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staatlichen Kraftwerk Wölfersheim und verlangt in zahlreichen Einzelfragen Auskunft über den Streik. Ministerialrat W i n d i s ch erwidert, daß die geforderte Lohnerhöhung aus Grün­den der Rentabilität des Werkes nicht trag­bar fei. Die zweite Anfrage bezieht sich auf die Waschgelegenheiten: in diesem Falle sagte die Regierung Abhilfe zu.

Hierauf werden die Beratungen des Staatsoor­anschlags wieder ausgenommen.

Abo. Dr. Werne r (Dschn.) streift zu Beginn seiner Ausführungen die Regierungsbildung und das Berhalten des Zentrums, wendet sich gegen die einseitige Belastung der Landwirtschaft und fordert soziale Gerechtigkeit. Die Zollpolitik sei auch 3um Nutzen der Arbeiterschaft. B a z i l l e s Politik in Württemberg, die hier immer angeführt werde, habe es fertig gebracht, daß man dort einigermaßen finaniieU durchkommt. Der Redner erklärt dann: Die Politik des Zentrumsabgeordneten Nuß ist nicht im Sinne der katholischen christlichen Bauern­vereine, die kein Zusammengehen mit der Sozial­demokratie wollen. Die erste nennenswerte Hilfe ist dem besetzten Gebiet erst durch die Rechtsregierung gekommen. Die Staatsform ist für die Deutsch- nationalen eine Frage zweiten Ranges. Die Deutsch- nationalen haben immer schon die Verein­fachung der Staatsverwaltung verlangt. Der Redner fordert dann die Aufhebung verschie­dener Ministerien und Abteilungen nach den An­trägen der Deutschnationalen: auch die Aufhebung der Berliner Gesandtschaft sowie ein neues Mi­nisterpensionsgesetz, Entstaatlichung der Polizei und der Bauverwaltung, sowie Verringerung der Zahl der Landtagsabgeordneten. Weiter wendet sich der Redner gegen die Regiebetriebe, aber spricht für die Unterstützung und die Forderungen der Landwirtschaft. Kleinmüllereien und Klein­brauereien müßten erhalten bleiben. Ferner wird die Erfüllung verschiedener Handwerker- und Be­amtenforderungen verlangt, insbesondere eine bes­sere Bezahlung der Polizeibeamten. Bei Erörterung der Aufwertung tritt Abg. Dr. Werner nachdrücklich der Behauptung entgegen, daß die Deutschnationalen eine Aufwertung von 100 Proz. versprochen hätten, sondern immer nur eine Aufwertung im Rahmen des Möglichen.

Der Redner schließt seine Ausführungen mit den Sätzen :Wir lehnen den Etat ab. Unsere Anträge sind niedergestimmt worden. Wir werden Ihnen (der Linken) die Verantwortung überlassen. Der Staat soll und kann nur erhalten werden durch eine gesunde Finanzpolitik. Folgen Sie unserem Weg!

Der 18. Januar nicht Nationalfeiertag. Bildung, Schule und Filmdebatte im Reichstag.

Berlin, 16. Juni. Q3or Eintritt in die Tagesordnung beglückwünscht Präsident Lo ehe unter dem Beifall des Hauses den Vizepräsi­denten des Reichstags und 2lbg. Dr. Riehen (Dt. Vpt.) zu seinem 50jährigen Doktorjubiläum. Dr. R i e h e r verspricht unter der Heiterkeit des Hauses in seinen Dankesworten, daß man seiner Amtsführung nicht anmerken solle, dah er schon fünfzig Jahre Doktor sei.

In der Fortsetzung der Generaldebatte des Haushalts des Innenministeriums begrüßt Abg. Runkel (Dt. Vpt.), dah die Wissenschaft in dem Etat eine so gute Förderung erfahren habe. Die Förderung der Turn- und Sportbestre- V bungen der Jugend seien erfreulich. Das Reichs- -.schulgeseh greife auch in die Befugnisse der Län- ' bet ein. Dieser Mangel müsse beseitigt werden. ,t In den kulturellen Angelegenheiten müsse volle Freiheit Herrscher in jeder Beziehung und mehr Initiative in dieser wichtigen Angelegenheit sei erforderlich. (Zustimmung.)

Abg. Dr. Moses (Soz.) richtet an den Innenminister die Frage, wie es mit den aus dem Reichsarchiv verschwundenen Marine- alten stehe. Tirpitz solle in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter selbst vor den Reichs­tag treten und zu der Frage Stellung nehmen, die nicht ad calendas graeeas vertagt werden dürfe.

Abg. Höllein (Komm.) findet die im Etat für die Polizei angesehten Beträge viel z u h o ch gegenüber den für die kulturellen Auf­gaben bestimmten.

Abg. Frau Dr. Matz (Dt. Vpt.) betont, dah man beim Wiederaufbau der kulturellen Momente nicht entraten könne. Das neue Reichslichtspielgesetz müsse mehr Hand­haben bieten, um wertlose und minderwertige Filme zu verbieten. Das kommende Gesetz gegen die Schund- und Schmutzliteratur mühte die Möglichkeit des Verbotes jener Bücher, Zeitschriften und Ansichtspostkarten enthalten, die nur auf niedereJnstinkte spekulieren. DieRednerin setzt srch dann für Fahrpreisermäßigun- gen für Jugendliche ein, durch die cs er­möglicht werden sollte, dah die deutsche Jugend ihre Heimat kennen lernt. (Be fall.)

Reirbsinnenminister Schiele:

Der Abg. Moses hat mich gefragt, ob ich die Tirpihinterpellation nicht beant- toonen wolle. Das Kabinett hat sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt. Die Inter­pellation kann jeden Tag im Plenum, und zwar bei der zuständigen Siel'e, beim Etat des Justiz­ministeriums, behandelt werden. Es ist eine Freude zu sehen, wie die deutsche Jugend ihr Geschick und ihre Charakteterziehung selbst in die Hand genommen hat. Wir als Erzie­hungsbehörden haben uns lediglich für diesen guten, gesunden und tüchtigen Geist cinzusetzen und diesen Geist zu stärken. Cs ist aber auch nötig, dah unsere Jugend zum rechten S t a a t s b e w u ß t s e in erzogen wird, damit die Jugendlichen dereinst tüchtige Staatsbürger wer­den. Die Bestrebungen der Jugend zu fördern, gehört zu den bedeutsamsten Aufgaben meines Ministeriums. Och begrüße es daher, daß für diese Aufgaben im Etat eine Erhöhung der Mittel eingetreten ist. Der Minister dankt besonders dem Staatssekretär L e w a l d für feine Verdienste um das Deutsche Sta­dion in Berlin. Jin ganzen Reichsgebiet sollten die anderen Städte dem Beispiele Ber­lins folgen. Die Jugend müsse man aber auch vor der gerade heute drohenden Gefahr der Zersetzung bewahren.

DiZem Zweck sollen die kommenden Gesetze für' den Schuh der Jugend bei Lustbarkeiten und gegen die Schmutz- und Schundliteratur dienen. Eine voräusige Regelung ist in letzterer Beziehung schon dadurch geschehen, dah insbesondere die Bahnhossbuchhandlungen und Kioske aufgefordert worden sind, ein Verzeichnis alt derjenigen Schrif­

ten vorzulegen, gegen die i t den letzten Iah.en älrtcile ergangen sind (Be fall.) In Bezug auf das Schulwesen steh n wir vor großen Zielen, die nicht zuletzt auch ein: möglichst einheit­liche Regelung der Lehrerbildung im ganzen Reiche gemäß de?. Grundsä^en i>'v Reichs- Verfassung erstreben. Zur Behebung der großen Rot der Junglehrer sind im Etat eine Reihe von Millionen bewilligt worden, die Hilfe bringen werden. Die Ro! der Wissenschaft elbst ist durch größere Etalsvminen zum Teil behoben worden. Eine Million ist für die Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Zwecke eingesetzt worden.

Abg. Dr. Schreiber (Ztr.) setzt sich beson­ders für die deutsche Wissenschaft ein. Beseitigt werden müsse der unhaltbare Zustand, daß über den wissenschaftlichen Instituten des Reiches dauernd das Damoklesschwert des Ab­baues schwebe.

Abg. Dr. H c u h (Dem.) wünscht, daß die Frage der Lehrerbildung rasch zur Ent­scheidung gebracht werde, ehe die Länder im einzelnen ffjre besoirderen Wege in dieser An­gelegenheit gehen. Rotwendig sei eine größere Betonung der Leibesübungen in den Schulen und auch auf den Akademien.

Abg. Frau Lang-Brumann (Bayr. BP.) hebt hervor, daß die im Etat für das Theater wesen eingesetzten Beträge nicht ausreichen, um den Rotstand der Bühnen zu beheben. Von dem kommenden Reichsbühnen­gesetz erwartet die Rednerin, daß es das B ü h - nengeseh aus der Gewerbeordnung h e r a u s n e h m e. Kunst gehöre nicht ins Ge­werbe. (Zustimmung.) Es sei errechnet worden, daß täglich sieben Millionen Men­schen ins Kino gehen. In dieser Zahl liege die ungeheure Verantwortung derer, die vom Staate aus die Filme zu beurteilen haben. Was die Frage eines Rationalfeiertages anbelange, so könne man sich auf einen Termin heute nicht festlegen. Die Landwirtschaft habe keinesfalls die Absicht, in der Ernte einen Tag als Feiertag zu begehen. In der Reichsverfassung sei auch nicht die Rede von einer Berechtigung des Reiches, Feiertage einzuführen. Im Etat seien eine Reihe von Summen eingesetzt für Aufgaben, die in die Kompetenz der Länder gehören. Es müsse dafür gesorgt werden, daß die Kompetenz­linie der Reichsländer nicht verwischt werde.

Damit schließt die Debatte über den (Etattitel Bildung, Schule und Film".

Ohne Debatte überweist das Haus an den Rechtsausschuß eine Gesetzesvorlage über die Er­weiterung der Befugnisse des Reichspräsidenten und einen Antrag der Sozialdemokraten auf Vorlegung eines Aussührungsgesetzes zu Artikel 48 der Reichs­verfassung.

Der Ausschuhanirag auf (Einführung des 18. Januar als Nationalfeiertag wird im Hammelsprung mit 193 gegen 138 Stimmen abgelehnt. Gegen den Antrag stimmten Kommunisten, Sozialdemokraten, Zentrum und Bayerische Bolkspariei.

Weitere Anträge auf Festsetzung eines Natio­nalfeiertages und auf Schutz der Feiertage werden dem Rechtsausschuß überwiesen. Angenom­men wird ein interfraktioneller Antrag, im Etat einen neuen Titel einzufügen, der für kulturelle, insbesondere kirchliche Zwecke, eine Million Mark einsetzt.

Das Haus bewilligt dann den Rest des Etats des Ministeriums des Innern in zweiter Lesung, mit Ausnahme der Kapitel Reichskommis­sar für die öffentliche Ordnung, Polizei und Tech­nische Nochilse. lieber diese letzteren Kapitel eröffnet Abg. Schmidt-Köpenick (Soz.) die Debatte. Der Redner verlangt, daß die im Etat für die Tech­nische Nothilfe eingesetzten Beträge gestrichen werden.

Um 7! Uhr abends vertagt sich das Haus auf Mittwoch nachmittag 24 Uhr.

Richtlinien für das China-Problem.

Einigung der Mächte.

Paris, 17. Juni. (TU.)Chicago Tribüne" meldet, daß sich die an den Verhandlungen inter­essierten Mächte über folgende Fragen geeinigt hätten:

1. Keine Macht soll unabhängig vor der anderen einen Schritt unternehmen.

2. Eingriffe in chinesische Angelegenheiten sollen nur stattfinden, wenn Leben und (Eigentum fremder Untertanen gefährdet sind.

3. Es soll eine allgemeine Konferenz mit China stattfinden, da es keine feste Zentralregierung gibt.

4. (Eine Konferenz für Revision der chinesischen Zölle soll sobald wie möglich stattfinden. Es soll China gestattet werden, die Zölle zu er­höhen, wenn Frieden und Si^rheit wieder hergestellt sind.

Ruhe in den AufstandsgedieLen.

London, 16. Ium. (WTB.) Reuter zufolge deuten die aus Schanghai eingegangenen Tele­gramme darauf hin, daß die allgemeine Lage etwas besser ist. Auch in Peking, wohin die chine­sische Regierung eine weitere Division geworfen habe, sei eine Besserung zu verzeichnen. In Kiu - f i a n g sei die Lage nach den letzten japanischen Nachrichten aus China gegenwärtig ruhig. Die Frauen der japanischen Staatsangehörigen hätten sich in das japanische Konsulat geflüchtet. Die Bank von Formosa sei vollständig ein geäschert. Die britische Niederlassung stehe unter dem Schutz britischer und japanischer Matrosen, die von Frei­willigen unterstützt würden.

Die chinesische Regierung teilt mit, daß nun­mehr tatsächlich alle Söldnertruppen ent­waffnet und viele von ihnen für die Regierungs­armee verpflichtet wurden, um als Arbeiterkorps Verwendung zu finden. Die Eisenbahnarbeiter haben die Arbeit am Montag wieder ausgenommen.

Rücktritt der Otdenburgischen Regierung.

Berlin, 16. Juni. In der heutigen ersten Sitzung des neuaewählten Oldenburgischen Land­tags erklärte' der Ministerpräsident v. F i n k h , daß das Kabinett um klare Verhältnisse zu schassen und um feiner Selbstachtung willen zurücktrete, lieber die Bildung eines parlamentarischen Kabinetts sind die Parteien noch zu keiner (Einigung gekommen. Nach einer Erklärung des Zentrums soll eine Eini­gung für die nächsten Tage zu erwarten fein.

Preußischer Landtag.

Berlin, 16. Juni. In der Fortsetzung der Aussprache zum Landwirtschaftshaus­halt betont Abg. Diez (Z.)> daß die Zen- trumSfraition von der Rotwendigkeit der land­wirtschaftlichen Zölle durchdrungen fei. Bedauer­lich sei der geringe Schutz für den Obst-, Ge­müse- und Weinbau. Der Redner setzt sich nach­drücklichst für die Interessen des Weinbaues ein. Der begonnene Abbau der Pachtschutzordnung müsse fortgesetzt werden.

Abg. S ch w e ch t (Dntl.) empfiehlt die deutsch­nationalen Anträge zum Schutz des Wein« lbaues, die insbesondere forderten, daß die Weinbaugebiete als Rotstandsgebiete behandelt würden. Abg. Stendel (D. Vpt.) bittet die Staatsregierung, dafür zu sorgen, daß die Ent­wässerungsverhältnisse in weiten Teilen Preu­ßens erheblich gebessert und grundlegend ge­regelt würden. Abg. Müller-Frankfurt (Komm.) bekämpft die Zollpolitik. Die Land­arbeiter würden sich für diese Politik nicht ein- fangen lassen.

Damit schließt die allgemeine Aussprache. Das Ministergehalt wird bewilligt.

Kunst und Wissenschaft.

Berliner Freunde der deutchen Akademie.

Berlin, 16. Juni. (WTB.) Nach vorbereiten­den Arbeiten wurde heute abend im Sitzungssaale des ehemaligen preußischen Herrenhauses die Gründung der Berliner Freunde der deutschen Akademie vorgenommen. Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache des Gouver­neurs z. D. Wirkt. Geh. Rats Dr. Schnee machte der Präsident der deutschen Akademie in München, Geh. Hofrat Unioersitätsprofessor Dr. P f e li­sch i f t e r, interessante, mit lebhaftem Beifall auf­genommene Ausführungen über die Aufgaben der Akademie. Für den Magistrat und die Stadtverord­netenversammlung von Berlin sprach im Namen des verhinderten Oberbürgermeisters Stadtrat B e - recke die herzlichsten Wünsche für das Gedeihen der Akademie aus. Nachdem der Leiter der Ver­sammlung Exzellenz Dr. S ch n e e Mitteilung davon gemacht hatte, daß sich eine große Zahl von bekann­ten Persönlichkeiten bereits als Mitglieder für die Berliner Ortsgruppe gemeldet haben, wurde die Gründung der Berliner Freunde der Akademie für vollzogen erklärt. Die Schlußansprache an die Versammlung hielt der Rektor der Universität Berlin Prof. Dr. H o l (. Aus der Fülle der hervor­ragenden Persönlichkeiten, die antsefenb waren, seien genannt: Ministerialdirektor Heilbronn vom Auswärtigen Amt, Ministerialdirektor K r u e ß vom preußischen Ministerium des Innern, Reichskunst­mart R e d s l o b , Staatssekretär a. D. Frhr. von Welser-München, der bayerische Minister­präsident a. D. Graf Lerche »seid, der preußi­sche Staatsminister a. D. SÜdekum, der baye­rische Gesandte v. P r c g c r, Ministerialrat Tiedje vom Reichsministerium des Innern u. a.

Die deutsche Einheitskurzschrift in den österreichischen Schulen.

Wie die österreichische Regierung dem Reichsministerium des Innern mitteilt, beabsich­tigt das österreichische Bundesministerium für Un­terricht, die deutsche Einheitskurzschrift in den dortigen Schulunterricht einzuführen, sobald die notwendigen Uebergangseinrichtungen und Um­stellungskurse beendet sein werden.

Aus aller Welt.

Zeppelin-Gedenkfeier in München.

Der Münchner Verein für Luftschiff­fahrt veranstaltete am Dienstagnachmittag eine Gedenkfeier zur (Erinnerung an den Tag, an dem vor 25 Jahren Graf Zeppelin mit seinem Luft­schiff den ersten Aufstieg unternahm. (Ein Freiballon wurde von der Tochter des Grasen Zeppelin, der Gräfin Branden st ei n-Zeppe- 11 n, in Anwesenheit von Vertretern der Behörden und Luftschiffinteressenten auf den Namen Graf Zeppelin getauft und bann als Fuchsballon in die Lüfte gelassen. Der Wind trieb ihn in südlicher Richtung dem Gebirge zu. Dem Fuchsballon folg­ten andere Ballone als Verfolger. Der Münchner Verein für Luftschiffahrt steht mit dem Fuchsballon in Funkverbindung.

Zwischenfall bei der Bad Emser Tausendjahrfeier.

Bei der ersten Aufführung des von dem hie­sigen Schriftsteller H. L. Linkend ach verfaßten FestspielesDer Stadtschreiber vonEms" aus Anlaß derSechshundertjahrfeier von Ems" ist es gleich zu Beginn zu einem Zwischenfall gekommen. Die Aufführung fand auf dem freien Vlatz vor der Katholischen Kirche statt. Als der Koblenzer Schauspieler Brück hoch zu Roß einen Dorspruch vortragen sollte, wurde das Pferd un­ruhig und drängte in dis erste Zuschauerreihe, wo es zwei Vertreter der Koblenzer Presse unter sich begrub. Die beiden Pressevertreter kamen mit eini­gen Verletzungen an Armen und Beinen davon. Eine Anzahl Stühle wurde zertrümmert. Nach kur- zur Unterbrechung wurde das Spiel fortgesetzt.

Ende des Wassermangels in Berlin.

Seit Sonntagmorgen ist es gelungen, Bem Wa l serversorgungsgebiet der Charlottenburger Wasserwerke die vollen Wasfermengen zuzu­führen.

Ein Jagdschloß abgebrannt.

Wie aus Rüdesheim gemeldet toit*, ist das bekannte Jagdschloß auf dem Rieder­wald gestern ein Raub der Flammen ge­worden. Bei dem herrschenden starken Wind hakten die aus Rüdesheim und Aulhaufen herbei­geeilten Feuerwehren Mühe, ein .Uebcrgtcifen des Feuers auf den nahen Wald zu verhindern. Das Gebäude ist völlig abgebrannt.

Bootsunfälle.

Infolge des am Sonntag herrschenden hef­tigen Sturms kenterten bei einer Stanurcgattp auf der Alster nicht weniger als z w a n z i g Btk o t e. Die Insassen konnten jedoch glücklicherweise sämt­lich gerettet werden.

Grohseuer.

In dcn Holzwerken von Gebrüder Schenk in Maximiliansau (Pfalz) brach Großfeuer aus, vermut.ich inf lg? v^n Se bstcntzünd^ng Das Kessel- uno Ma.chinmhaus find bis auf die Um­fassungsmauern ein Raub der Flammen gewor­den. Die Maschinen sind größtenteils zerstört.

Das Feuer konnte dank dem en?'gisch:- 2in« greifen der aus Karlsruhe und Landau h:.. r- gecilten Feuerwehren lokalisiert werden.

Erdbeben.

Rach einer Havasmeldung aus Soti? wnrdH in Karenko auf Formosa eine Reih: ooft Erdbeben verspürt. durch die verschiebens, Wohnhäuser stark beschädigt wurden. Verlnstz- an Menschenleben sind nicht ju beklagen. j-

Wettervoraussage.

Heiter bis halb bebeckt, frische Winde aus nörd­licher Richtung, meist trocken.

Die Wetterlage ist im allgemeinen kaum ge­ändert. Das Ties im Nordosten hat sich zwar e<was verstärkt, dagegen rückt von Island ein neuer Hoch- brnckkern heran. Höchstens vereinzelt leichte Nieder- schlüge.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 17. Öuni 1925.

Das Gießener Lyzeum am Rhein

Viele deutsche Schulen rüsten in diesem Jahre, um nach jahrelanger Pause endlich wieder einmal den deutschen Rhein zu besuchen. Diese Rheinfahrten haben gerade in diesem Jahre, in dem das gesamte Rheinland sich anschickt, seine tausendjährige Zugehörigkeit zu Deutschland zu feiern, eine hohe vater­ländische Bedeutung.

Unser Gießener Lyzeum unternahm am vergangenen wamstag seine R h e i n f a h r t. Das Wetter war trübe. Als am Morgen, um 63/4 Uhr, die Klassen, die sich an drei verschiedenen Stellen in der Rähe des Bahnhofs gesammelt hatten, zum Cinsteigen in den Sonderzug vorrückten, be­gann es zu regnen. Rund 670 Schülerinnen mit ihren Lehrern und Lehrerinnen nahmen an der Fahrt teil. Die hiesige Dahnverwaltung hatte dazu einen Sonderzug zur Verfügung gestellt, der den Kindern reichlich Platz und Bequemlichkeit bot. Die Gießener Dahnverwaltung hatte über­haupt alles getan, um einen reibungslosen Ver­lauf der Fahrt zu ermöglichen. Darüber waren alle Beteiligten des Lobes voll. Dank der von den Bahnbeamten geübten umsichtigen Leitung vollzog sich das Einsteigen glatt in knapp zehn Minuten. Punkt 7 Uhr verließ der Zug die Halle. Die Stimmung war trotz des Regens vorzüglich. Die Fahrt ging über Friedberg. Homburg, Höchst a. M. nach Mainz-Kastel, wo der Zug pünktlich um 9.20 Uhr einlief. Auch beim Aus- steigen regnete es. Die Klassen begaben sich sofort nach dem in der Rähe liegenden Anlegeplatz der Dampfer der Köln-Düsseldorfer Schiffahrtsgesell­schaft. Dort erwartete sie der mit Flaggen reich geschmückte Dampfer ..Albertus Magnus", der den ganzen Sommer über für solche Schüler- und Gesellfchaftsfahrten zur Verfügung steht. Das Einsteigen und das Cinnehmen der Plätze vollzog sich glatt nach dem vorher bestimmten Plan. Punkt 10 Uhr setzte sich der Dampfer in Bewegung, und es begann die herrliche Fahrt, die an Biebrich, Eltville, Rüdesheim und Bingen vorbei bis nach Oberwesel führte. Der Regen hatte inzwischen aufgehört. Der Himmel, der anfangs noch stark bewölkt war. klärte sich auf und bald lag herrlichster Sonnen­schein auf dem Strom und seinen Usern. Es ist unmöglich, die Fülle der Bilder zu schildern, die diese Fahrt, vorbei an den freundlichen Städten und Dörfern, den rebenbekränzten Höhen und den sagenumwobenen Burgen und Schlössern, den Kindern bot. Sie hatten alles vergessen: das Frühaufstehen und die Beschwerden der Reise, manche sogar das Essen und Trinken, ihr Auge und ihr Herz galten dem Rhein, dem herrlichen deutschen Strom. Ein munteres Lied folgte dem andern. DerAlbertus Magnus" ist ein sauberes Schiff. Die Kinder waren in einwandfreier Weise untergebracht, die Verpflegung war gut. Bei Oberwesel wendete der Dampfer, um wieder nach Mainz zurückzukehren. Gerade die Rückfahrt war besonders reizvoll, weil während ihrer ganzen Dauer prächtiges Wetter herrschte. Die Kinder, die während der ganzen Fahrt außerordentlich frisch waren, zeigten auch jetzt keinerlei Ermüdung. Die beiden Sanitäter, die zur Vorsorge mitgenom­men waren, hatten wenig zu tun. Um 6.10 Uhr legte das Schiff wieder in Mainz an. Die Klassen begaben sich alsbald zum Bahnhof Kastel. Um 7.14 Uhr verließ der Sonderzug den Bahnhof von Kastel, dessen Beamte sich ebenfalls in dankenswertester Weise um die Kinder bemüht hatten, und fuhr auf derselben Strecke wie am Morgen der oberhessisch'en Heimat zu. In präch­tigster Stimmung, unter dem brausenden Gesang des Deutschlandliedes, kam die Schule pünktlich um 9.32 Uhr in Gießen an. War bis dahin die Fahrt ohne jede Störung und jeden Mißton ver­laufen, so drohten hier zu guter Letzt den Kindern noch mancherlei Gefahren, und zwar durch ihre eigenen Angehörigen, von denen manche in allzu- stürmischer Weise ihre Lieblinge empfingen und auf dem Dahnhofsplatz ein derartiges Gedränge schufen, daß es den Kindern schwer war, hindurch­zukommen. Aber trotzdem: Die Fahrt wird allen, die an ihr teilgenommen haben, ein Erlebnis für das ganze Leben bedeuten!

(Ein IugendLurnseft in (Sieben.

Als Auftakt zu dem 32. Mittelrheinischen Kreis- turnfest in Gießen, bas bekanntlich vom 31. Juli bis 4. August abgehalten wirb, findet acht Tage vorher, am Sonntag, 26. Juli, ein Iu- geübt urnen ber Schüler unb Schüle - rinnen aller hiesigen Schulen statt. Das Lanbesamt für bas Bilbungswesen hat genehmigt, baß diese Veranstaltung für dieses Jahr statt der sonst in jedem Sommer abzuhaltenben Reichs­jugendwettkämpfe zu zählen ist. Nachmittags um 42 Uhr werben bie jugendlichen Teilnehmer in einem Festzug unter Vorantritt flotter Marschmusik durch die Stadt nach dem Festplatz (Trieb) mar­schieren, dort werden sich dann allgemeine Frei­übungen der Knaben unb Mädchen mit Musikbe­gleitung, Geräteturnen unb volkstümliche Hebungen anschließen. Abenbs gegen 7 Uhr dürfte bie Sieger- Verkündigung zu erwarten sein, bei der die Sie­ger Diplome erhalten. Nachdem soll der Rück- marsch in die Stabt in geschlossenem Zuge mit Musik angetreten werden. Die Anmeldung der jugend­lichen Teilnehmer unb Teilnehmerinnen zu ben tur­nerischen Wettkämpfen erfolgt auf Meldebogen, die in diesen Tagen, den Schulleitungen zu- gehen, bie bann zur Abgabe ber Anmeldungen auf­fordern werben. Die Melbebogen liegen in ben Schulen auf, sie müssen bis zum 1. Juli an die Gießener Turnerschaft (Turnausschuß), unter deren Leitung die Veranstaltung steht, zurückgeliefert [ein. Hoffentlich finden sich in allen Schulen, den höhe-

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