Einzelbild herunterladen

Die Heimarbeiterinnen.

Ein langer trauriger Zug durch die Jahr­hunderte: Spitzenklöpplerinnen. Weihnäherinnen, Flickerinnen, tleine Schneiderinnen, Stickerinnen. Von Zeit zu Zeil setzt eine große Bewegung ein, die stärkste um die Mitte des vorigen Jahrhun­derts in England, um ihnen zu helfen. Mitleidigen brach beinahe das Herz, als sie in das Glend hineinschauten. Damals dichtete H o o dDas Lied vom Hemd", das in wenigen Strophen all das Furchtbare einer Heimarbeiterinnenexistenz zum Ausdruck brachte und die Gewissen der Be­sitzenden weckte:

Mit müden, abgearbeiteten Fingern, Mit schweren, geröteten Augenlidern.

Sah da eine Frau in unfraulichen Lumpen, Zo^k ihre Radel und fang:

Rahe, nähe, nähe..."

Es wurde vielerlei versucht und vieles gebessert: die größte Hilfe kam von den Frauen der wohl­habenden Kreise, die guten Willens waren.

3n Deutschland entstand eine ähnliche Bewegung Anfang des letzten Jahrzehnts im vorigen Jahrhundert, zuerst mit wenig Erfolg. Aoch im Jahre 1913 antwortete einer der Führer der christlichen Gewerkschaften, die ihren Mittel- punlt im. katholischen Volksverein in M.-Glad- bach hatten, auf die Bitte, sich der Sache der Heimarbeiterinneri anzunehmen, mit skeptischem Achselzucken: ..Ach, das ist auch so eine faule Kiste." Der Ausdruck, so derb er auch ist, ent­sprach der Lage. Man organisierte und organi­sierte: wenn im ganzen Reich einmal 1Z bis 20 000 Arbeiterinnen in einem Verein zu- sammengeschlossen waren und der Jubel schon groß war. bröckelte im nächsten Jahre die Hälfte wieder ab. In der genannten Stadt war ein Sekretariat für die Heimarbeiterinnen, wo ein paar Dutzend Mitglieder hvffnungs- und ver­trauensvoll ihr? Beiträge ablieferten: es kamen Redner und Rednerinnen, auch Fräulein Behn: viel guter Wille, viel Begeisterung, von Zeit zu 3git auch wirkliche Hilfe, indem ein Fabrikant bewogen wurde, die Arbeit besser zu bezahlen: ober die Gesamtheit der Arbeiterinnen war nicht zu erfassen, aus folgendem Grunde: In den um- liinenden Dörfern übernahmen die Tochter der Kleinbauern Heimarbeit für geringe Bezahlung, von t'?r eine mittellose Frau in der Stadt nicht die alferbürftigfte Lebenshaltung bestreiten konnte. Die Bäuerinnen verschafften sich auf diese Weise Bargeld zur Ausstattung. Kein Redner half da, alle Versuche, das Gemeinschaftsgefühl zu wecken, prallten ab: und so blieb es beim alten. Aehnlich erging es ja vor dem Kriege den Privatlehre­rinnen in Berlin: sie konnten sich nur mühsam gegen die Konkurrenz der Haustochter behaup­ten, die Rachh'lfestunden für wenig Geld gaben, um in ihren Ausgaben für Kleidung und Ver­gnügungen von den Eltern unabhängig zu sein.

Aehnliche Hrlachen. wenn nicht dieselben, wir­ken überall, in allen Landern, zum Schaden 6er Heimarbeiterinnen. Kem Gesetz, kein Tarifvertrag kann da allgemeine Ordnung fchasfen: es find Verträge von Mensch zu Mensch, wer kann dabei sein und die Abmachungen überwachen? Was nützt ein Lohntarif, wenn er nicht ge­halten wird? Ein Fabrikant will verdienen, und eine Hausfrau telll sparen. 5>aS Lied vom Hemd ist längst vergessen, auch in ethischen Fragen und Gemütserregungen gibt es Ebbe und Flut.

In d"m neuesten Roman Galsworthys.Der weiße Affe", wohl die beste Schilderung des Englands unserer Zeit, erscheint die Heimarbeite- rtnnenfrage tweder im düstern Licht: Dictorine. Die hübsche Blufennäherin, wird, als sie und ihr Mann nur noch die Wahl zwischen Arbeits­haus und Selbstmord haben, Modell. Der Krieg hat die Rachen in England Wohl reicher ge­macht. die Armen scheinen arm geblieben zu sein.

In Deutschland ist durch die Inflation die Zabl der Heimarbeiterinnen bedeutend ver­größert worden: viele Flauen des M'ttelstandes, 7a sogar der höheren Stände sind auf He'marbeit anaewiesen, Mütter, die bis in die Rächt hinein nähen und nähen, um ihren Kindern Brot zu schaffen, Töchter, die ihre Estern erhalten müssen. Die schreiende Rot dieser Enteigneten hat zur Gründung vieler H'lfsorganisattonen geführt, die zum Teil noch bestehen. ab?r mehr oder weniger von Auslosung bedroht sind: denn nichts wider- stoht bet Zeit, auch das Mitleid nicht, wenn es nicht immer von neuem geweckt wird. Man verläßt sich wieder auf das Gesetz und den Staat, die doch fchon lange, in allen Ländern, ihre Hn- fähigkest bewiesen haben, diese Frage ganz zu lösen. Die Lösung hängt von den wohl­habenden Frauen ab.

Dor dem Kriege gab es einige Städte, wo die Frauen auf dem besten Dege waren, das Werk zu vollbringen. Drei Forderungen führen zum Ziel:

1. Man gewöhne skch daran, nicht zu feil­schen: es ist leicht zu berechnen, wieviel einer Arbeiterin ebührt, damit sie menschenwürdig leben kann. Wenn es oft im Gespräch der Haus­frauen als Ruhmestitel gilt, daß dies oder jenes so billig erstanden worden ist, diese ober jene Heimarbeiterin so billig für sie arbeitet, so ist das ein sehr zweifelhafter Ruhm, manchmal auf Gedankenlosigkeit beruhend. Gin paar Mark mehr belasten einen solchen Haushalt nicht: für die Heimarbeiterin bedeuten sie die Existenzmvq- lichkeit. Das Gewissen soll hier sprechen, nicht nur das Eigeninteresse: ganz abgesehen von der Stimme des Hebens. Sagt man nicht, daß das Herz der schönste und kostbarste Besitz einer Frau fei, ihr eigentliches Wesen?

2. Eine außerordentliche Förderung bedeutet es für die Sache der Heimarbeiterinnen, wenn sich woNhabende, wenigstens materiell unabhän- tziae Flauen zu einem Vereine zusammen­

schließen, bet Arbeitsmöglichleiten verschafft und den Verkauf leitet. Viele müssen sich zusammen- tun, denn auch der beste Wille erlahmt, wenn die Last immer auf denselben Schultern ruht. In Gießen besteht feit Jahren der Bienenkorb, der schon viel geleistet hat und noch leistet. Wer hilfreich sein will, möge vor allem in feinem Be­kanntenkreis dafür werben und sorgen, daß man die Preise nicht zu hoch finde. Sind Jumper und Kinderkleidchen nicht viel reizender-, wenn man weiß, daß die fleißigen Hände, die daran gear­beitet haben, sich gern, und freudig bewegt haben? Sollte glicht jede Frau Freudespenderin sein?

3. Es ist leicht, in solch einem Verein ein persönliches Verhältnis anzubahnen und die Menschenwürde zur Geltung zu bringen, im Gegensatz zu dem verderblichen Prinzip, daß der Mensch und seine Arbeit auch nur Ware fei. Dadurch Kirnte der Schaden, den die Inflation angerichtet, etwas verringert, viele Bitterkeit ge­mildert werden.

Wir feiern religiöse Feste, hören von Kon­ferenzen über praktisches Christentum nun, die Heimarbeit ist eins der vielen Gebiete, wo Glauben und Liebe sich betätigen können. Mögen die Frauen sich darüber klar werden, nicht das Gesetz bringt hier Hilfe, allein i h r guter Wille. Von ihnen hängt es ab, daß im verarmten Deutschland das Lied vom Hemd nicht schreckensvolle Wirklichkeit werde. M. R.

Oberhesfen.

Lattvkrcis (<: s;rn.

:. Aus bem Sujeder Tal, 15. Oft. Die Kartoffelernte in unserem Tal ist fast beendet. Infolge des prachtvollen Wetters der letzten Wochen ging die Ernte schnell vonstatten. Die Kartoffeln kamen sauber und trocken in den Keller. Die Ernte war gut, stellenweise sogar sehr gut Untere Landwirte sind nun stramm am Einfahren der Dickwurzeln. Im großen und ganzen ist auch diese Ernte als gut zu bezeichnen. Während in früheren Jahren in unserer Gegend fast nurgesetzte" Dickwurzeln auf die Aecker kamen, ist man in den Rachkriegsjahren dazu übergegangen, ganze Aecker mit Dickwurzlernen zulegen". Es ist dies namentlich in trockenen Vorsommern von großer Bedeutung, wenn es in dieser Zeit beim Verpflanzen der jungen Dick- wurzpflänzchen am nötigen Regen fehlt, ilnb so sieht man denn in diesem Jahr besonders deutlich den Hnterschied in der Ernte. Die umgesehten Dickwurzeln sind infolge der Trockenheit des Vorsommers im Wachstum zurückgeblieben, wäh­rend man bei gesäten Dickwurzeln besonders starke Exemplare ernten kann. Die besten Er­träge liefert die Sorte ..Eckendorfer Riesen­walze". Pflanzen von 12 bis 14 Pfund Gewicht find keine Seltenheit. Inzwischen hat auch die Aussaat des Wintergetreides be­gonnen, und infolge der günstigen Witterung schreitet dieselbe rasch vorwärts.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 14. Oft In sehr vorteil­hafter Weise führte sich gestern abend die H e s s. Landeswanderbühne in unserer Stadt für den kommenden Winter ein, daS reizende Lust­spiel von Moreto,Donna Diana", fand sowohl wegen seines Inhalts, als auch besonders wegen der ausgezeichneten Darstellung eine sehr bei­fällige Aufnahme. Wenn auch der Besuch etwas zu wünschen übrig ließ und der Saal von Groß- Friedberg nur etwa zur Hälfte gefüllt war, so hoffen wir, daß sich die Mitglieder dadurch nicht abschrecken lassen und bei nächster Gelegenheit auch wohl auf einen stärkeren Besuch rechnen dürfen. Die Wahlbewegung für die demnächst stattfindende Stadtverordnete nwahl war bis jetzt noch sehr ruhig. Erst im Laufe der Woche werben die politischen Parteien zusam- mentreten, um ihre Listen aufzustellen. Außer den politischen Parteien werden noch eine ganze Aeihe von Jnteressentengruppen erscheinen: so hat die Mieterpartei bereits in ihrer letzten Sitzung erklärt, wieder mit einer eigenen Liste auftreten zu wollen. Eine gestern Abend ins Hotel Trapp berufene Bürgernersammlung war nur schwach besucht. Dje Tendenz der Versammlung warAuf das Rathaus gehört keine Pc^itik". jedoch wurde von verschiedenen Seiten in der Diskussion bezweifelt, ob dieser Grundsatz durch­führbar ist. Jedenfalls aber will man auch mit einer eigenen Liste vorgehen.

hr. Rieder-Florstadt, 15.Oft Die Turngemeinde Florstadt stellte 1923 eine Turnhalle von 10 mal 14 Quatratmeter im Dvhbau fertig und erledigte 1924 den Innenaus­bau. Bei Benutzung der Halle, besonders zu Festlichkeiten, zeigte sie sich als zu klein. Deshalo beschloß man, den von vornherein schon geplan­ten A n b a u für Bühne, Wirtschafts- und Geräteraum noch dieses Jahr aufzuführen. Das Material ist zum größten Teil angekauft, so daß bis zum Eintritt der Kälte der Rohbau noch fertig werden konnte. Die Mittel zum weiteren Dau will man durch Vermieten der Halle bei Festlichkeiten an Wirte aufbringen, Vorläufig will man aber Anteilscheine ausgeben, die bald wieder eingelöft werden können. Spenden will man nicht sammeln, da beim Dau des Hauptge­bäudes die Mitglieder und Freunde des Vereins starke Leistungen aufgebracht haben. So hatte Baron von Low zirka 300 Quatratmeter Ge- lanbe zur Verfügung gestellt, das Holz bekam der Verein zu ermäßigtem Preis aus den Wäldern des Grafen von Assenheim. Fast alle Mit­glieder halfen, jeder nach seinen Kräften, beim Heranbringen des Materials und Der Aufbrin- gung der notwendigen Gelder, so daß die Halle

bezahlt ist. Durch Vermieten an Wirte gehen namhafte Beträge ein, die biS jetzt zum Abtragen der Restschulden dienten, und die man nun zum Weiterbau benutzen will. Man hofft, später einmal das Gelände, das vorläufig leihweise zinslos überlassen wurde, aufkaufen zu können. Der Dau der Autohalle schreitet schnell vorwärts: der Rohbau ist beendet, so daß wohl bald die Wagen hier eingestellt werden können. Die Straße nach Friedberg ist fertig und der Betrieb feit Montag wieder mit zehn Hin- und Rückfahrten pro Tag voll aus­genommen. Außer der bequemen Verbindung empfindet man besonders die gleichmäßige Fahrt auf der nun ebenen Straße als große Erleich­terung. Bei den kleinen Landwirten ist die Kartoffelernte fast vollständig beendet. Man pflügt, sät und bringt die Rüben heim, die durch die Rachtfroste leicht beschädigt werden können. Die größeren Güter hier und in der Rahe haben zum Teil noch viel Kartoffeln stecken, weil es ihnen an Arbeitskräften mangelt. Die Schulkinder ,die hier sehr viel tätig sind, müssen nun wieder zur Schule und können statt eines Ganzen nur noch einen Viertel machen. Dadurch stockt die Arbeit, und die Zuckerrübenernte ist in Gefahr, durch Frost behindert und beschä­digt zu werden

Kreis Schotten.

xlx Schotten. 15. Oft. In Ridda fand am Dienstag eine Versammlung statt, in der übet die Einführung der Autopost Schot­ten Ulfa jungen beraten wurde. Von Darmstadt war Qberpostrat Wittich erschienen, von Schotten Regierungsrat Weber, von Gießen Regierungsrat Braun. Außerdem waren an­wesend die Vertreter der in Betracht kommenden Gemeinden. Regierungsrat Weber leitete die Verhandlung. Postrat Wittich erflärte, er habe tags zuvor die fraglichen Strecken abgefahren. Leider habe er feststellen müssen, daß die Strecke UlfaEichelsdorf für die schweren Postautos ungeeignet sei. Erst müsse die Straße in einen anderen Zustand verseht werden (starke Kurven und großes Gefälle). Es wurden noch verschie­dene Projekte besprochen, die jedoch auch keinen Anklang fanden. Es wurde daraufhin beschlosfen, an dem alten Projekt SchottenEichelsdorf UlfaHungen festzuhalten, die Sache jedoch noch zurückzu st eilen, bis die, Strecke fahrbar ge­macht ist.

te» Ulrichstein, 15. Oft. Gestern tagte in dem hochgelegenen Gebirgsstädtchen des Vogelsberges eine Versammlung der beteiligten Gemeindevertreter zur Beratung der neuen Postkraftwagenlinien Alsfeld Meiches Ulrichstein und Alsfeld Großfelda illridjfiein Rieder« gemünben. Den Vorsitz führte der Vertreter des Kreisamts Alsfeld, Regierungsrat Strack, ferner waren erschienen vom Kreisamt Schotten Regierungsrat Weber und Qberpostrat W i t - t i ch von der Oberpostdirektion Darmstadt. Es wurde zunächst verhandelt übet die von den Ge­meinden zu leistende Garanttesumme und dann über den Fahrplan der neuen Strecken. Gemäß dem Vorschlag der Postbehörde einigte man sich dahin, daß die von den beteiligten Gemeinden zu leistende Garantiesumme nach der De- völlerungszahl der einzelnen Gemeinden aus- geschlagen und verteilt werden soll. Es kommen etwa 3,50 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung der einzelnen Gemeinden. Der von der Post­behörde vorgelegte Fahrplan der beiden neuen Strecken fand mit geringen Aenderungen An­nahme. Sobald die endgültigen Beschlüsse der einzelnen Gemeindevertretungen über die Be­willigung der Garantiesumme vorliegen, sollen die neuen Linien alsbald in Betrieb genommen werden. Wie sich aus der Aussprache ergab, werden die neuen Derkehrsverbesse- rangen im Vogelsberg von den beteiligten Ge­meinden freudigst begrüßt.

Kreis Lauterbach.

£ Lauterbach, 15. Oktober. Aus der jüng­sten Stadtverordnetensitzung ist zu be­richten: Der mit dem Hess. Justizministerium bezüglich der A m t s g e r r ch t s r ä u m e neu ab- zu schließende Mietvertrag findet nach dem vorliegenden Entwurf Annahme. Die Jahres­miete beträgt 3300 Rm. Die Pachtpreife ür verpachtetes städtisches Qlder- und Wiesengelände werden nach dem Vorschlag der landwirtschaftlichen Komission fest­gesetzt. Hiernach sollen in 1925 je nach Bonität des Landes pro Morgen 20, 19 bzw. 18 Rm. Pacht erhoben werden. Von den verpachteten Gartenbeeten sind je nach Beschaffenheit des Landes 2 bzw. 3 Pf. Pacht pro Quadratmeter zu erheben. Diese Pachtpreise entsprechen int allgemeinen den vom Siedlungsamt festgesetzten Pachten. Ein Gesuch des Karl Großmann um pachtweise ileberlaffung eines Wiesengrund- lücks an der Großen Bleiche wird genehmigt. Als Pachtpreis wird der durchschnittliche Ver­steigerungserlös, wie -er für derartige Grund­stücke erzielt wird, festgesetzt. Hm die notwen­digsten 'Bauarbeiten an der Krie ger­geb e n k st ä 11 e weiterzuführen, beabsichtigt der Denkmalsausschuß bei der Dezirkssparkasse Lauterbach ein Darlehen bis zu 5000 Mk. auf­zunehmen. Der Ausschuß ist an die Stadt mit dem Ersuchen herangetreten, die Bürgschaft zu übernehmen. Dem Antrag wird stattgegeben. Der aufzunehmende Betrag soll im Laufe des Winters bzw. der nächsten Monate durch frei» willige Spenden wieder aufgebracht werden. 3m weiteren Verlauf der Sitzung beschäftigte sich der Stadtvorstand mit der geplanten A u t o - Pvstlinie Herbstein Fulda. Rach ein­gehender Aussprache billigt der Stadtvorstand einstimmig die diesbezügliche Haltung des Bür­

germeisters und die bereits von diesem unter­nommenen Schritte, die daraus abzielen, diese Linie zu unterbinden. Schließlich wird noch beschlossen, die vor und auch noch zu Be­ginn des Krieges jeden Samstag auf dem Marktplatz stattgesundenen Wochenmärkte in der früheren Weise wieder aufleben zu lassen. 3n der Hauptsache soll dieser Markt mit Kar­toffeln. Obst, Gemüse, Frucht und dergleichen be­fahren werden. Durch die Wiedereinführung die­ser Märkte, die stets reges Leben und Verkehr brachten, dürften auch dem Gesinde vorn Lande wieder bessere Absatzmöglichkeiten für ihre De­putatfrüchte und der Einwohnerschaft leichtere und bequemere Kaufgelegenheit geboten wer­ben. Der e r ft e Markt findet bereits Sams­tag. 17. d. Mts., statt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

. J*,3Lau Okt. Der in Hirzenhain

durch Absturz schwer verunglückte Fritz Wei­mer von hier ist in der Klinik zu Gießen seinen Verletzungen erlegen Die Leiche wurde hierher in das Elternhaus de« Verunglückten überführt.

Kreis Biedenkopf.

XX Fellingshausen. 15. *0^ Große Hoffnung setzt man hier auf die in Angriff ge­nommene Wasserversorgung. Oberhalb des Dorfes, an der Straße nach Frankenbach, wurde der Hochbehälter erbaut, welcher der Voll­endung entgegengeht. An der Straßenabzwei­gung nach Crumbach konnte am Fuße des Dünsberges die Quelle ausgeschlossen wer­den. Es ist allerdings eine Frage, ob diese Quelle sür unsere rasch wachsende Gemeinde genügend Ruhwasser liefern wird.

XX Frankenbach, 15. Oft. Die Kar­toffelernte ist hier beendet, man ist mit dem Ertrag sehrzufrieden. Selbst alte Bauers­leute haben ihre Kartoffelleller noch nie so gefüllt gesehen wie diesmal. Die Zusam­menlegung unserer Feldmark ist jetzt zur Zufriedenheit-durchgeführt. Es gilt nun nur noch, das Wegenetz der großen Gemarkung auszubauen.

Dillkreis.

bL Dillenburg, 15. Oft. Die St aßt- verordneten beschlossen in ihrer iungsten Sitzung, den Zuschlag zur st aatVi'cßen Wanderlager st euer von 100 auf 150 Prozent festzusehen. Aus dem Lehrersemi­nar wurde eine Anzahl Einrichtungs- gegenstände zum Preise von 906 Mk. er­worben. Die Getränke st euerordnung der Stadt wurde nach dem Magistratsvvrschlag abgeändert. Heber die Errichtung eines wei­teren Hotels in der Stadt entspann sich eine längere Debatte. Der Magistrat hat Schritte beim Gast Wirteverband in Kassel unternommen. Man will den Fremdenver­kehr hierdurch heben, der letzten Endes dem Handwerk und Gewerbe nützlich sei. Die Ver­sammlung stand der Angelegenheit mit geteilter Meinung gegenüber. Die nächste Sitzung soll Klarheit schaffen.

Oberlahnkreis.

* Weilburg, 15. Oft. Die G e treibe» mühke von Ehr. Moser geriet heute früh in Brand. Die Flammen ergriffen in kurzer Zeit auch eine benachbarte Holzschneiderei und eine Schreinerei. Während die Schrei­nerei und das große Holzlager völlig nie­derbrannten, konnte die Mühle und die anderen angrenzenden Gebäude noch im letzten Augenblick gerettet werden Man vermutet Brandstiftung, da an verschiedenen Stel­len in der Mühle abgebrannte Stearinkerzen ge­funden wurden. Auch der Hofhund wurde vergiftet vorgefunden Der Schaden ist sehr beträchtlich. Rach einer späteren Meldung sind von der Polizei drei Arbeiter der Rachtschicht unter dem Verdachte der Brandstiftung verhaftet worden.

Frankfurt a. M. und Umgegend.

fpd. Frankfurt a. M, 15. Oft. Das Barometer stand in der letzten Stadtver­ordnetenversammlung wiederholt auf schweren Sturm. In fast sechsstündiger Sitzung wurde ein Bruchteil der umfangreichen Tagesordnung ertebigt. Die weitaus meiste Zeit wurde durch nutzlose Reden vergeudet. Der Ma­gistrat hatte gegen den Willen bed Plenums einen Angestellten auf Privatdienstver- trag zum Leiter des Wohnungsamtes bestellt, einen Mann, der sich hervorragend be­währt hatte. Trotzdem verlangt die Versamm­lung den Abbau dieses Mannes und spricht bem Magistrat das Recht ab, bei Besetzung derart wichtiger Posten allein zu verfügen. Zur Klä­rung dieses wichtigen Rechtsfalles soll nun ein besonderes Gutachten eingcboTt werden. Sehr ernst ging das Haus mit dem Magistrat bei der Vor­lage auf Dewill'gung von 1 300 000 Mk. für die Messegesellfchaft ins Gericht. Man er­kannte wohl die wirtschaftliche Bedeutung der Messe an, vermißte aber die bei den Messe- bauten gebotene Sparsamkeit und kritisierte sehr scharf, daß der Magistrat die Versammlung stets vor vollendete Tatsachen stelle. Infolgedessen wurden die verlangten 130000 0 Mark zum zweiten Mal nicht be­teil ligt. Erst wenn die Meffegesellschast eine Bilanz und einen Geschäftsbericht vorlegt, will man die Vorlage vevabscheden. Inzwischen aber wird das viel umfehdete ,§auS der Moden" weiter mit einer wertvollen Marmorbeklei­dung versehen. Die Verteidigungsrede des Ober­bürgermeisters Dr. Landmann in b:efer Sache

MAGGP SUPPEN

?w

AGG '-SUPPEN

sind billig, nahrhaft und wohlschmeckend

MAGGr Supper

* ' SPeC

,bS'

RS