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Samstag, 18. Zuli 1925
Ur. 166 Drittes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)
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Lahlen-Rätsel.
böhmischer Reformator,
8 Stadt im Reg.-Dez. AmSberp
8 2 zweitgrößter Strom Europas, französische Münze.
6 8 Stadt in Spanien,
7 Rebenfluh der Donau,
6 Universitätsstadt am Rhein,
8 weiblicher Dorname.
den voll Gemüse schmaler Straßen Schultern einen Lastträger tragen Lasten wie die
3 2 4 Hauptstrom im Westen Vorderindiens. Die Anfangsbuchstaben der Wörter ergeben.
ist nur ein kleines Rom Wahrheit. Als wir hem berühmten Panorama von Stambul links
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Konstantinopel.
Bon Dr. Margarete Bieber.
a. 0. Professor m der Universität Gießen.
In Athen hatte man in den Zeitungen ein Bild des Bosporus gebracht mit der Unterschrift: „Der sterbende Bosporus". Man sah daraus nur ein einziges kleines Dampfboot. Bon anderer Seite hatte ich gehört, das; Konstantinopel so still wie London am Sonntag sei. In beiden Bemerkungen
(tzleichklang.
Wirst du es zum frohen Feste, Trinke froh wie andre Gäste! Aber trinkst du immer mehr, Wirst du es vielleicht zu sehr.
KrenNvorträtsek.
Es bedeuten:
Don links nach rechts: 1. Rebenfluh der Donau, 4. feines Gewebe, B. Rebenfluh der Donau, 10. Gesetzliche Gemeinschaft. 11. Bauernhof, 12. Daum. 14. Radelhoiz, 16. altperuanischer Herrschertitel, 19. plattdeutscher Rame, 21. Bücherbrett, 24. Dolksstamm, 26. Stadt in Südtirol, 27. griechische Göttin. 28. syrische Königstochter, 29. Schwimmvogel.
Don oben nach unten: 1. Freytagsche Romanfigur, 2. Rebenfluh der Donau, 3. Kloster höheren Ranges, 5. männlicher Personenname. 6. Teil des Kopfes, 7. früherer Zirkusbesiher, 9. Liebersichtstafel, 13. Göttin, 17. Erdteil, 18. geographische Bezeichnung, 20. Drahtschlinge, 22. biblischer Rame, 23. biblischer Rame, 25. Farbe.
Auflösungen.
Silbenrätsel.
1. Delphi, 2. Eichstätt, 3. Stund«, 4. Ritter, 5. Uri, 6. HavaS, 7. Marat, 8. Ewald, 9. Stade, 10. Dulwer, 11. Erwin, 12. Grabbe, 13. Lakai. 14. Eichsfeld. — Des Ruhmes Begleiter ist der Reid.
Bruchstück-Aufgabe.
od — lm — ob — ai — ck — um — is —
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom Redakttonstisch Die Klassiker.
Goethe und Schiller bringt in ihren Spalten Wohl jede Zeitung gern — 's ist wahr: Denn zweitens können diese nie veralten, Lind erstens: Kosten sie kein Honorar!!
Schnell fertig.
Die Familie wollte in die Oper gehen, und bereits eine halbe Stunde lies der Hausvater unruhig aus und ab, da Frau und Tochter nicht fertig werden wollten. „Wieviel Zeit Ihr Weiber immer braucht!" schrie er schließlich wütend. „Nehmt Euch an mir ein Beispiel: Ein Stückchen Watte in jedes Ohr — und ich bin fertig!"
Die junge Lhe.
„Wieviel Jahre bist Du eigentlich verheiratet?* fragte ihn ein alter Bekannter beim Wiedersehen. „Noch kein Jahr", erwiderte er kurz. „Was? Das ist doch nicht möglich?" „Doch," sagte er, „meine Frau war 24 Jahre, als wir uns heirateten, und sie ist noch immer 24."
Marltbildchen.
Durch das Gewühl des Wochenmarktes schreitet suchend und schauend eine junge Dame. Dor einem Stande, der mit einem Berge faftlggrüner Salatköpfe zum Kauf einlädt, macht sie Halt. Sie zögert, der Salat sieht zwar schön aus. doch es fragt sich, ob er auch fest ist. 11 nb prüfend drückt sie einen der Köpfe zusammen, legt ifjn aber gleich darauf errötend wieder aus der Hand, denn mahnend erhebt sich die Stimme der Hökerin: „Fräulein, knutschen Sie Ihren Herrn, aber nich meine Salatköppe."
und Plätze sind dieselben wie im Aliertum. Durch die griechisch-römischen und byzantinischen Hauptstraßen ährt jetzt die Straßenbahn. Die Stadtmauer des Theodosius aus dem 5. Jahrhundert bildet noch heute die Westgrenze der Stadt. Der Aquädukt des Valens aus dem 4. Jahrhundert bringt noch jetzt Wasser in die östlichen Stadtteile von Stambul.
Freilich liegt über ollem diesen der schimmernde Glanz des türkischen Kunsthandwerks und des orien- talijchen Lebens. Stambul ist jetzt im Frühling bezaubernd schön. Riesige rotviolette Iudasbäume tehen neben den ernsten Zypressen, lieber altes Ge- mäuer hängen Ströme von gelben Rosen und zart- violetten Glyzinien. Millionen von Zitronenfaltern taumeln um die Blüten. Dies alles nicht nur außer- halb der Stadt, sondern mitten in Stambul. Zwi. chen die lebhaften Gefchäftsstroßen schieben sich ausgedehnte Brvndselder, die man sich selbst überläßt und die die Natur sich erobert. UeberaU liegen auch alte Friedhöfe, die an Stimmung alle europäischen Friedhöfe weit hinter sich lassen. Dor der Stadtmauer ziehen sie sich meilenweit hin, aber auch in allen Teilen Stombuls erfreut sich das Auge an den dichtgestellten Marmorstellen unter üppigster Vegetation. Jede größere Moschee hat auch ihren Begräbnisgarten, in dem die kuppelgedeckten vier- oder achteckigen lürben, d. h. Mausoleen der Sultane sich über die kleineren Monumente erheben. Daran grenzen dann Medressen. d. h. Schulen für Geistliche. In einer solchen bei der Suleimanie, die von Sinan erbaut «st, ist das neue Efkas-Museum ür islamitische'Kunst eingerichtet. In einer anderen bei der von demselben Künstler geschaffenen Prin- zenmoschee habe ich mit einem Türken unter der Säulenhalle des Hofes die romantischste Teestunde meines Lebens verbracht. Unter den Mariftorsäu- len mit Stalaktit-Kapitellen öffnen sich kleine Wohnräume. Dor einem faß der Türke mit feinem kleinen Herd, auf dem er mir herrlichen, duftenden Tee bereitete und in ein glockenförmiges, bunt- betupftes Gläschen einfchänkte. In der Mitte des Hofes steht der Reinigungsbrunnen, wie in den Dorhöfen der Moscheen und einst in dem Atrium der byzantinischen Kirchen. Wie dort ist er von alten Bäumen, hier blühenden Kastanien beschattet. An der Marmorwand des achteckigen Brunnens find Zypressen in Relief gebildet. Ein weit vorspringendes Dach schützt das kostbare Nah vor Verunreinigung. UeberaU in Stambul findet man herrliche, von Sultanen und Dornehmen gestiftete Brunnen, deren hohe Marmorwände mit zarten, oft farbigen Ornamenten überspannen sind. UeberaU kann man sich also bei seinen Wanderungen reinigen und er
frischen.
Es gibt nichts Köstlicheres als diese Wanderungen durch Stambul. Man blickt durch ein geschweiftes, 'hohes Marmortor auf eine weiße Marmor- treppe und sieht auf ihr eine schwarze Negerin kauern. Man geht wie verzaubert durch stiUe Straßen mit roten und grauen Holzhäusern, deren vorspringende Erker von einem schrägen Balken oft nur noch mühsam im Gleichgewicht gehalten werden, und an deren Gitterstäben sich türkische Frauen die Nase platt drücken, um herauszuspähen. Esel, oben mit einem Reiter, seitlich mit mächtigen Kör- beparft, nehmen die ganze Breite ein. Ein Knabe schleppt auf den Fisch von Manneslänge vorbei, mit Hilfe eines Sattels ähnliche Esel. Düffel ziehen schnaufend
... Reihenfolge nach aneinandergereiht, den Ramen eines nordamerikanischen Binnenmeeres.
eh — lm — ou — id — ai — lm. — Die vorstehenden Wortbruchstücke sollen durch Ansehen eines Buchstabens am Anfang zu Wörtern ergänzt werden. Aneinandergereiht ergeben diese Erholungszeit.
Bosporus, der hier wie ein Binnensee erscheint. An seinen beiden Ufern liegen die marmornen Sommerresidenzen der Sultane. Kleine Dampfer und Segelboote gleiten unaufhörlich über seine Fluten. Rechts gegenüber liegt Stutari. Ein Gewirr von weißen Häusern mit roten Dächern, von mit Kuppeln gedeckten Moscheen, von nabelförmigen Minaretts, von Gärten und kleinen Friedhöfen zieht sich vom Meeresstrand bis zu dem größten Friedhof der Welt auf der Hohe empor. Tausende von Grabpfeilern werden hier von ebenso vielen Tausenden von Zypressen beschattet. Rechts schließt sich Haidarpascha an, mit einer Spitze in das Marmora-Meer auslaufend. Es folgen die zwei Stunden Seefahrt entfernten Prinzeninfeln, deren weiße Häuser man schimmern sieht. Bei klarem Wetter sieht man jenseits des Marmara-Meers den langen schneebedeckten Rücken des bithynischen Olymps. Vor Haibarpascha liegt ein langer Wellenbrecher im Meer, mit Leucht- türmen an den Enden, deren Licht abends zuweilen in mein Fenster blitzt. Dahinter liegt der Bahnhof, der Kopf der anotolifchen und der anschließenden Bagdadbahn. Die Bauten sind von der deutschen Firma Holzmann in Frankfurt mit deutschem Kapital erbaut. Die Früchte ernten nicht nur die Tur- Jen, sondern vor allem Franzosen und Engländer.
Der jetzige Vertreter der Firma Holzmann bewohnt ein uns benachbartes Holzhaus, dessen Garten sich mit jedem Garten an der Riviera messen kann. Eine UeberfüUe von Lilien, Margeriten, Veilchen, Rosen, Astern, Levkoien, ein direkter Blick auf das graue Meer, ein unter alten blühenden Kastanien gedeckter Teetisch machen ihn zu einem Garten Eden. Ein einziger großer Rosenstock tragt über hundert edle, blaßrotgelbe Teerosen. Immer wieder klingen mir die Verse des alten Angelus Silesius im Ohr, wenn ich die Herrlichkeiten Konstantinopels genieße :
Blüh' auf, erfrorener Christ! Der Mai ist vor der Tür, Du bleibest ewig tot, Blühst Du nicht jetzt und hier!
Gewiß wird Konstantinopel viel an Reiz verlieren wenn einmal die Griechen oder die Russen oder die Engländer es den Türken sortnehmen werden. Solche unvergeßlichen Eindrücke wie das Mas- fengebet in der Heiligen Nacht am Ende des Ra- massan, vor dem Veiramfeft in der festlich illuminierten Hagia Sophia werden dann fallen. Dafür wird der schöne alte griechisch-orthodoxe Ritus für den die Kirche gebaut ist, wieder einziehen. Die schief zur Gebäudeaxe gestellte, nach Mekka orientierte
Einrichtung, die den gewaltigen Raumeindruck jetzt stört und trübt, wird verschwinden. Dafür werden aus der Tünche die bunten byzantinischen Mosaiken wieder herausgeholt werden, die zu dem prächtigen Raum gehören. Dasselbe wird dem Juwel frühchristlicher Raumkunst geschehen, das jetzt einen Dornröschen - Traum zwischen Trümmerfeldern schläft, der kleinen Hagia Sophia, der Kirche der hei- ligen Sergius und Bacchus. Sie ist das altere und viel schönere Vorbild des viel bekannteren San Vitale in Ravenna. Im übrigen wird Konstantinopel unverändert bleiben, denn Natur und griechischer Ursprung haben ihm für alle Zeiten die Richtlinien gegeben. Aus der Berührung von Orient und Okzident ist hier ein einzigartiges, unzerstörbares Phänomen entstanden.
enropäifdjen Ufer und von Stutari rechts asiatischen Ufer vorbei in den äußeren Hafen van Konstantinopel einfuhren, da umschwärmten — Dampfer jeder Größe, vom großen englischen Khe- dioial Mail bis zum kleinen Uebersahrtsdampfer noch Skiitan. Als ich zum erstenmal über die Äer- bindungsbrücke von der Europäerstodt Galata-Pera nach dem türkisch-orientalischen Stambul ging, da fand ich das Gewühl kaum geringer als vor sechzehn Jahren. Allerdings ist es nicht mehr so bunt und so malerisch wie vor dem Kriege. Die malerischen Männertrachten sind bis auf einige Bettler, die sich aus Geschäftsinteressen in bunte Rembrandt-Lum- pen kleiden, verschwunden. Nur der rote Fez, lei- der immer spärlicher mit dem weißen, gelben oder bunten Turban umwunden, bringt farbige Punkte
Kleine Strafkammer Wetzlar.
Q Wetzlar, 15. 3ult Der Arbeiter Heinrich R. von Wetzlar war seinerzeit vom Amtsgericht Wetzlar wegen unbefugter Iagdausübuna zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden, während ein zweiter Angeklagter damals freigeftirochen wurde. Auf die Berufung des Angeklagten R. hat dieser sich heute erneut zu verantworten. Der Angeklagte war im März 1925 im Jagdbezirk Wetzlar-Nieber- girmes, Distrikt Silbergraben, von dem Zeugen Jagdaufseher St. von Naunheim dabei betroffen worden, wie er abseits vom Weg in verdächtiger Weise Hecken und Sträucher absuchte. Als er den Jagdaufseher St. bemerkte, ließ er plötzlich von diesem Suchen ab und begab sich auf den Weg zu feinem Begleiter. Dem Zeugen St. will es nun aus den Bewegungen des Angeklagten so vorgekommen fein, als ob der Angeklagte eine Waffe wegsteckte.
in bas Bild. Die Frauen haben den Schleier fast ganz abgelegt. Doch tragen sie vielfach besonders im Westen von Stambul kleidsame Hauben in gleicher Seide und Farbe wie ihre Kleider, die oft auch noch einen gelegentlich als Kopfbedeckung dienenden Uebersall haben. Die Farbe ist aber meistens schwarz oder grau, und die Mehrzahl der Frauen ist genau so europäisch gekleidet wie die Männer. Das Rassengemisch ist auch lange nicht mehr so groß wie früher Schwarze sieht man hauptsächlich nur noch als Bettler, wobei ihnen die Zigeuner, deren Stimme besonders in der Kindheit einen süßen einschmeichelnden Klang hat, große Konkurrenz machen.
Wenn die Griechen aus Feindschaft gegen die Türken Konstantinopel als eine sterbende Stadt ausgeben, so versuchen die Türken aus Nationalismus und Haß gegen die Griechen Konstantinopel zu einer sterbenden Stabt zu machen. Sie haben ihre Residenz von Konstantinopel nach An- gora im Inneren von Kleinasien verlegt und wollen Konstantinopel zur Provinzstadt herabdrücken, denn Äonftantinopel ist und bleibt in seinem Charakter griechisch. Es ist eine griechische Gründung und es blieb auch unter den Römern griechisch. Das byzantinische Kaisertum hielt griechische Sprache und griechische Kultur bis in die Renaissance-Zeit leben- big. Als die Türken im 15. Jahrhundert Konstantinopel eroberten, da wurden die Griechen ihre Lehrmeister in Kultur und Kunst. Der Grieche Ehrislodulos erbaute dem Eroberer Mohammed die mächtige Moschee, die mittelste der drei geroal- tigen, selbst wie Hügel wirkenden auf den drei Hügeln am Goldenen Horn gelegenen Äultftätten des Islam. Die beiden anderen sind von dem Albanesen Sinan im 16. Jahrhundert errichtet. Alle drei aber lehnen sich an die Hagia Sophia an, die von den Griechen Aitthemios von Trolles und Isi- doros von Milet für Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert erbaute Kirche der Heiligen Weisheit, der lehfcn und reifsten baulichen Schöpfung der ausgehenden Antike. Keine der etwa tausend Moscheen in Konstantinopel kann dieses Vorbild verleugnen. Sie alle Haven als Zentrum die Kuppel, um die sich in absteigender Linie allseitig kleinere Kuppeln, unter Säulenreihen ordnen. Entsprechend floß in den Adern vieler türkischer Beamten, die dem türkischen Reiche besonders in kultureller Beziehung wichtige Dienste geleistet haben, griechisches Blut. Bis 1920 gab es in Konstantinopel 200 000 Griechen, darunter viel von edlem reinen Blut das sich hier viel reiner als in dem verslawten Griechenland gehalten hat. Jetzt versuchen die Türken, dieses Element auszuschcckken, und die Verlegung der Regierung nach dem rein türkischen Angora ist ein Mittel zu diesem Zweck. Sie werden ihr Ziel nicht erreichen, außer wenn sie die Griechen aus Konstantinopel ebenso austreiben wie die Griechen aus Smyrna. Dann wird Konstantinopel zur Bedeutungslosigkeit herabsinken, denn Handel und Wandel ist in den Händen der lebhaften, gewandten Griechen. In allen Geschäften wird griechisch gesprochen. Wird man alle diese Kaufleute austreiben? — Mit den Lehrern scheint man es vorzuhaben. In den Schulen soll jetzt eine Prüfung aller nichttürkischen Lehrer stattfinden. Wer nicht türkisch wie seine Muttersprache spricht, wer in den Fächern, in denen er unterrichtet, nicht besteht, wird entlasten. Man nimmt an, daß das bei ziemlich allen Nichttürken der Fall sein wird. Bereits jetzt ist kein Grieche mehr in einem staatlichen Amt. Der Bevölkerungsaustausch mit Griechenland hat diesem bereits jetzt einen Zuwachs von 33 Proz. seiner Einwohnerzahl gebracht. Mit bewunderungswürdiger Energie hat das verarmte, im Weltkrieg von Frankreich unerhört mißhandelte Griechenland diesen Zustrom vertriebe- ner, um ihren Besitz und um ihre Heimat betrogener Menschen untergebracht. In Mazedonien sind ganze Dörfer — davon allein 30 zu je 1000 Häusern von einer deutschen Firma in 6 Monaten erbaut — aus dem Boden gewachsen. Die türkische Austauschbevölkerung aus Saloniki scheint mir viel schlechter versorgt zu (ein. Ich traf einen vierzehnjährigen Jungen aus Saloniki, der weder Schuhe noch eine K 5)0(6 von dem Fürsorge-Komitee erhalten e und sich mit dem üblichen Stiefelputzen ernährte. Wieviel Elend und Ungerechtigkeit hat die vom Völkerbund beschlostene schematische Aufteilung der Rassen in die Welt gebracht!
Eine Ausdehnung dieses „Austausches", d. h. dieser Vertreibung der Griechen würde den griechischen Charakter Ronftantinopels mindern, aber nicht endgültig zerstören können. Die Griechen und die Natur haben die Richtlinien für die Stadt gemeinsam und daher unvertilgbar gezogen. Wo einst die älteste Stadt, dann die Palaste der griechischen Kaiser lagen, liegt jetzt der Berat mit den entzückenden Palästen und Pavillons der Sultane. Die Straßen
Sonderzug.
Gegensätze.
1. Gewinn. 2. Lachen, 3. Ursprung. 4. Ebbe. Tivil, 6. Keller. 7. Laie, 8. Idealist, 9. Eredit.
schwere Wagen
Die Romantik hört auf, sowie man die Straßen- bahn betritt. Hier herrschen strenge Regeln. Die geschlossene Frauen abteilung gebt es nicht mehr. Dafür sind die beiden ersten Sitzreihen mit im ganzen 6 Plätzen den Damen reserviert, wie ein türkischer und französischer Anschlag besagt. Die Herren müssen also einsteigenden Damen hier Platz machen. Niemals würden sie das auf anderen Platzen tun, so daß immer viele Frauen stehen müssen. Ebenso geht ein echter Türke vor einer Frau aus der Tur. Schauerlich ist bas Gesetz, daß der Schaffner fern Geld zu wechseln braucht. Wer kein Kleingeld hat, muß den Wagen verlassen. Der Führer hält so lange, bis der Delinquent ausgestiegen ist. Ich mochte wissen, was die Schaffner mit den Sacken voll Kleingeld machen, die sie tagsüber einnehmen, denn die Bahnen sind immer überfüllt. Da sehr viel kleine Münze bis zu dem Wert von I Pfennig herab umläuft, so bezahlen die meisten mit einer ganzen Anzahl von Stücken, die zwischen 2\ und 8) Piastern schwankenden Fahrpreise (1 Piaster — 2 Pf.). Wer hätte solchen sinnlosen Vureaufratismus im Orient vermutet'
Galata und das darüber liegende Pera auf der Höhe nördlich des tief in das Land einschneidenden Meeresarmes, des nach seiner Form benannten Goldenen Horns, gelten als langweilige, farblose Europäerviertel. In Wahrheit beschrankt sich dieser Charakter auf die wenigen Straßen, in denen Die Hotels und größeren Geschäfte liegen. Schon jeder Blick aus diesen Hauptstraßen heraus ist mindestens so malerisch wie ein entsprechender m Neapel. Gleich neben der Grand Rue de Pera sieht man Überall in abfallende Gäßchen mit Holzhäusern oder man erwischt einen Blick auf das Goldene Horn mit den malerischen Kriegsschiffen und Segelbooten der Türken. Ich wohne ledenfalls m Vera so romantisch wie möglich. Das Haus liegt am Abhang unterhalb der deutschen Botschaft. Man steigt gegenüber einem alten, verwahrlosten, von Zypressen überragten Friedhof einen (teilen Irep= penroeq oder eine noch steilerne Halde herab. Durch ein Tor in einer hohen Mauer kommt man in den Garten, in dem man eine Marmortreppe mit für lange Männerbeine berechneten Stufen emporsteigt. Bin ich bann zwei weitere Treppen bis zu meinem Zimmer emporgestiegen, so wird die Anstrengung durch eine himmlische Aussicht belohnt. Unregelmäßig gestellte Holzhäuser mit reichem Öitterroerf, vorspringenden, von Konsolen gestutzten Dächern und Dachpavillons von Hofen und Garten umgeben, senken sich zum Bosporus herab. Die weitere Aussicht ist von einem der häßlichen, gelb an- gestrichenen Kästen durchschnitten, wie sie Pera und andere Großstädte entstellen. Links sieht man den
10. Heimat, 11. Ernte, 12. Ruhe, 13. Erzieher. 14. Insel, 15. Schwindel. 16. Einbuße. — Glückliche Reise.
Kreuzworträtsel.
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