Montag, 18. Mai <925
175. Jahrgang
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Die Eröffnung der Iahrtaufendausstellung der
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Nr. U5 Erster Blatt
Festessen
Stadt Köln im Gürzc nich . dein Bankettsaal der alten Hontestadt
Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags.
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EießenerFamilienblätter Heimat im Bild.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vrurk und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch und Steinöruderci R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: ^chulftrahe 7.
(ßigencv Bericht des „(Sief). Anz.")
Köln a. Rh., 17. Mai. Leuchtend blau spannt fid) der Himmel über dem heiligen Köln, das in herrlichst m Festschmuck hie Gaste toiU- fommen heißt, die aus allen Teilen des Reichs hcubiq dcibeigeeilt sind um in her rheinischen Metropole das gt abartige Denkmal deutschen 2c- ii die Iahrtaufendausstellung,
eröffnen zu Helf. Die prachtooll getäfelte Halle der Fünftausend am rechten Rheinufer ift bis auf den letzten Plan mit geladenen Gästen gelullt, vor dem mit frischem Grün geschmückten Podium grüßen die Banner der rheinischen Studentenschaft llnnvoll umrahmt weißgekleidete Jugend .im den G ■ • .n die festliche Versammlung. Weih volle Orq l! länge leiten die Feier ein. Das monumentale Festp.äludium von Richard Strauß ui lei General- f i Ab droth Stabführung mcisterschaft zur Wiedergabe.
Oberbürgermeister Dr. h. c.
'Genauer
, nti Letet tu - den Gasten
den Gruß der Stad'. Köln und den Mitarbeitern an der Ausstellung herzlichen Dank für ihre dafür sei der i est: B v S 6 11 ä gelun jen sei, in wenigen Monaten diese großartige Schau
i die heute ihrer Bestimmung übergeben werden solle, limmen ' - M leb der Redner,
h iug ii. aus ihr rufen bic 21 >nen ruft die Stimme des ■' i 'n Stroms Lauschet unseren Altvorderen. folget ihnen, gelobt es ihnen: Deutsch z u sein wie sic. frei zu sein wie sie! Hebt mit mir die Hand zum Schwur: „Alles füi unsere rheinische Heimat, für unser geliebtes Vaterland!' Begeistert wniOr das Hoch auf da» Vaterland von der Versammlung aufgenommen begeistert in die Rationalhymnc cin- qciallen. Ten Mittelpunkt des Festaktes bildete die fonnvol lendete. packende Rede des Donner Kunsthistorikers
Geheimrat Prof. Dr. Clemen
Racpdem er iu der Einleitung öu Bedeutung diele SchiclsaliahreS des deutschen Westens für das Rheinland unb das Reich gewürdigt und das Gibiet zwifch i Köln und Mainz als das groß. Sammelbecken dcr mittelalterlichen Kultur gewürdigt hatte, ging er zum eigentlichen Gegen- rufend Znhre deutscher Geschichte und deutscher Kultur will diese Ausstellung dem lebenden Geschlecht vor Augen stelle,- nach einem weitgespannten, groß ersonnenen Programm. Richt in dem Wortlaut der Chroniken und Urkunden konnten die Wende- punlte unseres gefamten geschichtlichen Erlebens hier aufgezeigt werden, die sichtbaren, von Menschenhand künstlerisch geformten Zeugnisse des großen Geschehens mußten aufgerufen werden. Den bildenden Künsten ist cs allein gegeben. in der knappsten Formel mit einem einzigen Blick des Auges zu umspannen, im Gewände des Symbols die großen geschichtlichen Erlebnisse festzuhalten.
Ganz von selbst ift diele ku11ur historische Ausstellung zu einer überwiegend k u n st historischen geworden. Sie reiht sich würdig an die großen kunsthistorischen Ausstellungen der 3ahrc 1902 und 1904 in Düsseldorf an. übertrifft sie um das Vielfache an Ausdehnung. Richt nur das Gebiet der heutigen Rheinprovinz fall in seiner historischen Entwicklung hier vorgeführt werden
der ganze Mittelrhein, das Land der alten Bistümer Mainz. Worms, «Speiet, kommt hinzu, endlich die Rheinpfalz daS gesamte heute besetzte ©ebiet hat sich zu dieser Darstellung seines gemeinsamen Werdens zulammengefunden. alle getragen von dem gleichen Geist de engen Verbindung mit dem . Reich und dem Reichsgedanlen
In unerhörter Gt oßarligleit tritt hie mittel- .altcr'lichc Goldschmiedekunst auf. Don Nibelungenhort scheinen die Rheintöchter zuruch- gegeben zu haben. Umgeben von siebzehn weiteren großen Schreinen thront in der Mitte in erhabener Isolierung, zum ersten Mal hier öffentlich außerhalb des kirchlichen Raumes auf- gestellt, das iofibarfle Kunstwerk, das die Edelmetallkunst der Staufer»eit in ganz '^utschlalch geschaffen, die mächtige Prachtumba des 5)rei- tönigen schrei ns aus dem Kölner Dom. Weder eine der deutschen Provinzen noch irgendeines der Länder Europas darf sich eines solchen Schatzes auf schmalem Gebiet rühmen, wie ihn der Riederrhein in seinen Goldschrcincn besitzt Was von Juwelen der Plastik die Rbeiniande berufen. hat sich in kimiunig geleiteter Auswahl hier eingestellt. Bildteppiche und Bilder- Ha n d s ch r i f t e n nehmen die Melodie auf. Die gehaltene Feierlichkeit der frühen romanischen Kunst, die ausdrucks gewaltige männliche Größe der frühen romanischen Kunst, die ausdrucksgewaltige männliche Größe der «Staufcrplaftii, die schwingende zarte und durchseelte aristokratische Linienschöntzeit der frühen Gotik. Ratur- nähe. Fülle und Plauderfrcudigkeit der späten Gotik, alles tc tat in erlesenen Proben zu Worte Den großen repräsentativen Raum der Gemälde beherrscht
daS Dombild Stephan Lochnerö eit es die städtische Ratskapelle, für die cs geschaffen, verlassen, zum ersten Male dem geheimnisvollen Halbdunkel der Chorkapelle ent- rüdt hier in seiner von Jugend strahlenden Schönheit sich dem entzückten Blick frei bar- bietend Wenn etwas die innere Kraft hatte, uns in das Gedächtnis zurückzurufen, daß das Schicksal der deutschen Kunst während der brri ersten Jahrhunderte des Mittelalters bestimmt ward durch die Linie, die von Tanten bis Worms ührt von Siegfrieds Heimat zu König Gunthers Residenz, so ist es diese hier gegebene überzeugende und glanzvolle Liebersicht
Aus dem. was die nachmittelalterlichcn Jahrhunderte schöpferisch hier aus eignem geformt, aus Fremden umgeschmolzen haben, tritt uns in bedeutsamer Geschlossenheit das Bild der e v a n - gelischen Kirche entgegen, ihrer unmittelbar aus den Forderungen des Kultus abgeleiteten selbständigen vorbildlichen Raumgestaltung, der ehiwürdig schlichten Denkmäler des reformierten Geistes, der stillen, streng disziplinierten Organisation des Gemeindelebens.
Mit einer eignen Abbildung erscheint die Kölner Dombauverwaltung, zugleich eine Mahnung der Dombauhütte mit einem deutlichen Fingerzeig. Unb der unferm künstlerischen Empfinden schon wieder entwachsene Riesenbau, her dem diese Hallen Verlassenden plötzlich in seiner ganzen Gewaltigkeit vor die Augen tritt, den mächtigen Schatten der beiden steinernen Schwur- finger fast über den Strom werfend, ist heute uns aufs neue in einem andern Sinne lebendig, wie alle große Kunst als ein Symbol, fast als ein Mythos. Die Abgüsse des einen gotischen Westpor-tals rufen unL die Worte in Erinnerung, die in edler Begeisterung
der Preuhenkönig Friedrich Wilhelm IV.
bei der Wiederaufnahme des Dombaus 1842 vor den Grundsteinen des Südportals sprach — und gern möchte man sie umgedeutet über diese ganze Schaustellung setzten: „Dies ist kein gewöhnlichen Prachtbau. Es ist das Werk des ‘Stuber- sinnes aller Deutschen, aller Bekenntnisse. Hier- sollen sich die schönsten Tore der Welt erheben. Deutschland baut sie so mögen sie für Deutschland durch Gottes Gnade Lore einer neuen, großen unb guter Zeit werden. Alles Arge, Unwahre, Undeutsche bleibe fern von ihnen. Rie finde diesen Weg der Ehre das ehrlose Untergraben der Einigkeit der Völker, das Rütteln an dem Frieden der Konfession und der Stände. - Der Geist, der diese Tore baut, ist derselbe, der vor neunundzwanzig Jahren unsere Ketten brach, die Schmach des Vaterlandes, die Entsremdung dieses Ufers wandte."
Was der Leiter dieser Ausstellung in sich in geometrischer Progression weitender Dispositions- iraft mit einem Stab von aufopfernden und begeisterten Genossen unb Kollegen hier geschaffen hat. das wird der vielfältigsten geschichtlichen Betrachtung dienen, den größten Ratzen dürfte wiederum die kunst historische Wissenschaft ziehen. Die westlichen Hochschulen, voran die drei Universitäten, die ältere in Bonn, die beiden jüngern in Köln unb Frankfurt, die eine lühne und geniale, in die Ferne blickende städtische Politik als stärkste Zeugnisse munizipaler Kraft unb patrizischer Fürsorge hat erstehen lassen, sind vielleicht die am unmittelbarsten Beschenkten — und wenn der nun leider schon älteste Vertreter der Kunstwissenschaft in den Rheinlanden heute hier sprechen darf, darf er diesem Dank auch im Rainen der gesamten historischen Wissenschaften unb der kunstgeschichtlichen Studien in ganz Deutschland mit einer ehrerbietigen Verneigung gegen die Väter. Schutzherren und Patrone dieser Ausstellung Ausdruck geben. Daß dieses unvergleichlichste Material an Abgüssen, Modellen. Abbildungen Plänen, soweit es eigens angefertigt ist. nicht wieder zerstreut werde, daß daraus in Weiterbildung des schon Bestehenden etwas wie
der Grundstock eines großen historischen Museums werde, das nicht für Köln nur. sondern für das weitere Rheinland diese Urtunben zusammenhalte. das ist ein Wunsch, der nun von Tausenden während der Dauer dieser Schaustellung geäußert werden wird. Dies Museum der Zukunft sollte die Aufgabe übernehmen, bic der vor uns sich öffnenden großen Schau zugefallen. —_ unser Rheinland, gesegnetstes unb reichstes Stück des deutschen Bodens, voll von geheimnisvollen Kräf° ten und ungehobelten Schätzen, unferm Herzen noch teurer zu machen, die Fremden eine neue ehrfürchtige Liebe zu diesem Land zu lehren.
Einer der Väter der Ausstellung, dem vor allen Dingen die musterhafte Schau rheinischer Wirtschaft zu danken ist,
Professor Dr. Kuske, Köln
führte bann u. a. folgendes aus
3n der Ausstellung, bic wir heute eröffnen, haben wir auch versucht, die Entwicklung der staatlich en und provinziellen Verwaltung der Städte, des wirtsch oft- liehen und des sozial en Lebens zu veranschaulichen, aus der Erwägung, daß das Rheinland auch auf diesem Gebiet innerhalb des deutschen Kullurkörpers immer von besonderer Bedeutung gewesen ist. In der preußischen Rheinprovinz hat die staatliche Verwaltung vor allem nachhaltig fördernd gewirkt, seitdem der
Mnnaljme von anjeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorbei ahne jedeVerbindlichkeit
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlichB, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne Klame-Anzeigenv 7vn ' 'Breite 35 d\lbpfcnniq. Plahvorschrifv20° schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange, für den übrigen Teil Emst Diumschein; für ben Anzeigenteil : Hans Beck, sämtlich in Gießen
cingelabcn hatte.
Unter den Ehrengästen bemerkte man u Reichskanzler Dr. Luther, Reichsaußcnmimstcr Dr. S t r e f e m a n n unb den Minister für die bc setzten Gebiete Dr. F r e n t c n , von der preußischen Staatsregierung den Ministerpräsidenten Braun unb den önnnenminifter 6c oc ring, ben baijr rischen Ministerpräsibcnten Dr. Held, ben babifdjen Staatspräfibcnten Dr. H e 11 p a ch, ben hessischen Staatspräsidenten Ulrich, ben Dbcrpräfibcnten ber Rheinprooinz Dr. Fuch s, Lanbcshauptmann Dr. Norton, ben bayerischen Gesanbten in Berlin Dr. v. P reger, ben Reichspressechr; Minifterialbirell tor Dr. Kiep, Oberbürgermeister Dr. Farren Duisburg, Geheimrat 5t a n f f m a n n als Vorsitzen der bes Reichsverbanbes ber Rheinlcinber, ferner bic Herren Krupp v. Bohlen-Halbach, Geheim rat Hagen, Geheimrat Duisberg unb Kammer zienrat Reoen - Du Mont.
Oberbürgermeister Dr. Abenaucr hieß bic anwesenben Ehrengäste unb alle Erschienenen aus bas herzlichste willkomemn. unb gab ber Hoffnum- Ausbruck, baß bie Anregung ber Schaffung eine-: rheinischen Museums, bas bie Kulturwertc ber heute eröffneten Ausstellung zusammensaßt, Ber wirklichung finbe, unb baß bieser Gedanke die 11 n terftüljung ber Reichs- unb Staatsregierung unk weitester Streife ber Bevölkerung finben möge. Die ses Museum solle eine stci n b i ge Mahnung zur Einigkeit sein. Diese Eimgkeik im rhei Nischen Volke unb darüber hinaus ini deutsche! Volke erhalten unb sie wachsen zu sehen, ist bei herzlichste und bringenbe Wunsch gerabe bes besetzten Gebiets. Zu bieser E i n i g f e i t im 3 n n c r r möge sich bann hinzugefellen Recht unb Frei heil nach außen, bamit bas Wort unserer Na tionall)ymne wahr wirb: Einigkeit unb Recht unt Freiheit!
Hierauf ergriff
der preußische Ministerpräsident Braun das Wort. Er führte u. a. aus: Der Rhein- ström ist für jeden Deutschen, überall wo die deutsche Zunge Hingt, der Inbegriff des Deutsch- entgegenbringt. Die Rheinlande haben so vie deutscher Geschichte.
Als Leiter der preußischen Staatsgeschäftc darf ich heute hier den Wünschen des pveußischÄ Volkes Ausdruck geben und mich zum Dolmetscher der Gefühle machen, die jeder Preuße, der feint Geschichte und Kultur kennt, dem Rheinlandc tums, deutscher Wirtschaft, deutscher Kunst uni Freud und Leid mit den Preußen des Rordeik und Ostens gemeinsam getragen, daß die Einhei: im engeren staallichen Rahmen neben der in weiteren des neuen Deutschen Reichs entstände! ist Die Festigkeit dieser Einheit hat sich in l . schweren Zähren, die hinter uns liegen, und । den ernsten Tagen, in denen wir noch leb' immer wieder bewährt Die Rheinlande uni das preußische und deutsche Volk überhaupt habe in diesen Zähren die Feuerprobe bestanden.
Man hat oft genug die Rheinlandc glauben machen wollen, daß ihr Heil in der Abkehr von preußischen Staat und vom deuts^n Einhei - gedanken läge. Die Rheinländer, die aus ihre Geschichte und auS den alten deutschen 3rrunger und Wirrungen der Bruderkämpfe g lernt haben haben durch die letzten Schicksalsschlüge in ihren Deutschtum noch gefestigter all diesen Sirenenrufen kühl bis ans Herz hinan gegenüber gestanden. Möge bald die Zeit, wo fremde De-
Taufend Jahre Rheinland.
Rheinlande in Köln
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Staat dieses Land in sich zu einer wirtschaftlichen Lebenseinheit zusammenfahtc und cs zugleich organisatorisch mit sich und dadurch mit dem ganzen Deutschland enger als je verband. Das neue Retch hat diese Verbindung in großem Stile und für den ganzen Rhein bestärkt. Dem rheinischen Volke ist ein starker Zug zu den städtischen Lebensformen eigen. Ein Drittel der deutschen Großstädte liegt am Rhein. Daher zeigen wir mit Rachdruck d i e Ges chichte dieser Städte und die Auswirkungen ihrer kommunalpolitischen Gedanken in der wirtschaftlichen Abteilung. Die rheinische Wirtschaft wird innerhalb der deutschen Volkswirtschaft stets betont durch ihre qualitativen und quantitativen Leistungen. Die Rheinländer ragen hervor durch ihren produktiven und technischen Geist. Die rheinische Landwirtschaft war immer rege in der Entwicklung neuer Erzeugungsziele. Die Industrie leistet fast auf allen Gebieten mehr, als der Durchschnitt in ganz Deutschland aufweist. Eigentümlich war ihrer Volkswirtschaft stets der Zug zu den größeren Formen, zu den Massenleistungen in der Erzeugung.
Jin Westen nahmen zahlreiche Organisationen bei Arbeitern. Handwerk und Unternehmern ihren Ausgang mit einer für die preußische und die deutsche Entwicklung oft sehr maßgebenden, dauernden Einwirkung. Wir haben den Versuch gemacht, dieses reiche wirtschaftliche und soztalc Leben auf dieser Ausstellung finnenfällig vor- zuführen. Die Art ihrer Entstehung soll auch eine Mahnung und ein Symbol sein. Wie die wirtschaftliche Abteilung durch die Zusanr- menar&cit aller Parteien und Richtungen zusammengekommen sei, so möge auch hiervon eine dauernde Stärkung der Einsicht sich ergeben, daß unser Volk gedeihen und wieder zu Leistungen kommen werde, wenn es die ilebertrei- hungert des Parteigeistes ablehnc, das G e - metnfame hervorkehre und sich über die Unterschiede erhebe.
Darauf überbrachte die Grüße der Reichsregierung und der deutschen Länder
Reichskanzler Dr. Luther:
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bringe Ihnen die herzlichsten Wünsche für die Ausstellung, die heule eröffnet wird. Ich darf sprechen namens des Herrn Rei ch s Präsidenten (Minutenlanger lebhafter Beifall und Händeklatschen), der mich besonders beauftragt hat, seine aufrichtigen.Wünsche zu überbringen, und ich darf sprechen nicht nur namens der Reichsregicrung, sondern auch namens der Länder regierun gen, die zum Rhein gehören. Als die Reichsregierung ihre Aufmerksam' leit den im Entstehen begriffenen Veranstaltungen dieses Iahrcs am Rhein zuwandte. da durfte erwartet werden, daß die Eröffnung der Ausstellung hier in Köln in Gemäßheit der Bestimmungen des Vertrages von Versailles a u s einem von fremder Besatzung freien Boden erfolgen würde. Sie wissen, daß diese Erwartung enttäuscht worden ist. Es muh immer und immer wieder ausgesprochen werden, daß das deutsche Doll einen berechtigten Anspruch darauf hat, daß die erste Rheinlandzone den Vertragsbestimmungen entsprechend g c- räumt wird, (ileberaud lebhafter Beifall und Zurufe: Sehr richtig!) Aber bis 5um heutigen Sage sind wir noch immer nicht einmal in Kenntnis der Beanstandungen, die gegen Deutschland erhoben werden, um die Richträumung zu begründen. (Hört! Hort!« Wir müssen dies feststellen voll tiefer Bitterkeit, zumal am heutigen Tage, wo hier ein Werk eröffnet wird, das bestimmt ist. dem Frieden im besten Wort- sinne zu dienen. (Bravo!)
Denn, wie kann man wohl besser dem Frieden bienen, als wenn man ben inneren Wert eines Volkes dadurch ste'gert, daß man ihm die Lebendigkeit seiner Kultur, daS Werden seines Volkstums vor Augen hält? Solches aber ist der Zweck der Ausstellung, und der Zweck dieser Ausstellung ist auch, mitzuarbeiten am W ederaufbau des deutschen
Vaterlandes.
Ein Wiederaufbau ist ja doch nicht möglich, wenn nicht auch die seelischen. die inneren Werte eines Volkes wiederum gesteigert werden. Der Mensch ist ja doch keine Produkt lonsmaschine. Rur wenn der Anschluß gefunden ist an die großen Werte, die jedes Volk sich in seiner Geschichte erarbeitet hat. wenn ber Anschluß gefunden ist an das. was lebendig ist in Religion. Kunst und Kultur, wird auch die Grundlage gegeben sein für dauerhaftes und fegen bringendes wirtschaftliches Schaffen.
Was in sozialem Sinne das Rheinland, der rheinische Anteil am deutschen Volke für ganz Deutschland bedeutet, ist aus beredtem Munde direkter schon geschildert worden. Ich möchte nur hinzusügcn daß vom übrigen Deutschland aus die Gefühle und Gedanken sich immer zum Rhein wenden. Wenn wir davon sprechen, daß der Rhein ein deutscher Strom ist. daß der Rhein der deutsche Strom ist, so meinen wir damit nicht nur die geographische Tatsache, daß der Rheinstrvm in seinem wichtigsten Teil durch Deutschland flieht sondern wir meinen mehr Auch die anderen Deutsche. die in den Stromgebieten Ser Elbe und der sonstigen norddeutschen großen Ströme, auch die Deutschen, die im Stromgebiet der Donau wohnen, fie
alle empfinden den Rhein auch als ihren Strom, denn
die Geschichte der Rheinlande ist ein so starkes Glied im ganzen Werden Deutschlands, daß ganz Deutschland ein Recht hat
auf den Rhein!
(Bravo!) Dabei steht im Vordergrund des (Impfin- de ns das Wissen von rheinischer Kultur in Geschuhte unb Gegenwart, von rheinischer Kunst. Aber immer mehr setzt sich auch bas Wissen unb bie Erkenntnis in ganz Deutschlonb burch, baß bie wirtschaftliche Entwicklung ber Gegenwart eine ihrer fruchtbarsten Stätten gerabe im Rheinlanb hat, unb baß bas Wort vom Abel ber Arbeit, bas heute hier gesprochen würbe, gerabe auch iinRheinlanbe im stärksten Maße zur Verwirklichung brängt. Das Rheinland, bas bas neue wirtschaftliche Werben schafft, bas Rheinlanb, bas uns immer vor bie neuen sozialen Probleme stellt, bie wir losen müssen, um unseres Volkes willen, bas ist ja auch bas Rheinlanb, bem ich persönlich aus meiner Tätigkeit als Essener Oberbürgermeister so eng oerbunben bin. Das ist ja ber Zusammenhang, ans bem heraus ich wieder gern sage, daß das Rheinland meine zweite Heimat ift. (Bravo!)
Wenn ich so zurückdenke an bie trotz aller Schwere ber Zeit so glücklichen Jahre, die ich in bei Rheinlanben verbracht habe, bann fällt mir immc: mieber ein bies wundervolle Grnßwort, mit bc ber Bergmann sich grüßt, bieses Glückauf Wort, bas zugerufen wirb, nachbem er hincinfäh-t in bic Erbe, an bic Arbeitsstätte, unb bas besagen will, nun kommt glücklich mieber herauf ans Tages licht! Dies ist ja auch ber Weg unseres Volkes. Wir streben empor zum Tage, zum jungen Tage unb ber Arbeit. In ber Entwicklung unsere Volles im Wieberaufbau, im Dienste bes große., unb wahren Friebens, bieser Arbeit rufe auch ich Ihnen zu: Glückauf!
Bieberaus lebhafter Beifall und lang- anhaltendes Händeklatschen dankten dem Reich .- kanzler für seine herzlichen Worte. Mit bem Iubelchor aus dem „Messias" fand der eindrucks - volle Festakt sein Ende Am Rachmittag würd' dann die Ausstellung für das Publikum geöffnet Den Abschluß der offiziellen Feierlichkeiten bildete ein
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