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SrieiXitSttxtikS von Locarno so weit zu gehen, wie sie ohne die Mitarbeit des Zentrums in der Parteikonstellation nie gegangen wären. Wenn sich ein Mann große Verdienste um die Republik erworben habe, so fei es Hinden­burg. der sich unter den schwarz-rot-goldenen Farben im deutschen Reichstag zur Republik bekannt habe. An dieser Auffassung ändere auch der Amstand nichts, daß die Deutschnatwnalen unverantwortlich aus der Regierung auSgebro-- chen seien.

Reichskanzler a. D. Dr. Wirth.

der von der Versammlung stürmisch begrüßt wurde, führte u. <l dann in der Aussprache aus:

Die Frage sei: Wer geht mit uns den Weg von Locarno? und die Antwort darauf: DaS republikanische Deutschland allein ist in der Lage, die Kräfte zu stellen, die eine Politik, wie die in Locarno begonnene und die des Völker­bundes ermöglichen. Das Zentrum habe immer den Primat der äußeren Politik in den Vorder­grund gestellt, aber man konnte doch nicht Auhen- positik. Steuern und Zölle voneinander trennen. Denn Zolle und Steuern seien ja nur die Ver­teilung der Lasten, d'.e wir außen­politisch übernommen hatten. Wer helfe die außenpolitische Linie zu gewinnen, die in den Völkerbund führe, müsse auch in nenpotitisch zur Verteilung der Lasten herangezogen werden. Dr. Wirth erklärte weiter: Die Kräfte zu einer Verständigung könnten niemals in einem reaktio­nären Deutschland, nur in einem politisch und sozial fortgeschrittenen Deutschland zu haben sein. Zn der Politik dürften wir jetzt nicht mehr eine passive Rolle spielen, jetzt gelte es, in die deutsche Gedankenwelt als Aktivum einzufügen, daß wir in den Völkerbund eintreten für die Wiederher­stellung von ganz Europa.

Die Strömungen, die im Zentrum um Geltung ringen, brauchten nicht zur Zerstörung des Zen° trums zu führen. Die Bewegung, die im Zentrum durch den Schritt des Redners in das Licht getreten fei, fei eine Bewegung der christlichen Republikaner und er werde ihr feine ganze Lebenskraft widmen. Es müsse die Möglichkeit gegeben fein, daß auch ein entschiedener Republikaner sich als solcher öffentlich bezeichnen dürfe. Es liege in der Hand des Zen- trums, ob die deutsche Republik ein antiklerikale Entwicklung nehme oder nicht.

In einer kurzen Erwiderung auf die Ausfüh­rungen Dr. Wirths bemerkte Dr. Marx, er habe zu der Rede Wirths zu bemerken, daß er darin grundsätzliche Unterschiede überhaupt nicht sehe. Klar fei ihm nur das eine nicht, warum Dr. Wirth eigentlich erst aus der Fraktion ausgetreten fei. Marx erklärte schließlich:Kommen Sie zurück in die Fraktion, dann wollen wir miteinander ringen, Wenn wir zwei uns die Hände reichen, bann wollen mir einmal sehen, wer uns unterliegt!"

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns erklärte zu der Frage Dr. Wirths:Welche Garantie seinerzeit von den Deutschnationalen verlangt worden sei,"Wir hatten die Garantie, daß sich das Kabinett über die Julinotedoll- ständig einig war und zwar nicht nur formell, sondern einig in dem ernsten Willen, auf dem Boden der Julinote auch etwas zustande zu bringen. Es konnte damals noch niemand'wissen, daß die Deutschnativnale Partei nachher von ihrer Delegi ertentagung desavou­iert werden würde. Dr. Wirth hat barm noch gefragt, ob die Partei bereit sei, die vepublikani- schen Kräfte für die Weiterführung des Werkes von Locarno zu verantwortungsvollen Mitarbei­ten heranzuziehen Ich antworte darauf mit einem rückhaltlosenJa!" Dr. Wirth hat dann weiter eine stärkere Festlegung der Partei und der Fraktion zur republikanischen Staatsform gefor­dert. Ich gehöre zu denen, die sich mit Klarheit und Festigkeit dazu bekennen, daß dieses Deutsch­land nur auf der republikanischen Verfassung auf­gebaut werden kann."

Der Deutschnationale Parteitag.

Berlin, 16. Roo. (TU.) In dem mit schwarz- weißroten Fahnen reichgeschmückten Festsaal des Kriegervereinshauses trat der deutschnationale Par­teitag unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung zusammen. Der große Saal war überfüllt. Mehr als 2000 Delegierte wurden gezählt. Hinter dem Lor- stanbstisch erhob sich inmitten grünen Lorbeers eine Kolostalbüste Bismarcks. Rach kurzen Begrüßungs­worten des Parteioorsitzenden D. Winkler er­griff der Reichstagsabgeordnete

Graf Westarp

das Wort zu dem HauptvortragDeutschnationale Außenpolitik". All unser nationales Wollen geht auf den Grundgedanken zurück, daß unser Vaterland und Volk kein heiliges, kein höheres politisches Ziel und keine dringendere Aufgabe habe als die B e f r e i- ung von Den Ketten des Versailler

Gießener Konzertvereln.

Das Amar-Quartett.

Die Stellungnahme zur Musik der Gegen­wart ist ein Problem, das jeden Hörenden angeht. Kunstschaffen und Leben stehen in engster Wech­selbeziehung zueinander: denn aus dem Welt- erleben heraus wird das Kunstwerk geboren, und diese Tatsache ist ein gewichtiger Faktor für die Wahrheit des Werkes. Der individuelle Fall des Erbebens erhält vom Künstler seine For» mung, so daß der Form stets der Einzelfall rnnew hat, und daß anderrrseits in dem Einzel- erlebniä durch die Gestaltung des Künstlers ein ideales Moment mitschwingt.

Damit wäre das moderne Kunstwnck eine Vergeistigung unseres Weltbildes, und das mo­derne Werk würde uns also am zugänglichsten sein, sofern wir glauben, diesem Welterleben nahezustehen

Dem aber treten Hindernisse entgegen. Der Künstler erlebt stärker, er ist leichter und tiefer erregbar, er steht dem Erlebnis unmittelbarer gegenüber, indem alles Welterleben In den Re­flex seiner Persönlichkeit tritt; seine künstlerische Welt und die reale Welt durchdringen einander, während wir meistens einen objektiveren Stand­punkt einnehmen.

Zudem ist der Schaffende in seinem inten­siveren persönlichen Erleben seinen Mitmenschen nicht ohne weiteres zugänglich, da er oft neue Dwcft ellwigsmittel wählt, die gerade seinem per­sönlichen Fall entsprechen, aber uns zunächst un­gewohnt erscheinen und daher nicht sogleich ver­ständlich sind, sondern eilte gewisse Zeit der Mitarbeit seitens des Hörenden erfordern, und so scheint eS, daß der Künstler seiner Zeit mit seiner Ausdrucksweise vorauSeilt.

Oder sollen wir als die Hörenden vom Künstler verlangen, daß er sich der Mittel bedient,

Vertrages. Das ist bis heute die Richtschnur unseres Handelns gewesen. Wenn jetzt aus Millio­nen unserer Wähler, aus einer kraftvollen vater­ländischen Bewegung, auch aus breiten Massen an» Derer Parteien heraus mit steigender Stärke ein nationaler Wille zur Freiheit und Ehre uns ent» gegentönt und Einfluß auf unsere politischen Ent­schlüsse beansprucht, so können wir Darin stolz ein Echo Dessen erkennen, was wir selbst Durch Wort unD Tat verkiinDet haben."

In entschlossener Opposition mußten wir bis zum Ende deS vorigen Jahres die Arbeit leisten. Der Verantwortung bewußt, sind wir in die Regierung eingetreten. Auch als Re - gierungspartei haben wir unser außen­politisches Ziel stets festgehalten. Bei dem ohne Beteiligung des Kabinetts gemachteit Angebot Stresemanns vom 9. Februar 1925 war der frei­willige Verzicht auf deutsches Land und in un­bestimmten Ausdrücken ein System den Sicher­heitsgarantien und Schiedsverträgen zur Erörte­rung gestellt. Als wir im März davon erfuhren, haben wir sofort keine Zweifel darüber gelassen, daß wir solchen Verträgen nicht zustimmen würden.

Graf Westarp legt darauf die Gründe dar, auS denen das Werk von Locarno unannehm­bar erfcheine. Die Auslegung des Artikels 1 des Paktes nütze uns gar nichts, wenn sie nicht von allen Vertragsschließenden anerkannt werde. Durchdrungen von der Rotwendigkeit Deutsch­lands, die Freiheit seiner Ost Politik zu wahren, müsse man den Völkerbund und die östlichen Schiedsverträge mit Sorge betrachten. Mit Bezug auf den Artikel 16 erklärt der Redner, daß unbedingt die Gefahr vermieden werden müsse, Deutschland wieder zum Kriegsschauplatz Europas werden zu lassen. Besonders betont er, daß nur auf dem Boden völliger auch prak­tisch wirksamer Gleichberechtigung das Werk von Locarno für Deutschland möglich sei. Diese praktische Gleichberechtigung sei Deutsch­land versagt, solange es einseitig dem Zwangs zur Wehrlosigkeit unterworfen worden sei.

Wenn das Derk von Locarno für Deutsch­land annehmbar fein soll, dann mühten greif­bare Dvrteile vorliegen. Die Räumung der Kölner Zone sei keine Rückwirkung der Verträge, sondern werde nur eine Voraussetzung der Ver­handlungen. Dann bliebe als Rückwirkung die Revision des De s a tz u ng s re g l me s. deren -Umfang noch nicht bekannt sei. Rach deutschnationaler Auffassung handele es sich aber hierbei auch nur um die Beseitigung schweren vertragswidrigen Unrechts. Gelange feindliche Truppen auf deutschem Deden ständen, lebe Deutschland nicht im Frieden, sondern im Kriegs­zustand. Die Pflicht nüchterner Vertretung der deutschen Interessen gebiete, das ganze Dertrags- werk abzulehnen, wenn nicht vorher durch recht­lich bindende Abmachungen kurze Fristen für die Räumung der zweiten und dritten Rheinland- zvne und für die Volksabstimmung im Saar- (jebiet gesichert seien.

Zu Den MeinungsverschieDenheiten innerhalb Der Deutschnationalen betonte Graf Westarp, Daß Zweifel nur Darüber beftanDen hätten, ob es richtiger gewesen wäre, mit Erklärungen, Die Den Austritt aus Der Regierung zur Folge hatten, zu warten, bis auch für Das Kabinett unD Die anDeren Parteien Die endgültige Stellungnahme zu Locarno feftftanb. Es hcmDelte sich also nur um eine taktische Frage, während in Der Sgche völlige Einigung bestand. Auch als Oppositionspartei wür­ben Die Deutschnationalen ihren Einfluß geltenD zu machen wissen. Für Die VermeiDung Der Aus­lösung Des Reichstages gebe es nur zwei Möglichkeiten, Die eine, Daß sich Das Kabinett Luther unD Die noch hinter ihm stehenDen Parteien wegen Der unzulänglichen Rückwirkungen zu ge­meinsamer Ablehnung zusammenfinben, bie anbere sei, baß sich bie Sozialbemokraien entgegen ihrem bisherigen Stanbpunkt entschlössen, in biescm Reichstag bie Verträge anzunehmen unb baß babei nicht auf bie Zweibrittelmehrheit bestauben werbe. Wir bürfen jetzt keine neue Kette freiwillig über­nehmen. Unser ablehnenber Beschluß soll uns einigen mit ber gesamten vaterlänbischen Bewegung unb uns mit neuer Kraft zu neuem Kampfe unb für neue Arbeit erfüllen.

Rach Dem Referat Graf Westarps nahm der Parteitag folgende

Entschließungen.

einstimmig an:

In dem Vertragswerk von Locarno sind die deutschen Lebensinteressen nicht gewahrt und die deutschen Richtllnien nicht erfüllt. Ein Verzicht auf deutsches Volk und Land ist weder durch einen eindeutigen Wortlaut noch durch ein Prak- tisch wirksames Kündigungsrecht ausgeschlossen. Der Artikel 6 des Sicherheitspaktes wird von der Welt als freiwillige deutsche Anerkennung des Diktates von Versailles hingestellt. Der Pakt

die uns geläusig sind, und die für uns restlos anerkannte Werte darstellen? Gewiß, wir wür­den unumschränkt genießen und uns freuen. Und eine gewisse Berechtigung wäre dem Standpunkt nicht abzusprechen, wenn Kunfterleben für uns nur Genuß und Freude bedeuten würde.

Genuß aber überlebt sich; Aebersättigung, Sttllstehen wäre die Folge. Geistiges Leben be­deutet aber Entwicklung, und jegliches Verbleiben bei bewährten alten Arten würde leicht zu einer oberflächlicheren Stellung der Kunst gegenüber führen.

Und der Schaffende müßte feine persönliche Eigenart zurückdrängen, wenn nicht gar aus- schalten; die wechselseitige Durchdringung zwischen Leben und Werk würoe immer stärker zurück- treten; die beschränkte Zahl der Ausdrucksmittel würde ihn hindern, Reues, Charakteristisches, Er­schöpfendes zu bieten. Er würde dem Formalis­mus verfallen, und die innere Wahrheit des Werkes würde leiden.

Also um deS Werkes willen ist ein Fort­schritt notwendig, und der Hörer muß zu seinem Teile versuchen, dem Reuen entgegenzukommen; denn ein Kunstwerk will nicht nur genossen, son­dern auch geistig erarbeitet fein, damit sich das ihm innewohnende Leben erschließt. Kann man auch dem neuen Werk nicht bis ins Einzelste fol­gen (es sind oft tief in der Persönlichkeit wur­zelnde, Durch besondere Umstände beeinflußte Grenzen gesetzt), so kann doch aber jeder denkende Mensch dem Werke bis zu einem gewissen Grade nachkommen und den in ihm vergeistigten Wert er­kennen. Ein solches Mitarbeiten würde einem selbst an einem wohlbekannten älteren Werke wieder neue Seiten erschließen und unsere Ge­nußfähigkeit für Musik steigern.

Ern Wert, DaS ganz aus dem modernen Welterleben und persönlicher Rasseeigenhett her- ausgewachsen ist. ist das Concerto für Sträch- quartett von Alfredo Casella (geb. zu Turin

und die westlichen Schiedsverträge bieten Deutsch­land gegen Sanktionen und Cinmarschgefahren keine genügenden Garantien. Durch die westlichen Schiedsverträge wird eine Revi­sion unserer unmöglichen Ost grenzen nicht erleichtert, sondern bedenklich erschwert. Die deutsche Handlungsfreiheit zwischen Ost und West ist gegen die Gefahren des Artikels 16 der Völ- kerbundssatzungen nicht klar und bindend geschützt. Die Abrüstung der Entente st aaten. die Deutschland erst wirklicher Gleichberechtigung entgegenführen würde, ist in keiner Weise ge­sichert.

Die Vorleistungen unserer Gegner sind nicht erfüllt. Deutschlands Recht auf die Räumung der ersten Rheinlandzone ist nicht durch­gesetzt, die Entwaffnungsfrage nicht in einer den deutschen Interessen und dem deutschen Recht entsprechenden Weise geregelt. Die soge- naifttten Rückwirkungen sind nach allen bis­herigen Verlautbarungen völlig ungenügend. Von der bedeutsamsten Rückwirkung einer vertrag­lich festgesetzten Verkürzung der Desahungs- frist für die zweite und dritte Zone und der Ab- stimmungsfrist für das (San r gebiet ist über­haupt keine Rede mehr. Das Vertragswerk von Locarno ist deshalb für d'.e Deutschnational« Volkspartei unannehmbar. In einmütiger Ge­schlossenheit ruft der Parteitag der Deutschnatio­nalen Volkspartei auf zum rücksichtslosen Kampf gegen das Werk von Locarno, gegen eine schwere Gefahr für Deutschlands Freiheit und Zukunft."

Eine weitere vorgelegte Entschließung besagt folgendes:

Die amtliche Widerrufungdes deut­schen Schuldbekenntnisses ist noch nicht mit dem erforderlichen Rachdruck vertreten wor­den. Der Parteitag erwartet, daß der Widerruf gegen jeden Einspruch zur vollen rechtlichen und politischen Wirkung gebracht und der Kampf um die Beseitigung der Schuldlüge mit der seiner Bedeutung entsprechenden Entschlossenheit und Kraft zum Ziel geführt wird."

Hindenburg an die Hessen.

Darmstadt, 16. Nov .Irn hessischen Staats­ministerium ist folgenbes Dankschreiben bes Herrn Reichspräsibenten eingelaufen:

Hochverehrter Herr ©taatspräfibent!

Wieder nach Berlin zurückgekehrt, möchte ich Ihnen unb ber hessischen Regierung nochmals mei­nen herzlichen Dank sagen für ben warmen Empfang, ben Sie unb bie hessische Hauptstabt mir anläßlich meines Besuches bereitet haben. Ich habe mit freubiger Genugtuung feststellen können, baß trotz ber schweren Nöte, bie Die Besetzung über Hessen gebracht hat, der W i l l e z u r S e l b st- behauptung unb ber © e i ft treuer Vater­laub s l i e b e ungebrochen sinb; ich hoffe, baß für Ihr Lanb nun halb bessere Tage kommen werben.

Indem ich Sie bitte, der Bevölkerung Darmstabts unb seiner Umgegenb in meinem Namen für bie herzlich mir bargebrachten Willkommengrüße zu banken unb auch ben beteiligten Behörben meinen herzlichen Dank für bie befonbere Mühewaltung zu übermitteln, bin ich mit ben besten Wünschen für Ihr schönes Lanb unb mit freunblichen Grüßen an Sie Ihr ergebener gez. v. Hindenburg."

Die Wahlen in der Tschechof owakei.

lieber anderthalb Millionen deutsche Stimmen. Rücktritt des Kabinetts

Svehla.

Prag, 17. Rov. Rach den nunmehr vor­liegenden Ergebnissen der Wahlen in den Wahl­kreisen Angcwisch-Hradisch sowie aus der Slo­wakei und Karpatho-Rußland, die bisher noch ausstanden, ergibt sich folgendes Gesamtergebnis:

1. Tschechische Agrarpartei 971389

2. Kommunistische Partei 931 769

3. Tschechische katholische Bolkspartei 689 970

4. Tschechische Sozialdemokratische Partei 631113 5. Tschech. Rationalsozialistische Partei 609 095 6. Deutscher Bund der Landwirte mit der Deut­schen, Gewerbe- und der Angarischrn Ratio- nalpartci und der Organisation der Deutschen in der Tschechoslotvaker 565 911

7. Slowennische Katholische Vollspartei (Pa­ter Hlinta) 474 017.

8. Deutsche Sozialdemokratische Arbeiter­partei 411 774.

9. Deutsche Christlichsozlale Volkspartei 313 906.

10. Tschechische Rationaldemokratische Partei (Krammarsch-Partei) 284 233.

11. Deutsche Rationalpartei 240 892.

12. Christlichsoziale ungarische Landespartei 100 445.

am 25. Juli 1883, Lehrer für Klavierspiel am Kgl. ßicco di S. Cecilia zu Rom). Casella folgt durchaus der alten Konzertform, wie ja über­haupt die Reuitaliener sich der Formen aus der großen Zeit der italienischen Musik vor dem 19. Jahrhundert mit Vorliebe annehmen. Die moderne italienische Musik hat sich von den Einflüssen Debusjys fast frei gehalten und mehr eine Kunst der Melodie ausgebildet und verfolgt, wenn auch nicht mehr in dem Sinne der uiis traditionell überlieferten italienischen Melodik. So überwiegt auch in dem Werk von Casella das Lineare bei toeilem, allerdings auch in seinen letzten Konsequenzen, die unferm Ohr zunächst nicht immer als Wohlklang erscheinen wollen. Die thematische Arbeit ist sehr sorgfältig durch­geführt; überhaupt übernimmt Casella die For­men des alten Konzertes nicht schematisch (Sin- fönte, Siziliana, Minuetto, Aria, Canzone), son­dern läßt sie in logischem Aufbau neu erstehen und Jo trotz aller Freiheit einer Geschlossenheit in sich nicht entbehren. Südländische Bilder voller Temperament, Affekt und Rasse ziehen an uns vorüber, und dem Streichquartett weih er ge­schickt Klange abzugewinnen, die mehr als Strei­cherklang zu fein scheinen; erregt, aufgewühlt, fast Dollsgetummel; Dann wieder Feinheiten voller Delikatesse wie in der Siziliana, n>o äthe­risch-feine Flageoletta peggien bezaubernd wir­ken; andererseits zieht Casella gern zur Heraus­hebung deS Themas mitgehendr Quinten heran (ähnlich den Orgelmixturen). Unserem Empfinden wohl am nächsten stehend, gefiel wohl am meisten Die Siziliana; weitere Beschäftigung ntit dem Werke erschließt einem noch manche Schönheit.

Mit der Wiedergabe dieses Concertos hatte sich das Am«r-Quartett eine seiner Eigenheit besonders naheliegende Aufgabe gesteltt. Dieses feine Eingehen, jedes Instrument als Indivi­duum; nicht behmscht von der führenden, und dabei oft manchen fernen Reiz der Stimmführung

Die 15 Splitterparteien vermochten nicht Die nötige Stimmenzahl für ein Mandat oufzubrin- gen.

Rach dem Dekanntwerdc-n Der Wahlergeb­nisse hat der Ministerpräsident S v e h l a na­mens Der Gesamtregierung Dem Präsidenten Der Republik, Masarhk, Die Rücktritts-Er­klärung eingereicht. Der Präsident nahm Die Demission an und betraute Den Ministerpräsi- benten und die übrigen Ressortminister mit Der Führung der Regierungsgeschäfte bis zur Bil­dung Der neuen Regierung.

Aus aller Welt.

Hinrichtung des Massenmörders Angerftcin.

Limburg, 17. Rov. (WTB. Funkspruch.» Heute früh wurde im Hofe des Gefängnisses von Freiendiez bei Limburg der Massen­mörder Angerstein hingerichtet. Angerstein hatte bekanntlich am 1. Dezember 1924 in seiner Villa in Haiger acht Personen ermordet, darunter seine Frau, Schwiegermutter >^uoL Schwägerin.

Aukounfall Krupps von Bohlen-halbach.

Das Auto Des Herrn Krupp von Bohlen-Hal­bach ist zwischen Ahaus unD Ege (Westfalen) ver­unglückt. Der ins SchleuDern geratene Wagen riß einen Baum um unD stürzte eine Böschung h i n- ab. Der CH auffeur verunglückte töölich, Herr unD Frau von Bohlen kamen unter Das Auto zu liegen. Frau von Bohlen erlitt anscheinend einen Schlüsselbeinbruch unb Rippenquetschungen. Sie be- finbet sich zur Zeit im Krankenhaus. Die Verletzun­gen Des Hern von Bohlen finD unerheblich.

ExplosionSunglück im Laboratorium.

Im Institut für anorganische Chemie Der Technischen Hochschule in Hannover ereignete sich eine Explosion, durch die der Forschungsassistent Dr. As brand sehr schwer am ganzen Körper verletzt wurde. Dr. Asbrand, ein erfahrener Che­miker, bereitete eine Kältemischung aus Schwefelkohlenstoff mittels flüssiger Lust nach einer allgemein bewährten Laboratoriumsvor- schrift. lieber die Ursache der Explosion farm noch nichts gesagt werden.

Anwetter im Riesengebirge.

3m westlichen Teile des Riesengebirges hat ein furchtbarer Sturm katastrophale Ver­wüstungen angerichtet. Auf Den Wegen von Hanachsdorf-Reuwelt zum Kamme wurde der gesamte Waldbestand umge­rissen auch in Talorten schwerer Schaden ver­ursacht.

Verwegener Diebstahlsdersuch.

Dach der Abfahrt des Zuges Rom- Bologna durchbohrten verwegene Diebe in der Hohe beä Gepäcknetzes die Wand einer Eisen- bahnabteilung, in der sich Beamte der Dank von Italien befanden, die eine Summe von 12 Millionen Lire in Bankscheinen mitführten. Die Diebe durchbohrten dann die Wand des Koffers, in dem die Dankscheinpakete lagen unb erbeuteten einige davon. Sie wurden aber dabei ertappt und verhaftet.

Wettervoraussage.

Weitere Fortdauer der bestehenden Wit­terung.

DaS Hoch hat sich weiter verstärkt und an Raum bedeutend gewonnen. Durch ein von der Dlskaya südöstlich ziehendes Teiltief vorüber­gehend etwas nordwärts gedrängt, wird es nach dessen Borübergang wieder in seine alte Lage über dem Kontinent zurückkehren, ilebec Island ist ein weiteres Teiltief der Kette erschienen, das jedoch die kontinentale Wetterlage nicht beein­flussen dürfte. Bei z. Z. vorwiegend östlichen Winden zunächst noch etwas stärkere Kälte.

Temperaturen: Maximum 4,7 Grad, Minimum 0,2 Grad, Morgentemperatur 1,5 Grad.

Gießener Wochenmarktpreise.

am 17. Rovember 1925.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte das Pfund: Butter 200 bis 220, Matte 40 Käse 70 bis 75, Wirsing 10, W ißkraut 4, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10, Spinat 3C^ Antclr-Kohlvabi 6, Grünkohl 20, Rosenkohl 40. Feldsalat 100, Zwiebeln 12, Meer­rettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 50, Kartof­feln 4, Aepfel 15 bis 20, Dirnen 35, Junge Hahnen 120, Suppenhühner 120, Gänse 100 bis 120, Rüsse 50; das Stück: Eier 18, Blumenkohl 20 bis 100, Endivien 15 bis 25, Ober-Kohlrabi 5, Lauch 5 bis 10, Sellerie 20 bis 40.

zerstörenden ersten Violine. Disziplinierung des Gesamtklanges, Schwelgen in Klangfeinheiten, plastische Thematik, alles unumgängliche Erfov dernisse für modernste Werke, unb wie sie in dieser Vollendung nur dem Amar-Quartett eigen sind. Wer mit dem Werk nicht mitgehen wollte, nun, der sollte wenigstens die Leistung der Künst- ler ehren. '

And dazu Max Regers Streichtrio (Op. 141 b) im Gegensatz. Bei Casella ein Suchen nad) dem Stil, eine Ausdrucksform, die uns noch zu fremd anmutet, als daß sich ihr Inhalt uns gam zu erschließen vermöchte; hier eine in sich er kannte Persönlichkeit, die zur Abllärung, Dr herrschung gelangt ist: Reger in seiner letzte.« Schaffensperiode.

Dem romantisch bewegten ersten Satze folg: ein Andante sostenuto mit Variationen, wo Re­ger dieses Thema mit feinster klassischer Technil nach allen Seiten hin erschließt und ihm immer Reues abgewinnt; figuriert in der ersten Violin: dann von den übrigen Instrumenten durchgeführt harmonisch erweitert, in Moll, bis das Thema st neuer Gestaltung die Reihe abschließt. Ein Gegen­stück zu den Variationen im Klarinetten-Quintek (Op. 145). Der letzte Satz, eine Fuge mit eine» graziösen Thema mit allen kontrapunktischen Mög' IldyEeiten Zugführung, Gegenbewegung, eine« kurzen, ruhigen Zwischensatz in der Durchfüh rung, wie eben nur Reger mit seinem fabel- haften kontrapunktischen Können sie in dieser Ratürlichkeit, Selbstverständlichkeit und durchsich tigen Klarheit schaffen konnte. Gerade be Regers Werken zeigt es sich immer deutlicher, wie durch öfteres Hören das Publikum immer mehr Freude an ihnen gewinnt.

Den Schluß bildete Mozarts bs-Duf Quartett (Köchel Ar. 428). in dem das 2Imar Quartett neue Feinheiten aufzudecken vermocht und das fb in unveränderter Schönheit und 3«* gendlichkeit erstand.in