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gefunden hätten und die Exekutive feine Vott- nachten zu Verhandlungen habe. Die Vertreter Jet Bergarbeiter mühten erst von einer Konferenz zu Verhandlungen ermächtigt werden.
Das Arbeiterblatt „Daily H e r a l d" belichtet in großer Aufmachung, daß die englische Regierung die Absicht habe, die Flotte als Streikbrecher zu benutzen. Gestern erfuhr ein Mitglied der Arbeiterpartei von einem Befehl der Admiralität, in welchem angeblich das Personal der Flotte, das in Eisenbahnen, Clekrrizitätswerlen und dergleichen tätig war, als Streikbrecher benutzt werden sollte und Zahlungen versprochen erhielt. Die Antwort des Ersten Lorkä der Admiralität war ausweichend. Der Zweck des Befehls läge nicht in der Unterstützung privater Firmen, sondern in der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.
Die Mächte und China.
Gemeinsame Untersuchung der Vorfälle in Sstingha..
London 18. Juli. (WTB. Funkspruch.) In einer Besprechung zwischen dem britischen Außenminister Chamberlain und den Botschaftern von Ämerira, Frankreich und Japan wurde beschlossen, wegen der Schanghai-Vorfälle eine rein juristische Uiilersuchung anzustellen. Es wurde die Zusammensetzung der Untersuchungskommission behandelt. Sollte zur Beilegung der chinesischen Wirren eine F l o t t e n d e m o n fr r a t i o n in den chinesischen Gewässern nötig sein, so sollen sich alle Ver > tragsmächte gemeinsam daran beteiligen und genügend Streitkräfte landen. Die kommunistische Propaganda wie auch die Haltung deutscher und französischer Kaufleute wurde einer besonderen Kritik unterzogen. Vorläufig, so erklärte man, könne an direkte Verhandlungen mit China nicht gedacht werden, bis sich eine f e st e Regierung gebildet habe, die für Leben und Eigentum der Fremden einzutreten vermag.
Der englische Botschafter in Peking hat der Regierung zwei neue Roten über die Zwischenfälle von Schanghai zugehen lassen; in der einen erklärt England, daß es scheine, als ob ein Kampf gegen dieEngländer in China organisiert werden solle. Die Fremden seien keinesfalls die Angreifer gewesen und die maßgebenden Stellen der fremden Missionen hätten alle Maßnahmen ergriffen, um Zwischenfälle zu vermeiden. Die Schießereien seien von chinesischen Manifestanten aus gegangen. Die englische Regierung versucht den Wortlaut der beiden Roten durch die chinesischen Blätter veröffentlichen zu lassen.
Frankreichs Auffassung.
3n Paris wurde am Donnerstagnachmittag, wie erst jetzt bekannt wird, eine amerikanische Bote überreicht, die Anregungen deS Staatsdepartements zur Festlegung einer gemeinsamen Haltung der Mächte gegenüber China enthält. Schriftstücke des gleichen Inhalts wurden von den amerikanischen Botschaftern auch anderen in China interessierten Mächten überreicht. Dricrnd hat nach der „Chicago Tribüne'' an den französischen Gesandten in Peking Instruktionen gegeben, da Frankreich in einer besonderen Kommission, die in drei Monaten zur Erörterung von Zvllfragen zusammen- tritt, über die Wirtschaftliche Wieder- aufrichtung Chinas beraten würde.
Die französische Regierung sei ferner der Ansicht, daß die Frage der Exterritoriali- t ä t von einer anderen Kommission behandelt werden könne, sie lege jedoch auf die Feststellung Gewicht, daß die Mächte nicht in der Lage seien, ihre Exterritorialität aufzugeben, bevor die chi- nesische Regierung die Ordnung im Lande Wiederhergestell t habe. Schließlich ver- • lange die französische Regierung, daß das Pekinger Kabinett eine Erklärung veröffentlicht, wo- l nach die chinesischen Märkte den auS- ländischen Kaufleuten geöffnet blei- < ben. Die Anweisung der französischen Regierung an ihren Pekinger Gesandten decke sich mit den Anweisungen der übrigen Großmächte. Sie knüpfe an die chinesische Rote vom 25. Juni an, in der die Pekinger Regierung eine Revidierung der Verträge gefordert hat.
Deutscher Reichslag.
Berlin, 17. Juli. Das Haus nimmt den Bericht des Untersuchungsausschusses über die Ergebnisse der Untersuchung, betreffend die ü r » fachen des deutschen militärischen Zusammenbruchs im Jahre 1918 entgegen.
Abg. Dr. Phillipp (Dntl.) gibt im Auftrage des Anterfuchungßausschusses eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Der vierte Unterausschuß des Untersuchungsausschusses des Reichstages für die Schuldfrage des Ausbruches, des Verlaufes und Ausganges des Weltkrieges bekam die Ausgabe, die Vorgänge zu untersuchen, die 1918 zum Zusammenbruch geführt haben. Der Vierte Unterausschuß hat das Ergebnis seiner Tätigkeit in einem dreibändigen Buche nieder gelegt. Der Llnterccusschuß kam zu der Lleberzeugung, daß er ohne die streng wissenschaftlichen Vorarbeiten von Sachverständigen niemals zu den Feststellungen gelangt wäre. Um ein eventuelles Anklageverfahren zu ermitteln, ließ sich im Untersuchungsausschuß nicht vermeiden, daß die Schuldfrage letzten Endes die Verhandlungen beherrschte. Dabei unterschied der ilnter- suchungsauSschuh zwischen krimineller, moralischer und historischer Schuld. Einmütig stellte er fest, daß von krimineller Schuld in keinem Falle die Rede sein könnte. Wegen der moralischen und.historischen Schuld kam die Mchrheit yu dem Urteil, daß keine Feststellung getroffen fei, um zu einem Schuldurteil zu gelangen. Der Untersuchungsausschuß bittet das Hohe Haus und die Oeffentlichkeit, die Ergebnisse ferner Arbeit zu prüfen und die Stellungnahme dazu den Fachmännern und Politikern außerhalb des Reichstags zu überlassen.
Das Haus schließt sich dem ätntersuchungs- ausschutzantrag an und beschließt, von dem Bericht deS Untersuchungsausschusses lediglich Kenntnis zu nehmen.
Es folgte die dritte Beratung des sozialdemokratischen Gesetzentwurfs betreffend die Abänderung des Gesetzes über die
ÄlnletttbeUen im gewerblichen Betriebe, die in der AuSschußfassung vor allem verbietet, Kinder unter 3 Jahren zum Filmen zu beschäftigen, sofern es sich nicht um wissenschaftliche Zwecke handelt.
Frau Abg. Schröder (Soz.) begründet einen Antrag, der sich gegen die gesetzliche Regelung wendet, daß Kinder unter 3 Jahren zu wissenschaftlichen Zwecken gefilmt werden können,
und ein d d 111 d m m c n c ö Vervoi jii» möns dieser Kinder wünscht. Heber diesen Antrag soll namentlich abgestimmt werden.
Die Abstimmung wird auf eine spätere Zeit ausgesetzt.
Präsident L ö b e erklärt, daß er nicht zu- lassen könne, daß der Zustand der letzten Tage ein Dauerzustand werde, daß die namentlichen Abstimmungen auf eine bestimmte Stunde festgesetzt werden, und daß überaus wenige Abgeordnete sich an den Verhandlungen beteiligen.
Annahme findet ein Kompromißantrag, der die Verwaltungsbehörden ermächtigt, _ den Kindern unter drei Jahren in Ausnahmefällen die Genehmigung zum Filmen zu erteilen, wenn umfassende Schuhvorkehrungen für das Kind getroffen sind. Vor Erteilen dieser Erlaubnis soll auch das Jugendamt gehört werden und auch eventuell die Schulaufsichtsbehörde.
Die endgültigen Abstimmungen werden ausgesetzt.
Dann seht das Haus die Beratung über den AenLerungsenlwurf zur Personalabbauverordnung fort.
Abg. Frick lDölk.) wendet sich in scharfen Worten dagegen, daß seit der Revolution in das Beamtentum Elemente hineingekommen feien, die vielleicht ein ehrsames Handwerk erlernt hätten, aber keine Befähigung zum Beamten hätten. Gerade diese untauglichen Beamten habe _ man beim Abbau geschont. Diese Beamten müßten a b g e b a u t werden. Die Vorlage bringe immerhin Verbesserungen für die Beamten und die Völkischen würden ihr daher zustimmen.
Aög. Schuldt (Dem.) lehnt die scharfen Angriffe des völkischen Redners auf das deutsche Beamtentum der Republik ab. Unter der Qlbbau- bererbnung habe man kinderreiche Familien nicht geschont, sogar die aus dem besetzten Gebiet Verdrängten entlassen. Demgegenüber treten die Demokraten dafür ein, daß die Beamten auS ihrem wohlerworbenen Rechte nicht verdrängt werden dürften. Die gegenwärtige Vorlage mxffe dahin abgeändert werden, daß diese Vorteile nicht nur den Reichsbeamten, sondern auch den Länder- und Gemeindebeamten zugute komme. Als größten Rechtsbruch in der Geschichte bezeichnet er, daß in der Vorlage ein Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Beamten insofern gemacht werde, als für weibliche Beamte Aufnahmebestimmungen bestehen bleiben sollen. Das sei eine Verletzung der Verfassung. (Beifall links!)
Abg. Schmidt (Dtschn.). Zunächst müßten die abgebauten Ruhestandsbeamte untergebracht werden, die durch die Schuld der Sozialdemokraten auf die Straße geworfen worden seien. Dann könnten die Rechte der weiblichen Beamten weiter gefördert werden. (Lärm links, Beifall rechts.)
Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) meint, es sei zwecklos, jetzt über die Schuld am Personalabbau zu sprechen. Zur Zeit des Inkrafttretens der Personalabbauverordnung seien die Verhältnisse stärker gewesen als der Reichstag. Von Schuld könne man erst reden wenn die Rechte der männlichen Beamten und die der weiblichen, wie dies in der Vorlage geschehen soll, nicht wiederh-ergestellt werden. Die Beamtinnen hätten alle nur geheiratet, nachdem sie sich vergewissert hätten, daß ihnen ihre Rechte erhalten bleiben. Jetzt nehme man den verheirateten Beamtinnen die verfassungsmäßigen Rechte angeblich nur auf einige Jahre, wahrscheinlich aber in infinitum.
Damit schließt die Aussprache. In der namentlichen Abstimmung wird ein sozialdemokratischer Antrag, die Vorlage und ihre Verbesserungen auch den Beamten der Länder und Gemeinden zugute kommen zu lassen, mit 181 geaen 162 Stimmen abgelehnt. Ein anderer sozialdemokratischer Antrag, durch den die Abfindungssumme für die Beamten, die nach Inkrafttreten der Novelle aus» treten, etwas höher festgesetzt werden soll, wird mit 192 gegen 147 Stimmen angenommen. Mit großer Mehrheit wird ein Antrag der Kompromißparteien angenommen, der verlangt, daß unter den Wartestandsbeamten vorzugsweise verdrängte Ausland-, Kolonial-, Grenzdeutsche und ehemalige Beamten des ReichslandesElsaß-Lothrin- gen berücksichtigt werden sollen.
Damit ist die zweite Lesung der Personalabbauänderungsvorlage beendet. Das Haus wendet sich dann den rückständigen Abstimungen zu dem Aenderungsentwurf der Sozialdemokraten für die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben zu. Ein Antrag der Abg. Frau Schröder (Soz), der durch Gesetz verbieten will, daß Kinder unter drei Jahren zu Filmaufnahmen verwendet werden, wird in namentlicher Abstimmung mit 191 gegen 171 Stimmen abgelehnt. Es bleibt also bei der Vorlage, die für Zwecke der Wissenschaft und Kunst eine Verwendung von Kindern unter drei Jahren nicht mehr zulassen will, wenn keine umfassenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen sind. Das Haus stimmt der Vorlage auch in der Schlußabstimmung zu.
Dann seht das Haus die erste Beratung des Gesetzentwurfes über
das Recht zum Tragen einer Militäruniform fort
Abg. Graf v. Eulenburg (Dntl.) wendet sich gegen die Ausführungen, die vor einiger Zeit ein sozialdemokratischer Redner zu dieser Vorlage gemacht hatte. Der Redner erklärte u. a., es sei dem sozialistischen Redner Vorbehalten geblieben, das Hohenzvllernhaus, den Reichspräsidenten und das gesamte Offizierskorps in einer Weise herabzusehen, die für das Riveau des Hauses ungewöhnlich sei. (Lärm links.) Die Deutschnationalen könnten auf diese Ausführungen nur mit grenzenloser Verachtung reagieren. (Lebhafter Beifall rechts; Zurufe links.)
Auch Abg. d. Ramin (Völk.) wendet sich gegen die sozialdemokratischen Ausführungen, Wenn die Sozialdemokraten nichts dagegen hätten, daß hier ein Ausnahmerecht für Offiziere geschaffen würde, so würden die Völkischen nichts dagegen haben, wenn auch Unteroffiziere und Mannschaften das Recht erhielten, die alte Uniform wieder zu tragen. (Heiterkeit) Der Redner wendet sich dann gegen die parteiagitatorische Behandlung der Frage des Tragens der Uniform. Er bezeichnet im Laufe feiner Ausführungen die Haltung der Regierung als hündische Unterwürfigkeit gegenüber dem äußeren Feind und erklärt gegenüber der sozialdemokratischen Behauptung, die politischen Meuchelmörder Rathenaus, Erzbergers und anderer seien aus dem Offizierskorps hervvr- gegangen, daß er persönlich den politischen Mord ablehne, daß aber die Sozialdemokraten durchaus nicht immer den politischen Mord verabscheut
tiauc... -. e^ziaivemorraleli hatten während der Revolution in Berlin 30 Offiziere erschossen. (Großer £ärm auf der Linken und Zurufe: 2üg- ncr! Glocke des Vizepräsdienten Dell.)
Es ist dem Vizepräsidenten nicht möglich, den Lärm, der durch gegenseitige beleidigende Zurufe im ganzen Hause immer größer wird, zu durchdringen. Schließlich unterbricht der Vizepräsident unter ungeheuerem Lärm die Sitzung auf 5 Minuten.
Rach Wiederaufnahme der Sitzung beantragte Abg. Rönneburg (Dem.), die Vertagung des Hauses vorzunehmen, da heute kaum die Gewähr gegeben sei, die Verhandlungen in würdiger Form fortzusehen.
Rach längerer Geschäftsordnungsdebatte vertagt sich das Haus auf Dienstag.
Hessischer Landtag.
Darmstadt, 17. Juli. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9l/< Uhr.
Das Haus tritt hierauf in d.e Beratung des Kap. 108, „M inisterium der Finanze n" ein, das ohne weitere Debatte mit 829 440 Mk. Ausgabe und 28 670 Mk. Einnahme genehmigt wird, damit sind die Ersparungsanträge Dr. Leuchtgens-Glaser abgelehnt.
Kapitel 109, „Hausverwaltun g", wird bewilligt mit 117 750 Mk. Ausgabe unb 2260 Mk. Einna^ne, ebenso Kapitel 110, „Haupt- staatskasse", mit. 458370 Mk. Ausgabe und 1100 ML Einnahme
Bei Kapitel 111, „Landesvermessung s wes en", fragt Abg. Fenchel (Dbd.) an, warum das Abmarkungsgeseh noch nicht veröffentlicht worden fei. Von der Regierung wird erwidert, daß dies bald geschehen werde. — Die Einnahmen dieses Kapitels mit 664 100 Mk. und 1 206 065 Mk. Ausgaben werden bewilligt.
Zu Kapitel 112 „B a u w e s e n" liegt ein Antrag vor, für den Wiederaufbau der Starkenburg 30 000 Mk. bereitzustellen, Die Starkenburg soll zu einer Jugendherberge mit Pförtnerwohnung ausgebaut werden. Die Einnahme dieses Kap. 229 918 Mk. und die Ausgabe 988 759 Mk. wird genehmigt. Der Antrag über den Ausbau der Starkenburg wird der Regierung als Material überwiesen. Eine Forderung für die Lahnkanalisierung wird genehmigt.
Ohne wesentliche Debatten werden angenommen die Kapitel 113 ,B rü cke n - un d U e b ersah r t e n" (149 303 Mk. Einnahme, 109 568 Mk. Ausgabe), 114 „Lan desansta lt für Wetter- und Gewässerkunde" (450 Mk. Einnahme, 27 471 Mk. Ausgabe), 115 „P r i v a t e i s en b a h - nen usw." (25 000 Mk. Einnahme, 21000 Mk. Ausgabe), 116 „Stellvertretungskosten usw." (130 500 Mk. Ausgabe), 117 „P o st g e b ü h r e n" (161 400 Mk. Ausgabe), 118 ..Ausleihungen und Staatsschuld" (626 068 Mk. Einnahme, 341338 Mk. Ausgabe).
Hieerauf wird in die
Beratung des Dermogensteils eingetreten. Es werden Kapitel 119 „ F o r stund Kameralgüter" (229 800 Mk. Ausgabe), 120 .Siedlungswesen" (832000 Mk. Ausgabe) bewilligt. Ferner werden angenommen : Kapitel 124 „Badeanstalt Bad Salzhausen" (103120 Mk. Ausgabe), 125 „Qln- und Verkauf von Staatsgütern" (1000 Mark Einnahme, 91000 Mk. Ausgabe), 126 „Reste auS früheren Jahren usw. (20 000 000 Mark Einnahme und Ausgabe), 127 „Rachträge" (1840 000 M. Ausgabe), 129 „Hochbauwesen" (1072 250 Mk. Ausgabe), 133 „Hochbauwesen" (1688 350 Mk. Ausgabe), 142 „Hochbauwesen" (367 600 Mk. Ausgabe), 145 „Brücken- und Lieberfährten" (50 000 Mk. Ausgabe), 146 „Bauwesen" (1808 600 Mk. Ausgabe), 148 „Ausleihungen und Staatsschulde n". Der Ausschuß beantragt hierzu: Genehmigung der Einnahme mit 8 824 700 Mk. und der Ausgabe mit 749 330 Mk., vorbehältlich der Aende- rungen infolge der Beschlüsse des Landtags.
Die Beratungen wenden sich jetzt Kapitel 18 „Land tag" zu. Hierzu liegt' ein Antrag vor, Dom 1. April 1925 ab die Tagegelder und Uebernachtungskosten der Landtagsabgeordneten wie folgt festzusehen:
a) für Abgeordnete in Darmstadt eine Tagegeld von 12 Mk.,
b) für auswärtige Abgeordnete ein Tagegeld von 18 Mk. und für jede notwendig werdende Hebernachtung eine Gebühr von 10 Mk.
Den Anträgen wird zugestimmt, und für die Tagegelder werden 218 809 Mk. bewilligt.
Kapitel 24 „Staatsarchiv" (37599 Mk. Ausgabe) wird genehmigt, ebenso Kapitel 52 „K un st st r a tz e n ve r w a l 1 un g" (1 255 237 Mark Ausgabe).
Zu Kapitel 9 „Anteil an Reichssteuern usw." liegt noch eine sozialdemokratische Entschließung vor, die sich
gegen die Erhöhung der Tabaksteuer und der Diersteuer des Reiches
richtet. Abg. Kiel begründet mündlich diesen Antrag, der angenommen wird.
Hierauf werden einige kleinere Regierungsvorlagen angenommen. Darunter ist eine, worin die Regierung ermächtigt wird, in den Gemeinden, in denen der Staat die Polizei stellt, einen K ost e nbeitrag für jede Polizei- steile zu erheben.
Abg. Dr. Werner (Dntl.) erklärt, seine Partei lehne die Vorlage ab, da für die Ausgabe keine Deckung vorhanden sei.
Abg. Dr. Riepoth (D. Vp.) spricht im Hamen der Deutschen Volkspartei ebenfalls die Ablehnung aus, weil mit dieser einseitigen Belastung der Gemeinden ihnen nicht auch eine besondere Berechtigung gegeben wird, die Summe dafür aufzubringen.
Die Vorlage wird in beiden Lesungen gegen die Stimmen der Rechten angenommen.
Ein Antrag des Abg. Glaser (Bbd.) will eine anderweitige Festsetzung der steuerlichen Bewertung des Privatwaldes. In einer anderen Fassung wird dem Antrag zugestimmt, wonach die Regierung ermächtigt wird, in besonderen Fällen eine Ermäßigung der Steuer eintreten zu lassen. Ein Antrag Ritzel (Soz.), eine gleichmäßige Bewertung deS Privatwaldes herbeizuführen, wird der Regierung als Material überwiesen.
Zu Kapitel 7, „La ndes t h ea t e r", erstattet Abg. Heinstadt (Ztr.) Bericht über den nunmehr vorliegenden abgeänderten Antrag Scholz (D. Dp.) zur Prüfung der wirtschaftlichen Theaterverhältnisse. Mit dieser Prüfung soll der besonders gebildete Theater aus schuß betraut und dem Sinne nach dem Antrag der Deutschen Volkspartei Rechnung getragen werden.
Zu dem Kapitel liegen 7 Anträge vor, von denen der wichtigste lautet: Die Einnahme (unten Einschluß des Zuschußanteils der Stadt Darmstadt mit 291 000 Mk.) mit 1351 000 Mk. die Ausgabe mit 1 789 000 Mk. zu bewillige-v. Dieser Antrag wird gegen die Stimmen deS Bauernbundes und des Abgeordneten Weckler (Ztr.) angenommen. Auch die weiteren Anträge, werden in .Hebereinftinrmung mit den AuS- schutzanträgen angenommen, darunter ist auch der Antrag Scholz in der abgeänderten Fassung.
Zu Kapitel 88 „Erwerbslosenfürsorge usw.", liegen noch verschiedene Anträge sozialpolitischer Ratur vor, too^u mehrere Redner fprechen.
Gegen 2 Hhr werden die Beratungen abgebrochen. Rächste Sitzung Samstag 9 Llhr.
Die Grotzdeutsche Tagung in Darmstadt.
Darmstadt, 17. Juli. (WB.) Der dritte Tag führte die Teilnehmer nachmittags zum Olbrich- tempel auf der Mathildenhöhe, wo die Groß- deutsche Kunstausstellung besichtigt wurde. Professor Getrost begrüßte die Tellneh- mer und führte sie bann durch die Ausstellung. Im Namen der Gäste sprach zum Schluß der Senator Hardl (Reichenberg) den herzlichsten Dank aus. Am Abend sprach als erster Redner"'Senator Dr. Unger aus Danzig, der Vorsitzende der Deutsch- Danziger Dolkspartei, über das Thema „D e r Kampf um die Ost mar k". Zweiter Referent war Senator H a r b l, der zunächst die brüderlichen Grüße der bottigen Deutschen Nationalpartei über- brachte, beren Stellung zum tschechoslowakischen Staate sich zwangsläufig aus bem Vorgehen der Prager Gesetzgebung und Verwaltung gegen das Sudetenbeutschtum ergeben habe. Der Rebner betonte weiter, baß bie Subetenbeutschen in unverbrüchlicher Treue festhalten werben an ber unlösbaren völkischen unb kulturellen Zusammengehörigkeit mit bem großen deutschen Mutterlands. — Morgen wird die Tagung durch einen Ausflug an den Rhein unterbrochen.
Kleine politische Nachrichten,
Wie das „B. T." aus Madrid meldet, ist am Freitag bie Kündigung bes deutsch-spanischen Handelsvertrages durch den deutschen Botschafter zum 16. Oktober d. Js. ausgesprochen worden.
Das italienische Unterrichtsministerium gibt bekannt, daß die deutschen Bücherfen- düngen auf Reparationskosten, die im letzten Jahre durch das Inkrafttreten des Dawes- planes unterbrochen worden waren, jetzt wieder aufgenommen werden sollen. Man erwartet in der nächsten Zeit 138 Bücherkisten, die auf die Universitäten und Bibliotheken verteilt werden sollen.
Das Gebäude der deutschen Schule i n R o rn in der Via sichelst ist von der italienischen Regierung zurückgegeben worden. Das Dekret ist dem deutschen Botschafter ausgefolgt worden. Die Rückgabe des deutschen Künstlerheims Villa Romana m Florenz steht bevor.
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Das britische Unterhaus hat bas sogenannte Sommerzeitgesetz angenommen. Durch bieses Gesetz wirb bie Gepflogenheit ber letzten Jahre zu einer ftänbigen Einrichtung gemacht. Die Sommer- rechnung soll vom britten Sonntag im April bis zum ersten Sonntag im Oktober gelten.
Aus aller Welt.
Amerikanische Lnstsahrtkreise zum Nordpolslug-Projekt Eckeners.
Reuyork, 17. Juli. (Kabeldienst der TU.) Aus Kreisen der Lustfahrtstation Lakehurst wurden dem Vertreter der „Telegraphen-Union" „Wünsche für das Gelingen des Rordpol-FlugeS Eckeners übermittelt. Die gleichen Kreise er- klärten, daß sie zwar lieber sehen würden, wenn die beiden amerikanischen Luftschiffe den Flug machen würden. Die Entscheidung über den Rordpolflug durch die Amerika- Zeppeline sei jedoch noch nicht endgültig gefallen. Das ändere aber nichts daran, daß die amerikanischen Luft-Offiziere Eckener alles Gute wünschten. Sie würden für Erreichung jeglicher amerikanischer Hilfsaktion zum Rordpol« Flug Eckeners warm eintreten, falls sich hierfür die Rotwendigkeit ergebe.
Englands Einladung an die deutschen Flieger.
Berlin, 18. Juli. (TU.) Die schon vor einiger Zeit angekünbigte unb nunmehr tatsächlich beim Aeroklub eingelaufene Einlabung Englands an bie beutschen Flieger zur Teilnahme an einem Anfang August beginnenben englischen Flugzug - wettbewerb beschäftigt zur Zeit bie maßgeben- ben Stellen ber beutschen Flugkreise unb Flugzeug- inbustrie. Ohne baß im Augenblick sich Enbgültiges über bie Beantwortung biefer Einlabung sagen ließe, muß jeboch zunächst festgestellt werben, baß es schon aus technischen Grünben sehr s ch w i e» r i g sein wirb, ber englischen Einlabung Folge zu leisten.
Eine Rordpolexpedition.
Aus Spitzbergen wird gemeldet, daß daS Motorschiff „Island" mit der Algarsfon» Expedition an Bord gestern in Green Harbour angekommen ist. Algarsson beabsichttgt, so weit wie möglich nach Rorden und Osten vorzu- dringen. Die Expedition soll auf Schlitten unternommen werden. Man rechnet damit, in fünf Wochen zurück zu fein.
Raubüberfatt.
In der Rähe des Bahnhofs Staaken bei Spandau wurde gestern nachmittag einem 15jährigen Boten einer Eisengroßhandlung, der 500 Mark rinkassierte Gelder in einem Briefumschlag bei sich hatte, von einem unbekannten Manne Pfeffer in die Augen gestreut unb das Geld geraubt. Der Täter ist mit dem Gelde entkommen.
Großfeuer.
In der Korkmühle der Delmenhorster Linoleumfabrik brach Großfeuer aus. Die Korkmühle wurde vollkommen zerstört: es ist gelungen, den Brand einzudämmen. Fünf, Arbeiter wurden zum Teil schwer verletzt. An dem Auskommen eines Arbeiters wirb gezweifelt. .
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