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können, wenn eine moderne Pädagogik ihnenalle die Lichter angesteckt hatte, deren Flammen man siüher erstickte". Es ist gewiß auch nur Zufall, wenn Gymnasialdirektoren erklären, daß sie mit den aus einklassigen Schulen kommenden Schülern am zu­friedensten wären, weil, wie ich wohl irrtümlich- dachte, dort keine Zeit bleibt, alle die Methoden durchzuprobieren. So will ich mir denn auch in dieser Sache selbst kein Urteil erlauben, sondern Männer der Schule reden lassen.

Da klagt einer imSchulboten" über die allein seligmachende Methode:Aber noch größer ist das Meer von Tränen, das bei praktischer Erprobung aus unschuldigen Kinderaugen kommt. Einige sind Meister geworden, aber viele haben vor lauter Reden über die Arbeitsschule den Weg zur prak­tischen Arbeit aus dem Auge verloren. Die päda­gogische Not io vieler wächst in das Riesengroße. Die alte Lernschule ist vergangen, ja, man schämt sich ihrer, und das Neue ist noch gar zu nebelhaft. Und in diesem Nebel fühlt der haltlose mit der Stange der Hilflosigkeit umher, läßt sich hin und her ins Uferlose z-ehen, indes das Irrlicht seiner neuen Me­thode ihn narrt und äfft," um dann schließlich fest­zustellen, daß zur Durchführung dieser neuen Me­thode die praktische Vorbildung fehle.

Und ein anderer älterer Herr klagt in einer Nummer des Herausgebers für Schule und Haus (Christliches Haus):Wie die gewordene und die werdende Generation mit breitfohligen Stiefeln kühn und verächtlich das 'Alte zertritt. Der Volks- mund hat das Urteil gesprochen über den Vogel, der sein eigen Nest beschmutzt. Woher hat der junge Mensch das Recht und die Vermessenheit, unseren Unterricht, der in der Unterrichtserfahrung eines Menschenalters begründet ist, zu tierv.rteilen?"

So rede nicht ich, sondern ein alter Schulmann, von. dem ich mich habe so ein klein wenig belehren lassen. Und da dachte ich, wenn also heute unsere Jugend auch alles besser weiß, es könne ein klein wenig damit Zusammenhängen. (Mangelnde Ehr­furcht!)

Wir Eltern möchten nicht, daß man unsere Kin­der dem Götzenbilde einer allein seligmachenden Me thode opfert (zum Glück fehlt es ja hier auch nicht an einsichtigen Lehrern) und möchten noch viel weni­ger, daß man sie dem Idol einer alles nivellierenden Staatsreligion zum Opfer bringe, hat doch das Mi­nisterium für Schulbildung in Hessen z. B. vor eini­ger Zeit wieder durch eine besondere Verordnung feine Geringwertung der Religion zum Ausdruck gebracht, daß an den höheren Schulen schlechte Noten in Religion bei Festsetzung der Gesamtnote nicht mehr in Anrechnung kommen dürfen. Wieviel mehr Verständnis hat demgegenüber eine Dresdner Mei- Herinnung gezeigt, die beschlossen hat, junge Men­schen, die nicht konfirmiert sind, überhaupt nicht mehr als Lehrlinge einzustellen!

Ist es nicht geradezu eine selbstverständliche For derung, wenn wir ev. Eltern verlangen, daß unsere Kinder, die Gott uns anoertraut hat, für die wir sorgen müssen, auch von ev. Lehrern in ev. Schulen im ev. Geiste erzogen werden? Ja, ist es nicht ein trauriges Zeichen der Zeit, daß Eltern, die im sog. freien Volksstaate solche Forderung erheben, nachdem man doch so laut die Trennung von Kirche und Staat in die Welt hineingeschrien hat, sich gefallen lassen müssen, daß man sie von allen Seiten mit Schmutz bewirft, genau so wie den, der noch vor Jahren das Wort Vaterland gebrauchte oder das Deuisch- landlied sang? Und wenn Sie selber, Fräulein Wel­ter, in diesem Zulamemuhange Worte gebrauchen wie.Pharisäerhochmut", Hochmut und Verachtung säen",böses Wollen unterschieben",lieblos von anderen denken", vonHaß und Gewalttätigkeit" l reden, ja auch vonBlut fließen" schreiben und dabei doch immerfort die Worte vonhöchster Liebe und * Duldung" im Munde führen, wie mag es da sonst aussehen? Ist ev wirklich die Preisgabe der Kinder, durch die man feine Duldung erweisen soll?

Ist es denn nicht gerade unerhört, wenn man u n s nachjagt, w i r wollten die Kinder schon in frühester Jugend voneinander reißen, während doch gerade die 'Anhänger der Simultanschule es tun9 Zedes Kind weiß doch, auseinanderreißen kann man nur, was vorher zusammen war. Wenn aber die ".Kinder, die vorher schon zusammen waren, mit ihren Eltern ins Gotteshaus gingen, dann auch zusammen zlir Schule gehen, was sie doch als etwas ganz Selbstverständliches hinneymen, wie kann da oon einem Auseinanderreißen und Schasseneiner krassen Kluft in frühester Jugend" die Rede fein? Auseinander reißt man aber die Kinder da, wo man vor jeder Religionsstunde, bald die einen, bald die anderen fortschackt und die Kinder sich immer wieder

Franziska.

Roman von Liesbet Dill.

22 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Er stieß alles um, was festgestanden.Aber bas ist immer so gewesen", wehrten sich die alt- gewordenen Musiker empört.M g es meinet­wegen so alt sein wie die Welt," erwiderte der neue Dirigent,weil es alt ist, ist es darum doch nicht besser"

Immer auf den Taktstock schauen", hatte Wohlgemuth Frgnziska eingeprägt, und sein Rus: Slott, schauen Sie doch her!" der ihr immer wieder dazwischen flog, lebte noch in ihr, als Mariot kam. Bei der ersten Prede derKönigs­tochter" war sie bemüht, sich vor diesem nervösen Dirigenten keine Blößen zu grbm, und sie folate wie gebinnt seinem Taktieren.Was sehen Sie denn immer herunter auf das Pult," rief Mariot ihr zu,was gibt denn das dem Publikum für ein Bild! Sie können doch nicht spielen und dabei mich anschauen! Mit dem Ohr hören müssen Sie, nicht mit dem Auge!'

In dem Hoftheater wurde jetzt mit einer -Intensität und Schnelligkeit gearb itet. wie kaum an einem auätixrtigzm gleichrangigen Theater. Daß man zehn Stunden lang Dienst hatte, ge­hörte zu den gewöhnlichen Anforderungen, von den Leistungen des t-ech üschrn Personal; wurde etw.s geradezu Gewaltiges verlangt. Die Vo- lontär- und Anfängerwirtsch V, von der selbst «ein Hoftheater nicht verschont bleibt, das Heraus- b ingen einer Erstaufführung mit einer Arran- gierprvbe und zwei bis höchstens vier Stück- P-cben war gang und gäbe unter Wvhlgemuth. Wenn nur die erforderliche Zahl der Opern herausgebracht werden konnte

Mariot kam mit einem festen Programm, und danach handelte er.3m zweiten Jahr sind Sie alle eingeübt, bann geht alles von selbst," erwiderte er auf die Klagen der an­gestrengten Sängerinnen.Sie holen jetzt nur nach Stätten Sie vorher üb rrhaupt gearbeitet, brauchten Sie sich jetzt nicht anzustrengen. Ar­beiten müssen wir ab'e.

Die verstaubten alten Mozartopern wurden Gesäubert, geordnet, und zierlich ahgerunbet er-

auf» neue fragen müssen, worum darf ich nicht dabei sein? Sind die anderen etwas anderes als ich?

Um solche Riste zu heilen, wird freilich der große Vorrat von Liebe und Duldung nötig sein, den Sie aufzubringen fordern, den Sie aber an anderer Stelle wohl nützlicher anbringen könnten.

Erweisen Sie vor allen Dingen unseren Kindern die große Liebe, sie aue dem kraftvollen Wurzel­boden ihrer Konfession emporwachsen zu lasten zu gottesfürchtigen Menschen, die jederzeit bereit sind, den anderen als helfende Brüder die Hand zu reichen. Aber denken Sie nicht, daß Sie Ihnen Liebe erweisen, wenn Sie, dem Idol eines Standes ober einer Methode folgend, in ihrem religiösen Wurzel­boden die starken und zarten Wurzeln kappen, so daß der Dlensch wurzellos und haltlos wird.

Damit wären wir von unserem Spaziergang, zu dem Sie mich freundlichst eingeladen, wieder zum Anfangspunkt zurückgekehrt, und ich grüße Sie in aller Hochachtung

Ihr sehr ergebener

A. W e ck.

O'oerhessen.

Sd) isifparkajifen.

Man schreibt uns vom Lande: Der vor einigen Monaten von Seiten der Kreisschulämter ange­regten Gründuna von Schulsparkassen wirb nicht allerorts Die nötige Beachtung geschenkt. Sie bezwecken ungefähr dasselbe wie die sog. Pfennigsparkassen, die vor dein Kriege an vielen Orten, und namentlich auch in zahlreichen Vogels- bcrggemeinben, bestanden und äußerst segensreich wirkten. Durch wöchentliche, regelmäßige Einlagen non kleinen und kleinsten Geldbeträgen (5 und 10 Pf.), deren Entziehung sich in der laufenden Lebensführung sogar bei größerer Kinderzahl wenig oder gar nicht bemerkbar machte, wurde er reicht, daß bei der Konfirmation eines Kindes, bei welcher Gelegenheit zumeist die Inanspruchnahme der Spargelder erfolgte, auf dessen Sparkonto so­viel Geld vorhanden war, daß damit leicht die er­forderlichen Ausgaben für Kleider usw. bestritten werden konnten, die sonst das Budget des Vaters arg ins Wanken gebracht hätten. Gar oft blieb nach Abhaltung der für diesen Zweck erforderlichen Summe noch ein schönes Stück Geld übrig, be­sonders dann, wenn im Laufe der 8 Schuljahre Onkel, Basen und Tanten bei festlichen Anlässen noch etwas dazugelegt hatten. Es muß zuaegeben werden, daß die Geldkalamität in unserer Zeit er­schreckend yroß ist, aber sie ist doch nicht so groß, daß sich nicht öfters, wenn auch nicht wöchentlich, kleine Geldbeträge für die ^chulsparkasse erübrigen ließen, deren Gesamtheit später den Kindern der Familie zugute kommen würden. Beteiligt Euch daher an den Schulsparkasten!

^trttvtrcis Gjcj;err.

s. Großeu-Linden, 16. Dez. In der letzten Zeit sind auf Der hiesigen Bahnstation eine größere Anzahl Waggons Steine aus- geladen worden. Es handelt sich um au- - gebeutetes Gleisbettungsmaterial, welches von feiten der Reichsbahnverwaltung an umliegende Gemeinden kostenlos abgegeben worden ist und von diesen zu Wegebauten verwendet wird. Die Tochter eines hiesigen Einwohners, die einige Zeit von zu Hause ab­wesend war, wurde von dem Hofhund ihres DaterS, den dieser in der Zwischenzeit angeschafft hatte, durch einen D i h derart schwer verletzt, daß sie sich in ärztlich« Behandlung begeben mußte.

h Lollar, 16. Dez. 3n dieser Woche ver­anstaltete der hi.stge Mädchenverein unter Mitwirkung einiger älterer Mädchen der Sonn­tagsschule an zwei Abenden im Saale der Klein­kinderschule eine A d v e n t s f e i e r, die großen Anklang fand und jedesmal überaus zahlr ich von Gemeindegliedern besucht war. Gut vorgetragene Advents- und Weihnachtslieder des Mädchen- chvres wechselten mit DeklamaKonen einiger Mäd­chen ab. Auf Der neuen Bühne des Vereins wurde eine ..Adventsfeier" (6 Mädchen) und Zwergrönigs Heinckshr" (14 Mädchen) sehr ge­wannt dargestelli. Einige lebende Bilder (heilige Rächt usw.) machten den wirkungsvollen Schluß. Die Leitung und mühevoll? Vorbereitung lag in den Händen der 6 üben hiesigen Schwestern, Die von der ßenrmn Fräulein Heberer dan­kenswerter Weise unterstützt wurden.

h. Dau bringen. 16. Dez. Trotz ungün­stigen Geschäftsganges hatte die Firma Scheid­

schienen sie, entzückend, neu und jung. Mariot bZtand energisch auf angemessener Ausstattung. Man gab feinen neuenWaffenschmied" nach Wiesb dener Muster, einenLohengrin" nach Bayreuther Vorbild mit halbvergessenen Pointen. Reu und heiter stiegen die alten Operetten wie­der aus ihrem Staub hervor. Die alten lang­weiligen Opern b.'l'.bten sich unter seinem Tält­st ock. Man war seit zwanzig Jahren gewohnt, die Iphigenie von Der Alf31) zu sehen, die, immer noch stattlich, aber mit bereits sch'.rf gewordener Stimme die Trepven zum Tempel erstieg: der­selbe Siegfried schwang feit zehn Jahren uner­müdlich Den Bl s.balg, obwohl er klein und fett geworden war, und dieselbe Ebenhausensche Car­men lief mit der Relle in dem Mund dieselbe Treppe herunter, in demselben gelben Kleid mit schwarzem Samtgitter und Spitzen, das die Son- ner berget nun schon auswendig konnten.

Mariot geriet in einen Kamps mit Dem Regisseur, der unter Wohlgemut alt und grau geworden war,und fett", fügte Mariot hohn­lächelnd hinzu. Er selbst war schlank, sehnig und muskulös, man traute diesen feinen mageren Händen gewiß nicht soviel Kraft zu, wie sie besaßen. Er war ein vorzüglicher Fechter, ging auf die Jagd und w ir als guter Schütze bekannt. Gr bestand auf der Ausführung feiner Ideen. .Das Dämonisch e äußett sich in einer durchaus positiven T itkraft", seufzte der S e ihansb^rger. Arb.iten, arbeiten war die neue Losung.

Rur Fräulein Rott macht eine rühmliche Ausnahme darin. Denn sie strengt sich auch jetzt nicht an", sagte MariotJa, ja, Fräulein Rott, Tätigkeit unterscheidet und e.h bt uns über das Pf! a'z'irreich, Müßiggang bringt uns ihm näher, hat Friedrich Der Große, glaub ich, einmal ge­sagt." Lind er lächelte spöttisch über Die Helle Zornesröte, Die ihr über das Gesicht schoß.

Franziska wusch sich in ihrer Garderobe die Tränen vor dem Spiegel ab. Es umgab Mariot etwas ilneriläriidjeS, Unaufgeklärtes, äTnheimlich es, das ihn den Frauen anziehend und unwiderstehlich machte.

Der Intendant ließ ihn walten. Als Tristan zum erstenmal unter ihm aufgeführt wurde, ließ er als Gast eine Isolde aus Frankfurt kommen. Von da an erkrankte die Llssky wirklich ..

Hauer < Giehing da« soziale Verstündnis, unserer Kleinkinderschule» eine Unter» stühung von 100 Mk. zu bewilligen. Diese Spende ist unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen hochwillkommen. Die Firma darf des Dankes und der Anerkennung unserer Ge­meinde gewiß sein.

: Beuern, 16. Dez. Rachdem in un­serem Dorfe fast zwei Monate die Masern gewütet hatten, geht die Epidemie jetzt ihrem Ende entgegen. Fast alle jüngeren Kinder, mit nur vereinzelten Ausnahmen, waren davon befallen, sind aber alle wieder gesund geworden, ohne daß die Krancheit üble Folgen hinter­lassen hat. Der Schulbetrieb in der Unterklasse der hiesigen Volksschule konnte am letzten Mon­tag wieder aufgenommen werden. Seit einigen Tagen kann man an unserem Krebsbach, einem raschfließenden, nicht zugefrorenen Rebenslühchen Der Wieseck, einen Der färbet ^prächtigsten unserer heimischen Vögel beobachten. Vs ist der in un° ferer Gegend so selten gewordene Eisvogel. An feinem Rücken wiegt ein metallisch schimmern­des Blau und an Der Bauchseite ein leiben» gläirzendes Rot vor. Kinn und Kehle sind weiß und die Füße ziegelrot gefärbt: der Schna­bel ist schwarz. Trotz seines Schadens, der Vogel nährt sich hauptsächlich von Fischen und Krebsen, sollte man ihn schonen, Damit er nicht ganz aus dem Landschaftsbild verschwindet. Gar nicht zu Gesicht bekommt man in diesem Winter in unserer Gegend die Haubenlerchen, die doch in früheren Jahren immer während des Winters die Ortschaften aufsuchten. Ob diese Erfahrung auch in anderen Gegenden gemacht wird, müßte einmal beobachtet werden.

Grünberg, 15. Dez. Gestern nachmittag unb abend sprach in der Turnhalle Der Chefarzt Dr. Sell über die Bekampfung der Tu­berkulose. An dem Rachmittagsvortrag für die Jugend beteiligten sich die hiesigen und zahl­reiche Schulen der Ämgegend. In der Abend­veranstaltung begrüßte Bürgermeister I ö ck e l den Vortragenden im Ramen Der Stadt. Die Vortrage fanden sehr lebhaftes Interesse, dem Redner wurde herzlicher Dank zum Ausdruck ge­bracht. In der heutigen Gemein derats» s i tz u n g wurde die Hundesteuer für 1926 dem Vorjahre entsprechend belassen, und zwar für den ersten Hund 10 Marl, für einen zweiten 20 Mark, für einen Dritten 30 Mark, zahlbar halb­jährlich. Dem Seuchengesetz entsprechLird wurden zwei Viehschätzer ernannt, und zwar Hch. Bausch und Äug. Frank, als Stellvertreter Janes und Albert Frank. Verschiedene An­gelegenheiten wurden zurückgestellt, andere kleine Vorlagen wurden antragsgemäß erledigt.

l. Hungen, 15. Dez. Im gutbefehten Saale des Gasthauses zur Traube dahier hielt heute Der leitende Arzt Der Eteonoren-Heilstätte zu Winterkasten i. O. Dr. Seil einen überaus inte­ressanten und lehrreichen Vortrag über die Tu­be r k u l o s e und ihre Bekämpfung. Rach einleitenden Worten des Bürgermeisters Fendt, zeigte der Vortragende an Hand von Lichtbildern unb gestützt auf eine reiche Erfahrung Die den Menschen aus der Tuberkulose entstehenden Ge­fahren. Troy der Länge des Vortrages, Der nahezu Drei Stunden Dauerte, zeigte sich bei Zu­hörern Seine Müdigkeit, Da Die Ausführungen außerordentlich anregend waren, was auch der am Schlüsse gezollte Beifall bewies.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 16. Dez. ($1L) Der heutige Weihnachtsmarkt zeigte im allgemeinen ein den jetzigen schweren Zeitverhältnisfen entspre­chend befriedigendes Bild. Der Auftrieb des SchweinemarkleS war sehr reichhaltig, und erfreulicherweise gingen auch die Kaufgeschäfte gut. Die Preise hielten sich in den bisherigen Grenzen: für geringe Ferkel wurden 25 Mark, für stärkere Tiere bis zu 35 Mark gefordert. Auf Dem Gemüse markt konnte man alles haben, außerdem das beliebte Weihnachtsgeflü­gel, wie Gänse ufw., wovon ziemlich gekauft wurde.

WSR. Friedberg, 16. Dez. Infolge eines R o h r b r u ch e s in Der Kaiserstraße entwickelten sich im Laufe des gestrigen Rachmittags derartige Wassermengen. daß am Abend die Keller von Drei Häusern unter Wasser stan­den und zur Behebung des Schadens Die Feuer­wehr alarmiert werden mußte. Rach mehr­stündiger Pumparbeit gelang es ihr, die immer noch ausströmenden Wassermengen zurückzudrän-

Der scharfe Doktor in Der Morgenzeitung gratulierte dem Theater dazu.

Äie sah man Mariot auf Der Straße mit einer Dame vom Theater, wenn er ausging, begleitete ihn seine Frau. Jedermann fühlte, daß sie diesem Mann unmöglich genügen konnte, ihre Reize waren Verb üht, ihr Geist klein.

Man sah es ihren blitzenden, dunklen Augen an, ihren hastigen, nervösen Bewegungen, daß sie eine jener Künstlerfrauen war, Die sehr jung geheiratet war, um Dann von Dem geliebten Mann zeitl bens betrogen zu werden.

Es gibt Männer und es gibt Frauen, Die zum Detrogenwrrden gebaren scheinen. Frau Mariot wurde von den Kolleginnen ange= schwärmt, es wäre leicht, mit dieser Frau zu verkehren, der man die Helle Röte des Ent­zückens über Die Wangen jagen tonnte mit einem Lob ihres M.nnes und auf die man eifersüchtig zu sein nicht nötig hatte.

So oft Mariot dirigierte, saß Die rotblonde kleine Baronin Latz in ihrer Eckloge, halb ver­steckt von dem seidenen Vorhang. Die Baronin hatte blaue Emailleaugen, ein Puppengesicht mit herrlichem, viel zu schwevem. goldblondem Haar. Die (Siegans ihrer Toiletten, ihres Schmuckes, ihrer Pelze, ihrer Fächer erregte die Aufmerksam­keit aller, und die junge Frau, welche mit klop­fendem Herzen in ihrer Lage sah, zernagt von Dem auf leimenden Zw if.l von Haß und Furcht, lieh keinen Blick von ihr. Sie stand Dem Hofe nahe und war von einem eifersüchtigen, noch jungen (Satten streng bewacht. Es war für alle interessant, zu beobachten, wie sich diese beiden Rivalinnen zueinander verhielten. Vorläufig sa­ßen sie voneinander abgewandt, und wenn sie sich unbeobachtet fühlten, maßen sie einander mit Blicken, und es war nicht schwer zu er­töten, Daß hier Der Auftakt zu einer Tragödie begann. w

Roch im Rovembe sollte die neue Oper Königstochter" b?r uZg bracht we den. Das waren Pr den, so etwatz bitte das alte Theater noch nicht erlebt, an Verwünschungen, an zor­nigen ülnterbrechungen der Künstler, die Sänger waren alle heiser, der Chor war halskranl, die Sängerinnen erschiene.i nur noch in Pelzen unb benutzten jede freie Minute, um Hustenbonbons

gen. Die Arbeit wurde besonders erschwert, weit es längere Zeit unmöglich war, die ge­brochene Rohrstelle zu entdecken. Der Rohr­bruch dürfte auf Den plötzlichen Temperaturwechsel zurückzusühren sein.

i Steinfurth, 16. Dez. Daß alte, zum Teil bohle Bäume wahre Schädlingsherde sind, zeigte sich bei einem alten Apfelbaum, der in unserer Gemarkung gefällt wurde. Es wäre inter- essant gewesen, wenn ein Kenner die Namen der verschiedenen Insekten, Larven, Holzwürmer usw., die in dem hohlen Stamm in Menge winterlichen Schutz gesucht hatten, festgestellt hätte. Solche Baum­rlesen befinden sich noch einige in unserer Gemar- tung. Sie sollten, wenn nicht vom Besitzer, bann polizeilich entfernt werden, denn sie sind für die Eigentümer kein Nutzen, aber für alle Obstzüchter ein großer Schaden.

*** Gambach, 16. Dez. Am Sonntag ver­anstaltete der hiesige Geflügel- und Ka - ninchenzuchtverein im Saale Der Gast­wirtschaft Mohr seine diesjährige Lokalaus- stellung mit Prämiiert! ng^-Die Aus^ stellung war ziemlich gut beschickt, das Material konnte als vorzüglich bezeichnet werden. Cs zeigte sich, daß Der seit 1912 bestehende Verein mit seinen Zuchtleistungen auf der Höhe ist. Die Prä miterung Der Tiere lag in Den Händen Der Herren Mogk° Echzell für Geflügel und Stein­brecher- Darmstadt für Kaninchen. Zur Schau standen im ganzen 122 Hummern mit ca. 180 Tieren. Die einzelnen Klassen waren infolge dessen gut beschickt, unb zwar: Großgeflügel: 3 Rr. mit 3 Tieren, Dafür 1 Ehrenpreis' Geflügel 60 Rr. mit 102 Tieren, dafür 18 Ehrenpreise: Tauben: 23 Rr. mit 42 Tieren, 11 Ehreitpreise: Kaninchen: 36 Rr. mit 36 T.eren, Dafür 10 Ehren Preise. Bei dem Geflügel waren Die schwarzen und farbigen Whandottes, bei den Tauben die Hess. Kröpfer, bei Den Kaninchen Die Belg. Riesen am stärksten vertreten. Die Ehrenpreise waren teils von Den Mitgliedern gestiftet, teils durch Den Verein gekauft worden. Der Besuch der Ausstellung war nicht so stark wie in den Vor­jahren. Bäckermeister W. Metzger, Mit­glied des hiesigen Geflügel- und Kaninchenzucht­vereins, errang mit einer von ihm selbst heran- gezüchteten Belg. Riesen-Häsin am Sonntag a;tf der Geflügel- und Kaninchenausstellung des Hess. Landesverbandes in Heldenbergen die höchste Punktzahl und gewann Damit Den silbernen Ehrenpvkal.

Kreis Büdingen.

* Büdingen, 16. Dez. Die Geflügel- und Kaninchen-Ausstellung, die dieser Tage hier stattfand, war beschickt mit 133 Hüh­nern, Großgeflügel und Zwerghühnern, 160 Tau­ben und 36 Kaninchen. Die Vorbereitung und Durchführung Der Ausstellung mit Llnterstühung des Fürstlichen Hauses, Der hiesigen Behörden und Vereine war ausgezeichnet und fand all­gemeine Anerkennung.

WSR. Büdingen, 16. Dez. Der Abg. Dr. Keller hat im Hessischen Landtag an Dte Regierung eine Anfrage eingebracht, die sich mit Dem Auftreten des Messingkäfers in Büdingen beschäftigt und energische Maß­nahmen nach Art der gegen Den Koioradvkafer getroffenen Maßnahmen verlangt. Der Messing Rif er ist bekanntlich ein Insekt, das ähnlich wie die Termiten Baulichkeiten binnen gewisser Zett zum Einsturz bringen kann und deshalb sehr gefährlich ist. Wie wir s. Z. gemeldet haben, ist bas historische Schloß des Fürsten zu bürg-Büdingen in schlimmer Weise von dem In­sekt heimgesucht worden.

,7" Ridva, 16. Dez. Der von bet Zen­tralstelle für Volksbildung in Ver­bindung mit Dem Hess. Sängerbund ver­anstaltete zweitägige DirigentenkursuS imDarmstädter Hof" dah'.er vereinigte 27 Teil­nehmer, die sich zum größten Teil aus Lehrer- Dirigenten zusammensetzten. Der Kreisvertreter des Hess. Sängerbundes, Lehrer Storck zu Altenstadt eröffnete mit Gruhworten die Ta­gung. Schulrat H a s si ng er-Darmstadt, Der Leiter Der Zentralstelle, entbot Der Versammlung Gruß und Wunsch und verbreitete sich über Die Bedeutung des Ges angvereins- wesens in Gegenwart und Zukunft für Volk und Kulturleben. Das Deutsche Lied sei berufen, des Volkes Rotzeit überwinden zu helfen, wirt­schaftliche Gegensätze zu überbrücken und als starke aufbauenbe Macht an dem seelischen Wiederaufstieg unseres Volkes mstzuar beiten. Dom Hess. Sängerbund überbrachte Schatzmeister zu naschen... ob es kalt, ob es zugig war, ob's regnete, schneite, fror, die Proben fanden Punkt zehn statt, wer nicht zur Stelle war, wurde bestraft. Es regnete Strafgelder auf die verschlafenen kleinen Choristinnen, Die sich noch gar nicht an diese ungewohnte Pünktlichkeit ge­wöhnen konnten.

Der neue Intendant liebte Den Frieden, um Gottes willen keinen Skandal, war fein erstes Wort, wenn wieder eine entrüstete Sängerin auf sein Bureau gerauscht kam, um sich über Mariot zu beklagen. Er hörte zu, betrachtete seine schönen Rägel und versprach, Der An­gelegenheitauf Den Grund zu gehen". Unb Der Intendant wünschte Den Tag Der Premiere derKönigstochter" herbei, wie man wünscht, daß eine Lawine, die über uns hängt, endlich herc.bstürzen möge.

Der Autor, ein Kapellmeister von Der Rach- barresidenz, vom Herzog geschätzt, wollte kom^ men. Mariot hatte sich über das Werk noch nicht geäußert, oder er machte keinen Hehl daraus, daß es ihm wenig gefiel. Run, immer besser, einen Mariot zu hab.'n, als einen Kapellmeister, der sich nebrnher in kitzligen Opern versuchte und verlangte, daß diese mit großer Ausstattung aufgeführt wurden. Eine Ausstattung verlangte dieKönigstochter", daß man Dafür den ganzen Ring hätte neu ausstatten können, aber Der Her­zog sah es gern, wenn sein Kapellmeister auch anderwärts Triurnphe feierte.

Franziska erschien bleich, mit großen Schatten unter Den Augen, aber als eine Der ersten auf Der Bühne. Sie hatte jetzt so etwas Entschlos­senes, daß Mariot ihr zurief:Wenn Sie nur die Königstochter auffassen wollten, wie Sie jetzt dostehn. Dann würd' man Den Schmarren schon eher vertragen...Das, worauf es in Der Welt anfommt, ist, sich selbst zu übertreffen, fügte er hinzu, während er in Den Roten blätterte und sie dabei kurz auf ab. Wie sie diesen Men­schen haßte, der über sie hinwrgschaute. gleich­gültig, lalt. Eisig war die Luft, Die ihn um­gab. Am gefährlichsten aber tvar's, wenn Mariot höflich wurde, dann hatte er eine so infame, ge­lassene Art, einen zu kritisieren.

(Fortjetzung folgt.)

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