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Mittwoch, W. September M)25

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ÄderhefM)

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Laudacher Nammermusittage

oin Dernia in Florenz war einst der Geburtsort )<r Idee der Renaissanceoper. der Fürst von O.rnaueschingen sammelt seit Jahren in seinen Mu-

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Beginn Des _ feit:Und würde von Vorteil sein, wenn der

sich volles Genüge im Ausschöpsen der Werke des Meisters M-Dur-Quartett, Op. 76, ft-Dur- Quartett, Op. 33). der gerade dieser Vereini­gung besonders nahe steht. Den Höhepunkt er­reichte die Vegeisterung nach dem Trio für Klavier und zwei Violinen, dessen Klavierpart der Meister selbst übernommen und in jugend­licher Frische durchgesührt hatte. Der inneren Bewegung allee gab Herr Geh. Kirchenrat Dr. D. Krüger- (Ziehen wirksamen Ausdruck: ein Augenblick seltener Weihe!

Hans P f i h n e r s O-Dur-Quartett zeigt den Komponisten im 'Ringen um leinen Stil. Das Melodisch-Thematisch: irt jeglicher Sinnlichkeit abhold, versunken, losgelöst von der organischen Realität, herb, dem Ueberliefrrten aus dem Wege gehend, nicht immer der Klangschönheit folgend, fordert er vom Hörer eine besondere Einstellung. Die markigen Grundakkorde im Gegenlatz zum verhaltener Beginn des ersten Satzes: dann wieder orchestrale Klange, die er aus diesen vier Instrumenten heraus-uholen versteht, eigen­artig in der kontrapunktilä-en Verarbeitung der Themen. Der 2 Satz (kräftig, mit Humor) im Sinne eines Scherzos gedacht, wollte den Humor bei manchem doch nicht so recht aufkommen lassen, Der folgende sanglame Sah dissonant, asketisch, führt zu einem Rondoin heiterem Re gentempv". aber eine gemessene, vergeistigte Heiterkeit kün- dend Wie selten bei einem Werk hängt das Gelingen dieses Quartetts von dem Eingehen der Wiedergabe ab. und da war das Drumm- Quartett wieder groß im Herausarbeiten der sich so spröde erschliehenden Einzelheiten.

Wie ganz anders Mozarts 0-Moll- Quart eil! Worte vermögen den Eindruck nur ab- zufchwächen: das Andante mit der reichen Skala

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besnmmungsrecht" in seinem Wortschatz bis zur Ermüdung ständig wieder: aber inmitten dieses 'Pbrafengetlingefe entschlüpfen ihm die Geständ- ahren Gesinnung. So reslektiert er zu Krieges mit zynischer Offenherzig­

em Hessen "AelL Erfolg auf. Ntii Ängobr iöonsprüchen erbeten-

und Riederlassungsverträge nehmen einer Regie­rung nicht die Möglichkeit, durch untätige Mittel und Mitt<lchen die eigenen Staatsangehörigen zu begünstigen und die fremden hintanzufetzen. ohne gegen Buchstaben und Paragrapi-en zu verstoßen, und daß die deutsche Auswanderung nach außerdeutschen Siedlungsgebieten stets ber(Snt- frembung auSgeseht ist, bedarf nur der Erwähnung.

Masaryk und die weltrevolntton

Don Dr. Wilhelm Spickernagel, MdL

Der Wegbereiter, Gründer und Präsident der tschechoslowakischen Republik hat unlängst seine Errnnerungen aus Kriegs- unb Rachkriegs­zeit veröffentlicht (Masaryk: Die Weltrevolu­tion, verlegt bei Erich Reist in Berlin.» Ein Rechenschaftsbericht für Freunde und Mitkämp­fer und für das tschechische Volk, ein Lob- und Preislied auf die Kriegsleitung der tschechischen Legionen. Ihre Heldentaten, die doch wohl in der Hauptsache im erfolgreichen Desertieren aus der österreichisch-ungarischen Front und in der Misthandlung wehrloser Kriegsgefangener der Mittelmächte bestanden, werden e'.was kühn mit der Anabasis der Alten verglichen. Das Buch soll den Anschein einer historisch objektiven Dar­stellung erwecken und kann doch feinen eigent­lichen Zweck nicht verbergen: Propaganda ür die Idee des tschechischen Staa­te s zu machen. Und zwar auf Kosten Deutsch­lands und des alten Qesterrcich-Ungarnl

Für deutsche Leser sind die Erinnerungen Masaryks aus mancherlei Gründen sehr lesens­wert. Der Verfasser hat während des Weltkrieges in fast allen uns feindlichen Ländern geweilt und vertraute Beziehungen zu den führenden Poli­tikern und Soldaten der Entente unterhalten. Wir sehen den Krieg in seiner Schilderung vom anderen Ufer und gewinnen interessante Ein­blicke in das innere Getriebe der gewaltigen Kriegsmaschinerie unserer ehemaligen Feinde. In dem Verfasser selbst lernen wir einen vielge­bildeten Geist, einen vorausschauenden. wirksamen Propagandisten und einen geschickten, geschäftigen und verschlagenen Diplomaten kennen. Dieser Professor und Literat dieserAußenseiter", wie man ihn in unserer Bureaukratie nennen würde, war offenbar dem Durchschnitt seiner künftigen Kollegen um ein Beträchtliches über­legen. Seltsam die Männer, die im Lager unserer Gegner den politischen Sieg organisierten: Lloyd George, Clemenceau, Wilson und andere waren durch die BankAustenseiter" und waren doch in der Beherrschung derVorgänge" und Akten bei weitem nicht so firm wie die in der Ochsentur grost gewordenenExperten".

Masaryks Darstellung liest sich an vielen Stellen wie ein spannender Roman, dessen Lektüre freilich int Herzen des deutschen Lesers vielfach schmerzhafte Empfindungen auslöst: denn der Verfasser ist ein- Gegner des deutschen Volkes und des Deutschtums überhaupt. Er spricht zwar gelegentlich mit betonter Achtung von der deut­schen Kultur, insbesondere von der deutschen Musik, aber schon in Wagner will er nur eine geniale Synthese von Dekadenz und Preusten- tum "erblicken. Und was Masaryk vollends über die deutsche Philosophie schreibt, in dem krampf­haften Bestreben, ihr die Verantwortung für die .geistige Vorbereitung des Krieges zuzuschreiben, zeugt von einer geradezu pathologischen Feind­seligkeit gegen den deutschen Geist. Rach der Meinung des Verfassers istder deutsche Ueber- mensch, der Titan, nervös und sucht entweder den Tod oder den Krieg'als akute Erregung gegen die chronische". (6.365.) Derartige Verstiegen­heiten mögen in deutschen Ohren mit Recht ab­surd klingen: leider ist aber mit Sicherheit daran zu rechnen, dast solch blühender Unsinn vielerorten von deutschfeindlichen Zeitungen mit Behagen ab- gedruckt wird und dast die Pseudo-Philosophie Masaryks zahlreiche gedankenlose Rachbeter fin­den wird. Don welch freundlichen Gefühlen per tschechoslowakische Präsident für das deutsche Doll beseelt ist, erkennen wir u. a. aus dem Bericht über seine Mitwirkung bei den Friedensverhand- lungen. So rühmt er sich, mit aller Kraft für die Einverleibung des deutschen Danzig in den pol­nischen Dölkerstaat gewirkt zu haben natürlich im Rainen des Selbstbestimmungsrechts der Völ­ker I Als man über den Waffenstillstand ver­handeln wollte, trug er dem ihm gewogenen und offenbar leichter als anderen zugänglichen Präsi­denten Wilson seine Ueberzeugung vor,dast der Krieg noch weiter geführt werden und dast die Alliierten die deutsche Armee zur Waf­fenstreckung zwingen und gegebenenfalls in Berlin einziehen sollen". (6.313. Ueberhaupt ist der Verfasser ein recht sonderbarer Friedensfreund. Zwar kehren die Worte: Friede",Pazifismus",Demokratie",Selbst-

schen Werdens und deutscher Gröhe, ein getreuer Eckhard deutscher Kunst, ist er durch den Wechsel der Zeiten hindurch gegangen, unbekümmert, trotz der mannigfachen Stilwandlungen. und hat sich und seine Kunst bis auf den heutigen Tag jung, lebensfrisch und wahr erhalten. Herausgewachsen aus den klassischen Traditionen und den deut­schen erstklassigen Meistem, deren Werke er zum Teil neu erschlossen hat, hat er nie den wahren Quell musikalischen Schaffens verlassen. Für ihn gibt es keine verstandesmäßige Spekulation, das musikalische Erleben treibt chn zur Aeuherung und so find seine Werke ein getreues Abbild feiner durchlebten inneren Spannungen und Er­regungen, und dennoch sind fie formschön und formvollendet. Die Formschönheit als solche ist ihm nicht Endzweck, keine reine Formalistik, wie man sie selbst bei einigen Kammermusikwerken Brahms findet, sondern im Rahmen der Form äußert er fein inneres Erleben, nicht nur in all­gemeinen Zügen, sondern bis zur feinsten Einzel- heit. zur intimsten Regung nachgebend. UnD so scheint es ost. als löse sich das Werk in Epi­soden auf und lockere sich in bet Form, im Grunds aber liegt darin seine Größe, daß Form und Erlebnis in idealem Wechsel und Ausgleich zueinander stehen. So werben unb können seine Werke nie an Wirkung einbühen. mag man sie spielen zu Zeiten, wann man will, voraus­gesetzt. daß sie Ohren antreffen, die wirklich musikalisch zu erleben vermögen. Grundbeutsch ist er in seinem Fühlen, ein Hang zur Romantik bricht oft durch, aber nicht in Empfindsamkeit vergehend, 'andern mit lebensbejahender Kraft. Sein Sinn fürs Idyllische. Behagliche: ein Wal­zer wie im D-Sur-Cuartett ist jrut ihm möglich.

DaS Drumm-Quartett (Darmstadt)tat

i Ifeftcn die führenden Geister, und das Gräfliche jius zu Laubach nimmt die Traditionen des k. Jahrhunderts auf in den Kammermusiken und 53t damit ein Werk fort, das hohe Gönner der Sanft stets geleistet haben. Unsere Klassiker wären 'hne sie nicht denkbar: und alle politischen Er- tolge die im Grunde doch mied« von den

Der 6. allgemeine deutsche Bankiertag.

Berlin, 15. Sept. (T.U.) Die Reihe der auf dem 6. Allgemeinen Deutschen Bankiertag gehaltenen Vorträge wurde eingeleitet durch das Referat von Oskar Wassermann, Dorstandsmitglied der Deutschen Bank, Berlin, über das Thema:Rot- wendige Bedingungen über die Erfüllung der heu­tigen gesamtwirtschaftlichen Ausgaben des privaten Bankgewerbes" Die Hauptaufgabe des deutschen Bankgewerbes besteht in der Jetztzeit darin, der verarmten deutschen Wirtschaft das unumgänglich nötige flüssige Betriebskapital zu vermitteln. Bei der Kreditverteilung hat der Bankier sich von der Rücksicht auf die Notwendigkeit eines Kredites für die Gesamtwirtschaft leiten zu lassen. Um diese Aus­gabe erfüllen zu können, muß der Bankier sich genau Einblick in alle Einzelheiten des Betriebes seines Kunden verschaffen und wie früher sein Bertrnuter sein. Dies ist aber nur möglich durch

Wiederherstellung des Bankgeheimnisses.

Da das zur Aufrechterhaltung der Betriebe und Vermehrung der Produktion erforderliche mobile Kapital zu einem guten Teil nur durch Veräuße­rung einiger Prozente unseres vollständig im­mobilisierten Besitzstandes an das Ausland zu beschaffen ist, hat das an der Lösuna dieses Pro blems initwirkende Bankgewerbe die Aufgabe, feine Kundschaft hinsichtlich der Auswahl und der Preise der Objekte zu beraten und bei der Beschaffung langfristiger aus lausenden Ueberschüssen noch amortifierbarer Darlehen die Interessen sowohl des ausländischen Geldgebers, als auch des inlänbi» scheu Kreditnehmers zu wahren. Weitaus mehr als das Bankgewerbe kann zur Förderung der Kapital­bildung die Reichsregierung beitragen, durch eine die Wirtschaftspolitik beachtende Steuerpolitik. Wenn vor dem Kriege der Steuerbedarf sich auf

-Die gegenwärtige Lage jcs Kolonialproblems

Von Dr E Schultz-Ewerth, Gouverneur z. D

Unter dem wachsenden Druck der Verleaen- Utten mit denen die Ententemächte in ihren Konten zu kämpfen haben, beginnt sich in der f «ntlichen Meinung jenseits unserer Grenzen Umschwung hinsichtlich der Kolonialfrage »chzuscyen. Dfe Lügenlegende von unserer Genialen Unfähigkeit und Unwürdigkeft Ut durch ^geschichtliche Ereignisse so gründlich ad absur- in geführt worden, daß fie niemand mehr verholt. Der heutige Zustand der englischen nB der französischen Kolonialsphäre spricht zHride. Auch im Kolonialgebiet Belgiens, der u»größten Kolonialmacht, find Eingeborenen- , ruhen an der Tagesordnung

So erklär' es sich denn, daß Evans Lewtn, ! »liothelac des Kgl. Briii chen Kolonialinstituts, .hin der WochenschriftOutlook auf einen Der- ;t beschränkt, lediglich die Gründe zu entkräften, |C für eine aktive deutsche Kolonialpolitik '-chen Aber der Verfasser, der Über die reich- i lüge Bibliothek deS Instituts zu Informa- zwecken verfügte, kann doch nicht umhin, i-ucrkennen. daß schon jetzt die Bedeutung

L m b u r g S als Stapelplatz tropischer Produkte reber erheblich zugenommen hat, und er beruft auf eine Aeußerung des früheren Kolonial- ! «mtsfekretärs Dernburg zum Deweife da- ir, daß der Verlust der Kolonien den deutschen , Ivionalslolz empfindlicher getroffen habe, als b Auslieferung der Flotte oder der Verlust ilsaß-Lothringens. Beachtenswerte Stimmen in h ehemals feindlichen Ländern bedauern jetzt i tttrabeflu. daß wir aus dem Kreise der kolonialen -Men und Rechte ausgeschaltet sind und j-lürtoorten eine Wiederheranziehung LLutschlandS zu den kolonialen Derantwvrt- Mchleiten. Man verschließt sich nicht mehr der C lenntnis daß dadurch die Befriedung des Ein- fborcncnclcmcnfe gefördert werden würde. Man jMinnert sich jetzt der Solidarität der Weißen Rass e!

Der koloniale Sachverständige des Brüsseler flr Pi. rre Daye wacht noch besonders dar- ruf aufmerksam, daß auf diesem Wege auch die i erfahren zu beseitigen seien, die aus ber U e ber­eiter un g Deutschlands für den cuto- .-.il'chen Frieden entstehen würden: deutscher !>!onialbesitz werde den deutschen Menschenüber- li tf> aufnehmen und als Sicherheitsven- | li I dienen. Daye will jedoch wissen, daß in 2:utschland auch eine andere Strömung im Gange . I , die sich mit der Tatsache des Kolonialraubes (f-finden und statt eigener überseeischer Desihun- ; n sich vielmehr darauf legen wolle, die Kolo- en der anderen Staaten geschäftlich auSzubeuten, .-eil das billiger, ungefährlicher und profi» blcr sei.

TS mag in der Tat der Fall sein, daß solche - man muß sagen kolonialfeindlichen Ansichten . h Deutschland hier und da im Stillen gehegt werben. Sie wären nichts Reues, fonbem nur (ine Wieberauflage kleinlicher eng merfantilifti- ijjer Gedankengänge, deren sich vor Jahrzehnten li; systematische Kolonialopposition bediente. Tenn sie sich heute noch nicht offen bervorwagen, > liegt daS hauptsächlich daran, daß Das deutsche Ihlt fich der ihm mit der kolonialen kchuldlüge angetanen Schmach voll bewußt j'l und daraus die einzig mögliche Folgerung >:cht: Rückgabe deS geraubten Gutes!

Wollen wir hier aber einmal die Frage, tf> Deutschland wieder Kolonien erwerben soll. . nach rein politischen und wirtschaftlichen Gesichts- i^kten untersuchen, so muh gründliche Ueber- ging zu dem Ergebnis gelangen, daß nur eine i^iuS reichende territoriale Grund- xgc die Voraussetzungen für sichere und liuernbe wirtschaftliche Gewinne schafft. Don khina. wo ein altes Kulturvolk mit den feemdrnächten um die Selbständigkeit ringt, für >ie es allem Anschein nach reif ist. fei dabei !. gesehen 3m übrigen wird kaum ein Zweifel liran möglich sein, daß die weiße Rasse Iren Beruf als Beherrscherin des Xro­sen g ü r t e 16 in jeweils angepasster und abge- ixter Form schließlich doch aufrecht e r - jaltcn unb bic gegenwärtige Gärungsperiode, tne Rachwirkung des Weltkrieges, überwinden ibrb. Für eine koloniale Wiederherstellung ssutschlands sind bic Zeitläufte offenbar sehr Igiftig. Hoffen wir, baß bic Deutsche Regierung len psychologischen Moment nicht verpaßt. Unter lemDcr Flagge zu Gaste gehen zu müssen, ist eine Eliche Rolle. Die Erfahrung hat uns gelehrt, ite schwer die deutsche Industrie und der beutsche 5-ondcl eS in alten Ländern hat In den neuen es nicht anders. Selbst Handels-. Schiffahrts-

Masaryk hat feinem Buche den Titel .Di« Weftrcvolutio:." gegeben und Damit die durchaus zutreffende Anschauung zum Ausdruck gebracht, baß der hinter uns liegende Weltkrieg nur ein A:scheut! mit ein:.. r»en rc. . luti : Ent­wicklungsprozeß ge -fen sei. D.efer Prozeß ist aber keineswegs m Versailles zum endgültigen Abschluß gekommen. 2c geht weiter auch gegen den Willen der Män­ner. die bis Versailles revolutionär waren und b<ute für den ewigen Bestand der ne . ..-schaffenen Ordnung cintreten. Auch H er Maferyk ist ein sehr konservativer, ja realtionärcr H.rr ge­worden: ihm erscheint ''er durch Verfall gv schaffen: Zustand i'-eal, und er redet dcn Deut- schon in der Tschechoslowakei zu. sich mit den gegebenen V rhaltnissen abzufinden Er möchte ihnen einreden, daß es geradezu ein Gluck für sie wäre, in so großer Zahl unter der tschechi­schen Herrschaft zu leben, da sie auf diese Weife ihre Rechte stärker vertreten können Aber, so führt er im selben Atemzuge aus. eine OH i n - herbei t sei no. keine Ration und die Bezeichnung ..Selbstbestim - u igsrechl" bedeute nid*4 ohne weiteres Nh» Reck '. ?.>lHife>er Scliftan- digfeit. Merkwürdig als es sich um die tsche­chische Minderheit im alten österreich-ungari­schen Staate gehandelt, hat her teaigr Präsident der tsch chisch-sloioakischen Republik ganz an­dere Anschauungen vertreten. Die e. vnismen Masaryks werden die im Gange befindliche Ent­wicklung nicht aufhalten können Was der kleinen tschechifchcn Minderheit recht war. muß dem großen Volke der Deutschen billig fein Der Der- faffer sagt, es verstehe sich von selbst, daß die OHinbcrbeiten das Recht haben, nationale Freiheit und eine angemessene Beteili­gung an der Staatsverwaltung zu fordern. Leider versteht sich dieses Recht in der Tschechoslowakei, in der beiläufig m ehr Richt- tfchecken als Tschechen wohnen, nicht von selbst. Wenn Masaryk an anderer Stelle von feinem Staate stolz behauptet: ..die nationalen Minderheiten sind gesichert", so ist das angesichts der wirklichen Zustände in der Tschechoslowalei, wo die Rechte und Die Freiheiten der Deutschen tagtäglich mit Füßen getreten werden, eine offene Verhöhnung. .

Das Buch des tschechischslowaiischeit Praft- benten wird in vielen Sprack)en verbreitet wer­den. Unsere Aufgabe wird es sein, Die Irrtümer unb Verdrehungen Dieser PropaganDa vor aller Welt auszudecken. Den Deutschen aber fei daS Buch Masaryks trotz seines deutschfeinDllchen Geistes z u r a u f m c r f f a m e n Lektüreemp­fohlen als ein LehrbuchDerIrrebenta, aus dem wir zu unserem Teile lernen mögen, wie unterdrückte Völker unb nationale Minderheiten auch in trüben Zeiten die Hoffnung nicht sinken lassen dürfen, sondern unabläfhg unb mit allen Mitteln an dem Werfe ihrer Befreiung ar­beiten müssen.

Das Unstete im musikalischen Schaffen der letz- l?i Jahre Drängt zur Losung: fort vom Kow I ruiert-Gewollten zum Durchbruch des Musika- I fch-Gefühlsmäßigen unb damit zu den durch das Gefühl bedingten inneren Gesetzen, zur Form: eine sr'unde Reaktion anf das in den Vordergrund ge- i <tene rationalistische Moment. Auch im Hören und h mieten der Musik wendet man sich ab vom großen 4-triede hin 'zu Orten, Räumen, die der intimen 5:immung, der inneren Einkehr zu dienen ver- nigen. Richt mehr die großen Städte sind es, wo cs entscheidende Wort gesprochen wird: ein kleiner »wähltet: Kreis urteilt und schafft Damit Normen l neuen Werten. Das Haus Der Grafen BarDi,

Zölkerschickfalen abhängen werden durch die gtiftigen Werte der Kunst überdauert.

Keine zusammengewürfelte Besucherschar, in unseren Konzertgroßbetrieben, die in erster Linie mir geschäftliche Interessen verfolgen: hier ein Sammeln um einen Mittelpunkt, in stimmungs- icflen Räumen, ein inneres, geistiges Verbunden- sein aller und darum jedem einzelnen innerlich wirksam, erlebnisvoll werdend.

Die Programmfolge war recht geeignet, der Ein- Mung zu bienen und ein gesundes Urteil zu

wecken und so für die Aufnahme unbekannter Werke die Basis zu schaffen, so daß der Hörer diese nicht über sich ergehen liefe, sondern aktiv an Dem Ge­botenen Anteil nehmen konnte: und so wurde auch dem Femerstehenden ein Urteil über die Wertgel­tung der Gegenwartskunst ermöglicht.

Vokalmusik ist zu allererst berufen, in Die Welt Des Komponisten einzuführen: durch die Hinweise des Textes zeigt fie von jedem einzelnen selbst erlebte Komplexe im musikalischen Spiegelbilde.

Gaben die B r a h m s ch e n Quartette ,.An die Heimat",Der Abend" mehr allgemeineren Emp­findungen Raum, so eröffnete Rodert Schu­mannsSpanisches Liederspiel" Die Welt Des Einzelnen. BrahmsLiebeswalzer" ließen Das unerschöpfliche Thema der Liebe in der naiven Form des Walzers mit wechselnd neuem Inhalt oorüberziehen. Jedes dieser so mannigfaltigen Bil­der wurde von dem Vokalquartett (Martha Heineman-Knorzer - Hagen, Mechthild Sinn-Löhr-Hagen, Willy K e st i n g - Hagen, Dr. Johannes K l i n k m ü 11 e r - Düsseldorf) sehr fein charakteristisch herausgearbeitet: die Einzel­stimmen hatten schon in demSpanischen Sieber- spiel" Proben reifen Könnens gegeben, Martha Heinemann mit ihrem leuchtenden Sopran, Mechthild Sinn-Löhr mit der dramatischen Wucht ihres Altes: Herr Dr. Klinkmüller ließ einen Kontrabandistcn von echtem Schrot und Korn er­stehen. Am Flügel machte sich Frau Käthe K l i n ?» müder verdient, trefflich unterstützt in Brahms Liebeswalzern" von Elfe Schauß-Hagen.

Eine Morgenmusik am Sonntag war als Vorfeier des 70. Geburtstages von Arnold Mcnd c lsf ohn-Darmstadt gedacht: eine Ehrung zu der gerade ein oberhessifches Kammer- mufiffeft am berufensten war. Ein Zeuge Deut-

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Krieg lange Dauert, wir würden unsere Revo- lutirnsprvpaganda entfalten können." 3. 11.)

Ihn quälte Die Frage, ob Der Krieg wirklich so lange Dauern werde, wie er gerechnet hatte: .Ich fürchte. Daß wir leer ausgehen würden, wenn Die Alliierten bald fie*m Bei einem längeren Krieg haben wir mehr Zeit zur Prvpa- g a n Da." (6. 57.) Dieser chauvinistische Kricgs- verlängcrer. der um seiner Propaganda willen bebenfenl?5 bereit war. Hekatombei: von Men­schenleben zu opfern, hat gleichzeitig Die Stirn, uns Deutsche alsunerbittlichste Feinde Des Pa­zifismus" anzuNagen. Wir Durchleben in Den Aufzeichnungen Masaryks noch einmal Die Tra- göDic DeS vierjährigen Deutschen Kampfes um untere Selbstbehauptung unb nehmen mit Er- schütterung gewahr, wie nahe Die Mittel­mächte oftmals Dem Siege ge ft anDen haben. Zwar wird Die Seeschlacht am Skagerak in einen englischen Sieg umgefälscht. (Tatfache ist

Riederlage nicht mehr zu einem Seeangriff her­vorgewagt bat.) Aber bie Erfolge Der deutschen Anterseebole werden offen anerkannt.In Eng- lanb mehrten sich im Frühjahr 1917 warnende und sehr pessimistische Stimmen, die Die Aushun­gerung Englands und Die Kapitulation erwar­teten." (6.125.) Mit einigem Erstaunen wird Der Deutsche Leser aus Masaryks Munde erfahren. Daß sich unter diesen Pessimisten auch Lloyd George befand! Und Daß in Frankreich Der Tiger". Slcmenceau selbst, zeitweilig Die Hoffnung auf Sieg aufgegeben hatte

Recht unerquicklich scheint sich bald nach Be­ginn Des Feldzuges Das Verhältnis Der West­mächte zu RuhlanD gestaltet zu haben. Jin Frühjahr 1916 gewann man im Lager der Entente Den Eindruck, daß Rußland durch seine Miß­erfolge zu Deutschland getrieben werde. Diese Be­fürchtung verstärkte fich. als im März 1916 Stürmer zum russischen Premier ernannt wurde, den der russische Botschafter Ben d e n - Dorfs als einengefährlichen Germanophilen" bezeichnete. (6.124.) ...Stürmer wurde Mini­ster mit Rücksicht auf Deutschland und ebenso fein Rachsolger Trepow. Es ist begreiflich, daß Di# Alliierten das Vertrauen zu Rußland ver­loren: eine Zeitlang fürchteten sie bereits, den Russen Waffen und Munition zu liefern, weil sic gegen sie selbst benutzt werden könnten." iS. 141.) Man wird dein Verfasser darin beipflichten müssen, daß Die Entwicklung des Jahres 1916 in Rußland für die Entente eine höchst gefäbr liche Lage schuf und daß eine aktive Deuts <..»2 Außenpolitik zu jenem Zeitpunkt wohl iv der Lage gewesen wäre, den Dingen einen an­deren Lauf zu geben. Bethmann-Hollweg und feine Berater wußten im Sommer 1916 be­kanntlich nichts Besseres zu tun, als das K öni g- reich Polen zu proklamieren, trotz aller ein­dringlichen Warnungen, Die Dem Kanzler u. a. durch Die Denkschrift Der Rationalliberalen Par­tei rechtzeitig genug zugegangen waren.

Masaryk war vom Standpunkt Der alten österreichisch-ungarischen Monarchie Hochverräter. Der alte Staat hat nicht die Kraft aufgebracht, ihn rechtzeitig unschädlich zu machen, wie es die Pflicht feiner Selbstcrhaltung geboten hätte. Der Erfolg DerWeltrevolution" hat inzwischen sein Tun für Die öffentliche Meinung Der Welt sank­tioniert. Mit Der Tatsache muh gerechnet toerDcn. Dennoch wehren wir uns gegen Die ungerechten und haßerfüllten Verunglinipfungen. Die auf jeder Seite seines Buches gegen Oe ft erreich- Un­garn gerichtet sind. Gewiß: der alte österrei­chisch-ungarische Staat war wie Der Ausgang des Krieges bewiesen hat überlebt, sein letzter Herrscher schwach und korrupt, unD schon lange Zeit vor Dem Kriege war Oesterreich nach einem bekannten Wort immer entweder mit einer Armee oder mit einer Idee im Rückstände. Als sich Die deutsche Politik bei Kriegsbeginn entgegen allen Warnungen Bismarcks und im Gegensatz zur Politik des Fürsten Bülow von Dem Bundes­genossen das Leitfeil um Den Hals werfen lieh, nahm Die Katastrophe ihren Lauf. Die offen­baren Schwächen unD Fehler, die diesem alten Oesterreich-Ungarn anhafteten, können aber eine objektive Geschichtsbetrachtung nicht Daran hin­dern, Die historische Mission anzuerken­nen, Die es durch viele Menschenafter hindurch erfüllt hat. Es wird sich erst noch zeigen müssen, ob Die neue Staatenordnung, Die an seine Stelle getreten ist, Bestand haben wird, und ob sich bie Völker auf die Dauer unter ihr glücklicher fühlen. Die Oefterreicher und Ungarn dürften diese Frage | schon heute mit aller Entschiedenheit verneinen.