Ausgabe 
17.1.1925
 
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Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverheßen)

Kr.U Awetter Blatt

Die hessische Regierungs- krisis.

Don RudvlfKindt.M. d. L.'

Wir geben die Ausführungen des Landtagsabgevrdneten Kind: wieder, lrvhdem sie in manchen Punkten von unserer Auffassung abweichen, weil sie uns für die Entwicklung der Krisis be­merkenswert erscheinen. D. Red.

Die hessische Sozialdemokratie hatte diesmal in ihren kühnsten Traumen nicht auf soviel LandtagSsihe gerechnet, wie sie infolge ihrer außerordentlich geschickten und vorzüglich organi­sierten Wahlagitation schließt ch erhielt. Kein Wunder, daß ftc der unerwartete Erfolg etwas benahm, HnD verständlich, daß in einer Sitzung der neuen Fraktion mit 17 gegen 7 Stimmen der Kopf des Innenministers des Koalitions- freundes v. Brentano gefordert wurde, damit der vorsichtigste aller hessischen Sozialdemo­kraten, Herr Leuschner, beraten vom Juristen Sturmsels, die sella curulis zur Rechten des Herrn Staatspräsidenten im Landtag besteigen tonne. Die Stimmen der toamenDen wirklichen geistigen Führer, der Herren Hlrich. Ade­lung. Strecker blieoen bei der Abstimmung in der Minderheit I Ob man bann außerdem an Stelle deS £>errn U r ft a b t, den Genossen Strecker, an Stelle des Klassenkampf-Dete- rancn Ulrich Herrn Adelung zu intrvnisie- ren beschloß, tut nicht- zur Sache' auch nichts, ob man wirklich Herrn Raab die wohlver­diente Pension erwirken wollte, um Arbeit und Wirtschaft Herrn Leuschner eben­falls zu unterstellen.

Man kann mit einigem Recht vermuten, daß diese kühnen, ach so seligen Träume, die nur in einem so milden Winter zu erblühen ver- mochten, bald vom Rauhreif der koalition-freund­lichenfreundlichen!" Ansichten vernichtet worden sind. Denn nur so ist es zu erklären, daß sogar im offiziellenAegierungsorgan"Mnes TageS au lesen stand, die Koalitionspcn^ien hätten sich über wichtige Punkte bereits verstän­digt und dann in vorgerückter Stunde die Be­ratungen vertagt, um sie später wieder aufou- nehmen. Oder will jemand annehmen, das Zen­trum habe ernsthaft je eingewilligt, seinen Ex­ponenten im Ministerium des roten Erfolges willen aM Iustizminister zum hilflosen Zu­schauer eines wilden roten Rausches zu machen? Rein, so töricht ist die Zentrumspolitik noch nie gewesen. Da-bo ut des" versteht sie Wohl gründlich, nicht aber das Geben ohne das Rehmen. Man war sich immerhin einig, viel­leicht in Hinsicht auf die Personenfragen und die Besetzung der einzelnen wichtigen Posten. Es mag auch noch eine weitere Sitzung stattge­funden haben. Aber irgendwo irgendwann rollte der Apfel der Eris unter die Streitenden. Ach, es war vielleicht auch nur, daß die schwere 'Frage. n*2Bie sagen wir s dem hessischen Volke?", deren Beantwortung nicht allen Tellnehmern an der Partie einfach und möglich schien.

Das Zentrum ist klug. Die Last neuer Steuern, zur Deckung der finanziellen 'Be­dürfnisse deS kommenden Jahres und zur Ab­deckung eines anscheinend befremdlich ansehn­lichen Fehlbeträge- aus dem laufenden HauShaltjahre kann das Zentrum als einzige christliche Partei im interkonfessionellen Konzern der Koalitionsparteien nicht tragen wenn nicht von rechts Hnterstühung kommt. Man be­hauptete es ja wer? Run das amlliche Organ in einer Polemik gegen die Do lks- Partei, daß diese sich bemüht habe, an der Seite des Zentrums und auf zentrumlichen Wunsch hin in die bisherige hessische Regie« rungs-G. m. b. H. zu gelangen. Ich glaube e s nicht ganz, will es nicht glauben! Rach der Stellung der Partei im Reiche und in Preußen, wo sie scharf mit uns Deutschnatio­nalen Fühlung hält, kann sie in Hessen nicht den Versuch einer Weltanschauungskoalition von Dingeldeh bi- Kaul und Frau Steinhäuser machen. Ein Versuch, der im Reich und in Preußen ich sagte es im Saalbau einst vor­aus, als die große Reichskoalllivn dort zur deutschen Erlösung von allem Hebet erhoben wurde.

Wie es nun auch gekommen ist, zweifellos nimmt die KrisiS infolge der verständlichen Hal­tung des Zentrums jetzt ernste Formen an. Die bisherige Regierungs-Kombination scheint nicht mehr leimbar zu sein. And was wird nun?

Das Abenleurerbuch.

Don Will Kleinmcmn.

Erschienen bei Fredebeul & Ko enen (Essen), geb. 3.50 M. Aus diesem fesselnd geschriebenen Skizzenband eines rheinischen Jungen in Amerika, voll abenteuerlicher Erlebnisse in Reu- York, in mexikanischen Schenken an Bord von Trampdampfern und bei Farmern unD Cowboys.

Reuhork. Eine Stadt, wie es deren hüben und drüben wohl ein Dutzend gibt. Hnb doch eben Reuhork: die Unruhe, die zwischen den Wollenkratzem schwebt, verläßt einen keinen Au­genblick. Immer lebt man in dem Gefühl: jetzt schlägt s ein, jetzt gibt es eine Katastrophe. Des persönlichen ober allgemeinen Lebens. Man atmet fortwährend in tausend A engst en, Millionen Er­wartungen, in hundert wilden Sehnsüchten. Ist es die fabelhafte Großzügigkeit des amerikani­schen Stadtbildes? Der schwindelerregende Ver­kehr? Das rasende Tempo des geschäftlichen LebenS? Die schreiende Reklame? Die wahn­sinnige Lichtverschwendung bei Rächt? Sinds die unheimlich kühnen Hochbauten? Die Fieber­hetze jebcS einzelnen Menschen? Gerd dachte: Rein, ich glaube es nicht. Der Grund liegt wo ganz anders. Rämlich in den Begriffenameri­kanisch" undeuropäisch". Dieses Gefühl ist es, was einen nicht zur Ruhe kommen läßt. Die Kluft zwischen unferm alten Kontinent und den ^Bereinigten Staaten wird ewig unüberbrückbar bleiben. Denn, dem Rordamerikaner ist die Psychologie des Europäers ebenso fremd wie diesem, na, sagen wir. da- Innenleben eines Kongonegers. Man versteht sich nicht, well man sich mit dem Herzen nicht näherkvmmt. Der Europäer erfaßt wohl mit dem Derstand die Formen des dortigen Lebens, aber nie wird er begreifen können, wie natürlich umgekehrt auch.

Im Artikel 37 der Hessischen Verfassung heißt es.

Der Staatspräsident wird von jedem neu- gewählten Landtag aus der Zahl der zum Landtag wählbaren Staatsangehörigen in ös- fentlicher Sitzung mit absoluter Stimmenmehr­heit gewählt."

Es ist kein Trost, daß auch jemand, der nicht Landbote ist, gewählt werden kann. Je­mand muß mit absoluter Mehrheit ge­wählt werden. Richt mit der absoluten Mehr­heit etwa der in der Sitzung anwesenden Land­boten. sondern mit der Mehrheit aller stimm- berechtigten Abgeordneten. Die Mehrheit be­trägt bei 70 Sitzen 36 Stimmen! Die Sozial­demokratie verfügt über 28 Sitze, die Demokratie über deren 6. beide zusammen können 34 Stimmen in die Wagschale werfen. Sehr schön, doch nicht genug, wenn die Zentrumsstimmen fortfallen. Da in Hessen eine Koalition der Lmken einschließ­lich der Kommunisten kaum denkbar ist. wird sich die Sozialdemokratie wohl den Kopf darüber vergeblich zerbrechen, w e sie ohne das Zentrum ihre Regierung in den Sattel zu heben vermag.

Auf der anderen Seite? Und wenn man eine klassenkampffreie Regierung bilden wollte, wäre dies ohne die Demokraten unmöglich, sogar wenn die fünf Deutschnatio­nalen mittun würden. Es kämm nur 34 Stimmen im besten Falle dabei heraus. Also auch hier langt es nicht.

Ein verblüffender ..Erfolg" der Sozialdemo­kratie und ein verblüffendes Ergebnis der Wahlen! Also: was nun?

Zunächst muh nach Artikel 38 der Ver­fassung das bisherige Gesamtministerium die StaatSgefchäfte solange fortführen, bis der Land­tag den Staatspräsidenten neu gewählt hat. Das bedeutet ein Provisorium, in dem wir uns jetzt bereits befinden. Doch das kann nicht immer dauern, wenn nicht die Verfassung zum Gespött der Straße werden soll, Heberdies kann der Landtag durch einen ausdrücklichen Beschluß dem Oefamtminifterium das Vertrauen entziehen, falls etwa das Zentrum seinen Vertreter. Herrn von Brentano zurückziehen, und man einen Sozial­demokraten oder Demokraten Vorschlägen sollte

der zudem vom Landtagbestätigt", also ge­wählt werden muß. nachdem ihn der Staats­präsident ernannt hat.

Rach Artikel 22 der Verfassung tritt der Landtag traft eigenen Rechtes am 18. Tage nach der Wahl zusammen. Das geschah, der Form ist genügt. Er muh aber unverzüglich berufen wer­den, wenn ein Drittel der Mitglieder dies for­dert. Run ist zwar über die Dauer des Pro­visoriums nur gesagt, was Artikel 38 bestimmt und vorhin angeführt wurde, der Landtag wird aber eine Regierung nicht ganz unbefragt lassen, bie das Provisorium etwa beliebig ausdehnen wollte, weil man sich über die Wahl eines Staatspräsidenten nicht einigen kann. Was aber geschieht, wenn der Landtag wirllich keinen Ausweg findet? Wenn er den nach der Verfas­sung neuzuwählenden Staatspräsidenten nicht zu wählen vermag? Die Verfassung hat hier keine Antwort!! Daran haben ihre Väter offenbar nicht gedacht, eine solche seltsame Lage nicht vorgesehen!

Ein Ausweg wäre die Auflösung des Land­tages und die Vornahme von Reuwahlen. Er kann nach Artikel 24 vor Ablauf seiner Dauer nur durch Volksabstimmung aufgelöst werden. Der geht dasVolksbegehren" voraus oder ein Beschluß des Gesamtministeriums. Die Reuwahlen müssen spätestens am 60. Tage nach der Auflösung stattsinden. Wenn man daher die Krise auf dem Weg über Volksbegehren, Volksabstimmung und Reuwahl lösen wollte, könnten drei Abstimmungen der Wähler not­wendig werden und könnte es Monate dauern, bis das Provisorium in einem verfassungsmäßi­gen Zustand zurückgeführt wird.

Ein mühseliger, weiter Weg. voller Aus­regungen und Kosten! Das ist ein Beispiel, wohin uns parteisüchtige Deutsche daL parla­mentarische Snstem führen kann!

ES ist nicht meine Sache, zu untersuchen, ob die Wahl eines Präsidenten auf verfassungs­mäßigem Wege deniroch möglich ist. Entschei­dend dafür sind Zentrum und Demo­kraten! Diese beiden Parteien toerDen zu irgend einer klaren Stellungnahme kommen müs­sen. und zwar baldigst, denn das Provisorium ist auf die Dauer unerträglich!

Landwirtschaft und Gartenbau.

Die Ernährungsansprüche von Gerste und Hafer.

i.

Die Ansprüche, welche ein Pflanze bezüglich ihrer Ernährung an die Außenwelt stellt, taffen sich im wesentlichen dadurch ermitteln, daß man sie chemisch untersucht, d. h. in ihre Grundstoffe, aus denen sie zusammengesetzt ist, zerlegt. Alles das, waS in ihr gesunden wird, muß ihr zu­gänglich gemacht werden, damit sie sich natur­gemäß entwickeln kann. Außerdem ist aber auch noch die Gegenwart von Stoffen notwendig, welche nur mittelbar zum Pflanzenwachstum bei­tragen und somit als indirekte Rährstoffe be­zeichnet werden können.

Betrachten wir die G e r st e, so finden wir in ihr an Trockensubstanz Eiweiß. Fett, Kohle­hydrate, Holzfaser und Asche. Sic Asche besteht ihrerseits aus Kali, Ratron, Kalk, Magnesia, Eisen, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Kieselsäure und Chlor. Ist durch chemische Dodenuntersu- chung sestgestellt, welche von den genannten Rähr- stossen bereits von Ratur aus in der Ackerkrume in genügender Menge vorhanden sind, so braucht nur noch das in Form von Dünger hinzugegeben zu werden, was ganz fehlt, oder was in den vorhandenen Mengen nicht ausreicht. Hm der Gerste als Landwirt gerecht werden zu können, soll zunächst auf ihre spezielle Ratur etwas näher eingegangen werden.

Die Wurzel der Gerste ist unter den vier Haupthalmfrüchten am wenigsten stark ausge­bildet. Ihr Wurzelsystem breitet sich noch flacher aus, als dasjenige des Sommerweizens. Auch die in die Tiefe gehenden Wurzeln zeigen ein geringeres Längenwachstum als bei den anderen Halmfrüchten. Die Gerstenwurzel ist ferner, be­sonders was die Sommergerste anlangt, sehr fein. Bei der Vorbereitung des Saatbettes ist daher großer Wert darauf zu legen, daß der Boden gut durchgearbeitet wird, damit die Durch­lüftung der Krume genügende Gare hervorruft. Bekanntermaßen haben die Wurzeln der Pflanzen nicht nur die Aufgabe, vermittels ihrer feinen Wurzelhaare die Rährstoffe aus dem Boden

aufzunehmen, soweit sie in aufnehmbarer Form vorhanden sind, sondern die Wurzelhaare schei­den ihrerseits Wurzelsäuren aus, welche dafür Sorge tragen, daß schwerlösliche Dodennährstosfe in aufnehmbare Form gebracht werden. Da das Wurzelbildungsvermögen der Gerste aber ein verhältnismäßig geringes ist, so ist auch die Ausscheidung von Wurzelsäuren auf ein entspre­chend geringes Maß herabgedrückt. Die Folge davon ist, daß die Gerstenwurzel gegenüber den Wurzeln der anderen Getreidearten in doppelter Weise zurücksteht. Wir können somit die Gerste als einen schlechten Futterverwerter" bezeichnen. Was den oberirdischen Teil der Pflanze anbe- trifft, so ist auch dieser als zart und fein anzu­sprechen. Die halmfestigenden Bestandteile, wie Rohfaser und Kieselsäure, sind derhältnismähig gering vertreten, woraus es sich erklärt, daß die Gerste, besonders die Sommergerste, zum Lagern neigt.

Wenn den individuellen Ansprüchen der Gerste im allgemeinen durch entsprechende Kul- turmaßnahmen Genüge geleistet werden soll, so muß zunächst noch zwischen Futtergerste und Braugerste ein Hnterschied gemacht werden. Der Brauer verlangt, wie bekannt, ein Korn, welches möglichst eiweißarm und stärkereich ist, weil von der Menge der Stärke die Bildung von Zucker und Alkohol abhängt. Hmgekehrt soll die Futter- gerfte möglichst viel Eiweiß und wenig Stärke enthalten, weil eiweißreiche Rahrung bei den Tieren fleischbildend wirkt. Daraus ergibt sich, daß die unterschiedliche Behandlung von Drau- und Futtergerste in Bezug auf die Ernährung vorwiegend eine Frage der Vorfrucht und der Stickstoffdüngung ist.

Wie bereits betont wurde, verlangt Gerste einen Acker in hoher Kultur. Daher ist eine gedüngte Hackfrucht die beste Vorfrucht. Soll aber eiweißhaltige Futtergerste gebaut werden, so wird meist die Hackfrucht keinen großen Stick­stoffvorrat hinterlafsen, so daß an künstlichem Dünger nicht gespart werden kann. Andererseits kommt noch hinzu, daß im allgemeinen als Futtergerste die Wintergerste bevorzugt wird, so daß der Hackfruchtacker höchstens für die Win-

Während diese Gedanken Gerds Hirn durch­schossen. flogen seine Füße nach dem ersten besten Zeitungsgebäude.Ich wünsche den Chefredakteur zu sprechen, und zwar sofort!"

Der Torhüter schaute ihn erwartend an.

Mensch, ich habe keine Zeit, hier sind fünf Dollars, hurry up!" (schnell!) Der liebe Gott in Gestalt des lustig knisternden Scheins half sofort.10. Stock, Zimmer 98.

In den List. Sss-t, ratRechts halten, mein Herr, da ist die Rümmer." Gerd schmiß dem Jungen einen Dollar in den Auszug, packte einen zweiten, der ihm in die Arme lief, am HandgÄenk:Chefredakteur? Hnd stand zwei Minuten später Majestät gegenüber. Gleich beim Eintritt fielen Gerds Augen auf mächtige Riesenbuchstaben an der Wand: Remember, lime iS moneh! (Man bedenke, daß Zeit Geld ist.) Gerd legte also los:Man nennt mich Bitt Ich kann beobachten und kann schreiben, was ich gesehen habe. Wünschen Sie Schilderungen nicht alltäglicher Art? Ich bin bereit. Ihre Leser­schar wird sich in einigen Wochen um das Dop­pelte vermehrt haben, 3 bet you, schief? (Wetten?)

Majestät lachte, deutete auf den Klubsessel, schob Gerd eine Zigarrenkiste hin:Go on, Help your seif (Ditte. Helsen Sie sich selbst!)

Gerd lief} sich das nicht zweimal sagen, blinzelte keck zur Sekretärin hinüber, die gerade dabei war, einenchewing gum (Kaugummi) zwischen die Goldzähne zu schieben.

Der Chef steckte sich eine Brasil in den linken Mundwinkel und lächelle:Selbstverständlich, my boy, vor allen Dingen Kopfreklame. Der Tstel muß ins Auge springen, muß in das Hirn des Lesers einschlagen wie ein Donnerkeil. Dabei griff er in die Tasche, zog ein Spiel Karten heraus. Können Sie pokern? Famos! Also den Gegner blüffen die Kardinalregel. So auch bei uns!" Der fabelhaft elegante Mann erhob sich, reichte ihm die Hand:See you again, Sir (Hoffe, Sie wiederzusehen.)

Hnd ehe Gerd wußte, wie ihm geschah, sauste er per Expreß in die Ttese, der Wolkenkratzer spie ihn aus, taumelnd vor blödsinnigem Glück fegte Gerd in des Wortes wahrster Dedeutung durch die toogenben Menschenmassen.

Amerikanischer Journalist! . . .

Hnd dann kam doch der Tag, da er der Zeitung Lebewohl sagte. Ein neuer Rausch hatte sich seiner bemächtigt. Der Glanz des Journalis­mus war verblichen. Was war er denn? Ein Heiner winziger Reporter. Hnd was konnte er werden? Ein Hobo, ein amerikanischer Aben­teurer! Werde es! ...

Station. Darackenlager. Arbeiter beim Dahnbau.

Kinder, na, was lagt ihr zu dem Sport? Maln bißchen die Schaufel und die Pickel in die Hand nehmen? Das gibt Kraft und gesunden Appetit. So was macht Spaß!" Marschall blin­zelte mit seinen Augenlidern. Da lachten sie hell auf und sagten nicht nein. Abwechslung muh ins Leben, hast recht, alter Sportgeselle! Eie sprangen ab und nahmen Stellung. Als Rottenarbeiter. Tom, der Vormann, lachte sich in die Fäuste: Die Freude! (Snblid) mal wieder Menschen. Ich bin ja bald an Gehirnlähmung zugrunde gegan­gen bei meinen italienischen Orgeldrehern. So­bald lasse ich euch nicht mehr los."

Da lernte Gerd den Hammer schwingen, da- Stoßeisen meistem, Bäume fällen, Dalken schlep­pen. Aus anfänglichen Schmerzen und Glieder- fiebem entwickelte sich geschmeidige Muskelelasti- zität. Hart wurden sie wie Stahl. Die weichen Hände überzogen sich mit rissiger Hornhaut. Die Rägel kappten. Rach Feierabend lernte er. wie man in alten Kesseln über Lagerfeuern aus nichts das köstlichste Mahl bereitete. Aus gebrauchten Konservenbüchsen wurde alles hergestellt: Tassen, Messer, Pfannen. Teller. Pfeifenreiniger. Schuh­abkratzer. Auf hartem Lehmboden schlief er wie ein junger Gott. Richt mal das Liebkosen huschender Rattenschwänze spürte er. Des Sonntaas spielten

-rg, 17. Januar 1925

tergerste frei wird, toacn er Frühkartoffeln trug. Cs ist daher ratsamer, die Futtergerste nach einer Hülsen frucht oder Klee anzubauen, welche beide einen fast ausreichenden Vorrat an Stickstoss ge­währleisten. Gedüngte Hackfrucht dagegen wird als Vorfrucht für Braugerste am zweckmäßigsten fein.

Aus der Wahl der Vorfrucht ergibt sich dann schon ohne weiteres, ob noch Stickstoff in Form von Kunstdünger gegeben werden muß. Aach Hülsenfrucht wird man mit Zugabe von Stickstoff vorsichtig verfahren muffen, dami! nicht Lager eintritt. Anders ist es nach Hackfrucht. Hier wird eine (nicht zu hohe) St.ditoffqabc nötig. Es ist bekannt, daß in der ersten Ent­wicklungszeit bis zum Schoßen einschlieslich der Hauptverbrauch an Rährstoffen bei den Halm­früchten vor sich geht. Da nun die Gerste, wie erwähnt, leichtlösliche Dünger besser ausnüyt. so wird man ihr solche zur Verfügung stellen Die salpeterhaltigen Dünger stehen darunter an erster- Stelle. Salpeter beschleunigt die Jugend- entwicklung der Pflanzen sehr erheblich, so daß in späteren Entwicklungsstadien natürlich i) c 211- spräche an die anderen Rährstoffe entsprechend steigen. Aus genügendes Vorhandensein der­selben, besonders audb von Wasser, ist deswegen Rüchicht zu nehmen. Ammoniak wird zu Gcrfie ebenfalls mit Erfolg angewendet, wenn sich auch der Ammoniakstickstoff im Boden erst in Salpetcrstickstoff umfetzen muh. Will man Kalk- stickstoff geben, so muß man ihn so frühzeuig streuen, daß die einige Zett erfordernde Um­wandlung in Salpeterform im Boden betritt vor sich gegangen ist. wenn die Körner bi den Bo­den kommen, damit die jungen Pflanzen keinen Stickstoffhunger leiden.

Bezüglich der Phosphorsäuredüngung gilt Aehnliches, wie eS zu Stickstoff dargelegt ist. Besonders für die leichtlösliche Phosphorsäure les Superphosphals ist die Gerste aus den oben ange­führten Gründen dankbar, während Thomasmehl bedeutend weniger wirksam ist und die noch schwerer löslichen Formen, wie Knochenmehl zum Beispiel, in der kurzen Degctationszett der Gerste überhaupt kaum zur Wirkung gelangen. Die Phosphorsäuredüngung zu Gerste kann sich über­all dort, wo sie auch zu anderen Früchten regel­mäßig angewendet wird unD dadurch eine ge­wisse Anreicherung de- Boden- an Phosphor­säure vorhanden ist, in bescheidenen Grenzen halten. Sie muh von dem Gesichtspunkte aus betrachtet werden, dah sie die Pflanzen nicht mästet, sondern ihnen nur ein gesünderes und kräftigeres Wachstum verleiht, welches sie vor­nehmlich auch vor Krankheitsanfälligkeit schützt.

Anders verhält es sich Dagegen mit Kali. Die Gerste ist eine kaliliebendc Pflanze. Da­her darf gerade dann, wenn die anderen Dünger in reichlichem Maße gegeben werden, an Kali nicht gespart werden. Rach herrschender An­sicht ist unter den Kalidüngern das Kainit den konzentrierten Kalisalzen vorzuziehen, weil die Gerste auf die im Kainit befindlichen Reben salze, wie Chlormagnesium und Chlornatrium, gut reagiert. Rur da, wo starke Verkrustung des Bodens zu befürchten ist, ist 4vprozentiges Kali zu bevorzugen.

Richt zu vergeben ist al- vierter Hauptnahr- stoss der Kalk. Ohne einen genügenden Kalk­vorrat sind Höchstemten von Gerste nicht zu erzielen. Der Kall hat bekannterweise nicht nut ernährende Funktionen im Ackerboden zu ver­richten, sondern ist auch indirekt wirksam, indem er den Boden lockert und krümelt und dadurch gleichzeitig günstige Lebensbedingungen für die Kleinlebewesen der Krume schafft. Infolge sei­ner ausschliehenden Tätigkeit mobilisiert er die anderen im Boden vorhandenen Rährstoffe und macht sie für die Pflanze verfügbar. Höchste Bodenkultur kann nur durch Beigabe von Kall erreicht werden. Weiter kommt hinzu, daß Kalk besonders im Zusammenwirken Imit Magnesia anregend auf das Wachstum der Wurzeln und speziell der Wurzelhaare wirkt. Somit beför­dert er also die Aufnahmefähigkeit der Gerste für sämtliche dargereichten Rährstoffe. Hnd schliehlich ist noch eine weitere wesentliche Be­deutung der Kalkdüngung unter den beschrieb denen Verhältnissen hervorzuheben insofern, als die vermehrte Anwendung von Kalisalzen die Entkalkung der Böden beschleunigt. Kalk ver­hindert demgemäß die Zunahme der Boden- säure. Es sei noch weiter angefügt, daß der Reigung zum Lagern ebenfalls durch Kalk vor» gebeugt wjrd.

Die Kultur der Gerste bedarf einer gründ­lichen Vorbereitung und sorgsamer Heberlegung in Bezug auf die vorzunehmende Düngung. Rrn

Italiener zum Tanze auf, die Polen polterten Den Krakowiak. Blau von Musik und Alkohol, inszenierten sie beim Mondschein die interessan­testen Boxwettkämpfe. Während Gerd in irgend­einer Ecke lag und Sportberichte vom Schienen­strang an seinen Freund Macghie schrieb, dah ihm die Finger knackten.

Mitten in der Arbeit geschah e6. Ein Pfiff des Vormannes. Die Arbetter spritzten zur Seite. Mit halber Kraft Durchfuhr der Illinois Cen­tral" die Strecke. Gerd fing einen Blick Sait Lake Freds auf. Da gab eS einen Knacks in feinem Herzen. Lichterloh flammte eine wahnsinnige Sehnsucht auf: Fort, fort aus diesem öden täg­lichen (Einerlei. Wie konnte er nur! Der Sprung Gerd sauste mit Fred dahin--

Hallo, bvys, viel Glück!

Tom winkte mit der Hand. Er verstand sie. Sie pfiffen auf Den noch ausstehenden Lohn, auf Die Habseligkeiten in der Baracke. _ Sie jagten Dahin im Glück-taumel. Tage und Rächte. Tranken kaum, aßen noch weniger. Ihr Leben bestand in Springen, Träumen und aus Tabak- genuh. Es war, als litten sie an Verfolgungs­wahn, und waren selig dabei wie Die Kinder. Was lag daran, wenn sie öfter die Richtung verloren! Ihr Ziel ging ins Grenzenlose. Sie hatten ja Zeit, kostbare, herrliche, freie Zeit. Auf kleinen Stationen liehen sie sich Karten aushändigen, legten sich im Sonnenschein auf Den Bauch, studierten die Karten mit einer In­brunst, die eines Generalstäblers würdig ge­wesen wäre. Maßen die Entfernung, suchten die besten Verbindungen, rechneten die Meilen aus, punktierten chie Wasserstationen, um schließlich im tollen Hebermute gerade die entgegengesetzte Richtung zu nehmen. Rur, weil es ihnen Svah machte. Fuhren zwei Tage im Düffelwagen, dreh­ten sich, wenn Die Zigaretten alle waren, neu« aus getrocknetem Diehmist und altem Zettungs- papier. Schloteten wie kleine Fabrikschornsteine

Ist daS nicht märchenhaft, Fred?"