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fllontag, <6. März 1925

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Ar. 63 Zweiter Blatt

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hren klingen.

in Dutzbgch

Red.)

lange der wissenschaftlichen Assistenten in den vor- chiedenen Hochschulländern des Reiches unb führte u neuen organisatoriichen Maßnahmen zum Zweck »es Ausbaues der bewährten Verknüpfung inner- halb der Süddeutschen Arbeitsgemeinschaft und des Deutschen Akademischen Assistentenverbandes.

Tagung Der wissenschaftlichen A sistenten.

Am 7. dis 9. März tagten Vertreter der wissenschaftlichen Assistenten aller süddeutschen einschließlich der hessischen Hoch­schulen in München unter Lesung des Vor­sitzenden des Deutschen Akademischen Assistenten- Derkandes in Berlin. Veranlassung hierzu gab der Umstand, daß die Regierungen der süd­deutschen Länder ihre Hochschul - a s s t st e n t en immer noch im Gegensätze zu den anderen Ländern in rechtlicher und materieller Hinsicht vernachlässigen. So fehlt noch immer die gesetzliche Regelung der Dienst- und B e s o l d u n g s v e c h ä l t - nisse. Die bisherige Festsetzung auf dem Wege einseitiger DerwaltungSvcrordnung muh all­gemein als unzulänglich bezeichnet werden. Als schwerer Mißstand wird die sog. 6 t e 11 e n t e i - lung empfunden, die darin besteht, dah mit dem Gehalt erner Assistentenstelle mehrere voll­beschäftigten Assistenten b soldet werden. Ein der­artiges Verfahren finden im gesamten Bereich des Staats- und Privatdienstes kein ®cq?nftücf. Cs wurde der Erwartung Ausdruck verliehen, dah bei der angestrebten gesetzlichen Regelung auch die vielfach noch unwürdige Besoldung der jüngeren Assistenten (insbesondere in Hessen und Thüringen) der norddeutschen Regelung restlos angeglichen wird. Sonst mühte befürchtet werden, dah nur mehr den Kreisen der Zugang zur akademischen Laufbahn Vorbehalten bleibt, die es verstanden haben, in und nach dem Kriege die nötigen Mittel sich zu sichern. Die Ta­gung ergab die völlige älebereinstimmung der De-

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Dieu»tag.l7.MSr, 22.WD5I0I« üX.McoßW M M Mi Lvereiie in 3 Äßen von Fran; Mar.

Die Besteuerung der Kinderreichen.

Don Stadtrat Dr. Merket.

,ig Millionen Deutsche sind zu viel Ml, dieses unbarmherzige Wort Ele-

Zahl von Hörern haben wird, wie das abge« laufe ne.

2S Bad-Rauheim, 14. März Die hie» sige Bereinigung ehemaliger 116er veranstaltete einen sehr schön verlaufenen Ja» milienabend. der dadurch eine besonder« Rote erhielt, dah er im Zeichen der Tradi­tion stand Der 116er Marsch wurde von Mit­gliedern des Musikkorps des 1. Da tl. I n f Rg r 15 gespielt, außerdem wohnten 4 Kamercwen der 2. Komp Ins. Rgts. 15 aus Gießen, der Traditionslompagnie des ehe­maligen Regiments 116. der Veranstaltung in Uni­form bei. Der Vorsitzende. Sludienrat Dr.Knie- r i e m, widmete der Pflege der Tradition in seiner Begrüßungsansprache besondere Worte. Mil dem Lied3d) halt' einen Kameraden" wurde der Gefallenen gedacht. Drei fleinert Theaterstücke militärisd-en Inhalts sorgten für gute Unterhaltung. Eine Ueberraschung brachte die Enthüllung einer T i s ch st a n d a r t e in den Farben und mit dem Ramenszug des Regiments. Dao Heine Kunstwerk ist von einem Kameraden gestiftet worden.

vw. Butzbach. 14. März. Der Früh- jahrsmarkt muhte wegen Ausbruchs dei Maul- und Klauenseuche bis zum 14. Mai verschoben werden. Die Verlosung fand da-

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Tagen wurde die verheiratete, aber wegen Rervenerkrankung bei ihren Eltern lebende Toch­ter des Landwirts Dommersheim im Iauchenpfuhl ertränkt aufgefunden. Die Leiche war mit einem Fuh an dem Pfuhlrand hängen geblieben, während der Körper in der 3 uche steckte. Da die junge, erst achtundzwanzig­jährige Frau infolge ihres Leidens allein kaum gehen konnte, tauchte sofort das Gerücht im Dorfe auf. dah fie einen g e to a 11 f am enTod gefunden haben mühte. daS um so mehr, als sie. obwohl einzige Tochter, von ihren Ellern nicht gut behandät wurde. Die Gerüchte, daß womöglich der Vater als Morde r in Frage kommen kannte, vernichteten sich immer mehr. Die Staats inwallfcha t hat nunmehr den V a t e r, Landwirt D mmerSheim, als mutmahlichen Mörder feiner Tochter durch die Gendarmerie am Samstagv^rmittag verhaften und zu» nächst dem Vilbeler AmtsgerichtSgefängniS zu? führen lassen. (Von unterrichteter Seite wird uns noch mitgeteilt, dah nach dem Befund bet Aerzte weder in den Atmungsorganen, noch in der Lunge Spuren von Ammoniak (Bestandteile des Pfuhls) fest gestellt wurden, so dah sich bet Verdacht verstärkt, dah die junge Frau nicht durch Ertränken in der Pfuhlgrube, sondern schon vorher verstorben war. klebrigen» weist der Körper der Toten auch starke Spuren von Mißhandlungen auf, so z. D. eine schwere Schlagverletzung am Kopfe, die einen Bluterguß unter der Gehirnschwade zur Folge hatte. Die

gegen jetzt ftatt

' Buhbach. 15. März. Die für den 12. Marz in Butzbach vorgesehene Zuchtviehauktivn dcs Landwirtsd)aftskarnmer-Ausschusses für Ober­betten wird jedenfalls am 2. April ebenfalls ' gehalten werden.

bei, 15. März. Vor einigen

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KreiS Schotten.

Schotten, 14. März. Um unserem Stadtbilde ein freundliches unb gefälliges Aussehen zu geben, hat der Gemeinderat einen Wettbewerb f ü r häuslichen Blu­me n t ch m u ck ausgeschrieben. Die Häuser, die an Pfingsten den reichsten, schönsten unb ge­schmackvollsten Blumenschmuck tragen, sollen Hit besonderen Prämien bedacht werden. Di ser Entschluß ist sehr begrüßenswert, und verdient Rachahmung. Er ist geeignet, den Sinn für das Schöne zu wecken und zu fördern, und duf­tige Blumengrüße an den Häusern werden -am blühenden Willkomm für jeden Besucher wer- den. Gleichzeitig hat sich das Dau amt bereit erklärt, bei dem Bau neuer und der Instand- fe ung alter Häuser sachverständigen R a t zu erteilen, damit nicht etwa Geschmacklosigkeit daS Stadtbild verschandeln könnte.

O Schotten, 14. März. Heute vormittag 71/« 11 br entgleisten auf dem hiesigen Dahn- h o f beim Rangieren eines Güterzuges einige Wagen. Auf zwei entgleisten Wagen befanden sich Möbelwagen. Ein Güterpackwagen schob sich dabei auf einen andern. Personen tarnen nicht zu Schaden, der Materialschaden ist gering.

[j a u b a (b, 14. März. Der sta rke Frost hat der Entwicklung des ObsteS sehr geschadet Besonders die Birnen, vornehmlich die ferne­ren Spalierobstsorten, hatten schon kräftig« Blütenknospen getrieben. Ein Glück für die Win­terfrucht ist die starke Schneedecke. Auch ber Klee, der ganz hervorragend geraten ist, wirb durch den Schnee genügend geschützt. Das Bettelunwesen und Stromert um Hal wieder sehr überhand genommen. Man sieht die­selben Stromer regelmäßig alle 34 Woche« wiederkehren.

w? Eichelsdorf, 14.März. Die Schnee­decke, die seit einigen Tagen nhberg gangen ist, gibt ben H o l ; f u h r b a u t e n willkommene Gelegenheit, die im Walde lagernden Stämme an die Ab uhrwege zu schleifen. Die glatt» Schnee läche erleichtert ungern in bas Abschleifen und fördert die an sich mühsame Arbeit.

Don der Strecke Ridda Schot­ten, 14. März. Die verschiedensten Versuche, die Eifenbahnverwaltung zur Einlegung eines Abend- und eines weiteren Sonntags­zuges zu bewegen, scheiterten an dem Widerstand der Dahnbehörde. 3m Hinblick auf die bedeutende Verkehrssteigerung im Sommer, durch die Touristen bedingt, soll jetzt von Schot- t e n aus erneut versucht werden, ein Ent­gegenkommen der Dahnbehörde diesen be­rechtigten Wünschen gegenüber zu erreichen. 3m Interesse sämtlicher Bewohner der Strecke möchte man wünschen, dah endlich langgenährte Hoff­nungen in Erfüllung gehen.

menceaus sollte uns stets in ben

Gewiß ist die Angst der Franzosen seit unseren Siegen 1870/71 hauptsächlich wegen des raschen Wachstums der deutschen Bevölkerung gestiegen, aber wollen wir selbst dafür sorgen, daß in 50 Jahren Deutschland auch nur 45 Millionen Einwohner wie Frankreich hat? Wir sind auf dem besten Wege dazu, denn der GVeburtemüd- gang in Deutschland zeigt seit dem Kriegsende erschreckend hohe Ziffern. 3n Derlin war der Zuwachs an Geburten 1914 noch 27 Lebendge­borene auf 1000 Einwohner. 1923 dagegen nur ein Drittel davon, nämlich 9,4. Paris, die Haupt- floßt des angeblich kinderarmen Frankreichs. die Stadt deS Zweillndersystems. kann fast die b p- pelte Zahl auftoeifen, unb in Petersburg ist die Ziffer gar 29, in London 20,2. Diese Zahlen reden eine eindringliche Sprache, und wenn auch Berlin nicht Deutschland ist, wenn auch auf bem Lande die Furcht vor dem Kinde noch

Aus der Provinz«.

Landkreis Wietzen.

t Grünberg , 14. März. Die Hauptver­sammlung des hiesigen Schützenvereins and gestern imHessischen Hof" statt. AuS dem Bericht des SchühenmeisterS war zu entnehmen, dah die Mitgliede^zahl im Jahre 1924 bedeutend zugenommen hat unb baß hiefige Schützenbrüder an den Preisschiehen in Alsfeld, Laubach und Gießen tellgenommen haben. Rach der Erstattung des Rechnungsberichts wurde bem Rechner Ent­lastung erteilt. Hieraus wurde die Angelegenheit der Schießhalle unb der Schiehständebe- fprvchen. Der Verein hat den fchönften Schieh- stand aufzuweifen, mit einem Scheibenstanb auf 175 Meter mit 5 Scheiben, ebenso einen für die Iungschützen mit 4 Scheiben für Kleinkaliber. Eingehende Besprechung fand über den in diesem Jahre geplanten Reu bau einer Schieß- halle statt, auch das Preis schießen soll ebenso betrieben werden, wie vor dem Kriege. Eine Zeichnung bei den Mitgliedern zum Zweck des Baues der Schicßhalle ergab eine sehr statt­liche Summe: diese soll den Grundstock für die Baukosten bilden. Der langgehegte Wunsch, einen Wildstand zu erbauen, soll ebenfalls erfüllt werden. Die Herren älhrmacher Iöckel, Stadt rat Hch Schmidt II.. Gerichtsvollzieher Köni g. Karl Möller und Karl Schott wurden als Vorstandsmitglieder gewählt. Außerdem wurden noch verschiedene Wunsche über den Dau der Halle geäußert

n Stockhausen, 14. März. Außer der Grube Hoffnung bei unserem Dorfe ist nunmehr auch die Grube Ilsdorf im nahen Ilsdorf (im Besitz des HüttenwerksHaigerer Hütte") wieder im Betrieb. Es haben hierdurch wieder 160 Arbeiter Beschäftigung gefunden.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg. 14. März. Die letzten Tage brachten der Bevölkerung unserer Stadt etne A zahl Veranstaltungen, die allgemeine Beach­tung sanden. Am Dienstag fand in der Aula der Augustinerschule das siebente der von Professor Du Karl Schmidt veranlaßt"n Schüler- kon zerre statt, we'ches am A end ür ein größeres Publikum wiederholt wurde. Für den Mittwochabend hatte der Hessische Jagd- kl ut zu einem Vortrag eingeladen. Kapitän a. D. S e n d e n wußte hier in einem dreistündigen durch zahlreiche Lichtbilder belebten Vortrag über seine Erlebnisse zur Dee und seine Gefangenschaft in Afrika lebensvoll zu erzählen. Don ganz be­sonderem Interesse aber war ein Vortrag den die hiesige Ortsgruppe vom Roten Kreuz veranstaltete, und bei dem der in weiten Kreisen als mcLizinifcher Schriftsteller bekannte Dr. Haeberlin von Bad-Rauheim überRrkvtin- und Alkoholschädigungen" sprach. Er führt xt a. aus. daß alle Genuhgiste, mögen sie nun Opium. Kokain. Morphium übet Alkohol und Rikotin heißen, den Menschen in einen gewissen Rausch­zustand versetzen, der schließlich schädigend und zerrüttend auf das Retvensystem wirke. Beson­ders sei dies bei dem Alkohol der Fall, dessen Verbrauch in den letzten Jahren, besonders feit sich die Großindustrie mit seiner Herstellung be­saßt. in furchtbarer Weife zugenommen habe. An einer Anzahl von statistischen Wandtafeln nab der Redner ein einwandfreies Bild von dem Anteile, den der Mißbrauch des Alkohols an der Gesundheitsschädigung, der Zunahme der Ver­brechen, der ArbeitsVerminderung und dem Zer­fall des Familienlebens habe. Zum Schluffe seines Vortrages besprach er die Mittel, welche sowohl der Einzelne wie auch die Gesetzgebung benutzen könne, um diesem Mißbrauche entgegenzuwirken, und wies dabei auf das Beispiel Nordamerikas hin. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aus­genommen und ist hoffentllch auch auf fruchtbaren Boden gefallen. An hiesigen Museum fin­den zur Zeit eine Anzahl sog. Museums- kurse statt, welche den Zweck haben. Lehrer der Umgegenb in die Vorgeschichte un - s erer Heimat und ihre Verwertung im Unterrichte ei^zn'ü'ren und somit zur Ver­tiefung des Gefchichisunlerriches beizutragen. Richt weniger als hundert Vollsschullehrer haben sich zur Tellnahme angemeldet, und es finden deshalb vier Kurse mit je zirka 25 Teilnehmern statt. Drei Kurse haben bereits stattgesunden, der vierte wird jetzt beginnen; die Dauer derselben ist aus je sechs Woc^n berechnet unb erstreckt sich aus zwei Stunden jede Woche. Professor Dr. Blecher von der hieligen Augustinerfchule, der sich in uneigennütziger Weise in den Dienst dieser Sache gestellt hat, und mit Hilfe der reichen Schätze, die unser Museum birgt, diese Unter­richtsstunden erteilt, hat sich dadurch gewiß den Dank weiter Kreise verdient. Die Loge Lud­wig zu den drei Sternen veranstaltet im Laufe des Winters eine Reihe von Vorträgen, welche auch weiteren Kreisen zugängllch sind. Am Freitag sprach Professor Dr. Driesch von Leip­zig über das ThemaLeib und Seele". Der Red­ner gab eine historische Einführung in das Pro­blemLeib und Seele" an der Hand berühmter Philosophen, wie Spinoza, Descartes, unb ver­stand es, burch lebhafte und verständliche Dar­stellung des an unb für sich nicht leichte Thema den Hörern verständlich zu machen und deren Aufmerksamkeit zu fesseln. Am Freitag fand am hiesigen P r e d i g e r sernin a r die feier­liche Entlassung von zehn abgehenden Kandidaten statt, zwei werden noch in dem Seminar bleiben. Die Zahl der neu ein tretenden wird wahrscheinlich zehn bis zwölf betragen, so daß also das neue Semester ungefähr dieselbe

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nicht grassiert, so gehen doch in den Städten hie Geburten erschreckend zurück. Die Ansprüche her Menschen unserer Zett an das Geben steigm, t>af Heiratsalter rückt ständig Wetter hinauf, der Konkurrenzkampf zwischen Mann und Frau im Erwerbsleben hall viele Frauen von der Er­füllung ihrer natürlichen Bestimmung fern, die Wohnungsnot und die schlechten EinkommenS- verhällnisse vollenden den Jammer, wir sind in Deutschland nicht erst beim Zweikinbcrsystem angelangt, sondern schon beim Ein- unb Kein- Kindershslem.

Am ehesten heiratet noch der Proletarier, ihn kümmert im Ter trauen auf den Vater Staat die finanzielle Seite der Sache, woniaer; er schafft aber wenigstens Rach wuchs und dient dem Staate dadurch besser, als es andere nut bloß' <x,<*iterI-if,unaen tun.

Wollen wir weiter auf diesem Wege in unser Betvt«u<ii gcijcn < Geburtenrückgang i ft Raffenfelbftmorb. Frankreichs Hoffnung ist Entvölkerung Deutschlands. R o t w e h r gegen daS Kein-Kindershstem tut nrt.

WaS aber tut der Staat'c Richts oder nichts Genügendes, die Revublik so wenig wie das Kaiserreich. Frankreich kommt den Kinderreichen auf alle Weise entgegen durch Steuererleichte­rungen, durch Prämien usw. Die deutsche Re­gierung schaut ziemlich tatenlos de:n Geburten­rückgänge zu; will sie etwa selbst eine Reduktion der Einwohnerzahl des übervölkerten Reiches? Entscheidende Hilfe kann natürlich hier wie über­all nur aus dem Volke selbst kommen, aus einer inneren Abwehr vom Kein-Kinderprinzip. Be­sinnt man sich erst einmal, daß der jetzige über- hchte und ins Maßlose gesteigerte sogenannte LebenSgemih in den Großstädten verderblich ist, dah der Kino-, Gesellschafts-. Kneipen-. Revuen- tummel Phantom ist. gewinnt man wieder das eigene Heim. daS Familienleben lieb, bann ge­winnt man auch wieder Lust am Kinde und Deutschlands Zukunft ist gesichert, aber der Staat muß helfen, die Allgemeinheit, wenn nicht durch Prämien, so durch andere finanzielle Erleichte­rungen, vor allem auf dem Gebiete des Steuer- wefenS.

Der Kinderparagraph ist von jeher viel umstritten gewesen, seine ungenügender, Bestim­mungen bringen nicht entfernt einen Ausgleich zwischen Leistung und Gegenleistung. Es ist etwas ganz anderes, ob ein reicher Junggeselle 1000 Mk. Steuern an den Staat bezahlt ober ein Familienvater mit gleichem Einkommen, aber fünf Kindern, die Hälfte. Die Lasten deS letz­teren, der die Sorge für einen Rachwuchs auf feine Schultern nimmt, das. was er also in­direkt für den Staat leistet, betragen das Viel­fache der lediglich finanziellen Leistungen des Junggesellen des männlichen wie des weib­lichen der die vielfachen Sorgen deS Fa- mllienvaters nicht kennt. In einer Mehr­belastung der ilnocrtjeiratetcn und der Kinder­losen die 3unggefellenfteuer ist kein leerer Wahn! oder anberersetts in einer Steuer­entlastung der Kinderreichen muß ein gerechter Ausgleich geschaffen werden, sonst verbietet materielle Rot einfach ein Zunehmen der Kinderzahl.

Es darf nicht vergessen werden, daß die in­direkte Besteuerung, die sich im ziffernmäßigen Ergebnis für ben Durchschntttsdeutschen weit höher stelll als die direkte, daß zumal die Verteuerung deS täglichen Gebens durch .die Umsatzsteuer den Eimährer einer größeren Fa­milie mit einer Vorausbelastung vor der Einzel­person bedentt, die horrend wirkt. Weiter wird der Familienvater, der naturgemäß eine größere Wohnung haben muß. durch die Mietzinssteuer, in der ein gut Teil Einkommensteuer steckt, wett härter getroffen, als der 3unggefelle. der sich mit einer kleineren, aber desto behaglicheren Wohnung begnügt Hier klafft eine bedenkliche Lücke, die eine beträchtliche Verständnislosigkeit deS 'Wohlfahrtsministeriums beweist.

Diel Kinder - viel Segen! Wenn ein Fa­milienvater seine Ehefrau und vier Kinder unter­halten und fast ebensoviel Steuern zahlen soll tote ein Junggeselle mit gleichem Einkommen, fo wird der Familienvater die Wahrheit dieses Sprichwortes kaum restlos erkennen. Diel Kinder find zweifellos für den kleinbäuerlichen Grund­besitz ein Segen, wo auch schon jüngere Kinder eine beträchtliche Hilfe darstellen und teuer zu bezahlende Hilfskräfte ersetzen. Gerade der Mit­telstand. der dem Volk seine Führer erzieht und sich jetzt große Entbehruiigen auferlegt, um den Kindern eine gute Erziehung zu geben, wird steuerlich nicht oder nicht genügend berücksich- tigt Die öffentlichen Lasten dürfen nicht schlecht­weg nach dem Maßstab von Leistung und Gegen--

leist ung aufetiegt werden, sondern nach der Leistungsfähigkeit. Diese Leistungsfähig­keit bemißt sich aber nicht allein nach der Höhe des Einkommens und des Dermögens. sondern in gleicher Weife nach der Zahl der auf das einzelne Vermögen oder Einkommen angetoiefenen Personen. Dieser Grundsatz, der in den Steuer­gesetzen der früheren deutschen Bundesstaaten jetzt auch der Republtt leider nur in ge­ringem Umfange gewürdigt worden ist, fordert jetzt angesichts der neuen Steuerreform immer gebieterischer seine Verwirll'chung. denn Bevölke- rungSpolilik und Steuerpolitik stehen im engsten Zusammenhang. Jetzt muh der Weg bei(brüten werden, dah man den durch Unter hall von Kindern unb anderen Familienmitgliedern un­verhältnismäßig stark belasteten Steuerzahlern beträchtliche Ermäßigungen zuteil werden läßt. Die dadurch entstehenden Steuerausfälle können vielleicht ein Steigen deS allgemeinen Steuer­satzes zur Folge haben obwohl die Zahl der kinderreichen Familien in Deutschland erheblich zurückgegangen ist aber ein solches Steigen würden nicht die in den Genuß der Ermäßigung gelangenden Familienväter merken, sondern die Leute mtt wenig oder keinen Kindern und die äänverheirateten. allo die in günstigerer wirt­schaftlicher Lage Befindlichen und diese wollen unb können gut unb gern höhere Lasten tragen, da fie sonst für die Allgemeinheit (du-ch Kinber- erziehung ufw.) nichts oder nur wenig leisten

Run hat zwar der Reichskanzler Dr. Luther zu Anfang seiner Tätigkeit in seinen Steuer­thesen die Verheißung gepredigt:Die soziale Gerechtigkett umfaßt auch eine Berücksichtigung der Kinderreichen." Bravo! Aber das dür­fen nicht bloße Worte bleiben und leider ent­hüll der Entwurf eines neuen Einkommensteuer­gesetzes nur die ungenügende Bestimmung, dah der für die ersten 8 000 Mark Einkommen gül­tige Steuersatz von 10 Prozent sich für die Ehefrau sowie für jedes minderjährige Kind um je 1 v. H ermäßigt, bei Lohn- und Ge­haltsempfängern für bas 4. und jebeS wettere Kind um je 2 Prozent ausgenommen fclbft- verdienende Kinder über 17 Jahre. Das ist ein Tropfen auf einen heißen Stein, und ist nid)tS anderes als die bisherige ungenügende Steuer­erleichterung für Kinderreiche. Ein Ziffernbei- spiel mag die geringe Wirkung der neuen Er­mäßigung für Kinderreiche illustrieren.

Ein kaufmännischer Angest.llier Frau und 2 Kinder mtt 2000 Mrrk 3ahresgehall hat monatlich 166 Mark Einkommen; davon gehen 60 Mark steuerfreier Lohnbetrag für die Wer­bungskosten ab. Von den verbleibenben 106 Mark finb regulär 10 Prozent Steuer zu zahlen, für die Frau unb jedes Kind wird 1 Prozent zurück- gerechnet, er zahlt also 106x7 Proz. rund 7,40 Mark monatlich. Der unverheiratete Kol­lege mit demselben Einkommen zahlt monatlich 10,60 Mark Einkommensteuer Also nur 3,20 Mk. monatlich hat hier der Familienvater vor bem Junggesellen voraus. Das ist ein lächerlich ge­ringer Betrag. Selbst wenn man für jedes Kind 2 Prozent gutbringen wollte, würde er noch 5,30 Mark zu bezahlen haben, auch das genügt nicht. Mtt steigender Kinderzahl muh der Steuer­satz rascher fallen, etwa so, dah für das 1. und 2. Kind 2 Proz., das 3. unb die folgenden Kinder 3 Prvz. gutgebracht werden; ein Fami­lienvater mit Frau und 3 Kindern hätte dann nur 2 Prvz. seines steuerpflichtigen Einkommens als Steuer zu zahlen, im obigen Beispiel also 2,10 Mark monatlich und ein Familienvater mit Frau und 4 ober mehr Kindern bliebe bann steuerfrei, wohlgemerkt nur für die ersten 8000 Mark seines Einkommens. Da aber die große Mehrzahl aller Stmerpflich i ien unter 8000 Mk. Iahresgehalt hat, dürfte sich solch eine erweiterte Steuerermäßigung immerhin ii graf)em Umfang auswirken können und der Ausfall würde, wie oben erwähnt, bei der geringen Zahl der kinder­reichen Familien kaum in die Wagschale fallen.

Diese Verminderung der Steuerleistungen an den Staat würde noch längst nicht dem franzöfi- Prämiensystem gl ichkvmmen. wobei der Staat sich nicht nur nichts zahlen läßt, fonbem seiner­seits ben kinderreichen Staatsbürgern Prämien­zahlungen leistet.