Donnerstag, 18. Zum 1925
175. Jahrgang
Nr. 140 Erstes Blatt
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhesten
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Die Krise im französischen Linkskartell.
Der Bericht des Ministerpräsidenten. — Zwischenfall in der Kammer.
P a i n l e d e ist von feiner Marottoreise zu- rückgekehrt und hat dem Ministerrat über feine Besprechungen und Erfahrungen Bericht erstattet. Der amtliche Bericht der darüber ausgegeben wurde, ist natürlich sehr dürftig, weil man vermeiden will, eine amtliche Bestätigung der umlaufenden Gerüchte zu geben, nach denen die Lage an der Front für die Franzosen recht ungünstig ist. Der Hinweis in dem amtlichen Bericht, daß Painleve den Ministerrat über die Maßnahmen unterrichtet habe, die in Marokko vereinbart worden seien, um die Dauer der militärischen Operationen und ihre Gefahren auf ein Mindestmaß zu beschränken, sche'nt immerhin darauf hinzudeulen, daß Uneinigkeiten unter den Führern in Marokko ausgeglichen wurden, denen die bisherige Erfolglosigkeit des Krieges zugefchrieben wird. Ein Opfer dieses Ausgleiches ist sicher der General C o l o m b a t, dem nach außen hin eine überstürzte Räumung Uezzans zum Borwurf gemacht wird. Die Gerüchte, daß auch Unstimmigkeiten über die Leitung L y a u t e y s bestehen, scheinen trotz des osfiziellen Dementis irgendwie begründet zu fein. Und man wird wohl damit rechnen, daß eines Tages die militärische Leitung in Marokko einem General übergeben wird, der Marschall F o ch genehm ist
Borläufig werten die Regierungsmaßnahmen darin bestehen, neues Kriegsmaterial und Ber- stärkungek nach Marokko zu senden, weil man sich der Hoffnung hingibt, dadurch ein schnelleres Ende des Abenteuers herbeiführen zu können. Auch auf das Zusammenarbeiten mit den Spaniern bei der Blockade der Rifküste seht die französische Regierung große Hoffnung, Die weit damit wirklich eine baldige Unterwerfung oder 'Verhandlungsbereitschaft Abd el KrimS erreicht wird, bleibt vorläufig recht fraglich.
Wenn man auch den Bericht Abd el K r i m s , den er einem italienischen Blatte über die Lage und die Entwicklung des Krieges gegeken Hatz als reichlich .optimistisch ansehen muß, so wird man immerhin damit rechnen wnlk-n, daß es den Rifkabyten, trotz der großen militärischen Ansire gungen der Franzosen, gelingen wird, wenn nicht gerade drei Jahve, sich doch noch lange Zeit zu halten. Das liegt eben m der Beschaffenheit des Geländes und der Ber- trautheit der Rifleute mxt diesem Gelände begründet.
Ob Frankreichs.- finai; i II einen Krieg von längerer Dauer w rd leisten können, bleibt abzuwar'en. Sicher w'rd dadurch die innerpolitische Lage für das Kabinett Painlevä nicht günstiger. Die Unzufriedenheit der So - zialisten mit der Marokko olitik ist im ständigen Wachsen begriffen und wird sicher auch noch weitere Teile der Radiialfozialisten ergreifen. Die neue Debatte über Marokko in der Kammer ist vorläuf-q vertagt worden, weil Pain- lev<5 jetzt keine Erklärung ab.oeben will. Er verschanzt sich hinter den Bericht der Kammerkom- miffion, die sich vor einigen Tagen^nach Marokko begeben hat, um sich an Ort und Stelle über die Lage zu orientieren. Damit wird aber sicher die Krise nur hinausgeschoben, nicht aber überhaupt bese ligt, weil ja nebenher noch dis Unzufriedenheit mit den Finanzplänen der Regierung geht. Das; die ganze Marokkoangelegenheit die Finanzkrise nur verschärfen wird, zeigt sich immer dru l'chcr. So werden schließlich auch die Pläne Caillaur' nicht mehr ausreichen, sie einigermaßen zu beheben.
Kommunistische Obstruktion.
Paris, 17. Juni. (WB.) Die Kammer- o u s s ch ü s s e für auswärtige Angelegenheiten, für Heeresangelegenheiten und Finanzen sind heute nachmittag zu einer gemeinsamen Sitzung zufammengetreten, um einen Bericht des Mi- risterpräsidenten Painlevä über feine Reise rach Marokko entgegenzunehmen. Auch einige Mitgl'eder des Marineauöschusses haben der Sitzung beigewohnt. M nisterpräsident Painleve erklärte, bevor er seine Ausführungen beginne, müsse
jeder Anwesende die ehrenwortliche Der- sicherur.g abgeben, keine Mitteilungen militärischer Art, die gemacht werden, weiter- jufl’ben.
Die Kommunisten, toelo?: anwesend waren, ließen eine Erklärung verlesen, in der sie Widerspruch gegen das Verlangen des Ministerpräsidenten ergeben, und für sich das Recht in Anspruch nehmen, der Sitzung beizuwohnen, ohne die ehren- Dörtl'.che Verpflichtung zu übernehmen. Der Vorsitzende. Aog. Franklin Bouillon, ersuchte ten Ministerpräsidenten, sich zurückzuziehen bis der Zwischenfall geregelt sei. Er schlug vor. einen Unterausschuß einzusetzen, der sich in ein anderes Deratungszimmer begeben soll, um dort die Erklärungen des Ministerpräsidenten unter Ausschluß der kommunistischen Abgeordneten ent- gegenzunehmen und darüber zu berichten. Dieser Vorschlag wurde angenommen.
Bevor dj§ erwählten Mitglieder des Unter- «usschusses sich nach dem Beratungszimmer, das im Gebäude dos Kammerpräsidiums gelegen ist, begeben konnten, erschienen sechs kommunistische Abgeordnete und verlangten Zutritt. Dieser wurde ihnen verweigert. Als Franklin Bouillon rief:
„Sie werden nicht eintreten!" versuchte der kommunistische Abg. Marty den
Eintritt zu erzwingen. Es entstanden Skandalszenen, an der sich auch der kommunistische Abg. Vaillant-Courturier beteiligte. Man befürchtete sodann, daß es zu einer Schlägerei kommen werde, da die Kommunisten die Vorsitzenden der Ausschüsse und die Saaldiener beiseite zu schieben versuchten. Als der Abg. Dorio t seinerseits protestierte, rief ihm Franklin Bouillon zu: „Schweigen Sie. Sie sind ein Verräter!" Etwa zehn Minuten dauerten diese Szenen. Als die kommunistischen Abgeordneten sich nicht entfernen wollten, wurden Soldaten der Garde Republi- caine beordert, um das Vorzimmer zu räumen. Jetzt erst entschlossen sich die kommunistischen Abgeordneten, der Sitzung fernzubleiben.
Painlevä
über seine Marokkoreise.
Paris, 17. Juni. (WB.) Rach den Zwischenfällen, die sich heute nachmittag ereignet hatten, hat ein Unterausschuß getagt, dem in einer privaten Sitzung Ministerpräsident Painlevä in weitgehendster Weise auf alle Fragen, die ihm von Vertretern aller Parteien gestellt wurden, Antwort erteilt hat. Die etwa 100 Mitglieder der drei Kommissionen haben Kenntnis von diesen Erklärungen genommen und Painlevä den Dank hierfür und für die Durchführung seiner Mission in Marokko ausgesprochen.
Der kommunist sche Abg. Renaud Jean hat über die Zwischenfälle beim Zusammentritt der drei Kammerausschüsse eine Interpellation eingebracht, zu deren sofortige Diskussion er fordern wird.
Meinungsvers^iedenheilen in der sozialistischen
Kammerfraktion.
Paris, 17. Juni. (WB.) Die gestern in offener Kammersihung zutage getretene Meinungsverschiedenheit. fte innerhalb der sozialistischen K a m me r f r a k t ro n anae- sichts der Marokkopolitir der Regierung herrscht, hat di «Fraktion veranlaßt, bereits heute vormittag zu einer Beratung zusammen-u reten. Als Pole"» e " ■taqu’i- k'mm'«-
ni f en n p l ation üb r iie ag t x M - ro.ro bea;u. .vc . . IHi i v, er ver Partei gegen u i e 2t 2 g i e r u n<g u..j nur 1 <., darunter al.eroings d.e Führer Blum. Varenne, Auriol und Boncour. nut der Regierung gestimmt. D.e Zraktionsberatungeu erstrecken sich aber nicht nur auf die militärischen V^roerei- tungen in Marokko, sondern auch auf dringende Fragen der Finanzen, den Budgetausgleich und die W a h l r e f o r m. Rach einem Bericht der Havasagen.tur konnten die Diskussionen, die um 10 Uhr begonnen hatten uni) bis 1 Uhr dauerten, zu keinem Ergebn.s sühr.n. Es ist deshalb für heute abend außerhalb des Kammer- gebäudes eine neue Sitzung anberaumt worden, der auch die M tglieder des gefchäits ührenden Ausschusses der ttkiriei beiwohnen werden. Im Verlauf dieser Sitzung soll eine Formel gefunden werden, in welcher Weife mit den anderen, dem Kartell der Linken angehörrnden Parke.en zusammengearbeitet teer.en kann, und ob und unter welchen Bedingungen die Un > terstühungspolitik gegenüber dem Kabinett Painleve fortgesetzt toerben kann.
Bor einer Spaltung m ßinksblod?.
Paris, 18. Juni. (TU.) Die sozialistische Kammergruppe trat gestern abend zusammen, um über die Fortsetzung der Unierstühungspolitik und die Haltung der Parte» zu den Finanz- und Marokko-Problemen zu verhandeln. Es wurde Kritik an den Steuerplänen Caillaux geübt und die Loslösung vom Kartell von den meisten Rednern verlangt, weil tue Fortsetzung der Unter- stützungspolitik die Existenz der Parte» aufs Spiel setze. Es wurde beschlossen, den drei anderen Gruppen ein 9)1 a n i f e ft zu überreichen, in dem der Wille zum Ausdruck gebracht wird, die Regierung nur dann weiter zu unter st ützen, wenn sie die Kartellpolitik unverändert fortsetze.
Die weiteren Beratungen wurden auf heute nachmittag vertagt. Der radikal-sozialistische Ereku- tio-Ausschuß, der gestern ebenfalls eine Sitzung abhielt, beschloß, mit der Kartell-Politik und der Ausführung des Programms auf Grund der letzten Der- fassungswahlen sortzusahren.
Beginn
der Marokkokonferenz.
Madrid. 17. Juni. (LU.) Um 5 Uhr nachmittags fand im Präsidentschaftssaale: die Eröffnung der Marokkokonferenz unter dein Vorsitz des Generals I o r d a n a statt. Da einige französische Sachverständige erst heute eintreffen, werden die eigentlichen Arbeiten erst in einigen Tagen beginnen.
Der Madrider Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" wurde vom General I o r» dana empfangen, der der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß die Zusammenarbeit Spaniens und Frankreichs in Marokko auf die Welt des Islam einen tiefen Eindruck machen werde. Ein Mitarbeiter Jordanas wies darauf hin, daß die Frage der Ueberwachung der Rif
küste zu gewissen juristischen Erörterungen 2In- laß geben werde, weil sich wahrscheinlich die Rotwcndigkeit Herausstellen würde, daß wichtige Küstenpunkte wie Senta und Melilla zur wirksamen Ueberwachung der Schmugglerschiffe auf 6 Kilometer Ausdehnung überwacht werden müßten. Die Konferenz werde sich in erster Linie mit diesen Fragen beschäftigen.
Vermittlungsversuch Abd el Krims in England und
Italien.
Paris, 18. Juni. (TU.) Der „Information" wird von zuverlässiger Seite aus London gemeldet, daß Abd el Krim England und Italien zur Vermittelung der Eröffnung von Friedensverhandlungen mit Frankreich und Spanien gebeten habe. Großbritannien soll das Ersuchen des marokkanischen Führers mit der Begründung abgelehnt haben, daß es nicht in der Lage sei, sich in innerfranzöstsche Angelegenheiten einzumischen.
Die Sicherheitsdokumente
Englische Vermutungen
über die Haltnuq Deutschlands.
London, 18. Juni. (TU.) Die ‘Bcröffent- lichung der zwischen Deutschland und den All- ierten ausgetauschten Dokumente wird.^w.e der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, zeigen, wie allgemein diese bisher gehalten sind. Die ernsten Anzeichen aus Berlin deuteten daraufhin, daß die deutsche Regierung die Vorschläge nicht f u m m a r i sch zurückweisen werde, auf der anderen ©eite werde es aber Berlin nicht möglich fein, in den folgenden Punkten eine Zustimmung zu geben:
1 . daß jede Signatarmacht das Recht habe, die Friedensverträge nach eigenem Gutdünken auszulegen und vermittels Zwangsmaßnahmen ihre Ausfüh- rur-’ zu e-zwing->n:
2 daß jed Sign t rmacht nach dem abgeschlos e- ' nen Pakt b rechiigk sei, ohne Zust m nun i der übrigen Signatarmächte oder des Völkerbundsrates die entmilitarisiert^ Z o n e zu betreten:
3 daß das Veto gegen die Vereinigung Deutschlands mit Oesterreich, das unter Art. 8) in die Hände des Volker- bundsrates gelegt wird, ein für allemal festliegen soll.
AbrMtungsdebatte im englischen Unterhaus.
London. 17. Juni. (WB) In Deant- Wortung eines Ersuchens Macdonalds stimmte Baldwin zu, daß morgen abend von 8.15, bis 11 Uhr eine Debatte über die Lage in China stattfindet. Die Regierungserklärung werde wahrscheinllch von ihm. Baldwin, abgegeben werden.
Sir Frekeric Hall fragte nach dem Umfang der Kontrolle, die jetzt von den Alliierten ausgeübt werde, um die Durchführung der Abrüstungsb stimmungen des Versailler De-trages durch Deutschland zu erreichen. Unterstaatssekretär Samuel erwiderte, die interalliierte Militärkontrollkrmmission werde in Deutschland bleiben, um die Durchführung d.r in der Rote vom 2. Juni enthaltenen Forderungen zu überwachen. Ein konservativer Abgeordneter fragte hierauf, ob man denn nicht sehe, daß Deutschland entwaffnet ist, und zwar seit sehr beträchtlicher Zeit. Jede weitere Besetzung deutschen Gebiets könne nur zu Erregung führen. (Beifall bei der Arbeiterpartei.)
Rennie Smith fragte, ob die A b r ü st u n g Deutschlands jetzt genügend sei, um mit den allgemeinen Rüstungsii schränkungen aller Rationen zu beginnen. Unterstaatssekretär Samuel erwiderte, wie das 5) au 8 aus den veröf'entlichten Dokumenten ersehen könne, habe Deutschland nach nicht alle militärischen Destim- mungen des Versailler Vertrages auSgefüprt. Erst wenn dies geschehen sei, werde es mog- l i ch sein, die Frage der allgemeinen Abrüstung zu behandeln.
Italien
und der Sicherheitspakt.
Paris. 17. Juni. (WTB.) Die Stellung der italienischen Regierung in der Sicherheitspaktfrage wird von der „Information" einer scharfen Kritik unterzogen. Das Blatt schreibt:
Die italienische Regierung ist nicht um Widersprüche verlegen. Rachdem sie mehrere Tage durch ihre Presse sich erboten hat, an dem Sicherheitspakt teilzunehmen, scheint sie heute einen Rückzug anzutreten. Denn eine off zielle Rote kündigt an, daß Italien sich feine Stellungnahme Vorbehalte.
Italien könne die Rheingrenze nicht garantieren, ohne zu wissen, welche Gegenleistung man ihm bewilligen werd«.
Wit anderen Worten: Italien schlägt Frankreich einen Kuhhandel vor. Mussolini hat jüngst erklärt. daß er ein entschlossener Gegner des Anschlusses Oesterreichs' an Deutschland fei, aber zu
gleicher Zeit haben auch die saszistischen Blätter, ße nicht notwendig haben, die gleiche Zuruck- Haltung an den Tag zu legen, ihre Leser aufgefordert. sie mochten sich die maritimen Grenzen Italiens betrachten.
Deutsch-polnischer Zollkrieg.
Warschau. 17. Juni. (WTB.) Wie „Przeglad Wieczorny" erfähtt, findet heute abend ein M i - n i ft c r r a t statt, in dem Maßnahmen zur B e - chränkung des deutschen Imports nach Polen beraten werden sollen, die in Straft treten sollen, wenn sich ein deutsch-polnischer Zollkrieg als unvermeidlich erweisen sollte.
Hessischer Landtag.
Fiuauzmiuistcr Henrich zum Ltaatsvoranschlag.
Darmstadt, 17. Juni. (Eigener Bericht.) Präsident A d e l u n g eröffnet um 9.20 Uhr die Sitzung: das Haus ist schwach besucht. Am Regie- rungstisch: Die Minister von Brentano und Henrich.
Auf der Tagesordnung steht der Staats- Voranschlag.
Abg. Dr. Greiner (Komm.) spricht zunächst über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Gegenwart vom kommunistischen Standvunkte. Er erklärt u.a. den Landtag für überflüssig. (Zuruf: Warum sind Sie denn hier?) Der Redner verlangt die Aufhebung der Landesuniverfität Gie- jen, denn sie fei doch nicht mehr konkurrenzfähiy.
Finanzmtnifter Henrich setzt sich kritisch mit den Vorrednern auseinander. Der Nachweis, daß andere Länder ihre Finanzgeschäfte besser führten als Hessen, sei nicht erbracht. Nach Erschöpfung aller Deckungsmöglichkeiten betragt der Fehlbetrag 8,3 Millionen, nicht 14, wie behauptet wurde. Hiervon sollen die Gemeinden 3,4 Millionen übernehmen, so daß 5 Millionen ungedeckt bleiben. Es muß immer wieder darauf hingewiefen werden, daß dos besetzte Gebiet früher nahezu 50 Proz. aller Steuern oufbrachte und heute nur noch 38 Proz. Diese Differenz bedeutet mehr als der ungedeckte Fehlbetrag. Für chn ist uns das R e i ch Ersatz schuldig. Mit dem Zuschuß für die Kirchen bietet Hessen mehr als irgendein Land. Dem Voranschlag sieht man die Abstriche nicht an, die ihm voransgmgen. Durch den Personalabbau sind 1190 Beamte entfernt worden mit einer Kostenersparnis von 2—3 Millionen. Abg. Dr. Werner Dercüiqt den Lohnabzug, aber dieser hat bisher z der gesamten Einkommen- fteu-'r ausgemacht Wenn die Oppositionsparteien in der Regierung sind, werden sie feinen anderen Voranschlag aufstellen. ,
Nach der üblichen Pause spricht zunächst Abg. Widmann (Soz.), der die Ausführungen des Finanzministers lobt und sich im wesentlichen in seiner Rede gegen die Rechte des Hauses auf die Gedankcn- flänge der Rede des Ministers stützt. Im Verlauf einer Polemik gegen die Kommunisten ruft dem Redner der Abg. Golm die Worte zu: „Sie mit Ihrem Maulwurfsgehirn." Präsident Nuß -ügt den Ausdruck mit dem Bemerken: „Ich muß oft- stellen, daß ein Abgeordneter kein Maulwurfsgehirn hat." Abg. Galm entgegnet: .Hier liegt aber eine Ausnahme vor." Nach weiteren Verhandlungen werden um 1 Uhr die Beratungen abgebrochen.
Der Gestütshaushalt
tm Preußischen Landtag.
Berlin, 17. Juni. Rach Ueberteeifung einer Reihe kommunistischer Anträge an die zuständigen Ausschüsse findet ein werterer kommunistischer Antrag, die preußischen Vertreter m Rei^srat dahin zu i iftruieren, daß sie für die W ci e e nsüh u g e C£Eic e a nah c e ah. e.is gegenüber den Ar.ei.en der 6a)eri|.jen Vo is- gcrichte sich einsehen, gegen die Stimmen der Reck'tsparte en Annahme. Hieraus tritt das Haus in die 5 - eite Beratung des GestütshauS- Halts ein.
Abg. v. Plehwe (Dtnti.) berietet ü'er die Auss. uhverhandlungen und fordert Maßnahmen gegen d i e starke Einfuhr ausländischerPferde.
Die große Anfra-e der Deutschnationaien, des Zentrums und der Deutschen Volksparlei über den
Schuh der heimischen Pferdezucht wird mit der Beratung des Gestütshaushalts verbunden.
Landwirts astsminister Steiger äußert sich über die Große Anfrage über die Einfuhr ausländischer Pferde und den Schuh der heimischen Pferdezucht, das Ausland und besonders Be.gien habe die Aufhebung verlangt und sonst mit Gegenmaßnahmen gedroht. Die Bedeuten gegen die Aufhebung seien allerdings gerechtfertigt. Die Lage der Pferdezucht sei keineswegs günstig.
Abg. K r i e s ch i e k (Dntl.) erklärt, d.e Träger der ostpreuhischen Pferdrzucht seien nicht die Großagrarier, sondern die (leinen Züchter. Die jetzt wieder freigegebene Einfuhr fremder Pferde muffe die einheimische Pferdezucht ruinieren. Die westfälische Pferdezucht hatte die belgische Konkurrenz nicht aus. Absolut zwin- gen&e Gründe für die Maßnabmen der Reichsregierung habe der Redner' aus der Minister- erftärung nicht entnehmen können.
Okerlandstallmeister Großcurth erwidert, es gehe nicht an. jedem Landwirt freizustellen, was er züchten wolle. Die Regierung müsse daran festhatten, daß Körgesehe nur mit Zustimmung der Landwirtschaftskammern erlassen werden können. Die Rennen seien als Zucht- Prämien nicht zu entbehren. Die Vollblut- z u ch t sei auch eine groheEinnahmefür den preußischen Staat.


