Hr.HO Zweites Blatt
Chinas Nationalrevolution.
Ein türkisch-französischer Vertrag aus dem 17. Jahrhundert, nach Beginn der Kapitulationen also, enthält den Satz, die Türkei achte die alte Freundschaft zu Frankreich und habe daher beschlossen, den Zollsatz für französische Waren von fünf auf drei Prozent herabzu- sctzen. Denken mir uns demgegenüber etwa nur in das Jahr 2000. Wird es dann nicht heißen, die Fremdmächte hätten um die Wende des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts den von ihnen bestimmten chinesischen Zollsatz von fünf Prozent auf sechs, acht oder zehn Prozent erhöht? 3u diesen Fremdmächten gehört auch Frankreich, das sich ebenso wie seine alliierten Freunde nie davor scheuen wird, die Einfuhrzölle für fremde Waren möglichst hoch zu halten. In China dagegen haben die Fremdmächte samt und sonders das größte Interesse an der Niederhaltung der chinesischen Zölle, weil China ihnen ja nicht nur als Rohstofsge- biet, sondern auch als Absatzmarkt ebenso willkommen ist wie eine afrikanische Kolonie. Wenn die chinesische Kaufmannschaft inmitten des Trubels ihre Stimme gegen die für den Herbst beabsichtigte Erhöhung der chinesischen Zölle erhebt, so mag man ihren Interessen ja Verständnis entgegenbringen können, das Interesse Gesamtchinas aber richtet sich auf eine möglichst beschleunigte Steigerung der Einnahmen. China ist bis über den Kopf hinaus verschuldet. Genauere Angaben vermag wohl selbst der Pekinger Finanzminister nicht zu machen, doch werden die Schulden des Reiches der Mitte mit etwa drei Milliarden chinesischen Dollars beziffert, von denen allein zwei Milliarden auf die Zentralregierung entfallen. Seit Jahren schon hat China kein defizitloses Budget gesehen, auch dos letzte Jahr hat mit 150 Millionen Dollar Defizit abgeschlossen, für soziale und kulturelle Einrichtungen werden nur etwa dreiviertel Prozent des Budgets verwandt, während ein verhältnismäßig großer Teil der Einnahmen in die Taschen der Provinzgouverneure und der Söldner ihrer Armeen fließen. Die Zentralregierung sitzt ständig ohne Mittel da und die fremden Mächte decken ihre Ausgaben, soweit sie mit der „Aufrechterhaltung der Ordnung in China" verbunden sind, und die Lasten des Schuldendienstes aus den chinesischen Zolleinnahmen. Hinzu kommt die eigene Gerichtsbarkeit der Fremden, mit Ausnahme der Deutschen und Russen, sowie die Allgewalt in den Konzessionsgebieten in chinesischen Provinzen, wo die Mächte sich bekanntlich nach Interessensphären in die Beute geteilt und zumeist mit Hilfe ihres Militärs niedergelassen haben. Daß jetzt vor Schanghai 23 fremde Kriegsschiffe liegen, beweist, wie übermächtig die Herrschaft der Fremden über die gar nicht so ohne Begründung unzufriedenen Chinesen schaltet und waltet.
Trotzdem ist bisher noch keine einzige Meldung darüber eingelaufen, daß die verschiedenen unzufriedenen Kreise etwa das diplomatische Viertel in Peking oderJnstitutionen der Zollverwaltung bestürmt oder auch nur belästigt hätten. Im Gegenteil, in Schanghai und Peking hängen Plakate aus, in denen zu gemeinsamer Aktion vereinigte Gruppen in kurzen Worten hervorheben, daß ihr Kampf sich nicht gegen die Fremden im allgemeinen richte, sondern nur gegen die Unmenschlichkeiten der sygenannten zivilisierten Mächte. Das Endziel der jetzigen national-revolutionären Erhebung Chinas ist also nicht ein blinder Abbruch der Beziehungen zu den Fremdmächten. Selbst der französische Konsul in Schanahai hat sich mit den Aufständischen in französischen Konzessionsgebieten friedlich auseinandergesetzt und sich gegen die Ueberqriffe der Kolonialkapitalisten gewandt. Auch Hloyb George sagt es in seinen laufenden Leitartikeln der europäischen Presse jedem, der es hören will, daß gerade in Schanghai die Auswüchse des fremden Kapitals den Unwillen der chinesischen Arbeiter verstehen lassen. In den diplomatischen Kreisen Pekings macht augenblick- Iio) ein satirischer Witz Karachans die Runde,
An eine Rose.
Don Herbert Hammer.
Es kommt wirklich nicht auf eine Rose an. und es gibt sicher viel schönere Rosen als diese eine, aber ich bekam sie und will sie behüten: es ist meine Rose. Sie soll nicht im Strahl der Sonne welk werden. Ich werde ihr Wasser geben unb sie immerdar anschauen mit solchen Augen, als wäre sie ein Pfand der Liebe.
Wollte sie etwas sagen, als sie dich aus dem Gürtel nahm und mir damit zuwinkte? War es nur ein schöner Einfall und nichts weiter? Warum nahm sie gerade die rote Rose und nicht die gelbe, die sie auch im Gürtel trug? Diese wäre mir doch eben so lieb gewesen, denn ich hatte nicht erwartet, daß sie mir eine davon schenken würde.
Welche Sprache sprichst du. tieferglüyte, halberschlossene Knospe? Hast du mir etwas zu sagen? Sprich doch: ich möchte wissen, was du bei mir sollst I Fürchte nicht, daß ich enttäuscht bin, wenn du die Wahrheit sprichst. Du bleibst ja doch trotz allem meine rote Rose, und das ist soviel. Wenn die Rose sprechen könnte —!
Es ist alles verändert durch die eine Knospe. Verändert nur in mir? Oder zittert die Hand noch leise nach, die dich verschenkte? Eine Stimmung wogt in mir wie ein tiefes volles Brausen. Ich möchte dich an die Lippen drücken, Rose, da du so stumm bleibst und eine Sprache sprichst, die nur das sagt, was mein Herz will.
Herz, was willst du denn, willst du mehr, als dir geschenkt wird? Betrüge dich doch nicht: es war ja vielleicht nur ein Zufall: doch welch ein Zufall!
Siebener Anzeiger (Senerat-Anzeiger für Goerhesten-
vonnerstag, (8. Juni 1925
wonach die Lage Chinas an ein oufgestörtes Theater erinnere, in das die Polizei mit dem Ruf gestürzt sei: „Wo ist hier der Dieb ?" und das nach allen Richtungen hin flüchtende Publikum nun nach Strich und Faden beraube. Bis zu einem gewissen Grade hat Karachan recht, wenn wir den Vorwurf der Provokation gegen die Fremdmächte auch gern ein wenig mildern wollen. Die primitiven sozialen Forderungen der Arbeiter nach Aufhebung der Körperstrafe und nach Arbeitsschutz für Frauen und Kinder, die Proteste der chinesischen Handelskammer gegen die Verschleppung der Uebertragung der Vollmachten des gemischten Gerichtshofes an die chinesischen Gerichte, die Forderung nach Aufnahme chinesischer Vertreter in den ausländischen Konzessionsrat, die Forderung nach Ersetzung der ausländischen Polizei durch eine chinesische usw., sind das nicht Dinge, die den Chinesen mit derselben Hinterlist oorenthalten werden, wie uns Deutschen unsere Freiheit? Man spreche doch nicht von einem Kampf der gelben Rasse gegen die weiße. Wenn jemand heute in China sicher ist, so sind es die Deutschen. Sollen wir uns auch diesmal ein neues Schimo- noseki schaffen, indem wir aus purer Sentimentalität zu den uns „Barbaren" unterdrückenden weißen Brüdern hinüberschwen- ken? Trotz Versailles ? Schanghai ist für China das chinesische Versailles. Daß Karachan den Augenblick für gekommen hielt, die Kantoner Kommunisten als Teufelsschreck an die Wand zu malen, sollte uns nicht darüber Hinwegtäuschen, daß China allen Ernstes zur nationalen revolutionären Aktion geschritten ist.
Der russische Zicherheitsvorfchlag
Kowno, im Juni.
Während Westeuropa sich nicht fähig erweist, von seiner destruktiven und unproduktiven Politik Abkehr zu halten, blitzt im Osten etwas auf, das man trotz aller berechtigten Skepsis als einen Hoffnungsschimmer bezeichnen muß. Die Sowjetregierung hat Litauen, Estland und Lettland die Mitteilung gemacht, daß sie den Abschluß eines gegenseitigen Garantie- und Neutralitätsabkommens wünsche. Die baltischen Staaten haben diesen russischen Vorschlag dahin erwidert, daß sie konkreten Einzelheiten entgegensehen. Lettland und Estland — für Litauen ist dieser Punkt nicht in dem gleichen Maße aktuell — werden sich natürlich mit einer Garantie ihrer Grenzen nicht zufrieden geben können, sondern werden die restlose Einstellung der kommunistischen Propaganda verlangen. Schon aus diesem Grunde ist der ganze Fall von einer erdenklichen Einfachheit. Gehen die Sowjets ohne zu zögern auf diese Bedingung ein, so hat man festen Boden unter den Füßen, machen sie aber hier Ausflüchte oder erweisen sich illoyal, so bleibt nur die Frage übrig, wozu sie erst einen Vorschlag machen, der feinen eigenen Geburtstag nicht überleben kann. Aber ist es nicht gerade wegen dieser klaren Sachlage in hohem Grade unwahrscheinlich? daß die Sowjets sich hier um des bloßen Spaßes, eine Falle aufzustellen, die niemand fangen kann, in Unkosten stürzen? Zumal auf der anderen Seite die Möglichkeit einer sehr konstruktiven, sehr weit ctusholenden und sehr erfolgversprechenden Politik gegeben ist.
Die Verwirklichung des russischen Vorschlages würde mit einem Schlage mehrere der schwierigsten Probleme in eine bestimmte und durchaus zukunftsreiche Richtung drängen. Erstens würde sie die Möglichkeit eines großen antisowjetistischen Randstaatenbundes endgültig ausschalten und allein dadurch ein starkes Element der wirtschaftlichen Beruhigung für alle Beteiligten in sich bergen. Zweitens würde sie der Möglichkeit, im Osten wieder zu größeren Wirtschaftskomplexen zu gelangen, eins der größten Hindernisse aus dem Wege räumen, nämlich das gegenseitige politische Mißtrauen. Als vorbereitender Schritt auf diesem Wege würde drittens auch die wirtschaftliche Einigung der drei kleinen Staaten unter sich von allem politischen Ballast befreit und könnte
So trage ich diese Rose durch die Straßen hindurch an ihrem langen Stiel. Sie hat Dornen, aber ich lächle der Dornen, sie müssen ja sein. Wie süß sie duftet, die rote Iunirose, die nun mir gehört und die zwei Tage im Wasser steht, wohl auch länger, ehe sie ihre Dlütenschalen ausschüttet auf die dürren Blätter meiner Bücher.
Leben trage ich in mein schweigendes Zimmer hinein, die klingende Sprache, die keine Worte hat und doch tönt wie Musik unverwelklicher Jugend.
Ausstellung der freien Vereinigung Darmstädter
Künstler 1925.
Es ist Heuer in Darmstadt wie vor einem Jahr. Der künstlerische Eindruck der Rheintor- Ausstellung ist stärker als der auf der Mathilden- höhe. Man findet hier eher Werke, die zu eingehender Betrachtung laden, ja man sieht hier stärkere Kräfte am lähaffen. denn in der „Groß- deutschen Kunstausstellung". Die freie Vereinigung birgt in sich die verschiedensten Kräfte, sie ist mit ihren Altmeistern in die gute Tradition gebunden — das Bildnis Frau Prof. K von Earl Danher zeugt dcwon —, sie brauchte deshalb nicht erst wieder malen zu lernen und ihr Können in reichlich öden Bildern zu beweisen. Sie hielt sich jungen Kräften offen, die aus der Zeit heraus schaffen und geriet so nicht ins Hintertreffen. Auch hier, wie auf der Mathildenhohe fehlt die expressionistische Kunst. Der übliche Kunstvereinsbesucher atmet erleichtert auf. denn er vermeint nun wieder mitsprcchen zu können. Die Bild- inhalte sind eindeutig, Bildnisse, Landschaften, er kann mit „trefflicher Modellierung", „weicher
ohne Sorge vor polnischem Mißbehagen wohl- begründet der Wirklichkeit zugeführt werden. Und schließlich würde die Sowjetunion wahrscheinlich auch nicht abgeneigt sein, Litauen die Grenzen des Vertrages von Suwalki zu garantieren, also das Wilnagebiet.
Dieser letzte Punkt könnte natürlich nicht ohne Rückwirkung auf die gesamte europäische Politik sein. Würde dies doch nichts weniger bedeuten, als daß die Sowjetunion auf eine Annäherung an Frankreich verzichtet, solange Frankreich für die Ostgrenzen Polens in ihrer heutigen Form eintritt. So könnte sich das Angebot der Sowjetunion vielleicht zur schwer- Lviegendsten Antwort auf die Entscheidung von Genf entwickeln. Die Sowjetunion würde hierbei ja keine neuen Bahnen wandeln, sondern lediglich eine neue Bestätigung ihrer Nationalitätenpolitik beibringen. Zu einem militärischen Angriff auf Polen ist die Sowjetunion auf Jahre hinaus vor allem wirtschaftlich zu schwach. Sie würde damit auch nur den teuersten und schlechtesten Weg wählen. Die Interessen der Moskauer Regierung liegen heute auch wieder hauptsächlich in Asien, wo sie mit ihrer neuen Methode der Nationalitätenbefreiung um den Zugang zu den Weltmeeren kämpft. Die Methoden haben gewechselt, bas Ziel ist jedoch das gleiche geblieben.
In Europa handelt es sich zur Zeit für die Moskauer Regierung mehr um die Schaffung einer Rückendeckung und sicherlich hat diese Tendenz auch bei dem jetzigen Garantieangebot Pate gestanden. Umsomehr scheint cs bas Gegebene zu sein, baß bie Initiative in diesen Angelegenheiten stärker dem ukrainischen unb weißrussischen Republiken überlassen bleibt, wie sich bas bereits auch auf ben letzten großen Somjetkongressen beutlich gezeigt hat. Da bie Ukraine unb Weißrußlanb neben dem kommunistischen Anstrich zugleich auch starke nationale Einschläge haben unb auch ber Kliquenwirtschaft unb Korruption nicht im gleichen Maße ausgesetzt finb wie bie Zentrale, so könnte ihre Tätigkeit bei ben baltischen Staaten weniger Verbacht erwecken, als bie ber immer vorn Komintern unb ber Tscheka beeinflußten Zentralregierung. Die offiziellen Sprecher ber Ukraine unb Weißrußlanb haben auf bem Sowjetbunbeskongreß auch keinen Zweifel barüber gelassen, baß sie ben Kampf gegen Polen aus nationalen Gründen unb auf nationaler Orunblage verlangen. Das Endziel eines solchen Kampfes kann ja auch nur bas fein, 3olen in feinen ethnographischen Grenzen in ein natürliches nationales System unabhängiger Oststaaten einzugliebern unb es bem unnatürlichen Einfluß des französischen Imperialismus zu entziehen. Hier ’iegt auch das gegebene Interesse Deutschland an einer derartigen Entwicklung, wenn man von ber wünschenswerten Schaffung nationalpolitifch freier, aber wirtschaftlich untereinanbcr ver- bunbener Komplexe für Deutschlanb wie für die ganze Welt einmal absieht. So mürbe auch gerabe ber Abschluß eines in ber hier skizzierten Weise aufrichtig gemeinten Garantieabkommens zwischen ber Union ber SSR unb bem Baltikum eher bazu beitragen, bie nationalen Auseinanbersetzungen in ben in polnischer Gewalt befindlichen ukrainischen unb litauisch-weißrussischen Gebieten friedlicher zu gestalten, inbem wirtschaftliche Ströme geschaffen 'würden, die zusammen mit dem Druck, dem Polen durch die zu erwartende Verschärfung des wirtschaftlichen Verhältnisses zu Deutschland ausgesetzt sein wird, eine Aufrechterhaltung des polnischen Imperialismus immer schwieriger gestalten müßten.
Hessischer Grünlandtag 1925.
Die Grünlandbewegung im Hessenland ist in einen neuen Entwicklungsabschnitt eingetreten. Die Beteiligung und Mitarbeit am diesjährigen Grünlandtag auf dem Fronhof bei Reichelsheim seitens der hessischen Staatsregierung, der Landw. Versuchsstation, ber Geolog Anstalt, ber Landeskul- turbehörbe, ber Lanbw. Kammer, ber Land- wirtschaftsämter unb vor allem ber Odenwäl-
Tonjgkeit" usw. sein Verständnis bezeugen, unb sieht weniger bie eigentlichen Gehalte ber Kunstwerke, denn vorher, wo bie Kluft zwischen künstlerischem Schaffen unb Aufnehmen wenigstens handgreiflich war. Sicher manches von ben ausgestellten Bildern unb Graphiken befindet sich durchaus auf dem Niveau einer seichten glatten Durchschnittsmalerei. aber daneben finden sich Werte, die Beachtung wohl verdienen und die große Werte in sich bergen.
Den stärksten Eindruck hinterläßt Walter Waentig (Gaienhofen am Bodensee). Seine Kunst ist männlich, von starker Einheit der Komposition. herber Zurückhaltung einer in sich starken Farbigkeit. Akkorde klingen an von dunkler schöner Farbe, das blau mit begleitendem Rot und tiefem Grün der „Sommerblumen", ein Zweiklang von Blau und Russisch-Grün in „Sommerwolken'. Die Meisterung der Bewegung menschlichen Leibes zeigen zwei Tanz- bilder, die in der Klarheit der Komposition, der Harmonie der Farben und der Ausdruckskraft der Bewegung mit zum Stärksten gehören, was die Ausstellung zeigt. August Soeder (Darmstadt) ist härter in den Farben, sie stehen un», vermittelter nebeneinander, seine besten Bilder „Hüttenwerk" und „Sonnenblumen mit Madonnen" steigern sich zu schmetternder Helligkeit. Hans Vielmutter (Darmstadt) weih satte kühle Farbtöne zu einer Einheit zu binden, ein Violett mit Rot (Mutter unb Kindt, ein Blau mit Grün (Blühende Elivia), dies und eine scharfe Modellierung der Formen geben seinen Bildern eine nüchterne, klare Tatsächlichkeit, die alle umhüllende unb schonende Luft beiseite läßt. Aehn- lich Karl Deppert (Darmstadt), bei dessen Bildnissen wie seinem Radierungszyklus „Der Krieg" die Verwandtschaft mit Dir sich unmittelbar auf-
ber Landwirtschaft selbst war ein erfreuliches Anzeichen bafür, baß man mehr unb mehr bie Nokwenbigkeit neuzeitlicher, intenfiiocr Grün- landbewirtschaftung erkennt. Gerade uo ge- funben mittelbäuerlichen Verhältnisse des Obenwalbes bieten Gewähr bafür, baß ber beschrittene Weg zur Hebung ber Futtererzeugung unb der Viehzucht weiter verfolgt wird.
Dieser berechtigten Hoffnung gab der Vorsitzende des Grünlandvereins, Domänen- Pächter R u o f f - Konradsdorf, in seinen Begrüßungsworten Ausdruck. Er hob hervor, daß bie gesamte deutsche Landwirtschaft, groß unb klein, heute gleich schwer um ihr Dasein zu kämpfen habe, baß aber bas Ringen um Haus unbHof nur bann erfolgreich sein könne, wenn bie Lanbwirte bie Reihen schließen und miteinanber zu arbeiten gewillt finb. Die ©rünlanbbeiücgung habe sich zum Aiel gesetzt, bie Probuktion ber wirtschastseigenen Futtermittel, als ber Grunblage eines jedes Landwirtschaftsbetriebes, mit allen von Wissenschaft und Praxis erprobten Mitteln zu heben. Mit der Verbesserung jeden Hektars Grünlandes leisten mir uns unb bem Vaterlanb einen großen Dienst. Und dies ist des Schweißes der Edelsten wert!
Regierungsrat Weller, der Leiter der Futterpflanzenabteilung ber Bayr. Lande- faatzuchtanstalt in Weihenstephan, weckte burd) seine außerorbentlich praktischen Demonstrationen Interesse unb Verständnis für die Gräserkenntnis. Die Kenntnis der auf Wiesen und Weiden wachsenden Pflanzen ist eine Voraussetzung zur richtigen Pflege und Düngung ber Grünlänbereien. Scharfe Trennung zwischen Kulturpflanzen unb Unkraut, Bekämpfung ber minberroertigen unb Pflege der wertvollen Futtergräser, das sind bie Aufgaben eines jeben fortschrittlichen Land- mirtes.
Wie wichtig bie Kenntnis bes Standortes in geologifch-bodenkundlicher Beziehung für die Landwirtschaft ist, konnte Bergrat Dr. Schottler, Geologische Landesanstalt in Darmstadt, durch seine lehrreiche Führung zeigen. Entstehung, Aufbau und Zusammensetzung des Kulturbodens verleihen ihm feine Eigenarten.
Die Düngung baut sich darauf auf und kann nur richtig gehandhabt werden, wenn der Betriebsleiter sich die genaue Kenntnis feiner Böden zu eigen gemacht hat. Sv zeigte Prof. Dr. Rößler, Landw Versuchsstation Darmstadt, gestützt auf einen 14jährigen Wie- fcnbüngungsverstich die Erfolge einer langjährigen, durchdachten Düngung. Richt allein die Wirkung ber Düngemittel auf bie Massenerträge ist bebeutungsooU, fonbern bei Futterpflanzen weit mehr noch bie Erhöhung bes Nährstoffgehaltes je Zentner Heu.
Ein beachtenswertes Mittel zur Einschränkung ber Ernteverluste bei Wiese- unb Kleeheu ist in ber Steinacher Heuhütte gegeben, ein Trockengerüst, bas von ber Lehr- unb Beispielwirtschaft für ©rünlanbfultur Steinach in Bayern konstruiert unb ben Teilnehmern praktisch vorgeführt würbe. Die gerabe im letzten Jahr in Hessen eingetretenen Verluste an Dürrheu lehren, baß man bas Futter schneller von ber Erbe wegschaffen sollte.
Der Zweck ber (Brünlanbbeftrebungen für unsere Tierbestänbe reichlich gutes Futter zu schaffen, ist schließlich nur bann erfüllt, wenn bie ben Futterstoff verarbeitende Maschine, bas Tier, selbst höchste Leistungsfähigkeit besitzt. Natürliche, rauhe Aufzucht und Weidegang sind die Axiome einer gedeihlichen Viehwirtschaft. Das auf dem Fronhof gezüchtete Rvtvieh, über dessen Geschichte, Zucht und Leistung Landwirtschaftsassessor H a u r y, Landwirtschastsamt Reichelsheim, Aufschluß gab, führt uns ben Wert einer bnbenbetfän= bigen Viehrasse vor Augen. Die Dbentoälber Rotviehzucht lehrt uns aber, baß mit gutem Futter schließlich auch aus berßanbraffe etwas zu machen ist.
Der Grünlanbtag 1925 war für ben aus kleinsten Anfängen entftanbenen Hess. Grün- lanboerein ein Erfolg. Nicht allein wegen ber
drängt. Doch sind Dir' Kompositionen aus einem roheren Wirklichkeitssinn geboren. Karl Scheid (Darmstadt) zeigt Bilder von ganz eigenwertiger Farbigkeit. Eine Reihe von Skizzen aus dem Orient weisen den Weg« in sich starke Farben zu einer Einheit zusaminenzufassen und dem Ganzen einen stumpfen ©tarn zu bewahren, der Tradition gemäß ist di« Landschaft stark vertreten. Alt» Heines hellgrüne Bilder. Weinheimers große auf einen Ton gestimmte Werke. Einen Eigenton hat Richard Walter /Darmstadt), Oa ist Wesentliches aus der Landschaft herausgeholt, einfache Linien auf gelb gestimmte FarbaÜorde zu einer ganz flachen Malweise. In Ernst Eimer (Darmstadt) leben Traditionen von Thoma und Doehle. Am stärksten seine Kinderstudien. Richard Kroll (Offenbach) ist ein nicht immer ganz geschmackvoller Träumer. Unter den graphischen Werken haben Ludwig Enders (Offenbach» Lithographien aus Italien in großen Linien das Ragende und doch Weiche Umbriens erfaßt, sind wesenhafte Landschaften. Anneliese Reichmanns Holzschnitte künden in starkem eigenwilligen Können vom deutschen Wald in einer Weise, wie ihn unter anderen Zeiten Altdorfer schaute. Johannes Auerbach (Darmstadt) hat in der Dildnisbüste der Frau Ingeborg einen Kopf von wuchtenden und doch zarten Massen geschaffen. In die Geschlossenheit des Steins sind lebendig die individuellen Formen einqespannt. so daß bei starker Einmaligkeit doch das Allgemeingültige jedes echten Kunstwerkes klar zutage tritt.
Es sind dies alles nicht Werke, die Offene barung bedeuten, aber Schöpfungen, die verlohnen, in ruhigen Stunden ihre Gehalte auszu- kosten, und die dann dem. der zu schauen vermag. viel Wesentliches doch zu sagen haben.
Dr. L. M


