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Nr. M Zweites Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefien)Montag, (8. Mai (925

Jur Grundschulfrage.

r Grziehungssragen sollten keine Parieifragen sein. (Tnbem llch aber die Parteien notwendiger­weise und pflichtmäßig mit ihnen beschäftigen, in ihren Programmen den Schulangelegenbeiten einen Platz cinräurnen und ganz bestimmte Grundsätze für sie aufstellen, tritt die Scheidung der Geißer wie überall auch hier ein, und was als entscheidend für die Dolkszukunft über dem TaaeSstreit stehen sollte, wird häufig genug m diesen hinelngezerrt.

Reichlich und gründlich ist daS zum Schaden der Sache und derer, die sie angeht, bei der Frage nach der Dauer der Grundschule geschehen, und die Volksvertreter wie die Lehrervereinlgun- flcn, die Tages- wie die Fachzeitungen haben oft mit mehr Leidenschaft. alS dienlich war. ihre gegensätzlichen Meinungen dargelegt. Heute ist nun ein gewisser Abschluß durch die Beschlüsse deS Reichstags und die Entschließungen der ver­schiedenen Einzelregierrmgen eingetreten, und so sei es gestattet, ohne Einseitigkeit und Schärfe die verschiedenen Seiten der Angelegenheit noch ein­mal zu beleuchten.

Zunächst wird man gut tun, sich daran zu erinnern, wie die gesetzliche Festlegung der vier­jährigen Grundschule eigentlich zustande kam. Sie sollte nichts anderes sein als der Anfang einer Vereinheitlichung unsere- gesamten Erziehungs- Wesens überhaupt, die Wurzel, aus der ein ein­ziger. im Wachsen erst allmählich sich verästelnder Daum emporsprießen sollte, dergestalt, daß nicht Deimtögen und Stand der Eltern, sondern einzig und allein die Gaben des Kindes zu entscheiden hätten. ob auf die Grundschule nun der einfache Dolksschullehrgang oder zunächst eine Beschulung »mit erweiterten Zielen" und nach weiteren 2 bis 4 Jahren für die Auslese eine höhere und Hochschulbildung zu folgen habe Abgesehen einmal von dem Bedenken, daß auf diese Weise der Wille der Erziehungsberechtigten vielleicht zu wenig berücksichtigt ist, und daß jene nicht ganz sellenen Fälle schwerlich zu ihrem Rechte kommen, in denen ein Kind sich sprungweise oder verspätet entwickelt, dürfen wir wohl in dem skizzierten Gebauten einen schönen und dankenswerten Idealismus erblicken, dem mindestens zum Teile die Zukunft gehört. Borläufig aber ist von dem ganzen Plane nur die Grundschule zur Tat ge­worden. und die Verbindung zwischen Volks­und höherer Schule reiht mit der Fuge nach dem vierten Schuljahre schroff ab: einzig die Ausbauschule sucht noch eine spätere Brücke zu schlagen. Im übrigen sind beide Schulgattungen, von Einzelheiten abgesehen, geblieben, was sie waren, ja leider hat man nicht einmal, wie neu­lich hier gezeigt worden ist. das Odium des hoben Schulgeldes von der höheren Schule ge­nommen. während die Volksschule einschließlich der Klassen mit erweiterten Lehrzielen (Fremd­sprachen!) frei, zum Teil sogar lernmittelfrci ist, so daß heute der einzelne Volksschüler dem Staate höhere Kosten bereitet als der Gymnasiast und Realschüler. Geblieben sind in der Haupt­sache die alten Methoden und Ziele, geblieben die Devölkerungsschichten. die ihre Kinder nach aller Gewöhnung der oder jener Schulart zu- fuhren. geblieben ist auch mit fast einstimmiger Billigung der Berufenen die neunjährige Dauer des Lehrgangs in den humanistischen wie in den realen Dollanstalten, während allerdings die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit fast sämtlicher Eltern starke und wenig.günstige Veränderungen erfahren hat.

ilnb da erhob sich denn bei diesen Eltern unb zwar ganz ohne Rücksicht auf deren politische Einstellung! die bange Frage: Soll für uns die Folge des Grundschulgesetzes eine zwangs­läufige Verlängerung der Gesamtschulzcit sein? Soll unser Sohn ober unsere Tochter deshalb später auf eignen Füßen stehen, als das sonst möglich gewesen wäre: sollen beide uns. die wir infolge des Kriegs und der traurigen Zeitver­hältnisse so wie so erst spät zur Familiengründung schreiten durften, nun noch länger als nötig auf der Tasche liegen? Man vergesse dabei auch nicht, daß auf die dreizehnjährige Schulzeit erst die eigentliche Derufsausbildung und auf diese in zahlreichen Fallen noch eine endlose Anwärter­zeit folgt, und man wird die Sorge der Eltern z,u würdigen wissen. Und schließlich ziehe man noch in Betracht, daß die Bestimmung, daß von 1926 ab nicht mehr der 30. September, sondern der 1. Mai Grenztag für die Schüleraufnahmen sein soll, für die sämtlichen zwischen diesen Ter­minen Geborenen nochmals gegenüber den alten Bestimmungen einen Jahrcsveriust bedeutet, so daß also bei flottestem Dorwärisschr i'en ein im Mai zur Welt gekommener Knabe erst kurz vor Dollendung des 20. Lebensjahres seine Reife­prüfung ablegen kann!

Wird sich unter diesen Umständen kein Ver­ständiger den Einwänden der Elternschaft ver­schließen, so läßt sich anderseits doch auch der entgegengesetzte Standvunkt bcr Do'ksschullehrer- schast durchaus verstehen. Aus verschiedenen Gründen tritt diese für ein möglichst langes Bei­sammenbleiben sämtlicher Schulkinder ein. Da ist einmal der soziale Gesichtspunkt. Die jungen Menschen sollen sich frühzeitig daran gewöhnen, sich als Glieder der Volksgemeinschaft zu fühlen, darum sollen sie die Schulbank und den Schulweg sämtlicher Allevögenofsen teilen. Trotz großer Leistungsfähigkeit ist die Vorschule alsStandes- schule" dieser Auffassung zum Opfer gefallen, und die Unterllassen der Privatschulen folgen ihr bis zum Jahre 1929 auf dem Wege der Vergäng­lichkeit nach. Man mag das Verschwinden dieser Sonderllassen in einzelnen Fällen bedauern, aber niemand wird leugnen, daß sie auch entbehrt werden tonnen. So ist tatsächlich die Einheitsschule » die ersten Schuljahre sichergestellt, und da die Lehrerschaft aus wohlerwogenen Gründen Drill und Regelkram dem Anfangsunterricht möglichst lange fernhallen will, so ist sie eben zu dem Schlüsse gelangt, daß erst nach vier Jahren der er Lehrweise der höheren Schule reif

. übrigen aber tragen die Lehrer der Volksschulen und zwar gerade die besten am meisten von jeher recht schwer daran, daß sie mitten in ihrem Lehrgänge so häufig ihrer besten Schüler, der »Zugpferde", beraubt werden. Denn diejenigen, die zur höheren Schule abwandern. sind nun einmal In den Grundschulen meist die Guten, sei es. daß sie größere Gaben oder sei es auch nur. daß sie aus wohlhabenderen Hausern eine gepflegte Muttersprache mitbringen. Kann man es da dem Lehrer verdenken, wenn er den Zeitpunkt der Trennung seiner Schäflein ein Jahr verschoben wissen will, nicht aus selbst­

süchtigen Beweggründen heraus, sondern well die geistige Entwicklung auch der schwachen Insassen seiner Klaffe durch den Einfluß jener anderen sehr merklich gefördert wird? Ein bedeutsamer Punkt endlich ist der folgende: Soll ein Bruchteil der Schüler schon nach drei Jahren einen Kcnntnisstand erreichen, den der allgemeine Lehr­plan erst nach vier Jahren vorsieht. so muß bereits im dritten Schuljahre .differenziert" toer- den, und damit sagt der Lehrer fällt eigent­lich schon dieses dritte Jahr aus dem Rahmen der allgemeinen Grundschule heraus, sie ist .durch­löchert". sie ist halb aufgegeben.

Wir wollen am Ende unserer Betrachtung fcfiftcllcn, ob diese Folge not muß. und zunächst einmal prüfen, wie es b i s- h e r mit dem Alter der Schüler höherer Lehr­anstalten gestanden hat. In Hessen, dis ja für uns in erster Linie in Frage kommt, sind immer an Ostern teils Reun-. teils Zehnjährige in die Sexta eingetreten: auch Achtjährige waren nicht selten, die bis zum 30. September das borge- schriebene Alter erreichten. Wie groß der Anteil des jüngeren Jahrgangs gewesen ist, läßt sich nur mit großem statistischem Apparat feststetten: ich habe aber z. B. gefunden, daß von den 51 Direktoren, die das letzte Verzeichnis dos dein- schen Philologenvereins aufzähll. 42, also mehr als vier Fünftel, dazu gehört haben, wie der Zeitpunkt ihrer Reifeprüfung ausweist Jene jün­geren Schüler entstammten ganz und gar nicht alle den verpönten Vorschulen: ich erinnere mich z. D. sehr wohl, daß die jüngsten Abiturienten meines Jahrgangs seinerzeit aus den Dorfschulen in der Umgebung Darmstadts kamen, wo sie ein dreijähriger Besuch mit ein wenig Deischulung vollständig zur Mitarbeit im Gymnasium vor­gebildet hatte. Ich habe dann in meiner ganzen Lehrerzeit ein wenig mein Augenmerk dem Ver­hältnis zwischen Alter und Leistungen zugewandt und feststellen können, daß die Klassenjüngsten in Unter-, Mittel- und Oberllassen im allgemeinen weit über dem Durchschnitt standen, eine Beob­achtung, die durch statistische Erhebungen an bayrischen Gymnasien bestätigt wird. Die Be­gabung. die für den früheren Eintritt in die höhere Schule Voraussetzung ist. pflegt also auch das Vorwärtskommen sicherzusteilen Auch die Stichproben, die ich in den Lebensgeschichten berühmter Männer gemacht habe, ergaben meist frühe Reife und dementsprechend frühzeitigen Dildungsabschluß. Das gilt für alte und neue Zeit, für die verschiedensten Lebensgebiete, ja auch, für politische Gegenfüßler: K. Marr und Lassalle gehören ebenso dazu wie Otto von Dismarch.

Daraus dürften doch Folgerungen zu ziehen fein, denn soweit wird vermutlich Einigkeit be­stehen, daß das Gesetz geniale oder auch nur hochwertige Begabung nicht ohne die zwingendste Rot hemmen darf. Es wäre ja möglich, daß ein .Goethe" oder ein »Rich. Wagner" auch heute die Schulbank einer deutschen Grundschule brüeft; sotten auch sie, die beide nach dem 1. Mai ge­boren sind, bis ins 20. Lebensjahr auf Grund demokratischer Egalisierung in der Schule fest- gehalten werden? Wer wagt es, eine solche Frage <>t bejahen?

Run sagt man, die Zeit könne auch später eingespart werden. Ich will das nicht bestreiten: ich habe sogar gelegentlich die Möglichkeit er­probt, indem ich besonders befähigte, verspätet eingetretene Schüler ein Jahrvorversetzte". Aber sicher ist das eine, daß jede spätere Zu- sammendrängung des immer stärker gehäuften Wissensstoffes weit belastender wirkt und eine ganz ungewöhnliche Rervenanstrengung fordert, während die Aufgaben der vierjährigen Grund­schule von frühreifen Kindern auch in drei Jah­ren mühelos bewältigt werden. Warum sott also das zum Ergebnis übergroßen Kraftaufwandes gemacht werden, was so bequem vorher zu haben war? Weiter gibt es in den Unterklassen der höheren Schulen eine Menge Gedächtnisarbeit, die ein neun- bis zwölfjähriger Knabe viel leich­ter leistet als ein älterer, der schon in die Puber­tätsjahre hineinwächst. Es erscheint also g.-radezu widersinnig, Lasten in einer Zeit, zu der sie nur schwer ertragen werden können, überflüssigerweise der Jugend auszubürden.

Wer unsere Frage auch einmal unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, wird schwerlich mehr hinter den Forderungen der Eltern und der Lehrer an höheren Schulen falsche Dewee'rürde suchen und nicht mehr von einer ..grundsätzlichen Geg­nerschaft gegen die allgemeine Grundschule" spre­chen, die »aus Klasseng ist geboren" sei: er wird vielmehr anerkennen müllen, daß auch auf dieser Seite vollgewichtige Gründe oorlieicn, und daß Nützlichkeit und Gcrechtigk it für ihre Beachtung sprechen. Der R-ichstag hat denn auch kurz vor Ostern mit ziemlich großer Mehrheit bei grund­sätzlicher Beibehaltung der vierjährigen Grund­schule Ausnahmen für zu'aftig erklärt, und unser Hessisches Landesamt für Di d ngswllen hat sich durch Verfügung vom 3. Avril der Reichs- bestimmung arg schlossen Es Ich it ader eine diffe­renzierte Grundschule ab und verlangt, daß die Kinder ohne besondere Förderung im dritten Schuljahre den Sprung in die höhere Schule tun. Damit dürfte das größte Bedenken der Volks­schullehrer beseitigt sein: denn nun steht ihnen ja im dritten Jahre die ganze Klalle noch restlos zur Verfügung, und die Schwierigkeit des Ueber- gangs sorgt dafür, daß auch im vierten keine großen Lücken gerissen werden. Die Eltern sind schwerlich völlig am Ziel ihrer Wünsche: ich meine aber, man könne sich mit dem Gewährten zufrieden geben. Mag immerhin der neunjährige Sextaner Mängel in seinem Willen haben, die zunächst seine Leistungen beeinflussen: wenn er wirklich jene Reife und jene Begabung besitzt, die schon immer Voraussetzung dieses frühen Eintritts waren, so wird er das Fehlend-e im ersten Halbjahre mit verständnisvoller Unter­stützung seiner neuen Lehrer wohl nachholen kön­nen. Und damit dürfte die grundsätzliche Durch­führung der vierjährigen allgemeinen Grund­schule nach wie vor gewährleistet, zugleich aber den unabweislichen Forderungen des praktischen Lebens Genüge geleistet sein.

Buntes Allerlei.

Bon London nach Berlin und zurück in 13 Stunden.

. $ur Vereidigung des R ichspräs dea en von 5 1 u d e n bürg ist der bekannte englische Flie- ger Allan Cobham in feinem Flugzeug nach Verlin gekommen und noch am selben Tage -urück- gefahren. Er erzählt von dieser Heinen Reise in der »Daily Ma iI:

»Rach dem Frühstück fuhren wir von London nach Berlin ab und kamen dort nach einem Flug von 6 Stunden zum Mittagessen an. nach­dem wir gegen 1000 Kilometer zurückgelegt hatten. Es war eine höchst bequeme und angenehme Fahrt, denn wo hat man wohl mehr Ruhe als doch oben in den blauen Asten? Ich saß behag­lich auf meinem Führersitz: niemand behelligte mich, niemand wollte mich sprechen, kein Telephon läutete, und die Fahrt selbst war ein Kinderspiel und lange nicht so ttervenan spann end wie eine Automobiltour, denn in der Luft gehört dem Flieger der ganze weite Raum. Meine Maschine war dieselbe, mit der ich meine Reise nach Indien und von dort zurück gemacht hatte, und in der Kabine war mein Ingenieur Elliott, der mitreiste. Als wir über dem Kanal waren, wollte ich mit Elliott sprechen und öffnete das Äabinenfcnftcr, um nach ihm zu sehen. Wie gewöhnlich hatte die süße Ruhe im Flugzeug, die reine sauerstoff- hallige Luft in 3000 Fuß Höhe und bas ein­schläfernde Surren der Maschine ibn in einen ruhigem Schlummer versenkt, und er schnarchte mit einem Lächeln auf den Lippen. Ich schloß das Fenster. Ich bin sicher, daß eine Flugreise die beste Ruhe in der Welt für müde Leute ist.

Wir landeten auf dem neuen Flugplatz in T em pelhof. der nach meiner Ansicht einer der schönsten Flughäfen der Welt werden wird, und 20 Minuten später waren wir in unserem Hotel. Um 3.1 Uhr kam Präsident v. Hindenburg nach der Eidleistung aus dem Reichstag. Ein schneller Kraftwagen wartete bereits, und um 1 Uhr waren wir mit dem Photographen derDaily Mail" am Flugplatz. Da alle Zollformalitäten vorher erledigt waren, waren wir eine Minute später in der Luft und kehrten ohne Aufenthalt nach London zurück. Wir lan­deten nach einer Fahri von 63/< Stunden um 3'i8 in London.

Danach ist es also für einen Geschäftsmann möglich, den ganzen Morgen noch seinem Beruf in der Londoner City nachzugehen, dann nach Berlin zu fliegen, wo er noch zum Theater zurechtkonnnt. Dann kann er sich den ganzen nächsten Morgen seinen Geschäften in Berlin widmen und am Rachmittag nach London zurück­kehren und dort zu Abend Jen. Er legt so gegen 2000 Kilometer in nur 13 Stunden zurück und ist nur 32 Stunden von Hause fort. Mit Eisenbahn und Dampfer würde eine solche Reise wenigstens 5 Tage dauern."

DerWasserkopf" der Welt.

Reuhork ist schon jetzt stolz darauf, daß es in seinen Straßen mehr Kraftwagen, in seinen Häusern mehr Telephone gibt als in jeder an­deren Stadt der Well, und das Wachstum dieser Riesenmetropole geht so schnell vor sich, daß sie sich wohl in wenigen Jahrzehnten zumWasser­kopf der Well" ausgewachsen haben wird. Schon jetzt zerbrechen sich die Baumeister den Kopf darüber, wie man diese Menschenmengen unter­bringen und befördern soll. Auf dem internatio­nalen Architekten-Kongreß, der jetzt in Reuyork flattfand, entwarf der Präsident des amerikani­schen Architektenvereins, Harvey W. Corbett, ein Zukunftsbild von Reuyork, wenn es 5 0 Mil­lionen Einwohner haben wird. Diese Ziffer sott nach den Schätzungen 1975 erreicht sein. Die Bevölkerung wird dann zum größten Teil in entfernten Vororten leben, und von dort werden die Bewohner täglich zu Arbeit nach der City geschossen" werden,wie Pakete durch Luftdruck­röhren mit einer Schnelligkeit von 250 Km in der Stunde". Viele werden auch im Flugzeug zu ihrer Arbeitsstätte eilen und auf den riesigen Dachhäfen der Wolkenkratzer landen. Corbett zeichnete das Bild einerTitanenstadt, 80 Km. im Umfang und 800 Meter hoch, mit einem Ver­kehr, der durch Röhren und auf beweglichen Plattformen geleitet wird".

Aus der Provinz.

Landkreis Gictzen.

is. Steinbach, 16. Mai. Ein schweres Gewitter mit starken Regengüssen und Hagel ging heute nachmittag über die Ge­markungen Steinbach und Albach nieder. Größe­ren Schaden hat der Hagel jedoch nicht ange­richtet, da er in Verbindung mit dem Regen niederging.

t Grünberg, 16. Mai. Die Lohns uh- ren in Grünberg stehen gegenwärtig in höch­ster Blüte, und zwar verursacht durch die rege Bautätigkeit in der Stadt, die Heran- schaffung der Baumaterialien, die Instandsetzung von Teilstrecken der von hier ausgehenden Stra­ßen hinzu kommen die Steine per Bahn aus den Steinbrüchen bei Münster und werden bann per Achse weiteriransporiicri, sowie durch die zahlreichen Fuhren mit Langholz. Dieses kommt teils zur Verladung mit der Bahn, teils zu den Holzschneidern hier und in Queckbom. Das Holz­geschäft hat sich hier in den letzten Jahren einen hervorragenden Platz geschaffen. Ein Blick auf die Cinladerampe des Bahnhofs ist dafür überzeugend. Hier sind Eisenbahnschwellen zur Verladung aufgestapell, hinreichend für einen ganzen Güterzug Gewaltige Stöße Gruben- und Langholz türmen sich zu kleinen Bergen. Durch all diese rege Arbeits- und Wirtschaftstätigkeit finden zahlreiche Mitbürger erfreulicherweise lohnenden Verdienst.

Kreis Friedberg.

Bad-Rauheim, 17. Mai. Unser Bad und seine Umgebung prangt jetzt im schön­ste^ Frühlingsschmu ck. Dom Park, den Reuanlagen und den blühenden Obst Hainen zieht sich ein frisch-grünes Band zu den Taunus­bergen hin, das sich in endloser Ausdehnung bis zum Feldberg und dem Altkönig verfolgen läßt. Das ist so die rechte Zeit der Aus­flüge für groß und Hein. Und in der Tat erlebt unsere Stadt neben der eigentlichen Dadesaison eben wieder seine Hauptsaison als Ausflugsort. Außer dem Bad und feinen Anlagen zieht vor allem die waldige Umgebung die Wanderer an. Der Johannisberg und das Wintersteingebiet mit seinem gast­lichen Forst Haus und dem Römerkastell Capers- burg werden mit jedem Jahre mehr besucht, nachdem unter Leitung unseres oberhessllchen Heimatforschers und Denkmalspflegers. Pros Helmke-Gießen, an lhtgenanntem Ort nach und nach eine Anlage entsteht, die landschaftlich ganz besondere Reize entfaltet und in ihrer Unberührtheit ein ursprünglicheres Bild von einer römischen Militärstation am Psahlgraben zeigt, als die Saalburg, an deren Wiederauf­

bau Phantasie und .Kombination doch auch zu einem guten Teil mitwirken muhten. Ganz be­sonder»? nun steht unsere Dadestadt gegen­wärtig im Zeichen der SchulaussIüg e. Täg­lich sieht man jetzt Schulklassen aller Art im Straßenbild. Richt nur hessische Schulen sind ver­treten. auch aus den preußischen Gebieten kommt der Schülerbesuch Vor allem scheint für die Frankfurter Schulen unser Bad ein ganz be­sonderer Anziehungspunkt geworden zu sein. Die Sprudel und Brunnen find für die Jugend Immer wieder ein Raturwunder, daS sie mit Begeiste­rung und Andacht gern fchaut. Aber auch für die technischen Betriebe, vor allem für Salz­gewinnung der Saline, bekundet sie lebhaftes Interesse. Die Bad- und Kurverwaltung zeigt den führenden Lehrern bei Besichtigungen in anerkennenswerter Weise weitgehendes Entgegen­kommen. Der Bad-Rauheimer selbst ist der­jenige, der seine schöne Umgebung am wenig­sten genießen kann. 5X18 Erwerbsleben nimmt ihn fast ganz in Anspruch, und er ist froh, wenn er am Sonntag einmal im Park, am Teich oder im Stadtwaldfrische Luft schnap­pen" kann. Dafür kommt unter den Kurgästen aber immer mehr der Brauch auf, Ausflüge die über das Weichbild des Bades hinaus- gehen, zu unternehmen, um die schöne Land­schaft kennen zu lernen. Wer das zu Fuß nicht tun kann, dem bietet sich aus Wagensahrlen, die sehr in Mode gekommen find, reichlich Ge­legenheit dazu. Roch ist der Berus der Drosch­kenkutscher. der hier eine besondere .Zunft" bildet, lebensfähig, aber etwas bekommt er die Konkurrenz der Kraftwagen doch schon zu spüren. Reben mehreren Privatunternehmern führt feit diesem Jahre auch die Bad- und Kurverwaltung mit Wagen der Reichspost Qlutomobilge- fellfchastssahrten aus, die deshalb be­sondere Erwähnung verdienen, weil sie nicht nur die Punkte aussuchen, die der Baedeker mit einem Stern versehen hat, sondern auch von der Heerstraße abseits in vergessene und mit Unrecht seither wenig beachtete Winkel unse­rer engeren Heimat führen. Unser Ober- Hessen wird bei den Fahrten in erfreulicher Weise besonders ftart berücksichtigt. Da es nach allen Richtungen, bis in seinen Rordostgipfel (Schlitz) auf Fahrten berührt wird, wird man in diesem Sommer in den meisten oberhessischen Orten die schmucken Wagen und ihre Insassen auf der Durchfahrt oder bei der Rast begrüßen können. Für Oberhessen werden diese Auto- gesellschaftsfahrten nach und nach von größter wirtschaftlicher Bedeutung werden, lernen viele Kurgäste auf diese Weise doch unsere schöne Heimat kennen und lieben und vor allem auch gar manchen für Rachkuren vorzüglich ge­eigneten Ort, beispielsweise ein Vogelsberg, schätzen. Die hiesige Stadtschule unter­nahm heute mit sämtlichen Klassen einen Tagesausflug Taunus und historische bekannte Oertlichkeiten der Wetterau waren die Zielpunkte der Wanderungen. Auch das L a b n t a l mit Wetzlar und Braunfels wurden von einigen Klassen besucht.

Kreis Schotten.

Schotten, 16.Mai. Die Frühjahrs­versammlung der Bürgermeister des Kreises findet nächsten Mittwoch im Pfann- stiel schen Saale zu Ulrichstein statt. Als wichtigste Punkte der Tagesordnung stehen zur Verhandlung die Errichtung einer Kreisab- deckerei. die Faselhaltung sowie die be­vorstehenden Gemeindewahlen.

Ulfa, 16. Mai. Mit der Feldbe- reinigung , die beinahe beendet ist, sott jetzt noch eine Regulierung unseres Dach­bettes vorgenommen werden. Dabei sollen die seither versumpften Gelän bestücke durch Ent­wässerungsanlagen trocken gelegt und eine zeit­gemäße Bewässerungsanlage durch Einbau von Schleusen geschaffen werden. Man erhofft von diesen Maßnahmen, die wohl mit großen Kosten verknüpft sind, eine starke Steigerung des Ge­ländewerts und eine Verbesserung und Erhöhung der Erträgnisse.

Kreis Büdingen.

!! Büdingen, 16. Mai. Mit größter Span­nung sah man hier der jüngsten Gemeinde- ratssitzung entgegen, sollte in ihr doch zum erstenmal ein Thema behandelt werden, das in der nächsten Zeit die Gemüter noch oft bewegen wird. Zunächst lag ein Schreiben des Feuerwehrvor- standes vor, in welchem dieser um baldmöglichste Anschaffung von 300 Meter Druckschläuchen bat. Der Bürgermeister schlug vor, 200 Meter sofort anzuschaffen und 100 Meter im Herbst. Der Ge­meinderat stimmte dem zu. Ein Antrag des Vor- sitzenden des Schulvorstandes forderte die Neu­anschaffung einer Strerfleiter sowie ver­schiedener anderer Geräte. Außerdem bat der Schul- Vorstand, einem schon oft als lästig empfundenen Umstande abzuhelsen und die F u ß st e i g e nach dem Schulhause mit K l e i n p f l a ft e r zu versehen. Wahrend der Anschaffung der Gerate vom Gemeinderat zugeftimmt wurde, stellte man die Pflasterung der Fußsteige bis zur Erbauung der zwei Familienhäuser zurück. Es soll bann eine endgültige Regelung geschaffen werden. Angenom- men wurde auch ein Antrag des Bürgermeisters, wonach vorübergehend ein Installateur bei der Stadt angestellt werden soll, um die nötigen '.Repa­raturen a n der stödtischen Wasserlei­tung vorzunehmen. Für die Erhebung einer Sonder st euer vom bebauten Grund­besitz wurde von der Finanzkommission vorgeschla- gen, 30 Pf. von je 100 Mart Steuerwert zu erheben. Der Antrag der Kommission wurde zum Beschluß erhoben. Als wichtigster Punkt der Tagesordnung stand nun die Bürgermeisterwahl zur De­batte. Der Gemeinderat sollte darüber Beschluß fassen, ob ein Berufs bürgermeister oder ein ehren amtlicher Bürgermeister gewählt werden soll. Das Gemeinderatsmitglied Knaf stellte den An trag, die Stelle eines Berufsbürgermeisters in Gruppe X öffenllich auszuschreiben. Der sich Me! dende muß wenigstens aus der mittleren Dermal tungsbeamtenlaufbahn heroorgegangen fein. Ge meinderatsmitglied Dr. (5 ne Hing sprach sich für die Wahl eines Juristen aus. Ganz entschieden gegen die Wahl eines Berussbürgermeisters sprach Ge­meinderatsmitglied Hildner, der dringend die Wahl eines Ehrenbürgermeisters empfahl. childner wird selbst als Bürgermeisterkandidai aufgestellt. Nach längerer Debatte wurde der An trag Knaf, die Stelle eines Berufsbürger meisters auszuschreiben, mit großer Stimmen­mehrheit angenommen. Die Angelegenheit wurde der Rechtskommission überwiesen, die an dem Beispiel von Lich, Lauterbach und Alsfeld eine