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in.
Aus dem Reiche der Frau.
gur Psychologie der jungen Mädchen.
Bon Prof. Dr. Anna Freund.
ö« wird soviel darüber geklagt, dav die Segen fr von heute verwilderte Sitten zeige, und leider bezieht 'ich das nicht nur aut die bereits triminaliäUig gewordenen Iugendausschreitungen, ti bezieht sich auch nicht nur au' den fünszeyn- jährigen „jungen Mann", der mit der Zigarette im Mund und dem Dämlein im Ar in der Strohe tum Aergernis wird —, es bezieht sich leider oft mit Recht auch auf die weibliche SugenD. Auch dos unter sorgfältiger Hut ausgewachsene ^nge Mädchen au« guter Familie erliegt heute m in den Kreisen der Äugend herrschenden Yon; eS wird oft ohne, ja gegen seinen Dillen hineingezogen in die „modernen Anschauungen"', die die Grenzen guter Sitte mißachten. Dennoch leb! in unfern deutschen Mädchen, und das ist ein grober Trost, soviel gerader Sinn und rich- tiged Gefühl, doh die meisten sich allmählich 2Ulechtfinden, und was sie an Kraftzuwachs er° sch reu durch die innere und äuhere Selbständig- teit, die neue Lebensformen ihnen bieten, das vollen wir als Gewinn buchen.
Zarter als je muh die Erziehung diese schon 'ruh so selbständig empfindenden jungen Menschenkinder anfassen, und doch ist Erziehung und Borbild der Jugend nie nötiger gewesen. Uni) lein Alter braucht beides nötiger, als das Alter te» llcbcrgangä von der Kindheit zur Zugendreife. gerade jene« Alter, das sich jeder Zucht entwachsen dünkt und entziehen möchte. Zugleich mit der Üppigen Lenzentfaltung schiehen auch die bösen Schöhlinge ins Kraut.
Als Fehler dieses Alters — 14—18 Jahre - erscheinen bei den Mädchen im allgemeinen -er Mangel an Herrschaft über das Aaturell, das Sich-regieren-lafsen von Gefühlen, die aus dem Triebleben auf st eigen, die überspannte "Dichtigkeit. die das eigene Ich beansprucht dazu -fcmtmt heute als Zeichen der Zeit ein Mangel ,<m Zurückhaltung und weiblichem Stolz und ein ®angel an Pflichtgefühl. Daraus ergibt sich von selbst die erste Forderung der sittlichen Erziehung. „Selbstzucht muh das Mädchen überall da haben, wo die Impulsivität seines Denkens, seiner Gefühle, seiner Handlungen nicht dem vittengeseh entspricht. Im Lachen, im Deinen, in der "Rachgiebigkeit seinen eigenen Stimmungen und Gefühlen gegenüber, überall Tann dieser Mangel an Selbstzucht sich zeigen .... Denn ; tiefer Mangel an Selbstzucht und Selbstbeherv Idjrung im Hause als weibliche Schwäche empfunden wird, so wirkt er im öffentlichen Leben als Unweibllchkeit." Das Frauenleben aber spielt sich heutzutage nicht mehr bloh im engen Bezirk des Hauses ab, und unsere jungen Mädchen müs° fen so erzogen werden, daß sie auch auherhalb desselben ihrem Geschlechte Ehre machen.
Den Heranwachsenden Mädchen muh neben der Selbst beherrschung die Selbstbewahrung am Herzen liegen „Hier stehen wir vor der traiu vigen Tatsache, dah daS echt deutsche Feingefühl in diesen Dingen den deutschen Mädchen so vielfach abhanden gekommen ist. Es fehlt der Stolz 6er seine Gefühle und damit sein Seelenleben nicht für jedermann zur Schau tragen mag . Klar und entschieden müssen wir gerade heute dem Verspielen und Vergeuden tiefster Frauen- werte in verfrühter, falsch geleiteter Hingabe entgegenarbeiten, indem wir das Mädchen lehren, sich selbst zu bewahren, zu stolz zu fein, um sich roegzuwerfen." Es begreife den Unterschied, den schon unsere herrliche Sprache macht zwischen „sich bingeben“ und „sich wegwerfen".
Der Mangel an Selbstzucht tritt auch in der Anzuverlässigkeit zutage. Es ist teils der Zerfahrenheit unserer Zeit, teils auch dem Mangel an bestimmter Forderung (im Elternhaus) zu- zuschreiben. dah die jungen Mädchen selber ihre Unzuverlässigkeit als „nicht schlimm" ansehen. Man muh ihnen zum Bewußtsein bringen, dah die unbedingte Zuverlässigkeit ethisch ein Merkmal des Charakters und praktisch gar oft im Sieben die Grundlage allen Wohlergehens ist. Auch gegen das oberflächliche Erfassen der Dinge, wozu die Mädchen neigen, muh die Erziehung emtämpfen. "Rein intellektuell ersaht die Frau ron Aatur die Dinge selten; soll sie sie ganz entnehmen, muh ein seelisches Moment mit- schwingen. Bur in dieser ungeteilten inneren Hingabe wird sie zur Gründlichkeit gelangen.
So urteilt eine Erzieherin, die. wie Magda- Rene von Tiling. aus reicher Erfahrung und «mä groher Liebe heraus spricht. Die wenigen Proben mögen beweisen, von welch tiefem sittlichem Ernste ihre Gedanken getragen sind. Ihr Büchlein: ..Psyche und Erziehung der weiblichen Tugend" läßt uns aufs neue die Aotwendigkeit
Hu — hu!
eine Kindergeschichte mit moralischem Anhang.
Don Dr. Friederike Boettcher.
Hansi vier. Lenchen fünf Sabre alt Gc° 'chwister sind es und spielen, knuffen und balgen ich den ganzen Tag.
Isch bin älter, lagt Lenchen. Isch krieg zwei bonbvns und du bloh ein'n. Isch kann schon -um Tor rausgehn, aber du b>fch.,noch zu klein. -Hansi weih nicht, was das ist -älter“, er hat leine Argumente, aber er hat Kraft. Unb er Tann brüllen. Dann werden ihm oft Zugeständnisse gemacht, damit das Gebrüll auf hort. Dies neifj er, und versäumt nicht, das wirksame Mittel znzuwenden.
Lenchen geht gern zum Tor hinaus, denn auf der anderen Seite der Strahe wohnt das Rach- 1 barfinb und hat Spielsachen. Spielsachen hat lenchen auch, aber feine P Uppen küchc Das llachbarlottchen hat eine, und was für eine! Mit Kochtöpfen, Pfannen, Schüsseln und einer tich- iigen kleinen Köchin
Du kanns immer kommen un mit der Puppen- iüche spielen und schenks mir dann ein Apfel aber Hansi nisch Der is zu klein. Er macht alles kaputt.
Lenchen versucht, ihm das klar zu machen; Du dleibs hier un ich geh zum Tor raus und ich schenk dir auch ein Apfel, mein süher, süher Hansi.
Dein, sagt Hansi, isch geb mit. And Aepfel iriea isch allein genug. Lenchen schleppt all seine Bilderbücher an und sagt. Och die olle Puppen- fache, bleib man lieber hier Aber er erwidert: Rein, isch geh mit
Fäuste und möchten irgendetwas zertrümmern. — Denn die aber wiederkommt na warte! schluchzt er.
Denn aber Lenchen wiederkommt. wird sein Zorn längst verflogen fein. Sie wird lustig ins Zimmer springen und ihm etwas lachend erzählen, von einem Schmetterling, dem sie nachgelaufen ist. ober sonstwas, die Frauen sind darin erfinderisch. Dann hält sie ihm den Rest eines halb ausgelutschten Bonbons hin und sagt: Sieh mal. was ich dir Schönes mitgebracht habe! Freust du dich nicht?
Mein Sohn, vergiß nicht, wie es dir in deiner Kindheit ergangen ist. Lah dich nicht darauf ein. mit Mädchen "Verstellens zu spielen. Dor allen Dingen nickt, wenn deine Srau dies versuchen sollte Uno wenn du es doch tust, bann, um Gotteswillen, lah dich nicht in die Ecke stellen. Sie verspricht dir heilig, sie wird hu-hu rufen, aber du weiht, sie tut es nicht. Es ist nur ein Vorwand, um dich loszuwerden. Gläubig stehst du da. hältst dir die Augen zu und wartest. Aber fie ist längst über alle Berge und spielt mit fremden Puppenküchen.
Du bist stärker als sie. du bist klüger, du konntest dich rächen, aber es hat keinen Zweck. Aachdem du stundenlang gewartet hast, kommt sie lachend hereingetänzelt und Hal dir etwas Wunderhübsches mitgebracht, im Wert eines halb- aufgelutschten Bonbons. Wenn du dich nicht freust, bist du ein herzloser, roher Wenfch und nicht wert, eine solche Frau zu haben.
Unb es war alles ein Irrtum Unb du hast überhaupt keine Ahnung, wie der Mann sich gegen die Frau zu benehmen hat. Schließlich entschuldigst du dich und glaubst, du hättest dich ’c’v ‘ rie Ecke gestellt
Die Frau, die ewig fragt.
Mit der OTeugierbe, die man nun ein«- mal für eine bei Frauen besonders oft anzu treffende Eigenschaft hält, hängt bas viele Fra gen zusammen, das manch: Vertreterinnen des weiblichen Geschlechtes an sich haben Aber sc gern und so viel dic Frau fragt, so ungern antwortet in der Regel der Mann. Aus biefem Gegensatz ist schon viel (Streit, manche Aufhebung der Verlobung und manche Eheschei bung entstanden. Der Mann haht nichts mehr als das beständige Kreuzfeuer von Fragen, bav manche Frauen gegen ihn richten Er fühlt sich beständig wie ein Angeklagter, der einem Der hör unterworfen wird, und das empört ihn um so heftiger, je unschuldiger er sich kühlt Durch dieses Gefrage machen die Frauen bisweilen ihre Männer zu hartnäckigen Lügnern, ohne dah die Lügen irgendeinen besonderen Grund hätten Der Mann will nicht über jede Kleinigkeit in seinem Leben der Frau Rechenschaft geben, mtc wenn sie ihn stets mit Fragen bombardiert, wo er gewesen ist. wen er getroffen hat usw. dann nimmt er seine Zuflucht, zur Unwahrheit, nur weil ihn die Fragen ärgern, nicht weil er seine. Frau etwas verbergen will
Frauen, bte klug sind, kennen diese Eigenari und — toenn man will — Schwäche der Männer und vermeiden das allzu viele Fragen, stellen jedenfalls die Fragen nicht bireft, sondern mehr gelegentlich und nebenbei. Die klügste Frau aber fragt überhaupt nicht und - hört dann alles. Eine Dame die nach dem Grunde ihrer so überaus glücklichen Ehe gefragt wurd?. gab zui Antwort: „Ich frage meinen Mann niemals etwas, und infolgedessen erzählt er mir alles."
und den Segen eines intensiven Fraueneinflusses auf die Heranwachsenden jungen Mädchen ahnen Wie sagt sie doch? „Wir müssen sorgen, das) unsere Mädchen es lernen, ftitle zu werden vor stillen Dingen, bei sich selber zuhause zu sein, damit auch Feines und Zartes aus dem unbewußten Untergrund ihres Wesens aufblühen kann. So kann nur eine Frau ihr Erzieheramt empfinden. Dah zu diesem Amt nicht nur die wissenschaftliche Kenntnis psychologischer Funltionalzusammenhange, sondern eben auch die Gabe fein il er Einfühlung gehört, das wird jedem, der in ihrem Büchlein beides so schön vereinigt findet, tlar werden.
Jiu-Jitsu.
Jiu-Jitsu als Sportzweig bürgert sich mehr und mehr in Deutschland ein. Auch die Frauenwelt nimmt, namentlich in Berlin, regen Anteil an diesem Sport, bei dem es weniger auf körperliche Kraft sondern auf Gewandtheit ankommt.
Der Deutsche Meister im Jiu-Jitsu, Erich Rahn, der in Berlin Kurse für Frauen und Männer leitet, erzählt vom Jiu-Jitsu in „Vobachs Familienheften" als einer von den Japanern übernommenen Seibslverteidigungsmethode. deren Kenntnis einen körperlich schwachen Menschen befähigt, einen ihm an Körperkraft überlegenen Gegner nicht nur mit Erfolg abzuwehren, sondern, wenn cs der Augenblick erfordert, auch unschädlich zu machen. Genaueste Kenntnis des menschlichen Körpers, besonders aber aller gegen Druck und Schlag empfindlichen Stellen haben ein System von Griffen zusammenstellen lassen, das für jeden erdenklichen Angriff eine Abwehr kennt. Die Erlernung deS Jiu-Jitsu verlangt Geschicklichkeit, stellt dagegen nicht die geringsten Anforderungen an die Körperkraft des Lernenden und ist aus diesem Grund ein idealer Sport für die Frau Durch eine wohldurchdachte Körperkultur wird der Körper gehörig voibereitet, spielend leichte Beweglichkeit aller Gliedmasten und nicht zuletzt sicheres Zugreifen müssen erlernt werden. Erst bann wird der Zögling mit dem Jiu-Jitsu selbst vertraut gemacht, und zwar mit den für die Selbstverteidigung notwendigen Griffen. Gr wird zunächst lernen müssen, sich aus Umklammerungen zu befreien, um dann mit den gegen Stoll- und Meslerangrisfe anzuwendenden Abwehrmethoden, die schon Kaltblütigkeit und Ruhe vorausfehen, bekannt gemacht zu werden. Die Methode verbindet demnach alle Vorzüge des Sportes mit dem Ruhen einer Selbstverteidigung. Mehr denn je ist heute die Frau, besonders wenn fie beruflich tätig ist. auf sich selbst angewiesen, in weit grösterem Maste als in früheren Zeiten aber auch dadurch Gefahren ausgesetzt, denen sie vielfach durch entschlossenes Handeln entgegentreten kann. Entschlossenheit und Geistesgegenwart können aber anerzogen werden, und dazu wird in elfter Linie der Jiu-Jitfu-Sport berufen fein.
Die ältesten Stickereien.
Stickereien find vergängliche Gegenstände, und es ist daher fast ein Wunder, dast sich überhaupt solche feinen Gebilde aus uralten Zeiten erhalten haben. Es gibt aber in den Museen Stücke, die auf ein Alter oon vielen Jahrtausenden zurück- bliden können, wie Frieda Pollack-Sorer Im ., Sammlerkabinett" ausführt. Als die älteste Stickerei hat eine chinesische bunte Federnft ickerei zu gelten, die aus vorgeschichtlicher Zeit stammt. Ihr kommen im Alter am nächsten einige Leinenstickereien aus einem Grabe bei ©affarain Aeahpten, das dem alten Reich angehört. Diesem in feinem Kreuzstich ausgeführtem Radelwerk hat man eine Dauer von wenigstens 6000 Jahren zugebrlligt. Die beiden alten Stickereien stellen zugleich die beiden ersten Techniken der Stickerei bar: die Flachst ickerei. die sich aus der Fedeinstickerei entwickel! hat, und die Kreuzstickerei, die jünger sein muh, da sie erst nach der Erfindung der einfachsten Gewebe auf der Textur des Gewebes ausgeführt werden tonnte. Bei den Aegyptern war der Kreuzstich, neben Apvlikationsarbeiten auf Leder und Stoff, für Stickereien in Verwendung; dagegen Haven die Assyrer ihre Stickereien in Plattstich ausgesührt. der bis auf den heutigen Tag in Indien und China vorherrschend ist. Bei den Griechen, die dasselbe Wort für Sticken und Wekien gebrauchten, finden sich beide Techniken vereint; doch wurden auch Goldfäden, Flitter. Stäbchen und getriebene Rosetten auf- genäht, wie es schon die Aegypter gemacht hatten.
Besonders berühmt waren die Arbeiten der Phrygier, die den Kreazstich bevorzugt haben sollen, während die Römer Flachstich und Krestzstich verwendeten.
Aus dem ersten nachchristlichen Jahrtausend sind in Europa keine Stickereien erhalten. Doch dürfte um die Mitte des 11. Jahrhunderts, als
man den Chinesen daS bis dahin ängstlich gehütete Geheimnis der Seidenraupe entrissen hatte, ein neuer Aufschwung in die Stickereien des Abendlandes gekommen sein. Die höchste Kunstfertigkeit im Sticken entwickelten fürstliche Frauen und Rönnen, daneben aber auch Mönche deren Stickereileistungen im 12. Jahrhundert gerühmt wurden. Das älteste Denkmal mittelalterlicher Stickkunst ist der „ungarische Krönungsmante l". den die Gemahlin Stefans des Heiligen. Gisela. auf Purpurseide mit Goldfäden ums Jahr 1031 anfertigte. In England wurde um diese Zeit die Flachstickerei eingeführt, und die Gattin Wilhelms I. von England. Mathilde, stickte mit ihren Damen ums Jahr 1100 einen Teppich in Flachstich, der auf einer Leinenfläche von 63 Metern Länge und 46 Zentimetern Höhe die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer barftellt. Dreier Teppich das wichtigste Zeugnis der mittelalterlichen Stickkunst. wurde erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts von dem Archäologen Montfancon in der Stadtbibliothek von Bayeux wieder aufgefunden und ist als der „Teppich von Bayeux" berühmt geworden. Die englischen Stickereien wurden damals besonders geschaht und übertrafen in der ersten Hälfte deS 14. Jahrhunderts weit die deutschen, französischen und italienischen Arbeiten. Erst als die einfacheren Woll- und Weihstickereien auch oei den Bürgerfrauen beliebt wurden, gewann die Stick- kunst eine weitere Ausdehnung.
Die Pulszahl des Kindes.
Don Dr. W. SchweiSheimer, München.
Die Mutter fühlt zufällig am Handgelenk den Puls ihres kleinen Kindes. Erschreckt merkt sie. wie auherordcntlich rasch der Puls hier schlägt, — viel rascher noch als neulich bei dem Fieber anfall ihres Mannes. Dabei sieht das Kind ganz gesund aus. spielt luftig rind ist vergnügt. man sollte wirklich nicht denken, dah ihm etwas fehlt. Aber der Puls jagt geradezu! Sie must doch einmal genau zählen, wieviel Schläge das in der Minute sind, ilnö bei einem Vergleich mit ihrem eigenen Pulsfchlay must fie sLststellen. dast die Schlagzahl des kindlichen Pulses nahezu die doppelte ist als bei ihr selbst. Das i a n n doch nicht normal sein, das m uff doch krankhaft sein!
And doch ist dieser rasche Puls des Kindes vrlllommcn normal, hat mit Krankheit gar nichts zu tun! Ein Befund von 120 Pulsschlägen in der Minute ist beim etwa zweijährigen Kinde durchaus in der Ordnung. Es ist eine verbreitete, aber unrichtige Vorstellung, aus der hohen Pulszahl eines kleinen Kindes allein auf das Vorhanden- fein von Fieber schliehen zu wollen. Fieber, krankhaft erhöhte Körpertemperatur, geht allerdings in der Regel mit beschleunigter Herztätigkeit einher. Der Puls ist die Fortleitung der Herzbewegung in das Schlagader-(Arterien-) System. An einer oberflächlich gelegenen Arterie lästt sich daher unmittelbar die Anzahl der Herz- zufammenziehungen in einem bestimmten Zeitraum feststellen. Aus der Anzahl der Herzschläge find Rückschlüsse auf die Herztätigkeit möglich und ebenso auf andere körperliche und seelische Zustände. Denn ein Körper im Fieber sucht durch Beschleunigung feiner Herztätigkeit rascher und mehr Blut an die erkrankten Stellen zu bringen und dadurch den Verlauf der Heilung zu begün- fligen. Ebenso rufen andere Zustände eine Be- chleunigung oder Verlangsamung des Pulses hervor. Aber — und das ist sehr wichtig zu wissen — auch beim ganz gesunden Menschen ist die Anzahl der Pulsschläge unter gewöhnlichen Verhältnissen verschieden. Eine Einheitszahl gibt es nicht. Jedenfalls muh man bei dem Versuch einer Krankheitserkennung aus der Pulszahl sehr vorsichtig sein. Trugschlüsse sind sonst unausbleiblich.
Die durchschnittliche Pulszahl des Erwachsenen beträgt 60 bis 80 Schläge in der Minute. Auch mehr oder weniger Schläge können bei vollkommener Gesuirdheit auftreten. Jeder Mensch ist verschieden, und bei den hier angegebenen Zahlen handelt eS sich lediglich um Durchschnittszahlen. Sie stellen das Mittel aus einer groben Anzahl von Zählungen dar. die als solche einen gewissen Anhaltspunkt für die Beurteilung liefern, aber keineswegs für jeden verbindlich fein können. Beim neugeborenen Kinde ist die Pulszahl ungefähr doppelt so grob, nämlich 130 vis 150 Schläge in der Minute. Sie sinkt dann allmählich ab, beträgt im ersten Lebensjahr etwa 130. im zweiten Lebensjahr 120. im vierten 110 Schläge in der Minute. Im siebenten Lebensjahr wird mit 80 Schlägen die Durchschnittszahl der Erwachsenen schon fast erreicht. Die Anzahl 60 bis 70 bleibt dann ungefähr während des Lebens erhalten. und steigt erst im hohen Alter wieder ein
bi heben an. Chn einzelnen paht sich der den Kreislauf treibende Motor, das Herz, den <$r foibcrniffcn des Augenblicks mit größter Fein heil an. ohne dabei den Gesichtspunkt dauernder Leistrmgsfähigkeit jemals zu vernachlässigen.
Ein Grund zu irgendeiner Seunrubigung wenn die Pulszahl der Äinber weit höher als die der Erwachsenen ist. bestehl daher nicht. Man darf ja auch sonst die Verhältnisse beim Erwach lenen und die beim Kinde nicht unmittelbar m Vergleich miteinander bringen Beim wachsenden Organismus ist vieles anders zu beurteilen als beim ausgereiften, auf der Hohe feiner Leistung? fäbigteit befindlichen. So ist eS beim Kinde auch viel weniger emft zu nehmen, wenn beispielsweise eine Erkrankung gleich mit sehr hohem Fieber einhergehl. 5>er kindliche Körper reagiert viel rascher und heftiger auf die eingedrungene Schädlichkeit als der an solche Vorgänge schon eher gewöhnte Körper deS Erwachsenen Solche heftige Reaktion dient iogai gerade dazu, die Schad' lichkeit rascher unschädlich zu machen und aus dem Körper wieder zu entfernen.
Im übrigen st gerade bei kleinen Kindern der Puls ost nick, leicht zu fühlen. Auch das muh man wissen, um sich vor ungerechtfertigter Bestürzung zu hüten. Die Arterie an der ge wohnlichen plnterfuchungsstelle (am Handgelenk am Speichenknochen, in der Verlängerung des Daumens) ist beim Kind noch sehr klein und daher schlecht zu fühlen Ein etwas dickeres Fettpolster an dieser Stelle läht zuweilen kaum etwas walv nehmen. Jedenfalls darf eine Mutter, die bei ihrem kleinen Kind den ihr sonst auffindbaren Puls nicht finden kann, keineswegs daraus auf eine „Herzschwäche" beim Kind schliehen. Das kommt aber gar nicht selten vor. und solcher Irrtum verseht die Mutter in heftigen Kummer, ohne allerdings das Kind in seinem Gesundheits gefrthl zu beirren.
Praktische Winke.
Herdplatten z u reinigen. Vernachlässigte, verrostete oder durch lieberlaufen der Speisen verunreinigte eiserne Herdplatten reinigt man am besten, wenn man sie, so lange sie noch warm sind, mit heihem Sodawasser bc giesst und mit Harzseife einreibt Einige Mi nuten läht man dies ziehen, reibt dann mit feinem Puhstein oder Sand kräftig nach und nimmt, wenn dic Platte gar zu sehr verdvrbeir ist, noch einmal Soda und Seife zu Hilfe. Zum Schlust bürstet man tüchtig, fegt mit Papier nach und reibt mit einem wollenen Lappen trocken. Die Hausfrau wird ihre Freude daran haben, wie blitzblank und neu die Herdplatte sich wieder präsentiert.
— Schonung vonDügeleifen Bügel eisen reibe man nach jebem Gebrauch mit etwas Oel ein und hülle sie in einen wollenen Bezug Dadurch wird das Rosten und Rauhwerden des Eisens vermieden.
— Strickj allen nicht aufhängen! Strickjacken darf man niemals hängend aufbewah ren, wenn sic ihre Form in Schultern und Rücken behalten sollen. Man falte sie auf, indem man au der ausgebreiteten Jacke die Vorderteile richtig legt und die Aermel umfaltet, lege sie dann in dec Hälfte zusammen und bewahre fie in Schieb labe, Schrankbrett ober Truhe Sie ziehen sich bann jedesmal wieder ein wenig zusammen und bleiben bedeutend ansehnlicher.
Marnie Fußböden
Tie Hausfrauen können für den Winter nicht genug Mittel erfinden, um die Zimmer warm zu halten und doch möglichst viel an Feuerung zu sparen. Besonders wer eine Wohnung zu ebener Erde inne hat, hat unter den kalten Futzböden zu leiden. Aber auch ht den oberen Stockwerken macht es sich bemerkbar, dah in den meisten Wohnungen heute nicht alle Zimmer geheizt werden, und die kluge Hausfrau sucht möglichst ein solches zum allgemeinen Winterwohnraum aus, das auch im unteren Stockwerk geheizt wird. Em vorzügliches Mittel, um die Kälte der Fußböden zu mildern, ist Papier. Man lege darum unter die Teppiche 5- dis 6-fache Lagen von altem Zeitungspapier, das ab und zu erneuert werden muß. Richt nur werden dadurch die Teppiche sehr geschont und die Mottengefahr sehr verringert, sondern der Fußboden wird bedeutend wärmer erhalten. Auch die Bastmatten, die jetzt in so reizvollen Mustern und Farben hergestellt werden, sind eine vorzügliche, wärmehaltende Unterlage.
Unb wie sie kurz entschlossen die Treppe hinunter läuft, rennt er hinterher, brüllt unb hält sie fest. Lenchen fängt an zu weinen. Die Puvpen- kuche ist unerreichbar. Je ferner sie versinkt, um so lockender schwebt sie durch Leirchens Träume. Vielleicht hat Hansi morgen vergessen!
Er hat nicht vergessen.
Im Gegenteil. Auch in feiner Seele wächst der Wunsch nach der Pupvenküche ins riesenhafte. Allein kann et nicht hin. er kann auch nicht allem das Tor aufmachen Aber Lenchen wird sicher von neuem versuchen, zu entwischen. Unb er Laßt auf. hält sich in ihrer Rähe. läßt bas Tor nicht aus dem Auge. Lenchen wird immer hoffnungsloser.
Plötzlich kommt ihr ein Gedanke Es muß ein sehr guter Gedanke sein, denn sie wird auf einmal ganz luftig. Wandert im Zimmer umher und fagt so über die Schulter weg. ganz beiläufig: Komm, wir spicken Versteckens. Ach ja. Hansi ist glücklich. Dersteckens spielt et gern.
Also pah mal auf, nu geht s los!
Du stells dich da in die Ecke und häls die Hände vors Gesicht. So! Aber nich umgucken. Un nu verstell ich mich. Aber du darss noch nich kommen. Du muh warten, bis ich hu°hu rufe
Haust stellt sich also in die Ecke, hält die Hände vors Gesicht und guckt sich nicht um, denn er ist ein ehrlicher Mensch und Lenchen trampelt quasi im Zimmer umher, nähert sich vorsichtig der Tür und läuft leise die Treppe hinunter, heidi über den Hof zum Tor hinaus.
Indessen steht Hansi in der Elle und wartet. Er wartet gläubigen Hetzens, bis Lenchen hu-hu ruft. Aber da kann er lange warten.
Ein schrecklicher Zorn fahr ihn an. wie er ben Betru' merkt. Seine kleinen Hä-de -?rben


