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selbst Braun für die Aufstellung einer republika­nischen Sammelkandidatur im ersten Wahlgang gewesen. Die Sozialdemokratie werde bei ihrer Politik daran denken müssen, daß sie in abseh­barer Zeit wieder die Verantwortung für die Regierungspolitik wird übernehmen müssen.

Verschiedene Redner aus Frankfurt protestierten gegen die Angriffe in dem Bericht des Parteivorstandes. Opposition sei manchmal ein verantwortungsvolleres Amt als die Mit­läuferreihe. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands müsse wieder zu ihrer St 1 a f f e n - kampfpolitik zurückkehren. Abg. F l e i ß - n e r aus Dresden erklärte, daß man über Den Verlust von 10 000 Mitgliedcrn nicht glatt hinweggehcn dürfe, wie es der Dor- andsbericht tue. Liebmann - Leipzig erklärte :nit Bezug auf die B a r m a t a f f ä r e. daß eine Reihe prominenter sozialdemokratischer Führer nicht die nötige Distanz gehalten habe, gegenüber einem Manne, der in einer sehr kurzen Zeit zum Millionär geworden sei. In der alten Parte: unter Bebel wären solche Führer so­fort erledigt gewesen. Abg. Heilmann ° Berlin bedauert, dah vor allem in der sächsischen Partcipresse den verleumdeten Genossen in der Barmataffäre die Solidarität versagt wor­den fei. Demgegenüber erklärte Müller- Leip­zig, dah die Beziehungen prominenter Persönlichkeiten zu Barmat nicht zu leugnen seien. Im Interesse der Reinlichkeit der Partei mühten die Dinge geklärt werden.

Forderungen

der Wirtschaftspartei.

Köln, 15. Sept. (Wolff.) Der Parteitag der Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes fordert von den Regierungen und den Behörden die allergrößte Sparsamkeit, den Abbau der produktionsverteuernden Steuern und der Verwaltungskosten sowie die Herabsetzung der Zinsen für die vom Reich oder den Ländern an den Mittelstand gegebenen Kredite. Er appellierte an die Angehörigen des M i 11 e l st a n d e s . zu hohe Preisforderungen zu vermeiden »und strengste Kalkulation zu üben.

Soziale Forderungen der Saar- arbeiter.

Genf, 15. Sept. (WTB.) Eine saarlän­dische Delegation hat im Ramen sämtlicher Ar- beitergewerifchaftsverbände des Saargebietes dem Völkerbundsrat eine Denkschrift überreicht, in der der Töllerbundsrat gebeten wird, sich für eine soziale Gleichstellung der saarländischen Arbeitnehmer mit denen des übrigen Deutschland cinsetzen und veranlassen zu wollen, 1. dah die Sozialversicherung des Saargebiets ana­log derjenigen im übrigen Deutschland ausgebaut wirb, dah also alle Rachkriegsgesehe des Reiches in der Kranken-. Unfall-. Invaliden-, Knappschafts-, Angestellten- und Crwerbslosen- versicherung alsbald für das Saargebiet über­nommen werden und wenn möglich der Wie- deranschluh an die Dersicherungsträger im Reich herbeigeführt wird, und 2. die fortschrittliche deutsche Rachkriegsgesehgebung (Tarif- und Koalitivnsrecht, Betriebsräte, Arbeits­nachweise und Arberterfchuh) im Saargebiet zur Einführung gelangt.

Oesterreichs DölkerbundspoMik

Wien, 16. Sept. (T. U.) Bundeskanzler R a me k trifft heute in Wien ein, um dem Minister­rat über die Ereignisse in Genf Bericht zu erstatten. Die Stimmung in politischen Kreisen ist auch bei den Mehrheitsparteien sehr zurückhaltend. Die bestehende Unzufriedenheit mit dem Ergebnis der Genfer Verhandlungen richtet sich vor allem Pgegen die Außenpolitik Dr. Matajas, die in der letzten Zeit immer mehr einen französischen r K u r 5 einnimmt. Solange jedoch die Hoffnung bestand, daß Dr. Mataja mit dieser Politik irgend­welche greifbaren Erfolge für Oesterrreich erziele, mußten die Politiker der Mehrheitsparteien sich fügen, wollten sie sich nicht Vorwürfen aussetzen. Zweifellos wird die Opposition gegen eine Fort­setzung dieser Politik durch das Ergebnis der Genfer Verhandlungen gestärkt werden.

Die Radikalisierung der englischen Arbeiterschaft.

Die Resolution, mit der der Kongreß der englischen Gewerkschaften in Scarborough sein Ende gefunden hat, hat die Hoffnungen jener Kreise endgültig vernichtet, es werde den gemäßigten Arbeiterführern gelingen, eine Ra­dikalisierung der englischen Gewerkschaften zu verhindern. Dieser Fall ist nicht eingetreten, die Gewerkschaften haben eine scharfe Links- s chwenkung vvrgenommen, was nicht weiter Wunder nimmt, da die englischen Gewerkschaftler in den letzten Monaten immer mehr in den Bann Moskaus gerieten. So kam eine Entschließung zustande, die nach zwei Seiten interessant ist. Einmal spricht sie sich gegen das Dawes- Abkommen aus, da es die deutschen Arbeiter­schaft versklave, zum andern wendet sie sich ge­gen den englischen Imperialismus und gesteht den Völkern des britischen Reiches nicht nur das Recht der Selbstbestimmung zu, sondern auch das Recht, sich vollständig vom Reiche zu trennen. Selbstverständlich muß und wird diese Resolution in den englischen Dominions ein lebhaftes Echo finden, zumal in der Rachkriegszeit dort die Bestrebungen nach größerer Selbständigkeit oder gar nach Los­lösung vom Mutterlande immer starker geworden sind. Wirtschaftlich bedeutet die Radikalisierung der GewerHchasten Verschärfung der ge­genwärtigen Produktion s- und Ab­satzstockung. Wenn sich auch die englischen

Gewerkschaften in der Hauptsache nur deswegen gegen das Dawes-Abkommen aussprachen, weil es England eher schadet als nützt, so bedeutet das aber auf keinen Fall, dah die Gewerkschaf­ten eine Politik der Verständigung mit Den Unternehmern einschlagen und zur wirtschaft­lichen Vernunft zurückkehren wollen. Gerade der letzte Bergarbeiterstreik hat zur Genüge gezeigt, wie stark die bolschewistischen Einflüsse schon ge­worden sind und wie wenig die englischen Ge­werkschaftler heute noch Vernunftgründen zugäng­lich sind. Die Entschließung ist jedenfalls das Signal für neue Kämpfe der Gewerkschaften um die Macht im englischen Mutterland.

Eröffnung der niederländischen Generalstaaten.

A m st e r d a in , 16. Sept. (T. U.) Gestern fand im Haag die feierliche Eröffnung des Parlaments nach den Sommerferien statt. Die Thronrede, die von der Königin verlesen wurde, ging lang­sam und vorsichtig über alle innerpolitischen Fragen mit Andeutungen hinweg. Zur internatio­nalen Lage sagte die Königin: In der Hoff­nung, daß die Entwicklung des internationalen Zu­standes eine Verwirklichung der durch den Völker­bund beabsichtigten Einschränkung der Rüstungen gestatten wird, wollen wir heute schon unser Streben darauf richten, bei Aufrecht­erhaltung einer dem internationalen Zustand ent­sprechenden Wehrmacht die militärischen Ausgaben möglichst zu beschränken. Die Blätter sind mit der Thronrede wenig zufrjeden. Man findet darin feinen Grundsatz und mir den bestimmten Wunsch, die Dinge nicht anzurühren.

Dom marokkanischen Kriegsschauplatz.

Madrid, 15. Sept (Havas.) Zeitungs- Meldungen aus Melilla besagen, daß in her Rächt vom 11. auf den 12. September der auf Dem Djebel Malmusi verschanzte Feind über Cala- bonita die spanischen Stellungen zu erreichen und die Bemannung eines spanischen Geschützes zu überraschen versuchte. Die Wachmannschaft be­nachrichtigte das Lager, worauf eine Gingebo­renenabteilung und eine Kompagnie der Fremden­legion den Angreifer z u r ü dt t r i e b e n und etwa 30 Mamr gefangen nahmen. In Morro Ruevo hat man begonnen, nach Wasser z u graben, das man in etwa 25 Meter Tiefe zu finden Hofft. Man erklärt, daß unter Der feindlichen Gefallenen sich vier europäische Kom­munisten befinden sollen. Bei der Beschießung des Feindes durch das Seeflugzeuggeschwader wurde unter den Beni SIriaghel auch der Kaid Achemsil, der Ratgeber Md el Krims, getötet. Heute vormittag haben die französischen Truppen im Abschnitt von Taunat ihren Vormarsch nach Westen fortgesetzt und die Posten und das Dorf Mesraua genommen. Der Feind ist in Unordnung nach Rorden geflüchtet. Die französischen Ver­luste sind leicht. Die Großkampfflugzeuge haben Bibane bombardiert und dabei festge­stellt, daß Bibane stark mit Schützengräben be­festigt ist. Die Kampftätigkeit im Raume von Tetuan ist gestern nicht über kleinere Dor­postengefechte und Erkundungen hinausgegangen. Rach Fliegermeldung^n machen sich größere Truppenansammlungen östlich von Tetuan be­merkbar. Allen Anzeichen nach dürften in der allernächsten Zeit Angriffe zu erwarten fein.

Um Mossul.

Paris, 16. Sept. (TU.) Sieber die Grenz- überschreitungen der Türken bei Mossul liegen folgende Einzelheiten vor: Die Türken sind nörd­lich der von der Brüsseler Konferenz festgelegten Grenzlinie in Mesopotamien einge­drungen und haben 6000 Christen v erh af - t e t. 200 Flüchtlinge sind in ganz erschöpftem Zustande im Irakgebiet eingetroffen. Außerdem haben die Türken größere Truppenkon­tingente bereitgestellt, die im Falle einer ungünstigen Entscheidung des Völkerbundes den Vormarsch auf Mossul antreten sollen.

Kleine politische Nachrichten.

Finanzminister Henrich hat sein Mandat als hessischer Landtagsabgeordneter niedergelegt. Als Rachfolgerin tritt Frau Staatsrat Bal» s e r - Darmstadt in Die demokratische Fraktion ein.

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Der geschäftsführende Ausschuß her Deut­schen Volkspartei in Hessen beschloß, dem Landesvorsihenden, Rechtsanwalt Dingeldeh, M. d. L., zu seiner Rückkehr , durch den Abg. Scholz die herzlichsten Glückwünsche zum Aus­druck zu bringen. Rach einem Bericht von Dr. R i e p v t h , M. d. L., über die letzte Sitzungs­periode des Landtags und die bevorstehenden Kommunalwahlen, sowie Ausführungen von Ge­neralsekretär Kottbach über die Organisation des Wahlkampfes tarn man zur Aufstellung ent­sprechender Richtlinien. Die Berichte aus dem Wahlkreis lauten hinsichtlich der Wahlaussichten für die Deutsche Volkspartei durchaus günstig.

Die Deutschnationale Volkspar- tei hat im Hessischen Landtag eine Anfrage eingebracht, die wissen will, was die Reise der hessischen Weinbausachverstän­dig en nach Angarn, Oesterreich und Italien an staatlichen Mitteln gekostet hat, wer auf Kosten des Staates Daran teilgenommen hat und aus welchem Fonds Die Reise bezahlt worden ist.

Eine Konferenz Der politischen Arbeits­gemeinschaft Der Arbeiter-Zentrums­wähler Hessens sprach in einer Ent­schließung Die Erwartung aus, daß Die Reichs­parteileitung Wege sucht, auf Denen es Dr. Wirth ermöglicht wird, wieder zur Fraktion zurückzukehren. Zum Gesetzentwurf über das Kommunalwahlrecht wird erklärt, daß Die Konferenz unter keinen Umständen Reuerungen zustimmen könne, die den Einfluß her Arbeiter­schaft schmälern konnten.

DieDeutsche Allgemeine Zei­tung" ist von der Desahungsbehörde vom 20. September an auf drei Monate für das be­setzte Gebiet verboten worden.

~ Der nächste große Frontfoldatentag (Stahlhelm) für ganz Deutschland findet am 5. und 6. Juni 1926 in Hannover statt.

Die Behörden haben mit Ausweisun­gen und Razzien im Reuyorker Chi­nes en viertel begonnen, um den blutigen Streitigkeiten zwischen den sich einander be­kämpfenden chinesischen Organisationen ein Ende zu machen. Etwa 600 Chinesen wurden während einer Rächt verhaftet. 134 wurden ausgewiesen, da sie den Boden Amerikas ohne Erlaubnis betreten hatten. '

Aus aller Wett.

Darmstädter Theater.

Josef R o s e n st o ck , Der erste Kapell­meister des Hessischen Landestheaters, wurde, da Die Entscheidung über Die endgültige Besetzung Deö frei gewordenen Generalmusikdirektorpostens noch vertagt werden mußte, bis auf weitere? mit der Führung Der bisher von Michael Bal - l i n g wahrgenommenen Geschäfte beauftragt.

Die Gründungsfeier der Stadt Amsterdam.

Dienstag wurde in Amsterdam Der 650. Ge­burtstag der Stadt feierlich begangen. Die k o- nigliche Familie war zu dem Fest er­schienen und stattete u. a. auch dem Reichs- Museum einen Besuch ab, wo sich zur Feier der Wiederkehr dieses Jahrestages schon seit einigen Wochen eine sehr reichhaltige historische Ausstellung der Werke aller holländischer Meister befindet, die mit Der Geschichte Amster­dams verknüpft sind oder hier gearbeitet haben. Die Ausstellung umfaßt außerdem noch eine ungemein reiche und interessante Sammlung alter Schriften und Urkunden. Aus aller Herren Län­der sind Bilder holländischer Meister hierher gesandt worden. Derß gestrige Tag gestaltete sich zu einem richtigen Volksfest. Karneval- ftimmung herrschte auf den Straßen. Verkleidete Gestalten unterhielten die Menge und an jeder Ecke wurde Musik gemacht. Ein großes histori­sches Schauspiel im Amsterdamer Stadion und ein prächtiges Feuerwerk schlossen den Tag ab.

Tagung des Hilfsbundes für die Elsaß-Lothringer.

DerHilfsbund für hie Elsaß-Lothringer im Reich", der sich in mehr als 200 Ortsgruppen über das ganze Reich erstreckt, wird in Den Tagen vorn 18. bis 20. September in Leipzig feinen diesjährigen Vertvetertag abhalten. Den wichtigsten Gegenstand Der Beratungen wird hie Frage der Entschädigung für Die vielen Tausende von Vertriebenen und durch Li­quidation ihres Eigentums beraubten Elsaß- Lothringer bilden. Denen bisher für Den Verlust von Habe und Existenz nur in ungenügendster Weise Unterftüßung zu Teil tourDe. Der Ver- treterrag wird sich aber auch mit wichtigen Kul- turaufgaben wie Förderung her von manchen Ortsgruppen gegründetenElsässischen Theater" und desWissenschaftlichen Instituts Der Elsaß-Lothringer im Reich" in Frankfurt a.M. befassen. Die für das gesamte Deutschtum von Interesse und Bedeutung sind.

Der europäische Probefunk.

Die Funkversuche der europäischen Sende- Rationen zur Siebermittelung einer neuen Wellenverteilung sind in der vergange­nen Rächt nach 14 Tagen Dauer beendet worden. Rach Mitteilung des Reichstelegraphen-Der- suchsamtes ist festgestellt worden, daß mehrere Sender einander stören. Diese Störungen fot- fen auf Grund von internationalen Vereinbarun­gen abgeftetlt werden. Zunächst wird jedoch die alte Wellenverteilung beibehalten werden.

Japanischer Fliegerbesuch.

Die beiden japanischen Asahi-Flieger sind gestern früh 6.15 Llhr in Mos kau zum Fluge nach Deutschland gestartet und nachmittags um 3 Ähr auf dem Königsberger Flugplatz ge­landet. Die beiden Flieger, die die 1200 Kilo­meter lange Flugstrecke MoskauKönigsberg in 8 Stunden und 30 Min. ohne Zwischenlandung zurücklegten, beabsichtigen am Mittwoch früh zum Fluge nach Berlin zu starten. Hier werden sie auf dem Tempelhofer Felde von dem Leiter Der Luftfahrtabteilung des Reichsverkehrsministe­riums, Ministerialrat Dranhenburg, emp­fangen werden. Am Freitag gibt der Reichs- verkehrsminister ihnen ein Frühstück, zu dem Die japanische Botschaft sowie Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, her Presse, Des Luftverkehrs und des Sports geladen sind.

Schweres Flugzeug-Unglück.

Bremen, 16. Sept. (WTB. Funkspruch.) Ein seit eingen Wochen hier stationiertes Wasser­flugzeug fetzte gestern abend bei der Landung zu hart auf und geriet dabei durch Explosion des Benzintanks in Brand. Gleich darauf versank der größte Teil des Rumpfes im Wasser. Von den drei Insassen sind die beiden Passagiere ertrunken, der Pilot wurde gerettet.

Ein schweres Motorradunglück.

In der Rähe von Regensburg wurde Die Frau des Taubstummenoberlehrers Fries, die mit ihrem Mann auf einem Motorrad einem entgegenkommenden Kraftwagen ausweichen woll­ten, vom Motorrad geschleudert und von einer Feder des Kraftwagens förmlich auf­gespießt. Außerdem trug sie Rückgratverletzungen davon und erlag nach wenigen Minuten ihren Verletzungen. Fries selbst erlitt einen llnter- schenkelbruch.

Reue Typhusepidemic in Pommern.

Ueckermünde, 15. Sept. (WTB.) Durch Schnitter sind in der vorigen Woche in die Ar­beiterbaracken in Carpin Ruhr und Typhus eingeschleppt worden. Die Ruhrerkrankungen konnten schnell lokalisiert werden. Die Typhuser­krankungen haben aber auch auf die Ortschaft Eggesin übergegriffen. Bisher kamen in beiden Dörfern etwa 20 Typhusfälle zum Ausbruch, davon zwei mit tödlichem Ausgang. Die Schule in Eggesin ist auf behördliche Anordnung geschlossen worden. Ebenso wurden sämtliche öffentlichen Lustbarkeiten verboten,

Wettervoraussage.

Zunächst noch heiter, westliche bto südlich« Winde, wärmer, Dann zunehmende Bewölkung, Winde nach Westen drehend, kühler, stellenweise bereits Riederschläge.

Das isländische Fallgebiet rückt gegen Osten vor. Wir kommen in Den nächsten Tagen auf seine Südseite zu liegen, was uns Den erwarteten Witterungsumschlag bringen wird. Die Minimal- Temperaturen bewegten sich in Den letzten Drei Aächten von 2,7 Grad Celsius auf 2,0 Grad Celsius herab. Damit rückt die Gefahr von Rächt- frosten in beträchtliche Rähe.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16. Minimum 2 Grad Celsius. Riederschlage: keine. Heutige Morgentemperatur: 3,5 Grad CelsmS.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 16. September 1925.

Hühnerjagd.

Man braucht kein Jäger zu fein, um Reb­hühner mittags auf dem Tisch haben zu können. Man kaust sie einfach auf Dein Markt. Da sind sie so zahm und bequem zu erreichen, dah mancher Sonntagsjäger sich verwundert hinter Dem Ohr kratzt über diesen Wechsel der Dinge, denn Draußen auf Den FelDem über Stoppeln und Rübenbreiten gebären sie sich wild unh scheu.

Soll ich Ihnen sagen, wie es auf einet Hühnerjagd zugeht? Es kommt sehr darauf an. ob man als Jäger allein mit Dem Hunde die Furche entlang streift, oder ob man in Jagd­gesellschaft ist. Es muß ein klarer Tag fein, der die Ferne ganz heranrückt. Wolken gehen durch Die Luft, Der Hund spürt durch das braune Kartoffelkraut: man fühlt Die Rässe, Die Kälte durch Schuhe und Gamaschen hindurch.

Es gehört Glück zur IagD. Der größte Aeiz besteht Darin, Daß eine ganze Kette hoch- geht und man nun blitzschnell wählen muß, wo manHinhalten" soll. Hei, wie Da manchmal Die Federn fliegen! Es kommt vor, Daß man mit einem Schuß zwei Tiere trifft, oft auch, daß man nur ein Huhn ankratzt, Dann ist des Hund in großen schnellen Sprüngen hinterher und ruht nicht, bis er es hat.

Gerade bei Der HühnersagD kommt es auf Den Hund an. Man findet die Beute zwischen Den Rübenblättern schlecht, besonders wenn sie sich todkrank verkauem. Ich müßte nicht Jäger sein, wenn ich nicht meinen Hund loben wollte, aber ich enthalte mich hier jeder Aeußerung. weil Münchhausen uns Jägern die besten Worte und Geschichten vorweggenommen hat.

Man knüpft seine Hühner an DenGalgen" der Jagdtasche, Rebhuhn neben Rebhuhn. Manch­mal kommt es vor, Daß die Galgen nicht au®*' reichen. Dazu gehört aber eine sichere Hand und ein guter Tag, an dem kein altes Weib über Den Weg gelaufen ist.

Und wollt Ihr glauben: ich esse Rebhühner nicht einmal gern, schieße sie aber mit Leiden­schaft: selbstverständlich auch zu dem guten Zweck, daß Sie etwas für Ihren Sonntägstisch haben, meine hochverehrten Hausfrauen.....

Dom Stadttheater.

Auf die Anzeigen des Abonnements für die kommende Winterspielzeit sei auch an dieser Stelle hingewiesen. Mit der Ausgabe der Abonnements wird später wieder ein Pro­spekt herausgebracht werden, Der genauere An­gaben über Spielplan unD Personal enthält. Einige Hinweise Dürften aber schon heute woh8 interessieren.

Wie im vorigen Jahre wirb die Leitung un­serer Bühne wieder nach dem Rezept des' GoetheschenTheaterdirektors" handeln:Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; sie wird aber Dabei Die idealen Forderungen, hie derDichter" im Vorspiel zum Faust auf-1 stellt, keineswegs vernachlässigen.

Da Operetten und eventuell auch einige Opern wieder durch Gastspiele aus Frankfurt am Main gebracht werden sotten (eine Ein­richtung, die sich im Vorjahre bewährt hat), kann vom eigenen Personal das Schauspiel im weiteren Sinne mit um so größerer Sorgfalt gepflegt werden.

An Klassikern sind vorgesehen: Braut von Messina, Macbeth. Egmont y. a. m. Doch sotten solche Werke, die hier schon öfter gegeben worden sind, nicht im Abonnement ge­bracht werden. Besonderes Augenmerk sott dem modernen Schauspiel zugewendet werden. An Werken, die für die Ausführung bereits cr«< worben oder vorgesehen sind, nennen wir: Haus Rosenhagen (zu Max Halbes 60.

ECJrr/M