nicht ry. zu werden", lachte er und warf ihr einen prüfenden Blick zu. „Es kommt mir vor, als ©b Sie mehr könnten, als ob Sie von unbekannter Seite beeinflußt worden seien. Jeder Einfluß ist unmoralisch. Das Ziel des Lebens ist Selbstentwicklung, das eigene Wesen soll zum Ausdruck gebracht werden. Run, so tun Sie's doch! Sie brauchen in der „Königstochter" nur sich selber zu spielen, dann sind Sie gut. Mehr verlange ich gar nicht. Aber Sie schauen immer rückwärts, als ob Ihnen jemand über die Schulter sähe. Hat man Ihnen Handschellen angelegt?" .Und er warf einen spöttischen Blick auf ihre goldenen Armbänder. „Befreien Sie sich davon. Dann erst können Sie spielen. Sie können nämlich etwas", setzte er nachlässig hinzu, indem er den weichen Hut aufstülpte. „Aber freilich, man muß erst etwas sein, um etwas zu machen."
Er grüßte und ließ sie in der Sonne stehen, winkte einen vorüb erfahrenden Magen heran und fuhr davon.
Franziska sah ihm nach, es war das erstemal, Daß er ein persönliches Wort zu ihr gesprochen, das erstemal, daß durch seine Worte etwas wie Interesse geblitzt hatte. Sie hätte ihn fest» halten mögen. Sprich mehr mit mir... offne mir
Wohlgemut immer etwas Rundes, Abgefchlos-
*—e dem man mit Seelenruhe entgegen-
-i ging eine Gemütlichkeit, ein wärmender on dem alten Dirigenten aud und über-
t Aug.Waag s j
Haffe unb Franziska sahen sich wenig zu dieser Zeit. Wenn Hasse zue Stadt in Franziskas neue große Wohnung kam, war Franziska ausgegangen oder noch nicht aus Der Probe zurück.
„Wir werden zu sehr ausgennht", beklagte sie sich. „Wenn die „Königstochter" endlich vorbei ist, bann", tröstete sie ihn. Er fühlte aus ihren kurzen, flüchtigen Briefen heraus, daß sie mit Ihren Gedanken ganz bei der neuen Arbeit war und nicht gestört sein wollte, und er sagte sich, daß er sie selbst darauf verwiesen hatte, an sich zu arbeiten. Daß sie die Eben- Hausen nerbränpt hatte, machte auch ihn stolz. Er wollte ihr mchts in den Weg legen, bis diese Premiere vorbei war. ®r sagte sich das, während er im Park spazieren ging, aber er fühlte, daß iljm etwas fehlte. Der Gedanke an die Zukunft kam ihm immer wieder. Würde Franziska diesen Beruf, in dem sie lebte, aufgeben, würde sie dies nicht bereuen oder auf einmal doch wieder zur Bühne zurückkehren wollen? Eine Frau, die einen Beruf hat, gehört einem Manne nur halb. Er hatte das oft erlebt und gesehen? und dasselbe sollte sich diesmal wiederholen? Er hatte nie an Ehe gedacht, aber je mehr er mit Franziska zusammenlam, desto inniger verbunden fühlte er sich mit ihr, die Gegensätze ihrer Charaktere, der Unterschied ihrer Erziehung und Anlagen machten sie einander airziehend. Es blieb ihnen Immer etwas zu sagen, sie blieben einander .Immer neu. Im Grund fand er, war er ungerecht, er verlangte eine außergewöhnliche Frau, und weil sie außergewöhnlich war, machte er ihr daraus wieder einen Vorwurf? Aber wie er auch grübelte und mit dem Stock gegen die Büsche schlug, er kam wieder aus den Ausgangspunkt zurück: cs war eine
einmal alles wie aus dem Guß", wurde nachher In den Zeitungen gelobt. Cs war so Gebrauch, Wohlgemutsche Premieren lobend zu besprechen, so daß man Die erste beißende Kritik der Morgenzeitung wie eine Revolution enrpsand „gegen einen alten, verdienten Meister, Der seine Sache immer brav gemacht".
Hasse saß in einer kleinen, dunklen Parterreloge in dein völlig verdunkelten Zuschauerraum und blickte in das Orchester, wo Mariots Kopf über den Lichtem und Pulten der Musiker auf- tauchte. Sein feingemetßeltes Profil hob sich blaß unb grünlich in der grauen Beleuchtung hervor. Zum ersten Male sah Hasse ein Theater am Morgen, sah die Künstler in ihrem Zivil.
halbe Frau, niemals würde er, wie fein Chef, eine Gattin haben, die nur für ihn lebte. Er hatte jetzt wieder für Franziska sorgen, ihr die Wohnung mieten, die Möbel kaufen, Tapeten aussuchen müssen. Sie sagte immer nur: „Ich habe keine Zeit dazu." Solche Dinge interessierten sie gar nicht. Was ihm Lebensbedürfnis war, helle, angenehm temperierte Rgume, saubere Eingänge, ruhige Straften, alles störte und benötigte sie nicht. Sie lebte in ihrer Theaterwelt, aus der sie nur dann und wann den Kopf steckte, um frische Luft zu schöpf en. Er fürchtete, dieses ungesunde Leben in den staubigen Räumen würde sie krank macheir. Sie neigte zu Herz- assektionen, ihr Puls ging in diesen arbeitsreichen Tagen wie im Fieber: sie war zu keiner ruhigen ■Unterhaltung zu zwingen, jeder Zärtlichkeit abgeneigt, zerstreut unb unruhig. Sie bachte, wenn sie zusanmren waren, nur an ihre Rolle, ihre Proben. Mariots Rügen, Marivts Lob. Mariots Känrpse und Randbemerkungen beschäftigten und erregten Franziska.
„In die Hauptprobe mußt du kommen," hatte sie ihm gesagt, „der Portier läßt dich herein, wenn du ihm eine Karte von mir gibst."
Der Tag der Hauptprobe zu der „Königstochter" tarn heran. Die Hauptprobe war bei
Der erste Akt spielte auf einem GutShvf, der durch Kulissen angebeutet war. Aus der grell beleuchteten Bühne ging der überlebensgroße Stephansberger, der König, mit der kleinen Königin, einer blonden Koloratursängerin, auf und ab. Das Orchester setzte ein, die Schnitter kehrten Helm vom Felde, ihr fünf stimmiger Ge fang erschallte hinter den Kulissen: man sah die Hand des zweiten Kapellmeisters taktieren. In der grellen Beleuchtung zogen die Cho- riftinnen auf, paarweise von dem Regisseur in Reih' und Glied geordnet, mit ihren Locken- chiMons, in weißen Blusen mit Lackgürteln und gleichgültigen Gesichtern. Die Männer trugen Tücher um ben Hals, sie sahen verdrießlich aus, einige hatten Bäuche, ein paar jüngere waren mit geckenhafter, schäbiger Eleganz gekleidet, ein Rothaariger, lümmelhaft, mit langen Armen wie „der verlorene Sohn", schritt ihnen voran. Der' Regisseur, ein Mann mit langem weißem Haar unb ungewöhnlich hohen Beinen, lief vor ihnen her, bald stand er mit einem Sprung an dem schräggerückten kleinen Tisch, um einen Blick in die Partitur zu werfen, bald schritt er vor den Choristen her, den Takt klatschend und Tanzbewegungen machend...
Der Autor, ein kleiner Herr in Heberzieher und krausem schwarzen Haar, der aussah, als trüge er alle Schmerzen der Welt, sah in dem dunklen Parkett, das wie ein schwarzer Schlund ‘ heraufgähnte, und blickte mit hochgezogenen Brauen über die Schultern des Kapellmeisters in seine Partitur, er krauste bei jedem falschen Ton die Augenbrauen, als habe er Zahnschmerzen. Mariots graues, scharfgeschnittenes Gesicht mit dem zurü^eworfenen schwarzen Haar glich in der bleichen, düsteren und dabei grellen Beleuchtung seines Pultes einem grollenden Gott, der aus Der Unterwelt auftaucht.
Der Schnittertanz wurde mittendrin unter - brochen durch das Klopfen des Kapellmeisters. „Meine Herren, fingen Sie dock nichts aus anderen Opern! Hat denn keiner seinen Einsatz, und warum weiß denn niemand, daß Die herzu mir sehen sollen? Gs ist alles genau angegeben —“
(Fortsetzung folgt.)
s Vezir p Sp°r/ J Spiel 9 verrm) gen, w° winni ■ htflepj Meifteri errinfll zweitem gerecht 8 erst, ben vp> trW bt ariMte „tu S-M nodj.oon Marter frage her Aurhesfen ben am Spiels Punkt D lich Vcdr biex bunt bewerb unb ben 8 ende eile Hierzu weilerbe Abstiegs bei M bestehen! Mr »ich
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