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Aus dem 'Reiche der Frau.

Gedankenlosigkeiten.

Bon etubienrot Dr. Start Weitzel.

(Hadbörud verboten >.

Man madjt jo feine Beobachtungen. Wenn ich früh <iun Dienft gehe, führt mich mein Weg durch städtische Anlagen und über einen Schmuckplast. der von Ruhebänken umgeben ist und in beflen Mitte für unsere Kinder ein Sandhaufen thront. ,"rrüb reckt dieser seine künstlerisch geformte Spitze stolz in die Luft, und ich bewundere die Muhe, mit der der alte, gutmütige (8a den arbeitet ihn jeden Morgen wieder au» dem Richt» zusannnensuchl. Denn schon mittags, wenn ich zum zweiten Male oorüberfomme, ist der Sandhaufen meist bedenklich in die Breite gegangen. Die ganz Kleinen, die noch nicht Schulpflichtigen, haben ihm vormittags ja schon mehrere Stunden zu« geltet 6» ist aber eine wahre Lust, roenn man sieht, mit weicher Ausdauer und Einbildungskraft die kleine Welt hier spielt und ihre (8räben und Mauern, Sandformen und Hügel baut! Daher sehe ich mich gern für ein halbes Stündchen hin und sehe der kleinen Gefellschaft zu.

Aber nicht nur ihnen, auch den Erwachsenen, und da regt sich in mir immer wieder der Geist des Widerspruch» oder ich habe wenigstens meine eigenen Gedanken.

Wie oft schon konnte ich von meinem Plätzchen aus beobachten, daß sich eine Mutter mit Ueberredungskünsten. mit guten oder bofen Worten unmer wieder bemühte, ihr Kind vom Spiele weg» jubringen und zum Heimgehen zu bewegen, wenn Die Stunde geschlagen hatte! Ich könnte eine Art Stufenleiter von Szenen zufammenstellen, die sich dabei abzuspielen pflegen, vom stummen Gehorsam an bis zu einer an Rüpelei grenzenden Widersetzlich­keit Auf die oft erörterte ^roge des kindlichen Ge­horsams sei hier nicht tiefer eingegangen, sondern nur auf eine Kleinigkeit hingewiesen: Baler und Mutter haben verspielt, wenn sich das Kind ge- wöhnt, auf eine gegebene Anordnung hin mit den (Fifern zuverhandel n", die Hinausschiebung des Befehl» zu versuchen, zu betteln, Gegengründe aller Art anzuführen. Die beste Regel ist: Gib nicht $u oiel Anordnungen, äußere dich kurz und bündig, überlege dir vorher genau, ob dein Befehl berechtigt ist, sage e» dann einmal, sag» es auch zwei­mal, öfter nicht! Dafür bringe auf sofortige vor- bebaltlofe Ausführung! Hat man das Kind von früh an in diese Richtung geleitet, so wird ihm der Gehorsam gegenüber den Eltern bald das Selbst- verständliche fein, und es ist zwischen Kind und Eltern eine Reibungsflache vermieden, welche die Eintracht in so vielen, besonders in kinderreichen Familien empfindlich zu stören pflegt.

Hin anderes Bild!--Kommt da neulich ein

Vater mit feinem Söhnchen quer über den Platz gegangen! Das Bürschchen ist kaum drei Jahre alt und bemüht sich aus Leibeskräften, mit dem vor- wärtshaftenden Bater Schritt zu halten, der in seiner Gedankenlosigkeit gar nicht sieht, wie sich der filFinc abquält, wie er trippelt und rennt, nur um mitzukommen. Wie wenig wird von den Eltern doch in dieser Hinsicht auf die Kleinen Rücksicht ge­nommen, deren Körper und Lunge hier eine un- gebeure Arbeit leisten mufjl Man denke doch bei allem, was man den Kindern zumutet, zum Vergleich stets an sich selbst! Was würde unser Körper dazu sagen, wenn wir anhaltend im Laufschritt etwa neben einem Pferde herrennen müßten!

Eine eigentlich selbstverständliche Forderung ist die, daß man als Erwachsener auf den Inter- e 11 c n f r e i s des Kindes so weit und so oft als möglid) eingeht. Da kann man aber auf Straßen und Plätzen, besonders Sonntags, fein blaues 'Jßun- ber erleben! Zwar werben bie Kinber zu Spazier- gängen unb Ausflügen mitgenommen, aber wenn sie nicht gerade Spielgefährten haben, hat kaum jemand für das, was sie von den Dingen ber Welt sehen Znteresse. Da unterhält sich ber Vater mit ber Mutter, mit bem Onkel, mit ber Xante über fonft- roa» für Alltäglichkeiten: Da» Kind bleibt mit seinem Interessenkreis unbeachtet oder wird gar an geschnauzt", wenn es wagt, die Unterhaltung "der Großen mit seinen Fragen, Beobachtungen unb Ein­drücken zu stören!

'Wenn ich nachmittag» zwischen fünf unb sechs Uhr nochmals mein Plätzchen auffuche, kommt regel- mäßig ein Herr, anscheinenb ein wohlhabenber Kaufmann, mit seinem etwa fünfjährigen Jungen. Er läßt das Kinb nicht von ber Hand, noch niemals habe ich e« herumspringen sehen Bcibe sehen sehr korrekt au», Vater wie Sohn. Alles an ihnen ist vJDiCM.9Klc?r: ^"öug. Schuhwerk, gepflegte Hänbe, xopfbeberfung usw. In ber Mitte des Platzes und an den Seiten quirlt unb springt bie Jugend durch- einanber. Hier, auf einer gegenüberliegenden Bank, sitzen die beiden Steifleinenen und wechseln hie und da ein altkluges Wort. Ich denke nur: Armes Kind' Was soll aus dir je werden? Ihr Eltern, gebt euern Kindern Kameraden! Jedes Geschöpf sucht doch Gemeinschaft mit seinesgleichen und wird erst bann seiner selbst aanz froh! Erst im Verkehr mit Menschen gleichen Alters unb gleicher Entwick-

Der Iauderspiegel.

Don ®. Dertini.

Andersen erzählt in feinem Märchen .Die Schneekonigm" von einem ZauderspiegÄ, den ein reusel zu feiner Belustigung erfand. Der Spiegel hatte die Eigenschaft, alleS Schlechte und Häßliche schön darzustellen und zu vergrößern, während er aus allem Guten und Schönen eine Fratze machte und e# zur Grimasse verzerrte. Dies würdige Spielzeug eine« Teufels fiel aber leider zur Erde herab und brach in unzählige Stückchen unb Splitterchen, die sich über die ganze Welt verteilten und so auch in der Menschen Augen gelangten. Die also Betroffenen sahen nun natür­lich auch alles verkehrt: alle» Gale schief und vößlich. alles Döse in lieblichem Licht! Wie « * 'C?t &'c Deutung diese- Kindermärchens! alnb wie lang farm man den angefangenen (3c- oI>ai nt^ ausspinnen in weite FernenI i 71V1 ^*int mir, verzerrt der Glassplitter

tm Menschenauge die Begriffe von Gut und Döse, sondern er bewirkt auch, daß gute Eigenschaften, treffen wir sie bei unS selber an, ins Qüicfen* paffe wachsen und in wunderbarem Lichte schim­mern, wahrend er das bei uns selbst vorhandene Bose so verkleinert, daß wir eS nicht entdecken rönnen. Dichtet aber jemand mit solchem Splitter « ?u?c id auf seinen Rebenmenschen,

1° Wirkung dort umgekehrt: das (3ute verschwindet, das Böse wird unheimlich ver­größert.

Vergrößert der Spiegel nicht auch den Berg der Sorgen und täglichen Mühsale so ungeheuer,

lungsstuse tann bas Kind in natürlicher Wetze au» sich Herauswachfen unb gebeihen unb jene Frische, lene Ursprünglichkeit unb innere LebenssuUe be­fallen, die bas Schönste am Menschen ist unb allein eine wirkliche Personttchtett zu erzeugen vermag. So selbstverständlich da» ist, |o böse siehf» ba noch in manchen Elternkopien aus. Der Umgang könnte nicht standesgemäß fein, bas Kind könnte Unarten mitbringen, es gewohnt sich zu sehr ans Herumtollen unb könnte ber Mama auf die Nerven fallen unb was begleichen Engherzigkeiten mehr sinb. Wie richtig hatte boch bcmqeqcnuber ein einfacher Mann aus bem Volke, ber am conniagoormitlag mit feinem Kleinen über den Platz kam, feine lialerftcUung er­faßt! Trotz des Sonniagsanzugs machte ber Junge beim VaterHuckepack", «auchzte in bie Welt hinaus und strahlte übers ganze Gesicht, als ber Vater ihn herunterholte, nochmals in ber Luft schwenkte unb mit einem solennen Kuß auf ben Boden setzte. Aus innerstem (befühl heraus tat ber Mann \ubem mit seiner Zärtlichkeit etwas, wonach sich Kinder auch vom Vater, nicht nur von ber Mutter aus hin und wieder sehnen: Zärtlichkeit! - In jedem Wesen lebt eine geheime Sehnsucht danach! Schenkt sie euern Kindern, schenkt ihnen Liebe unb Wärme in Form der Zärtlichkeit, sonst werden sie ebenso hart, verbissen, mit sich zerfallen, wie ihr Eltern es oft seid? Freilich soll Zärtlichkeit mit Maß angewandt werden unb nicht in Süßlichkeit unb ior! währende Tätschelet ausarten.

Daß man überhaupt in ber Angleichung an kinbliche Art auch des Guten zuviel tun kann, das zeigte mir ein Vater, ber sich einmal mit feinem vierjährigen, frisch in die Welt blickenden Knirpse neben mir niederließ. Auf alle Fragen des Kleinen ging er liebevoll ein, aber er tat dies in einer Sprachform, d. h. in einer gemacht-kindlichen Sprache, die für einen (Ein- ober Zweijährigen gepaßt hätte. Zweifellos hatte der gutmütige Herr sich seinerzeit ganz auf benJargon" bes Ein- ober Zweijährigen eingestellt, aber eins vergessen, was (Eltern überhaupt niemals vergessen sollten, baß nämlich aus Kindern Leute werben. Meine so freunblid) wie möglich vorgebrochte Aufsorberung, mit seinem Jungen deutsch, b. h. vemünstig zu reden, schien Ihn etwas zu verschnupfen; denn er stand auf und verabschiedete sich. Doch hatte ich dos Gefühl: Er hat's begriffen, unb das war bie Hauptsache.

Guter Wille, ein wenig Rachbenken unb die Beobachtung des Naheliegenden unb Selbstverstänb- lichen Die Vereinigimg biefer brei Dinge erspart ben (Eltern lebe* pädagogische System, aber auch viel Merger, unfern Kindern kann sie nur zum Segen wer den!

wenn die Hausstau krank ist.

Don Elisabeth FrieS, Eharlottenburg.

Zunächst, nach landläufigen 'Begriffen, darf sie das gar nicht sein! DaS bedeutet, daß sie sich aufrecht halt, bis es überhaupt nicht mehr geht, sich nur hinlegt, solange der Arzt und ihre eigene Schwache es gebieterisch fordern, viel zu früh also wieder aufsteht, ihre anstrengende Tä­tigkeit wieder aufnimmt, auf diese Weise Raub­bau an ihrer Gesundheit treibt, um viel­leicht zu spät zu der Erkenntnis zu kommen, wie sie es hätte anfangen müssen, um sich den Ähren zu erhalten. Es ist ganz bestimmt für eine tätige QTatur viel leichter, alles selbst zu tun, und der berüchtigte Ausspruch vieler Haus­frauen:Dis ich dies oder jenes gezeigt habe, Hube ich es längst selbst getan, ist der größte Fehler der Hausfrau der alten Schule. Daß s i e selbst alle notwendigen Arbeiten kennt, wer wollte es bezweifeln? Aber ihr Mädchen oder in heutiger Zeit ihre Kinder dahin zu bringen, daß sie jederzeit im Rotfalle für fie einspringen formen, ist eine Kunst, die bei weitem nicht jeder Frau gegeben ist, zu der sie sich aber erziehen kann und muß, will sie nicht erleben, daß jeder plötzlich hereingeschneite Desuch sich als Störung empfindet, und daß im Falle ihrer Er- krankung der ganze Haushalt Kopf steht. ES gehört allerdings Geduld und fester Wille dazu, in gefunden Tagen sich die Zeit zu nehmen, dem Töchterchen, das ein kleiner Springinsfeld und der Meinung ist. daß noch soviel Zeit ist zum Kochenlernen, die Grundbegriffe davon beizu­bringen. daß es weiß, wann das Wasser kocht, wie Kaffee oder Tee bereitet werden, was beim Eierkochen zu beachten ist und wann die Kar­toffeln gar sind. Dafür aber auch welch ein Stolz, wenn das kleine Mädelchen den Dater betreuen und die kranke Mutter versorgen kann, wenn die Aotwendigkeit an sie herantritt. Was ein Kind auf diese Weise lernt, vergißt es so leicht nicht wieder, und von da bis zu weiterer Lernbegier ist dann nur ein Schritt.

Es ist jeder Mutter in die Hand gegeben, ihren Kindern Schätze mitzugeben, die ihnen nie­mand rauben kann, ja sogar unter Umständen ihrem Leben die Richtung zu geben. Sind etn- mal die in jeder Frau schlummernden Triebe zu daß der Ausblick auf freube- unb sriedespen- benbe Gesichtspunkte ganz verdeckt wirb? Hat er nicht auch bie Eigenschaft, alte, teure Glau­bensanschauungen so lächerlich zu verzerren, daß der mit dem Splitter Behaftete sich schaudernd abtoenbet unb hin zu neuen, in hellem Licht erstrahkenben Lehren eilt? - Wichtige- macht er unwichtig, und Dinge, bie wegen ihrer Ge­ringfügigkeit eigentlich nie einen Schatten über bie Klarheit unseres inwendigen Menschen werfen dürften, erhebt der Zaubersplitter zu solcher Wichtigkeit, daß sie völlig Besitz ergreifen von der Seele. Auch Freud' und Leid verdreht er, s» daß die armen Menschen oft über Freuden weinen unb über manches, das in seiner Tiefe ben Todeskeim, Schmerz und tiefe Wehmut birgt, lachen und sich köstlich belustigen. Ach ja! Diel- gefialtig sinb die Wirkungen unb Eigenschaften dieses tounberbaren Teufelspiegels.

Oft ist mir, als hätten wir Menschen alle irgenbeinen Splitter des zerbrochenen GlaseS im ^luge. Wie viele vermögen denn eigentlich ihre Mitmenschen im rechten Lichte zu sehen, ihre Handlungen nach reinen Motiven zu beurteilen unb ihnen Reinheit unb Feinheit der Gesinnung Au^utrauen? Wie viele vermögen in allen Sorgen des AlltagS und trotz allen Druckes ber täglichen Arbeitslast noch hohe 3beale aufrechtzuerhalten unb aller Erbennot mit sicherer Hoffnungsfreu­digkeit zu begegnen? Wie viele vermögen noch den 3ammer ber Zeit von anbern, als ben ent- mutigenbftcn Gesichtspunkten zu betrachten? Wie viele sinb noch frei von ber Sucht nach bem, in falschem Glanze sich wichtig machenden Marn»

Uki.vh, zu nulten, füi andere zu jorgen geweckt, so werden sie sich so leicht nicht mehr unterdrücken lassen. Wir Mütter von heute, bie wir wissen, wie wenig Defriediaung unsere Töchter in den meisten Fällen in den kaufmännischen 'Berufen finden, die wir zudem erfahren haben, wie bitter nötig unserem Daterlande Frauen find, die ge­rade daS eigentliche Tätigkeitsfeld der Hausfrau vollkommen beherrschen, sollten keine Mühe scheuen, die jungen Mädchen Io heranzubilden, daß sie eS verstehen, ein Heim -- sei eS ihr eigenes oder ein fremdes gemütlich zu ma­chen. zu schonen unb sparsam mit den Lebens­mitteln umzugehen, kurz: sie zu einer deut­schen Hausfrau zu erziehen.

Man unterschätze nicht, wieviel die Gewöh­nung von Jugend auf bedeutet Sin zweijähri­ges kleines Kind lernte einmal ein neues Mäd­chen an. indem eS sagte:Hier hängt bas Teller-, dort da- Gläser- unb am dritten Haken das Messerhandtuch: hier drüben das für bie Hände!" Damals wurde natürlich viel gelacht über bie lächerlich kleine Hausfrau aber heute kocht daS noch immer junge Ding die schönsten Dcnchte, unb wenn Mutter krank ist, entsteht leine Ver­legenheit baS Töchterchen weiß Descheib. ob­wohl sie eS nie gelernt hat. da sie ihren 'Beruf nebenbei hat.

Wer in ber Lage ist. sich ein Dienstmäd­chen halten zu können, tut dies heutzutage in der Regel nur, weil er entweder andere Dinge zu tun hat. bie ben Erwerb bilden, ober weil die Kräfte nicht ausreichen. 3n beiden Fällen ge­bietet also eigentlich die Rotwendigkeit, so schnell wie möglich bem Mädchen die Dinge beizubrin­gen. die erforderlich sinb, wenn bie Hausfrau verhindert ist, sich darum zu kümmern. Für unsere modernen Derhältnisse jedoch ist keineswegs die Frau die Tüchtigste, die sich rühmt. alles selbst zu machen, sondern die. bie es versteht, jeden auf ben richtigen Platz au ft eilen, damit keine Stockung entsteht, wenn sie einmal nicht ba ist. ES gibt aber noch immer eine gar nicht kleine Zahl von Hausfrauen, bie müßte man mietmieten können, wenn man ihr Mädchen mietet, weil sie es nie zu irgendwelcher Selbständigkeit Haden kommen lassen, sondern ihm nur das Gröbste zu tun überließen, kurz, weil sie nicht zu organisieren verstanden. Diese Art von Frauen darf allerdings nie krank wer­den. Erziehen wir uns also selbst dazu, nicht zu ihnen zu gehören. Denn alle die Auskunftsmittel. Stützen. Heimchen und andere Damen, die wäh­rend der Zeit der Krankheit bie Frau des HaufeS ersetzen, sind gewiß oftmals Hilfen von großem Werl. Sie bedingen aber stets, daß in dem schon durch die Krankheit beunruhigten Hause ein fremder Mensch sich einfügen mutz, der bie Gewohnheiten nicht kennt, was unter Umständen für ben Hausherrn die Zeit doppelt schwer unb ungemütlich macht. Je mehr ein Mann durch liebevolles Eingehen auf seine Wünsche verwöhnt ist, desto schwerer wird es ihm in der Regel wer­den. plötzlich auf die Hilfe einer ganz Fremden angewiesen zu sein . In schweren Krankheitsfällen läßt sich dies nicht vermeiden. Durch die langen, entbehrungsreichen Jahre, durch die wir gehen mußten, sind aber viele sonst leistungsfähige Frauen sehr heruntergewirtschastet. und eS wäre zu ihrem eigenen unb der Familie Drsten. wenn sie ab und zu ihrem RuhebedürfniS nachgehen könnten, weil die kleine Tochter oder das junge Dienstmädchen so angelernt sind, daß dadurch keine Derwirrung entsteht. Dies wäre bann auch die beste Vorbereitung für bas weibliche Dien st - jahr, das über kurz ober lang kommen wird.

Don der Aussteuer.

Von Florentine Gebhardt.

Ob meine Freunde mich heule noch als so rückständig" undaltmodisch" verlachen, wie sie es früher taten, wenn ich den Wert einer gediegenen, leidlich umfangreichen Wäscheaussteuer dem einer größeren Bnrmitgift ooranftellte?Nur das Aller- nötigste. Wozu sich unnütz so viele Sachen hinlegen, die Raum sortnehmen, unmodern werden. Man kann ja jederzeit nachkaufen. Lieber bare» Geld, das ist für eine junge Wirtschaft praktischer." Un­modern war es ihnen auch, wollte man ihnen zu­muten, für ihre Tochter beizeiten einenHamster- faften" anzulegen, wie dies die Urgroßmutter und Mutter tat. Die Tage Schillers waren Ja vorüber: . . .Sie füllet mit schätzen die duftenden Laden, Und dreht um bie schnurrende Spindel den Faden, Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein Die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein . . ."

Man konnte ja überhaupt nicht wissen, ob das Mädchen jemals heiratete. Und wenn ja, nun, dann konnte man eben allesfertig" kaufen. Das klang alles klug und überzeugend, schon vor dem 5triefle. Obwohl es sich auch damals schon zuweilen hinter- her auswies, daß es doch nicht immer ganz klug gewesen war, nach solchen Grundsätzen zu Han-

mon? Unb wie viele bleiben noch, bie nicht geblendet bem neuen Lichte neuer Lehren nach- jagen unb alten, lächerlich unb unmöglich ge­machten Glauben von sich werfen wie ein altes Gewanb?

Ich benle. ein kleines Splitterchen bieses Spiegels hat jeber Mensch im Auge! Wer sieht denn nun aber Menschen unb Dinge richtig an? Ober wer will behaupten, baß seine Auffassung richtig ist, ba boch jeber fest glaubt, feine Art zu sehen, sei bie rechte. Wer unb was kann uns benn den Blick wieber einrichten, bah bas Derzerrte gerabe, bafl zu Große normal wirb?

Es gibt sog. Schielbrillen für solche, bie ba mit ben leiblichen Augen schielen. Sollte es nicht Aehnliches auch für bie verkehrte Stellung ber inwenbigen Augen geben ? Eine Brille nur könnte dazu taugen, eine Brille, burch bie man alle- im Licht ber Ewigkeit sieht: nur was man in diesem Lichte sieht, ist. denke ich,normal". Sieh einmal durch dies GlaS! Verschwinden ba beine Fehler? O nein, sie bleiben bas, was sie sinb: Sünde unb Schuld. Und bie Fehler beiner Nächsten? Je mehr beine wuchsen, desto kleiner wurden diese, nicht wahr? Und du sahst in ihnen nur noch dieselbe Last, an der du auch schleppst: den Zwiespalt zwischen Gutseinwollen und doch Unrechttun. Run hast du nicht mehr Derachtung. sondern nur -ch Mitleid für ben Rächsten. Unb bas Gute? Wo wir es nun sehen, an andern ober an uns, übe.all erscheint es uns nun alS schöne Gabe Gottes, für bie wir danken müssen. Und erst die Sorgen und Leiden des Lebens! Wie werden sie so fahl in diesem fallen

dein. Schon oor dem Kriege ging bas bare Geld, ba» die lunge Frau mitbradjte, zuweilen bei un­günstigen Geschastsverfaltnissen nach kurzer Zeit draus", unb vom Rachschasfen der Aussteuer, bereu wenige Stücke nach wenigen Jahren auchdraus- gingen", war bann schlecht bie Rede. Wäre ein gewisser VtäscheVorrat dagewesen, so hätte er jetzt dienen können. In anderen Faller oeriobte sich bie Tochter unvorhergesehen schnell, bann war bas notroenbiae Gelb zur Beschallung ber Aussteuer nicht vorhanden ober nicht flüssig zu machen, und es u>are gut gewesen, hätte ber . Hamsterkasten" seine Dienste tun können. E» zeigte sich, baß ein solcher, beizeiten angelegt, wahrlich keine Derschwen- bung bedeutet hatte, zumal ja auch bie lebig blei­bende alleinstehende Frau schließlich eine Aussteuer braucht' Ich hatte Ursache, stet» zu einer großen Aussteuer zu raten, au» eigener Erfahrung ober boch aus her meiner Mutter heraus. Diese brachte vor mehr al» sechzig Jahren eine große, meist aus selbstgesponnenem Leinen beftefanbe in die Ehe, wenngleich wenig Bargelb. In ben Kriegszeiten 1S64, 66, 70 kamen Jahre, bie jebe Ausgabe für Wäsche u. bgl. verboten. Da hat die Borratstruhe her halten müssen, auch zur Wäsche für die Kinder. Handtücher unb Tischwäsche, später unter brei Töch­ter verteilt, bienen biesen noch heute unb werben vermutlich für ihr Leben ovsreichen. Manches Stück daraus ift während bes Weltkrieges noch ins Felb oder m Lazarette gewandert unb hat besser genützt als bloßes Geld. Bargeld hatte meinet Eltern, wenn es statt ber Wäsche die Ehemitgisi gewesen wäre, wohl längst nicht so nützen können da es in knappen Zeiten auch daraufgegangen wär Wer von den älteren Hausfrauen die Inflation zeit nach der Kriegsnot mit durchgemachi hat, wir! meine Erfahrungen begreiflich finden und es auch für wünschenswert halten, daß unsere Tochter wieder beizeiten daran denken,mit Schätzen die duftenden Laden" zu füllen, da es jetzt wieder etwas zu Füllung gibt. Das heutzutage übliche Heiratenai Nichts" hin ist nicht deutschem Wesen gemäß un gibt keine Grundlage für einen gesunden Haushai und ein geordnetes Familienleben, für bie Neu bilbung gelegener wirtschaftlicher Verhältnisse Wenn erst bie leidige Raum- und Wohnungsnot ge hoben ift, dann denke du auch wieder an eine ..große" Aussteuer für deine Töchter, deutsche Hausfrau!

Für die Küche.

Schnee schlagen.

Um das Weiße von Eiern schnell zu schlage», tue eine Messerspitze voll Salz hinein: je kühler die Tier sind, desto schneller geben sie Schaum.

Saure Fleck.

Saure Fleck ist bekanntlich eins ber liebsten Herrenessen: Der ganz weich (610 Stunben lang) gekochte Magen wirb In 2 Zentimeter große Wür­fel geschnitten, mit 23 Zwiebeln, Gewürzen, 2 bis 3 Lorbeerblättern, etwa» Pfeffer, 1 Eßlöffel Satz unb soviel Essig, daß es gut säuerlich schmeckt, durchge kochtund in Weckgläsern aufbewahrt. Diese Fleck halt sich viele Wochen ganz frisch und wird zur Zeit mit etwas Weizenmehl angerührt und gibt zu Pell- fartoffeln ein köstlich Abendessen.

Bouillonreis.

20 Minuten bevor gegessen werden soll, tut man ein Pfund Reis in drei Liter kochende, Ha re Fleisch­brühe. Zum Anrichten schöpft man den Reis mit bem Schaumlöffel heraus unb häuft Ihn über das in Stücke geschnittene Fleisch.

Malayischer Bei».

Der in reichlich Salzwasser weich gekochte unb im Siebe abgetropfte Reis wirb wieder in den Koch- topf zurückgegeben, auf dem warmen Herd heiß ge­fallen, eotl. mit etwas Curry gewürzt. Der Reis muß trocken, jedes Korn muß einzeln zu sehen sein. Sol- cher Reis schmeckt wundervoll zu Hammelbraten, gebratenen Hühnern und Fasan.

Praktische Winke.

Die Reinigung von eisernen Bratpfannen.

Um eiserne Bratpfannen zu reinigen, verwen­det man ein paar Eßlöffel voll Essig, die mit Scheuerrohr und Sand auf die Pfannen verrieben werben. Die Pfannen werden mit heißem Wasser abgefpült, gut abgetrocknet und umgekehrt auf die heiße Herdplatte gestellt. Dadurch bleiben sie sauber unb glänzend.

Benzin im Feuerzeug.

Benzin-Feuer-euge enfalten zur Ausnahme des Benzins Watte. Verwendet man statt ber Watte Schwammstücke, so reicht man mit der Flüssigkeit länger.

Fettflecke auf Parkett.

Fettflecke in Parkett-Fußböden reibt man mit iiöfdjpapier fort das Benzin durchtränkt wurde. Sind die Fettflecke so an und hartnäckig, daß sie noch nicht ganz fort sind, so reibt man mit Eisenspanen nach und glättet die Stellen mit Bohnerwachs.

Lichte, und wie sinkt alles, was menschlich unh irdisch ist, zusammen in wohltuende Richtigkeit I Ja, Splitter haben wir alle in die Augen be­kommen, aber gegen sie, die uns den richtigen Blick verkehren, wollen wir daS Glas mit dem Licht aus der Ewigkeit vor die kranken Augen nehmen:

Ewigkeit! In die Zeit

Scheine fall hinein.

Daß unS werde klein daS Kleine, Lind das Große groß erscheine. Leuchte in die Zeit, Sel'ge Ewigkeit!

Praktische Pädagogik.

Sines Tage« kam Walter Scotts Frau außer sich zu ihm -und sagte: .Run werde ich die Kinder aber einmal gehörig züchtigen müssen!"

»Was ist denn los, Schatz?" fragte Scott.

»Sie haben mir meinen Aähtisch in schreck­liche Anordnung gebracht. Aichts, aber auch gar nichts liegt auf seinem Platz. Radeln, Garnrollen, Schere. Wolle alles ist durcheinander geworfen. Man tonnte geradezu wahnsinnig werden."

Scott neigte sich wohlwollend zu seiner Frau: Mein Lieb, das waren nicht die Kinder, das habe ich getan!

.Aber warum denn?"

»2lch, nur in dem Wunsche, beine liebe­volle Sorgsalt zu erwidern. Rachdem du meinen Schreibtisch so schön aufgeräumt und alle Papiere geordnet hast, war eS mir ein Herzensbedü Z nin, auf dieselbe Weise auch deinen Rähtifch in Ord­nung zu bringen.-