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11. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

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Engelhardt spürte, wie ihm etwas die Brust

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Ein Zucken in Ruths Hand lieh ihn auf- schrecken.

Auf einmal war die wilde Spannung wieder da, dieses elementare Gefühl des Hasses, das ihn ergriffen hatte, als er zu erkennen glaubte, daß er nicht mehr der einzige Mensch war, der ihrem Leben Inhalt gab. Argwöhnisch lauschte er auf den bebenden Klang, der jetzt in ihrer Stimme schwang.

Sie fuhr fort:

Damals hat Hanns Ingold geantwortet, er wolle trotzdem studieren. Er kam in den Ferien nach Hause.. Ich wurde siebzehn Iahre, da begann die Zeit, in der ich das Alleinsein nicht mehr ertrug, und als ich achtzehn Iahre alt war, haben wir uns gesagt, wir hätten ein»

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Worte, die er gebraucht hatte. Der erste in ihrem Leben, der erste fremde Mensch, der sich zwischen sie und ihn gedrängt hatte, so ungefähr war's gewesen, und nun kam das Mädel und sagte ganz einfach:Wir hatten einander lieb, und der Hanns ging fort." Aber sie hatte auch gesagt, daß sie das Alleinsein nicht mehr er­tragen habe. Hilflos sah er und fragte endlich leise:

Warum hast du mir denn damals nichts davon gesagt?"

Das weih ich heute nicht mehr, vielleicht wäre es dann nicht mehr wahr, nicht mehr mein gewesen, ich weih es nicht. Vielleicht habe ich auch geglaubt, du mühtest das alles von selbst wissen."

Das heißt, ich bin ein schlechter Vater ge­wesen", versetzte er müde.

Ihre Hand zog sich scheu zurück.

Sag' das nicht", erwiderte sie leise.

Eine Stille entstand, in der ihr erregter Atem hörbar auf und nieder ging. Im Flur tönten Schritte, um wieder zu verhallen. Endlich raffte Engelhardt sich auf und trat vor seine Tochter hin.

Liebst du ihn noch? Besteht zwischen euch eine Verbindung, die du nun, da ich darum

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bis zum Wald gekauft. Wir haben ihn auf allen Seiten als Rachbar."

Woher weiht du das? Das ist nicht wahr. Aber wenn es wahr ist, dang

Ein Klopfen an der Tür unterbrach seine drohenden Worte.

Ein Knabe brachte einen Brief.

Ruth reichte ihn dem Vater.

Ich glaube der Brief ist von Ingold, Papa."

Unschlüssig wog er ihn in der Hand.Am liebsten"

Rein, du muht ihn lesen." Sie drängte seine Hand zurück.

Als er den Brief öffnete und las, hingen ihre Blicke an seinem Gesicht. Sie sah, wie es sich braun färbte.

Du hattest recht, Ruth. Er hat uns so gut wie abgewürgt."

Langsam reichte er ihr den Brief. Fz stand nichts darin als die Anzeige, dah die Alle, also Aecker und Matten vom Lauffen bis zum Wald, aus dem Besitz der früheren Grundeigen­tümer in Ingolds Hände übergegangen seien. Der neue Besitzer bat um gute Rachbarschaft und versprach, solche zu halten, so weit es in seinen Kräften stände.

Das Papier zitterte in ihrer Hand.

Ich habe ihm schon gesagt, daß St. Ioseph nicht käuflich ist", stieß sie hervor und erzählte in kurzen, abgebrochenen Sätzen, was sich ereignet hatte.

Während sie sprach, erhellte sich Engelhardt- Gesicht, und als sie zu Ende war, ging er zu ihr hin, zog sie an sich, schüttelte die Locken und rief:

Also bist du doch mein Mädel! Und deine Iugendliebe, die will ich respektieren und einen Kranz auf ihr Grab tragen. Laß sie nur kom- men, die Schänder und Schinder der Ratur: hier sollen sie vergebens ihre Goldstücke tanzen lassen. Wir halten fest am ewigen Glauben, an der Heiligkeit dieses stillen geruhigen Lebens in der Innigkeit unserer Uebereinstimmung mit den Kräften der Ratur."

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Er ließ sich schwer in den Schreibsessel fallen und stützte den grauen Kopf mit beiden Händen. Seine Stimme war so voll Gram gewesen, daß sie davon spröde geworden war und zerbrach.

Leise trat Ruth hinter ihn und legte sauft die Hand auf feine Schulter. Ihr Gesicht war von der weihen, klaren Blässe der Perlen. Starr zusammengezogen die dunklen Brauen unter dem hellen Haar. Ihre Stimme ohne Klang.

Lieber Papa, was du da sagst, dah ich mein eigenes Leben habe, kann auch dann wahr sein, wenn ich niemand etwas schuldig geworden bin. Ich war allein, immer allein. Auch in der Schule. Auch das Iahr in Berlin, als ich den Kurs mitmachte und studierte. Wir waren beide allein, du auch. Bis wir uns ein Zusammen­leben zurechtgemacht hatten. Aber was bleibt davon, wenn wir das Zusammenarbeiten ab­ziehen und die Tatsache, dah wir uns lieb haben. Oder glaubst du am Ende, ich hätte dich nicht lieb, weil ich nicht zärtlich bin und. wie ein Kätzchen schnurren kann?"

Heftig schüttelte Engelhardt den Kopf zwi­schen den aufgestühten Händen.

Da löste sich die Starre in Ruths Zügen, und sie fuhr fort:

Und nun war noch der Hanns Ingold da. Gab es denn einen anderen Jungen in Rheinau? Als er eines Tages nach Lahr aufs Gymnasium ging, um noch sein Examen zu machen, warst du dabei, wie er Adieu sagen kam. Da sagtest du: Du willst wohl die Ruth einmal heiraten, dah du studieren willst. Und als er rot wurde und ich dummes Ding ein ganz verklärtes Ge­sicht machte, da sagtest du noch, dann mache er sich eigentlich überflüssige Mühe, denn du hättest mich auch einem tüchtigen Mechaniker gegeben."

Engelhardt rückte unruhig auf dem Stuhl. Das Mädel erzählte in einem so ergreifenden, zwischen Tränen und Lächeln schwankenden Ton, daß ihm Zorn und Bitternis in Rührung zerfloß.

weih, legitimieren oder abbrechen mußt?"

Ruth spürte, dah der Vater mit diesen Wor­ten wieder Oberhand und Gewicht gewonnen hatte. Sie prehte einen Augenblick die Zähne zusammen und kämpfte um Fassung und Klarheit. Aber ehe noch der wilde Strudel ihrer Gefühle sich geklärt hatte, gab sie Antwori.

Rein, zwischen Hanns Ingold und mir be­steht keine Verbindung. Wir haben vor fünf Iahren die letzten Briefe gewechselt."

Gut!"

Ohne noch einmal von Ingolds Plan zu sprechen, der ihn so sehr erregt hatte, kehrte er zu seinem Schreibtisch zurück.

Ruth bückte sich und las die Reste der Zei­tung zusammen. Dabei erinnerte sie sich, dah die Flugschrift, die Hanns an den Vater gerich­tet hatte, noch auf dem Steintisch lag. Sie ging sie holen.

Schreckende Amseln stoben aus dem Ho­lunderbaum, als sie den Hügel erreichte. Der Heuduft schwoll zu ihr herauf, Goldstaub flim­merte über den Matten. In reifender Stille ruhte das Land. Sie barg die Schrift wie ein Verbrechen und eilte zurück.

Diese Broschüre war heute morgen unter den Drucksachen. Ich glaube, dah sie dir mehr sagen wird als die Zeitung."

Doktor Engelhardt las den Titel, unter­drückte eine Gebärde wilden Zorns und fragte, indem er Ruth forschend anblickte:

Du hast sie schon gelesen?"

,.Ia, Papa", erwiderte sie und sah ihn furcht­los an.

Und nimmst diese frevelhaften Spekula­tionen ernst?"

Ich glaube, daß Hanns Ingold alles dran­sehen wird, das Werk zu bauen."

Den Lauffen sprengen! Wir sind nicht in Amerika! Rein, gottlob, wir sind hier nicht in Dollaria! Sie steinigen ihn auf dem Markt, ehe er die Hand rührt."

Eine fanatische Zuversicht war über Engel­hardt gekommen. Er lachte laut und warf das Heft verächtlich beiseite.

Da versetzte Ruth mit ruhigem Ernst:

Ich muh dir noch etwas sagen. Hanns In­gold hat auch noch das ganze Land vom Rhein

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